Sind Menschen, die zum Aberglauben neigen, "naiv" oder sogar "bildungsfern"?

36 Antworten

Aberglaube ist ein Zuviel an Glauben. Deutlicher wird das, wenn du dir das lateinisch/englische Wort „Superstition“ ansiehst. Denn wörtlich übersetzt heißt das „Überglaube“ und mit Überglaube meinten schon die ollen Römer die Unart des Übertreibens in religiösen Dingen. Man kann auch sagen, der Aberglaube ist der Bruder des Fanatismus.

Übertreibende in Glaubensdingen müssen weiß Gott nicht dumm sein und auch nicht unbedingt bildungsfern. So kenne ich eine Doktorin der Biologie, die sich zum Vollmond mit Mondsteinen behängt, weil sie sich einbildet, das hülfe ihr gegen Wechseljahresbeschwerden. Aber solche Marotten kann man belächeln, die schaden ja niemandem.

Voltaire verstand unter Aberglauben alles, was über eine normale Verehrung und die Einhaltung der religiösen Gebote hinausging. Was passiert, wenn man im Glauben zu weit geht, das zeigte ihm die Hugenottenverfolgung in der französischen Geschichte. Ein weiteres Beispiel ist der Hexenglaube, der ebenfalls zu schlimmer Gräuel führte. Auch der Glaube an Besessenheit durch Dämonen gehört in diesen Bereich. Der Exorzismus und auch die Inquisition sind eigentlich ein Versuch der katholischen Kirche, Aberglauben zurückzudrängen, um Schlimmstes zu verhindern. Das ist allerdings ziemlich oft auch nach hinten losgegangen.

Heute könnte man vielleicht sagen, unter Aberglaube fällt alles, was dem wissenschaftlichen, philosophischen und religiösen Erkenntnislevel einer Gesellschaft nicht mehr entspricht. So in etwa hat es, glaube ich, der Psychiater Judd Marmor mal formuliert. Ein Atheist würde dem sicher widersprechen und sagen, jegliche religiöse Vorstellung fällt ebenfalls unter Aberglaube. Streng religiöse Menschen wiederum werden alle anderen Glaubensrichtungen außer der eigenen als Aberglaube betrachten. Einfach ist die Definition also wiedermal nicht.

Angst dem Schicksal hilflos ausgeliefert zu sein und der Versuch eben diese durch gewisse Rituale doch irgendwie beherrschbar zu machen, ist auch ein Grund für abergläubische Rituale. Es gibt Wissenschaftler, die hierin, also in der Angstbewältigung, den Grund für die Entstehung von Religionen überhaupt vermuten.

Die meisten abergläubischen Menschen erfreuen sich durchaus bester psychischer Gesundheit. Es gibt aber auch Erkrankungen, die befördern Aberglauben. Dazu zählen z.B. Zwangserkrankungen. Die Angst, es könne was ganz Furchtbares passieren, wenn man auf die Linie zwischen zwei Steinplatten auf dem Gehweg tritt, oder wenn man das Haus verlässt ohne 100 Mal kontrolliert zu haben, ob man auch wirklich abgeschlossen hat, gehen in diese Richtung.

Auch die Homöopathie ist im Grunde nichts Anderes als Aberglaube. Keine der behaupteten Wirkungen der Homöopathie außer der des Placeboeffekts konnte jemals wirklich bewiesen werden. Aber die Homöopathie und der gesamte Esoterikbereich sind das beste Beispiel dafür, dass sich Bildung und Aberglaube nicht gegenseitig ausschließen, denn die Anhänger hier sind vornehmlich Frauen mit gutem Bildungsstand und gutem finanziellen Hintergrund.

Hallo!

Der Satz der Leherin finde ich echt unmöglich, arrogant und anmaßend. Ich würde eher sagen, ein intelligenter Mensch, würde niemals über den Glauben eines anderen eine Wertung vornehmen.

Aberglaube/Glaube haben nichts mit Intelligenz, oder Bildung zu tun. Und Naivität zu unterstellen wäre eine Wertung, die mehr über den "Wertenden" aussagt, als über den "Gläubigen".

Ich bin von "Aberglaube" und "Glaube" betroffen. Ich bin nämlich Theatermensch und Christ.

Am Theater ist man sehr abergläubisch. Man darf dort nicht pfeifen, bei Proben nicht klatschen, wenn einem Toi, Toi, Toi, gewünscht wird, wird 3x über die Schulter gespuckt, und wehe es wird über die falsche Schulter gespuckt, oder man sagt Danke danach, dann geht die Aufführung in die Hose. Aberglaube.....aber viele halten sich daran.....  Sind sie deswegen dumm, ungebildet, oder naiv? Ganz sicher nicht.... Genau so wenig wie die Milliarden von Menschen, die an Gott glauben.

Aber das sollte natürlich in einem gewissen Rahmen bleiben. Wenn Menschen das zu ernst nehmen, oder wie du schreibst "hysterisch" reagieren, könnte es sich auch schon um eine ausgewachsene Angststörung handeln. Das sollte man dann vielleicht doch psychologisch untersuchen lassen.

Aber wie schon gesagt, mit Intelligenz, Bildung oder Naivität, hat das sicher nichts zu tun.

LG :-)

Als Antwort hätte ich Deiner Lehrerin gesagt, dass kein intelligenter Mensch behaupten wird, dass Gott per Intelligenz erfassbar und der Glaube mit der Ratio vereinbar ist...

Extremer Aberglaube ist ein Aspekt der Angst. Anstecken kann man einen Menschen nur, wenn dieser ebenso ein ängstlicher Mensch ist, sprich dieser sich dann aus der eigenen Ängstlichkeit heraus anstecken lässt...

Angst ist ein emotionaler Zustand und hat wenig bis gar nicht mit Naivität und Bildungsferne zu tun...

Wie sollte man mit soetwas umgehen?

Ganz einfach: sich nicht verrückt machen und sich nicht anstecken lassen...

Gruß Fantho

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