Schwächen einer jeden Verschwörungstheorie?

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Moin,

eine Verschwörungstheorie erkennst du daran, dass sie in der Einbeziehung von Sachverhalten selektiv ist, Argumente mit rhetorischer Ausdrucksgestaltung vertauscht, bei Gegenargumenten sich reflektions- und analysescheu bis -resistent zeigt und entweder durch redundante Über- oder demonstrative Unterkomplexität in der Präsentationsform den psychologischen Charakter des Veröffentlichungsmotivs offenbart. Gruß


BBasti89M 
Beitragsersteller
 18.07.2024, 15:41

Was du schreibst, würde ja z.B: auf die Argumente von Atomkraftgegnern zutreffen, auch wenn man dort das erwähnen irgendeiner Verschwörung weglässt. Zwar argumentieren einige bekannte Atomkraftgegner manchmal mit Verschwörungen, aber bei denen ist das keineswegs offensichtlich ein Hauptargument.

Grautvornix16  21.07.2024, 11:53
@BBasti89M

Moin. Das mag sein, dass es auch dort wie überall Menschen gibt, die sich einer thematisch-politischen Gruppe eher aus einem emotional initiierten Impuls heraus mit nachträglich konstruierten dumpfen Rationalisierungsstrategien anschließen.

Soweit ich aber den fachlich qualifizierten Diskurs zu diesem Thema verfolgt habe scheinen mir die Plausibilitätslücken tatsächlich eher auf der Seite der Befürworter zu liegen.

BBasti89M 
Beitragsersteller
 22.07.2024, 17:07
@Grautvornix16
Soweit ich aber den fachlich qualifizierten Diskurs zu diesem Thema verfolgt habe scheinen mir die Plausibilitätslücken tatsächlich eher auf der Seite der Befürworter zu liegen.

Das will ich nicht lange anschneiden, sage bloß dazu, dass es mit Wissenslücken zu tun hat bei jedem, mit dem ich das angeschnitten habe.

Was ich aber allgemein darauf hinauswollte, bei deiner Erklärung über Verschwörungstheorie fehlt mir irgendwie, dass es um eine Verschwörung gehen muss.

Was ich aber verblüffend finde, an dem was du sagst:

Viele Verschwörungstheorien erzeugen ihre eigenen Erfindungen über wissenschaftliche Fakten, wie z.B. Erde Flach, Atommüllendlager vollkommen unerforscht (wurde nie ernsthaft dran gearbeitet oder ist vollkommen ohne (positiven??) Ergebnis gewesen), Alle Lösungen von (ehemaligen oder aktuellen) Sicherheitslücken bei AKW und bei staatlichen Impfprogrammen sind respektive Lügen der Atomlobby und der großen Pharmalobby, etc.

Und dadurch erzeugt man dann künstlich diese Plausibilitätslücken von der Art, wie du sie oben genannt hast. Diese entstehen dann bei vielen Leuten bezüglich irgendeiner Impfung beispielsweise und dann wir dort genauso weiter argumentiert, wie du das in deiner Antwort beschreibst.

eine Verschwörungstheorie erkennst du daran, dass sie in der Einbeziehung von Sachverhalten selektiv ist, Argumente mit rhetorischer Ausdrucksgestaltung vertauscht, bei Gegenargumenten sich reflektions- und analysescheu bis -resistent zeigt und entweder durch redundante Über- oder demonstrative Unterkomplexität in der Präsentationsform den psychologischen Charakter des Veröffentlichungsmotivs offenbart.

Und genau das bleibt bestehen.

Es schaffen aber die Leute nicht, die Überkomplexität oder Unterkomplexität zu erkennen, weil sie nicht "den fachlich qualifizierten Diskurs zu diesem Thema verfolg[en]" können. Dazu müsste man erst mal Verschwörungstheoretiker nicht mit Experten verwechseln, und dazu braucht man erst eine Infomarmationsquelle, die das nicht tut. Hier im Forum tut sich beim Thema Impfungen irgendwie 1/3 der Benutzer schwer.

Ist dir das schon aufgefallen?

Grautvornix16  16.08.2024, 10:25
@BBasti89M

BBasti89M Moin.

Das Problem ist nicht ein bestimmtes Thema, sonder der Begriff "Verschwörungstheorie" selber als Ausdruck einer tieferliegenden Fehlentwicklung. Auf dessen Grundlage lassen sich nur "Glaubenskriege" zur Frage, wer die Wahrheit repräsentiert jenseits aller Vernunft austragen - keine vernunftgeleiteten Diskurse über einen Sachverhalt.

Es ist ein politisch-rhetorischer Kampfbegriff, der beliebig für einen Andersdenkenden / -meinenden angewendet werden kann und leider von allen Seiten benutzt wird, um zu diskreditieren. - Diese Strategie ist schon seit der Antike mit ihren sophistischen Rhetorikschulen zur Schulung von Zöglingen der Oberschicht als Vorbereitung auf eine politische Karriere als die rhetorische Figur des "Argumentum ad Hominem" bekannt. (Wenn du ein Argument nicht entkräften kannst, stelle die Glaubwürdigkeit des Argumentierenden in Frage).

Es gibt aber eine psychologische Kategorisierung, die Rückschlüsse zur Verwendungsperspektive zulässt:

  • Aus der Position der Selbstgewissheit und (vermeintlichen) Stärke (Arroganz) heraus sind es die "Verschwörungstheoretiker"
  • aus der Position der "Underdogs" und verkannten "Durchblicker" sind es die "Schlafschafe"

Grundsätzlich offenbart sich beim Verwendern solcher rhetorischer Stilelemente nur die fehlende Bereitschaft oder Fähigkeit, sich Detailwissen anzueigen und / oder in mühsamen, voraussetzungs- und hierarchiefreien Diskursen Sachverhalte sachlogisch zu erörten. Hier geht es eher um den psychologischen Sachverhalt, einer persönlichen Einstellung aus persönlichen Motiven heraus auf der ebene eines emotionalisierten Diskussionsprozesses Geltung zu verschaffen. Scheinbare "Argumente" folgen einem intuitiv-selektiven Reflex der "psychologischen" Wirkung - nicht sachlogischen Klärungsbedarfen.

  • Natürlich gibt es "Verschwörungen" im engeren und im weiteren Sinne - Netzwerke von Interessensorganisation, die zum Ziel haben, das Wohl weniger gegen die Bedürfnisse und Rechte der Allgemeinheit durchzusetzen. - Jeder, der lange genug aufbleiben kann, um saubere investigativjournalistische Recherchen auf Phönix oder ähnlichen Sendern zu sehen, kann dieses Unwesen als real existierend hautnah mitverfolgen - auch die Strategien mit denen das Unplausible für die Allgemeinheit plausibel gemacht werden soll.
  • Natürlich ist das, was wir umgangssprachlich als "Theorie" bezeichnen nur mehr oder weniger komplexe Spekulation auf der Grundlage von Vermutungshypothesen
  • Natürlich bedeutet Theorie auch, dass der empirische Teil der "Beweisführung" zeitweise noch fehlen kann (siehe "Higgsteilchen") - was aber nicht bedeutet, dass nur "wahr" ist, was auch eine empirische Dimension hat (siehe begriffslogische Ordnungsparameter: Gerechtigkeit, Menschenwürde, Demokratie.....)
  • Natürlich gibt es psychologische Effekte der Aufmerksamkeits- und Urteilssteuerung, die jedes Denken selektiv machen - Wahrnehmung ist immer konstruktivistisch
  • Natürlich gilt aber auch, dass vernunftgeleitetes Erkenntnisinteresse weiß, dass "Wissen" immer begrenztes Wissen ist, während psychologisch geleitetes Erkenntnisinteresse immer nach Gewissheit strebt, weil es letztlich Selbstgewissheit meint (der alte Satz:"Wissen kennt Grenzen, Dummheit nicht")

Was heißt das also: Es geht um die Qualität des Verfahrens bei der Annäherungen an wahrscheinliche Wahrheitswerte im Rahmen rationaler Sachverhaltsklärungen und schlussfolgernder Bewertungsverfahren möglicher Ergebnisse.

Das setzt vorraus, dass "Aufklärung" als Prinzip der Vernunft - sowohl beim Entdecken von Informationen als auch bei der kritischen Selbstbeobachtung ihrer Verarbeitung (Selbstdistanz) für mich selbst nicht als mühseelige Belastung, sondern als die Bereicherung (Horizontvergrößerung) eines "Weltentdeckers" als Teil einer Haltung empfunden wird (Tugendlehre?).

Und das setzt wiederum eine Souveränität in der Persönlichkeitsstruktur voraus, deren Schaffung in einer Gesellschaft, deren Wertschöpfungsprinzip wesentlich auf der Emotionalisierung zur intuitiven Auslösung betriebswirtschaftlicher Maximierungsprozesse beruht, eher zunehmend unwahrscheinlich erscheint.

Insofern ist die "Gestaltung" der öffentlichen Debattenkultur nur Ausdruck eines tieferliegenden Steuerungsparadigmas einer "Leitkultur" dieser Gesellschaft mit allen darin enthaltenen psychologischen Effekten.

Anderer Meinung zu sein, der Meinung zu sein, dass Meinung manipuliert wird, der Meinung zu sein, dass es ein Machtgefälle bei der Geltendmachung der eigenen Meinung gibt ... so what? - Natürlich läuft das im realexistierenden gesellschaftlichen Alltag so.

Die entscheidende Frage ist, welchen Anspruch wir an uns selber haben, Psycho-Logik von Vernunft unterscheiden zu können, um am Ende nicht von Anderen zu fordern, was wir selbst nicht machen.

Insofern: Einzeldiskurse über "Impfen" oder "Atomkraft" sind nur "Prüfsteine" für die Qualität unserer Diskurse über die Frage: Wieviel Vernunft steckt wirklich in unserem Gesellschaftssystem? - Aufklärung oder modernisierter Feudalismus?

Gruß

BBasti89M 
Beitragsersteller
 16.08.2024, 12:15
@Grautvornix16

Das ist alles sehr interessant.

Ich kenne aber eine andere Definition der Verschwörungstheorie. So gesehen gäbe es eine wissenschaftliche und genauso eine verschwörungstheoretische Methode. Solides Wissen liefert nur erstere.

Verschwörungstheorien erkennt man demzufolge daran, dass sie mit Methoden ermittelt wurden, die bereits bekanntermaßen zu unbrauchbaren Ergebnissen führen. Das passiert, weil derartig leicht Unterstellungen benutzt werden, dass man von seiner Arbeitsweise zu weit so vorgeht, wie ein Romanautor, der Stichpunkte zu einer Erzählung verspinnt, wobei bei der Verschwörungstheorie zwar die Stichpunkte real sind, aber die Unterstellungen konkret folgendes erzeugen:

  • Es muss eine verdeckte Verbindung geben
  • Es kann nicht durch Zufall passiert sein
  • Es kann nicht das offensichtliche sein (d.h. die verhasste Personengruppe muss notwendigerweise lügen)

Jetzt solltest du innerhalb dieser Definition eine Verschwörungstheorie annehmen, wenn diese obigen Unterstellungen so ausgeprägt sind, dass diese Arbeitsweise keine Aussage über das Wohlverhalten der verhassten Personengruppe mehr zu lässt. So gesehen wird eine Personengruppe (z.B. Wissenschaftler für Impfstoffe oder Atomkraft) von einem Verschwörungstheoretiker (per Definition) so gehasst, dass deren Verhalten als Verschwörung unterstellt werden wird, egal, was die wirklich tun.

Jetzt gibt es aber eine Art von Theorien, die von ihrem Inhalt her einfach schon verdächtig klingen. Das kann an der Benutzung von den drei Unterstellungen liegen, aber ein Beweis dafür ist in einem verdächtigen Klang der Theorie einfach nicht zu finden.

Eine genaue Analyse ist notwendig. Aber im Alltag haben viele keine Zeit dafür. Man unterstellt einfach, dass etwas eine Verschwörungstheorie ist.

Grautvornix16  18.08.2024, 15:38
@BBasti89M

Ich denke, dass, wenn ich alles was du sagst richtig verstanden habe, wir mit verschiedenen Stilen dasselbe sagen. Sonst müsstest du den Dissenz genauer identifizieren, damit ich diesen erkennen kann.

BBasti89M 
Beitragsersteller
 18.08.2024, 15:43
@Grautvornix16

Im wesentlichen stimmen wir überein.

Bloß wenn die Bezeichnung "Verschwörungstheorie" fällt, dann steckt dort oft ein echter Grund dahinter, die so bezeichnete Theorie nicht ernst zu nehmen. Man kann aber wie immer nicht dafür garantieren. Das ist aber für den Begriff "Verschwörungstheorie" dasselbe wie für alle anderen.

der Begriff "Verschwörungstheorie" selber als Ausdruck einer tieferliegenden Fehlentwicklung. Auf dessen Grundlage lassen sich nur "Glaubenskriege" zur Frage, wer die Wahrheit repräsentiert jenseits aller Vernunft austragen

Demzufolge kann ich (nur) dieser Aussage nicht zustimmen, weil ich glaube, dass man den Begriff auch sinnvoll nutzen kann.

wir mit verschiedenen Stilen dasselbe sagen

Das dürfte auf den Rest der Diskussion zutreffen.

Grautvornix16  19.08.2024, 12:26
@BBasti89M

Nein, man kann ihn nicht sinnvoll nutzen - egal von welcher Seite der Betrachtung her er in Anspruch genommen wird (wie man ja auch gut mitverfolgen kann). So kann jede Seite von sich behaupten, die "gute Seite" zu sein und diesen Bla-Bla-Begriff "zu Recht" zu benutzen - nur die andere Seite hat "das Recht" dazu nicht, weil sie ja natürlich "Unrecht" hat. - Es ist ein universell einsetzbarer "Kampfbegriff" der politischen Rhetorik zur argumentationsfreien Erzeugung von Überzeugungen statt von Ergebnissen auf der Grundlage von Sachrecherchen. Das ist das "Trump-Prinzip": du musst Menschen nicht mit Sachanalysen kommen, das überfordert sie nur. Du must sie nur überzeugen - nicht informieren. Das ist politische Psychologie.

Deshalb finde ich es ja auch besonders abstoßend, dass diese Mittel auch ausgerechnet von der Seite des politischen Establishments verwendet werden, die von sich behaupten, sich an Fakten zu orientieren. Damit sind sie aber in einem Boot mit Demagogen und schaden dem gesellschaftlichen Ganzen.

Denn natürlich kann ich immer behaupten, dass ein "Außenstehender" mit seinen Vermutungen "Verschwörungstheoretiker" ist, da er zwar Muster / Zusammenhänge sieht, sie aber nicht "beweisen" kann. Das führt dann dazu, das man jede begründete Vermutung mit dem Argument fehlenden Wissens als "Verschwörungstheorie" abtun und ausgrenzen kann. Im Klartext heißt dass, dass alle "Normalos", die nicht über Insiderwissen verfügen die Klappe halten sollen, soweit sie einer Sache oder Aussage kritisch gegenüberstehen. Sie sind ja unwissend und ihr Verdacht nur "individualpsychologisch" motiviert. - Nein - dieser Begriff ist völlig untauglich, um Missstände aufzudecken. jedes "Aufdecken" fängt mit einer Vermutung an. - Es geht um die Forderung nach der Demokratisierung der Gesellschaft durch informationelle Emanzipation des Einzelnen. Alles andere sind Machtspielchen bei denen mal der und mal der um die Akzeptanz der "Gläubigen" kämpft, indem er sie rhetorisch beeindruckt. ;-)

BBasti89M 
Beitragsersteller
 19.08.2024, 14:08
@Grautvornix16

Erst einmal Danke für den sachlichen Tonfall und die qualitativ hochwertige Diskussion.

So kann jede Seite von sich behaupten, die "gute Seite" zu sein und diesen Bla-Bla-Begriff "zu Recht" zu benutzen

Diese Gefahr sehe ich auch. Wenn ich bloß wüsste, wie man dem begegnet. Für mich ist nicht ersichtlich, wie die Abschaffung eines Begriffes das ändern würde.

Ich hatte gerade eine Diskussion mit jemandem, der die Theorie der Radioaktivität zum AKW in Saporischia mit dem Argument "Die Halbwertszeit ist sehr lange" lösen wollte. Da stehen aber mehrere Halbwertszeiten in dem verlinkten wissenschaftlichen Fachartikel, nicht bloß eine. Und sein Argument dazu war, dass ich bloß seine Zeit verschwenden und mich aufspielen wollte und er hat nur noch weitere persönliche Anfeindungen gebracht und mich blockiert.

Zurück zur Wahl korrekter Begriffe. Hängt es nicht vom Kontext ab, ob man auch mal von einer "Verschwörungstheorie" sprechen sollte? Um klar davor zu warnen, dass es Leute gibt, die ein bestimmtes Verhalten an den Tag legen, und man diese deswegen nicht als fachliche Autorität auf ihrem Expertengebiet zitieren sollte, wie man das sonst manchmal tun würde?

Da deine Antwort Nein lautet: Wie ist die Alternative?

BBasti89M 
Beitragsersteller
 19.08.2024, 14:20
@Grautvornix16

Es gibt ja eine heutzutage größere empirische und soziologische Forschung über die Gründe, warum jemanden eine "Verschwörungstheorie" erfindet. Ich hoffe, dass die Ergebnisse dieser Forschung nicht alle unbrauchbar und falsch sind, denn schließlich glaube ich, dass die Forscher mit einer restriktiveren Definition des Begriffes arbeiten.

Im Klartext heißt dass, dass alle "Normalos", die nicht über Insiderwissen verfügen die Klappe halten sollen, soweit sie einer Sache oder Aussage kritisch gegenüberstehen. Sie sind ja unwissend und ihr Verdacht nur "individualpsychologisch" motiviert. - Nein - dieser Begriff ist völlig untauglich, um Missstände aufzudecken.

Wenn man es so breit einsetzt, sehe ich da ein größeres Problem. Es ist nicht einfach, wenn man einfach nur sagt: "ich habe recht und du nicht". Meiner Erfahrung nach wird dieses Verhalten auch vollkommen unabhängig von dem verwendeten Begriff praktiziert. Die Einführung oder Vermeidung von "Kampfbegriffen" ändert (scheinbar?) nichts an dem Problem.

Das ist das "Trump-Prinzip": du musst Menschen nicht mit Sachanalysen kommen, das überfordert sie nur. Du must sie nur überzeugen - nicht informieren. Das ist politische Psychologie.

Das meiste, was Menschen heute wissen, ist Wissen, welches über irgendeine Art von Expertenautorität authentifiziert wird. Und solche Experten identifizieren Menschen nur heuristisch. Am Ende musste ich solche Heuristiken anpassen, da anscheinend, wenn man nicht wählerisch genug ist, man mit einem Sammelsurium an sich zum Teil widersprechenden Aussagen anlandet. Andere würden das vermutlich oft nicht merken.

Jetzt frage ich mich, was ich bisher nicht bemerkt habe.

Grautvornix16  21.08.2024, 11:33
@BBasti89M

Moin, ich begegne solchen Personen und Situationen natürlich auch. Während ich in früheren Zeiten jedoch auch die Überzeugung und das Temperament hatte, einen (aus meiner Sicht) eklatanten Misstand zu einer "guten" Lösung zwingen zu wollen - egal ob durch logischen oder psycho-logischen Erfolg bin ich heute der Auffassung, dass man nur 2 Dinge tun kann: a) auf die Argumentationslücken aufmerksam zu machen und deren Klärung einzufordern und b) auf bestehende Mängel im Gesprächsverhalten aufmerksam zu machen und deren Analyse einzufordern.

Denn a) und b) repräsentieren ja die 2 Grundlagen für die qualitative Unterscheidung zwischen Diskussion und Diskurs.

Es gilt also vor ab zu klären, was der andere überhaupt will. Wenn dann noch Klarheit darüber herrscht, das eingebrachtes Wissen IMMER begrenztes Wissen (auch bei "Experten") ist, a) weil es (psychosozial und zufallsgesteuert) immer selektiv (konstruktivistisch) in seiner Entstehung ist, b) weil es immer einen Horizont des Zugänglichen hat und c) weil es seine Bedeutung immer aus relativistischen Konstruktionsprozessen der Kontexterstellung erhält, dann kann man sich darauf verständigen wo persönliche Beweggründe und eigener Wissensumfang die sachlich-rationale Suche nach einer plausibel erscheinenden Antwort beeinflussen. - Das klingt kompliziert - ist es aber nicht. - Einmal verinnerlicht fördert es Bescheidenheit und Demut in der Ausübung der eigenen Rolle als aktiver Teil eines lebendigen und gerne auch kontroversen gesellschaftlichen Miteinanders in Kommunikations- und Meinungsbildungsprozessen.

Das bedeutet ja nicht, dass man darauf verzichtet, Dinge als falsch oder schädlich zu benennen und eigene Positionen zu vertreten. Es bedeutet nur, das man eben nicht in die Falle läuft, über "politisch-demagogische Stilmittel" "auf der Seite des Guten gegen das Böse" zu kämpfen und damit genau das macht, was diejenigen machen, die HERRSCHEN und nicht AUFKLÄREN wollen. ;-)

Wenn du also jemanden triffst, der sich nach deinem Eindruck in einen Meinungsaustausch aufgrund primärer "individualpsychologischer Bedürfnisse" einmischt, würde ich Merkmale für meinen Eindruck benennen und eine Klärung versuchen. Funktioniert das nicht kann man diese Situation nur verlassen.

Der Begriff der "Verschwörungstheorie" ist da ja ein gutes repräsentatives Beispiel:

Wenn ich einem Lindner ein offensichtliches Ungleichgewicht bei seiner billigen Hetze gegen die Schwächsten in der Gesellschaft im Vergleich zum vollständigen Fehlen einer Thematisierung von Steuerhinterziehung vorhalte und hieraus (zu Recht) vermute, dass er ganz offensichtlich mit seinen psychologischen Voraussetzungen und seinem begrenzten Sachverstand eigennützige politische Selbstorganisation zu Lasten des Allgemeinwohls (seine eigentliche Aufgabe) betreibt, würde er mich in dieser fiktiven Konfrontation wahrscheinlich als "Verschwörungstheoretiker" bezeichnen, um meine Kritik zu tabuisieren und zu diskreditieren. - Natürlich könnte ich einen Lindner, einen Linnemann und wie diese ganzen Konsorten mit ihren politisch organisierten "Psychpathologien" alle heißen mit ihren abstrusen Ideen vom kontroll- motivations- und sanktionsbedürftigen "Kleinen Mann" auch als Verschwörungstheoretiker bezeichnen. Das endet aber in "Maulfechterei" bei welcher immer der die Oberhand behält, der redegeschulter ist und mehr Möglichkeiten besitzt diese "Kompetenz" einzusetzen.

Nein, es bleibt nichts anderes übrig, als diese Charaktere mit ihren eigenen Widersprüchen zu konfrontieren - auch wenn man müde ist.

Müdigkeit ist kein hinreichender Grund, seine Autonomie an "trumpistische oder putinistische" Manipulationsstrategien auszuliefern oder sogar deren Methoden zu kopieren.

Ich stamme selbst aus einer Vielgenerationen-Arbeiterbiographie und weiß, was Müdigkeit in der Mühsal der Daseinssicherung bedeutet. Aber ich weiß auch, dass diese Männer und Frauen immer wieder einen Weg gefunden haben, in ihrem Bewußtsein für die eigene Würde, die "spezielle Logik" von Zechen- und Stahlbaronen und feudalistischer Politbonzen zu entlarven und sich, trotz ihrer Müdigkeit, eine logischere Vorstellung von gesellschaftlicher Gerechtigkeit zu verschaffen und diesen Eliten erfolgreich entgegenzusetzen.

Und wie müde waren 1525 die Bauern in Leibeigenschaft?

Schon die >Memminger Thesen< zu Beginn der "Bauernkriege" haben die feudalen Ungerechtigkeiten durch fehlende Plausibilität der Status Quo-Begründungen identifiziert. Ungerechtigkeit und Einseitigkeit ist IMMER unplausibel - auch ohne "Experten-Unwesen". Schaust du hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Zw%C3%B6lf_Artikel

Ich habe bis heute eine andere Antwort als die >Aufklärung< gefunden, um den "Planet der Affen" evolutionär weiterbringen zu können - nicht nur in meinem Interesse, sondern auch im Interesse meiner Kinder und Enkelkinder.

Ich sehe nicht, wie ich das als Teil der "Gorilla-Elite" (um im Film zu bleiben) tun könnte.

Gruß

Grautvornix16  21.08.2024, 11:45
@Grautvornix16

es muss natürlich heißen: ... .Ich habe bis heute (k)eine andere Antwort als die >Aufklärung< gefunden ...

BBasti89M 
Beitragsersteller
 21.08.2024, 22:50
@Grautvornix16

Das sind ja alles sehr interessante Ausführungen. Bei der Länge des Textes ist es natürlich wenig, wenn ich nur einen Diskussionspunkt sehe.

und hieraus (zu Recht) vermute, dass er ganz offensichtlich mit seinen psychologischen Voraussetzungen und seinem begrenzten Sachverstand eigennützige politische Selbstorganisation zu Lasten des Allgemeinwohls (seine eigentliche Aufgabe) betreibt, würde er mich in dieser fiktiven Konfrontation wahrscheinlich als "Verschwörungstheoretiker" bezeichnen

Ich würde dann diese Aussage als eine Lüge verstehen. Er hätte genauso jede andere erlogene Diskreditierung wählen können.

abstrusen Ideen vom kontroll- motivations- und sanktionsbedürftigen "Kleinen Mann"

Auch das sollte wohl keine Eindeutige Verschwörungstheorie sein.

Allgemein kann man die Expertenautorität von Personen in Frage stellen, die auffällig häufig argumentieren, dass Gegenbeweise gegen Ihre Theorie von einer Verschwörung gefälscht worden seien. (Es muss ja nicht sein, dass deren Theorie falsch ist, sie wird es aber oftmals sein)

Das endet aber in "Maulfechterei" bei welcher immer der die Oberhand behält, der redegeschulter ist und mehr Möglichkeiten besitzt diese "Kompetenz" einzusetzen.

Das Ergebnis sollte aber eh eintreten, oder?

Das ist doch auch der Fall, wenn die Strahlung von Handymasten und Atomkraftwerken und der Infraschall aus Windkraftanlagen wieder einmal größer ist, wie dazu eigentlich Energie vorhanden ist (Energieerhaltungssatz).

Die Strahlung wird dann rhetorisch stark aufgebaut und jede Statistik oder Anekdote ist dann immer ein Nachweis, dass es ganz schlimm ist. Da jetzt die Strahlung vom AKW nicht immer ganz ohne war, kann man das maßlos übertreiben und keiner wird es merken.

Da eine echte Erkenntnis hier nachrechnen oder nachmessen erfordert, werden die allermeisten Menschen einfach nie darauf kommen, dass sie getäuscht wurden.

Daher gewinnt immer das rhetorisch geschicktere Argument.

Die so genannten "Verschwörungstheorien" sind keine Theorien im wissenschaftlichen Sinne, dafür mangelt es ihnen schlichtweg an Substanz.

Wissenschaftliche Theorien sind ganze (objektive und nachvollziehbar begründetete) Erklärsysteme und keine singulären Aussagen, die man unter dem Maßstab der möglichst objektiven Rationalität sofort widerlegen oder diskreditieren kann.

Es sind Verschwörungsmythen. Moderne Lagerfeuergeschichten, wenn man so will.

Schwächen einer jeden Verschwörungstheorie?

Das sind keine schwächen der Theorie sondern der Theoretiker.

Es gibt keine Schwäche für alle Verschwörungstheorien. Wenn überhaupt dann gibt es einen Fehler bei globalen Verschwörungtheorien.

Es ist ja auch nicht so das jede Verschwörungstheorie falsch ist. Es existierten in der Menschheitsgeschichte milliarden an Verschwörungen. Ein zusammen begangener Mord, ein Staatsstreich, eine einigung zusammen einen Kollegen aus dem Job zu mobben sind alles Verschwörungen.

Aber für das was du hören willst wäre das Generelle Unverständnis davon was eine Wahrscheinlichkeit ist noch zu ergänzen.

Es geht nicht nur um einzelne Zufälle die man überbewertet auch darum das man nicht versteht das z.B. bei 95% Schutzwirkung noch 5% bleiben wo der Schutz versagt.

Etliche Impfverschwörer dachten jetzt den Großen Beweis zu haben als sie Posteten das Corona in einem Durchgeimpften Altersheim ausbrach. In deren Phantasie hätte ein Impfstoff die Infektionen um 100% reduzieren müssen. Tut das eine Impfung nicht wurde das als Beweis gesehen das sie überhaupt nicht wirkt.

Das 1 % 99 % und 100 % drei unterschiedliche Umstände nicht scheint in De ca. ein drittel der Bevölkerung nicht mehr zu verstehen.


EinAlexander  17.07.2024, 21:18
Es ist ja auch nicht so das jede Verschwörungstheorie falsch ist

Doch. Jede einzelne.

Man muss unterscheiden zwischen "Verschwörung" und "Verschwörungstheorie" (besser: Verschwörungsmythos oder Verschwörungserzählung).

Verschwörung

Verschwörungen gibt es. Das ist unbestritten. Die Presse deckt jedes Jahr mehrere davon auf. Der Dieselsakandal war eine solche Versschwörung. Glühbirnenkartell, Bildröhrenkartell, Brauereikartell, Matratzenkartell und zahlreiche andere Absprachen sind real existierende Verschwörungen, die aufgedeckt wurden.

Sicher gibt es noch jede Menge anderer Verschwörungen, die noch oder auch nie aufgedeckt werden.

Verschwörungsmythos (Verschwörunghstheorie)

Ein Verschwörungmythos liegt vor, wenn Gläubige 

  • ohne Belege dafür zu haben daran glauben, dass
  • ein Elite (= kleine, mächtige Gruppe)
  • im Geheimen etwas plant
  • das dieser Elite einen Vorteil verschafft
  • und allen anderen schadet

Verschwörungserzähler beharren selbst dann noch auf der Richtigkeit des Verschwörungsmythos', wenn längst widerlegt wurde, dass eine solche Verschwörung existiert.

Eindeutige Belege und Beweise, dass eine solche Verschwörung nicht existiert werden nicht als Gegenbeweise akzeptiert sondern sogar als Bestätigung dafür gesehen, wie gut die Elite in der Lage sei, Beweise zu manipulieren.

Und so etwas gib es nicht und gab es noch nie.

Asporc  17.07.2024, 21:22
@EinAlexander
Doch. Jede einzelne.

Falschbehauptung!

Eine Theorie kann wahr oder Falsch sein. Das ändert nichts daran das es eine Theorie ist.

Verschwörungsmythos wird deshalb heutzutage lieber als Begriff benutzt weil viele Verschwörungstheorien nicht den Sachlichen Inhalt haben um eine Theorie zu sein.

Den eine Theorie ist eine "wissenschaftlich " begründete Aussage.

Damit hast du dich total in den Worten verzettelt du machst jetzt dasselbe wie die Verschwörungsmythologen. Weil es Theorien gibt die keine Theorien sind sondern Mythen oder erzählungen ist lt. dir jede Theorie eine Mythe oder Erzählung.

Das ist schlichtweg falsch.

EinAlexander  17.07.2024, 21:28
@Asporc
Verschwörungsmythos wird deshalb heutzutage lieber als Begriff benutzt weil viele Verschwörungstheorien nicht den Sachlichen Inhalt haben um eine Theorie zu sein.

Korrekt.

Den eine Theorie ist eine "wissenschaftlich " begründete Aussage.

Korrekt.

Das ist schlichtweg falsch.

Was soll falsch sein? Dass es sich bei dem üblichen Geschwurbel, das landläufig als „Verschwörungstheorie“ bezeichnet wird, gar nicht um Theorien sondern allenfalls um Phantasien handelt? (selbst den Begriff „Hypothese“ mag ich dafür nicht verwenden)

Asporc  17.07.2024, 21:41
@EinAlexander

Wo haben der FS oder ich von dem geredet was "landläufig" als Verschwörungstheorie betitelt wird?

Es wurde explizit nach Verschwörungstheorie gefragt nicht Verschwörungserzählung, nicht Mythologie nicht sonstwas.

Das du denkst das mit Theorie Mythologie gemeint war könnte sein oder nicht. Somit sind deine Aussagen falsch die behaupten das alle Verschwörungstheorien falsch sind.

Den bei korrekter und aktueller Begriffsverwendung ist deine Behauptung schlichtweg total falsch.

EinAlexander  17.07.2024, 21:48
@Asporc
Es wurde explizit nach Verschwörungstheorie gefragt 

Ja, Es gibt aber keine Verschwörungstheorien, weil eine „Theorie“ etwas wissenschaftlich Untermauertes ist. So wie die Evolutionstheorie oder die Gravitationstheorie.

Und genau dieser wissenschaftliche Unterbau fehlt diesen „Verschwörungstheorien“ eben.

Wenn das für dich einfacher ist, können wir aber gerne beim Begriff „Verschwörungstheorie“ bleiben.

Asporc  17.07.2024, 21:49
@EinAlexander
Und genau dieser wissenschaftliche Unterbau fehlt diesen „Verschwörungstheorien“ eben.

EBEN NICHT

Der Fehlt bei VerschwörungsMYTHOLOGIEN.

wenn eine Verschwörungstheorie erfordert, dass 3 oder mehr Leute über längere Zeit die Klappe halten udn nix ausplaudern, dann kannst du sie schon vergessen.

eine Verschwörungstheorie sagt aber sehr viel über die Gesellschaft bzw die Stimmung in der Gesellschaft aus, in der sie erfolgreich ist!


Asporc  17.07.2024, 20:54
wenn eine Verschwörungstheorie erfordert, dass 3 oder mehr Leute über längere Zeit die Klappe halten udn nix ausplaudern, dann kannst du sie schon vergessen.

Es gab also noch nie einen Militärputsch ?

Asporc  17.07.2024, 20:55
@horribiledictu

So lange bis er erfolgreich war. Das dauert teilweise Jahre und braucht mehr als 3 Leute.

horribiledictu  17.07.2024, 21:07
@Asporc

gerade ein Militärputsch braucht sehr wenige Eingeweihte - der Rest sind Befehlsempfänger, denen sag ich 5min vor dem Einsatz, dass ein Einsatz kommt udn was sie zu tun haben.

Asporc  17.07.2024, 21:11
@horribiledictu

Mehr als 3 sind mehr als 3. Und es gibt ja auch noch Putsche die nicht vom millitär waren.

Nebenbei sind Soldaten nicht zwangsläufig Personen mit IQ kleiner 60. Da kann es also leicht passieren das jemand sagt "moment ich soll ein Regierungsgebäude angreifen ? Nööö kein Bock das wäre illegal".

horribiledictu  17.07.2024, 21:13
@Asporc

ja, wenn das genug tun, dann ist der Putsch eben gescheitert - udn wenn er trotzdem klappt, dann wird derjenige, der sich geweigert hat, eben aufgehängt.

Liegt das Problem in der Art der Theorie, oder eher in den Menschen, die sie aufstellen. 

Es liegt an den Gläubigen. Egal ob sie an Allah, Gott, Jesus, Buddha, eine Impfmafia, eine mächtige Pharma-, Finanz-, Milch-, Zucker- oder Süßstoffmafia glauben - alles wird als Beleg für die Richtigkeit ihrer Hypothese angesehen.

Selbst eindeutige Beweise gegen ihren Glauben sind einfach nur Belege dafür, wie gut die Eliten in der Lage sind, Beweise zu manipulieren .

Alex


Asporc  17.07.2024, 21:00

Es gibt aber eindeutige Beweise dafür das Unternehmen die gezuckerte Lebensmittel herstellen gezielt Beweise für die harmlosigkeit von Zucker fälschten und damit versuchten die Beweise für die Schädlichkeit als falsch dar zu stellen.

Da wäre es also die Verschwörungstheorie das das nicht gemacht wurde.

EinAlexander  17.07.2024, 21:12
@Asporc
Es gibt aber eindeutige Beweise dafür das Unternehmen die gezuckerte Lebensmittel herstellen gezielt Beweise für die harmlosigkeit von Zucker fälschten

Ja. So wie die Erdölindustrie den Klimawandel vertuschte und die Tabakindustrie die Gefährlichkeit des Rauchens. Eben weil es dafür Beweise gibt, sind das existierende Verschwörungen und keine Verschwörungserzählungen.