Präsentation Kreationismus vs Evolutionstheorie?

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5 Antworten

Hallo Madel5555,

zuerst einmal muss ich eins loswerden - entschuldige bitte...

Ich bin einfach nur entsetzt, wie man die Frage einer Schülerin zur Unterrichtsvorbereitung hier für kreationistische Propaganda missbraucht. Schämt Euch! Ihr nehmt billigend in Kauf, dass das Mädchen das übernimmt und eine schlechte Note kriegt.

So, jetzt zur Frage:

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Zunächst einmal bin ich über das Thema verwundert. Im Reli-Unterricht hätte ich erwartet, dass der Kreationismus besprochen wird, ja, aber nicht im Vergleich zur Evolution, sondern im Vergleich zu einer etwas aufgeklärteren Theologie. Ich denke daher, dass Du auf alle Fälle inhaltlich auch die theologische Einordnung des Kreationismus als grundlegend falsches Bibelverständnis thematisieren solltest.

Wie die Schüler einbinden?

Ich würde Dir empfehlen, die Schüler durch Fragen einzubeziehen. Ordne die Präsentation über ein paar Kernfragen zur Gegenüberstellung, die Du da machen sollst. Mach' es als Ja/Nein-Abstimmung. Und Du lieferst dann die Auflösung.

In der Art:


"Kreationismus und Evolution" - das sind doch beides Theorien... Was meint Ihr: Stimmt das?"

Und wenn sich die Schüler durch Abstimmung geäußert haben, dann lieferst Du die Auflösung.

"Nein, der Kreationismus ist keine naturwissenschaftliche Theorie. Das liegt daran, dass er nicht falsifizierbar ist und nichts erklärt."

Ich denke, dass die Inhalte Deines Vortrages, wenn sie als Auflösung vorher gestellter Quizfragen daher kommen, interessanter sind und auch besser im Gedächtnis bleiben. Wenn man sich vorher festgelegt hat, möchte man auch wissen, ob man richtig lag - und wenn nein, warum nicht.

Deine nächste Frage könnte zum Beispiel überleiten zur Erklärung, was eine naturwissenschaftliche Theorie ist:

"Die Evolutionstheorie ist doch auch nur eine Theorie - und das heißt doch, dass da nichts bewiesen ist, oder - was meint Ihr? Ja oder nein?

Und dann erklärst Du den Unterschied:

Eine naturwissenschaftliche Theorie ist etwas ganz anderes als eine Vermutung oder eine nicht an der Praxis getestete Vermutung, wie die Umgangssprache die "Theorie" verwendet. Eine Theorie in der Naturwissenschaft ist dagegen ein Erklärungsmodell, das einzelne Beobachtungen in einen logischen Zusammenhang stellt. Es muss so genau sein, dass es durch weitere Beobachtungen widerlegt werden kann. Die ET zum Beispiel würde dadurch widerlegt werden, wenn in sehr alten Gesteinsschichten menschliche Fossilien (oder solche von anderen höheren Lebewesen) gefunden werden. Eine naturwissenschaftliche Theorie kann also durch Beobachtungsdaten gestützt oder widerlegt werden. Dass in der Natur der Prozess der Evolution abläuft ist durch eine Vielzahl von Beobachtungen bestätigt.

Der Kreationismus kann dagegen nicht an der Beobachtung scheitern. Denn er wird immer - egal, was beobachtet wird - sagen: "Das ist so, weil Gott  es so gemacht hat." Der Kreationismus ist also nicht durch Beobachtung widerlegbar, erklärt aber auch keine Beobachtungen. - Der Wissensfortschritt wird durch die immer gleiche Antwort lediglich abgeblockt; der Kreationismus postuliert die Natur als unverstehbar, weil so als Wunder erschaffen.


Weitere Fragen an Deine Mitschüler könnten lauten:

"Muss man denn nicht auch an die Evolution glauben?"

-----> Nein, an naturwissenschaftliche Aussagen "glaubt" man nicht, sondern akzeptiert dasjenige Modell als das überzeugendste, das die meisten Tests an der Natur besteht, das mit keinem Test an der Natur gescheitert ist und das die höchste Erklärgewalt hat.

Die einzigen reinen Annahmen, die naturwissenschaftlichem Arbeiten zugrunde liegen, liegen sehr viel tiefer und betreffen alle(!) naturwissenschaftlichen Aussagen. Dazu zählt zum Beispiel die Annahme, dass wir Menschen etwas über die Natur herausfinden können, indem wir sie beobachten. (Also: Wir leben nicht in einer Matrix/wir leben nicht in einer magischen Welt, in der magische Vorgänge unvorhersehbar ablaufen anstelle gesetzmäßiger Naturprozesse)

"Sind denn die Einwände des Kreationismus gegen die ET naturwissenschaftlich begründet?

-------> Nein. Die Einwände des Kreationismus sind ausnahmslos von Biologen und anderen Wissenschaftlern als unhaltbar zurückgewiesen. Sie beruhen sehr oft auf einer falschen Darstellung der Aussagen der ET (z.B. "Die ET sagt, dass komplexe Formen allein durch Zufall entstehen" (Argument gegen Pappkameraden-Fehlschluss)), interpretiert fehlendes Detailwissen falsch (z.B. "wenn man nicht genau sagen kann wie dieser einzelne Schritt im Prozess genau ablief, muss doch an der Existenz des ganzen Prozeses gezweifelt werden" (Non-sequitur-Fehlschluss)), unterschlägt Teile der ET (z.B. "mit halbfertigen Organen ist das Individuum nicht lebensfähig" unterschlägt den Funktionswechsel: Organe hatten in früheren Formen oft einen anderen Nutzen für die Träger) oder arbeitet mit dem Unwissen der Zuhörer  (Argument aus Unwissenheit-Fehlschluss)

"Widerlegt die ET denn Gott oder das Konzept der "Schöpfung"?"

------> Nein. Wie jede naturwissenschaftliche Theorie beschreibt die ET NUR innerhalb der Natur gesetzmäßig ablaufende Prozesse - eine Definition, die ganz offensichtlich auf Gott nicht zutrifft. "Gott" zählt schlicht nicht zum Gegenstandsbereich der Naturwissenschaften. Die ET macht deshalb wie jede andere naturwissenswchaftliche Theorie keine Aussage über Gott. (Wenn Du einen Fachausdruck bringen willst: Philosophische Basis der Naturwissenschaft ist der "schwache ontologische Naturalismus". Das bedeutet, dass Naturwissenschaft davon ausgeht, die Natur ohne Rückgriffe auf transzendente Seinsebenen beschreiben zu können - die Existenz solcher Seinsebenen aber nicht ausschließt. Sie macht schlicht keine Aussage dazu.)

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass der Kreationismus hier einen ganz grundlegenden Kategrorienfehler macht, indem er das falsche Dilemma "Gott oder Evolution" suggeriert. Essenz dieser Überlegungen ist, dass es sich hier einfach um 2 Fragestellungen handelt, nicht wie vom Kreationismus propagiert um eine: Ist die ET eine gute Beschreibung der Natur? Glaube ich an Gott?

"Schöpfung" ist ebenfalls ein philosophisches Konzept - eine Deutung des Daseins. Auch hierzu macht Naturwissenschaft schlicht gar keine Aussage.

Der Kreationismus ist also neben schlechter Naturwissenschaft (siehe oben) auch ein schlechtes philosophisches Konzept.

"Ist Kreationismus denn wenigstens gute Theologie?"

----------> Nein. Der Kreationismus verkennt den Wert der Bibel als Glaubenszeugnis. Die Bibel wird vielmehr als Tatsachenbericht verstanden, der wortwörlich und ohne Ausnahme unhinterfragbare Wahrheit ist. Das ist nicht die Sicht der modernen Theologie. Diese versteht die Bibel als ein Glaubenszeugnis und weist darauf hin, dass man die antiken Texte immer aus ihrem soziokulturellen Sinnzusammenhang verstehen und deuten muss.

"Haben ET und Kreationsmus dieselbe Absicht?"

-----> Nein.

Als naturwissenschaftliche Theorie will die ET die Natur und die Prozesse darin beschreiben und verstehen. Sie will Beobachtungen erklären. "Nichts in der Biologie macht Sinn außer im Licht der Evolution!" ist ein Zitat des Biologen
Dobzhansky.

Dem Kreationismus geht es dagegen um Autorität: Die Bibel muss, damit sie als Wort Gottes Autorität (auch über die darin angedrohten göttlichen Strafen) besitzt absolute Wahrheit besitzen. Alles was der wortwörtlichen Auslegung widerspricht wird deshalb abgelehnt. Die Bibel wird als einzige und unhinterfragbare Autorität eingesetzt und durch Ablehnung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse immunisiert.

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Und hier sind noch ein paar Texte (keine kreationistischen =D), die Du zur Vorbereitung hernehmen kannst.

Hier ein sehr guter Text auf Englisch auf der Webseite des "National Center of Science Education":

https://ncse.com/library-resource/god-evolution

Eine Einordnung des Kreationismus aus erkenntnistheoretischer Sicht: (Erkenntnistheorie ist der Teil der Philosophie, der sich damit beschäftigt, wie man Wissen erwirbt und bewerten kann)

http://www.martin-neukamm.de/kreation.pdf

Zu den allgemeinen Kategorienfehlern des Kreationismus:

http://www.martin-neukamm.de/argument.html

Und ein Text der evangelischen Kirche zur Thematik:

http://ezw-berlin.de/html/3\_147.php


Und jetzt viel Erfolg beim Vortrag! =)

Grüße

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Kommentar von jovetodimama
03.02.2017, 08:23

Ich bin beeindruckt! Mit dieser Hilfestellung im Hintergrund wird ein guter Vortrag gelingen!

Danke, uteausmuenchen.

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Du musst die Mitschüler hier weder langweilen, noch miteinbeziehen. Mehr als zwei Sätze benötigt diese überflüssige (und in einer Schule auch vollkommen deplazierte) Präsentation nicht:

Evolution ist eine Tatsache, die durch sämtliche Erkenntnisse der Biologie bestätigt wird. Kreationismus ist der vollkommen unwissenschaftliche, klägliche Versuch religiös verbl... endeter Menschen, durch Verdrehung und Vereinfachung der Tatsachen die von ihnen geglaubten, haltlosen Behauptungen als Wahrheit auszugeben.

Eine schlechte Note würde ich hier als vernunftorientierter Mensch ohne Weiteres in Kauf nehmen.

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einen Gegenübenstellung:

ein Plakat, und die Mitschüler sollen Schlagworte, die zu den beiden Theorien aufzählen, die ihnen einfallen

entweder kannst du sie direkt sortiere oder später, aber ich denke, ewig Zeit hast du auch nicht, also direkt sortieren

oder du gibst eine Liste vor, und die Mitschüler sollen darüber etwas sagen

auf jeden Fall solltest du am Ende, die beiden Theorien gegenüber gestellt haben, aber denk daran, du musst am Ende nichts bewiesen haben ;-)

...waren spontane Ideen, vielleicht hilfts

Alle Gute

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Du könntest Deinen Mitschüler(innen) die Aufgabe stellen, verschiedene Abbildungen von auseinander hervorgegangenen Tierarten in die richtige Reihenfolge zu bringen.

Du könntest sie fragen, ob sie glauben, dass die Reptilien ursprünglich Schlangen waren, denen später zur besseren Fortbewegung Beine wuchsen, oder ob die Schlangen ursprünglich Reptilien waren, deren Beine aus irgendwelchen Gründen verkümmerten. (Laut Wiener Naturkundemuseum war es das Letztere, was erstaunlicherweise mit 1. Mose 3, 14 übereinstimmt; vgl. auch http://www.wägwyser.ch/index.php?id=241&id_listeneintraege=694)

Du könntest sie fragen, ob sie es für möglich halten, dass sich aus den stofflichen Zutaten für ein Radio, in eine Schachtel geworfen, von selbst ein Radio entwickelt, wenn man nur ein paar Jahrmillionen zuwartet.

Du könntest sie bitten, sich in Gruppen zusammenzustellen: In die eine Ecke diejenige Gruppe, für die sich gefühlsmäßig nichts ändern würde, sollte sich durch irgendeine bahnbrechende Entdeckung morgen herausstellen, dass die Evolutionstheorie einzig richtig und wahr ist. In die andere Ecke diejenige Gruppe, für die sich gefühlsmäßig nichts ändern würde, sollte sich morgen durch irgendeine bahnbrechende Entdeckung herausstellen, dass die Evolutionstheorie eindeutig widerlegt ist und nurmehr die Schöpfungstheorie aus der Bibel als möglich in Frage kommt. (Falls gewünscht, kann man ja ausmachen, dass eine dritte Gruppe in der Mitte des Raumes stehenbleibt, weil sich für sie in keinem der beiden Fälle gefühlsmäßig etwas ändern würde.)

Du könntest sie bitten, das Aussterben von Tierarten durch Schwinden des angestammten Lebensraumes zu erklären, unter der Annahme, das die Evolutionstheorie als Theorie der immer besseren Anpassung stimmt.

Du könntest sie fragen, weshalb es immer noch Affen gibt, wenn die Menschen aus den Affen hervorgegangen sind und - wie man anhand der wachsenden Weltbevölkerung und bedrohten Affenarten unschwer feststellen kann - die Menschen die weitaus besser angepassten Lebewesen sind.

Du könntest sie bitten, sich eine Minute lang aufzuschreiben, welchen Einfluss auf die Empfindung der Sinnhaftigkeit unseres Lebens die beiden sich widersprechenden Theorien haben. Mit anderen Worten: Welche Theorie bzw. welche Annahme unterstützt die Empfindung der Sinnhaftigkeit unseres eigenen Lebens mehr? Warum?

Falls Du Deine Mitschüler(innen) gut kennst, überlege, was sie gerne tun: Malen sie gerne? Lasse sie Tiere zeichnen. Diskutieren sie gerne? Lasse sie diskutieren. Bewegen sie sich gerne? Lasse sie sich bewegen, in Gruppen zusammenstellen usw. Lassen sie sich am liebsten bedienen? Zeige ihnen viele Fotos. (Eine Gemeinschaftscollage - linke Hälfte Kreationismus, rechte Hälfte Evolutionstheorie - wäre da auch eine Idee.)

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Kommentar von Meatwad
02.02.2017, 16:31

Ja, das könnte man alles fragen (und dafür verdient ausgelacht werden). Aber es geht hier ja um einen Vergleich, und nicht um die Widerlegung der Evolutionstheorie.

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Kommentar von realsausi2
02.02.2017, 19:55

dass die Evolutionstheorie einzig richtig und wahr ist.

Da scheinst Du ja echt was verpasst zu haben.

Du könntest sie fragen, weshalb es immer noch Affen gibt, wenn die Menschen aus den Affen hervorgegangen sind

Du reihst hier tatsächlich das Sammelsurium der hirnlosesten Scheinargumente der Kreationisten zusammen.

Das Auto ist aus der Kutsche hervorgegangen. Warum gibt es dann heute noch Kutschen?

Man sollte hoffen, dass jemand, der es in diesem Land bis in die zwölfte Klasse geschafft hat, Deiner perfiden Missionierung widerstehen kann.

7
Kommentar von juste55
05.02.2017, 08:47

jovetodimama,

wow, klasse Anregungen!

0

Madel5555,

du hast ja schon jede Menge Anregungen erhalten.

Vielleicht noch diesen Link:

http://www.martin-wagner.org/evolution\_oder\_schoepfung.htm

Dort gibt es eine kurze und prägnante Gegenüberstellung.

Allerdings würde ich noch berücksichtigen, daß nicht alle gläubigen Menschen den Kreationismus vertreten .

Also belies dich auch noch mal zu diesem Begriff.


alles Gute


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