Mathematik studieren, wie wichtig ist Vorwissen aus der Schule?

9 Antworten

Hallo,

naja. Das kleine Einmaleins sollte man schon beherrschen und die gängigen Rechentechniken auch. Grundkenntnisse in Infinitesimalrechnung und analytischer Geometrie schaden auch nicht wirklich.

Was im Studium anders ist als in der Schule: Es wird nichts als selbstverständlich hingenommen. Alles muß bewiesen werden, was in der Schule nach dem Motto 'Ist doch klar' abgehandelt wurde. Alles ist abstrakter. Der Mengenbegriff spielt eine große Rolle; die Aussagenlogik usw.

Ich vergleiche es gern mit einem Auto: In der Schule lernst Du - bildlich gesprochen - wofür die einzelnen Schalter und Hebel da sind und wie man sie bedient.

Im Studium lernst Du, warum diese Schalter und Hebel funktionieren und was sie genau im Motor, im Getriebe und in der Elektrik bewirken. Du lernst, dieses Auto nicht nur zu fahren, sondern auch, es zu bauen.

Herzliche Grüße,

Willy

Klar sollte man das kleine Einmaleins beherrschen, das gehört zur Allgemeinbildung, und man braucht es im Alltag des öfteren. Speziell fürs Mathestudium finde ich die Beherrschung des kleinen Einmaleins allerdings nicht so wichtig. Hier finde ich Grundkenntnisse in Mengenlehre wichtiger. (Grundsätzlich finde ich es aber richtig, was Du schreibst, und das Beispiel mit dem Auto ist sehr treffend.)

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Das ist ein wenig zwiespältig. Natürlich wird davon ausgegangen, dass man den Schulstoff kennt und beherrscht. Gleichzeitig wird aber auch davon ausgegangen, dass man in der Lage ist, nicht davon als gegeben hinzunehmen, und Dinge einfach zu vergessen und sie neu zu verstehen, aus einem ganz anderen Blickwinkel. Nimm z. B. so ein Konzept wie die rationalen Zahlen, was genau ist das? Natürlich wird jeder davon ausgehen, dass du alle Rechenregeln für das Bruchrechnen ganz genau beherrscht, aber warum geht das und was bedeutet das eigentlich? Wie komme ich von den ganzen Zahlen zu den Brüchen - und wie finde ich die ganzen Zahlen dann da wieder? Also wird man das mal "wirklich" definieren, dann sich anschauen, warum, wieso, weshalb das alles so klappt, um dann wieder ganz normal damit weiterzuarbeiten. So gesehen hast du dann das Bruchrechnen ganz von vorne gelernt und hättest vorher nichts darüber wissen müssen - aber du hättest einen Riesennachtteil, wenn du vorher nicht schon gewusst hättest, worum es geht.

Letztlich sind alle Themen aus dem Schulstoff nichts anderes als ein paar Anwendungsbeispiele von mathematischen Konzepten. Die/Eine entscheidende Fähigkeit im Studium ist es, einerseits diese Anwendungsbeispiele zu kennen, andererseits sich schnell von ihnen zu lösen und den Blick auf das dahinter liegende Konzept zu richten.

Ich kann nur etwas sagen zum Thema "Ingenieurstudium".
Seit Jahren ist es bei unserer Institution (Hochschule) notwendig, allen Anfängern (auch Abiturienten !) einen "Überbrückungskurs" vor dem oder parallel zum 1. Semester anzubieten, da die Vorkenntnisse in Mathematik nicht ausreichen, um E-Technik oder Maschinenbau erfolgreich studieren zu können.

Von Experte Willy1729 bestätigt

Naja, Du kannst ja gar nicht "kein Vorwissen" haben. Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Mein kompletter Oberstufenstoff (Grundkurs) wurde in den ersten 10 Minuten der ersten Analysis I Veranstaltung als "bekannt" deklariert. Ab da war alles neu.

Was nicht bedeutet, dass man nicht beispielsweise entsprechende Rechenregeln aus der Schule kennen muss. Niemand erklärt Dir beispielsweise Vektorrechnung, Potenzgesetze, Ableitungsregeln oder das Erweitern/Kürzen von Brüchen an der Uni. Das ist schon Basiswissen, was Du haben musst.

Und: Verabschiede Dich schon einmal vom "Rechnen mit Zahlen". Lerne lieber schon mal das griechische Alphabet :-D

kann ich nur zustimmen!

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Das "Handwerkszeug" sollte man schon kennen. Dafür können Vorkurse sehr hilfreich sein, die das noch einmal in ein oder zwei Wochen durchorgeln. So gesehen ist ein "Neustart" möglich, falls man in der Schule den Anschluss verpasst hat.

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Vorwissen ist unwichtig, aber man sollte schon eine gewisse Affinität auch zur Schulmathematik bemerkt haben, sonst wird das Studium sehr sehr hart.

Aber ja, Mathe ist im Studium um einiges abstrakter und Zahlen spielen nicht mehr die Hauptrolle.

Es wird sich aber auch keiner die Mühe machen dir z.B. einfache Integralrechnung nochmal zu erklären. Schulmathe wird vermutlich (ich hab selbst kein Mathe studiert, aber selbst in Ing.-Wissenschaften war es nicht anders) in den ersten paar Vorlesungen nochmal kurz angerissen und mit 2-3 Übungsblättern nochmal abgeklopft, aber danach kommt Neues auf dich zu. Trotzdem dürfte das schon sicher zu können sicher den Start erleichtern.

Du widersprichst dir selber. Einerseits sagt du dass Vorwissen unwichtig ist, andererseits dass es den Start erleichert.

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@MonkeyKing

Es ist unwichtig für das Bestehen des Studium, aber es erleichtert den Start. Was ist daran widersprüchlich. Hab ich dir das zu absolut formuliert? Dann denk dir zwischen "ist" und "unwichtig", noch ein "im Grunde"...

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