Ich schlage und hasse meine Mutter - was tun?

11 Antworten

Hallo, Bingding, dass Du Dich so offen zu Deinem Verhalten äußern kannst, finde ich beachtlich und dies könnte auch die Chance einer Hilfe eröffnen. Du befindest Dich in einem Alter, in dem die Ablösung von den Eltern abläuft. Dies ist ein schmerzlicher und komplizierter Vorgang, der am besten gelingt, wenn die Eltern, in Deinem Fall Deine Mutter, Dich "freigeben" würde/könnte. Einmal wäre das menschlich gefordert zum anderen wäre es ein große Hilfe für euch beide, wenn ihr euch räumlich trennen könntet.

Könntest Du Dir nicht ein Zimmerchen in nicht allzu großer Nähe zur eurer jetztigen Wohnung mieten und versuchen Abstand zu üben? Ein großes Problem für Euch beide ist die ständige und bisher wahrscheinlich "alternativlose" Nähe. Du bist ein emotionaler, temperamentvoller, ungeduldiger und vielleicht auch unbeherrschter Mensch, alles Eigenschaften, die auch Positives bewirken können, wenn Du sie im täglichen Leben auch an anderen "erprobst". Bisher ist für alle Deine Probleme, Stimmugen und Aggressionen Deine Mutter der Adressat und Du erfährst keine Dir adäquate, d. h. gewünschte bzw. erhoffte  Resonanz. Das macht Dich wütend und so kommt es zu diesen wirklich untragbaren "Übergriffen". Vergesse aber nicht, dass Deine Mutter sehr wahrscheinlich mit Dir und deinem Lebenszustand überfordert und entsprechend hilflos und eben daher auch in Deinen Augen inkompetent ist.

Mein Rat wäre, versuche auf welche Weise auch Immer Abstand zu schaffen um von außerhalb wieder auf einander zugehen zu können, dies aber freiwillig und selbstbestimmt und dann sehr wahrscheinlch auch  wieder aggressionsfrei.

Ich wünsche Dir und Deiner Mutter, dass ihr eine lösung findet. Ich halte euer Problem nicht für "krank", sondern nur für "verdrängt".

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Vielen Dank für die hilfreiche Antwort :)

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Hallo Blingding, zunächst einmal meine Hochachtung vor Deiner Offenheit und Deinem Mut, ein solches sehr persönliches Thema in einem öffentlichen Rahmen anzusprechen!
Dass Du das tust, zeigt, wie verzweifelt und dringend Du nach einem Ausweg suchst, der auf diesem Weg natürlich nicht zu finden ist.
Alles, was Du hier finden kannst, sind höchstens Denkanstöße von völlig Außenstehenden, die weder Dich noch Deine Mutter kennen und den Einblick in Deine Situation allein auf der Grundlage Deiner Schilderung erhalten.
Andererseits muss das nicht zwangsläufig schlecht sein.

Ich denke, Deine Zwangsstörung hat sich als Reaktion auf die vermutete Angststörung Deiner Mutter entwickelt, und Diese Reaktion hat die Angst Deiner Mutter wieder verstärkt usw, usw.
Ihr beide befindet Euch also in einem Kreislauf gegenseitiger Verstärkung von Ängsten und Zwängen, die Reaktionen passen zueinander wie Puzzleteile.

Du befindest Dich seit einiger Zeit in einem Prozess der Bewusstmachung Deiner Handlungsmuster, und diesen Weg kannst Du naturgemäß nur alleine gehen, auch wenn Du versuchst, Deine Mutter daran teilhaben zu lassen.
Dennoch ist dieser Weg ganz alleine Dein eigener, und sie spürt dies natürlich.
Dadurch triggerst Du wiederum die Ängste Deiner Mutter, die darauf in gewohnter Weise reagiert.
Da durch Deine Therapie aber bei Dir die Emotionen wie bei einer Straßenbaustelle offen liegen, reagierst Du auf ihre Reaktion noch heftiger als gewohnt:
Du willst auf der einen Seite aus den althergebrachten Mustern ausbrechen, auf der anderen Seite aber geben Dir diese Muster gerade wegen der Gewohnheit eine Art von Handlungssicherheit.
Diese Emotionen und Handlungsmuster sind Dir nun mal sehr vertraut, egal wie sehr sie Dich, Deine Mutter und Eure Beziehung schädigen.
Diese innere Zerrissenheit setzt Dich aber unter zusätzlichen Druck, er addiert sich zu dem, unter den Du Dich durch das Verhalten Deiner Mutter gesetzt fühlst.
Und auf gefühlten äußeren wie inneren Druck reagierst Du anscheinend mit starken Aggressionen, die sich entweder gegen Deine Mutter oder autoaggressiv gegen Dich selbst richten.

Ich meine wie einige andere hier, dass Du in Deiner Entwicklung allmählich an einen Punkt kommst, an dem Du über einen räumlichen Abstand nachdenken solltest, um Deine Therapie losgelöst von diesem Angstkreislauf in gegenseitiger Abhängigkeit mit Deiner Mutter weiterzuführen, also eigenständig und autonom.

Nicht zuletzt geht es ja auch darum, Euch beide vor Gewalt und Verletzungen zu schützen, denn je weiter Du den eigenen Weg der Aufarbeitung gehen wirst, desto stärker wird Deine Mutter wahrscheinlich darauf mit Ängsten reagieren und ohne es zu wollen den Druck auf Dich erhöhen, auf den Du mit aggressiivem Verhalten reagierst, wodurch wieder ihre Ängste stärker werden.

Für mich liest sich Deine Schilderung so, als solltet Ihr beiden Euch getrennt voneinander mit Eurer jeweils eigenen Problematik beschäftigen, um danach an einer vorsichtigen und bewussten Annäherung unter neuen Vorzeichen zu arbeiten.

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Danke. Jemand der mich versteht!

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@Blingding

Das freut mich sehr!

Die Ängste Deiner Mutter haben ja zur Folge, dass sie eine Veränderung Deines Verhaltens nicht als Entwicklung begreifen kann, sondern als Bedrohung sehen muss; sie verliert die Kontrolle - nicht die Kontrolle über Dich als Person, sondern über die Rolle, die Du in ihrer Wahrnehmung einnimmst.

Bei solchen inneren Zwängen und Ängsten geht es selten um das konkrete Gegenüber, sondern um die Funktion, die dieser Mensch für einen selbst erfüllt. Dies kann bei Deiner Mutter und auch bei Dir der Fall sein.
Ein großer Faktor dabei ist, dass im Konfliktfall das Gegenüber wie durch einen Filter wahrgenommen wird, die Sicht wird soweit verengt, bis der eine Mensch sich vom Verhalten des anderen zu einer einzigen Verhaltensweise gezwungen fühlt und keine andere Handlungsmöglichkeit mehr erkennt.
Deswegen befindest Du Dich in der Therapie, sie soll Dir alternative Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und Dir helfen, diesen Filter loszuwerden.

Dadurch werden aber die Ängste Deiner Mutter nicht geringer, im Gegenteil!
Und das wiederum kann eben dazu führen, dass sie versucht, die Kontrolle über die Situation wiederzuerlangen, wodurch sie Deine Entwicklung behindern oder sogar aufhalten könnte.
Obwohl sie ganz sicher genau das Gegenteil möchte, wenn sie gefragt wird: Ich bin mir sicher, dass sie sich eine starke und selbstbewusste Tochter wünscht, die ihren eigenen Weg geht und weiß, was sie will, ohne sich oder anderen zu schaden.
Aber genau wie Dir Deine Wahrnehmung und Deine vertrauten Muster stehen ihr dabei ihre eigenen im Weg, denn um diesen Weg zu gehen, musst Du Dich alleine entwickeln.
Und das bedeutet für sie ein unkalkulierbares Risiko, denn wenn Du Dich von ihr löst, wird die zukünftige Beziehung zu ihr auf die Grundlage von Freiwilligkeit gestellt, und genau das trifft ihre Ängste und aktiviert ihre Verhaltensmuster.

Doch diese Ängste kannst Du ihr nicht nehmen.
Du kannst ihr nichts versprechen, denn Du weißt ja selbst nicht, wohin Deine Reise Dich führen wird.

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Hallo Blinding,

gebe bitte nicht nur Dir allein die Schuld. Ich kenne Deine Mutter nicht, aber ganz allgemein gesprochen: Es gibt Mütter, die ihren Kindern auf den ersten Blick nicht guttun. Hier z. B. diese devote Nettsein trotz Deiner Schläge. Fände ich auch zum Erbrechen.

Ich finde Deine Offenheit bewunderswert - Respekt! Und ich finde es toll, dass Du um Hilfe bittest. Ich werde aufrichtig versuchen, sie Dir zu geben, auch auf die Gefahr hin, dass sie Dir nicht gefallen könnte.

Es gibt Mutter-Kind-Beziehungen, die lassen sich nicht lösen. Manchmal steckt etwas so Tiefgreifendes dahinter, dass sich unserer Vorstellungskraft entzieht. Dann hilft es nur, auf Distanz zu gehen. Manchmal vorübergehend, manchmal dauerhaft.

Es ist gut, dass Du das Problem psychologisch unterstützt angehst. Aber ich würde mich fragen, ob ich nicht die Praxis wechseln würde, z. B. zu einer/m Psychotherapeutin/en, der auch in Hypnose geschult ist. Das hielte ich für vielversprechender. Und/Oder in Traumatherapie ausgebildet ist.

Und dann möchte ich Dir noch eine vielleicht überraschende, Dir bisher vermutlich völlig unbekannte Änderung Deiner Einstellung vorschlagen: Damit Dein Hass nicht irgendwann Dich zerfrißt (Hass schlägt auf den zurück, der haßt), versuche es bitte mit dieser Denkweise:

Ganz gleichgültig, wie Deine Mutter ist und was sie (Dir an-) getan hat, es gibt Dir die Chance, Dich zu lösen und Dein Leben ganz für Dich selbst zu gestalten. Selbst eine 'schlechte' Mutter ist immer noch als abschreckendes, lehrreiches  Vorbild geeignet ;-).

Es gibt eine Theorie, dass wir uns unsere Familien selbst aussuchen, um die in diesem Leben anstehenden Lektionen erlernen zu können. Vielleicht heißt Deine, Dich von ihr zu lösen, weil Du nur über diesen schmerzhaften Weg zu dem Menschen werden kannst, der Du werden sollst.

Aus diesem Blickwinkel könnte man fast sagen, man könnte solchen Müttern dankbar sein, dass sie diese 'Sche--srolle' übernehmen, um ihrem Kind diese Möglichkeit einzuräumen. Aber dass ist wohl noch etwas zu viel verlangt zum jetzigen Zeitpunkt ;-)

Alles Liebe und Gute für Dich

Buddhishi

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