Ehrenamtlich beim Rettungsdienst?

13 Antworten

Hi,

ich finde, erst einmal sollte man die Begrifflichkeiten klären - Du wirfst nämlich Sanitätsdienst/Rettungsdienst/Katastrophenschutz genauso durcheinander wie Ehrenamt und geringfügige Beschäftigung.

Sanitätsdienst/medizinischer Katastrophenschutz

Das "echte" Ehrenamt gibt es zum überwiegenden Teil nur im Sanitätsdienst und damit auch dem medizinischen Katastrophenschutz. Wie RedPanther geschrieben hat, sind die Grenzen hier fließend bzw. gibt es große Überschneidungen.

Das umfasst neben der Tätigkeit bei Sanitätswachdiensten bei größeren öffentlichen Veranstaltungen auch den Einsatz bei Großschadenslagen (MANV) im Rahmen einer Schnelleinsatzgruppe (SEG), je nach Organisation und örtlichen Gegebenheiten wird auch eine First-Responder-Einheit unterhalten.

Mindestalter für die aktive Mitwirkung beträgt hier meist 16 Jahre - im Einsatzfall außerhalb geplanter Veranstaltungen werden Minderjährige allerdings nur eingeschränkt eingesetzt (wenn überhaupt).

Durch die rein ehrenamtliche Tätigkeit beschränkt sich die Ausbildung auf die Wochenenden - zum aktiven Mitwirken brauchst Du eine organisationsinterne Fachausbildung für den Sanitätsdienst, die (je nach Organisation) zwischen 48 - 80 Stunden in Anspruch nimmt.

Darüber hinaus verlangen einige Organisationen, so z.B. das DRK, eine fachdienstübergreifende Helfergrundausbildung (~ 70 h), in der die Grundlagen des Sanitäts-, Betreuungs- und Verpflegungsdienstes vermittelt werden.

Zudem findet eine permanente Fortbildung im Rahmen von Gruppenstunden in den jeweiligen Gliederungen statt (meist alle 2 Wochen).

In diesem Bereich findet keine Bezahlung statt.

Rettungsdienst

Ein solches Ehrenamt wie im Bereich des Sanitätsdienstes gibt es im Bereich der Regelrettung nicht - die "Ehrenamtlichen" sind meist geringfügig Beschäftigte, die eine Aufwandsentschädigung für die geleisteten Dienste erhalten.

Das Mindestalter beträgt aufgrund der arbeitsrechtlichen Bestimmungen (JArbSchG) meist 18 Jahre; Minderjährige sind sowohl in Haupt- als auch Ehrenamt im Rettungsdienst kaum anzutreffen.

Die Einstiegsvoraussetzungen liegen hier deutlich höher, als im Bereich des Sanitätsdienstes - eine rettungsdienstliche Ausbildung, i.d.R. Rettungshelfer (meist 320 h) oder Rettungssanitäter (520 h) ist hier Pflicht. Wenn Du RTW fahren willst, musst Du überwiegend einen Führerschein der Klasse C1 besitzen.

Wo sollte ich mich am besten bewerben, sofern ein solcher Nebenjob möglich wäre?

Am ehesten bei einer der Hilfsorganisationen (ASB, DRK, JUH, MHD) - je nachdem, wo es dir am besten gefällt - das impliziert natürlich, dass Du dir alle mal anschauen solltest.

Mit dem medizinischen Bereich hat die Feuerwehr, von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, nichts zu tun.

Über den Einsatz auf dem RTW entscheidet neben der rettungsdienstlichen Qualifikation auch die lokalen Gepflogenheiten - nicht selten werden zusätzliche Praktikantenstunden und eine regelmäßige Mitwirkung erwartet. Oder kurz: der Einsatz erfolgt nach Bedarf und Eignung.

LG

Woher ich das weiß:Hobby – NFS, ehrenamtlich in SEG-San und Bereitschaft

Wie immer 👍🏻👍🏻

Aber in manchen Städten hat man als Ehrenamtler schon gute Chancen in der Regelrettung zu fahren.

Hier besetzt das DRK zb 2 RTWs und besetzt diese auch sehr gern mit Ehrenamtlern, um die Hauptamtler zu entlasten

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@KirstenSe
Aber in manchen Städten hat man als Ehrenamtler schon gute Chancen in der Regelrettung zu fahren.

Natürlich - das Problem ist vielmehr, dass es immer weniger EA gibt.

In den besten Zeiten unserer Wache gab es rund 20 wirklich aktive EA, da war es auch kein Problem, ein Wochenende komplett bis überwiegend ehrenamtlich zu besetzen - die Zeiten sind mittlerweile allerdings vorbei.

Mittlerweile herrscht bei uns die firmeninterne Regelung: im ersten halben Jahr keiner auf den RTW - dann erstmal nur als dritter Mann. Das trifft sowohl die hauptamtlichen RS wie auch FSJler und Ehrenamtliche.

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@SaniOnTheRoad

Ja natürlich

Und die RA, die das fruher ehrenamtlich gemacht haben - Wer macht denn die NotSan Ausbildung, um dann ehrenamtlich zu arbeiten?

Ok, ein paar Hauptamtliche machen n paar ehrenamtliche Schichten, aber das werden auch immer weniger.

Und FSJ ler werden bei uns vom örtlichen DRK gar nicht mehr zu RS ausgebildet... Zu oft vorgekommen, daß die nach der Schulung gehen und als RS arbeiten oder sich bei der BF bewerben 🤷🏻‍♀️

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@KirstenSe
Wer macht denn die NotSan Ausbildung, um dann ehrenamtlich zu arbeiten?

Natürlich niemand ^^

Das wird - jedenfalls langfristig - zur Folge haben, dass das EA zumindest in der Notfallrettung ausstirbt.

Und FSJ ler werden bei uns vom örtlichen DRK gar nicht mehr zu RS ausgebildet... Zu oft vorgekommen, daß die nach der Schulung gehen und als RS arbeiten oder sich bei der BF bewerben 🤷🏻‍♀️

Gibt es bei euch keine Rückzahlungsvereinbarung für FSJler? Als ich vor einigen Jahren mein FSJ gemacht habe, war das schon üblich - und ist es mittlerweile immer noch.

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@SaniOnTheRoad

Doch, schon, aber das hat soviel Hickhack gegeben... Geld bei Arbeitslosen eintreiben, Rechtsstreit über die Kosten einer hausinternen Fortbildung etc, dass der Aufwand dem Nutzen nicht mehr gerecht wurde

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1.: Mit 17 Jahren, also als Minderjähriger hast du im Rettungsdienst nichts verloren.

2.: Ich glaube wohl eher weniger, dass du als Minderjähriger als dritter auf den RTW darfst, das widerspricht: Jugendschutzgesetz, Arbeitszeitgesetz, Datenschutzverordnung, Schweigepflicht (das sind alles Zettel, die du unterschreiben musst, bevor du überhaupt ansatzweise in die Nähe eines Patienten bekommst), uvm., sowie dem gesunden Menschenverstand. Kein Rettungsdienstleiter lässt Kinder auf Rettungsdienstfahrzeugen mitfahren, denn prompt der erste Einsatz ist dann der unter 100, bei dem wirklich mal was ist. Sturz aus dem 5. OG, Wohnungsbrand mit Menschen in Gefahr, eingeklemmte Personen, abgetrennte Gliedmaße, Suizid etc. All das sind Dinge, die nicht vor Kinderaugen gehören.

Genieß deine Jugend, ohne dir den ganzen Rotz im Rettungsdienst ans Bein zu binden.

Meinst du explizit Rettungsdienst oder Sanitätsdienst und Katastrophenschutz? Das sollte man nicht durcheinander bringen!

Ebenso der Unterschied zwischen Ehrenamt und (Neben-)Job, ist auch ein Unterschied.

Der reguläre Rettungsdienst arbeitet in Deutschland fast ausschließlich hauptamtlich, d.h. als Vollzeit- oder Teilzeitjob. Das ist auch sinnvoll, denn neben den Pflicht-Ausbildungen (meist mindestens Rettungssanitäter (480h) und Führerschein C1) brauchts doch auch einiges an Fortbildung und Praxis, um gute und zeutgemäße Arbeit zu leisten. Wenn wir auf dem Land ein Unfallopfer 1h nach dem Unfall im Schockraum haben wollen, haben wir einen Zeitansatz von 10-15min, um den Patienten voll zu versorgen... dafür muss der "2.Mann" auf dem Rettungswagen wirklich wissen, was wann wie zu tun ist und was er dafür vorbereiten muss.

Ich habe selbst ein FSJ im Rettungsdienst gemacht und bin dann drei Jahre als reguläre Vollzeitstelle im Rettungsdienst gefahren. Im letzten dieser Jahre hatte ich dann das Gefühl, mit der Arbeitsweise der flottesten Kollegen Schritt halten zu können. Jetzt, wo ich seit zweieinhalb Jahren nur noch mit 25% angestellt bin, versuche ich das nur noch tapfer.

Unterm Strich: Wenn du regulären Rettungsdienst fahren willst, plane das zumindest in der ersten Zeit als Vollzeit-Tätigkeit ein, mit LKW-Führerschein. Dementsprechend auch frühestens mit 18.

Auf der anderen Seite gibt es da aber noch Sanitätsdienst und Katastrophenschutz.

Sanitätsdienst, das sind die "Sanis", die bei Veranstaltungen für die Erstversorgung eventueller Notfälle zuständig sind. Je nach Größe der Veranstaltung ist da zwischen "zwei sitzen da und langweilen sich" bis hin zu "wir haben eigene Unterkünfte für unsere 500 Helfer" so ziemlich alles dabei. Das ist oftmals (in Großstädten nicht immer) eine ehrenamtliche Tätigkeit, das heißt du übst diese aus Pflichtgefühl oder Nächstenliebe aus.

Dafür sind die fachlichen Voraussetzungen geringer: Die Grundausbildung zum Sanitätshelfer ist an wenigen Samstagen zu schaffen, dazu wird regelmäßig (z.B. 1x im Monat) im Vereinsheim der jeweiligen Hilfsorganisation geübt.

Die Grenze zum Katastrophenschutz ist hierbei fließend; bei meinem Ortsverein des Roten Kreuzes steht beispielsweise ein Gerätewagen mit Sanitätsmaterial, um ein Behandlungszelt ähnlich eines Mini-Krankenhauses aufbauen und betreiben zu können. Andere Vereine haben beispielsweise einen Küchenwagen oder horten hunderte Feldbetten.

Für diese Tätigkeit brauchst du einfach nur mal gucken, welche Hilfsorganisation bei dir vor Ort einen Ortsverein hat, und dort mal anrufen wann Übungsabend ist (steht vielleicht auch auf der Website). Dann gehst du da hin, guckst was die da so treiben und überlegst dir, ob das was für dich ist. Ich habe bisher noch keinen Ortsverein gesehen, der sich über ein neues Gesicht nicht gefreut hätte :)

Die freiwillige Feuerwehr ist eine komplett andere Baustelle als Sanitäts- und Rettungsdienst. Dafür hast du quasi in jedem Dorf, jeder Stadt und in jeder Großstadt eine Freiwillige Feuerwehr, in letzteren als Ergänzung zur Berufsfeuerwehr. 95% aller Feuerwehrleute in Deutschland sind Freiwillige!

Auch bei der FF sollte es nicht schwer sein, zu erfahren wann Übungsabend ist... dann gehst du dort einfach hin.

Woher ich das weiß:Beruf – Ich arbeite im Rettungsdienst

Ein Ehrenamt ist kein Nebenjob, sondern wie der Name schon sagt: EHRENamt. Das heißt man verdient nichts und wenn bekommt man höchsten zb. bei der Freiwilligen Feuerwehr, eine kleine minimale Aufwandsentschädigung.

Die von dir genannten Hilfsorganisationen suchen ständig neue Leute.
Um auf dem RTW zu kommen brauchst du mind. die Rettungssanitäterausbildung die du glaub ich auch erst mit 18 machen kannst. Entweder zahlst du diesen selber oder aber du lässt sie dir bezahlen bei einer der genannten Hilfsorganisationen. Allerdings kann das sehr lange dauern bis man die Chance hat diese im Rahmen des Ehrenamtes zu machen. Man muss schon einige Zeit dabei sein... aber vorher geht es dann erstmal in Richtung Sanitätsdienst ehe man auf den RTW kann.

Danke für die Auskunft!

Tut mir Leid für die inkorrekte Formulierung. Ich habe nicht vor Geld damit zu verdienen. Ich wollte nur klarstellen, dass ich das ganze vermutlich nicht Vollzeit ausüben kann.

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Ja ein Ehrenamt ist definitiv vorstellbar, die meisten Feuerwehren haben eine Jugendfeuerwehr. Schau am besten mal auf der Website nach wer Vorstand bzw. Kommandant ist und schreibe dann eine E-Mail oder spreche bei einem Fest einen von der FW darauf an.

Beim Rettungsdienst geht es genauso.

Berufsbezeichnung ist dann entweder Rettungssanitäter oder Feuerwehrmann.

Beim Rettungsdienst bin ich mir allerdings nicht sicher ob du Ehrenamtlich auf Richtige Einsätze gehen darfst. Bei der Feuerwehr geht das definitiv, v.a. wenn es bei euch im Ort keine Berufsfeuerwehr gibt.

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