Dürfte ein umoperierter Mann Nonne werden?

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Klare Antwort: NEIN ! Der Vatikan sagt dazu eindeutig: Eine physische Geschlechtsumwandlung ändert die Geschlechtszugehörigkeit ("gender") einer Person nicht. Katholiken, die solche "Umwandlungen" an sich vornehmen ließen, können nicht zum Sakrament der Ehe, zum Priestertum oder Ordensleben zugelassen werden . Das vatikanische Dokument ist bereits im Jahr 2000 verfasst worden und abseits der Öffentlichkeit, "sub secretum", an die Nuntiaturen in allen Ländern weitergegeben worden. Dennoch dürften es zahlreiche Bischöfe nie gesehen haben. Deswegen sandte es der Vatikan im Vorjahr auch allen Vorsitzenden der Bischofskonferenzen.

Die römisch-katholische Kirche steht auf dem Standpunkt, daß das Geschlecht eines Menschen unveränderbar ist und gottgegeben. Es verändern zu wollen ist günstigstenfalls eine Krankheit, die mit geeigneten Mitteln behandelt werden muß (Psychotherapie), schlimmstenfalls eine Sünde. Stellt sich heraus, daß ein Nonne transsexuell ist, muß sie ihre Gemeinschaft verlassen. Ist eine Geschlechtsanpassung nach bürgerlichem Recht vollzogen (Namensänderung etc.), wird diese Änderung nicht im Kirchenregister eingetragen. Also es geht nicht, Vorgaukeln bringt nichts - es kommt alles raus.

@Raubkatze45

Ich frage mich nur, woran sich die Kirche orientiert, wenn das weltliche Schwert Schwierigkeiten hat, das Geschlecht überhaupt zu bestimmen - und mithin nun darauf verzichtet.

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@Olga1970

Das stimmt. Raubkatze scheint ja meine Frage zu beantworten, allerdings habe ich nicht das Gefühl, dass sie berücksichtigt hat, worum es mir geht.

Weil du aber extra kommentiert hast "So ist es", zog ich in Erwägung, dass du erkannt haben könntest, inwiefern Raubkatze meine Frage treffend beantwortet.

Für sich allein genommen kann es natürlich sein, dass die Aussage "so ist", wie Raubkatze es sagt.

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@Olga1970

Ja, das könnte wirklich eine tiefgreifende Angelegenheit werden. Ich bin gespannt, was daraus wird - aber das erlebt man vielleicht erst in ein paar tausend Jahren^^

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@Droitteur

Soviel ich weiß, kann anhand der Erbinformation das Geschlecht (sex) eindeutig bestimmt werden (x-x ./. x-y). Das soziale Geschlecht (gender) beschreibt mehr die Geschlechterrolle und das Verhalten, das sehr stark kulturabhängig ist. Die Unterscheidung des Geschlechts in sex und gender wurde erst 1955 von dem US-amerikanischen Psychologe John Money eingeführt. Das Experiment mit Bruce Reimer gilt allgemein als gescheitert.

Interessant finde ich den Abschnitt "Kritik an der begrifflichen Trennung von sex und gender" in der wikipedia unter dem Begriff "gender":

Die begriffliche Trennung zwischen dem biologischen Geschlecht (sex) und dem sozialen Geschlecht (gender) erschien – und erscheint immer noch – vor allem seit den Achtzigerjahren im sozialwissenschaftlich-feministischen Diskurs als zentral.[2] Judith Butler lehnt die Trennung zwischen Sex und Gender allerdings ab, denn diese sei rein artifiziell und gehe zurück auf den Kartesischen Dualismus, nämlich die von Descartes begründete philosophische Auffassung, dass Körper und Geist unabhängig voneinander, nebeneinander existierten. Die Trennung zwischen Sex und Gender impliziere, der Mensch bestehe, so wie auch Descartes die Dichotomie zwischen Körper und Geist aufmacht, zum Ersten aus seinem biologischen Geschlecht, das heißt seinem Sex, seinem biologischen, unhinterfragbaren, natürlich gegebenen Körper, und zum Zweiten aus seinem sozialen Geschlecht, das heißt seinem Gender, seinem vom Körper unabhängig quasi frei wählbaren Geschlecht. Nach Butler erscheint aber nicht nur das soziale Geschlecht als Konstruktion, sondern auch das biologische Geschlecht als hinterfragbare Wahrheit oder als eine kulturelle Interpretation des Körperlichen. Das, was man als Gender leben könne, sei letztlich abhängig davon, welche körperlichen Möglichkeiten man habe. Und diese körperlichen Möglichkeiten wiederum würden bereits kulturell interpretiert." (Quelle: wikipedia, "Gender")

Das Geschlecht lässt sich schon bestimmen. Es ist die Frage, ob man das aus ideologischen Gründen überhaupt will....

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@wolfruprecht

Vielen Dank für deinen Kommentar :)

Allerdings ist gerade das der Punkt: Auch die chromosomale Bestimmung scheitert, sobald eben kein xx oder xy vorliegt - die Chromosomen interessieren sich eben nicht für diesen Dualismus; und was ist dann das Geschlecht?

Klar, kann man sagen, dass das "krank" ist, von der "Norm abweicht" - aber handelt es sich um einen kranken Mann oder um eine kranke Frau?

Immerhin um einen Menschen.

Das hat natürlich alles nichts mit der Eingangsfrage zu tun, ich bin nur neugierig, nach welchen Kriterien dann das Kirchenregister das Geschlecht bestimmt. Am Ende ist und bleibt es eine soziale Angelegenheit und keine sexuelle^^

Die Gedanken der von dir zititerten Wikipedia kommen schon gut bei mir an. Aber die Aussage "Das Geschlecht lässt sich schon bestimmen." lässt mich wundern, ob du ihn bereits voll verstanden hast - es geht darin nicht nur um die begriffliche Trennung von sex und gender ;)

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Ich halte deine Frage für sehr theoretisch und Zeichen deiner Phantasie. - Praktisch wird sich diese Frage wohl nie stellen, denn wer in einen Orden eintritt, den bewegen schon vorher andere Gründe als seine Geschlechtsumwandlung.

Auf die Vergangenheit bezogen stellt sich die Frage nicht, denn da gab es noch keine Möglichkeit für Geschlechtsumwandlungen.

Grundsätzlich gilt aber bei Kirchen, dass jemand mit dem Geschlecht einem Orden beitritt, mit dem er auch geboren wurde.

Praktisch wird sich diese Frage wohl nie stellen,...

Na ja, das sehe ich nicht so. Zum einen, weiß man nie, was das Leben noch so spielt und welche Entwicklungen es nimmt. Zum anderen kann sich die Frage schon stellen, wenn ein junger Mensch eine Geschlechtsumwandlung vornehmen ließ, später aber die Umkehr kommt? Was dann ? Also die Situation kann schon eintreten, auch wenn der Standpunkt der Kirche klar ist.

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