Denken - in Worten oder in Bildern?

Das Ergebnis basiert auf 17 Abstimmungen

Ich denke in Worten,... 41%
Ich denke anders,... 41%
Ich denke in Bildern,... 17%

17 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Ich denke anders,...

Denken ist ein sehr vielschichtiger Vorgang.

Als unsere Vorfahren (Menschen, Vormenschen?) noch keine Sprache hatten, mußten sie sich trotzdem in der Welt zurechtfinden. Das mußte über das geschehen, was ihr Gehirn gespeichert hatte und kannte. Das waren wohl hauptsächlich Bilder, vielleicht auch Geräusche. Sie agierten und reagierten ohne bewußtes Denken. Wann und wie Bewußtsein in den menschlichen Alltag einzog, wissen wir nicht. Vielleicht ist aber die biblische Geschichte vom "Sündenfall" eine Metapher dafür.

Es kommt vor, daß ich an etwas denke, einen Zustand vielleicht, einen Komplex, und ich muß die Wörter suchen, um dieses "Etwas" zu beschreiben. Der Zusammenhang ist klar, aber dessen Formuierung ist ein Denkvorgang. Ein Vergleich: Das Märchen von Hänsel und Gretel ist "Behälter". Um dessen Inhalt jemandem zu erklären, brauchen wir viele Wörter. Wenn jemand aber diesen Behälter kennt, brauchen wir nur dessen Namen zu nennen.

Wenn ich den Namen einer Stadt höre, die ich kenne, dann verbinde ich damit viele Bilder. Ich "denke" diese Bilder nicht einzeln, ich weiß aber, daß sie in einer der vielen Gehirnschubladen sind.

Aktives Denken als Beschreiben oder Planen geschieht sicher in Bildern, soweit es um Gegenständliches geht. Da wir aber "abstrakte" Begriffe in der Sprache haben, müssen wir uns auch darunter "etwas vorstellen" können, wenn auch nicht bildlich. Der Musiker denkt in Tönen und Klängen, bei mir kommt zu der klanglichen Vorstellung manchmal ein seltsames bildliches Vermischen von Noten und Klaviertasten hinzu.

Ich glaube, daß auch Träumen ein unbewußter Denkvorgang ist.

Aber, was meinen wir denn mit "Denken"? Das bewußte aktive Denken als Vorgang oder auch schon die Fähigkeit unseres Gehirns dazu?

Und: "Ich denke, daß ich denke". Ja, so mancher kommt über diese Vermutung nicht hinaus.

Ich denke also in Wörtern, Bildern, Tönen und und und . . . . .

Danke für deinen umfangreichen Beitrag!

Als unsere Vorfahren (Menschen, Vormenschen?) noch keine Sprache hatten, mußten sie sich trotzdem in der Welt zurechtfinden

Heißt das,dass eine Spezies eine Sprache braucht um über abstrakte Dinge nachzudenken und Lösungen für komplexe Probleme zu finden? Wenn man keine Sprache gelernt hat, aufgrund von Isolation o.ä. ist man dann geistig weniger leistungsfähig? (vgl. Kasper Hauser)

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@bluff

Ich denke (= meine) schon, daß komplexes Denken und Nachdenken ohne Sprache nicht möglich sind. (Kommunikation ganz allgemein ist ja auch auf andere Weise möglich.)

Erster Ausdruck oder erste erkennbare Folge des Denkens überhaupt dürfte die Sprache selbst sein. Die Verständigung dürfte mit einzelnen Lauten (wie ja auch bei Tieren) und dann Lautkombinationen (= Wörtern) begonnen haben. Durch die Kommunikation zwischen vielen Individuen entwickelt und erweitert sich das Verständigungsmittel. Ein weiterer Schritt sind dann wohl zusammengesetzte Wörter wie Haustür oder Unterlippe.

"Die Ontogenese ist eine kurze Zusammenfassung der Phylogenese," sagt die Wissenschaft, d.h. die Entwicklung des Einzelwesens ist eine kurze Wiederholung der Entwicklung der Art. Das gilt wohl auch für die Sprachentwicklung. Aber während Körperstruktur und Sprachorgane in den Genen liegen, muß das Sprechen selbst gelernt werden. Dazu braucht der Mensch ein Gegenüber. Oder viele. Kaspar Hauser scheint da wenig Möglichkeiten gehabt zu haben für seine Sprachentwicklung. (Aber was wissen wir denn wirklich über ihn?) Sprechen und Denken lernen wir durch unsere Gegenüber. In der Jugend scheint man da am flexibelsten zu sein. Aber warum soll jemand nicht mit 70 anfangen, eine Fremdsprache zu lernen?

Für das abstrakte Denken scheint mir Sprache nötig zu sein, denn wir haben ja auch abstrakte Begriffe, die ihrereseits ohne das Denken und Nachdenken gar nicht geschaffen werden könnten.

Und damit bin ich wieder bei Satz 1 dieser Antwort.

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@Rudolf36

Für das abstrakte Denken scheint mir Sprache nötig zu sein, denn wir haben ja auch abstrakte Begriffe, die ihrereseits ohne das Denken und Nachdenken gar nicht geschaffen werden könnten.

Spricht du von Sprache im engeren Sinne( also akustisch) oder denkst/meinst du, dass auch andere Sprachformen höheres Denken ermöglichen, z.B. visuell(Farbe beim Chamelion) oder chemisch(Pheromone bei Hornissen)? Man könnte theoretisch in Farben denken.

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@bluff

Bei dieser Sprach-und-Denk-Frage habe ich immer an unsere menschliche Sprache gedacht, von der ich meine, daß sie auf das Bewußtsein angewiesen ist. Insofern möchte ich die von dir genannten Sprachformen nicht einbeziehen, weil die Manifestationen wahrscheinlich eher (automatische) Reaktionen sind als bewußte Aussagen und Antworten. Ein geschlechtsreifes Schmetterlingsweibchen sendet automatisch Pheromone aus, einer den es angeht, nimmt sie auf und lenkt seine Flugrichtung automatisch zur Quelle, zur Sendestation . . . (und das menschliche Auge erfreut sich bewußt oder automatisch an dem nachfolgenden Tanz.)

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Ich denke in Worten,...
Ist es schlecht wenn das Denken so stark an die Sprache gebunden ist?; engt man sich damit ein?

Ich denke dass es bei Entscheidungen das Handeln etwas verlangsamt.

Ich denke in Bildern,...

ich denke viel in bildern. ich sehe sie immer vor meinem geistigen auge.

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