Was ist gemeint mit Apophthegmata von Caesar, erwähnt bei Cicero?

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Ein Apopthegma (griechisch: ἀπόφθεγμα; Plural: Apopthegmata; griechisch: ἀποφθέγματα) ist ein Ausspruch. Das Fremdwort kann auch als treffend formulierte Äußerung, geistreicher Sinnspruch, witziges Wort, Sentenz (von lateinisch sententia), Bonmot oder ähnlich wiedergegeben werden. Es handelt sich gewöhnlich um eine kurze, prägnante und pointierte Bemerkung einer Person.

Lateinisch heißen Apopthegmata oft facete dicta (fein/anmutig/schön/witzig Gesagtes/Gesprochenes) bzw. dicta (Singular: dictum).

In der Antike sind Sammlungen von Apopthegmata angelegt worden. Erhalten sind z. B. dem griechischen Schriftsteller Plutarch als Werke zugeschriebene Apopthegmata der Könige und Feldherren, Apopthegmata der Lakedaimonier (Spartaner) und Apopthegmata der Lakedaimonierinnen (Spartanerinnen). Viel ist bei dem spätantiken Autor Stobaios zitiert. Aussprüche von Philosophen kommen oft im Werk des Diogenes Laertios über Leben und Meinmungen berühmter Philosophen vor, der gerne Anekdoten wiedergibt.

Marcus Porcius Cato (234 – 149 v. Chr.) hat im Alter zumindest eine Sammlung von Apophthegmata anderer Personen angefertigt (Marcus Tullius Cicero, De oratore 2, 271; Marcus Tullius Cicero, De officiis 1, 104). Auch von ihm selbst stammende Ausprüche kommen in der Überlieferung vor.

Aussprüche bilden auch einen Teil des Werkes bei Valerius Maximus, Facta et dicta memorabilia.

Bei Hugo von Hofmannsthal äußert in der Textstelle der (fiktive) Lord Chandos, daß er die Absicht/den Plan hatte, eine Sammlung »Apophthegmata« anzulegen, wie auch Gaius Iulius Caesar eine zusammengestellt hatte. Francis Bacon, der Empfänger des Briefes, so nimmt Lord Chandos an, hat eine Erwähnung der Apophthegmata-Sammlung Caesars in einem Brief Ciceros in Erinnerung/im Gedächntis bewahrt.#

Augustus, Caesars Großneffe und durch Testament sein Adoptivsohn, hat die Veröffentlichung der Apophthegmata-Sammlung Caesars und einiger anderer von Caesar selbst nicht veröffentlichter Schriften verboten.

#Michael von Albrecht, Geschichte der römischen Literatur : von Andronicus bis Boethius; mit Berücksichtigung ihrer Bedeutung für die Neuzeit. Band 1. 3., verbesserte und erweiterte Auflage. Berlin ; Boston : De Gruyter, 2012, S. 346:  

„Augustus hat dafür gesorgt, daß von Caesar selbst nicht veröffentlichte Werke keine Verbreitung fanden; unbekannt bleiben uns also Jugendgedichte wie das Lob des Hercules, eine Tragödie Oedipus, das Reisegedicht (Iter) und eine von Caesar angeregte Sammlung von Apophthegmata.“

Caesar hat unter anderem auch gerne Cicero-Aussprüche in seine Apophthegmata-Sammlung aufgenommen und konnte gut beurteilen, ob ein angeblicher Cicero-Auspruch tatsächlich von ihm stammte oder als unecht zu verwerfen war.

Cicero erwähnt in einem im Sommer 46 v. Chr. an Paetus geschriebenen Brief, daß Caesar Bände von Apophthegmata (volumina ἀποφθεγμάτων) zusammengebracht/angefertigt hat (Marcus Tullius Cicero, Epistulae ad familiares 9, 16, 4).

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Marcus Tullius Cicero, Epistulae ad familiares 9, 16, 3 – 4:

de illo autem, quem penes est omnis potestas, nihil video, quod timeam, nisi quod omnia sunt incerta, cum a iure discessum est, nec praestari quidquam potest, quale futurum sit, quod positum est in alterius voluntate, ne dicam libidine. sed tamen eius ipsius nulla re a me offensus est animus; est enim adhibita in ea re ipsa summa a nobis moderatio. ut enim olim arbitrabar esse meum libere loqui, cuius opera esset in civitate libertas, sic ea nunc amissa nihil loqui, quod offendat aut illius aut eorum, qui ab illo diliguntur, voluntatem. effugere autem si velim nonnullorum acute aut facete dictorum famam, fama ingenii mihi est abicienda; quod si possem, non recusarem. sed tamen ipse Caesar habet peracre iudicium, et, ut Servius, frater tuus, quem litteratissimum fuisse iudico, facile diceret: 'hic versus Plauti non est, hic est,' quod tritas aures haberet notandis generibus poetarum et consuetudine legendi, sic audio Caesarem, cum volumina iam confecerit ἀποφθεγμάτων, si quod adferatur ad eum pro meo, quod meum non sit, reicere solere; quod eo nunc magis facit, quia vivunt mecum fere quotidie illius familiares. incidunt autem in sermone vario multa, quae fortasse illis, cum dixi, nec inlitterata nec insulsa esse videantur; haec ad illum cum reliquis actis perferuntur; ita enim ipse mandavit. sic fit, ut, si quid praeterea de me audiat, non audiendum putet.

Marcus Tullius Cicero, An seine Freunde : lateinisch und deutsch. Herausgegeben und übersetzt von Helmut Kasten. Düsseldorf ; Zürich : Artemis & Winkler, 2004 (Sammlung Tusculum), S. 521 und S. 523:  

„An ihm aber, dem Allgewaltigen, bemerke ich nichts Beunruhigendes; nur daß alles unsicher ist, wo einmal die Bahn des Rechts verlassen ist und man sich in nichts für die Zukunft verbürgen kann, die auf den Willen, um nicht zu sagen: die Willkür eines anderen gestellt ist. Jedoch habe ich nie Anstoß bei ihm selbst erregt; in dieser Beziehung bin ich äußerst zurückhaltend gewesen. Wenn ich einst glaubte, frei reden zu dürfen, wo durch mein Bemühn die Freiheit in der Bürgerschaft eine Stätte hatte, so darf ich jetzt, wo sie dahin ist, nichts sagen, was ihm oder seinen Vertrauten nicht paßt. Wollte ich mich aber dem entziehen, daß man mir ein paar geistreiche Witzworte zutraut, so müßte ich auf den Ruf, ein feiner Kopf zu sein, verzichten; könnte ich das, ich würde es tun. Aber Caesar hat ja ein scharfes Urteilsvermögen, und wie dein Vetter Servius, der nach meinem Urteil ein literarisch hochgebildeter Mann war, gleich sagen würde: „Dieser Vers ist von Plautus, dieser nicht!“ – er hatte ja ein feines Ohr durch das Studium des Stils der einzelnen Dichter und anhaltende Lektüre –, genauso verwirft Caesar, der ja schon Bände von Bonmots zusammengebracht hat, wenn ihm ein Wort als von mir stammend hinterbracht wird, das mir nicht gehört, es regelmäßig; und dazu hat er augenblicklich um so mehr Gelegenheit, weil seine Vertrauten fast täglich mit mir zusammen sind. Es fällt ja beim Gespräch über alles mögliche manches Wort, das ihnen, wenn sie es hören, ganz artig und witzig erscheint. Darüber berichten sie dann an ihn zusammen mit den Tagesereignissen, wie er es ihnen selbst aufgetragen hat. So glaubt er denn, keine Notiz davon nehmen zu brauchen, wenn er sonst noch etwas von mir hört.“

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Sueton, Divus Iulius 56, 7 teilt etwas über Schriften Caesars und ein Veröffentlichungsverbot durch Augustus mit (mehrere Herausgeber halten die handschriftliche Überlieferung an einer Stelle - mit dem Zeichen † angegeben - für verderbt):

feruntur et aitvero ab adulescentulo quaedam scripta, ut ut 'Laudes Herculis,' tragoedia 'Oedipus,' item 'Dicta collectanea': quos omnis libellos vetuit Augustus publicari in epistula, quam brevem admodum ac simplicem ad Pompeium Macrum, cui ordinandas bibliothecas delegaverat, misit.

C. Suetonius Tranquillus, Die Kaiserviten = De vita Caesarum. Berühmte Männer = De viris illustribus. Lateinisch-deutsch. Herausgegeben und übersetzt von Hans Martinet. 4., korrigierte Auflage. Berlin ; Boston : De Gruyter, 2014 (Sammlung Tusculum), S. 97:

„Man kennt aber auch noch einige Briefe, vielleicht aus seiner Jugendzeit, z. B. »Das Lob des Hercules«, eine Tragödie »Oedipus«, ferner »Gesammelte Aussprüche«. Die Veröffentlichung aller dieser Schriften verbot Augustus schlechthin in einem ganz kurzen Schreiben an Pompeius Macer, dem er die Verwaltung der Bibliotheken übertragen hatte.“

feruntur a puero et ab adulescentulo quaedam scripta, ut 'Laudes Herculis,' tragoedia 'Oedipus,' item 'Dicta collectanea': quos omnis libellos vetuit Augustus publicari in epistula, quam brevem admodum ac simplicem ad Pompeium Macrum, cui ordinandas bibliothecas delegaverat, misit.

C. Suetonius Tranquillus, Sämtliche erhaltene Werke. Unter Zugrundelegung der Übertragung von Adolf Stahr neu bearbeitet von Franz Schön und Gerhard Waldherr. Mit einer Einführung von Franz Schön. Essen : Phaidon, 1987 (Klassiker der Geschichtsschreibung), S. 34:

„Außerdem gibt es noch einige Werke, die er schon als Knabe und junger Mann verfaßt haben soll, wie z. B. „Das Lob des Herkules“, die Tragödie „Ödipus“ und „Gesammelte Sinnsprüche“. Augustus verbot jedoch die Veröffentlichung dieser kleinen Schriften in einem kurzen und einfachen Brief an Pompeius Macer, den er mit der Oberaufsicht über die öffentlichen Bibliotheken betraut hatte.“

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In Wikipedia "Gaius Julius Caesar" empfehle ich den Abschnitt "Caesar als Schriftsteller", der zeigt, dass Caesar ein durch und durch auch literarisch gebildeter Adliger war, der Sinnsprüche genauso wie Gedichte und Stücke verfasst hat. Das wirft ein Licht auf die damals umfassende Bildung höherer Kreise.

s.


Michael von Albrecht, Geschichte der römischen Literatur von Andronicus bis Boethius und ihr Fortwirken, de Gruyter, 3. Auflage, Berlin 2012

In dem sehr, sehr lesenswerten Kapitel  über Caesar ( S. 363-366 )werden Caesars Schriften, seine Sprache und sein Stil behandelt. Da steht aber  auch, dass Augustus dafür gesorgt habe, dass von Caesar nicht selber veröffentlichte Schriften nicht verbreitet wurden und uns also  unbekannt geblieben sind,  darunter auch eine von Caesar angeregte Sammlung von Apophtegmata. (S. 346)

https://books.google.at/books?id=S8nmBQAAQBAJ&pg=PA346&dq=Caesar+%2B+Sammlung+von+Apophthegmata&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwio_Jbe4LPJAhUBkBQKHdvcAGgQ6AEIKjAA#v=onepage&q=%20Apophthegmata&f=false

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