«Naiver Realismus» nimmt die Existenz einer vom Bewußtsein/vom Denken der Subjekte unabhängigen Außenwelt an und meint, die Dinge seien genau so, wie sie jemandem in der Wahrnehmung erscheinen. Eine Erkennbarkeit der Dinge, wie sie tatsächlich sind, wird uneingeschränkt vorausgesetzt. Der «naive Realismus» sagt: „Es gibt eine reale Welt; sie ist so beschaffen, wie wir sie wahrnehmen.”

Für den «naiven Realismus» spricht der Anschein, der aus den Sinneseindrücken hervorgeht.

Dies ist kein sehr starkes Argument, weil dabei über die Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis gar nicht nachgedacht wird.

Es gibt Einwände gegen den «naiven Realismus».

1) Fehlen einer völligen Sicherheit der Sinneswahrnehmumng: Die Dinge sind nicht unbedingt so, wie sie zu sein scheinen. Bei Sinnestäuschungen gibt es ein Abweichen von Anschein und Realität.

2) Rolle eines aktiven Erfassens bei der Wahrnehmung: Wahrnehmung ist kein nur passives Geschehen, bei dem die Gegenstände unmittelbar ein getreues Abbild schaffen. Unterscheidungen, deutende Denkweisen und der Erfahrung vorausgehende Formen der Anschauung sind beteiligt.

3) Unsicherheit bei der Zusammensetzung von Sinneseindrücken zu ganzen Sachen: Die Sinneswahrnehmung vergegenwärtigt nicht einfach immer genau eine Sache, indem Sinneseindrücke zu einem Ganzen zusammengesetzt und von anderen Sinneseindrücken abgetrennt werden. Dazu, was zu einer Sache gehört und was nicht, ist auch eine Erschließung durch begriffliches Denken nötig.

Ein Standpunkt, der mit Erfolgschancen verteidigt werden kann, ist dagegen der «kritische Realismus». Dieser ist eine eingeschränkte Variante des Realismus, weil er zwischen Wirklichkeit/Realität und Anschein unterscheidet, über Erkenntnismöglichkeiten und ihre Grenzen nachdenkt und bereit ist, seine Annahmen zu überprüfen.

Für einen «kritischen Realismus» sind mehrere Hauptargumente möglich.

1) Wahrnehmung ist nicht völlig grundlos. Die Sinnesdaten müssen auf irgendetwas zurückgehen. Anders sind sie ncht gut erklärbar.

2) Aus dem Umstand, unsere Wahrnehmung auch aktiv herzustellen, folgt nicht zwangsläufig, daß die wahrgenommene Wirklichkeit nichts als Einbildung und Konstruktion der menschlichen Erkenntnisvermögen ist.

3) Die Annahme, die Wirklichkeit sei völlig vom Bewußtsein/dem Denken der Subjekte abhängig, also bloß Einbildung und Konstruktion, keine objektive Realität, ist kaum praktisch durchzuhalten. Denn dann sollte es doch möglich sein, die Dinge beliebig formen zu können, ohne damit auf sehr große Schwierigkeiten zu stoßen. Aber die wahrgenommene Welt der Erfahrung fügt sich solchen Versuchen nicht einfach widerstandslos. Dies ist ein Anzeichen für ihre vom subjektiven Bewußtsein unabhängige Existenz und Eigengesetzlichkeit. Wer dies bestreitet, soll gegen eine Wand laufen und Schäden, Verletzungen und Schmerzen überzeugend für ein bloßes Konstrukt erklären. Auch ein dauerhaftes und vollständiges Ignorieren alleR anderen Menschen, als ob sie nur Einbildungen seien, ist höchst schwierig.

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Darüber sind nur Vermutungen möglich, besonders weil nicht angegeben ist, wer mit wir“ gemeint ist und in welchem Zusammenhang das Sammeln der Redewendungen gestanden hat.

Aus Redewendungen können Gesichtspunkte dazu gewonnen werden, was unter Zeit verstanden wird, welche Bedeutung sie für das menschliche Leben hat und welcher Umgang mit ihr für empfehlenswert gehalten wird.

Es gibt Ausdrücke wie „mit der Zeit gehen“, „die Zeit heilt alle Wunden“, „etwas zur falschen Zeit tun“, „Zeit verschwenden“, „Zeit ist ein wertvolles Gut“.

Von Redewendungen ausgehend sind Gedanken im Bereich der Ethik möglich z. B.:

Das Leben der Menschen ist von Zeitlichkeit geprägt. Was ist der Sinn des Lebens? Was kann für die begrenzte Lebenszeit erhofft werden? Welche Ziele streben Menschen an und wie können Menschen Glück erreichen?

Worin besteht der richtige Umgang mit der Zeit? Welche Einstellung zur Zeit ist ratsam und was ist ein gutes Handeln in Hinsicht auf das Nutzen der Zeit?

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Die Arbeit betrifft die Rezeption/Nachwirkung/Wirkungsgeschichte der griechischen Mythologie.

Wenn ich das Thema richtig verstehe, geht es nicht um eine Darstellung des Gottes Zeus in wissenschaftlichen Werken (wissenschaftliche Literatur) des 19. Jahrhunderts, sondern in literarischen Werken (Belletristk) des 19. Jahrhunderts.

Auf jeden Fall sollte ein Artikel in einem wichtigen Nachschlagewerk verwendet werden:

Christiane Krause, Zeus. In: Maria Moog-Grünewald (Hrsg.), Mythenrezeption : die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart. DNP : Der Neue Pauly. Supplement-Band 5. Stuttgart ; Weimar : Metzer, 2008, S. 674 – 678

Für eine Suche, was es an literarischen Werken (Belletristik) des 19. Jahrhunderts mit einer Darstellung des Gottes Zeus gibt, können auch herangezogen werden:

Elisabeth Frenzel, Stoffe der Weltliteratur : ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte. 10., überarbeitete und erweiterte Auflage unter Mitarbeit von Sybille Grammetbauer. Stuttgart : Kröner, 2005 (Kröners Taschenausgabe ; Band 300). ISBN 978-3-520-30010-2

Christine Harrauer/Herbert Hunger, Lexikon der griechischen und römischen Mythologie : mit Hinweisen auf das Fortwirken antiker Stoffe und Motive in der bildenden Kunst, Literatur und Musik des Abendlandes bis zur Gegenwart. 9., vollständig neu bearbeitete Auflage. Purkersdorf : Hollinek, 2006. ISBN 978-3-85119-230-8

Eric M. Moormann/Wilfried Uitterhoeve, Lexikon der antiken Gestalten : von Alexander bis Zeus. Übersetzt von Marinus Pütz. 2. Auflage. Stuttgart : Kröner, 2011. ISBN 978-3-520-80601-7

Es gibt zahlreiche Erzählungen der griechischen Mythologie, in denen Zeus eine mehr oder weniger große Rolle spielt, und daher gilt allgemein, es in den Nachschlagewerken auch mit entsprechenden Stichwörtern zu probieren.

So gibt es in folgendem Buch keinen Beitrag, der systematisch Zeus thematisiert, aber Beiträge zu Personen, bei denen auch Zeus eine Rolle spielt, z. B. Amphitryon, Europa, Pandora und Prometheus.

Antike Mythen und ihre Rezeption : ein Lexikon. Herausgegeben von Lutz Walther. Stuttgart : Reclam, 2009 (Reclam-Taschenbuch ; Nr. 20051). ISBN 978-3-15-020051-3

zu Pandora, zu deren Erschaffung es mythologische Darstelungen gibt, nach denen damit Zeus an Prometheus Rache nehmen will, auch:

Richard Kannicht, Pandora. In: Antike Mythen in der europäischen Tradition. Herausgegeben von Heinz Hofmann. Tübingen : Attempto, 1999, S. 127 – 151

Für die Arbeit erscheint mir sinnvoll, einige literarischen Werke aus dem 19. Jahrhundert als Beispiele zu nehmen, die auf die angegebene Weise ermittelt werden können und bei denen sich abzeichnet, für die Fragestellung ergiebig zu sein. Danach kann spezielle Literatur zu Autorinnen/Autoren (besonders unter dem Gesichtspunkt ihrer Antikerezeption und ihres Vehältnisses zur griechischen Mythologie) und ihren Werken gesucht werden.

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Es gibt in wissenschaftlichen Bibliotheken ein Nachschlagewerk mit Artikeln dazu:

Rudolf Rieks, Held, Heros. I. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 3: G – H. Basel ; Stuttgart : Schwabe, 1974, Spalte 1043 – 1045

Otto F. Best, Held, Heros. II. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 3: G – H. Basel ; Stuttgart : Schwabe, 1974, Spalte 1045 – 1049

einige Hinweise:

Giordano Bruno, De gli eroici furori (1585; Von den heroischen Leidenschaften), bezeichnet als einen Helden als den, der, wenn er von der Idee der göttlichen Schönheit und Güte begeistert ist, sich mit Fittichen der vernünftigen Willenskraft zur Gottheit erhebt und die Form eines niedrigen Wesens abstreift. Er versteht darunter also einen Ästheten und Philosophen.

Nach Auffassung von Johann Gottlieb Fichte kennzeichnet Helden ein aufopferungsvoller Einsatz für Ideen.

Johann Gottlieb Fichte, Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters (1806).

Dritte Vorlesung: „Ich behaupte für unseren nächsten Zweck folgendes: Alles grosse und gute, worauf unsere gegenwärtige Existenz sich stützet, wovon sie ausgeht, und unter dessen alleiniger Voraussetzung unser Zeitalter sein Wesen treiben kann, wie es dasselbe treibt, ist lediglich dadurch wirklich geworden, dass edle und kräftige Menschen allen Lebensgenuss für Ideen aufgeopfert haben; und wir selber mit allem, was wir sind, sind das Resultat der Aufopferung aller früheren Generationen, und besonders ihrer würdigsten Mitglieder.“

Vierte Vorlesung: „Der Held handelt, – ohne Zweifel denn doch auf eine bestimmte Weise, setze ich hinzu, – um dadurch Ruhm bei Welt und Nachwelt zu erwerben, sagt man – ohne Zweifel denn doch, setze ich abermals hinzu, ohne bei Welt und Nachwelt erst die Herumfrage gehalten zu haben, ob sie ein Leben in dieser Weise loben wolle – ohne, setze ich ferner hinzu, ohne über diesen Zweifel auf irgend eine Weise in der Erfahrung sich Raths erholen zu können, indem seine Handelsweise, so gewiss sie nach einer Idee einhergeht eine neue und bisher unerhörte, darum noch nie an das menschliche Urtheil gehaltene Handelsweise ist. Doch rechnet er bei dieser Handelsweise so sicher auf Ruhm, sagt man, dass er auf die Richtigkeit dieser Berechnung sein Leben daran setzt. Wie weiss er denn nun, dass er sich nicht verrechne? So wie er an das Handeln geht, und das Opfer seines Lebens schon mit einem Male für immer im Gemüthe vollendet hat, hat noch einzig und allen er selber, und kein anderer ausser ihm, seine Handelsweise beurtheilt und sie gebilligt; wie weiss er denn nun, dass Mitwelt und Nachwelt sie billigen und mit unsterblichem Ruhme belegen werde, und wie kommt er dazu, seinen eigenen Maassstab des Ehrewürdigen so kühn der ganzen Gattung anzumuthen? Doch thut er es, wie ihr sagt: und so erweiset diese einzige Bemerkung, dass er keinesweges durch die Hoffnung ihres Rühmens bewogen thut, wie er thut, vielmehr durch seine aus dem Urquell der Ehre vor sich selber rein hervorbrechende That ihnen hinlegt, was sie billigen und ehren müssen, falls ihm an ihrem Urtheile überhaupt gelegen seyn solle; verachtend bis zur Vernichtung sie selber und ihr Urtheil, falls es nicht der Wiederschein ist seines eigenen, für alle Ewigkeit gefällten Urtheils. Und so erzeuget nicht der Ehrgeiz grosse Thaten, sondern grosse Thaten erzeugen erst im Gemüthe den Glauben an eine Welt, von der man geehrt seyn mag.“

Nach Auffassung von Georg Wilhelm Friedrich Hegel ist ein Held durch Wissen und die Realisation dessen, was an der Zeit, was notwendig ist, bestimmt.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel; Vorlesungen über die Philosophie der Weltgeschichte. Band 1: Die Vernunft in der Geschichte (1830):  

„Es sind nun die großen weltgeschichtlichen Individuen, die solches höhere Allgemeine ergreifen und zu ihrem Zwecke machen, die den Zweck verwirklichen, der dem höhern Begriffe des Geistes gemäß ist. Sie sind insofern H e r o e n zu nennen. Sie nehmen ihre Zwecke und ihren Beruf nicht aus dem ruhigen, eingeordneten System, dem geheiligten Lauf der Dinge. Ihre Berechtigung liegt nicht in dem vorhandenen Zustande, sondern es ist eine andere Quelle, aus der sie schöpfen. Es ist der verborgene Geist, der an die Gegenwart pocht, der noch unterirdisch, der noch nicht zu einem gegenwärtigen Dasein gediehen ist und heraus will, dem die gegenwärtige Welt nur eine Schale ist, die einen andern Kern in sich schließt, als der zur Schale gehörte. Nun ist aber alles, was vom Bestehenden abweicht, Absichten, Zwecke, Meinungen, sogenannte Ideale, in gleicher Weise von dem Vorhandenen verschieden. Abenteurer jeder Art haben solche Ideale, und ihre Tätigkeit geht auf solche Vorstellungen, die den vorhandenen Verhältnissen zuwider sind. Daß aber solche Vorstellungen, gute Gründe, allgemeine Prinzipien von den bestehenden verschieden sind, berechtigt sie noch nicht. Die wahrhaften Zwecke sind allein dieser Inhalt, zu dem sich der innere Geist durch seine absolute Macht selbst heraufgebildet hat; und eben die weltgeschichtlichen Individuen sind diejenigen, die nicht ein Eingebildetes, Vermeintes, sondern ein Richtiges und Notwendiges gewollt und vollbracht haben, die es wissen, in deren Innerem sich geoffenbart hat, was an der Zeit, was notwendig ist.“

Werfen wir weiter einen Blick auf das Schicksal dieser welthistorischen Individuen, so haben sie das Glück gehabt, Geschäftsführer eines Zwecks [zu sein], der eine Stufe in dem Fortschreitungsgang des allgemeinen Geistes bildet. Aber sie, als von dieser Substanz verschiedene Subjekte, sind, das, was man gemeinhin glücklich nennt, nicht gewesen. Das wollten sie auch nicht sein, sondern ihren Zweck erreichen; und die Erreichung des Zwecks ist vollbracht durch mühevolle Arbeit. Sie haben es verstanden, sich zu befriedigen, ihren Zweck, den allgemeinen Zweck hervorzubringen. Mit einem so großen Zweck haben sie sich die Kühnheit vorgesetzt, es gegen alle Meinungen der Menschen aufzunehmen. So ist es nicht das Glück, das sie wählen, sondern Mühe, Kampf, Arbeit um ihren Zweck.“

„Ihren Zweck haben sie zugleich als den ihrigen hervorgebracht; das ist das Untrennbare: die Sache und der Held für sich, beides wird befriedigt.“

Max Scheler (in einem 1911 – 1912 geschriebenen, nicht vollendeten Werk „Vorbilder und Führer“) bezieht Helden auf die personenhafte Ausgestaltung von Vital- und Lebenswerten.

Max Scheler, Gesammelte Werke. Band 10: Schriften aus dem Nachlaß ; 1. Zur Ethik und Erkenntnislehre. Mit einem Anhang herausgegeben von Maria Scheler. 3., durchgesehene Auflage. Herausgegeben von Manfred S. Frings. Bonn : Bouvier, 1986, S. 313:  

„«Held» ist nun jener ideale menschliche, halb-göttliche (Heros der Griechen) oder göttliche Persontypus (Macht- Willensgott z. B. der Mohammedaner, Calvinisten), der mit dem Zentrum seines Seins bezogen ist auf das Edle und die Realisierung des Edlen - also «reiner», nicht technischer Lebenswerte -, und dessen Grundtugend natürlicher Adel des Leibes und der Seele und entsprechender Edelsinn ist. Schon nicht mehr dürfen Menschen «Helden» heißen, die – wie bedeutend auch immer – nur auf die «Wohlfahrt» ihrer selbst und der Gruppen bezogen sind, der sie angehören.“

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Nach Artikel 140 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland sind die Artikel 136,137, 138, 139 und 141 der Verfassung des Deutschen Reichs vom 11. August 1919 (Verfassung der Weimarer Republik/Weimarer Reichsverfassung [WRV]) Bestandteil des Grundgesetzes und damit gültige verfassungsrechtliche Bestimmungen.

Artikel 138 der Verfassung des Deutschen Reichs vom 11. August 1919:

„Die auf Gesetz, Vertrag oder besonderen Rechtstiteln beruhenden Staatsleistungen an die Religionsgesellschaften werden durch die Landesgesetzgebung abgelöst. Die Grundsätze hierfür stellt das Reich auf.

Das Eigentum und andere Rechte der Religionsgesellschaften und religiösen Vereine an ihren für Kultus-, Unterrichts- und Wohltätigkeitszwecke bestimmten Anstalten, Stiftungen und sonstigen Vermögen werden gewährleistet.“

Absatz 1 des Artikels enthält einen Auftrag zur Abschaffung von Staatsleistungen an Religionsgesellschaften (Religionsgemeinschaften) und Vorgaben zum Verfahren bei der Ablösung.

Absatz 2 garantiert Eigentums- und Vermögensrechte der Religionsgesellschaften (Religionsgemeinschaften). Damit sind alle Sachen und Rechte, die dazu bestimmt sind, religiösen Zwecken der Religionsgesellschaften (Religionsgemeinschaften) zu dienen, sonstigem Eigentum rechtlich gleichgestellt (allgemein zu Eigentum:

Artikel 153 der Verfassung des Deutschen Reichs vom 11. August 1919).

Der juristische Ausdruck »Ablösung« bedeutet Abschaffung/Beseitigung einer rechtlichen Verpflichtung auf der Grundlage gesetzlicher Bestimmungen. »Ablösung« kann grundsätzlich mit oder ohne Ersatzleistung bzw. Entschädigung geschehen.

Bei den Staatsleistungen geht es um Leistungen der einzelnen Bundesstaaten des Deutschen Reiches, die es in der Zeit des Kaiserreiches (1871 – 1918) gab.

Mit Landesgesetzgebung ist die Gesetzgebung der Reichsländer des Deutschen Reiches (in der Weimarer Republik blieb Deutsches Reich offizieller Name ein, zugleich galt gemäß Artikel 1 Absatz 1 der Verfassung des Deutschen Reichs vom 11. August 1919: „Das Deutsche Reich ist eine Republik.“) gemeint. Die Reichsländer des Deutschen Reiches in der Zeit der Weimarer Republik sind eine Entsprechung zu den Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland.

In der Praxis sind die Staatsleistungen nicht abgeschafft worden bzw. in Einzelfällen unternommene Versuche zur Ablösung durch revolutionäre Regierungen wurden als rechtswidrig beurteilt und konnten nicht durchgesetzt werden.

Staatsleistungen an Religionsgesellschaften, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Verfassung des Deutschen Reichs vom 11. August 1919 bestanden (und nur in Braunschweig war nach der Novemberrevolution 1918 eine Ablösung vor dem Inkrafttreten geschehen), konnten nur aufgrund einer Reichsgesetzgebung (in der Weimarer Republik durch Reichstag mit Zustimmung des Reichsrates [Vertretung der Reichsländer] bzw. Volksentscheid) abgelöst werden (die Reichsgesetzgebung ist die Entsprechung zur Bundesgesetzgebung in der Bundesrepublik Deutschland).

Artikel 173 der Verfassung des Deutschen Reichs vom 11. August 1919:

„Bis zum Erlaß eines Reichsgesetzes gemäß Artikel 138 bleiben die bisherigen auf Gesetz, Vertrag oder besonderen Rechtstiteln beruhenden Staatsleistungen an die Religionsgesellschaften bestehen.“

Die einzelnen Reichsländer durften also keine eigene Gesetzgebung zur Ablösung vornehmen, solange es kein Reichsgesetz mit Grundsätzen dazu gab. Ein Reichsgesetz ist aber bis 1933 nicht gekommen. So konnte keine Landesgesetzgebung zur Ablösung erfolgen.

Es hat in der Zeit der Weimarer Republik zwischen Staat und Kirche Vereinbarungen gegeben, Konkordate bzw. Kirchenverträge einzelner Reichsländer mit der katholischen Kirche bzw. evangelischen Kirchen. Zu den typischen Inhalten gehörten Garantien des Kirchenvermögens und Regelungen der Staatsleistungen.

Die Gewährleistung der Eigentums- und Vermögensrechte ist weit ausgelegt worden und umfaßte alle staatlichen Zahlungen und geldwerten Leistungen an Kirchen, kirchliche Untergliederungen und Funktionsträger der Kirche, einschließlich von Abgabenfreiheit und Abgabenermäßigung für Kirchengut.

Über die Auslegung der Gewährleistung der Eigentums- und Vermögensrechte in Artikel 138 Absatz 2 hat es zahlreiche Rechtsstreitigkeiten gegeben, die Umfang und Aufwertung der geschützten Leistungen und die Reichweite von Artikel 173 betrafen. In den einzelnen Reichsländern hat manchmal eine Erhöhung der Staatsleistungen, in Einzelfällen eine einvernehmliche Umwandlung stattgefunden.

eine Zusammenfassung zum Thema:

Christoph Gusy, Die Weimarer Reichsverfassung. Tübingen : Mohr Siebeck, 1997, S. 326 - 327

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Eine genaue Anzahl der Frauen, die der Gott Zeus gemäß der griechischen Mythologie hatte, kann mit sicherer Gültigkeit nicht angegeben werden. Denn in der griechischen Mythologie gibt es verschiedene, voneinander abweichende Fassungen, es ist zweifelhaft, inwieweit lokale Erzählungen als anerkannt behandelt werden können, und tatsächlich geschichtliche Personen haben eine Abstammung von Zeus beansprucht, z. B. Alexander »der Große« (König Alexander III. von Makedonien), dessen Mutter Olympias (Ὀλυμπιάς) dann hinzukäme.

Auf jeden Fall hat Zeus in der griechischen Mythologie eine sehr zahlreiche Anzahl von Liebschaften und erotischen/sexuellen Affären.

Hesiod, Theogoneia (Θεογονία; Thegonie; lateinischer Titel: Theogonia) 886 – 929 erzählt einiges über Frauen des Gottes Zeus. Erwähnt werden Metis (Μῆτις), Themis (Θέμις), Eurynome (Εὐρυνόμη), Demeter (Δημήτηρ), Mnemoysyne (Μνημοσύνη), Leto (Λητώ) und Hera (Ἥρα). Ausdrücklich als Ehefrau angegeben werden dabei nacheinander Metis, Themis und Hera.

eine große Anzahl bietet:

http://www.theoi.com/Olympios/ZeusLoves.html

http://www.theoi.com/Olympios/ZeusLoves2.html

http://www.theoi.com/Olympios/ZeusLoves3.html

Die Informationen zu den einzelnen Frauen sind dabei zu beachten. Erfolglos war ein Umwerben bei Asteria (sie floh erfolgreich), Sinope (Zeus versprach ihr die Erfüllung eines Wunsches und sie wählte als Wunsch, jungfräulich zu bleiben) und Thetis (Zeus hat verzichtet, nachdem ihm eine Weissagung mitgeteilt wurde, ein Sohn der Göttin Thetis werden stärker als dessen Vater sein).

https://de.wikipedia.org/wiki/Zeus#Kinder_des_Zeus enthält im Vergleich weniger der Frauen, allerdings zusätzlich Ananke (Ἀνάγκη) und Nemesis (Νέμεσις).

eine sehr umfangreiche Liste enthält:

Konrat Ziegler, Zeus. In: Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Herausgegeben von Wilhelm Heinrich Roscher. Band 6: 6: U–Zyrratêl sowie Nachträge: Abaios–Zwölfgötter, Acerbas–Telephos. Leipzig : Teubner, 1937, Spalte 581 – 587 (Frauen) = https://archive.org/details/ausfhrlichesle06rosc/page/290 (unten kann durch Anklicken der Pfeilsymbole geblättert werden)

ein Artikel in einem Nachschlagewerk, in dem auch nach einer Auflistung gesucht werden könnte:

Hans Schwabl, Zeus. Teil II. Mit archäologischen Zeugnissen von Erika Simon und Beiträgen zur Sprachgeschichte von Jochem Schindler und zu mykenischen Texten von Stefan Hiller, Teil III. Nachträge. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft : RE Supplementband XV: Acilius bis Zoilos. Stuttgart : Druckenmüller, 1978, Spalte 993—1481

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Griechische Boten in der Antike sind nicht immer, ganz grundsätzlich und allgemein, zu Fuß gelaufen, sondern es hat auch welche gegeben, die auf Pferden geritten sind. Der Einsatz von die Strecke zu Fuß zurücklegenden Boten ist allerdings anscheinend überwiegend üblich gewesen (vgl. Anne Kolb, Nachrichtenwesen. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Band 6: Mer - Op. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2000, Spalte 666 - 672).

Wenn bei einer militärischen Truppe Reiterei vorhanden war, ist wohl auch der Einsatz berittener Boten vorgekommen, wenn bei dem Weg das Gelände dafür geeignet war.

Als König Philipp V. von Makedonien 179 v. Chr. in Amphipolis schwer erkrankte und Anzeichen einen baldigen Tod vermuten ließen, schickte der Arzt Kalligenes durch nach einer Verabredung im Voraus verteilte Boten eine Nachricht an Philipps Sohn Perseus, der sich in Thrakien aufhielt (Livius 40, 56). Dies könnten berittene Boten gewesen sein, die an verschiedenen Stationen bereitstanden.

Es gab unter den antiken Griechen gut geübte Läufer, die zu großen Laufleistungen fähig waren. Die athenischen Strategen schickten 490 v. Chr. Pheidippides von Athen nach Sparta und dieser kam am zweiten Tag dort an (Herodot 6, 105 - 106). Lasthenes, ein thebanischer Olympiasieger 402 v. Chr., hat angeblich in diesem Jahr auch einen Wettkampf gegen ein Rennpferd von Koroneia nach Theben [etwas über 30 km] gewonnen (Diodoros, Bibliotheke historike [Βιβλιοθήκη ἱστορική; Historische Bibliothek; lateinischer Titel: Bibliotheca historica] 14, 11, 5).

Boten, die auf Pferden ritten, konnten besonders schnell vorankommen, wenn es ein gutes Straßennetz und Stationen für Pferdewechsel gab. Im Persischen Reich konnten Kuriere auf der sogenannten Königstraße schnell reisen, offenbar auch durch Wechsel der Pferde oder anderer Reittiere (z. B. Kamele). Teilweise hat es anscheinend in hellenistischen Königreichen ähnliche Möglichkeiten gegeben. In der Kaiserzeit gab es im römischen Reich, zu dem auch Griechenland gehörte, ein staatliches Nachrichten- und Transportwesen, cursus publicus genannt (von Augustus eingerichtet nach Sueton, Divus Augustus 49, 3 – 50). Nach dem spätantiken Autor Prokopios, Anekdota (Ἀνέκδοτα; Geheimgeschichte; lateinischer Titel: Historia arcana) 30, 3 – 5 konnte ein berittener Bote mit Pferdewechsel an 1 Tag eine Strecke von 10 Tagesreisen zurücklegen.

Eine verhältnismäßig geringe Verwendung von Boten im antiken Griechenland, die auf Pferden ritten, kann vor allem durch wirtschaftliche und geographische Gründe erklärt werden.

Der Erwerb oder die Zucht sowie der Unterhalt (vor allem Ernährung und Pflege) von Pferden sind kostspielig gewesen. Zum Lebensstil reicher Pferdebesitzer gehörte nicht, beruflich als Bote tätig zu sein bzw. Spezialist für Botendienste zu sein. Bei längeren Strecken ist außerdem der Bedarf an Futter und Wasser (vor allem im Sommer besteht in Griechenland in vielen Regionen Wasserarmut) zu berücksichtigen. Das Pferd kann krank werden oder wegen eines Gegenstandes, der in den Huf eindringt, lahmen.

In Griechenland gibt es viele Inseln. Bei Strecken über das Meer waren Schiffe geeignet. Die Athener hatten ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. die Staatsschiffe Paralos und Salaminia. Es gibt in Griechenland zwar auch größere Ebenen, z. B. in Thessalien, aber viel gebirgige Landschaft. Dort konnte nicht gut schnell mit Pferden durchgeritten werden. Außerdem hat es in der Antike in Griechenland vor allem in früher Zeit nur wenige gut ausgebaute Straßen gegeben.

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Bei der Aufgabe ist es nötig, Gedanken anzugeben, die wichtige Ansätze bei dem von Hans Jonas vertretenen Prinzip Verantwortung sind, und Argumente vorzubringen, die dafür oder dagegen (Pro-Argumente und Kontra-Argumente) sprechen, seinen Standpunkt als richtig, gut begründet und sinnvoll zu beurteilen.

Ich versuche einige Überlegungen.

  • Umweltethik mit Versuch einer umfassender Bewahrung

Es gibt verschiedene Typen von Umweltethiken, bei denen der Kreis von Dingen zunimmt, denn ein Eigenwert zugesprochen wird:

a) anthropozentrische Ethik (nur der Mensch steht im Mittelpunkt)

b) pathozentrische Ethik (alle Lebewesen, die empfindungsfähig sind, leiden können, werden berücksichtigt)

c) biozentrische Ethik (alles Lebendige wird berücksichtigt)

d) holistische bzw. holizentrische Ethik (die ganze Natur wird berücksichtigt)

Hans Jonas geht es nicht nur um das Überleben der Menschheit (anthropozentrischer Gesichtspunkt), sondern auch um die Bewahrung der der belebten Natur (biozentrischer Gesichtspunkt) und um die Erhaltung des Planeten Erde, was zu einem holistischen Gesichtspunkt passend ist.

Pro-Argument:

umfassende Berücksichtung der Natur vermeidet Einseitigkeit und Beschränkheit durch eine Perspektive auf das Ganze der Welt

Kontra-Argument:

Abhängigkeit des Ansatzes davon, ganz allgemein Sein für wertvoller als Nicht-Sein zu beurteilen

  • Ableitung eines Sollens aus einem Sein mit einer Auffassung der Zweckhaftigkeit in der Natur

Für das Gebot der Existenz/des Erhaltens der Menschheit und der Biosphäre versucht Hans Jonas eine Begründung zu geben. Der Gedankengang in seinen großen Schritten ist:

a) Versuch des Aufweisens einer objektiven Zweckhaftigkeit des Seins/der Natur in sich, unabhängig von menschlicher Deutung

b) Versuch, die Zweckhaftigkeit als ein Gut an sich zu zeigen

c) Ableitung einer kategorischen Pflicht zur Erhaltung dieses Gutes aus diesem Gut

Hans Jonas vertritt als Grundannahme die Auffassung, es gebe in der Natur die Erfüllung von Zweckhaftigkeit, eine Zielausrichtung auf die Selbsterhaltung und das Nutzen von Möglichkeiten zur Weiter- und Höherentwicklung, eine dem Ganzen innewohnende Selbstbejahung. Bei dem Zweck, wozu etwas da ist oder geschieht, sei der Sachverhalt der Zweckerfüllung unabhängig von subjektiver Setzung/Beurteilung/Überzeugung. Werte werden von Zwecken abgeleitet.

Der Wert bezeichnet die Tauglichkeit für das Erreichen von Zwecken. Etwas an sich Gutes hat einen ihm innewohnende Anspruch auf seine Wirklichkeit

Der Wert des Guten darin gründet letztlich darin, den Zweck als der Zwecklosigkeit überlegen zu verstehen, dem Sein Vorrang vor dem Nichts zu geben (Sein ist besser als Nichtsein).

Pro-Argument:

Versuch einer objektiven Begründung für die Ethik mit einer Theorie des Guten, wobei das als wertvoll eingeschätzte Sein nicht einfach bloß ein faktisches Sein ist und damit ein Fehlschluß vermieden wird; eine Ethik, die sich in ihrer Begründung nicht auf irgendeine Weise auf Seiendes bezieht, hat keine tragfähige Grundlage; den Zweck als der Zwecklosigkeit überlegen zu verstehen und dem Sein Vorrang vor dem Nichts zu geben (Sein ist besser als Nichtsein) ist eine von sich selbst her einleuchtende unmittelbare Anschauung

Kontra-Argument:

Gefahr eines Sein-Sollens-Fehlschlusses und des Hineinprojizierens von Zwecken in die Natur; Vorrang des Seins beruft sich auf Intuition und ist daher nicht nachweisbar

  • Versuch einer Ergänzung des kategorischen Imperativs von Immanuel Kant

Hans Jonas stellt den neuen Imperativ des Prinzips Verantwortung vor dem Hintergrund neuartiger Zerstörungsmöglichkeiten aufgrund der Entwicklung der Technik auf. Der neue Imperativ ist nicht als Ersatz für den von Immanuel Kant dargelegten kategorischen Imperativ (wie er in einer auf den Menschen als Zweck an sich selbst bezogenen Fassung zum Ausdruck kommt) gedacht, sondern als eine Ergänzung. Dabei geht es vor allem um das Vermeiden eines Risikos einer umfassenden Vernichtung.

Hans Jonas versucht Pflichten gegenüber Angehörigen zukünftiger Generationen und gegenüber der nicht-menschlichen Natur zu begründen. Aufgrund neuerer Erfahrungen setzt er die Existenz der Menschheit nicht als gegeben voraus. Seiner Meinung nach kann Kants Ethik eine Pflicht zur Erhaltung der Menschheit nicht begründen.

Aufgrund einer inzwischen vorhandenen Möglichkeit zu Vernichtung einschließlich einer Selbstauslöschung der Menschheit und einer Zerstörung des Planeten Erde stellt Hans Jonas ein erstes Gebot der Ethik auf, das als Bezug auf die Zukunft und Überlebenschancen gedacht ist. Ein dauerhaftes Überleben der Menschheit ist nicht gesichert und keine Selbstverständlichkeit. Daher gehört zur Verantwortung, an ihre Erhaltung zu denken und dies bei Entscheidungen zu berücksichtigen.

Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation. 1. Auflage. Frankfurt am Main : Insel-Verlag, 1979, S. 36:  

„Handle so, daß die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“

Es soll vermieden werden, etwas zu tun, was das Überleben der Menschheit gefährdet.

Pro-Argument: Berücksichtigung neuartiger Zerstörungsmöglichkeiten aufgrund der Entwicklung der Technik, wodurch die Bewahrung der Natur und das Offenhalten einer zukünftigen Überlebens der Menschheit dringend werden

Kontra-Argument: Hans Jonas fordert eine Berücksichtigung der Wirkungen einer Handlung in Bezug auf die Lebensmöglichkeit. Die Wirkung macht insofern den ethischen Gehalt einer Handlung aus. Seine Verantwortungsethik ist daher ein Konsequentialismus (ausschlaggebend für die Bewertung einer Handlung sind allein ihre – angenommenen – Folgen). Da nützliche Folgen zum Kriterium werden, rückt seine Ethik in die Nähe des Utilitarismus. Sie teilt damit dessen Schwächen (so ist das Krierium des Nutzens nicht selbst utilitaristisch als aufweisbar und bei einer Gesamtbilanz des Nutzens fehlt für die Verteilung von Nutzen und Schaden auf Individuen ein Prinzip, das Gerechtigkeit herstellt); der „neue Imperativ“ ist ein weniger allgemeines Prinzip, das sich nicht auf alle Arten von Handlungssituationen bezieht, sondern auf bestimmte Arten von Handlungssituationen beschränkt ist. Denn nicht alle Handlungen beeinflussen die Überlebensmöglichkeiten der Menschheit und die Erhaltung der Biosphäre. Es gibt moralisch relevante Entscheidungen, die nicht zum Anwendungsbereich des „neuen Imperativs“ gehören. Dieser ist auf ganz elementare Dinge ausgerichtet.

  • Appell an Verantwortung der Menschen als Treuhänder für die Natur

Aufgrund ihrer Innerlichkeit und Freiheit sind die Menschen zu Verantwortung fähig. Sie stehen damit nach Auffassung von Hans Jonas innerhalb der Natur an der Spitze. Ohne Träger von Verantwortung kann es im Kosmos keine Verantwortung geben. Die Menschen sollen eine Bejahung des Seins in ihr eigenes Wollen als Treuhänder gegenüber dem, worüber sie Macht haben, übernehmen. Die Menschheit ist zur Existenz und zu einer bestimmten Qualität des Lebens (Wohlergehen und Glück gehören dazu) verpflichtet. Träger von Verantwortung sind verpflichtet, das Dasein künftiger Verantwortungsträger zu ermöglichen

Pro-Argument: Appell an Gefühl der Verantwortlichkeit verleiht dem ethischen Gebot subjektive Wirksamkeit.

Kontra-Argument: Unsicherheit eines Erfolgs von Appellen an Verantwortlichkeitsgefühl

  • Vorzug der schlechteren Prognose (Heuristik der Furcht)

Eine Heuristik der Furcht (als Beweggrund für Entscheidungen) dient dazu, die Pflicht zum Handeln zu erkennen und die (gesollte) Existenz künftiger Menschen zu ermöglichen. Hans Jonas vertritt das Prinzip, den erwartbaren maximalen Schaden möglichst kleinzuhalten. Nach seiner Heuristik der Furcht ist grundsätzlich die schlechtere Prognose (Vorhersage, die schlimmere zukünftige Ereignisse, Zustände und Entwicklungen annimmt) der besseren Prognose vorzuziehen, um der Versuchung des Herunterspielens, der Abwiegelung und des Beschwichtigen zu entgehen und um sich die mögliche Schadenshöhe deutlich zu machen.

Pro-Argument: Wichtigkeit, schlimme Katatstrophen zu vermeiden und nicht alles, was technisch machbar ist, auch tatsächlich zu machen

Kontra-Argument: Ein Vorzug der schlechteren Prognose bei der Technologiefolgenabschätzung, auch wenn die Wahrscheinlichkeit der Auslöung schlimmer Folgen sehr gering ist, kann zu schlechteren Ergebnissen führen. Ein Vorzug der schlechteren Prognose kann unter Umständen Entwicklungen behindern, die günstige Chancen für die Umwelt enthalten.

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»Glück haben« bezieht sich auf äußere Umstände und einen günstigen Zufall (z. B. Lottogewinn oder bei Verwicklung in einen Unfall unverletzt zu bleiben). Der Gegenbegriff ist »Pech haben«.

»Glücklich sein« ist ein innerer Zustand (das Glück wird empfunden) und bezeichnet ein Wohlgefühl/eine gesteigerte Zufriedenheit, wobei dies auch über die kurzfristige Zeit eines Augenblicks (z. B. bereitet ein Erlebnis Freude) hinausgehen kann und sich auf ein gutes Leben mit Wohlergehen und Wohlbefinden beziehen kann (z. B. gute Lebensbedingungen, angenehme menschliche Beziehungen, gelingende Entfaltung von Fähigkeiten). Der Gegenbegriff ist »unglücklich sein«.

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Von den führenden Nationalsozialisten besteht im Aussehen Ähnlichkeit mit Wilhelm Frick, Reichsinnenminister 1933 – 1943.

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Sigmund Freud beschreibt eine Entwicklung der psychosexuellen Entwicklung von der Kindheit bis zum Erwachsenwerden in folgendem Buch:

Sigmund Freud, Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (1905; 2., vermehrte Auflage 1910; 3., vermehrte Auflage 1915; 4., vermehrte Auflage 1920; 5., unveränderte Auflage 1922; 6., vermehrte Auflage nach den Gesammelten Schriften 1925) II. Die infantile Sexualität III. Die Umgestaltungen der Pubertät

dazu: Friedl Früh/Johannes Reichmayr, Sexualtheorie und Triebtheorie. Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. In: Freud-Handbuch : Leben - Werk - Wirkung. Herausgegeben von Hans-Martin Lohmann und Joachim Pfeiffer. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2006. S. 146 – 149

zu den Phasen gibt es eine differenzierende Bemerkung:

Sigmund Freud, Die infantile Genitalorganisation (Eine Einschaltung in die Sexualtheorie) (1923)

Auf eine prägenitale Organisation folge eine phallische Organisationsstufe (kein Genitalprimat, sondern ein Primat des Phallus, es werde nur eine Art des Genitals/Geschlechtsteils gekannt, die männliche), die eine genitale Organisationsstufe genannt werden könne (wobei im Unterschied zur phallischen Organisationsstufe die definitive Geschlechtsreife ein männliches und ein weibliches Genital kenne).

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Im Kolosseum (Flavisches Amphitheater [Amphitheatrum Flavium]) bestand der übliche Ablauf bei der Veranstaltungen von Schauspielen/Spektakeln (spectacula) nach dem Hereinlassen des Publikums und einer Prozession/einem feierlichen Einmarsch (pompa) aus drei Hauptteilen

1) Vormittag: Tierhetzen/Tierkämpfe (venationes)

Tiere wurden gegeneinander in den Kampf geschickt oder Jäger (venatores) bzw. Tierkämpfer (bestiarii) traten gegen Tiere zum Töten an.

2) Mittagszeit: Hinrichtung zum Tod verurteilter Menschen

Als Verbrecher Verurteilte wurden auf verschiedene Weise hingerichtet. Sie wurden wilden Tieren vorgesetzt (Verurteilung zu den wilden Tieren [damnatio ad bestias]), waren gezwungen, ohne Körperschutz und ohne Aussicht auf Begnadigung mit Waffen immer wieder gegeneinander zum Kampf anzutreten, bis der letzte Überlebende von einem zur Tötung Beauftragten umgebracht wurde (Verurteilung zum Eisen [damnatio ad ferrum]), oder kämpften chancenlos gegen einen ausgebildeten Gladiator (Verurteilung zum Schwert [damnatio ad gladium]). Bei den Hinrichtungen ist das Nachstellen von Schlachten und von mythologischen Szenen vorgekommen. Nachgestellte Seeschlachten (Naumachien [naumachiae]) sind im Kolosseum aber nur in der Anfangszeit möglich gewesen.

3) Nachmittag: Gladiatorenkämpfe

Als Vorspiel (prolusio) gab es paarweise Schaukämpfe: Der Auftakt der Gladiatorenkämpfe war ein Geplänkel/Scheingefecht mit stumpfen Waffen/Holzwaffen (arma lusoria). Dann gab es nach Hereinbringen der scharfen Eisen (ferra acuta), der Angriffswaffen für den Kampf, vor Beginn der ernsthaften Zweikämpfe eine Überprüfung der Waffen (probatio armorum), ob sie wirklich scharf und spitz waren.  Danach nahmen die Gladiatoren Aufstellung zum Kampf, der üblicherweise paarweise als Zweikampf stattfand, begleitet von Gehilfen, die ihnen Helm, Schild und Waffen nachtrugen. Die zwei Schiedsrichter (summa rudis und secunda rudis) standen zwischen ihnen. Herolde/Ansager (praecones) und Träger mit vorangetragenen Schrifttafeln (mit Name und Liste der bisherigen Kämpfe und Erfolge eines Gladiators) boten Informationen. Darauf folgten die eigentlichen Gladiatorenkämpfe. Wenn ein Gladiator aufgab, entschied der Veranstalter, ob er getötet oder am Leben gelassen wurde. Dabei folgte er gewöhnlich dem mehrheitlichen Votum des Publikums.

Bei allen drei Hauptteilen kam es zu Abtransport von Toten und Aufräumen der Arena. Zwischendurch hat es zur Überbrückung von Wartezeiten Auftritte von Akrobaten, dressierten Tiere, athletische Wettkämpfe oder andere Einlagen zur Unterhaltung gegeben.

ein paar Internetseiten:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gladiator#Ablauf_eines_Tages_in_der_Arena

http://www.imperium-romanum.info/wiki/index.php?title=Gladiatoren#Ablauf_eines_Arenatages

https://www.gutefrage.net/frage/rituale-vor-gladiatorenkampf-

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500 v. Chr. ist in Athen kurz nach der Schaffung einer politischen Ordnung durch Kleisthenes.

In der athenischen Demokratie wurden Gesetze und Beschlüsse von der Volksversammlung (griechisch: ἐκκλησία [ekklesia]) beschlossen. Die Abstimmung geschah nach dem Mehrheitsprinzip. Ein einzelner volljähriger athenischer Bürger, der mit einem Gesetz oder einem Beschluß nicht einverstanden war, hatte nur sehr beschränkte Möglichkeiten, dies aufheben zu lassen. Es wäre ja auch nicht demokratisch gewesen, wenn ein einzelner Bürger ausschlaggebend ist und nicht die vielen anderen Bürger, die ein Gesetz oder einem Beschluß gewollt haben.

Der einzelne athenische Bürger konnte mit anderen Bürgern reden und versuchen, sie mit Argumenten davon überzeugen, das Gesetz oder der Beschluß sei nicht gut und daher sollte bei der nächsten Tagung der Volksversammlung für eine Abschaffung oder Änderung abgestimmt werden. Bei der nächsten Tagung der Volksversammlung wäre es dann nötig, eine Abschaffung oder Änderung des Gesetzes oder Beschlusses zu beantragen und bei einer Diskussion dann eine überzeugende Rede dafür zu halten (der Bürger selbst oder ein guter Redner, der dafür eintritt).

Zur geschäftsführenden Prytanie des Rates der 500 konnte der Bürger gehen, um eine neue Diskussion zum Gegenstand des Gesetzes oder Beschlusses auf die Tagesordnung der nächsten Tagung der Volksversammlung setzen zu lassen.

Die Magistrate hatten keine Befugnis zur Aufhebung von Volksbeschlüssen.

Beim Areopag (griechisch: Ἄρειος πάγος), einem Rat ehemaliger Archonten (obere Magistrate) auf dem Areshügel, ist aus den Quellen nicht deutlich, welche formalen Befugnisse er um 500 v. Chr. tatsächlich hatte. Inwieweit Aussagen, die ihn als Hüter der Verfassung und der Gesetze erscheinen lassen, sich auf tatsächliche sehr weitgehende Eingriffsrechte beziehen, ist nicht klar. Um 462/1 v. Chr. wurden dem Areopag einige von ihm ausgeübte Aufsichts- und Eingriffsrechte entzogen, die ihn vorher als Wächter des Staates und der Gesetze erscheinen ließen, und teils auf die Volksversammlung, teils auf den Rat der 500, vor allem aber auf die Volksgerichte übertragen.

An den Areopag konnte sich der Bürger vielleicht wenden, wenn das Gesetz oder der Beschluß rechtswidrig war. Möglicherweise hatte der Areopag aber dabei höchstens informellen Einfluß.

Zu einem Geschworenengericht (Gerichtshof [griechisch: δικαστήριον (dikasterion) des Volksgerichtes [griechisch: ἠλιαία (heliaia)) konnte ein Bürger gehen, um gegen den, der den Antrag zu dem Gesetz oder dem Beschluß eingebracht hatte, Klage wegen Rechtswidrigkeit zu erheben. Es waren dafür gute rechtliche Gründe nötig. Selbst mit dem Gesetz oder dem Beschluß nicht einverstanden zu sein, war nicht ausreichend.

Seit dem Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. gab es in der athenischen Demokratie ein Verfahren mit einer Klage wegen Gesetzwidrigkeit, graphe paranomon (griechisch: γραφὴ παρανόμων) genannt (vgl. einführend https://de.wikipedia.org/wiki/Graphe_paranomon ).

ein ausführliches Buch zu den Verfahrensweisen in der athenische Demokratie:

Jochen Bleicken. Die athenische Demokratie. 2., völlig überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh, 1994. ISBN 3-506-71901-7

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Immanuel Kant hat dargelegt, daß die theoretische Vernunft mit abgesicherten Überlegungen nicht über die Grenzen möglicher Erfahrung hinauskommt und daher die Existenz Gottes weder beweisbar noch widerlegbar ist.

Kant hat verschiedene Arten der Versuche von Gottesbeweisen kritisiert. Die vermeintliche Beweisführung ist nicht ausreichend. Die Schlüsse sind nicht zwingend notwendig.

Letztlich setzen andere Versuche den ontologischen Gottesbeweis voraus, der aber nach Kants Auffassung verfehlt ist. Denn aus dem Begriff eines vollkommenen Wesens kann nicht dessen Existenz als notwendig gefolgert werden. Sein (Dasein/Existenz) ist nicht einfach eine Eigenschaft wie andere. Sein (Dasein/Existenz) ist nicht ein reales Prädikat (Ding x ist), das einem Begriff inhaltlich eine Eigenschaft hinzufügt. Es besteht kein Unterschied zwischen einem denkmöglichen Ding und einem tatsächlich vorhandenem Ding außer der tatsächlichen Existenz. Aus der Denkmöglichkeit eines vollkommenen Wesens kann nicht dessen Existenz als notwendig gefolgert werden. Denn das gedachte Wesen hat inhaltlich keinen Mangel (Gegensatz zu einer Vollkommenheit) im Vergleich zu dem existierenden Wesen. 100 wirkliche Taler enthalten nicht das mindeste mehr als 100 mögliche Taler. Der Unterschied ist: Bei 100 wirklichen Taler kommt im Vergleich zu bloß gedachten 100 Talern der Gegenstand zum Begriff hinzu.

Die Frage zum moralischen Gottesbeweis bezieht sich offenbar darauf, daß Kant das Dasein/die Existenz Gottes aus moralphilosophischen Gründen für ein Postulat (eine aus subjektivem Bedürfnis notwendige Annahme) der praktischen Vernunft hält. Es handelt sich genau genommen also um keinen Beweis.

Wer sich in Übereinstimmung mit dem moralischen Gesetz verhält, ist glückswürdig. Glückseligkeit ist ein Endziel der Menschen. Das höchste Gut ist die Verbindung von Glückswürdigkeit und tatsächlicher Glückseligkeit. Dieses höchste Gut kann aber nur als sicher und notwendig erhofft werden, wenn ein Wesen mit Güte, Intelligenz und höchster Macht existiert, das die Verwirklichung des höchsten Gutes garantiert. Dann gibt es die Verknüpfung von Moralität und Glückseligkeit.

ein paar Internetseiten (zum Teil deutlich ausführlicher):

https://de.wikipedia.org/wiki/Gottesbeweis#Gott_als_moralisch_notwendige_Annahme_bei_Kant

https://www.gutefrage.net/frage/unverstaendlich-satz-zu-immanuel-kants-religionsphilosophie (mit einer eigenen längeren Antwort zum Dasein/zur Existenz Gottes als Postulat der praktischen Vernunft)

https://www.audimax.de/fileadmin/hausarbeiten/literatur/Hausarbeit-Literatur-Kant-und-die-Existenz-Gottes.pdf

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Bei dem Text in den Abbildungen handelt es sich um Ausschnitte aus einem Buch:

Markus Gabriel, Warum es die Welt nicht gibt. Berlin : Ullstein, 2013, S. 9 und S. 24 – 25

Der Satz am Ende des Textauszuges vertritt einen deutlichen Standpunkt:

„Die Aufgabe der Philosophie ist es, immer wieder von vorne anzufangen, und das jedes Mal.“

Für das Wesentliche des Philosophierens hält der Autor, a) allgemeine und grundsätzliche Fragen zu stellen, b) zu versuchen, durch eigenes Forschen und Denken über die Fragen Erkenntnisse zu erreichen und diese in klare Aussagen zu fassen und c) nichts als von Anfang an selbstverständlich und fest gegebene Tatsache anzunehmen, sondern bereit zu sein, alles in Zweifel zu ziehen, einschließlich bisheriger eigener Überzeugungen.

„Das Leben, das Universum und der ganze Rest“ ist eine zitierende Anspielung auf die Romanreihe „Per Anhalter durch die Galaxis“ (englisches Original: „The hitchhiker’s guide to the galaxy“ von Douglas Adams, in der erzählt wird, wie ein Computer die Antwort auf die „Ultimative Frage des Lebens, des Universums und dem ganzen Rest“ („Answer to the ultimate question of life, the universe, and everything“) geben soll und nach langen Berechnungen mit „42“ antwortet.

Markus Gabriel nennt eine Reihe von Fragen als Beispiele von großen philosophischen Fragen/Menschheitsfragen. Wenn gefragt wird, was das eigentlich soll, wird die Frage nach dem Sinn des Ganzen/dem Sinn des Lebens gestellt. Es gibt Fragen nach der Beschaffenheit der Welt/Wirklichkeit/Realität und der Seinsweise geistig-seelischer/mentaler Phänomene wie Gedanken, Wünsche und Hoffnungen. Es gibt Fragen, in denen es um Selbstverständnis und Orientierung (über die menschliche Existenz und die Existenz allgemein) geht, und Fragen zur Möglichkeit menschlicher Erkenntnis. Es gibt Fragen zum Ursprung der Menschen („Woher kommen wir?“), womit wirkende Ursachen ein Thema werden.

Philosophie strebt nach Erkenntnis durch vernünftiges Nachdenken. Klare Aussagen und nachvollziehbare Begründungen sind wünschenswert. Sie soll keine auf wenige Auserlesene (eine Elite) beschränkte und im Geheimen stattfindende Wissenschaft sein, die sich gegenüber dem Rest abschottet und ihre Überlegungen und Ergebnisse vor ihm verbirgt, sondern eine in einem großem Ausmaß öffentlich betriebene Wissenschaft.

Neugier, wie sie bei Kindern auftritt, kann philosphische Fragen auslösen. Markus Gabriel nennt als Beispiele aus seiner Kindheit: 1) die Frage, ob im Fall einer aufgrund eines Regentropfens im Auge doppelt gesehenen Laterne real eine Laterne oder zwei Laternen da sind (allgemein steckt darin: Ist die Welt real genau so beschaffen, wie sie in der Wahrnehmung erscheint?) und wie vertrauenswürdig die Sinneswahrnehmung ist (ein Thema der Erkenntnistheorie), 2) das Problem eines Bezuges des Wortes „jetzt“ auf völlig verschiedene Situationen aufgrund des Vergehens der Zeit (darin steckt Sprachphilosophie über die Bedeutung von Wörtern).

Die Reihe von im Text genannten Fragen ist nicht grundsätzlich neuartig. Neu ist nach Meinung des Autors der Denkweg, den er in seinem Buch zu den höchst verwickelten philosophischen Fragen anbietet.

Immer wieder von vorn anzufangen, bezieht sich vor allem darauf, für Kritik offenzubleiben und Auffassungen einem Zweifel zu unterziehen. Echtes Philosophieren ist bereit, nicht einfach Meinungen anderer Menschen zu übernehmen, sich nicht durch Vorurteile festlegen zu lassen und vermeintliche Selbstverständlichkeiten zu überprüfen.

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Das Bild (mit dem Titel „Toleranz) ist eine Radierung aus der Folge „Sechs grosse Begebenheiten des vorletzten Decenniums“ (1791) von Daniel Chodowiecki. Es erschien im „Goettinger Taschen Calender für das Jahr 1792“. Als Erläuterung stand dort: „Die aufgeklärte Weisheit, in der Gestalt der Minerva, nimmt die Bekenner aller Religionen in ihren Schutz.“

Beschreibung

Im Mittelpunkt des Bildes steht eine weibliche Person. Mehrere Attribute (kennzeichende Beigaben in der Darstellung) lassen sie als römische Göttin Minerva, mit Athene, der griechischen Göttin der Weisheit gleichgesetzt, erkennen. Vor ihr steht mit der Spitze nach oben eine lange Lanze. Sie trägt einen Helm und einen Brustpanzer mit der Aigis/Aegis, verziert mit dem Kopf der Gorgo Medousa/Medusa, dem Gorgonenhaupt (griechisch: Γοργόνειον [Gorgoneion]). Minerva trägt ein bis zu den Knöcheln herabreichendes Kleid, das dem Peplos einer antiken Griechin ähnelt. Nur über dem Hals zusammengebunden ist ein durch weites Ausstrecken der Arme geöffneter Mantel. Die Arme sind in einer Geste wie zum Segenspenden erhoben. Dadurch bekommt sie Ähnlichkeit mit einer christlichen Heiligen, besonders Maria (Typ Gebetsmantelmadonna).

Hinter Minerva leuchtet in alle Richtungen Licht hervor, ein sonnenartiger Strahlenkranz.

Zu den Füßen der sie an Körperlänge überragenden Minerva sind in einem Halbkreis friedlich Männer versammelt, die Vertreter unterschiedlicher religiöser Glaubensbekenntnisse sind.

Darunter sind ein liegender Mann mit einem Haarschopf als Zopf (möglicherweise ein Chinese), ein Mann mit Perücke, ein Mann mit Turban (offenbar ein Moslem), ein Mann mit Kaftan, Hut und Schriftrolle (ein Jude mit der Thora), ein katholischer Mönch mit Kreuz, Kutte und Tonsur und ein Mann mit Perücke und Halskrause (offenbar ein evangelisch-lutherischer Geistlicher).

Botschaft

Minerva ist eine Allegorie für aufgeklärte Weisheit und Toleranz.

Licht steht für Wahrheit und das Verleihen von Erkenntnis. Das Wort „Aufklärung“ steht für Klarerwerden mit mehr Helligkeit, ist also für eine Lichtmetaphorik gut geeignet.

Das Bild befürwortet aufgeklärte Politik mit dem Gewähren von Toleranz für alle Religionen. So können Menschen unterschiedlicher Religionen friedlich miteinander leben.

Die aufgeklärte Weisheit und Toleranz bietet Schutz (bei sanftem und friedlichem Ausdruck ist sie mit ihrer Rüstung doch wehrhaft, um gegen Friedensstörung einzugreifen) und ist förderlich. 

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Ja, die zeitliche Reihenfolge ist richtig. Zuerst wurde das Invalidenhaus erstürmt, dann die Bastille.

Am 14. Juli 1789 ist am Morgen eine Volksmenge vor dem Invalidenhaus (französisch: Hôtel des Invalides) erschienen. Es wurde gefordert, Waffen, Munition und Schießpulver auszuhändigen. Der Gouverneur des Invalidenhauses hat zuerst ein Hinhalten versucht, indem er von anderen dazu eine Erlaubnis bekommen wollte. Die Volksmenge wartete aber nicht lange und am frühen Vormittag hat sie, ohne auf bewaffnete Abwehr zu treffen, das Invalidenhaus erstürmt. Etwas mehr als 30000 Gewehre und ein paar Kanonen wurden aus Waffenlagern genommen.

Bei der Bastille hat sich am Vormittag auch eine Volksmenge versammelt. Zwischen 10 und 11 Uhr begannen in mehreren Delegationen nacheinander Verhandlungen von Abgesandten der Wahlmänner von Paris, die im Rathaus als ständiger Ausschuss eine vorläufige Stadtregierung ausübten, und von Abgesandten des nahelegenen Distrikts Saint-Louis-la-Culture mit Bernard René Jourdan, marquis de Launay, Gouverneur der Bastille. Es gab verschiedene, zum Teil unterschiedliche Forderungen, die sich steigerten (z. B. Zurückziehen der Kanonen von den Schießscharten, Auslieferung von Munition und Schießpulver, Übergabe der Bastille).

Um 13:30 Uhr drang die Volksmenge in den nicht verteidigten Außenbereich der Bastille ein und eine Belagerung begann. Bei einem weiteren Vorstürmen begannen Kämpfe. Etwa um 17 Uhr kapitulierten die Verteidiger der Bastille. Ein wichtiger Umstand war das Heranbringen von Kanonen vor ein Tor durch Männer der Französischen Garden, die sich den Belagerern angeschlossen hatten.

eine ausführliche Darstellung enthält:

Winfried Schulze, Der 14. Juli 1789 : Biographie eines Tages. Stuttgart : Klett-Cotta, 1989. ISBN 3-608-91494-3

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Keine maßvolle Mitte gibt es bei Handlungen, die allgemein in sich schlecht sind, und bei dem Zuviel und Zuwenig von Handlungen.

Aristoteles versteht ethische Tugend als (richtige) Mitte, die zwischen einem Zuviel (Übertreibung/Übermaß) und einem Zuwenig (Zurückbleiben/Mangel) liegt.

Die Mitte in der von Aristoteles vertretenen Ethik ist eine innere Haltung/Einstellung (denkbar ist, sie als eine Verhaltensdisposition zu bezeichnen). Sie findet und wählt bei den Leidenschaften und Handlungen das Mittlere. Die Mitte bzw. das Mittlere ist nicht einfach Mittelmäßigkeit, sondern es geht um das für jemand in einer Lage Angemessene. Was dies ist, kann durch Vernunft/richtige Überlegung ermittelt werden.

Bei Handlungen, die in sich schlecht sind. hängt es nicht von den Umständen ab, was bei einer solchen Handlung richtig oder falsch ist, sondern sie sind immer falsch. Die Handlungen werden getadelt, weil sie schlecht sind, nicht nur, wenn sie in einem zu kleinem oder zu großem Ausmaß begangen werden. Aristoteles, Nikomachische Ethik 2, 6 nennt als Beispiele Ehebruch, Diebstahl und Mord.

Bei dem Zuviel und Zuwenig von Handlungen ist es Unsinn, dies noch einmal in richtige Mitte und Zuviel und Zuwenig aufzuspalten, als gebe es eine richtige Mitte, ein Zuviel und ein Zuwenig des Zuviel und eine richtige Mitte, ein Zuviel und ein Zuwenig des Zuwenig.

Ungerechtes, feiges und zügelloses Handeln (und ähnliches Handeln) ist allgemein schlecht. Es ist z. B. nicht gut, in einem mittleren Ausmaß ungerecht zu sein.

Besonnenes und tapferes Handeln (und ähnliches Handeln) ist allgemein gut. 

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König Alexander III. (»der Große«) von Makedonien war in seiner Religion vom antiken Polytheismus geprägt und bekannte sich bis zum Ende seines Lebens zu den Gottheiten der griechischen Mythologie und Religion. Kultische Verehrung in Ritualen (z. B. Darbringen von Opfern) war ein wesentlicher Bestandteil dieser Religion.

Alexander hat sich als Sohn des obersten Gottes Zeus dargestellt, dessen Entsprechung in Ägypten (wo er das Orakel in der Oase Siwa besuchte) der ägyptische Gott Amun/Ammon war.

Beim Alexanderzug mit der Eroberung eines Weltreiches hat Alexander eine Reihe von Religionen zumindest ein wenig kennengelernt. Im Perserreich gab es keine einheitliche Religion für alle, sondern viele Völker hatten Religionen nach ihrer eigenen kulturellen Tradition.

Alexander hat versucht, seine Übernahme der Herrschaft als in Einklang mit dem Willen der Gottheiten der Völker stehend darzustellen. Er hat manche religiöse Zeremonien angesehen und an ihnen teilgenommen (z. B. in Babylon für den Gott Marduk). Seine Verordnungen und Gesetze beschäftigten sich unter anderem auch mit Religion. So konnte er Völkern gewähren, nach ihren eigenen religiösen Bräuchen zu leben, und bestimmten Priestern Sonderrechte einräumen bzw. bestätigen.

In Ägypten gab es die altägyptische Religion. Alexander hat sich als Pharao darstellen lassen. Das Judentum (eine monotheistische Religion) befand sich in seinem Herrschaftsbereich. Es gab unter anderem die phönizische Religion (Alexander ist nach einer Belagerung von Tyros in den Tempel des Gottes Melkart gekommen, wo er als Sieger dem Gott feierlich Gegenstände weihte), syrisch-kanaanäische Religionen, die babylonische Religion und im iranischen Kulturraum (vor allem bei den Persern) den Zoroastrismus (mit dem Gott Ahura Mazda als oberste gute Macht).

In Indien, in dessen Nordwesten Alexander vorgedrungen ist, gab es Hinduismus. In der Nähe der Stadt Taxila lebten Männer, die in der Überlieferung als Gymnosophisten (»nackte Weise«) bezeichnet werden. Sie hatten eine asketische Lebensweise. Die griechischen Autoren nennen Dandamis als angesehensten Mann dieser Gruppe, und Kalanos, der Alexander begleitete, in Persien erkrankte und Suizid durch Verbrennung beging.

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Antike Kunstwerke mit Herakles-Darstellungen gibt es in den Staatlichen Museen zu Berlin, Antikensammlung, auf der Museumsinsel https://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/antikensammlung/sammeln-forschen/sammlung.html ).

Eine Terrakottastatuette enthält von den Staatlichen Museen zu Berlin auch das Ägyptisches Museum und Papyrussammlung im Neuen Museum.

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