Die Aufforderung zum Zählen könnte sich auf eine Landkarte und einen Informationstext beziehen.

Die Anzahl der Städte, die König Alexander III. (»der Große«) von Makedonien gegründet hat, ist nicht sicher bekannt. Nach Plutarch, Peri tes Alexandrou tyches e aretes (Περὶ τῆς Ἀλεξάνδρου τύχης ἢ ἀρετῆς; Über Alexanders Glück oder Tüchtigkeit; lateinischer Titel: De Alexandri magni fortuna aut virtute) 1, 5 (Ethika [Ἠθικά]/Moralia/Schriften zur Ethik 328 e) hat Alexander über 70 Städte im Gebiet von »Barbarenvölkern« gegründet. Diese Zahl ist nach Einschätzung der modernen Forschung eine Übertreibung. Neben echten griechischen Städten hat es Orte mit Garnisonstruppen und kleine, nur vorübergehend besiedelte Militärsiedlungen gegeben. Außerdem sind in den Auflistungen anscheinend auch Umbenennungen und Umsiedlungen enthalten.

Alexander (griechisch: Ἀλέξανδρος [Alexandros]; lateinisch: Alexander) hat von ihm neu gegründete Städte meistens nach seinem Namen benannt, also vor allem Alexandria (griechisch: Ἀλεξάνδρεια [Alexandreia]; lateinisch: Alexandria). Die berühmteste Gründung ist die des heutigen Alexandria in Ägypten.

Eine genaue Lokalisierung ist nicht immer möglich.

Zum Teil sind aufgelistete Städtegründungen tatsächlich erst von Nachfolgern Alexanders, vor allem den sogenannten Diadochen durchgeführt worden.

Bei antiken und gegenwärtigen Namen ist oft eine Transliteration (buchstabengetreue Wiedergabe von Wörtern einer Schrift in einer anderen Schrift) nötig und deshalb gibt es Abweichungen in der Schreibweise.

Städtegründungen Alexanders (ohne Anspruch auf Vollständigkeit in Bezug auf alle eventuelle Gründungen):

  • 340 v. Chr. Alexandropolis (griechisch: Ἀλεξανδρόπολις) am Mittellauf des Flusses Strymon (in der Gegenwart Struma genannt), Alexander hatte als Regent (sein Vater König Philipp II. war zu einem Kriegszug gegen Byzantion aufgebrochen) den thrakischen Stamm der Maider (Μαῖδοι [Maidoi]) besiegt, ihre Stadt erobert, sie vertrieben und eine gemischte Bevölkerung angesiedelt (Plutarch, Alexander 9, 1); in der Gegenwart südwestliches Bulgarien, vielleicht in der Gegend von Sandanski
  • vielleicht 334 v. Chr. Alexandreia Troas (griechisch: Ἀλεξάνδρεια ἡ Τρωάς), vielleicht auch erst von einem Nachfolger gegründet; in der Gegenwart nahe bei Dalyan, in der Türkei
  • vielleicht 333 v. Chr. Alexandreia am Latmos (griechisch: Ἀλεξάνδρεια πρὸς τῷ Λάτμῳ), wahrscheinlich aber erst von einem Nachfolger gegründet; vielleicht in der Gegenwart Alinda, in der Türkei
  • 333 v. Chr. Alexandreia am Issos (griechisch: Ἀλεξάνδρεια κατ᾽ Ἴσσον); in der Gegenwart İskenderun, in der Türkei
  • 332/331 v. Chr. Alexandreia in Ägypten, am Mittelmeer und dem westlichen Nildelta; in der Gegenwart Alexandria, in Ägypten
  • 330 v. Chr. Alexandreia in Areia (griechisch: Ἀλεξάνδρεια ἡ ἐν Ἀρείοις/Ἀλεξάνδρεια Ἀρείων); in der Gegenwart Herat, in Afghanistan
  • 330/329 v. Chr. Alexandreia in Arachosien (griechisch: Ἀλεξάνδρεια Ἀραχωσίας); in der Gegenwart Kandahar, in Afghanistan
  • 329 v. Chr. Alexandreia am Kaukasos (griechisch: Ἀλεξάνδρεια ἡ πρὸς τῷ Καυκάσῳ); in der Gegenwart im Hindukusch, vielleicht in der Gegend bei Bagram/Begram oder bei Tscharikar, in Afghanistan
  • 329 v. Chr. Alexandreia (griechisch: Ἀλεξάνδρεια ἐσχάτη, »äußerstes Alexandreia«) in der Nähe des Flusses Iaxartes (in der Gegenwart Syrdarja genannt); in der Gegenwart Chudschand, in Tadschikistan
  • 328 v. Chr. Alexandreia am Oxos (griechisch: Ἀλεξάνδρεια ἡ ἐπὶ τοῦ Ώξου); in der Gegenwart vielleicht der Ort Ai Khanoum in der Nähe des in der Gegenwart Amudarja genannten Flusses, in Afghanistan
  • 328/327 v. Chr. Alexandreia in der Margiana (griechisch: Ἀλεξάνδρεια ἡ ἐν τῇ Μαργιανῇ); in der Gegenwart der Ort Merw, in der Nähe der Stadt Mary, in Turkmenistan
  • 326 v. Chr. Nikaia (griechisch: Νίκαια; »Siegreiche«) am östlichen Ufer des Flusses Hydaspes (in der Gegenwart Jhelam genannt); in der Gegenwart in der Großlandschaft Punjab/Pandschab
  • 326 v. Chr. Alexandreia Boukephala (griechisch: Ἀλεξάνδρεια Βουκέφαλα) oder Alexandreia Boukephalos (griechisch: Ἀλεξάνδρεια Βουκέφαλος) bzw. Boukephala (griechisch: Βουκέφαλα) oder (griechisch: Bουκεφαλία) am westlichen Ufer des Flusses Hydaspes (in der Gegenwart Jhelam genannt), so zu Ehren seines angeblich in der Schlacht am Hydaspes gestorbenen Pferdes Boukephalas (Βουκεφάλας)/Boukephalos (Βουκεφάλος) genannt; in der Gegenwart in der Großlandschaft Punjab/Pandschab, vielleicht die Stadt Jhelam, in Pakistan
  • 326 v. Chr. Alexandreia am Hyphasis; in der Gegenwart ist der Name des Flusses vielleicht Beas, in Indien
  • 325 v. Chr. Alexandreia am Indus; in der Gegenwart vielleicht der Ort Uch, in Pakistan
  • 325 v. Chr. Alexandreia bei den Oreiten; in der Gegenwart vielleicht Bela, in Pakistan
  • vielleicht 324 v. Chr. Alexandreia in Karmanien (griechisch: Αλεξάνδρεια ή έν Καρμανίᾳ), vielleicht auch erst von Seleukos gegründet; in der Gegenwart irgendwo im Iran
  • 324 v. Chr. Alexandreia in der Sousiana (griechisch: Ἀλεξάνδρεια ἐν Σουσιανῇ); in der Gegenwart im Iran
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Jeremy Bentham und John Stuart Mill vertreten einen »klassischen« Utilitarismus und haben dessen Grundsätze gemeinsam.

Bei Mill gibt es eine gewisse Milderung und Aufweichung einiger Grundsätze. Hinzufügungen/Ergänzungen und Erläuterungen, die Mill unternimmt, führen zu Unterschieden:

  • Einführung einer Unterscheidung zwischen qualitativen Arten von Glück/Lust/Freude (qualitativer Utilitarismus) bei Mill: Bei Bentham ist der Utilitarismus rein quantitativ, Mill hat einen qualitativen Utilitarismus hinzugefügt.
  • Einführung von Handlungsregeln als Sekundärprinzipien mit einer einer gewissen eigenständigen Verbindlichkeit für das, was moralisch geboten ist (wie gehandelt werden soll), bei Mill, wobei die Regeln Ausnahmen haben können: Mill betont, die Nützlichkeit einer Handlung erweise sich oft nicht unmittelbar, sondern erst bei Überlegung ihrer Folgen bei regelmäßiger Anwendung. Das Nützlichkeitsprinzip, das Primärprinzip ist, wird in etwas konkretere, lehr- und lernbare Anleitungen umgeformt. Beispielsweise ist Wahrheitsliebe und damit ein Verbot zu lügen insgesamt nützlich, weil eine Abweichung von ihr (Verletzung des Sekundärprinzips) die Vertrauenswürdigkeit menschlicher Äußerungen untergräbt, von der gesellschaftliches Wohlergehen abhängt und die Voraussetzung von Kultur und Sitte ist, wobei die Regel Ausnahmen hat (z. B. Verweigerung einer Auskunft an einen Übeltäter).

qualitativer Utilitarismus

Beim quantitativen Utilitarismus (Bentham) kommt es für die Beurteilung allein auf die Quantität (die Menge/das Ausmaß) der Empfindungen von Lust/Freude (und von Schmerz/Leid) an.

Beim qualitativen Utilitarismus (Mill) kommt es dagegen für die Beurteilung auch auf die Qualität der Empfindungen von Lust/Freude an. Bestimmte Arten von Lust/Freude werden als wünschenswerter und wertvoller als andere Arten beurteilt.

Nach Auffassung von John Stuart Mill können nicht nur quantitative Unterschiede (Menge/Ausmaß des Glücks/der Lust/der Freude) in der Beurteilung einer Handlung eine Rolle spielen, sondern auch qualitative Unterschiede (die Beschaffenheit).

John Stuart Mill beurteilt bei der Lust/Freude diejenige von zweien für wünschenswerter und wertvoller, die - ungeachtet des Gefühls, eine von beiden aus moralischen Gründen vorziehen zu müssen - von allen oder fast allen, die beide erfahren haben und gut urteilsfähig sind, entschieden bevorzugt wird. Wer aufgrund von Erfahrung die besten Vergleichsmöglichkeiten hat, entscheidet, indem er etwas bevorzugt, was wünschenswerter ist.

Neben körperlich-sinnlichen Lüsten/Freuden nennt Mill auch Tätigkeit des Verstandes, des Empfindens, der Vorstellungskraft/Phantasie und des moralischen Gefühls. Höherrangig als z. B. Essen und Sex (die von ihm als angenehm anerkannt bleiben) ist nach Mills Meinung z. B. der Besuch und das Anhören eines schönen Konzerts, das Lesen eines guten Buches und die Anerkennung und innere Freude schöpferischer und sozialer Tätigkeiten.

Seiner Meinung nach ist es, wenn eine von zwei Freuden weit über andere gestellt wird (indem jemand sie auch beim Wissen, größere Unzufriedenheit zu verursachen, nicht gegen noch so viele andere Freuden eintauschen mag), berechtigt, jener Freude eine höhere Qualität zuzuschreiben. Diese übertreffe die der Quantität so weit, daß diese im Vergleich dazu nur gering ins Gewicht falle. Es sei nun aber eine unbestreitbare Tatsache, daß diejenigen, die mit beiden gleichermaßen bekannt sind und für beide gleichermaßen empfänglich sind, der Lebensweise entschieden den Vorzug geben, an der auch die höheren Fähigkeiten (z. B. Vernunftbegabung des Menschen) beteiligt sind.

Bei einem qualitativen Utilitarismus werden losgelöst von der Quantität der Empfindungen von Lust/Freude bestimmte Arten von Lust/Freude höher gewertet (rechnerisch könnte dies als Multiplikation mit einem hohen Faktor gedacht werden).

Bei der Bevorzugung einer Freude mit höherwertiger Qualität ist unter dem Gesichtspunkt von (eigener) Zufriedenheit oder Unzufriedenheit die Unterscheidung der Begriffe »Glück« und »Zufriedenheit« zu berücksichtigen, die Mill vornimmt.

Höher begabte und mit größeren Fähigkeiten ausgestattete Wesen sind anspruchsvoller und verlangen mehr, um sich völlig glücklich zu fühlen. Sie sind zu mehr Glück fähig und können trotzdem insofern unzufrieden sein, als sie nach mehr streben und immer das Gefühl haben, von der Welt nur ein unvollkommenes Glück erwarten zu können. Zufriedenheit und Glück sind verschiedene Begriffe. Ein Wesen mit großen Fähigkeiten zum Genießen ist weniger leicht voll zufriedengestellt. Trotzdem ist dieses Streben nach Ausschöpfung in der Entfaltung der Fähigkeiten für sie nach Mills Urteil die bessere Daseinsweise.

Der Gedanke bei Mill ist: Ein Schwein hat nicht so hohe Begabungen und große Fähigkeiten wie ein Mensch, ist daher auch nicht so anspruchsvoll und leichter zufriedenzustellen als ein Mensch. Ein Mensch ist zu mehr Glück als ein Schwein fähig, er hat die Möglichkeit zu Freuden höherer Qualität. Auch wenn nicht volle Zufriedenheit erreicht wird, ist daher sein Leben vorzuziehen (es ist bessser, ein unzufriedener Mensch zu sein, als ein zufriedengestelltes Schwein). Ein Mensch ist zu einem Leben in der Lage, das in qualitativer Hinsicht reicher an Lust/Freude ist als das Leben eines Schweines.

Bei Mill kommt es, auch infolge eines Versuchs, in einer Werbung für den Utilitarismus ein Stück weit Bestandteile von Tugendethik, Goldener Regel, Christentum und Gefühlsethik in die Darlegung einzubauen (das Prinzip der Nützlichkeit auch für Menschen, die andere Ausgangspunkte in ihren ethischen Überzeugungen haben, annehmbar erscheinen zu lassen), zu einer gewissen Relativierung/Aufweichung von Grundsätzen des »klassischen« Utilitarismus: Eine Handlungsregel als Sekundärprinzip ist eine gewisse Aufweichung des Konsequentialismus (Folgenprinzips; für die ethische Bewertung einer Handlung sind allein die Folgen ausschalggebend), der qualitative Utilitarismus eine gewisse Aufweichung des Hedonismus.

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Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) und die Deutsche Zentrumspartei (Zentrum) waren für die Weimarer Republik, die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) scharf dagegen.

Auf den Wahlplakaten wird von SPD und Zentrum die Weimarer Republik als bedroht dargestellt, von Feinden der Demokratie, der rechtsstaatlichen Ordnung, der Freiheit und der Wahrheit. Auf dem Wahlplakat der KPD wird ein Angriff auf das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche System unternommen, auf dem Wahlplakat der NSDAP wird die Parole eines „Erwachen“, was auf eine starke Veränderung zielt (die inhaltlich eine Abschaffung der parlamentarischen Demokratie enthielt).

Gestaltungsmittel sind Texte, Bilder, Farben, Symbole. Der Text ist oft durch Größe und Farbe hervorgehoben und in Großbuchstaben geschrieben. Rot und Gelb sind als Signalfarben verwendet, um für Wichtiges Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Alle vier Wahlplakate zeigen Feindbilder. Die Plakate der KPD und der NSDAP zeigen einen großen Arbeiter als Identifikationsfigur. Auf dem Zentrumsplakat wird der Turm als Bollwerk zur Identifikation angeboten.)

1) SPD-Plakat von 1930

Das Wahlplakat zur Reichstagswahl am 5. März 1933 zeigt drei bedrohliche Gestalten. Sie sind bewaffnet und zum Teil in Uniform. In der Mitte und im Vordergrund ist ein Nationalsozialist in Uniform (ähnelt einem SA-Mann) mit einem Hakenkreuz auf der Mütze. Seine Hände sind sehr groß und nach vorne gerichtet, zum Angriff. Die eine Hand ist krallenförmig ausgestreckt, in der anderen Hand ist ein Dolch zum Zustechen gezückt. Auf der linken Seite steht ein Kommunist, der Mund wie zum Schreien weit geöffnet, erkennbar an einer Uniformierung in der Art der Roten Armee der Sowjetunion, mit einem fünfzackigen roten Stern (Symbol für Sozialismus bzw. Kommunismus) auf der Mütze. Auf der rechten Seite steht jemand mit einem Totenschädel und einem Stahlhelm. Er soll offenbar Militarismus und damit verbundene Kriegsgefahr verkörpern. Ohne direkt dargestellt zu sein, kann an die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) eine demokratiefeindliche konservativ-autoritäre Partei und den ihr nahestehenden Wehrverband «Stahlhelm – Bund der Frontkämpfer» gedacht werden.

Vor gelbem Hintergrund ist oben in Rot geschrieben: „Das sind die Feinde der Demokratie“

Dies sind die drei Gestalten, die für Nationalsozialismus, Kommunismus und Militarismus stehen.

Unten steht ein Aufruf:

„Hinweg damit!

Deshalb wählt Liste 1

Sozialdemokraten“

Dies ist ein Appell an Anhänger der Demokratie, die SPD (als bei der vorherigen Reichstagswahl stärkste Partei Liste 1) zu wählen. Es wird versucht, Aufmerksamkeit auf eine Gefahr zu lenken. Die SPD wird als Schutz angeboten, als Verteidigerin der Demokratie. Das Plakat ist stark gefühlsgeladen durch die bildlich dargestellte Bedrohung.

2) Zentrumsplakat von 1932

Das Wahlplakat (schon am zur Reichstagswahl am 14. September 1930 verwendet) der Deutschen Zentrumspartei (Zentrum) zu einer Reichstagswahl 1932 (am 31. Juli 1932 oder am 6. November 1932) einen hohen Turm mit Zinnen in den Mittelpunkt, der Wahrheit, Freiheit und Recht und Ordnung gegen gewaltbereit anstürmende Nationalsozialisten und Kommunisten verteidigt.

eine ausführliche Antwort:

https://www.gutefrage.net/frage/wahlplakat-des-zentrums-jahre-1932#answer-179069665

3) KPD-Plakat von 1932

Das Wahlplakat der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) zu einer Reichstagswahl 1932 (am 31. Juli 1932 oder am 6. November 1932) fordert zur Abschaffung des politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen System der Weimarer Republik auf, will die bisherige parlamentarische Demokratie beenden. Ein Feindbild wird gezeigt: An einem Tisch sind Vertreter des Präsidialkabinetts des Reichskanzlers Franz von Papen versammelt, dabei wohl jemand vom «Stahlhelm – Bund der Frontkämpfer» (vielleicht Theodor Düsterberg, einer seiner Bundesführer), ein SA-Mann (eventuell Ernst Röhm) und Adolf Hitler, außerdem Kapitalisten.

eine ausführliche Antwort:

https://www.gutefrage.net/frage/aussage-des-kpd-wahlplakats-schluss-mit-dem-system---liste-3#answer-16678894

4) NSDAP-Plakat von 1932

Das Wahlplakat der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) zur Reichstagswahl 1932 am 31. Juli 1932 bietet als Identifikationsfigur einen auf der rechten Seite stehenden riesengroßen Arbeiter an. Er hat blonde Haare, ist gutaussehend und kraftvoll. Sein Blick ist fest und entschlossen. Er trägt eine blaue Hose und ein sauberes weißes Hemd, dessen Ärmel hochgekrempelt sind (signalisiert Tatkraft, Bereitschaft zum Anpacken). Seine rechte Hand ist zur Faust geballt. Eine zentrale Wahlkampfparole der NSDAP war »Deutschland erwacht!«. Ein „Erwachen“ weist auf einen bewussten Aufbruch, auf eine starke Veränderung (die inhaltlich eine Abschaffung der parlamentarischen Demokratie enthielt). Das Plakat ist eine auf die Zielgruppe Arbeiterschaft gerichtete Version (es gab z. B. auch eine für Bauern).

Vor einem rötlichen Himmel (wie ein Morgenrot als Aufbruchsstimmung) ist als über einer Grauschattierung Silhouette eine Industrieanlage abgebildet, dazu ein monumentaler, dreidimensionaler Hakenkreuzblock.

Der Arbeiter ist in aufrechter Haltung weit überlegen gegenüber vier kleinen, lächerlichen, hässlichen Figuren dargestellt.

Es sind ein Kommunist (dürr, verzerrtes Gesicht Arbeitermütze, Dolch in einer Hand) mit dem Plakat:

„Für Sowjetrussland

China den Chinesen

Schlagt die Faschisten

Bürgerkrieg

Klassenkampf“

Mit großer Nase und Brille hat jemand ein „Journal“ in der Tasche und scheint Einflüsterung zu betreiben. Dies ist judenfeindliche Propaganda, als ob sie die ganze Presse Beherrschern.

Mit roter Ballonmütze ist ein Sozialdemokrat abgebildet, sehr dick. Sein Plakat, das er vorwurfsvoll hochhält:

Hitler-Barone!

Notverordnungen

Hetze und Verleumdungen

Die Bonzen im Speck

Das Volk im Dreck“

Unter den Füßen ist Heinrich Brüning, der an Notverordnungen festhalten will, nach „§ 48“.

Oben ist die Schrift „Wir Arbeiter sind erwacht“ unten, „Wir wählen Nationalsozialisten – Liste 2“.

Es geschieht eine Vereinnahmung.

Einen beabsichtigte Botschaft ist. Der stilisierte nationalsozialistische Arbeiter lehnt andere Parteien als seinen wahren Interessen nicht entsprechend ab.

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Das SPD-Wahlplakat zur Reichstagswahl am 14. September 1930 zeigt drei bedrohliche Gestalten. Sie sind bewaffnet und zum Teil in Uniform. In der Mitte und im Vordergrund ist ein Nationalsozialist in Uniform (ähnelt einem SA-Mann) mit einem Hakenkreuz auf der Mütze. Seine Hände sind sehr groß und nach vorne gerichtet, zum Angriff. Die eine Hand ist krallenförmig ausgestreckt, in der anderen Hand ist ein Dolch zum Zustechen gezückt. Auf der linken Seite steht ein Kommunist, der Mund wie zum Schreien weit geöffnet, erkennbar an einer Uniformierung in der Art der Roten Armee der Sowjetunion, mit einem fünfzackigen roten Stern (Symbol für Sozialismus bzw. Kommunismus) auf der Mütze. Auf der rechten Seite steht jemand mit einem Totenschädel und einem Stahlhelm. Er soll offenbar Militarismus und damit verbundene Kriegsgefahr verkörpern. Ohne direkt dargestellt zu sein, kann an die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) eine demokratiefeindliche konservativ-autoritäre Partei und den ihr nahestehenden Wehrverband «Stahlhelm – Bund der Frontkämpfer» gedacht werden.

Vor gelbem Hintergrund ist oben in Rot (Signalfarbe) geschrieben: „Das sind die Feinde der Demokratie“

Dies sind die drei Gestalten, die für Nationalsozialismus, Kommunismus und Militarismus stehen.

Unten steht ein Aufruf:

„Hinweg damit!

Deshalb wählt Liste 1

Sozialdemokraten“

Dies ist ein Appell an Anhänger der Demokratie, die SPD (als bei der vorherigen Reichstagswahl stärkste Partei Liste 1) zu wählen. Es wird versucht, Aufmerksamkeit auf eine Gefahr zu lenken. Die SPD wird als Schutz angeboten, als Verteidigerin der Demokratie. Das Plakat ist stark gefühlsgeladen durch die bildlich dargestellte Bedrohung.

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Die Sirenen (griechisch: Σειρῆνες [Seirenes]; lateinisch: Sirenes oder Sirenae; Singular: Sirene, griechisch: Σειρήν [Seiren]; lateinisch: Siren oder Sirena) befinden sich nach der griechischen Mythologie auf einer Insel und bezaubern auf Schiffen vorbeifahrende Menschen mit ihrem hellen Gesang.

Die Verführung ist nahezu unwiderstehlich (Odysseus hat sich an den Mast fesseln lassen und seinen Gefährten die Ohren mit Wachs verstopft, ihnen außerdem befohlen, weiterzufahren, ihn nicht loszubinden, sondern ihn noch stärker festzubinden, wenn er gelöst zu werden befiehlt. Odysseus möchte mehr vom Gesang der Sirenen hören und fordert mit Gesten, ihn loszulösen, aber die Gefährten rudern noch schneller und binden ihn fester; nach literarischen Darstellungen der Argonautenfahrt übertönt Orpheus mit Musik den Sirenengesang, nur Boutes springt ins Wasser, um zu den Sirenen zu schwimmen, wird dann von der Göttin Aphrodite vor dem Ertrinken gerettet).

Die Menschen vergessen ihre Heimat und ihre Angehörigen und wollen bei den Sirenen blieben. Die Sirenen erscheinen auf einer Blumenwiese, aber dabei sind Knochen vermodernder Männer. Wer ihren Verlockungen erliegt, erleidet also den Tod.

Der helle Gesang der Sirenen bereitet Freude/Vergnügen, er ist schön, süß (Honig als Metapher) und verführerisch (Homer, Odyssee μ - 12. Gesang, Vers 39 – 54 und Vers 184 – 200).

Es ist nicht genau überliefert, wie der Sirenengsang nach der mythologischen Vorstellung musikalisch war. Anscheinend war der Text individuell auf den einzelnen Menschen ausgerichtet. Odysseus haben sie namentlich angesprochen und inhaltlich auf seine Charaktereigenschaften, Fähigkeiten und Wünsche gezielt (so ist der Hinweis auf Wissen auf seinen Wissensdrang und Neugierde ausgerichtet).

Homer, Odyssee μ - 12. Gesang, Vers 184 – 191

Homer, Odyssee : griechisch-deutsch ; mit Urtext, Anhang und Registern. Übertragen von Anton Weiher. Einführung von Alfred Heubeck. 14. Auflage. Berlin : Akademie-Verlag, 2013 (Sammlung Tusculum), S. 331/333:

„Hieher, Odysseus, Ruhm aller Welt, du Stolz der Achaier!

Treibe dein Schiff an Land, denn du mußt unsere Stimmen erst hören!

Keiner noch fuhr hier vorbei auf dunklen Schiffen, bevor er

Stimmen aus unserem Munde vernommen, die süß sind wie Honig.

So einer kehrt dann mit tieferem Wissen beglückt in die Heimat.

Alles wissen wir, was im breiten Troja die Troer,

Was die Argeier dort litten nach göttlicher Fügung. Und allzeit

Wissen wir, was auf der Erde geschieht, die so vieles hervorbringt.“

In der Odyssee sind es zwei Sirenen, über deren Abstammung und Namen nichts gesagt wir. In antiken Texten und auf Darstellungen bildender Kunst aus der Antike kommen zwei oder drei Sirenen vor, die Angaben zu Abstammung und Namen sind etwas unterschiedlich.

Apllodor(os), Epitome 7, 18 – 19 nennt die Namen Peisinoe (Πεισινόη), Aglaope (Ἀγλαόπη) und Thelxiepeia (Θελξιέπεια) und erzählt, die eine habe Kithara gespielt, die andere gesungen und die dritte Aulos gespielt, so die Vorbeifahrenden zum Bleiben verlockt.

Eine Kithara (griechisch: κιθάρ) war ein Saitenintrument, eine Leier (Gitarre und Zither knüfen in ihrer Bezeichnng an die Kitahra an),, Ein Aulos war ein Bglasinstrument, oft mit „Flöte” wiedergeben, aber tatsächlich ein Rohrblattinstrument, eher einer Oboe oder Klarinette verwandt.

Es gibt versuche filmischer Umsetzung der Odyssee-Szene (wobei selbstverständlich nichts völlig authentisch ist) , z. B.:

https://www.youtube.com/watch?v=CEJUWsHLTeI

https://www.youtube.com/watch?v=pjKm4zqnseY

https://www.youtube.com/watch?v=LtiPgvTRrdk

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Der Wohlfahrtsausschuss (französisch: Comité de salut public) war einer von mehreren Ausschüssen, die das damalige Parlament in Frankreich, der Nationalkonvent (französisch: Convention nationale) einrichtete. Die Mitglieder der Ausschüsse wählte der Nationalkonvent aus seinen eigenen Abgeordneten. Von den übrigen Ausschüssen war der Sicherheitsausschuss (französisch: Comité de sûreté générale) am wichtigsten. Er war für Polizeiaufgaben und Rechtsprechung zuständig.

Der Wohlfahrtsausschuss wurde am 6. April 1793 eingerichtet (als Ersatz für den Allgemeinen Verteidigungsausschuss [französisch: Comité de la défense générale], der sich als wenig wirksam erwies), stand in einem Zeitraum 1793/1794 an der Spitze der Exekutive und wurde zu einer Notstandregierung.

Seine Aufgaben waren Überwachung und Beschleunigung der Tätigkeit des vorläufigen Exekutivrates (französisch: Conseil exécutif provisoire) sowie Ergreifung von Maßmahmen zur allgemeinen Verteidgung in dringenden Fällen. Beschlüsse mit Zweidrittelmehrheit musste der vorläufige Exekutivrat unverzüglich durchführen. Der Wohlfahrtsausschuss lenkte so den Exekutivrat (aus dem Minstern bestehend) bis zu dessen Abschaffung am 1. April 1794 und dann die am 20. April 1794 an dessen Stelle getretenen Exekutivkommissionen (französisch: Commissions exécutives), hatte Befugnisse zur Aufsicht und Kontrolle.

Der erstattete dem Nationakonvent wöchentlich Bericht und deiser konnte jeden Monat über die Besetzung und die Verlänegrung der Vollmachten entscheiden.

Mit dem Gesetz über die Verdächtigen vom 17. September 1793 begann eine Zeit der «Schreckensherrschaft» («Terrorregime»).

Die Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses waren alle Abgeordnete des Nationalkonvents. Fast alle kamen aus dem Bürgertum. Marie Jean Hérault de Séchelles hatte eine Abstammung aus dem Adel.

Die personelle Besetzung des Wohlfahrtsausschusses hat etwas gewechselt. Georges Danton war z. B. vom 6. April bis zum 10. Juli 1793 Mitglied. Die Mitglie4der können teils eher der Berg-Partei (Montagnards: ganz links oben im Sitzungssaal des Nationalkonvents, auf dem „Berg“ [montagne]) zugeordnet werden, teils der politischen Mitte des Nationalkonvents.

Jakobiner sind genaugenommen Mitgleider eines bestimmten politischen Klubs und nur einige Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses gehörten zu diesem, nicht alle.

https://de.wikipedia.org/wiki/Wohlfahrtsausschuss

https://langzeitarchivierung.bib-bvb.de/wayback/20190716085807/https://www.historicum.net/themen/franzoesische-revolution/einfuehrung/verlauf/artikel/ii-beginn-der/

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Die am 5. Mai 1789 in Versailles einberufenen Generalstände (französisch: États généraux) wurden zur Verfassunggebenden Nationalversammlung (französisch: Assemblée nationale constituante).

Die Abgeordnete des Dritten Standes traten am 12. Juni 1789 für ein gemeinschaftlich vorgenommenes Wahlprüfungsverfahren (Prüfung der Vollmachten der Abgeordneten) ein. Am 13. Juni schlossen sich ihnen 3 Abgeordnete des Klerus an, am 14. Juni zusätzlich 6, am 16. Juni weitere 10.

Die Abgeordneten des Dritten Standes (französisch: Tiers état) erklärten sich 17. Juni 1789 (nach einer Abstimmung mit großer Mehrheit) zur Nationalversammlung. Die Vertreter der anderen Stände (Erster Stand: Klerus [französisch: clergé)]; Zweiter Stand: Adel [französisch: noblesse]), wurden aufgerufen, sich der Nationalversammlung anzuschließen.

Am 19. Juni stimmte eine knappe Mehrheit beim Klerus (149 gegen 137) dafür, sich der Nationalversammlung anzuschließen. Beim Adel war es zunächst nur eine Minderheit (80).

Nach erfolglosen Auflösungsversuchen lenkte der König schließlich ein und forderte die Vertreter von Adel und Klerus nun doch auf, sich dem Dritten Stand anzuschließen.

Am 9. Juli wurden die Generalstände offiziell zur Verfassunggebenden Nationalversammlung. Sie war bis zum 30. September das Parlament in Frankreich. https://de.wikipedia.org/wiki/Konstituante

Was es in Frankreich an Ständegesellschaft mit Priviliegien (Vorrechten) für bestimmte Gruppen und Körperschaften gab, wurde neben der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (französisch: Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen) vom 14. August 1789 und der Verfassung durch die Augustbeschlüsse abgeschafft.

In der Nacht vom 4.auf den 5. April 1789 fand eine stürmisch und gefühlsbetont verlaufende Nachtsitzung der Verfassunggebenden Nationalversammlung (französisch: Assemblée nationale constituante) statt, bei der ein Verzicht auf die Privilegien der beiden oberen Stände, Klerus (französisch: clergé) und Adel (französisch: noblesse), befürwortet wurde.

Die Diskussion wurde in den folgenden Tagen fortgesetzt und am 11. August 1789 von der Nationalversammlung die Abschaffung der Feudalität (französisch: féodalité) in schriftlichen Bestimmungen beschlossen (Artikel 1. „Die Nationalversammlung vernichtet das Feudalwesen völlig.“ [„L'Assemblée nationale détruit entièrement le régime féodal.“]).

https://www.zum.de/psm/frz_rev/frz_abfe.php

Sonderrechte in Bezug auf Jagd, Gehege, Taubenschläge und grundherrliche Rechtsprechung wurden abgeschafft. Die Käuflichkeit der Gerichts- und Magistratsämter wurde ab sofort aufgehoben. Alle Bürger sollten ohne Unterschied ihrer Geburt freien Zugang zu allen kirchlichen, zivilen und militärischen Ämtern und Würden haben. An die römische Kurie sollte kein Geld mehr abgeführt werden.

Die Nationalversammlung ordnete an, zum Gedächtnis dieser dem Wohl Frankreichs dienenden Beschlüsse eine Medaille zu prägen und in allen Kirchen zu Dank ein Tedeum zu singen. König Ludwig (Louis) XVI., der mit alledem nichts zu tun hatte (er verweigerte zunächst sogar seine Zustimmung), aber wohlgesinnt werden sollte, wurde feierlich zum Wiederhersteller der französischen Freiheit erklärt.

In den Ausführungsbestimmungen der nächsten Tage wurden einige Einschränkungen gegenüber einem weitgehenden ersatz- und entschädigungslosem Streichen vorgenommen.

Ludwig XVI. hat am 5. Oktober 1789 die Augustbeschlüsse (4./5. August 1789, Ausführungsbestimmungen 11. August 1789), die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (vDéclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen; von der verfassungsgebenden Nationalversammlung [französisch: Assemblée nationale constituante] am 26. August 1789 beschlossen) und die Verfassungsartikel anerkannt. Unter dem Druck einer Menschenmenge (vor allem Frauen) und Nationalgardisten, die nach Versailles zogen, hat er sein Veto dagegen fallengelassen und die genannten Beschlüsse der Nationalversammlung mit Unterschrift in Kraft gesetzt.

Am 6. Oktober 1789 erklärte sich Ludwig XVI. dazu bereit, von Versailles nach Paris überzusiedeln. Bald zogen die Königsfamilie und die Nationalversammlung nach Paris.

https://langzeitarchivierung.bib-bvb.de/wayback/20190716085807/https://www.historicum.net/themen/franzoesische-revolution/einfuehrung/verlauf/artikel/ii-beginn-der/

Auf die Verfassunggebende Nationalversammlung (französisch: Assemblée nationale constituante) folgte als neues gewähltes Parlament in Frankreich die Gesetzgebende Nationalversammlung (französisch: Assemblée nationale législative), die vom 1. Oktober 1791 bis zum 21. September 1792 tagte.

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1) „tolles Jahr“

Das Wort „toll“ hat keine einzige eindeutige Bedeutung. Als »toll« wird etwas bezeichnet, das außergewöhnlich ist. Das Adjektiv »toll« kann »ausgelassen«, »wild«, »übermütig« bedeuten (vgl. das Verb »herumtollen«). Es kann Anerkennung und hervorhebendes Lob ausdrücken, etwas sei gut, in den Bedeutungen »großartig«, »vorzüglich«, »»prachtvoll«. Es kann aber eine Beurteilung als schlecht ausdrücken, von Mangel an klarer Besinnung, Verlust des Verstandes oder Irrsinn/Wahnsinn (vgl. das Substantiv »Tollwut«) geprägt, in den Bedeutungen »unvernünftig«, »närrisch«, »verrückt«, »irrsinnig«, »wahnsinnig«, »geistesgestört«.

Es kommt also auch auf den Zusammenhang an, aus dem hervorgehen kann, wie der Begriff gemeint ist.

So wie auf 1848 gewöhnlich Bezug genommen worden ist, steckt hinter dem Ergriff „tolles Jahr“ eher die Meinung von Gegnern der Revolution 1848. Mit einer konservativ-reaktionären Einstellung versuchen sie, die Revolution 1848 als eine Zeit der Vernunftlosigkeit, des politischen Irrsinns darzustellen. Die Bestrebungen zu nationaler Einheit, Freiheit und demokratischen Gedanken werden diffamierend als etwas hingestellt, auf das ein vernünftiger Mensch gar nicht kommen kann, als einer Art Geisteskrankheit entspringend. Der Ausdruck kann die Revolution als vorübergehender Unzurechnungsfähigkeit der sonst braven Untertanen deuten.

2) „Völkerfrühling“

Frühling ist in diesem Ausdruck eine Metapher. Im Frühling sprießt, wächst und blüht die Natur besonders stark. Es wird wärmer und heller. Gewässer sind von Eis befreit. Frühlingsgefühle stehen für eine gehobene Stimmung. Triebe regen sich. Verliebtheit entsteht besonders leicht. Die Jahreszeit Frühling steht sinnbildlich für ein Erwachen, Aufbruch, Neuanfang, Veränderung, neue Ideen und Liebe.

Der Begriff »Völkerfrühling« kann sich auf nationale Einheit, politische Freiheit und internationale Verbundenheit beziehen (»Völker« ist Plural; es gab 1848/1849 Erhebungen/Revolutionen bei mehreren Völkern).

Hinter dem Begriff »Völkerfrühling« für die Revolution 1848 stecken die Anhänger der Revolution. Ihre Meinung ist eine Befürwortung der Revolution in Deutschland und in anderen Staates Europas. Sie verbinden mit ihr Hoffnung auf Verbesserungen. Es sind »Liberale« und »Demokraten«, zu einer nationalen Bewegung gehörende Leute, die auch die Erhebungen/Revolutionen bei anderen Völkern begrüßen.

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Karl-Otto Apel und Jürgen Habermas haben verhältnismäßig nahestehende philosophische Auffassungen vertreten. Beide befürworten eine Diskursethik, beziehen sich auf einen Konsens (in einem idealen Diskurs) und haben einen rationalen und universalen Ansatz.

Karl-Otto Apel vertritt eine Transzendentalpragmatik, Jürgen Habermas eine Universalpragmatik (dabei wird das Transzendentale nur minimalistisch herangezogen, indem kommunikatives Handeln bzw. Diskurs Bedingungen der Möglichkeit hat, die unhintergehbar sind).

Die grundlegenden Unterschiede zwischen Apel und Habermas in ihren Fassungen einer Diskursethik betreffen folgende Fragen:

1) Begründung des ethischen Prinzips/Moralprinzips

2) Art der Orientierung am ethischen Prinzip/Moralprinzip

Begründung des ethischen Prinzips/Moralprinzips

In einer Ethik gibt es Geltungsansprüche für ethische Prinzipien, Normen und Regeln. Ihre Verbindlichkeit bedarf irgendeiner Begründung.

Karl-Otto Apel ist in der Begründungstheorie ehrgeiziger, während Jürgen Habermas dabei schwächere Ansprüche vertritt. Gemeinsam ist ihnen der Gedanke, die Verbindlichkeit des diskursethischen Moralprinzips könne von denkenden Wesen prinzipiell nicht ohne Selbstwiderspruch bestritten werden.

Habermas betont bei einer Konsenstheorie der Wahrheit eher kommunikationstheoretisch die Gewährleistung eines richtigen Diskurses zur Einlösung von Geltungsansprüchen, also einfach ein Verfahren, Apel dagegen erkenntnistheoretisch die Gewährleistung einer konsensfähigen Auswertung sachlich verfügbarer Wahrheitskriterien. Apel erklärt, die Konsenstheorie bedürfe eine Ergänzung durch eine Theorie der Evidenz der Korrespondenz (einer Entsprechung zwischen Aussagen, die etwas behaupten, und den Phänomenen, auf die sich diese Aussagen beziehen).

Habermas lehnt eine Letztbegründung ab. Er hält Letztbegründung für unmöglich und auch unnötig. Seiner Meinung nach gibt es keine definitiven Begründungen. Alle Standpunkte betrachtet er als vorläufig und fehlbar. Bei allen Theorien, auch überzeugend begründeten und als gültig akzeptierten Theorien, ist nach seiner Auffassung die Möglichkeit einer Falsifikation (Nachweis der Falschheit/Ungültigkeit) nicht ausgeschlossen. Habermas verweist gegen eine Letztbegründung auf einen seiner Meinung nach bestehenden internen Zusammenhang zwischen der Beschreibung und der Bewertung von Gründen.

Apel dagegen vertritt die Auffassung, eine Rationalitätstheorie und eine Diskursethik könnten ohne Letztbegründung nicht zureichend durchgeführt werden. Er hält eine Letztbegründung für möglich, durch reflexive Evidenz, nämlich eine Reflexion auf die subjektiv-intersubjektiven Bedingungen der Möglichkeit intersubjektiv gültiger Argumentation Ein Apriori der Kommunikationsgemeinschaft). Apel lehnt einen uneingeschränkten Fallibilismus (erkenntnistheoretischer Standpunkt, nichts sei mit Sicherheit erkennbar und als endgültig wahr anzuerkennen) ab.

Art der Orientierung am ethischen Prinzip/Moralprinzip

Apel meint, nicht nur das diskursethische Moralprinzip selbst begründen zu können, sondern auch auch gewisse praktische Zielorientierungen als verbindlich erweisen zu können. Solche Ziele sind als grundlegende regulative Prinzipien, a) das Überleben der menschlichen Gattung als der realen Kommunikationsgemeinschaft sicherzustellen und b) in der realen Kommunikationsgemeinschaft immer mehr eine ideale Kommunikationsgemeinschaft zu verwirklichen.

Habermas hält es dagegen für unmöglich, Anwendungsbedingungen der Diskursethik zum Inhalt einer diskursethisch begründeten moralischen Verpflichtung zu machen. Er fügt nur zu einem Universalisierungsprinzip einen Diskursgrundsatz hinzu.

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Es gibt unterschiedliche Einteilungsmöglichkeiten nach Richtungen und nicht alles Richtungen sind sehr einheitlich und geschlossen gewesen.

In der Sozialdemokratie - in Deutschland die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) - kann in folgende drei Richtungen eingeteilt werden, die es damals gab

  1. Linke/radikale Revolutionäre mit einem orthodoxem Marxismus, z. B. Georg Ledebour, Rosa Luxemburg, Franz Mehring, Clara Zetkin, Karl Liebknecht
  2. Zentrum/»Zentristen« wie August Bebel (1892 – 1913 Parteivorsitzender) und Karl Kautsky, die an der marxistischen Theorie festhalten wollen, aber sie in der Tagespolitik mit einer pragmatisch auf sachorientierter Reformpolitik zu vereinbaren versuchen
  3. Gemäßigte/Reformer/»Revisionisten«: »Revisionismus« wurde in der Theorie bei der SPD führend von Eduard Bernstein vertreten. Die Auffassung war, die Analysen und Prognosen von Marx und Engels seien teilweise überholt und falsch. Mit einer Abschaffung des Kapitalismus durch die Realität/Klassenkampf könne nicht gerechnet werden. Daher sei es richtiger, im Rahmen des Kapitalismus durch Reformpolitik Verbesserungen für die Arbeiter zu erreichen. Als praktische Politiker gehörten dazu Georg Vollmar, Eduard David, Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann.
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Bei Immanuel Kant ist eine vollkommenen Pflicht eine Pflicht mit enger/strenger Verbindlichkeit und sowohl eine Tugendpflicht als auch eine Rechtspflicht, eine unvollkommene Pflicht eine Pflicht mit weiter Verbindlichkeit (es besteht in der Ausführung ein Spielraum) und allein eine Tugendpflicht.

Pflicht ist bei Immanuel Kant die Notwendigkeit einer Handlung aus Achtung vor dem moralischen Gesetz.

Pflicht tritt als inneres Gebot auf, gut zu handeln.

Mit Pflicht meint Immanuel Kant eine Verbindlichkeit als moralisches Gebot (Sollen), eine innere Pflicht, nicht eine von außen, von anderen geforderte bzw. vorgeschriebene Pflicht.

vollkommene und unvollkommene Pflichten

In einer Anmerkung zu einer vorläufig übernommenen geläufigen Einteilung der Pflichten äußert Kant, unter einer vollkommenen Pflicht eine zu verstehen, die keine Ausnahme zugunsten der Neigung erlaubt. Eine unvollkommene Pflicht wäre dann eine, die eine solche Ausnahme erlaubt. Zu seiner ethischen Theorie ist dies allerdings wenig passend, da ein uneingeschränkt guter Wille nach Kants Auffassung nicht von einer Neigung bestimmt ist.

Zwischen vollkommenen und unvollkommenen Pflichten besteht nach Kants Darlegung ein Unterschied in der Art der Verbindlichkeit: vollkommene Pflichten haben eine enge bzw. strenge Verbindlichkeit, unvollkommene Pflichten eine weite Verbindlichkeit (es besteht in der Ausführung ein Spielraum).

Vollkommene Pflichten sind Pflichten, die Rechtspflichten sind. Unvollkommene Pflichten sind Pflichten, die allein Tugendpflichten sind, keine Rechtspflichten. Rechtspflichten gebieten eine Handlung. Pflichten, die allein Tugendpflichten sind, gebieten eine Maxime (dem Vernunftinteresse entnommener subjektiver Grundsatz) der Handlung, nicht genau die Handlung selbst.

Der Zweck der Handlung ist in beiden Fällen zugleich Pflicht, aber bei unvollkommenen Pflichten gibt es (anders als bei vollkommenen Pflichten) einen Spielraum in der Anwendung der Maxime. Bei der Beachtung und Befolgung der Maxime ist nicht genau bestimmt, wie (auf welche Weise) und wieviel (in welchem Ausmaß) der Zweck bewirkt wird.

Eine weite (unvollkommene) Pflicht bedeutet nicht eine Erlaubnis zu einer Ausnahme von der Maxime der Handlung, die dem kategorischen Imperativ entspricht, sondern nur die Einschränkung einer Pflichtmaxime durch eine andere Pflichtmaxime.

Bei vollkommenen Pflichten ist es unmöglich, eine sie verletzende/übertretende Maxime auch nur widerspruchsfrei als Bestandteil einer allgemeinen Gesetzgebung der Vernunft zu denken. Bei unvollkommenen Pflichten ist es möglich, eine sie verletzende/übertretende Maxime widerspruchsfrei als Bestandteil einer allgemeinen Gesetzgebung der Vernunft zu denken, aber unmöglich zu wollen, diese Maxime solle allgemeines Gesetz sein, weil der Wille dabei in einen Widerspruch zu sich selbst geraten würde.

Beispiele

Die Pflicht zur Wahrhaftigkeit (nicht lügen) und die Pflicht, keine falschen Versprechen zu geben, sind vollkommene Pflichten.

Wahrhaftigkeit ist nach Kant Pflicht. Lügen (Unwahrhaftigkeit) schädigen das Vertrauen. Aussagen könnten keinen Glauben auf ihre Ehrlichkeit finden. Dies untergräbt die Möglichkeit, Verträge einzugehen, bei denen ja die ehrliche Absicht ihrer Einhaltung Voraussetzung ist. Mit der Zulässigkeit von Lügen würden allen auf Erklärungen in Verträgen beruhenden Rechten die Grundlage entzogen, was die menschliche Gesellschaft unrechtmäßig einer Rechtsgrundlage beraubt und damit der Menschheit überhaupt Schaden zufügt.

Bei einem Grundsatz, sich Geld mit dem Versprechen zu leihen, es später zurückzuzahlen, im Wissen, dies werde nicht geschehen, würde das Vertrauen in Versprechen untergraben. Der Wille gerät in einen Widerspruch mit sich selbst, weil der angestrebte Zweck (auf ein Versprechen späterer Rückzahlung ) unmöglich gemacht würde, wenn ein solcher Grundsatz allgemeines Gesetz wäre und allgemein akzeptiert und befolgt würde. An die Erfüllung von Versprechen kann ja dabei vernünftigerweise nicht geglaubt werden.

Die Pflicht zur Entwicklung eigener Fähigkeiten und die Pflicht zur Wohltätigkeit/Nächstenliebe/Hilfe und Beistand für andere, die sich in Not befinden, sind unvollkommene Pflichten.

Menschen haben nach Kants Auffassung eine Pflicht, ihre eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Zwar ist eine Nichtentwicklung der eigenen Fähigkeiten als allgemeine Praxis denkbar. Eine Entwicklung eigener Fähigkeiten ist aber nützlich und dem Erreichen eigener Zwecke dienlich. Daher kann die Nichtentwicklung eigener Fähigkeiten nicht als allgemeines Gesetz gewollt werden, denn das Wollen geriete in einen Widerspruch zu sich selbst.

Es gibt nach Kant eine Tugendpflicht zum Wohltun, wenn jemand einer Hilfeleistung in der Not benötigt und jemand in der Lage ist, sie zu geben. Eine Maxime der Gleichgültigkeit gegenüber fremder Not, ein Grundsatz des Unterlassens der Hilfeleistung aus (vermeintlichem) Eigennutz steht zum kategorischen Imperativ in Gegensatz.

Denkbar ist eine Befolgung einer Maxime der Gleichgültigkeit zwar. Wer aber eine Maxime aufstellt, die ein Unterlassen von Hilfe in Not erlaubt, würde auch für sich selbst Hilfe ausschließen, wenn diese Maxime allgemeines Gesetz wäre.

Jemand kann jedoch einmal selbst irgendeiner Hilfe bedürftig und auf andere angewiesen sein. Die Maxime der Gleichgültigkeit kann nicht als allgemeines Gesetz gewollt werden, es träte ein Widerspruch zu dem Wunsch auf Hilfe von anderen im eigenen Notfall auf.

Die Pflicht der allgemeinen Nächstenliebe kann durch die Pflicht der Elternliebe eingeschränkt werden. Hilfe für irgendwelche anderen muß nicht bedeuten, eigene Familienmitglieder völlig vernachlässigen zu sollen.

Bei der Entwicklung der eigenen Fähigkeiten und der Hilfe für Mitmenschen in Not gibt es Spielraum darin, auf welche Weise und in welchem Ausmaß dies geschieht.

Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785. 2. Auflage 1786). Zweiter Abschnitt. Übergang von der populären sittlichen Weltweisheit zur Metaphysik der Sitten. AA IV 421/BA 54 Anmerkung:

„Übrigens verstehe ich hier unter einer vollkommenen Pflicht diejenige, die keine Ausnahme zum Vorteil der Neigung verstattet, und da habe ich nicht bloß äußere, sondern auch innere vollkommene Pflichten, welches dem in Schulen angenommenen Wortgebrauch zuwider läuft, ich aber hier nicht zu verantworten gemeint bin, weil es zu meiner Absicht einerlei ist, ob man es mir einräumt, oder nicht.“

Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785. 2. Auflage 1786)). Zweiter Abschnitt. Übergang von der populären sittlichen Weltweisheit zur Metaphysik der Sitten. AA IV 424/BA 57:

„Man muß wollen können, daß eine Maxime unserer Handlung ein allgemeines Gesetz werde: dies ist der Kanon der moralischen Beurteilung derselben überhaupt. Einige Handlungen sind so beschaffen, daß ihre Maxime ohne Widerspruch nicht einmal als allgemeines Naturgesetz gedacht werden kann; weit gefehlt, daß man noch wollen könne, es sollte ein solches werden. Bei anderen ist zwar jene Unmöglichkeit nicht anzutreffen, aber es ist doch unmöglich zu wollen, daß ihre Maxime zur Allgemeinheit eines Naturgesetzes erhoben werde, weil ein solcher Wille sich selbst widersprechen würde. Man sieht leicht: daß die erstere der strengen oder engeren (unnachlaßlichen) Pflicht, die zweite nur der weiteren (verdienstlichen) Pflicht widerstreite, und so alle Pflichten, was die Art der Verbindlichkeit (nicht das Objekt ihrer Handlung) betrifft, durch diese Beispiele in ihrer Abhängigkeit von dem einigen Prinzip vollständig aufgestellt worden.“

Immanuel Kant, Die Metaphysik der Sitten (1797). Zweiter Teil. Metaphysische Anfangsgründe der Tugendlehre. Einleitung zur Tugendlehre VII. Die ethischen Pflichten sind von weiter, dagegen die Rechtspflichten von enger Verbindlichkeit. AA VI 390:

„Dieser Satz ist eine Folge aus dem vorigen; denn wenn das Gesetz nur die Maxime der Handlungen, nicht die Handlungen selbst gebieten kann, so ists ein Zeichen, daß es der Befolgung (Observanz) einen Spielraum (latitudo) für die freie Willkür überlasse, d. i. nicht bestimmt angeben könne, wie und wie viel durch die Handlung zu dem Zweck, der zugleich Pflicht ist, gewirkt werden solle. – Es wird aber unter einer weiten Pflicht nicht eine Erlaubnis zu Ausnahmen von der Maxime der Handlungen, sondern nur die der Einschränkung einer Pflichtmaxime durch die andere (z. B. die allgemeine Nächstenliebe durch die Elternliebe) verstanden, wodurch in der That das Feld für die Tugendpraxis erweitert wird. - Je weiter die Pflicht, je unvollkommener also die Verbindlichkeit des Menschen zur Handlung ist, je näher er gleichwohl die Maxime der Observanz derselben (in seiner Gesinnung) der engen Pflicht (des Rechts) bringt, desto vollkommener ist seine Tugendhandlung.

Die unvollkommenen Pflichten sind also allein Tugendpflichten. Die Erfüllung derselben ist Verdienst (meritum) = + a: ihre Übertretung aber ist nicht sofort Verschuldung (demeritum) = - a, sondern bloß moralischer Unwert = 0, außer wenn es dem Subjekt Grundsatz wäre, sich jenen Pflichten nicht zu fügen.“

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1764 liegt vor einem Zeitraum von der Boston Tea party (1773) bis zum Unabhängigkeitskrieg (1775 – 1783).

Viele Daten stehen z. B. in den folgenden Übersichten:

https://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanische_Revolution#%C3%9Cbersicht_%C3%BCber_die_Ereignisse_von_1774_bis_1776

https://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanische_Revolution#%C3%9Cbersicht_%C3%BCber_die_milit%C3%A4rischen_Ereignisse_1777%E2%80%931783

https://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanische_Revolution#%C3%9Cberblick_%C3%BCber_die_politischen_Ereignisse_1777%E2%80%931789

Daraus könnte einiges ausgewählt werden, das besonders wichtig ist, wobei je nach Zweck mehr oder weniger ergänzt werden kann.

  • 1774 Coercive Acts: Regierung und Parlament in Großbritannien beschließen eine Reihe von Zwangsgesetzen (Coercive Acts), die von den Kolonisten als Intolerable Acts (Unerträgliche Gesetze) verstanden wurden. a) Schließung des Hafens von Boston bis zur Bezahlung des Tees b) Beamte der britischen Krone konnten statt in einer Kolonie in England vor Gericht gestellt werden, wenn die ihnen vorgeworfene Tat bei der Niederschlagung eines Aufstandes oder der Einziehung von Zollgebühren begangen worden war c) Gemeindeversammlungen (town meetings) durften nur noch nach Genehmigung der Tagesordnung durch den Gouvernuer abgehalten werden und die Mitglieder des Gouverneursrats von Massachusetts wurden vom König ernannt statt vom Repräsentantenhaus gewählt d) Soldaten konnten im Bedarfsfall auch in Privathäusern einquartiert werden e) Das Quebec-Gesetz garantierte 1774 den 70000 französischsprachigen Einwohnern der 1759 eroberten Kolonie Quebec die kulturelle Eigenständigkeit und erweiterte das Gebiet Quebecs weit nach Süden, bis an die Ufer von Ohio und Mississippi. Damit wurden aus ihren Gründungsurkunden abgeleitete Landansprüche von Massachusetts, Connecticut, New York, Pennsylvania und Virginia im Ohio-Tal hinfällig.
  • 1774 Tagung des Ersten Kontinentalkongresses in Philadelphia (5. September 1774 bis 26. Oktober 1774)
  • 1775 Beginn des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges durch Kämpfe mit Waffengewalt: Die britische Armee versuchte, Waffenvorräte von nordamerikanischen Rebellen zu beschlagnahmen. In diesem Zusammenhang kam es am 19. April 1775 zu den Gefechten von Lexington und Concord. Es folgte die Belagerung von Boston, wo sich der britische General und Gouverneur von Massachusetts, Thomas Gage, mit britischen Soldaten befand.
  • 1775 – 1781 Zweiter Kontinentalkongress
  • 16. Juni 1775: George Washington zum Oberbefehlshabers der Truppen amerikanischen Kontinentalarmee ernannt
  • 4. Juli 1776: Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten (The Unanimous Declaration of The Thirteen United States of America)
  • 1777: Konföderationsartikel (Articles of Confederation and Perpetual Union) als Übergangsverfassung beschlossen, nach einer dreijährigen Zeit der Ratifizierung 1781 bis 1789 in Kraft
  • September/Oktober 1781: Schlacht bei Yorktown, entscheidender Sieg amerikanischer und französischer Truppen über die britische Armee
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Die Virginia Bill of Rights (Virginia Declaration of Rights) vom 12. Juni 1776 stand insgesamt darin mit dem politischen Denken der Aufklärung darin in Übereinstimmung, Bestandteil einer bald danach beschlossenen geschriebenen Verfassung zu sein, die Machtbefugnisse der Regierung begrenzte. Als Erklärung von Grundrechten entspricht sie einer Befürwortung von Menschen- und Bürgerrechten

weitere typische Gedanken:

  • alle Menschen von Natur aus gleichermaßen frei und unabhängig und und im Besitz bestimmter angeborener Rechte (Artikel 1); dies entspricht naturrechtlichen Überlegungen (z. B. Gesellschaftsvertrag und Menschen von Natur aus zustehende unveräußerliche Rechte) der Aufklärung, z. B. bei Locke und Rousseau
  • Allgemeinwohl als Zweck der Regierung (Artikel 3)
  • Gewaltenteilung (Artikel 5); etwas unterschiedlich voneinander gibt es dazu Überlegungen bei Locke und Montesquieu
  • Pressefreiheit (Artikel 12)
  • von Vernunft (reason) geleitete Religion, freie freien Religionsausübung, also Toleranz (Artikel 16); eine Religionsauffassung, die auf Vernunftgründen beruht, wird Deismus genannt und wurde von vielen Aufklärern bevorzugt; für Toleranz traten z. B. Locke und Voltaire ein

Die Ableitung der Macht vom Volk (Artikel 2), also ein Gedanke der Volkssouveränität, kommt zwar schon bei Locke vor, ist aber keine allgemeine Auffassung der Aufklärung gewesen.

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Es ist schon sehr viel richtig gelöst.

fehlende Wörter:

2) Reichstag

10) Wahlkönigtum

14) Alchemie

17) Astronomie

Gründe, warum ein Herrscher den Ständen konfessionelle Zugeständnisse machte (18 und 19), sind schwieriger in ein einziges Wort zu fassen. Es ging um Machtsicherung wegen der Befugnisse und Mitspracherechte der Stände, die Wahl von Herrschern in einer Wahlmonarchie (im Heiligen Römischen Reich die Kurfürsten), Interesse an Einheit und innerer Friedensbewahrung in einer bestimmten Lage, z. B. Bedrohung von außen (wie die Türkengefahr), ein Bedarf an finanzieller Hilfe (Steuerbewilligung) und militärischer Unterstützung (z. B. Reichsexekutionen gegen Landfriedensbrecher und zur Vollstreckung der Reichskammergerichtsurteile nach der Reichsexekutionsordnung).

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Ein Ludergeruch ist ein schlechter/übler Geruch, ein Gestank. Mit »Luder« wird unter anderem »Aas« und »Kadaver« bezeichnet. In der Jägersprache ist »Luder« ein Tierkadaver, der zum Anlocken von Raubtieren ausgelegt wird. »Luder« ist auch eine Bezeichnung für eine durchtriebene und liederliche weibliche Person.

Der metaphorische Ausdruck »Ludergeruch« ist eindeutig abwertend.

Die Äußerung von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen steht in Zusammenhang mit seiner Ablehnung der ihm von der aus der Revolution 1848 hervorgegangen Nationalversammlung angebotenen Kaiserkrone.

Wegen des Hervorgehens aus der Revolution hat er eine solche Kaiserkrone als nicht glanzvoll, sondern im Gegensatz zu einer heiligen göttlichen Ordnung stehend und als „verunehrt (entehrt, unehrenhaft geworden) beurteilt. Er hielt sie für schändlich und gleichsam aus Dreck bestehend. Der Ausdruck »Ludergeruch der Revolution« (Aasgeruch der Revolution) zeigt bei Friedrich Wilhelm IV. eine Ablehnung der Revolution vom 1848 als schlecht (grundsätzlich könnte zwar auch daran gedacht werden, Revolution sei oft mit Gewalttätigkeit verbunden und »Ludergeruch der Revolution« könne mit Leichen verbunden werden, aber Friedrich Wilhelm IV. stellt bei seiner Äußerung (Brief vom 13. 12. 1848 an Christian Carl Josias Freiherr von Bunsen (preußischer Gesandter in London) nicht ausdrücklich einen solchen Zusammenhang her, sondern nennt andere Gründe, außerdem war die Revolution nicht besonders gewaltsam und Tote hat es zu einem erheblichen Teil durch das Vorgehen von Soldaten der Herrscher gegeben).

Die Revolution 1848/1849 richtete sich gegen Monarchien in ihren bestehenden grundsätzlichen Zustand und wollte die politische Macht der Monarchen in den von ihnen beherrschten Staaten verringern. Daher ist es nicht erstaunlich, wenn ein Monarch wie der König von Preußen die Revolution ablehnt.

Gründe für die Abneigung des preußischen Königs gegen die Revolution

  • Festhalten an einem Gottesgnadentum (die Revolution wollte dieses Prinzip in der politischen Wirklichkeit beseitigen)
  • Ablehnung des Prinzips der Volkssouveränität und der Demokratie Abneigung, seine Machtbefugnisse von einer Verfassung einschränken zu lassen (darunter Gesetzgebung durch ein Parlament als Volksvertretung und Kontrolle der Regierung durch das Parlament)
  • Abneigung gegen einen Umsturz und seine Beurteilung als Treuebruch und Hochverrat, auch aus einer gewissen romantisch verklärenden Rückwärtsgewandtheit zur Vergangenheit
  • Gefühl eigener Höherrangigkeit gegenüber dem Volk (nicht nur gegenüber dem einfachen Volk, sondern auch gegenüber einem Bürgertum mit Bildung und Besitz, wozu ein Großteil der Abgeordneten der Nationalversammlung gehörten; König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen hielt sie abwertend nicht für seinesgleichen)
  • eigene Beurteilung der Revolution 1848/1849 als sehr albern, dumm und schlecht

Ablehnung der Kaiserkrone

König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen hat am 2. April 1849 die Kaiserdeputation (Abgeordnete der Frankfurter Nationalversammlung, die ihm die Kaiserkrone anboten) im Berliner Schloss empfangen und eher verklausuliert (auf verwickelte und schwer verständliche Weise mit Vorbehalten und Einschränkungen formuliert) ausweichend geantwortet. Offiziell erklärte er zunächst, er könne die Kaiserkrone nicht ohne das Einverständnis der Fürsten und Freien Städte Deutschlands annehmen. Am 28. April 1849 hat König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen die Kaiserwürde endgültig zurückgewiesen.

In nichtöffentlichen Äußerungen drückte sich König Friedrich Wilhelm IV. schärfer aus, er sei sich zu gut, um eine aus Dreck und Letten (Lehm) geknetete Krone anzunehmen, die ihn zum Knecht eines Prinzips, einer Nationalversammlung mache. Sie verdiene nur Ekel und Abscheu. Gegenüber dem Großherzog Ludwig III. von Hessen-Darmstadt bezeichnete er eine von der Nationalversammlung verliehene Kaiserkrone als Schweinekrone.

In einem Brief vom 23. Dezember 1848 an Joseph von Radowitz (preußischer General und Abgeordneter der Nationalversammlung) bezeichnete Friedrich Wilhelm IV. eine solche Kaiserkrone mit verächtlichen Ausdrücken: „Jeder deutsche Edelmann, der ein Kreuz oder einen Strich im Wappen führt, ist hundertmal zu gut dazu, um solch ein Diadem! aus Dreck und Letten der Revolution, des Treubruchs und des Hochverrats geschmiedet, anzunehmen. Die alte, legitime, seit 1806 ruhende Krone deutscher Nation, das Diadem von Gottes Gnaden, das den, der es trägt, zur höchsten Obrigkeit Deutschlands macht, der man Gehorsam schuldet um des Gewissens willen, das kann man annehmen, wenn man in sich die Kraft dazu fühlt und die angeborenen Pflichten es zulassen. Die Krone aber vergibt keiner als Kaiser Franz Joseph, ich und unseresgleichen und wehe dem! der es ohne uns versucht und wehe dem! der sie annimmt, wenn ihr Preis der Verlust eines Drittels von Deutschland und der edelsten Stämme unseres deutschen Volkes ist. Gott helf uns! Amen.“

In einem Brief vom 13. 12. 1848 an Christian Carl Josias Freiherr von Bunsen (preußischer Gesandter in London) nannte Friedrich Wilhelm IV. als Gründe der Ablehnung einer von der Nationalversammlung stammenden Kaiserkrone: „Mein theuerster Bunsen! … Ich verstehe Sie und Ihre Raisonnements; Sie aber nicht die meinigen, sonst hätten sie nicht so schreiben können, das heißt, Sie hätten dann nicht … den absoluten Hindernissen, die zwischen mir und der !!! Kaiserkrone stehen, einen leichten und leicht zu beseitigenden Namen gegeben. Sie sagen (wörtlich wie Herr v. Gagern mir sagte …): „Sie wollen die Zustimmung der Fürsten; gut und recht, die sollen sie haben.“ Aber, mein teuerster Freund, da liegt der Hund begraben. Ich will weder der Fürsten Zustimmung zu der Wahl noch die Krone. Verstehen Sie die markierten Worte? …. Die Krone ist erstlich keine Krone. Die Krone, die ein Hohenzollern nehmen dürfte, wenn die Umstände es möglich machen könnten, ist keine, die eine, wenn auch mit fürstlicher Zustimmung eingesetzte, in die revolutionäre Saat geschossene Versammlung macht, … sondern eine, die den Stempel Gottes trägt, die den, dem sie aufgesetzt wird nach der heiligen Oelung, „von Gottes Gnaden“ macht … Die Krone, welche die Ottonen, die Hohenstaufen, die Habsburger getragen, kann natürlich ein Hohenzoller tragen; sie ehrt ihn überschwänglich mit tausendjährigem Glanze. Die aber, die Sie – leider meinen, verunehrt überschwänglich mit ihrem Ludergeruch der Revolution von 1848, der albernsten, dümmsten, schlechtesten -, wenn auch, Gottlob, nicht bösesten dieses Jahrhunderts. Einen solchen imaginären Reif, aus Dreck und Letten gebacken, soll ein legitimer König von Gottes Gnaden und nun gar der König von Preußen sich geben lassen, der den Segen hat, wenn auch nicht die älteste, doch die edelste Krone, die Niemand gestohlen worden ist, zu tragen? … Ich sage es Ihnen rund heraus: Soll die tausendjährige Krone deutscher Nation, die 42 Jahre geruht hat, wieder einmal vergeben werden, so bin ich es und meines Gleichen, die sie vergeben werden. Und wehe dem, der sich anmaßtz, was ihm nicht zukommt!"

An König Ernst August I. von Hannover schrieb er im April 1849. „Man nähme nur das an und schlüge nur das aus, was angeboten werden könne. Die Paulskirche aber habe keine Krone anzubieten und ich folglich keine auszuschlagen und anzunehmen. Diese sogenannte Krone sei aber an sich keine Krone, wohl aber ein Hundehalsband, mit dem man mich an die Revolution von 48 ketten wolle.“

An Christian Carl Josias Freiherr von Bunsen, den preußischen Gesandten in London, schrieb König Friedrich Wilhelm IV. am 7. Mai 1849 klarer und offener: „Sie sind von den Eindrücken der Revolution von 1848 überwältigt. Sie haben dem scheußlichen Bastard von Mensch und Teufel einen ehrlichen Namen „Teutschland“ gegeben. – Ich hingegen habe vom 18.-19. März 48 bis heut Nichts darin erkannt, als den Abfall von Gott. … Wäre es der Paulskirchlichen Majorität wirklich um die Sache zu thun gewesen, so gebot der gesunde Menschen-Verstand so gut als ein Quentchen Rechtsgefühl … diesen Patrioten, zuvor die Zustimmung der rechtmäßigen Obrigkeiten … einzuholen. Ich frage warum nicht? Habe sie sich denn das nicht gefragt? Alles Ding hat seine Ursach. Also auch dies Ding. Warum nicht? Die Antwort ist mir … nicht zweifelhaft. Weil diese Patrioten (!) die Revolution, die Souverainetät teutscher Nation unwiderruflich dadurch befestigen wollen, daß sie dem Narren, dem Preußenkönig ein Hundehalsband umschnallten, das ihn unauflöslich an die Volkssouverainetät fesselte, der Revolution von 48 leibeigen machte! Das, theuerster Freund, ist des Pudels Kern; dieses schnöden Pudels einzige Entschuldigung … Daher rührt mein Bescheid an die … Deputation der Paulskirche. Des Bescheides Sinn ist: Ich kann Euch weder ja, noch nein antworten. Man nimmt nur an und schlägt nur aus eine Sache, die geboten werden kann, - und ihr da, habt gar nichts zu biethen; das mach’ ich mit meines Gleichen ab;“

  • Gründe für die Ablehnung der Kaiserkrone
  • Ablehnung und Verachtung des demokratischen Prinzips der Volkssouveränität: Friedrich Wilhelm IV. hielt am Gottesgnadentum der Herrscher fest und hatte außerdem die Auffassung, nur die Fürsten und die Regierungen der Freien Städte könnten die Kaiserkrone vergeben und seien dazu berechtigt, nicht das Volk oder eine Volksvertretung (Parlament)
  • allgemeine Abneigung gegen die Revolution, aus der heraus das Angebot der Kaiserkrone kam
  • Vermeiden einer Trennung von anderen Fürsten (die Macht der Fürsten war inzwischen wieder angestiegen und er wollte lieber die Liberalen scheitern lassen und von ihnen keine Aufträge annehmen)
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In der Zeit vor der Französischen Revolution (1789 – 1799) zahlte in Frankreich der Adel auch Steuern, aber nicht die Taille (französisch: taille), die typische und besonders wichtige direkte Steuer.

Eine Aussage, der Adel habe gar keine Steuern gezahlt, ist also falsch. Dahinter steht eine Zuspitzung. Die äußerst ungleiche und ungerechte Verteilung der Steuerlast bei den direkten Steuern wurde angegriffen.

Klerus (französische: clergè; erster Stand) und Adel (französische: noblesse; zweiter Stand) waren von der Taille (französisch: taille), der typischen und besonders wichtigen direkten Steuer, befreit. Der Adel zahlte geringe direkte Steuern: Kopfsteuer (französisch: capitation) 1695 eingeführt, Zehnter (französisch: dixième) 1710 als zeitweilige Steuer eingeführt, dann ersetzt, stattdessen Zwanzigster (französisch: vingtième) 1740 als ständige Steuer eingeführt. Der Klerus gab nur eine freiwillige Zuwendung (französisch: don gratuit), die jeweils in den Kirchenversammlungen beschlossen wurde und nicht mehr als 2 – 3 % der direkten Steuereinnahmen des Staates betrug (obwohl das Jahreseinkommen der Kirche durch Grundbesitz und Zehnten hoch war).

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Nicht immer gehört jemand entweder ganz und gar (in vollem Ausmaß) oder überhaupt nicht zu einer bestimmten Richtung.

Jean-Jacques Rousseau kann nur eingeschränkt zu den Aufklärern gezählt werden.

Rousseau will Gefühl und Vernunft letztlich nicht gegeneinander ausspielen, sondern Übereinstimmung erreichen. Das Vernünftige echter Gefühle/Empfindungen gehört zu seinen Überlegungen. Er hat einige Auffassungen und Ziele mit der geistigen Bewegung der Aufklärung gemeinsam, aber in einigen anderen Auffassungen steht er zu den Standpunkten der Aufklärung in Gegensatz. Sein Verhältnis zur Bewegung der Aufklärung ist also spannungsvoll und ambivalent.

Gemeinsamkeiten:

  • Kritik an gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen
  • Befürwortung klarer Überlegungen und eines Urteils einer unbestechlichen Vernunft, Versuch rationaler Argumentation in veröffentlichten Schriften, Begründungen (auch, warum etwas gut ist) als Leistung der Vernunft/des Verstandes (raison), z. B. für die Ausrichtung am Allgemeinwohl und die Befolgung dafür geschaffener Gesetz in einem Staat
  • Eintreten für mehr Bildung
  • Befürwortung von Menschen- und Bürgerrechten
  • Befürwortung von Freiheit und Ziel einer Befreiung (von Unmündigkeit, Abhängigkeit, Unterdrückung, gesellschaftlichen Zwängen)
  • naturrechtliche Überlegungen (z. B. Gesellschaftsvertrag und Menschen von Natur aus zustehende unveräußerliche Rechte), die ähnlich auch bei vielen Aufklärern vorkamen
  • Beteiligung an der mit Absichten zu einer Sammlung des Wissens der Zeit, kritischen Gedanken und rational geleitetem systematischen Aufbau verbundenen französischen Enzyklopädie, Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers (1751 – 1780), mit Beiträgen über Musik und politische Ökonomie

Unterschiede:

  • Gefühle/Empfindungen wichtiger als Vernunft/ Verstande (raison), Gefühle/Empfindunge bzw. Überzeugung/Glaube als Grundlage der Moral, darunter das Gewissen (ein eingeborenes Gefühl) als Stimme der Natur
  • Ablehnung eines Fortschrittsglaubens, der annimmt, die Entwicklung der Menschen werde stetig zum Besseren gehen und mit dem Voranschreiten von Wissenschaft und Zivilisation werde auch die Moral der Menschen besser und das menschliche Glück größer

Bei Rousseau sind Gefühle/Empfindungen wichtig. Er ist aber bei aller Neigung zur Sentimentalität kein vollständiger Romantiker, auch wenn es Anknüpfungsmöglichkeiten zur Romantik gibt. Rousseau will aber nicht zu Gunsten von Gefühlen/Empfindungen die Vernunft unterdrücken. Zum einen stellt Rousseau die Bedeutung von Gefühlen/Empfindungen bei der Handlungsmotivation heraus. Zum anderen hält er die ersten (ursprünglichen) natürlichen Regungen für gut und richtig. In ihnen tut sich nach seiner Auffassung unmittelbar die Natur mit einem Weltgesetz kund. Eine Aussage, das Gefühl/die Empfindung (le sentiment) sei mehr als der Verstand (la raison), ist vor diesem Hintergrund zu verstehen.

Andreas Gipper, Jean-Jacques Rousseau. In Großes Werklexikon der Philosophie. Herausgegeben von Franco Volpi. Band 2: L - Z, Anonyma und Sammlungen. Stuttgart : Kröner, 1999, S. 1287:

„R. – Staatsphilosophie, Geschichtsphilosoph und Erziehungstheoretiker – ist die vielleicht widersprüchlichste Figur der französischen Aufklärung, als deren Antipode er sich schließlich erweist. Seine Zivilisations – und Gesellschaftskritik sowie seine Staatsphilosophie machen ihn zu einem der wirkungsmächtigsten Denker des 18. Jhs., während sein Naturverständnis den Übergang zur Romantik ankündigt.“

R. = Rousseau

Jhs. = Jahrhunderts

Emerich Coreth/Harald Schöndorf, Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart ; Berlin ; Köln ; Mainz : Kohlhammer, 2000 (Grundkurs Philosophie ; Band 8) (Urban-Taschenbücher ; Band 352), S. 151:

„So vertritt Rousseau einen genuinen Kulturpessimismus, der sich gegen den Optimismus des Fortschrittsglaubens der Aufklärung richtet. Der Fortschritt der Wissenschaft und Technik, der Kultur- und Zivilisation kann nicht die wahren Werte des reinen Herzens ersetzen. Vielmehr bringt er die Gefahr, führt zu Zwang und Gegensätzen in der modernen Gesellschaft, zum Unterschied zwischen Arm und Reich, zwischen Herr und Knecht, zum Kampf um die Macht, zu Willkürherrschaft des Staates. Demgegenüber betont Rousseau das Naturrecht, das alle Menschen verbindet. Der oft Rousseau zugeschriebene Satz »Zurück zur Natur« findet sich nicht bei ihm und trifft auch nicht seine Intention. Er fordert nicht die Rückkehr zur Natur, aber sehr wohl die Rückkehr zu naturgemäßen Gleichheit aller Menschen und zu einer nicht depravierten Kultur.“

S. 152: „Scharfe Kritik übt Rousseau am Materialismus und Atheismus seiner Zeit. Vor allem glaubt er an das Gute im menschlichen Herzen und an das Naturgesetz, das jedem angeboren ist. Rousseaus These, daß die Moralität eines Menschen nicht an dessen Wissen oder intellektuellen Begabung hängt, sondern daß jeder Mensch dieselbe moralische Veranlagung besitzt, hat einen entscheidenden Einfluß auf Kant ausgeübt. Der einzig wahre Gottesdienst, auf den es allein ankommt, ist für Rousseau der Kult des Herzens, moralisches Handeln, Erfüllung der Pflichten des Lebens. Alle Religionen mit ihren gegensätzlichen Dogmen sind dagegen belanglos, weil sie doch keine Bedeutung für die Moral haben. Der wahre Tempel Gottes ist das fromme Herz. Die Offenbarung wird abgelehnt. Sie ist unnötig, intolerant und nicht überprüfbar. Damit steht Rousseau einerseits im Gegensatz zur materialistischen und atheistischen Radikalisierung der französischen Aufklärung, besonders durch die Enzyklopädisten, anderseits aber bleibt er auf dem Boden einer rein natürlichen, deistisch geprägten Religion, die sich allein im sittlichen Handeln zu erweisen hat. Damit treten auch bei Rousseau Züge der Aufklärung hervor.“

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guter Wille

Kant erklärt, allein der gute Wille könne uneingeschränkt für gut gehalten werden. Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785; 2. Auflage 1786). Erster Abschnitt. Übergang von der gemeinen sittlichen Vernunfterkenntnis zur philosophischen. BA 1 – 2/AA IV, 393:

„Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille. Verstand, Witz, Urteilskraft, und wie die Talente des Geistes sonst heißen mögen, oder Mut, Entschlossenheit, Beharrlichkeit im Vorsatze, als Eigenschaften des Temperaments, sind ohne Zweifel in mancher Absicht gut und wünschenswert; aber sie können auch äußerst böse und schädlich werden, wenn der Wille, der von diesen Naturgaben Gebrauch machen soll und dessen eigentümliche Beschaffenheit darum Charakter heißt, nicht gut ist. Mit den Glücksgaben ist es eben so bewandt. Macht, Reichtum, Ehre, selbst Gesundheit, und das ganze Wohlbefinden und Zufriedenheit mit seinem Zustande, unter dem Namen der Glückseligkeit, machen Mut und hiedurch öfters auch Übermut, wo nicht ein guter Wille da ist, der den Einfluß derselben aufs Gemüt, und hiemit auch das ganze Prinzip zu handeln, berichtige und allgemein-zweckmäßig mache; ohne zu erwähnen, daß ein vernünftiger unparteiischer Zuschauer sogar am Anblicke eines ununterbrochenen Wohlergehens eines Wesens, das kein Zug eines reinen und guten Willens zieret, nimmermehr ein Wohlgefallen haben kann, und so der gute Wille die unerlaßliche Bedingung selbst der Würdigkeit, glücklich zu sein, auszumachen scheint.“

Bei Immanuel Kant ist der gute Wille das, wodurch ein Handeln gut ist. Der gute Wille liegt darin, den Grundsatz des Handelns um seiner selbst willen zu wollen. Der gute Wille ist darauf gerichtet, das Sittengesetz/moralische Gesetz selbstbestimmt zu bejahen. Der gute Wille ist von der Pflicht (innere Notwendigkeit einer Handlung aus Achtung vor dem Gesetz [auf das Sittengesetz/moralische Gesetz bezogen, nicht auf juristische Gesetze]) bestimmt.

Um einen Willen als eigentlich moralisch und dabei in vollem Ausmaß als gut auffassen zu können, wird ein allgemeines Kriterium (ein allgemeiner Maßstab) benötigt. Dazu ist eine Betrachtung erforderlich, die sich auf den reinen Willen (den aus sich selbst bestimmten Willen) bezieht. Die Bestimmung des reinen Willens muß gesetzesförmig sein, unabhängig von äußeren oder inhaltlichen, auf Neigungen/Begierden/empirischen Interessen beruhenden Beweggründen. Für die Form der Gesetzlichkeit stellt Kant den kategorischen Imperativ als Regel des unbedingten Sollens auf. Das Gute beim guten Willen besteht darin, sich nach ihm zu richten und daher den Maximen (subjektiven Grundsätzen) zu folgen, die als Teil einer allgemeinen Gesetzgebung der Vernunft gedacht und gewollt werden können.

Beispiele

Naturgaben:

Verstand (ein Talent des Geistes) kann dazu eingesetzt werden, sich einen raffinierten Betrug auszudenken und ihn durchzuführen, heutzutage beispielsweise auch technischen Mitteln über das Internet.

Mut (eine Eigenschaft des Temperaments) kann dazu dienen, gewalttätige Übergriffe durchzuführen, ohne vor möglicher Gegenwehr, Vergeltung und Strafe zurückzuschrecken, odder einen Raubmord zu begehen.

Glücksgaben:

Macht kann dazu missbraucht werden, sich selbst zu bereichern, Menschen, die jemand nicht mag, ein Unrecht anzutun oder Umweltschädigung wegen kurzfristiger Vorteile für sich selbst oder eine nahestehende Gruppe zu begünstigen.

Reichtum kann zur Bestechung eingesetzt werden, um etwas Unrechtmäßig und Unerlaubtes durchzusetzen.

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Attila der Hunnenkönig (Sign of the pagan; USA 1954) Die Hunnen greifen Konstantinopel an, in dem Kaiser Theodosius II. Herrscht. Dieser wird wegen Schwäche und Feigheit gestürzt. Pulcheria, die Schwester des Kaisers wird Kaiserin und heiratet den Offizier Markian, der den Angriff der Hunnen gestoppt hat.

Teodora (Italien; 1919)

Theodora, Kaiserin von Byzanz (Teodora, imperatrice di Bisanzio; Italien/Frankreich, 1954)

Kampf um Rom (La guerra per Roma, Deutschland/Italien/Rumänien, 1968) Das Kaiserpaar Justinian und Theodroa und die Feldherren Belisar und Narses spielen eine wichtige Rolle.

Die ursprünglichen Rus (Rus iznachalnaya; Sowjetunion 1986) Die Anten (Vorfahren von Ostslawen) kämpfen im 6. Jahrhundert gegen das Byzantinische Reich unter der Herrschaft vonJustinian und Theodora sowie gegen das Nomadenvolk der Awaren.

Khan Asparuch (Teil 1: Die byzantinische Geisel; Teil 2: Die Spur des Todes; Teil 3: Chronik des großen Krieges) (Khan Asparuh; Bulgarien, 1981) Asparuch ist ein Anführer von Protobulgaren, weicht vor den Chasaren zurück, verbündet sich mit slawischen Stämmen und bringt infolge von Siegen das Byzantinische Reich unter Kaiser Konstantin IV. in einem Friedensvertrag 681 dazu, jährlichen Tribut zu zahlen und ihn als Herrscher eines Großbulgarischen reiches anzuerkennen.

Die letzten Tage von Byzanz (L'agonie de Byzance; Frankreich, 1913)

The Conquest of Istanbul (Istanbul’un fethi; Türkei, 1954)

Die Eroberung von Konstantinopel (Fetih 1453; Türkei 1453)

Hürrem Sultan (Türkei, Fernsehminiserie 2003) Die Hauptperson ist als Roxelane bekannt.

Das osmanische Imperium – Harem: Der Weg zur Macht (Muhteşem Yüzyıl [Das prächtige Jahrhundert]; Türkei Fernsehserie 2011 – 201

The Fall of an Empire – Lessons of Byzantinum 2008

"The Primordial Rus", 1986 er Film erzählt vom Leben der Anten, den Vorfahren von Ostslawen, im 6. Jahrhundert und ihr Kampf gegen das Byzantinische Reich unter der Herrschaft von Justinian und Theodora sowie gegen das Nomadenvolk der Awaren.

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Für die Fragen sind Hilfen beigefügt: Karten (in dem einen Fall geht es um abgetrennte bzw. nach Abstimmung abgetretene Gebiete, in dem anderen Fall um Staaten in Mittel- und Osteuropa 1920, wobei mit einer Karte zu der vorherigen Zeit verglichen werden könnte) und Wörter zum Einsetzen in die Lücken

1) Gebiete, die Deutschland durch den Friedensvertrag von Versailles (1919 unterzeichnet, 1920 in Kraft getreten) direkt (Abtrennung) oder indirekt (nach Abstimmung abgetreten) verlor:

  • Eupen-Malmedy
  • Elsass (Elsaß-Lothringen)
  • Nordschleswig
  • Hultschiner Ländchen
  • Oberschlesien (teilweise, östliche Gebiete)
  • Westpreußen und Posen
  • Danzig (wurde „Freie Stadt Danzig“ unter Aufsicht des Völkerbundes)
  • Memelland

2) in den Lückentext einsetzen:

Kolonien

Kriegsschäden

Reparationen

Wehrpflicht

Heer

Rheinufer

Franzosen

3) entstandene Staaten in Europa um 1920:

Einige vorherige Gebiete des Russischen Reiches wurden unabhängig. Österreich-Ungarn (vorher eine Monarchie mit Herrschern aus der Familie Habsburg) wurde teils in mehrere Staaten geteilt, teils kam Gebiet an Nachbarstaaten.

  • Finnland
  • Estland
  • Lettland
  • Litauen
  • Polen
  • Freie Stadt Danzig
  • Tschechoslowakei
  • Jugoslawien (Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen; vor dem Ersten Weltkrieg gab es die Staaten Serbien und Montenegro; Staatsbezeichnung 1929 geändert zu Königreich Jugoslawien)

In gewisser Weise sind auch Österreich und Ungarn neue Staaten nach dem Ersten Weltkrieg, weil sie vorher zum dem Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn gehörten.

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