Vermeidbarkeit des Krieges

Auch bei dem tatsächlich geschehenen Auszug einer Gruppe von Helvetiern ist ein Krieg zwischen Römern und Helvetiern vermeidbar gewesen.

Der Krieg wird auf jeden Fall erst durch Caesars Reaktion auf den Auszug der Helvetier ausgelöst. Seine Darstellung verfolgt den Zweck, sein Vorgehen zu rechtfertigen und gegenüber einem römischen Publikum darzulegen, er habe einen (regel)gerechten Krieg (lateinisch: bellum iustum) geführt.

Gaius Iulius Caesar hat offenbar gezielt eine Auseinandersetzung gesucht, um mit einem gewonnenen Krieg, Eroberungen und Beute etwas leisten zu können und seine politische Stellung zu sichern und auszubauen. Der Helvetierkrieg hätte vermieden werden können, wenn Caesar den Durchzug durch eine kleine Strecke im Gebiet der römischen Provinz erlaubt hätte oder bei dem anderen Weg völlig außerhalb der römischen Provinz nicht eingegriffen hätte.

Caesar hätte ohne den Wanderauszug der Helvetier andere Gelegenheiten zu nutzen versucht, um als römischer Staathalter eine siegreiche kriegerische Auseinandersetzung zu führen.

Zu dem Helvetierkrieg (lateinisch: Bellum Helveticum) ist die Darstellung bei Gaius Iulius Caesar die Hauptquelle. Andere antike literarische Quellen beruhen allem Anschein nach darauf, ohne darüber hinausgehende Informationen. Archäologische Funde sind davon unabhängig, aus ihnen können aber kaum Rückschlüsse gezogen werden, was genau den Krieg ausgelöst hat. Es gibt keine Überlieferung, die das Geschehen vom Standpunkt des Fürsten Orgetorix bzw. der Helvetier darstellt. Was Caesar erzählt, ist parteisch. Denn er hatte ein Interesse an einer für ihn selbst erfolgreichen militärischen Auseinandersetzung. Eine Deutung ist möglich, Caesar habe den Zug der Helvetier als Vorwand zu einem Eingreifen in das bisher nicht römisch beherrschte Gallien genutzt. Er bietet eine Darstellung seiner eigenen Tätigkeit als römischer Statthalter, möchte seine Handlungen als gerechtfertigt erscheinen lassen und unterstellt Orgetorix bzw. den Helvetiern weitreichende und sehr bedrohliche Absichten. Es ist sehr zweifelhaft, ob Caesars Darstellung tatsächlich wahr ist.

Der Krieg ist durch eine bestimmte Art der Reaktion Caesars auf einen Wanderauszug der Helvetier ausgelöst worden.

Gaius Iulius Caesar war 60 v. Chr. mit Gnaeus Pompeius und Marcus Licinius Crassus einen Dreibund (oft als erstes Triumvirat bezeichnet, auch wenn dies kein amtliches Kollegium von triumviri war, sondern nur ein inoffizielles Bündnis, eine Zusammenarbeit aufgrund von Absprachen, ein politisches Zusammengehen [ein lateinischer Ausdruck für so etwas ist coitio]).), eingegangen. 59 v. Chr. war Caesar Konsul (consul).

Durch ein von einem Volkstribunen eingebrachtes und vom Volk beschlossenes Gesetz (Lex Vatinia) wurde er Prokonsul (proconsul) Statthalter der Provinzen Gallia Cisalpina und Illyricum. Díes wurde er für etwas mehr als 5 Jahre (voraussichtlich konnte Caesar seine Befehlsgewalt bis mindestens Ende 53 v. Chr. behalten). Nachdem im April 59 v. Chr. ein Statthalter unerwartet gestorben war, bekam Caesar vom Senat auf Antrag des Pompeius dessen Provinz Gallia Transalpina (auch Gallia Narbonensis genannt) hinzugefügt (dies war allerdings jährlich zu bestätigen).

Als Konsul im Jahr 59 v. Chr. hatte Caesar sich mehrfach auf harte Weise durchgesetzt und Gegnern von ihnen als demütigend empfundene Niederlagen zugefügt. Er hatte beachtliche Gegner unter den Optimaten (Anhänger einer auf den Senat gestützten Politik mit einer Vorherrschaft der Nobilität, der Spitzengruppe der politischen Führungsschicht), die ihn anklagen und wegen Gewaltmaßnahmen verurteilen wollten. Caesar drohte das Exil und das Ende seiner politische Karriere, wenn es ihm nicht gelang, eine hervorragende politische Position einzunehmen (als Privatmann konnte er angeklagt werden, solange er in ein politisches Amt ausübte, nicht).

Nach Wertmaßstäben der römischen Gesellschaft brachten insbesondere bedeutende militärische Leistungen Ansehen/Ehre/Würde/Prestige (lateinisch: dignitas) und Autorität (lateinisch: auctoritas). Erfolgreiche militärische Unternehmungen boten zusätzlich auch Chance auf finanziellen Gewinn, der Caesar Machtmittel vergrößern konnte.

Diese Umständ legen nahe: Gaius Iulius Caesar suchte eine günstige Gelegenheit zu einem Konflikt, bei dem er in einem größeren Krieg Erfolge erzielen konnte.

Caesar selbst nennt als Gründe:

  • Erinnerung an eine Schlacht (107 v. Chr.), bei der Helvetier den Konsul Lucius Cassius Longinus töteten, ein römisches Heer schlugen und es unter ein Joch schickten (Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 1, 7, 4)
  • eigene Überzeugung, die Helvetier würden als ein Volk mit den Römern feindseliger Gesinnung bei einem Weg durch römisches Provinz Unrecht und Übeltat begehen (Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 1, 7, 5)
  • Gefahr, die durch die Helvetier als kriegerisches Volk und den Römern feindseliges Volk entstehen würde, wenn sie Grenznachbarn der römischen Provinz würden (Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 1, 10, 2)
  • Verwüstungen, Fortschleppung von Kindern in die Sklaverei, Eroberungen fester Plätze durch die Helvetier im Gebiet der Haeduer, Ambarrer, Allobroger und Hilferufe dieser gallischen Stämme an Caesar, wobei die Gesandten der Haeduer daran erinnern, die Haeduer hätten sich um das römische Volk verdient gemacht (Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 1, 11)

Nach Caesars Darstellung haben die Helvetier 61 v. Chr. die Auswanderung ihres ganzen Volkes beschlossen und versuchten dies 58 v. Chr. durchzuführen. Archäologische Ergebnisse bestätigen dieses Ausmaß, also ein völliges Verlassen des bisherigen Siedlungsgebiets durch alle Helvetier, nicht. Es gibt keine Spuren für ein umfangreiches Niederbrennen und Aufgeben von Siedlungen im Gebiet der Helvetier.

Als Gründe des Auszugs der Helvetier nennt Caesar (Commentarii de Bello Gallico 1, 2) Überredung durch vornehme Herkunft und Reichtum herausragenden Aristokraten Orgetorix, der den Helvetiern ein Gewinnen der Herrschaft über ganz Gallien in Aussicht gestellt habe, und ihre Meinung ihre Gebiet sei im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungsanzahl, ihrem Kriegsruhm und ihrer Tapferkeit zu beschränkt. Der Tod des Orgetorix ändert an der Absicht nichts (Cassius Dio 38, 31,3 schildert den Auszug sogar, als ob er unter Führung des Orgetorix stattgefunden hat): Orgetorix wird von Caesar unterstellt, in einem Bündnis mit dem Häduer Dumnorix und dem Sequaner Casticus jeweils die Königsherrschaft in ihrem Stamm und zusammen die Herrschaft über ganz Gallien angestrebt zu haben. Orgetorix wurde von politischen Gegnern bei den Helvetiern mit dem Vorwurf auf eine Königsherrschaft zielender Umsturzpläne angeklagt. Beim dem Gerichtsverfahren entzog er nach Caesars Darstellung sich mit Hilfe von etwa 10000 Anhängern/Gefolgsleuten (clientes) einer Verurteilung. Die Amtsinhaber des Stammes boten bewaffnete Truppen auf, Orgetorix starb. Wie die Helvetier meinten, sei der Verdacht nicht fernliegend, Orgetorix habe sich selbst getötet (Caesar, Commentarii de Bello Gallico 1, 4). Orosius 6,7,4 erzählt, Aristokraten (optimates) hätten Orgetorix ergriffen und zum Tod genötigt.

Caesar schildert die Helvetier als wild und kriegerisch, von den Römern feindseliger Gesinnung. Nach seiner Darstellung wollten sie zuerst einen Weg durch römisches Provinzgebiet einschlagen, aber Caesar ließ eine Brücke über die Rhône abreißen. Gesandte der Helvetier, die um Einwilligung zu einem Durchzug baten, hielt er zunächst mit dem Nehmen von Bedenkzeit hin, um Zeit zu gewinnen, alle seine Soldaten zusammenzubringen, und ließ den Weg mit Befestigungen versperren. Dann lehnte Caesar einen Durchzug durch die römische Provinz ab. Die Helvetier hätten einen erfolglosen Versuch unternommen, die Sperrlinie am Fluß zu durchbrechen.

Daraufhin hätten die Hevetier den Weg durch das Gebiet der Sequaner gewählt und der Häduer Dumnorix hätte von ihnen den Auftrag übernommen, eine Durchzugserlaubnis zu erreichen, und die Stämme dazu gebracht, einander Geiseln zu stellen (die Sequaner dafür, den Durchgang nicht zu verwehren, die Helvetier dafür, ohne böswillige Schädigung und Gewalttätigkeit durchzuziehen (Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 1, 9).

Caesar stellt das Unternehmen als für die römische Provinz gefährlich bedrohlich, da die Helvetier in das Gebiet der Santonen, die nicht weit weg von den Tolosaten wohnten, einem Stamm der römischen Provinz, zögen und damit kriegerische Menschen, Feinde des römischen Volkes, Nachbarn der offenstehenden und getreidereichen Gegenden sein würden (Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 10, 1 – 2). Caesar nutzt anscheinend schwache geographische Kenntnisse einer römischen Leserschaft aus. Denn tatsächlich betrug die Entfernung, die angeblich nicht weit weg war, rund 200 Kilometer.

Nach Caesars Darstellung hat er Bitten um Hilfe gegen die Helvetier von Gesandten der Häduer erhalten, deren Felder verwüstet, deren Kinder in die Sklaverei fortgeführt und deren Städte erobert würden, gleichzeitig hätten Ambarrer Freunde und Stammesverwandte der Häduer gemeldet, ihre Felder seien verwüstet und sie könnten den Ansturm der Helvetier kaum noch von ihren Städten abwehren und die Allobroger hätten Zuflucht bei Caesar gesucht und berichtet, außer dem Grund und Boden ihrer Felder sei nicht mehr übrig (Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 1, 11).

Die Häduer hätten sich darauf berufen, sich jederzeit um das römische Volks verdient gemacht zu haben, und Caesar erwähnt später, die Häduer seien vom römischen Senat oft Brüder und Blutsverwandte (fratres consanguineosque) genannt worden (Commentarii de Bello Gallico 1, 33, 2). Ein Eingreifen außerhalb der Provinz erscheint so als Hilfe für Freunde und Bundesgenossen berechtigt. Römerfreundliche Häduer, besonders Diviciacus, sind also insofern an der Auslösung des Helvetischen Krieges beteiligt, als sie mit Hilfsersuchen Caesar einen Rechtfertigungsgrund geben.

Bei einem Durchzug von Menschenmassen sind einige Reibereien und Abnahme von Lebensmittelvorräten möglich. Die behaupteten schweren bösartigen Übergriffe mit kriegerischem Angriff sind in ihrem Wahrheitsgehalt aber sehr zweifelhaft. So ist angeblich den Allobrogern nut der Boden ihres Landes übriggeblieben (Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 1, 11, 5), aber Caesar befiehlt bald danach den Allobrogern, den von Hunger bedrohren Überlebneden des Helvetierauszuges Getreide zu geben (Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 1, 28 3). Dies Äußerungen über Übergriffe könnten von römerfreundlichen Galliern wie Diviciacus wunschgemäß gelieferte Berichte sein, die maßlos übertreiben, verzerren und entstellen, sogar falsche Darstellungen geben. Caesar benötigte einen handfesten Vorwand. Als die Helvetier die Saône überqueren, überfällt Caesar die Nachhut, etwa ein Viertel der Helvetier und in Großteil von ihnen wird getötet (Gaius Iulius Caesar Commentarii de Bello Gallico 1, 12, 2 -3).

In einem Gespräch mit helvetischen Gesandten, die sich bei friedlicher Behandlung bereit zeigen, sich an einer von Caesar festsetzten Stelle anzusiedeln, verlangt Caesar für einen Frieden von den Helvetiern, Geiseln zu stellen und die den Häduern und ihren Verbündeten und den Allobrogern Entschädigung zu leisten (Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 1, 13 – 14). Eine Einigung kommt so nicht zustande und als die Helvetier aufbrechen, verfolgt Caesar sie.

Ursachen des Helvetierauszuges

Die Ursachen sind nicht sicher bekannt.

Ob der Zug wirklich sehr weit nach Westen, in das Gebiet der Santonen, führen sollte, ist gar nicht sicher. Was über vorausgehende Gespäche mit Stämmen in Gallien und den tatsächlichen Weg, den der Helvetierauszug eingeschlagen hat, bekannt ist, spricht eher dagegen.

Die genauen Gründe für die Wanderungsbewegung einer Gruppe der Helvetier, denen sich aus aus benachbarten Stämmen, den Raurakern, Latobrigern /Latobiken, Tuligern und Boiern, Leute anschlossen, lassen sich mangels Quellen kaum sicher angeben. Es gibt verschiedene Vermutungen:

  • Druck rechtsrheinischer Germanen (Hinweise auf so etwas sind enthalten bei Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 1, 1, 4; 1, 40, 7; vgl. 1, 28, 4)
  • Auswanderungsabsicht in ein Land mit angenehmen Klima und Fruchtbarkeit für Getreideanbau (Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 1, 10 berichtet, er habe eine Mitteilung bekommen, die Helvetier wollten in das Gebiet der Santonen, an der Atklantikküste, eine getreidereiche Gegend, ziehen, doch fehlen dafür deutliche Anzeichen)
  • Hoffnung auf Gewinn und Beute
  • Unternehmung gegen Ariovist und seine Germanen
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Gottesgnadentum

Ein besonderes Naheverhältnis ausschließlich von Monarchen zu einem Gott ist nicht nachweisbar und nicht einleuchtend. Es gibt dafür keine vernünftige Begründung und keine Bestätigung durch Erfahrung. Es haben nicht alle Monarchen gut und kein Monarch schlecht gehandelt und Gelingen und Wohlergehen hat es auch weder für alle Monarchen noch unter Leitung aller Monarchen gegeben. Nach christlicher Vorstellung sind die Menschen Ebenbild Gottes und insofern alle Menschen vor Gott gleich.

Abbildung einer natürlichen und gerechten Weltordnung

Die angeblich »natürliche« Weltordnung und ihre Abbildung durch eine Monarchie sind keine nachgewiesenen Wahrheiten und keine unveränderbaren Gegebenheiten der Natur. Was in der Wirklichkeit besteht, ist aus politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen hervorgegangen und veränderlich. Die Monarchie entspricht einer natürlichen Ordnung grundsätzlich nicht mehr als andere Staatsformen. Der Mensch ist seiner Natur/seinem Wesen nach ein auf eine politische Gemeinschaft ausgerichtetes Lebewesen und die Herrschaft eines einzelnen Menschen im Staat ist nicht die einzige Möglichkeit, das Zusammenleben in einem Staat in einer zweckmäßigen Ordnung einzurichten. Die Menschen verfügen zumindest gewöhnlich über Sprache und ein gewisses Ausmaß an Vernunft/vernünftiger Überlegung. Sprache kann dazu dienen, das Nützliche und Schädliche und daher auch das Gerechte und Ungerechte darzulegen. Menschen haben ein Empfinden für gut und schlecht, gerecht und ungerecht und Ähnliches. Die Berechtigung einer staatlichen Macht liegt darin, zu etwas Gutem zu dienen, also gute Ziele anzustreben und Nutzen zu erbringen. Die Politik sollte sich auf das Allgemeinwohl richten, also alle Bürger(innen) berücksichtigen. Es ist daher falsch, wenn ein Staat dazu verwendet wird, einem einzigen Menschen uneingeschränkte Macht über alle anderen Menschen im Staat zu geben und ihm eine völlig über den anderen stehende Stellung zu geben. Es ist nicht gerecht, wenn Ansprüche aller anderen Menschen unbeachtet bleiben. Das politische System sollte für das Volk zustimmungsfähig sein.

Wenn zu einem Zeitpunkt etwas verbreitet ist, bedeutet dies nicht unbedingt, dass es natürlich und richtig ist. Aus der bloßen Tatsache, daß etwas in der Natur oder der Gesellschaft existitiert, ist keine Ableitung berechtigt, dass dies auch gut ist und sein soll. Eine solche Ableitung wäre ein Sein-Sollens-Fehlschluss.

Tradition und Modell väterlicher Autorität mit fürsorglicher Güte

Vernunft ist ein höherer Maßstab als Üblichkeit oder Alter.

Tradition ist Überlieferung, Herkommen, Gewohnheit, aber wenn etwas längere Zeit üblich gewesen bzw. verbreitet ist, bedeutet dies nicht unbedingt, dass es gut ist und nicht verändert werden darf. Königsherrschaft ist nicht natürlicher als andere Staatsformen. Es ist nicht gewährleistet, ob sie mit fürsorglicher Güte ausgeübt wird, und in anderen Herrschaftsformen ist fürsorgliche Güte bei Personen in einer leitenden Stellung auch denkbar. Genese (Entstehung) und Geltung als legitim müssen unterscheiden werden. Was es früher als etwas anderes gegeben hat, ist nicht etwas, das immer größere Berechtigung hat. Zudem ist über eine sehr alte Zeit vor dem Gebrauch von Schrift sehr viel unbekannt.

Politische Herrschaft ist etwas anderes Leitung in der Familie als Familienvater und Herr. Eine politische Gemeinschaft besteht anders als bei despotischer Herrrschaft unter grundsätzlich Freien und Gleichen. Es ist nicht gerechtfertigt, alle anderen als den Monarchen als unmündig zu behandeln und sie zu rechtlosen Untertanen herabzugedrücken. Menschen haben Grundrechte (Menschen- und Bürgerrechte) als Naturrecht, das aus der Natur des Menschen einer Rechtsetzung durch einen Staats vorausgeht und für die Vernunft erkennbar ist. Sogar in der Familie sind mehr partnerschaftliche Verhältnisse denkbar und die Kinder sollen nicht unmündig bleiben.

Stabilität

Was dauerhaft ist und Stabilität gibt, hängt von Umständen ab.

Nicht jede Monarchie ist stabil gewesen. Die athenische Demokratie und die römische Republik sind Beispiele für verhältnismäig stabile nicht-monarchische Ordnungen über längerer Zeit.

Bei einem einzigen Oberhaupt gibt es zwar an der Spitze nur die Meinung eine Person, aber wenn nicht eine Mitsprache und Mitbestimmung anderer berücksichtigt wird, gibt es weniger durch Einbindung geschaffenene Einheit und die Gefahr von Willkür und Schwankungen aufgrund der Anhängigkeit von einer einzigen Person ist größer. Es ist gefährlich, wenn ein Machthaber uneingeschränkt und ohne Kontrolle herrscht. Römische Kaiser wie Caligula, Nero oder Commodus zeigen dies. Wenn ein Monarch nach Bossuets Standpunkt fast unumschränkte Machtbefugnis hat, keine Rechenschaft ablegen muss und die Untertanen ihm unbedingten Gehorsam schuldig sind mit Ausnahme eines Gebotes, das gegen Gott ist, un der Monarch, wenn er gegen Gesetze verstößt, nicht den Strafen des Gesetzes unterworfen ist, kann niemand im Staat gegen Rechtsverletzungen des Königs mit Maßnahmen einschreiten, die vorgesehenen Strafen vollziehen, und so einen starken Druck zum Handeln im Einklang mit dem Recht ausüben.

überlegene Klugheit und Weitsicht

Eine überlegene Klugheit und Weitsicht der Monarchen ist eine bloße Behauptung und nicht als sicher begründbar. Die Erfahrung zeigt nicht selten gegenteilige Beispiele. Beratung und öffentliche Erörterung sind bessere Grundlagen für kluge und weitsichtige Entscheidungen.

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Zum Aufstand/zur Verschwörung des Kinadon (griechisch: Κινάδων) kann vor allem in Darstellungen der spartanischen Geschichte gesucht werden (Inhaltverzeichnis und Register eines Buches sind eine Hilfe), zur Quellenkritik können Darstellungen zu Xenophon und der griechischen Geschichtsschreibung nützen.

Hinweise (ohne Anspruch auf Vollständigkeit, in Anmerkungen und Bibliographien der genanten werke kann noch mehr gefunden werden):

Ernst Baltrusch, Sparta : Geschichte, Gesellschaft, Kultur. Originalausgabe. 5., durchgesehene Auflage. München : Beck, 2016 (Beck'sche Reihe ; 2083 : C. H. Beck Wissen), S. 104

Hans Rudolf Breitenbach, Xenophon von Athen. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft : RE IX A, 2. Vulcanius  bis Zenius. Stuttgart : Druckenmüller, 1967, Spalte 1569 – 2052 (Spalte 1656–1701: II A 2 (Hellenika))

Paul Cartledge, Sparta and Lakonia : a regional history, 1300 - 362 BC. Second edition first published 2002. Abingdon ; New York : Routledge, 2002, S. 233 – 235 und S. 267 – 269

Giovanna Daverio Rocchi, Xenophon’s portrayal of Sparta in the Hellenika, the Lakedaimonion Politeia and the Agesilaos (trans. Anton Powell). In: Xenophon and Sparta. Edited by Anton Powell and Nicolas Richer. First published. Swansea ; Bristol : The Classical Press of Wales, 2020, S. 109 – 128

Philip Davies, The Cinadon conspiracy as literary narrative and historical source. In: Vassiliki Pothou/Anton Powell (Hg.), Das antike Sparta. 1. Auflage. Stuttgart : Steiner, 2017, S. 221 – 243

César Fornis, La conjura de Cinadón: ¿paradigma de resistencia de los dependientes lacedemonios? In: Studia historica historia antigua 25 (2007), S. 103 - 115

Dustin Gish, Spartan justice: the conspiracy of Kinadon in Xenophon’s Hellenika: In: The Political Thought of Xenophon. Edited by Dustin Gish/ Wayne Ambler. Exeter : Imprint Academic, 2009 (Polis ; 26.2009, 2), S. 339 – 369

Martin Jehne, Die Funktion des Berichts über die Kinadon-Verschwörung in Xenophons Hellenika. In: Hermes 123 (1995), S. 166 – 174

John Francis Lazenby, The conspiracy of Kinadon reconsidered. In: Athenaeum 85 (1997), S. 437 –447

Otto Lendle, Einführung in die griechische Geschichtsschreibung : von Hekataios bis Zosimos. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1992 (Die Altertumswissenschaft), S. 112 – 113

Klaus Meister, Die griechische Geschichtsschreibung : von den Anfängen bis zum Ende des Hellenismus. Stuttgart ; Berlin ; Köln : Kohlhammer, 1990, S. 70 - 76

Rainer Nickel, Xenophon. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1979 (Erträge der Forschung ; Band 111), S. 44 - 51

Rainer Nickel, Xenophon : Leben und Werk Marburg : Tectum Verlag, 2016 (Tectum Fachbuch), S. 67 – 81

Françoise Ruzé, The Empire of the Spartans (404 – 371) (Translated by Anton Powell). In: A Companion to Sparta. Volume I. Edited by Anton Powell. Hoboken : Wiley Blackwell, 2018, S. 320 – 353

Franco Sartori, Il ,pragma' di Cinadone: In: Stuttgarter Kolloquium zur Historischen Geographie des Altertums 2, 1984 und 3, 1987. Herausgegeben von Eckart Olshausen und Holger Sonnabend. Bonn : Habelt, 1991 (Geographica historica ; Band 5). S. 487 – 514

Carlo Scardino, Xenophon von Athen. Handbuch der griechischen Literatur der Antike. Herausgegeben von Bernhard Zimmermann und Antonios Rengakos. Band 2: Die Literatur der klassischen und hellenistischen Zeit. Herausgegeben von Bernhard Zimmermann und Antonios Rengakos. Redaktion des Bandes: Martina Enzinger (federführend); Franziska Eickhoff, Benjamin Harter, Anne Schlichtmann. 1. Auflage. München : Beck, 2014, S. 623 - 631

Lukas Thommen, Sparta : Verfassungs- und Sozialgeschichte einer griechischen Polis. 2., erweiterte Auflage. Stuttgart : Metzler, 2017, S. 94, S. 97, S. 126 und S. 127

Karl-Wilhelm Welwei, Kinadon. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Band 6: Iul - Lee. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1999, Spalte 463

Karl-Wilhelm Welwei, Sparta : Aufstieg und Niedergang einer antiken Großmacht. 2., durchgesehene Auflage. Stuttgart : Klett-Cotta, 2007, S. 58, S. 78, S. 129, S. 208 – 209, S. 279 – 281, S. 315, S. 317, S. 323, S. 375 Anm. 12, S. 390 Anm. 35 und S. 391 Anm. 36

Michael Whitby, Two shadows: images of Spartans and helots. In: The Shadow of Sparta. Edited by Anton Powell and Stephen Hodkinson. London : Routledge for the Classical Press of Wales, 1994, S. 87 – 126

Carsten Bernd Zimmermann, Der vertraute Feind : Spartaner und Heloten. 1. Auflage: Duisburg : Wellem Verlag, 2019 (Syssitia : Studien zur Geschichte und Kultur Spartas und zur Sparta-Rezeption ; Band 3), S. 105 - 116

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Ja, Leibniz vertritt den Standpunkt einer Existenz angeborener/eingeborener Ideen (lateinisch: ideae innatae; französisch: idées innées). Er meint an der Textstelle, es könne nicht gut bestritten/geleugnet werden, dass es im menschlichen Geist angeborene Idee gebe.

Gottfried Wilhelm Leibniz, Nouveaux Essais sur L’entendement humain (1704; Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand), liefert in dem anschließenden Satz der Vorrede eine ergänzende Begründung dafür, zu sagen, dass diese Ideen und alles, was von ihnen abhängt, den Menschen eingeboren sind.

Leibniz hat gegen die Auffassung Stellung bezogen, der menschliche Verstand sei ursprünglich wie eine tabua rasa (eine abgeschabte Tafel, ein leeres und zur Aufnahme bereites unbeschriebenes Blatt). Ein erkenntnistheoretischer bloßer Empirismus (z. B. John Locke) hatte behauptet, im menschlichen Verstand sei urprünglich nichts enthalten und erst durch Erfahrung mittels der Sinne komme etwas hinein. Leibniz erklärt dazu entgegengesetzt, es gebe im menschlichen Verstand etwas Angeborenes, das der Erfahrung vorausliegt.

John Locke, An essay concerning humane understanding (1689/1690; „Ein Versuch über den menschlichen Verstand“) vertritt in der Erkenntnistheorie einen Empirismus.

Bei der Entstehung von Erkenntnissen sind nach seiner Auffassung grundlegend beteiligt:

  • Sinneseindrücke
  • Verarbeitung der bloßen Eindrücke durch eine aktive, Sinneseindrücke ordnende und bestimmte Vorstellungen erzeugende Fähigkeit, deren Wirksamkeit beobachtet werden kann

John Locke führt das Entstehen von Erkenntnissen auf Erfahrung zurück, nämlich auf Sinneswahrnehmung (äußere Erfahrung) und Wahrnehmung der Tätigkeiten/Operationen des Geistes/des Verstandes bei deren Verarbeitung (innere Erfahrung): Äußere Erfahrung beruht auf Sinnesempfindung (englisch: sensation) und innere Erfahrung auf Selbstbeobachtung (englisch: reflection). Als Selbstbeobachtung englisch: (reflection) bezeichnet Locke nicht nur das Nachdenken über geistige Tätigkeiten/Tätigkeiten des Verstandes, sondern schon das bloße Bewußtsein von ihnen, und nicht nur die Wahrnehmung von Tätigkeiten, sondern auch die Wahrnehmung von Zuständen, die solche Tätigkeiten begleiten.

Gottfried Wilhelm Leibniz erläutert seine Auffassung über angeborene Ideen. Sie sind nicht immer bewusst und fertig ausgebildet. Er nennt einen Vergleich mit einem Stück Marmor mit Adern im Gestein, durch die der Möglichkeit nach die Gestalt des Herkules angelegt ist, zur Schaffung einer Herkules-Figur diese aber noch aus dem Marmor auszuarbeiten ist. Leibniz, versteht also die angeborenen Ideen nicht als von Anfang an fertig ausgebildete Erkenntnisse, sondern potentielle (mögliche) Erkenntnisse.  

Gottfried Wilhelm Leibniz, Philosophische Werke : in vier Bänden. In der Zusammenstellung von Ernst Cassirer. Band 3: Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand. Übersetzt, mit Einleitung und Anmerrkungen versehen von Ernst Cassirer. Neuausgabe. Hamburg : Meiner, 1996 (Philosophische Bibliothek ; Band 498), S. 7 – 8:

„Nun ist aber die Reflexion nichts anderes als die Aufmerksamkeit auf das, was in uns ist; und die Sinne geben uns das nicht, was wir schon in uns tragen. Ist dies so, kann man dann leugnen, daß es in unserem Geiste viel Angeborenes gebe, weil wir sozusagen uns selbst angeboren sind, und daß es in uns Sein, Einheit, Substanz, Dauer, Veränderung, Tätigkeit, Vorstellung, Lust und tausend andere Gegenstände unserer intellektuellen Ideen gibt? Da diese Gegenstände unmittelbar zu unserem Verstande gehören und ihm stets gegenwärtig sind (obgleich wir uns infolge mannigfacher Bedürfnisse, die uns ablenken, ihrer nicht immer bewußt sind), so kann man sich nicht wundern, wenn wir sagen, daß diese Ideen und alles, was von ihnen abhängt, uns eingeboren ist. Daher habe ich lieber den Vergleich mit einem Stück Marmor gebraucht, das Adern hat, als den mit einem ganz einartigen Marmorstücke oder einer leeren Tafel, wie sie die Philosophen unter ihrer tabula rasa verstehen. Denn wenn die Seele dieser leeren Tafel gliche, so würden die Wahrheiten in uns enthalten sein, wie die Figur des Herkules im Marmor, vorausgesetzt, daß dieses Stück Marmor vollständig gleichgültig dagegen ist, ob es diese oder irgendeine andere Gestalt erhält. Gäbe es aber in dem Stein Adern, welche die Gestalt des Herkules eher als irgendeine andere Gestalt anzeigten, so würde dieser Stein dazu mehr angelegt sein, und Herkules wäre ihm in gewissem Sinne wie eingeboren, wenn auch Arbeit nötig wäre, um diese Adern zu entdecken und sie durch Politur zu säubern, indem man alles entfernen würde, was sie daran hinderte, deutlich hervorzutreten. In dieser Weise sind uns die Ideen und Wahrheiten eingeboren als Neigungen, Anlagen, Fertigkeiten oder natürliche Kräfte, nicht aber als Tätigkeiten, obgleich diese Kräfte immer von gewissen, oft unmerklichen Tätigkeiten, welche ihnen entsprechen, begleitet sind. –“

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Als im 19. Jahrhundert im Unabhängigkeitskrieg gegen das Osmanische Reich ein Staat Griechenland entstanden ist, war die Stätte des antiken Sparta ein schon seit mehreren Jahrhunderten nur noch sehr geringfügig besiedelter Ort mit Ruinen.

Eine der auf die Peloponnes vordringenden dorischen Zuwanderergruppen hat einen sehr starken Staat errichtet, dann zusätzlich zu Lakonien auch noch Messenien erobert und weitere Staaten auf der Peloponnes dazu gebracht, ihm auf der Grundlage von Verträgen als Verbündete Gefolgschaft zu leisten. Zeitweise kamen sogar noch Staaten aus anderen Regionen zu diesem Peloponnesischen Bund hinzu.

Nach der Eroberung Messeniens wurde unterworfene Einheimische zu Staastsklaven. Diese Heloten (griechisch: εἵλωτες, εἱλῶται; Singular: εἵλως, εἱλώτης) waren an das Land gebundene Unfreie. Das gesellschaftliche System, in dem die Heloten zu einem großen Teil die Arbeit für materielle Existenzsicherung leisteten, ermöglichte die Konzentration der spartanischen Vollbürger auf politische und militärische Tätigkeit. Es entstand eine ziemlich starre Ordnung eines Kriegerstaates.

Der spartanische Staat hatte vom späten 7. Jahrhundert bis zum frühen 4. Jahrhundert v. Chr. die Zeit seiner verhältnismäßig größten Macht. Danach kam ein machtpolitischer Niedergang.

Die Ursachen liegen einerseits in strukturellen Problemen der Gesellschaft, andererseits in starken Staaten als Gegenmacht.

Die Anzahl der männlichen Vollbürgern, der Spartiaten (griechisch: Σπαρτιάται), war als Grundlage sehr klein und mit ihrer Abnahme in Kämpfen erwies es sich als kaum möglich, sich über sehr lange Zeit als Weltmacht durchzusetzen.

Der Staat (die Polis [griechisch: πόλις]) der Lakedaimonier (griechisch: Λακεδαιμόνιοι) hatte zur Zeit seiner größten Ausdehnung (in der er sowohl Lakonien als auch Messenien umfaßte) etwa ein Gebiet von 8400 Quadratkilometern. Die Anzahl der Vollbürger, der Spartiaten (griechisch: Σπαρτιᾶται), betrug wohl auch in der Blütezeit nicht mehr als 8000 – 10000. Die antike Stadt Sparta (griechisch: Σπάρτα) hatte wohl in ihrer Blütezeit nicht mehr als höchstens 20000 – 30000 Einwohner.

Der Niedergang der Macht Spartas ist stark durch die demographische Entwicklung der Spartiaten verursacht. Es gab eine Abnahme ihrer Anzahl. Eine Untersuchung der Ursachen könnte durchgeführt werden, z. B. die Naturkatastrophe des Erdbebens 464 v. Chr., Verluste in militärischen Auseiandersetzungen, wirtschaftliche Gründe, Weltanschaung und Mentalität. Besitzunterschiede innerhalb der der spartiatischen Bevölkerung nahmen zu. Das Boden – und Erbrecht bot freie Verfügung über das Land durch Schenkung oder Vererbung. Vollbürgerschaft war an eine ausreichende wirschaftliche Grundlage geknüpft und dies konnte dazu führen, eine sehr starke Erbteilung zu vermeiden, um den Status nicht zu gefährden. Angeblich haben einmal alle die gleiche Menge Land in Form von Landlosen ([griechisch: κλᾶροι; Singular: κλᾶρος) zugeteilt bekommen. Tatsächlich weisen vereinzelte Informationen für spätere Zeiten auf zunehmende Unterschiede zwischen Reichen und Armen hin. Für die täglichen gemeinsamen Mahlzeiten der Männer, Syssitien ([griechisch: συσσίτια) genannt, wohl aus Zeltgemeinschaften bei Feldzügen entstanden, war ein bestimmter Beitrag zu leisten. Eine sehr starre Haltung war wohl ein Hindernis zur Hineinahme anderer Bevölkerungsgruppen in den Kreis der Vollbürger.

Die Lakedaimonier und ihre Verbündeten haben am Ende den Peloponnesischen Krieg (431 – 404 v. Chr.) gewonnen, auch mit Hilfe des Perserreiches, das ihnen mit finanzieller Unterstützung den Aufbau einer Seemacht ermöglichte. Die Lakedaimonier zeigt sich aber als wenig fähig, eine annehmbare dauerhafte Friedensordnung zu praktizieren. Sie hatten das Schlagwort einer Freiheit der Griechen genutzt, verwendeten es aber in der Praxis einseitig, betrieben Unterdrückungsmaßnahmen und verhielten sich oft arrogant, raffgierig und brutal. Sie bekämpften das Perserreich, um ihm nicht die Griechen in Kleinasien zu überlassen, aber nicht lange, weil es für sie zu schwierig war, zugleich gegen das Perserreich und gegen griechische Gegner zu kämpfen. Daher leisteten sie Zugeständnisse an das Perserreich, um von ihm Rückendeckung zu haben.

In der Schlacht von Leuktra 371 v. Chr. erlitten die Lakedaimoner eine schwere Niederlage gegen die Thebaner. Dies war das Ende der spartanischen Hegemonie (Vorherrschaft) in Griechenland. Die Lakedaimoner verloren in der Folge Messenien. Mit der Niederlage in der Schlacht von Mantineia 362 v. Chr. gegen die Thebaner und Verbündete scheiterte ein Versuch einer Wiederherstellung der Hegemonie.

Etwas später begann sich eine Unterlegenheit gegenüber Makedonien, einer aufsteigenden Macht in Griechenland, zu zeigen. König Philipp II. von Makedonien nötigte Sparta 338/337 v. Chr., unmstrittene Grenzgebiete an Argos, Arkadien Megalopolis und Messene abzutreten.

Ein vom spartanischen Känig Agis III. ab 333 v. Chr. angeführter Aufstand während des Alexanderzuges endete mit einer schweren Niederlage gegen ein vom makedonischen Regenten Antipatros angeführtes Heer in der Schlacht von Megalopolis 330 v. Chr., Agis III. und 5300 Lakedaimonier wurden im Kampf getötet.

Unter König Archidamos IV. gab es 295 – 294 V. Chr. spartanische Niederlagen gegen Demetrios Poliorketes bei Mantineia und in Lakonien.

Im Chremonideischen  Krieg (267 – 261 v. Chr.) siegte 265 v. Chr. König Antigonos II. Gonatas von Makedonien in einer Schlacht bei Korinth, wobei der spartanische König Areus I. im Kampf fiel.

Der spartanische König Kleomenes III. erzielte zunächst Erfolge im Kampf gegen den Achaischen Bund, der sich seinen Versuchen einer Machtausdehnung auf der Peloponnes widersetzte. Doch da verbündete sich der Achaische Bund mit König Antigonos III. Doson von Makedonien. In der Schlacht von Sellasia 222 v. Chr. besiegten sie zusammen das Heer des König Kleomenes III. vernichtend, es heißt, von 6000 Lakedaimoniern seien 5800 getötet woirden.

Der Achaische Bund besiegte Sparta 207 v. Chr. und nach wechselnden Auseinandersetzungen wurde Sparta 188 v. Chr. genötigt, sich dem Achaischen Bund anzuschließen, was den Verlust seiner Unabhängigkeit bedeutete.

Später kam Griechenland unter römische Herrschaft und Sparta hatte eine Selbstverwaltung.

Die Westgoten unter Alarich haben 393 n. Chr. Sparta stark zerstört.

zum antiken Sparta:

Karl-Wilhelm Welwei, Sparta : Aufstieg und Niedergang einer antiken Großmacht. 2., durchgesehene Auflage. Stuttgart : Klett-Cotta, 2007, S. 293 - 341

Ernst Baltrusch, Sparta : Geschichte, Gesellschaft, Kultur. Originalausgabe. 4., aktualisierte Auflage. München : Beck, 2010 (Beck'sche Reihe ; 2083 : C. H. Beck Wissen), S. 102 - 115

Im 13. Jahrhundert ist in der Gegend das befestigte Mystras/Mistras (griechisch: Μυστρᾶς/Μιστρᾶς; auch Μυζηθρᾶς [Myzithras]) gegründet worden, das mehr Schutz bot.

Im Unabhängigkeitskrieg gegen das Osmanische Reich ist dieser Ort 1825 weitgehend zerstört worden.

1834 wurde in einer von König Otto I. von Griechenland beschlossenen Neugründung mit Ausweitung zu einer Stadt das moderne Sparta geschaffen.

Hauptstadt von Griechenland ist 1828 Aigina (neugriechisch: Αίγινα, das altgriechische Αἴγινα), Hauptort der gleichnamigen Insel, gewesen, 1828 – 1834 Nafplio (neugriechisch: Ναύπλιο, das altgriechische Ναυπλία), ab 1834 Athen (neugriechisch: Αθήνα; altgriechisch: Ἀθῆναι). Bei den vorläufig gewählten Haupstadtorten spielte eine Rolle, welche Orte zu der Zeit tatsächlich von der Herrschaft des Osmanischen Reiches befreit waren.

Athen war wirtschaftlich und kulturell bedeutend geblieben, wurde in christlicher Zeit Bischofsitz, ist auch nach Rückschlägen eine wichtige Siedlung mit nicht wenigen Einwohnern geblieben, hatte mit Piräus (altgriechisch: Πειραιεύς; neugriechisch: Πειραιάς) einen wichtigen Hafen bei sich.

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Antirealismus ist Verneinung eines Realismus. Antirealismus hat einen dem Realismus entgegengesetzten Standpunkt und vertritt also die Ablehnung der Auffassung des Realismus.

Realismus ist ein vielfältig und unterschiedlich verwendeter Begriff und hat nicht einmal auf dem Gebiet der Philosophie einfach immer die gleiche Bedeutung. Was gemeint ist, ergibt sich erst aus einem näher bestimmten Gesichtspunkt.

Die wichtigsten Bedeutungen (eine semantische Theorie darüber, ob Aussagen - und damit ihre Bedeutung - zu einem Gegenstandsbereich eindeutig wahr oder falsch sind, ist z. B. eine spezielle Unterart eines erkenntnistheoretischen Standpunkts) von Realismus in der Philosophie in der Gegenwart sind:

ontologischer Realismus: Es gibt eine unabhängig vom menschlichen Denken/Bewusstsein existierende Welt/Wirklichkeit (gegensätzliche Auffassungen sind zumindest einige Varianten des radikalen Konstruktivismus und der Solipsismus).

erkenntnistheoretischer Realismus: Die Dinge der Realität sind zumindest in einem gewissen Umfang und bis zu einem gewissen Grad erkennbar; der wissenschaftliche Realismus vertritt die Auffassung, es existiere eine vom menschlichen Denken/Bewusstsein unabhängige Welt/Wirklichkeit und die Bestätigung einer wissenschaftlichen Theorie begründe die Annahme, die Wirklichkeit sei (wenigstens annähernd) so beschaffen, wie von der Theorie ausgesagt (Gegensatz: radikaler Skeptizismus)

Antirealismus bestreitet dies grundsätzlich und verneint also ontologisch die Existenz einer von einem menschlichen Denken/Bewusstsein unabhängigen Welt/Wirklichkeit und erkenntnistheoretisch ihre Erkennbarkeit.

Markus Willaschek, Realismus. In: Metzler Lexikon Philosophie : Begriffe und Definitionen. Herausgegeben von Peter Prechtl und Franz-Peter Burkard. 3., erweiterte und aktualisierte Auflage. Stuttgart ; Weimar: Metzler, 2008, S. 509 – 510 gibt als grundlegende Bedeutungen bei der Vielzahl unterschiedlicher Standpunkte an:

(1) Auffassung, Universalien (z. B. Eigenschaften, Relationen), abstrakte Gegenstände, Zahlen, Propositionen oder kollektive Einzeldinge (Menge, Klassen), existierten als irreduzible (nicht zurückführbare) Bestandteile der Wirklichkeit (Gegensatz: Nominalismus)

(2) Auffassung, die Wirklichkeit sei von subjektiven Leistungen und Fähigkeiten wie Denken, Erkenntnis oder Sprache unabhängig (Gegensatz: Idealismus): Es gebe Dinge, deren Existenz unabhängig davon sei, ob in geistigen Vorgängen wie Denken, Verstehen oder Sprache darauf Bezug genommen wird (bzw. werden kann).

(3) Laut Michael Dummet die sowohl (1) als auch (2) zugrundeliegende gemeinsame These, die Wahrheit einer Aussage und damit auch deren Bedeutung sei von der Möglichkeit ihrer Verifikation und Rechtfertigung unabhängig (Gegensatz: Anti-Realismus): Nach dieser semantischen These sind Aussagen über einen bestimmten Gegenstandsbereich eindeutig wahr oder falsch und zwar unabhängig von unserer Möglichkeit, dies festzustellen.

eine Fassung des Lexikonartikel im Internet:

https://www.spektrum.de/lexikon/philosophie/realismus/1734

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Für eine genaue Untersuchung kommt es auf die gemeinte Zeit ab.

Mit der traditionellen (der Tradition entsprechenden/auf Tradition beruhenden/herkömmlichen) Abstimmung ist eine Abstimmung in den Generalständen (französisch: États généraux) nach Ständen gemeint. Das bedeutete 1 Stimme für den Klerus (französisch: Clergé), 1 Stimme für den Adel (französisch: Noblesse) und 1 Stimme für den Dritten Stand (französisch: Tiers état).

Die Abgeordneten des Dritten Standes haben eine Abstimmung nach Ständen befürchtet, weil sie befürchteten, dabei von den beiden anderen Ständen überstimmt zu werden. Klerus und Adel hätten zusammen 2 Stimmen gehabt, also die Mehrheit, der Dritte Stand nur 1 Stimme.

Die Abgeordneten des Dritten Standes forderten eine Abstimmung nach »Köpfen«, das heißt eine Abstimmung, bei der jeder Abgeordnete in den Generalständen 1 Stimme hat. Die Abgeordneten des Dritten Standes hätten aufgrund der Verdoppelung ihrer Anzahl (600 Abgeordnete des Dritten Standes, jeweils 300 Abgeordnete des Klerus und des Adels) dabei gute Chancen gehabt, bei einer Abstimmung die Mehrheit zu gewinnen. Denn auch in den beiden anderen Stände gab es eine Anzahl Abgeordneter, die Veränderungen befürworten und gegenüber Anliegen des Dritten Standes aufgeschlossen waren.

weitere Forderungen der Abgeordneten des Dritten Standes im Frühling und Sommer 1789:

  • gemeinsame Wahlprüfung (Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Wahl der einzelnen Abgeordneten), keine nach Ständen getrennte Wahlprüfung
  • Schaffung einer Verfassung
  • Erklärung der Abgeordneten des Dritten Standes in den Generalständen am 17. Juni 1789, eine Nationalversammlung zu bilden, und Aufruf an die Vertreter der beiden anderen Stände, sich der Nationalversammlung anzuschließen
  • Abschaffung von Privilegien (Vorrechten)
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Für eine genaue Untersuchung kommt es auf die gemeinte Zeit ab.

König Ludwig XVI. von Frankreich hat am 8. August 1788 beschossen, zum 1. Mai 1789 Generalstände (französisch: États généraux) einzuberufen.

Am 27. Dezember 1788 hat der Kronrat mit Zustimmung des Königs eine Verdoppelung der Anzahl der Abgeordneten des Dritten Standes in den Generalständen zugestanden, die gewählt werden sollen

Vorgesehen waren für den Dritten Stand 600 Abgeordnete, für Klerus und Adel jeweils 300 Abgeordnete.

In einer Thronrede, die am 23. Juni 1789 vor den Generalstände verlesen wurde, akzeptierte der König die Forderung nach Zustimmung der Stände zu Steuern und Anleihen, nach individuellen Freiheitsrechte und Freiheit der Presse und nach Dezentralisierung der Verwaltung und brachte den Wusch nach Zustimmung der privilegieren Stände Klerus und Adel zu steuerliche Gleichbehandlung zum Ausdruck.

Der König befahl, wieder getrennt nach Ständen zu beraten.

Die Abgeordneten des Dritten Standes (französisch: Tiers état) in den Generalständen hatten sich mit großer Mehrheit am 17. Juni 1789 zur Nationalversammlung (Assemblée nationale) erklärt. Die anderen zwei Stände, Klerus (französisch: Clergé) und Adel (französisch: Noblesse), sollten nicht einfach völlig von der politischen Willensbildung ausgeschlossen werden, sondern eine Vertretung der Nation statt von einzelnen Ständen stattfinden. Die Vertreter der anderen Stände wurden von den Abgeordneten des Dritten Standes dazu aufgerufen, sich der Nationalversammlung anzuschließen.

Am 19. Juni 1789 stimmte eine knappe Mehrheit beim Klerus (149 gegen 137) dafür, sich der Nationalversammlung anzuschließen. Beim Adel war es zunächst nur eine Minderheit (80).

Am 20. Juni 1789 legten die Abgeordneten des Dritten Standes sowie eine wenige Abgeordnete des Klerus (am bekanntesten ist von ihnen Henri Grégoire, ein Abbé [katholischer Weltgeistlicher]) einen feierlichen Eid ab, sich nicht zu trennen und nicht auseinanderzugehen, bevor eine Verfassung geschaffen worden sei (Ballhausschwur).

Am 22. Juni wurde in der Kirche St. Louis eine Vereinigung mit der Mehrheit der Geistlichen und mit einer Anzahl Adliger realisiert.

Unter dem Druck der Umstände hat König Ludwig XVI. am 27. Juni 1789 die übrigen Abgeordneten des Ersten und Zweiten Standes aufgefordert, sich der Nationalversammlung anzuschließen, und damit die Nationalversammlung akzeptiert.

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Bismarck hat beim Berliner Kongress 1878 versucht, als »ehrlicher Makler« zu vermitteln und einen für die beteiligten Großmächte akzeptablen Kompromiss zu erreichen. Russland hatte das Osmanische Reich besiegt und es genötigt, im Frieden von San Stefano 1878 weitgehende Forderungen hinzunehmen. Die Ergebnisse waren nicht vorher unter den Großmächten bestimmt worden und am meisten wendete sich Großbritannien dagegen.

In Vorverhandlungen war schon vor dem Berliner Kongress einiges vereinbart worden, wobei das Ausmaß des russischen Einflusses gegenüber dem Frieden von San Stefano 1878 verringert wurde.

Bismarck musste eine gewisser Verstimmung und Unzufriedenheit auf russischer Seite in Kauf nehmen. Russland hatte auf Rückendeckung oder zumindest wohlwollende Neutralität gehofft, um in Grenzfragen noch mehr zu erreichen und die Oberhand zu gewinnen. In der russischen Regierung allem der russische Staatskanzler und Außenminister, Fürst Alexander Gortschakow unzufrieden. Besonders enttäuscht reagierte die runische Öfentlichkeit.

Für das Deutsche Reich war damit eine von Bismarck angestrebte Politik der »freien Hand« kaum noch möglich. Denn Russland stellte das Deutsche Reich bald vor die Alternative, sich entweder mit Russland in eine festen Bündnis zu verbinden und sehr viele russische Wünsche zu unterstützen oder mit Russland zum Gegner zu haben.

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Gladiatoren haben sich auf eine bestimmte Gladiatorengattung/einen bestimmten Gladiatorentyp mit festgelegter Ausrüstung (lateinisch: armatura = Rüstung, Bewaffnung, Waffengattung; Plural: armaturae) spezialisiert.

Ausnahmen, bei denen ein Gladiator (wechselnd oder nacheinander) in verschiedenen Gladiatorengattungen/ Gladiatorentyp gekämpft hat, sind vorgekommen (z. B. Grabinschrift des Gladiators Markianios aus Markianopolis, der als Murmillo und Secutor gekämpft hat, um 200 n, Chr., Supplementum Epigraphicum Graecum [SEG] 46:901; Inschrift in Ravenna auf einem Grabstein des Gladiators Antigonus aus Kampanien, der als Murmillo und Provocator gekämpft hat, Année epigraphique [AE] 1990, 355; Graffito über den Gladiator Samus der als Murmillo und Eques gekämpft hat, in einem Peristylhaus [wird als Gladiatorenkaserne gedeutet] in Pompei, Corpus Inscriptionum Latinarum [CIL] IV 4420; Grabinschrift in Brescia des Gladiators Smaragidus aus Gades [?], , der als Murmillo und Hoplomachus gekämpft hat, Corpus Inscriptionum Latinarum [CIL] IV 2508).

Sachmaßstäbe der Wahl

  • persönliche Eignung: Die Gladiatoren wurden nach mit großer Wahrscheinlichkeit nach persönlicher Eignung (wie Körpergröße und Körperbau [Statur], Kraft, Schnelligkeit, Gewandtheit, Geschicklichkeit) mit Beobachtung der Begabungen/Fähigkeiten und einem Ausprobieren des Kämpfens mit unterschiedlicher Bewaffnung als Test einer Spezialisierung zugeteilt, die nur in seltenen Fällen später noch geändert wurde. Beispielsweise hatte die Ausrüstung bei einem Murmillo, Secator oder Hoplomachus ein verhältnismäßig hohes Gesamtgewicht und dafür war eher ein großer und sehr starker Mann geeignet. Ein Retiarius (Netzkämpfer) benötigte Schnelligkeit und Gewandtheit, weil er mit seiner geringen Schutzbewaffnung einen längeren Nahkampf möglichst vermeiden und eher schnell vorstoßen und sich rasch wieder aus einer Nahdistanz zurückziehen musste, außerdem Geschicklichkeit beim Werfen des Wurfnetzes. Ein Eques (Reiter) musste gut reiten können.
  • Bedarf an Gladiatoren für eine bestimmte Gladiatorengattung/einen bestimmten Gladiatorentyp: Für einen Veranstaltung von Gladiatorenkämpfen gab es eine Erwartung einer spannenden und vielfältigen Massenunterhaltung. Dafür war erwünscht, für alle Gladiatorengattungen/Gladiatorentyp Gladiatoren aufbieten zu können und alle Kampfpaarungen (am meisten die beim Publikum besonders beliebten) abzudecken, z. B. Retiarius gegen Secutor. Daher wurde für jede Gladiatorengattungen/jeden Gladiatorentyp eine ausreichende Anzahl benötigt. Entsprechend war es erforderlich, im benötigten Zahlenverhältnis neue Gladiatoren auszubilden.
  • Herkunft und vorherige Waffenerfahrung von Kriegsgefangenen: In einer frühen Zeit scheinen für Gladiatorengattungen/Gladiatorentyp ähnliche Waffen verwendet worden zu sein, wie sie bei bestimmten Völkern üblich waren. Es hat z. B. die Bezeichnungen Samnes (Samnit; lateinischer Plural: Samnites), Gallus (Gallier; lateinischer Plural: Galli) und Thraex (Thrakier; lateinischer Plural: Thraeces) gegeben. Kriegsgefangenen aus solchen Völkern sind vermutlich in einer frühen Zeit, wenn aus ihnen Gladiatoren gemacht wurden, vor allem solchen Gladiatorengattungen/Gladiatorentyp zugeteilt worden, zu denen sie Waffenerfahrung mitbrachten.

Personen, die wahrscheinlich bei der Wahl mitwirkten

  • Gladiatorenunternehmer/-meister (lanista): Der Gladiatorenunternehmer/-meister (lanista), Leiter einer Gladiatorenschule (ludus gladiatorius) hatte eine wichtige Rolle. Bei Gladiatoren mit Sklavenstatus, die er gekauft hatte, war er auch der Besitzer. Bei verurteilten Verbrechern konnten Staatsvertreter grundsätzlich die Verurteilung entscheiden, der Einsatz für eine bestimmte Gladiatorengattungen/einem Gladiatorentyp wird aber wahrscheinlich den Fachleuten überlassen worden sein.
  • Ausbilder/Trainer: Die Ausbilder (doctores oder magistri genannt; Singular: doctor oder magister) waren Waffengattungen als Spezialisten zugeordnet. Bekannte Namen sind oft typisch für Sklaven. Dies deutet auf Männer, die früher als Gladiatoren tätig waren. Sie leiteten das Training in einer kleinen Arena. Ausbilder/Trainer waren sachkundig und konnten angehende Gladiatoren beim Training gründlich beobachten und sehen, wer beim Ausprobieren in welcher Waffengattung viel Talent zeigte.
  • Gladiator selbst: Es gab auch freiwillige Gladiatoren und ein angehender Gladiator wird wohl allgemein auch darauf geachtet haben, bei welcher Gladiatorengattungen/in welchem Gladiatorentyp er aufgrund von Körpermaßen und Fähigkeiten eher Erfolg haben würde.
  • Besitzer: Der Besitzer konnte Einfluss nehmen. Der Gladiatorenunternehmer/-meister (lanista) war allerdings oft auch der Besitzer und insofern der Besitzer dann keine weitere Person.

Marcus Junkelmann, Gladiatoren : das Spiel mit dem Tod. Mainz am Rhein : von Zabern, 2008, S. 101:

„Im allgemeinen aber war der Wechsel von einer armatura zur anderen oder gar das gleichzeitige Praktizieren mehrerer Fechtarten so ungewöhnlich, wie wenn heutzutage auf Bundesligaebene Torwart, Libero oder Mittelstürmer die Rollen tauschen würden. Gladiatoren wie Fußballer suchten und suchen Spezialisierung nach persönlicher Eignung aus bzw. wurden und werden von ihren Besitzern, Trainern, Managern nach diesem Kriterium ausgewählt. Bevor man ein klares Bild gewann, welche armatura einem angehenden Gladiator am angemessensten war, wird es wohl des öfteren zu versuchsweisem Training in verschiedenen Kampfarten gekommen sein. War aber die Spezialisierung einmal erfolgt, und begann der Gladiator Erfahrung zu sammeln, dann ging er im Normalfall seinen weiteren Weg in ein und derselben Gattung. Dies ergibt sich aus den bekannten Karrieren einzelner Gladiatoren wie aus der ganzen Organisation der ludi.“

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Frankreich war ab dem 21./22. September 1792 eine Republik mit parlamentarischer Demokratie und Volkssouveränität.

Auch wenn für einen längeren Zeitraum keine geltende Verfassung vorhanden war, gab es eine Regierung.

Schon seit dem 10. August 1792 gab es in der Praxis das Prinzip einer provisorischen (vorläufigen) und revolutionären Regierung. Dieses Regierungsprinzip hat noch länger angedauert als bis zum 24. Juni 1793 (am 23. September 1795 ist die Direktoriumsverfassung in Kraft getreten).

Für das Regieren und das Erstellen einer neuen Verfassung waren Parlamentsbeschlüsse wichtige Grundlagen.

Am 10. August 1792 ist König Ludwig XIV. von der Gesetzgebenden Nationalversammlung (französisch: Assemblée nationale législative) bis auf weiteres seines Antes enthoben worden. Die Nationalversammlung hat beschlossen, einen provisorischen Vollzugsrat/vorläufigen Exekutivrat (französisch: Conseil exécutif provisoire) als Regierung einzusetzen und Neuwahlen zu einem Nationalkonvent (französisch: Convention nationale) durchzuführen, der eine Verfassung entwerfen sollte. Am 11. August 1792 wurde ein Wahlrecht für alle französischen Männer ab 21 Jahren mit mindestens einem Jahr Wohnsitz in Frankreich und Lebensunterhalt von eigenem Vermögen oder Einkommen durch Erwerbsarbeit (mit Ausnahme von Dienstboten) beschlossen.

Der Nationalkonvent hat am bei seiner ersten Tagung 21. September 1792 die endgültige Abschaffung des Königtums in Frankreich beschlossen. Am 22. September1792 proklamierte er offiziell die Republik und verfügte, zukünftig Urkunden auf das Jahr I der Franzöischen Republik zu datieren.

Die Regierung lag ab dem 10. August 1792 erst einmal bei dem (provisorischen) Vollzugsrat/(vorläufigen) Exekutivrat (französisch: Conseil exécutif provisoire 10. August – 20. September 1792; Conseil exécutif 21. September – 20. April 1794), bestehend aus 6 von der Nationalversammlung und dann dem neu gewählten Parlament, das Nationalkonvent (französisch: Convention nationale) hieß, gewählten Ministern. Außerdem übten dann Ausschüsse des Nationalkonvents Regierungsgewalt aus.

Eine am 24. Juni 1793 vom Nationalkonvent beschlossene und am 10. August 1793 in einer Volksabstimmung mit großer Mehrheit angenommene neue Verfassung ist nicht in Kraft getreten. Frankreich befand sich durch Krieg und Bürgerkrieg in einer schwierigen Lage. Am 13. August 1793 wurde mit Berufung auf einen Notstand beschlossen, die neue Verfassung erst einmal nicht in Kraft treten zu lassen, sondern vorläufig eine revolutionäre Regierung zu organisieren. Am 10. Oktober 1793 hat der Nationalkonvent beschlossen, die vorläufige Regierung in Frankreich werde bis zum Abschließen eines Friedens revolutionär sein (Le gouvernement provisoire de la France sera révolutionnaire jusqu'à la paix). Durch einen Beschluss des Nationalkonvents vom 4. Dezember 1793 wurden leitende Funktion, Aufsicht und Kontrolle des Wohlfahrtsausschusses verstärkt.

Der am 6. April 1793 eingerichtete Wohlfahrtsausschuss (französisch: Comité de salut public) hatte unter den Ausschüssen, deren Mitglieder der Nationalkonvent aus den eigenen Abgeordneten wählte, am meisten Macht. Er übte praktisch eine Notstandsregierung aus, lenkte den Exekutivrat bis zu dessen Abschaffung am 1. April 1794 und dann die am 20. April 1794 an dessen Stelle getretenen Exekutivkommissionen (französisch: Commissions exécutives), hatte Befugnisse zur Aufsicht und Kontrolle. Der Wohlfahrtsausschuss hatte 12 Mitglieder, die für 1 Monat vom Nationalkonvent gewählt wurden und ihm wöchentlich einen Bericht vorzulegen hatten. Von den übrigen Ausschüssen war der Sicherheitsausschuss (französisch: Comité de sûreté générale) am wichtigsten. Er war für Polizeiaufgaben und Rechtsprechung zuständig.

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Die Art Präsidialregierung, die gemeint ist, wird auch als Präsidialkabinett bezeichnet (im politischen Zusammenhang bedeutet Kabinett die Gesamtheit der Minister(innen) unter Leitung eines Regierungschefs).

Diese Präsidialregierung hat keine sie tragende Mehrheit im Parlament und ist daher stark von den Machtbefugnissen eines Präsidenten abhängig, der sie ernennt und Verordnungen erlässt, wenn die Regierung für Gesetzesvorschlge im Parlament keine Mehrheit bekomnt. 

Nach dem Zerbrechen der Großen Kolation am 27. März 1930 hat es bis 1932 in Deutschland keine Regierung gegeben, die von einer Mehrheit im Reichstag getragen war. Es gab Präsidialkabinette (auf die Machtbefugnisse des Reichspräsidenten, vor allem zu Notverordnungen nach Artikel 48 der Verfassung, gestützte Regierungen). Die Weltwirtschaftskrise verursachte große Schwierigkeiten.

Hauptursachen waren:

  • Fehlen einer politisch handlungsfähigen Mehrheit im Reichstag (dem Parlament auf nationaler Ebene), die sich einigen, auf ein Regierungsprogramm verständigen, Gesetze beschließen und Regierungsmaßnahmen tragen konnte
  • Bestreben des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, seiner Umgebung, der Reichswehrführung und anderer konservativ-autoritärer Kräfte, die Lage zu einer Machtverringerung des Reichstages zu nutzen und die Weimarer Republik in einen mehr autoritär geführten Staat umzuformen

Als der Reichstag mehrheitlich den Staatshaushalt für 1930 ablehnte, weil  Regierung des Reichskanzlers Heinrich Brüning hat der Reichspräsident Paul von Hindenburg ihn am 16. Juli 1930 als Notverordnung erlassen. Der Reichstag hob auf Antrag der SPD am 18. Juli 1930 die Notverordnung auf. Hindenburg löste auf Vorschlag Brünings den Reichstag nach Artikel 25 der Verfassung auf und verfügte Neuwahlen. Die Reichstagswahl vom 14. September 1930 brachte einen gewaltigen Zugewinn der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei). Die KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) steigerte ihren Stimmenteil etwas. Die meisten anderen Parteien erlitten Verluste.

Die SPD betrieb danach eine Tolerierungspolitik als neue Taktik. Sie war mit der Regierung nicht einverstanden, vor allem wegen sozialer Härten und eines autoritären Vorgehens, duldete sie aber in gewissem Ausmaß: Sie stellte keinen Misstrauensantrag gegen die Regierung, stimmte nicht für deren Gesetzesvorschläge, stimmte aber auch nicht dagegen, wenn sie als Notverordnungen erlassen wurden, und stimmte Misstrauensanträgen anderer Parteien nicht zu.

Die SPD war gegen viele Regierungsmaßnahmen und stützte die Regierung nicht mit einem Vertrauen in sie, unterließ aber zumindest vorläufig auf Versuche, die Regierung politisch anzugreifen und zu stürzen.

Die SPD befand sich in einem Dilemma: Sie konnte keine sozialdemokratische Politik durchzusetzen, höchstens ein kleines Entgegenkommen erreichen, konnte sich wegen der Tolerierung nicht gut als politische Alternative profilieren und war einer zunehmenden Unzufriedenheit der Mitglieder und der Wählerschaft ausgesetzt. Wenn sie aber die Regierung nicht tolerierte, bestand die Gefahr einer erneuten Reichstagsauflösung mit Neuwahlen, bei denen die NSDAP noch deutlich stärker werden könnte und auch die KPD zugewinnen könnte. Dabei war mit schlimmen Folgen zu rechnen.

In Q 3 steht eine Begründung vom 18.10.1930 für die Tolerierungspolitik der SPD:

  • taktische Überlegungen über einen richtigen Zeitpunkt für ein politisches Vorgehen gegen die Regierung Brüning
  • Unmöglichkeit, als SPD eine Regierung zusammen mit Nationalsozialisten, Kommunisten und Deutschnationalen (Parteien, die gegen die Regierung sind, aber auch politische Gegner der SPD) zu bilden
  • Verantwortung für die arbeitende Klasse, was ausschließt Misstrauensanträgen von Parteien zuzustimmen, die entweder offen arbeiterfeindlich sind (Nationalsozialisten und Deutschnationale) oder durch ihre Taktik zur Schwächung der Arbeiterklasse und zur Stärkung des Faschismus beiträgt (Kommunisten)

Die Tolerierungspolitik der SPD war eine Politik des kleineren Übels. Bei einer von Nationalsozialisten geführten Regierung waren die Abschaffung der Demokratie, eine Zerstörung des Rechtstaates und eine Zerschlagung von Organisationen der Arbeiterbewegung zu befürchten.

Die KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) hatte die SPD zum Hauptfeind erklärt und warf ihr „Sozialfaschismus“ vor (Behauptung, die SPD sei eine bloße Variante des Faschismus). Die KPD wendete sich also stark gegen den gemäßigten Teil der Arbeiterbewegung, was eine Spaltung der Arbeiterschaft verschärfte und sie insgesamt schwächte.

Die rechtsextreme NSDAP und die linksextreme KPD betrieben Radikalisierung und erhofften sich davon eine eigene Stärkung.

Die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) griff zunehmend das ganze demokratische System an, um es zu stürzen, und betrachtete dabei die NSDAP als grundsätzlichen Bundesgenossen.

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In der Ilias sind Achilleus und Patroklos sehr enge Freunde. Eine homoerotische/homosexuelle Beziehung zwischen ihnen kommt in dem Werk nicht vor. Achilleus und Patroklos sind im homerischen Epos nicht als Liebespaar dargestellt. Bemerkbar ist eine Freundschaft mit starken Gefühlen.

Achilleus und Patroklos haben erotisches Interesse am weiblichen Geschlecht. Dies schließt eine Verliebtheit ineinander nicht aus, weil sie bisexuell sein könnten (so etwas hat es bei den antiken Griechen gegeben). In der Ilias kommt eine homoerotische/homosexuelle Verliebtheit zwischen Achilleus und Patroklos allerdings nicht ausdrücklich vor und ergibt sich auch nicht als eindeutige Folgerung.

Trotzdem haben manche späteren Autoren ihr Verhältnis in der Ilias so gedeutet.

In späteren Werken der antiken griechischen Literatur gibt es auch eine Darstellung von Achilleus (griechisch: ᾽Αχιλλεύς; lateinisch: Achilles) und Patroklos (griechisch: Πάτροκλος; lateinisch: Patroclus) als Liebespaar.

Achilleus und Patroklos sind Personen des Mythos, der Sage und der Literatur. Daher kann nicht einfach festgestelt werden, wie ihre Beziehung tatsächlich real gewesen ist. Es kann untersucht werden, wie ihre Beziehung in einem bestimmten Werk dargestellt wird.

Wie aus der Ilias hervorgeht, werden im troianischen Krieg von den Griechen gefangengenommene Mädchen/junge Frauen als Beuteanteil Anführern zugeteilt. Bei Achilleus entsteht ein Groll, als Agamemnon ihm Briseïs (griechisch: Βρισηίς; lateinisch: Briseis) wegnimmt, die Achilleus gefangengenommen hatte und die ihm zugesprochen worden war. Er nimmt mit seinem Truppen nicht mehr am Kampf teil. Die Griechen geraten in Schwierigkeiten. Als eine Bittgesandtschaft (Phoinix, der große Aias, Odysseus und die Herolde Hodios und Eurybates) mit einem Versöhnungsangebot zu Achilleus kommt, um ihn zur Wiederbeteiligung am Kampf zu bewegen, äußert Achilleus unter anderem, Briseïs leidenschaftlich geliebt zu haben und setzt sie einer Gattin gleich (Homer, Ilias Ι - 9. Gesang, Vers 340 – 343). In der Darstellung, wie sich Achilleus und Patroklos an dem Abend zum Schlafen hinlegen, werden heterosexuelle Verhältnisse mit gefangengenommenen Mädchen/jungen Frauen angedeutet, bei Achilleus mit Diomede von der Insel Lesbos, bei Patroklos mit Iphis von der Insel Skyros (Homer, Ilias Ι - 9. Gesang, Vers 663 – 668).

Homer, Ilias. Neue Übertragung von Wolfgang Schadewaldt. Mit antiken Vasenbildern. 1. Auflage. Frankfurt am Main : Insel-Verlag, 1975 (Insel-Taschenbuch ; Nr. 153), S. 156:

„Aber Achilleus schlief im Innern der gutgezimmerten Hütte,

Und bei ihm lag die Frau, die er mit sich geführt von Lesbos:

Des Phorbas Tochter, die schönwangige Diomede.

Und Patroklos legte sich drüben nieder, und auch bei ihm

Lag Iphis, die gutgegürtete, die ihm gab der göttliche Achilleus,

Als er die steile Skyros nahm, die Stadt des Enyeus.“

Achilleus fordert Patroklos, als er ihm erlaubt, mit den Myrmidonen in den Kampf einzugreifen, unter anderem auf, Ruhm und Ehre zu gewinnen und zu erreichen, dass die Griechen das wunderschöne Mädchen (Briseïs) an Achilleus zurückgeben und ihm prächtige Geschenke bringen (Homer, Ilias Π - 16. Gesang, Vers 83 - 86).

Patroklos hat Briseïs gesagt, er werde sie zur Ehefrau des Achilleus machen (Homer, Ilias Τ - 19. Gesang, Vers 295 – 299).

Nachdem Achilleus Hektors Leichnam am Priamos übergeben hat, schläft er mit der ihm zurückgegebenen Briseïs an seiner Seite (Homer, Ilias Ω - 24. Gesang, Vers 675 – 676).

Homer, Ilias. Neue Übertragung von Wolfgang Schadewaldt. Mit antiken Vasenbildern. 1. Auflage. Frankfurt am Main : Insel-Verlag, 1975 (Insel-Taschenbuch ; Nr. 153), S. 420:

„Aber Achilleus schlief im Innern der gutgezimmerten Hütte,

Und bei ihm lag Briseïs, die schönwangige.“

Aias sagt, als Patroklos tot ist, zu Menelaos, er solle Antilochos befehlen, Achilleus den Tod seines weitaus liebsten Freundes/Gefährten (πολὺ φίλτατος ἑταῖρος) mitzuteilen (Homer, Ilias Ρ - 17. Gesang, Vers 650 – 655). Eine Liebesbeziehung ist damit nicht ausgesagt. Nach der Aussage gibt es weitere Freunde/Gefährten, die Achilleus lieb sind, wenn auch nicht in einem so hohen Grad.

Achilleus zeigt starke Gefühle für Patrokos: Er trauert um den Toten (Homer, Ilias Σ - 18. Gesang, Vers 22 – 27) und bezeichnet (Homer, Ilias Σ - 18. Gesang, Vers 80 – 81) ihn als lieben Freund/Gefährten (φίλος ἑταῖρος Πάτροκλος), den er vor allen Freunden/Gefährten wertschätzte, seiner eigenen Person gleich (Homer, Ilias Σ - 18. Gesang, Vers 81 – 82), vergießt heiße Tränen (Homer, Ilias Σ - 18. Gesang, Vers 234 – 238), wehklagt (Homer, Ilias Σ - 18. Gesang, Vers 316 – 308), frühstückt aus Schmerz nicht (Homer, Ilias Τ - 19. Gesang, Vers 304 – 367), empfindet unerträglichen Schmerz (Homer, Ilias Τ - 19. Gesang, Vers 365 – 367 und 345 - 346), erklärt, Patroklos niemals zu vergessen (Homer, Ilias Χ - 22. Gesang, Vers 386 – 387), will Rache nehmen und Hektor töten, auch wenn er weiß, bald danach zu sterben, klagt um Patroklos, der Tote erscheint ihm und wünscht in der Zukunft ein gemeinsames Grab, Achilleus verbrennt bei der Bestattung mit Patroklos 4 getötete Pferde, 2 getötete Hunde und 12 getötete vornehme junge Troer als Totenopfer und wehklagt (Homer, Ilias Ψ - 23. Gesang, Vers 6 – 232), veranstaltet Wettkämpfe zu seiner Ehrung, weint und schläft in der Nacht nicht und schleift Hektors Leichnam am von Pferden gezogenen Streitwagen gebunden dreimal um das Grab seines Freundes Patroklos (Homer, Ilias Ω - 24. Gesang, Vers 3 – 18), klagt und seufzt (Homer, Ilias Ω - 24. Gesang, Vers 511 - 512).

Dies alles ist aber durch enge Freundschaft erklärbar. Eine homoerotische/homosexuelle Verliebtheit ist daraus nicht als zwingende Folgerung ableitbar.

Patroklos ist in der Ilias der ältere von beiden (Homer, Ilias Λ - 11. Gesang, Vers 787).

Die älteste belegte Darstellung von Achilleus und Patroklos als Liebespaar hat im 5. Jahrhundert v. Chr. der Dichter Aischylos in der Tragödie Μυρμιδόνες (Die Myrmidonen; lateinischer Titel: Myrmidones) gegeben, von der Bruchstücke erhalten sind (Aischylos, TGRF [Tragicorum Graecorum Fragmenta] 3, 131 – 142) gegeben. Dabei war Achilleus der Liebhaber (griechisch: ἐραστής [erastes]), Patroklos der Geliebte (griechisch: ἐρώμενος [eromenos]). Bei Platon, Symposion 179 e - 180 a ist umgekehrt Achilleus der Geliebte und Patroklos der Liebhaber.

Nach Apollodor(os), Bibliotheke 3, 176 wurde Patroklos Geliebter des Achilleus.

Aischines, Kata Timarchou (griechisch: Κατά Τιμάρχου; Gegen Timarchos; lateinischer Titel: Contra Timarchum) 142 behauptet, Homer habe das Liebesbegehren zwischen Patroklos und Achilleus und die Bezeichnung ihrer Freundschaft/Liebe (τὸν μὲν ἔρωτα καὶ τὴν ἐπωνυμίαν αὐτῶν τῆς φιλίας) verborgen, in der Meinung, das Übermäßige der Zuneigung sei für die Gebildeten unter den Zuhörern sehr deutlich. Was er (143 – 150) zur Unterstützung dieser Deutung inhaltlich wiedergibt oder zitiert (Ilias 18, 95 – 99; 18, 324 – 329; 18, 333 – 335), ist aber nicht beweiskräftig. Alles ist aufgrund enger Freundschaft erklärlich.

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Die Abbildung stammt aus einer Chronik des Chronisten Ekkehard von Aura.

 https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Karl_der_Gro%C3%9Fe_in_der_Chronik_des_Ekkehard_von_Aura.jpg

Was wie eine 9 aussieht, ist eine Abbreviatur (Abkürzung/Kürzel).

https://de.wikipedia.org/wiki/Abbreviatur_(Pal%C3%A4ografie)

Sie ist Teil der Beschriftung der Illustration.

Die Abbreviatur steht für ein „us“ und ergänzt „magn“, über das sie geschreiben ist, zu magnus.

Die Beschriftung ist:

carolus magnus

pippini filius

„Karl der Große

Pippins Sohn“

Bei https://abbreviationes.net/solutions.html steht in der dritten Gruppe, obere Reihe, Kasten rechtsaußen so eine wie eine „9“ aussehende Abbreviatur, durch die „ca“ zu casus ergänzt wird.

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Übersetzung?

Gaius Plinius grüßt seinen Sura! 

Es ist unglaublich, was ich Dir erzählen werde: In alten Zeiten gab es in Athen große aber berüchtigte Häuser. Denn in nächtlicher Zeit wurde dort das Geräusch von Eisen und Ketten gehört.

Bald wurde auch ein unbekannter alter Mann gesehen, der Ketten trug. Alle, die in diesen Häusern lebten, behaupteten, die Nächte seien schrecklich gewesen. Denn sie wurden von einem Ungeheuer aus dem Schlaf aufgeweckt. Wieder und wieder verließen die, welche an jenem Ort lebten, die Häuser.

Einst kommt der Philosoph Athenodorus nach Athen. Sie erzählen diesem alles, aber er sagt: „Ich werde weder verwirrt werden noch erscheckt werden. Ja ich verspreche euch sogar: Ihr werdet von dem Ungeheuer befreit werden.“ Und er mietet die Häuser.

Er befiehlt, das er nachts allein in den Häusern zurückgelassen wird. Sogar die Sklaven werden entlassen. Zuerst war Schweigen; dann hört er, dass Eisen und Ketten bewegt werden. Da sieht er das Ungeheuer. Dieses tritt aus der Finsternis hervor und gibt Zeichen. Athenodorus wird von dem unbekannten alten Mann in den Innenhof geführt, wo das Ungeheuer plötzlich verschwindet. Am nächsten Tag befiehlt der Philosoph, dass dieser Ort aufgegraben wird. Athenodorus wird von dem unbekannten alten Mann in den Innenhof geführt, wo das Ungeheuer /verschwunden war. Dort wurden Knochen und Ketten gefunden. Nachdem er die Knochen ordnungsgemäß bestatten lassen hatte, waren die Häuser vom Ungeheuer frei.

Nun frage ich Dich: Glaubst Du, dass es Ungeheuer gibt? Ich allerdings werden von solchen erstaunlichen Geschichten /beeindruckt und erschreckt. Wirst auch Du von solchen Geschichten bewegt und von Furcht ergriffen? Ich allerdings glaube denen, von denen solche Geschichten bestätigt werden.

Lebe wohl!

Ich weiß, dass die Übersetzung noch nicht super ist. Bitte alles was falsch ist, oder was man besser machen könnte hier schreiben. Dankeschön :)

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„In alten Zeiten gab es in Athen große aber berüchtigte Häuser.“

Vor den Gegensatz „aber“ kommt ein Komma:

„In alten Zeiten gab es in Athen große, aber berüchtigte Häuser.“ amplae bedeutet „große“ vor allem dem Umfang nach, also „weite“, „breite“, „geräumige“ Häuser.

Ab venit kommt mehrfach ein Prädikat in historischem Präsens vor. Die Übersetzung zeigt, Präsens bemerkt zu haben. Der Sache nach wird von Vergangenem erzählt.

Bei „Ich werde weder verwirrt werden noch erscheckt werden.“ fehlt durch einen Tippfehler ein „r“: „Ich werde weder verwirrt werden noch erschreckt werden.“

,ubi monstrum subito abest.

Für abest ist „verschwindet“ sachlich in diesem Zusammenhang passend, wenn aber die Grundbedeutung mehr erwünscht ist, bekommt „weg ist“ oder „fort ist“ den Vorzug, ebenso später für abierat „weggegangen war“ oder „fortgegangen war“.

„Nachdem er die Knochen ordnungsgemäß bestatten lassen hatte, waren die Häuser vom Ungeheuer frei.“ Im Nebensatz könnte in der deutschen Übersetzung eine andere Reihenfolge stilitsch bevorzugt werden:

„Nachdem er die Knochen ordnungsgemäß hatte bestatten lassen, waren die Häuser vom Ungeheuer frei.“

„Ich allerdings werden von solchen erstaunlichen Geschichten /beeindruckt und erschreckt.“ Hier ist wohl versehentlich nicht alles ganz richtig getippt:

„Ich allerdings werde von solchen erstaunlichen Geschichten beeindruckt und erschreckt.“

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Die Verfassung ist nach einer langen Zeit mit Vorschlägen, Beratungen und Dikussionen von der Verfassunggebenden Nationalversammlung mit Mehrheit am 3. September 1791 beschlossen worden.

König Ludwig XVI. hatte 20./21. Juni 1791 mit seiner Familie einen Fluchtversuch unternommen, wurde aber in Varennes abgefangen. Ab dem 22. Juni 1791 wurden sie unter Begleitung von Nationalgardisten zurückgebracht. Die Abgeordneten Antoine Barnave, Jérôme Pétion de Villeneuve und Charles César de Fay de La Tour-Maubourg waren von der Nationalversammlung zu Kommissaren zur Organisation der Rückkehr ernannt werden und begleiteten sie ab dem 23. Juni 1791, etwas vor Dormans. Am 25. Juni 1791 wurde Paris erreicht.

Die Nationalversammlung nahm Ludwig XVI. stärker unter Konrolle, erklärte seine Flucht zu einer „Entführung“ und ließ ihn nach einer Untersuchug im Amt. Der König wohnte dann wieder im Tuilerien-Palast (königliches Stadtschloss im Paris). Ludwig XVI. unterzeichnete die Verfassung am 14. September 1791 und ließ sie damit in Kraft treten. Er leistete einen Eid auf sie.

Ludwig XVI. hat offenbar unter dem Druck der Ereignisse zugestimmt. Bei einer langen Weigerung wäre er in seiner Stellung nicht sicher gewesen und er konnte sich nach der gescheiterten Flucht und stärkerer Überwachung nicht mehr gut entziehen.

Anhänger einer konstitutionellen Monarchie haben eine Anahme befürwortet.

Die Verfassung von 1791 enhielt immerhin eine erbliche Monarchie und Ludwig XVI. wurde als König der Franzosen Repräsentant der Nation, die Person des König wurde für unverletzllich und heilig erklärt, er war Oberbefehlshaber und hatte ein aufschiebendes Vetorecht gegen Gesetze. Unter den gegebenen Umständen war die Zustimmung zur Verfassung von den real möglichen Alternativen die für ihn bessere Möglichkeit.

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Es gibt einen Zusammenhang.

Allerdings beruht das Postulat des Daseins/der Existenz Gottes nicht direkt auf den vier grundlegenden Fragen, auf die nach Auffassung Kants das Feld der Philosophie in weltbürgerlicher Bedeutung gebracht werden kann, sondern auf Überlegungen die sich auf sie beziehen.

Immanuel Kant, Logik. Ein Handbuch zu Vorlesungen (1800). AA IX, 25 nennt als Fragen:

1)     Was kann ich wissen?

2)     Was soll ich tun?

3)     Was darf ich hoffen?

4)     Was ist der Mensch?

Dabei beantwortet nach seiner Darstellung die erste Frage die Metaphysik, die zweite die Moral, die dritte die Religion und die vierte die Anthropologie, wobei im Grunde alles zur gerechnet werden kann, weil die drei ersten Fragen sich auf die letzte Frage beziehen.

Ein Zusammenhang mit der ersten, erkenntnistheoretischen Frage besteht darin, als Mensch das Dasein/die Existenz Gottes weder beweisen noch widerlegen zu können. Die theoretische Vernunft kann dieses Problem nicht lösen.

Ein Zusammenhang mit der zweiten, moralphilosophischen/ethischen Frage besteht darin, bei einem Verhalten in Übereinstimmung mit dem moralischen Gesetz glückswürdig zu sein, wobei dann eine Frage ist, wie für solche Menschen tatsächliche Glückseligkeit gewährleistet sein kann.

Mit der dritten, religiösen Frage ist der Sache verbunden, weil nur unter Voraussetzung des Dasein/der Existenz Gottes eine Verknüpfung von Glückswürdigkeit und tatsächlicher Glückseligkeit begründet erhofft werden kann.

Zur vierten, anthropologischen Frage ist die Sache verbunden, weil theoretische Erkenntnisfähigkeit, praktische Vernunft, Ziele und Hoffnungen mit dem Wesen des Menschen, seiner gundlegenden Beschaffenheit zusammenhängen.

Kant hält das Dasein/die Existenz Gottes aus moralphilosophischen Gründen für ein Postulat (eine aus subjektivem Bedürfnis notwendige Annahme) der praktischen Vernunft hält.

Wer sich in Übereinstimmung mit dem moralischen Gesetz verhält, ist glückswürdig. Glückseligkeit ist ein Endziel der Menschen. Das höchste Gut ist die Verbindung von Glückswürdigkeit und tatsächlicher Glückseligkeit. Dieses höchste Gut kann aber nur als sicher und notwendig erhofft werden, wenn ein Wesen mit Güte, Intelligenz und höchster Macht existiert, das die Verwirklichung des höchsten Gutes garantiert. Dann gibt es die Verknüpfung von Moralität und Glückseligkeit.

Internetseiten (zum Teil deutlich ausführlicher):

https://de.wikipedia.org/wiki/Gottesbeweis#Gott_als_moralisch_notwendige_Annahme_bei_Kant

https://www.gutefrage.net/frage/unverstaendlich-satz-zu-immanuel-kants-religionsphilosophie (mit einer eigenen längeren Antwort zum Dasein/zur Existenz Gottes als Postulat der praktischen Vernunft)

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Gaius Iulius Caesar war ehrgeizig und hat auch an Förderung seiner politischen Laufbahn, eigenen Gewinn und Ruhm gedacht.

für das römische Volk:

  • Dienst als junger Offizer unter Leitung des Propraetors Marcus Minucius Thermus, Caesar bekam von ihm für seine Leistungen bei der Eroberung (80 v. Chr.) der Stadt Mytilene auf der Insel Lesbos die corona civica („Bürgerkrone“) verliehen, eine Auszeichnung für Rettung des Lebens eines römischen Bürgers im Kampf
  • 78 v. Chr. Dienst als junger Offizer unter Leitung des Prokonsuls Publius Servilius Vatia Isauricus in Kilikien, Bekämpfung von Piraten
  • 74 v. Chr. Übernahme des Kommandos über lokale Truppen in der römischen Provinz Asia auf eigene Initiative, mit ihnen im dritten Krieg gegen König Mithridates/Mithradates VI. von Pontos Zurücktreiben von dessen in die Gegend vorgestoßenen Truppen
  • als Aedil 65 v. Chr. unter Einsatz von viel Geld Ausschmückung des Comitium (Ort der Volksversammlung), des Forum und der Basiliken und des Kapitols mit vorübergehend errichteten Säulenhallen, um einen Teil seiner Kunstsammlung auszustellen, Massenunterhaltung mit Veranstaltung von Tierhetzen, szenische Aufführungen, Gladiatorenkämpfen, Festessen
  • im Dezember 63 v. Chr. Eintreten für den Grundsatz einer Beachtung des Rechts eines römischen Bürgers auf Berufung an das Volk (provocatio ad populum) bei Bedrohung mit einer Strafe gegen Leib und Leben
  • als Propraetor in Hispania ulterior 61 v. Chr. erfolgreiche Kriegsführung gegen die Kallaiker und Luistaner
  • als Konsul 59 v. Chr. zwei Ackergesetze (leges agrariae) eingebracht zur Landverteilung an Bedürftige, wobei eine Versorgung von Veteranen (Soldaten, die lange im römischen Heer gedient hatten) ein Hauptanliegen war, daneben spielte anscheinend auch eine Schaffung einer wirtschaftlichen Existenzgrundlage für Arme eine gewisse Rolle
  • als Prokonsul 58–49 v. Chr. Eroberung von Gallien
  • ab 54 v. Chr. Beginn (bei seinem Tod noch nicht vollendet) prachtvoller öffentlicher Bauten in Rom mit dem Caesarforum und der Curia Iulia (Sitzungsgebäude des Senats)
  • mehrfach Milde (clementia) im Bürgerkrieg (49 – 45 v. Chr.) gegenüber besiegten Gegnern
  • 49 v. Chr. Versuch eines Kompromisses in einer Schuldenkrise mit Veringerung des Schuldbetrages um ein Viertel bei Sicherung der restlichen Schuldansprüche
  • 47 v. Chr. Erlassung der Mietschulden in Rom bis zu einem Jahresbetrag von 2000 Sesterzen (= 500 Denaren), im übrigen Italien von 500 Sesterzen (= 125 Denaren)
  • 46 und 45 v. Chr. prachtvolle Triumphzüge mit Schenkungen von Getreide, Öl, 400 Sesterzen an jeden römischen Bürger, Fleischverteilung, Festessen und zwei Frühstücke, zur Massenunterhaltung mit Gladiatorenkampf, szenischen Aufführungen in den einzelnen Stadtbezirken, Wagenrennen, athletischen Kämpfe, Naumachie (nachgestellte Seeschlacht), Waffentänzen, Troiaspiel, Tierhetzen
  • 45 v. Chr. Einführung des Julianischen Kalenders, eine Verbesserung des in Unordnung geratenen Jahreskalenders, mit 12 Monaten, 365 Tagen im Jahr mit einem Schalttag in jedem vierten Jahr
  • in seinem Testament Überlassung seiner Gärten am Tiber zur öffentlichen Nutzung und Geschenk von 300 Sesterzen an jeden Römer

für seine Soldaten:

  • Verdoppelung des Soldes für seine Legionen
  • bei reichlichem Vorrat großzügige Austeilung von Getreide
  • manchmal Schenkung von erbeuteten Skalven an Soldaten
  • Beschenkung mit silber- und goldverzierten Waffen
  • Beuteanteil an Veteranenlegionen, an jeden Fußsoldaten insgesamt 26000 Sesterzen und Grundstücke
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Übersetzung?

Ich habe den kompletten Text übersetzt.

Meine Übersetzung: Lektion 23, T:

Die Athener schickten eine Gesandtschaft nach Delphi. Nachdem die Gesandten den Tempel des Apollons betreten hatten, fragten sie die Priester: „Die Perser streben danach, unsere Stadt einzunehmen. Wie werden wir die Feinde überwinden? Wann werden die Götter endlich dem Übermut der Perser ein Ende machen?" Und die Pythia gab ihnen einen Orakelspruch: „Flieht aus eurer Stadt! Denn die Feinde werden die Stadt und die Tempel einnehmen. Mars wird alle grausam töten.“ Die Gesandten, denen der Mut schwand, wendeten sich abermals an die Pythia. Traurig baten sie: „Höre unsere flehentlichen Bitten! Gib uns wieder einen Orakelspruch! Sonst werden wir niemals aus dem Tempel herausgehen, sondern hier den (unseren) Tod erwarten.“ Darauf die Pythia: „Ich werde euch wieder einen Orakelspruch geben und euch eurer Los (Schicksalslos) zeigen : „Ihr werdet die Stadt nicht vor den Feinden verteidigen. Aber die Feinde werden die hölzerne Mauer nicht überwinden.“ Schließlich gingen die Gesandten nach Hause zurück.

 Themistocles, ein edler Mann, hatte den Athenern befohlen, dass sie viele Schiffe bauten und eine Flotte ausrüsteten ( Themistocles, ein edler Mann, hatte schon vorher den Athener befohlen, viele Schiffe zu bauen und eine Flotte aufzurüsten). So hatten die Athener aufgrund der Bemühung des Themistocles eine Flotte ausgerüstet. Dieser Mann hielt nun eine berühmte Rede: „Versteht ihr nicht den Orakelspruch? Apollon befiehlt uns, die Heimat zu verlassen und Schiffe zu besteigen. Mit Schiffen werden wir den Feind besiegen; mit Hilfe der Götter und durch eure Tapferkeit werdet ihr die Heimat von den Feinden befreien. Die Perser werden Griechenland verlassen. Der Ruhm Athens wird gewaltig sein.“ So stärkte Themistocles den Mut der Athener. Diese beschlossen, sofort die Stadt zu verlassen und die Schiffe mit bewaffneten Männern zu füllen. Im Kampf umzingelten die schnellen Schiffe der Athener die großen Schiffe der Perser. Die Flotte der Perser versank in den Fluten, wie es Themistocles vorausgesehen hatte.

Noch was anzumerken?

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templum Apollinus:

„den Tempel des Apollo“ oder „den Tempel Apollos“ (bei Wiedergabe des lateinischen Namen des Gottes; dann wäre einheitlich auch an späteren Stellen „Apollo“ zu verwenden) bzw. „den Tempel des Apollon“ oder „den Tempel Apollons“ (bei Wiedergabe des griechischen Namen des Gottes; dann wäre einheitlich später auch „Themistokles“ zu verwenden)

Themistocles, vir nobilis, iam antea Athenienses multas naves

aedificare atque classem parare iusserat.

„Themistocles, ein edler (vornehmer/bekannter/berühmter) Mann, hatte schon vorher den Athener befohlen, dass sie viele Schiffe bauten und eine Flotte ausrüsteten.“ (zeigt am deutlichsten, die AcI-Konstruktion erkannt zu haben)

oder:

„Themistocles, ein edler (vornehmer/bekannter/berühmter) Mann, hatte schon vorher den Athener befohlen, viele Schiffe zu bauen und eine Flotte auszurüsten.“

oder:

Themistocles, ein edler (vornehmer/bekannter/berühmter) Mann, hatte schon vorher die Athener viele Schiffe bauen und eine Flotte ausrüsten lassen.“

orationem claram:

Außer „eine berühmte Rede“ ist auch „eine glänzende Rede“ oder „eine ausgezeichnete Rede“ möglich.

in undis periit:

Außer „versank in den Fluten“ ist auch möglich „ging in den Fluten (Wellen/Wogen) zugrunde“ oder „ging in den Fluten (Wellen/Wogen) unter“.

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Gründe für die Erstürmung des Stadtschlosses des Königs in Paris (Tuileriensturm am 10. August 1792)

  • durch Krieg und schwere Hungersnot aufgeheizte Stimmung
  • Eindruck eines heimlichen Bündnisses des Königs mit ausländischen Monarchen (nicht im Text enthalten: das Manifest [öffentliche Erklärung] des Herzogs von Braunschweig, Oberbefehlshaber der preußischen Truppe, rief wegen der enthaltenen Drohungen gegen das Volk von Paris Empörung hervor)
  • nicht im Text enthalten: kein Zustandekommen von Beschlüssen der Nationalversammlung über den König, über Neuwahlen und Schritte zu einer Verfassungsveränderung, dadurch wegen Nichterfüllung von Forderungen ansteigende Bereitschaft, selbst etwas zu unternehmen

Die Absetzung (vorläufige Amtsenthebung) des Königs, die Ansetzung von Neuwahlen, de Abschaffung der Monarchie und die Ausrufung der Republik sind Folgen des Geschehens, nicht Gründe.

Argumente des Abgeordneten Saint-Just für eine Verurteilung des Königs Ludwig XVI.

  • Das Ziel einer Errichtung einer Republik kann nur auf dem Weg einer Verurteilung des Königs verwirklicht werden.
  • Unterlassung einer Verurteilung bedeutet Schonung eines Tyrannen.
  • König Ludwig XVI. hat die Verpflichtung, das französische Volk zu schützen (seine einzige Verpflichtung, die er gegenüber dem französischen Volk hatte) verletzt.
  • Wegen Missachtung und Verletzung der Gesetze (der Sache nach geht es vor allem um die Verfassung von 1791) ist eine Berufung auf diese Gesetze durch den König nicht berechtigt. Er hat seinen Anspruch darauf verloren.
  • König Ludwig XVI. hat dem französischen Volk so schlimmen Schaden zugefügt wie sonst kaum ein Feind und Ausländer. Daher sollte er wie ein auswärtiger Feind gerichtet werden. Ein sehr schnelles Richten ist weise und für das Allgemeinwohl nützlich.

Krieg mit Engländern

Im Amerikanische Unabhängigkeitskrieg (1775 – 1783) stellte sich Frankreich auf die Seite der Unabhängigkeit von Großbritannien anstrebenden Kolonisten. Frankreich stand in einem machtpolitischen Gegensatz zu Großbritannien. 1763 hatte es viele Kolonien an Großbritannien abtreten müssen, darunter fast alle seine Kolonien in Nordamerika. 1783 wurde die Unabhängigkeit der 13 Kolonien als Vereinigte Staaten von Amerika (USA) anerkannt.

Frankreich hat dadurch einen gewissen außenpolitischen Erfolg erreicht. Der Krieg führte aber auch zu einer hohen Staatsverschuldung Frankreichs und ein drohender Staatsbankrott war schließlich eine der Ursachen der Französischen Revolution. In den USA wurde eine Republik verwirklicht und dies verstärkte den Einfluss von Gedanken gegen ein Königtum mit uneingeschränkten Machtbefugnissen.

Im den Krieg, der 1792 begann (Erster Koalitionskrieg; Frankreich gegen mehrere Staaten), trat Großbritannien erst 1793, nach der Hinrichtung des König Ludwig XVI., ein.

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