Die Amerikanische Revolution war ein Unabhängigkeitskampf amerikanischer Kolonien gegen das Mutterland, das Königreich Großbritannien, und führte im Unabhängigkeitskrieg 1775 – 1783 zu der Loslösung. Der Revolutionscharakter war in den USA also ziemlich begrenzt.

Die Französische Revolution (1789 – 1799) war eine großangelegte politische und gesellschaftliche Umwälzung in einer absolutistischen Monarchie und einem stark von einer Ständegesellschaft mit Privilegien geprägten Gesellschaftssystem.

Verknüpfungen

  • Beeinflussung durch das Gedankengut der Aufklärung, in politischer Hinsicht z. B. Grundrechte/ Menschen- und Bürgerrechte (in den USA gab es die „Virginia Declaration of Rights“ [„Grundrechteerklärung von Virginia“] 1776, die „Declaration of Independence“ [„The Unanimous Declaration of The Thirteen United States of America“], die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika 1776 und 1789 die „Bill of Rights“ [„Gesetz der Rechte”], die ersten zehn Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika; in Frankreich gab es die „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte“ [„Déclaration des Droits de l'Homme et du Citoyen“] 1789).
  • Steuer- und Abgabenfragen und ein Mangel an politischer Mitbestimmung spielten eine wichtige Rolle als Ursachen und Auslöser
  • Beschließen einer Verfassung durch eine gewählte verfassungsgebende Versammlung (in den USA wurde die Verfassung von 1787 von der Constitutional Convention beschlossen, in Frankreich die Verfassung von 1791 von der verfassungsgebenden Nationalversammlumg [Assemblée nationale constituante] und Schaffung einer parlamentarischen Demokratie (in den USA auch sofort eine Republik, in Frankreich zunächst eine konstitutionelle Monarchie, 1792 eine Republik).
  • hohe Kriegskosten Frankreichs durch die Unterstützung der Kolonien im Krieg gegen Großbritannien, was die Staatsschulden Frankreichs stark erhöhtte, die Probleme mit einem drohenden Staatsbankrott und die Frage der Steuern waren eine wesentliche Ursache der Französischen Revolution
  • Erfahrungen von Franzosen mit den Vorgängen in Amerika und Beeinflussung durch dort vertretene Gedanken: Viele freiwillige Soldaten waren von den Erfahrungen und den Gedanken beeindruckt. Marie-Joseph Motier, Marquis de La Fayette (Lafayette), eine wichtige Person in der Französischen Revolution, fuhr als Freiwilliger nach Amerika und kämpfte dort.
  • Bestärkung und Ermutigung aufgeklärten Denkens durch praktische Umsetzung von politischen Gedanken der Aufklärung in Amerika
  • Kontakte und Freundschaften zwischen Personen der Amerikanischen Revolution und der Französischen Revolution: Zwischen Amerikanern und Franzosen entstanden enge und rege persönliche Kontakte und Freundschaften. Benjamin Franklin war bis 1785 Botschafter der USA in Frankreich. Thomas Jefferson hegte Sympathien für die Revolutionäre und unterstützte sie im Rahmen seiner diplomatischen Stellung (1785 – 1789 Botschafter der USA in Frankreich). Er beteiligte sich an der Erörterung und Ausarbeitung eines Entwurfs zur Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, den Lafayette der Nationalversammlung vorlegte. Thomas Paine, ein nach Nordamerika ausgewanderter Brite und bedeutender Intellektueller, hat sich für die Unabhängigkeit mit Veröffentlichungen eingesetzt, wurde 1792 in Frankreich Abgeordneter der Nationalversammlung, war von Dezember 1793 – November 1794 inhaftiert. In den Revolutionskriegen blieben die USA neutral.

Unterschiede

  • Art der Revolution: In den USA bestand die Revolution in der Abwendung von Kolonien vom Mutterland Großbritannien mit einem Unabhängigkeitskrieg (der Revolutionscharakter war also ziemlich begrenzt), in Frankreich richtete sich die Revolution gegen die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in einem absolutistischen Staat
  • gesellschaftliche Verhältnisse: In Frankreich gab es in einigem Ausmaß eine traditionelle Ständegesellschaft (Klerus, Adel, Dritter Stand), in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht.
  • Umgang mit dem jeweiligem König: In der französischen Revolution wurde der König Ludwig XV. hingerichtet. Die Amerikaner erreichten die Anerkennung ihrer Unabhängigkeit durch Großbritannien. König Georg III. verlor nur ein Gebiet.
  • Anzahl und Heftigkeit der inneren Spannungen und Auseinandersetzungen: In Frankreich waren die inneren Konflikte vielfältiger, größer und heftiger. Zwischen den Revolutionären traten beträchtliche Meinungsunterschiede auf. In Nationalversammlung und Nationalkonvent veränderte sich die politische Ausrichtung erheblich, während die amerikanische Kongresse damals in wesentlichen Fragen eine gleichbleibende Ausrichtung hatten. Eine »Schreckensherrschaft« mit vielen Hinrichtungen aus politischen Gründen und einen gegenrevolutionären »erißrn Terror« hat es nur in Frankreich gegeben.
  • anfängliche andere Aufgabenstellung bei der Einberufung einer Versammlung: In den USA wurde eine Versammlung für die Aufgabe, eine Verfassung zu schaffen gewählt, in Frankreich dachte der König bei der Einberufung der gewählten Generalstände an Unterstützung bei der Bewältigung schwerwiegender Finanzschwierigkeiten. Der Dritte Stand erklärte sich dann zur Nationalversammlung, rief die anderen Stände dazu auf, sich ihm anzuschließen, und begann mit Beratungen über eine Verfassung.
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Französische Revolutiona: Kommentare und Bewertung Robespierres?

Guten Tag Community,

Ich hab viel Positives über die - wie ich hörte sehr begabte - Community gehört und dachte: wieso frage ich nicht auch mal was ?

Ich muss positive und negative Urteile raussuchen, wobei mit diesen Texte zahlreiche Verständnisproblem einhergehen! ; folgende Notizen habe ich mir gemacht:

Positive Urteile:

Mathiez: Robespierre hohe soziale und moralische Bedenken, als Erzieher und Philosoph, Anständigkeit, Uneigennützigkeit (aufopferungsvoll), Weltblick, Werk in Nationalversammlung und Regierung (was für ein Werk?), tragisches und ungerechtes Ende (wurde immerhin gestürzt); Robespierre beseitigt alle sozialen Ungerechtigkeiten

Soboul: mächtiger Wohlfahrtsausschuss hätte Invasion (?) aufhalten können, verdankt Erfolg bei Durchsetzung Absichten der Jakobinerherrschaft

Auszug aus Spiegel: Deputierten der Nationalversammlung fanden unter Drucksachen einen Resolutionsantrag(?), zustimmend; Antrag durch Parteiführer demokratischer Parteien und Wahlkartelle unterzeichnet, Annahme durch Kammer Formsache, Nationalversammlung ersucht Regierung zum 200. Geburtstag Robespierre große Nationalfeier, feierliche Würdigung und Gedenktag, durch finanz. Mittel historische Arbeiten und Ausstellungen/dramatische/filmische Gestaltungen über Robespierre fördern, möchten Robespierre zu Helden machen, bedeutender Mann der Revolution, *keiner* sieht den blutigen Fanatiker, den seine Gegner der Nachwelt aufzuzwingen wußten (?)

Negative Urteile:

Gaxotte: Robespierre: unwürdig, Dummheit, Gemeinheit, Deklassierte, neidische und hasserfüllte Untergeordnete (Subalterne), Krämer (handelbetreibende) verschuldet, herumziehende Gelegenheitsarbeiter, gutgläubige Narren, die sich ironischerweise) überzeugen ließen von modernen Methoden

Sieburg: Außerachtlassung Grundgedanke fr. Revolution (Humanismus), Ersetzung durch jakobinischen Gedanken, Humanität für Robespierre gleichgültig, Durchsetzung geschickt, FR kein Vaterland Humanität?

Nachwort zu Robespierre: Bild Tyrannei langlebig (Rest verstehe ich ehrlich gesagt nicht?)

Da, wo sich Fragezeichen befinden, verbergen sich Verständnisprobleme, eine Aufklärung diesbezüglich fände ich wirklich sehr nett! Falls ich was falsch verstanden habe, könnt ihr natürlich, sofern ihr Lust habt, hinzufügen!

Ich danke euch und verbleibe hochachtungsvoll!

wissbegierig❤

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Albert Mathiez (1874 – 1932)

Das französische Original ist anscheinend:

Albert Mathiez, Défense de Robespierre. In: Annales historiques de la Révolution française 1 (1924), S. 97 – 114 (die wiedergegebene Beurteilung S. 114)

in deutscher Übersetzung:

Albert Mathiez, Verteidigung Robespierres. In: Die Debatte um die Französische Revolution : 35 Beiträge. Herausgeber: Walter Grab unter Mitarbeit von Hilde Koplenig. München : Nymphenburger Verlagshandlung, 1975 (Nymphenburger Texte zur Wissenschaft : Band 22), S. 107 – 121 (zitierte Beurteilung S. 121)

positives Urteil: hohe soziale und moralische Bedenken (préoccupations könnte auch mit „Anliegen“ oder Sorgen“ wiedergegeben werden), Grundsatztreue, neben der Aufgabe des Politikers auch die des Erziehers und Philosophen im Blick, Anständigkeit, Uneigennützigkeit (aufopferungsvoll), Weitblick, gigantisches Werk in Nationalversammlung und Regierung (ein Werk ist eine Tätigkeit und ihr Ergebnis/das Geschaffene; es geht um die Gesamtleistung, die Robespierre als Abgeordneter in Parlamenten [Nationalversammlung und Nationalkonvent] und in der Regierung [Wohlfahrtsausschuss als revolutionäre Regierung] vollbracht hat), tragisches Ende, ungeheuerliche Ungerechtigkeit eines Versuches zur Schändung des Andenkens Robespierres, Anstreben einer Beseitigung alle sozialen Ungerechtigkeiten (es geht um das Ziel und die Bemühung, einen vollständiges tatsächliches Erreichen wird nicht behauptet)

Albert Mathiez war Sozialist. Er stellt bei Robespierre eine lobenswerte Größe heraus. Er betont dabei einseitig gute Seiten.

Pierre Gaxotte (1895 – 1982)

zitiert wird in Auszügen:

Pierre Gaxotte, Die Französische Revolution. München : Nymphenburger Verlagshandlung 1949, S. 276

Das französische Original ohne Weglassungen ist Pierre Gaxotte, La Révolution français. Paris : Artheme Fayard, 1928 (Les grandes études historiques), S. 377 – 378: |

„Jamais pouvoir plus effrayant ne tomba entre des mains plus méprisables. Le meilleur de la France se cache ou est aux armées. Ce qui gouverne, c'est le rebut, ou comme dit Taine, les notables de l'improbité, de l'inconduite, du vice, de l'ignorance, de la bêtise et de la grossièreté : déclassés et pervertis de toute espèce et de toute condition, subalternes envieux et haineux, petits boutiquiers endettés, ouvriers viveurs et nomades, piliers de café et de cabaret, vagabonds de la rue et de la campagne, hommes du ruisseau et femmes du trottoir, bref toute la vermine antisociale mâle et femelle; dans ce ramassis, quelques énergumènes de bonne foi, dont le cerveau fêlé a donné spontanément accès à la théorie en vogue : les autres, en bien plus grand nombre, vraies bêtes de proie qui exploitent le régime établi et n'ont adopté la foi révolutionnaire que parce qu'elle offre une pâture à leurs convoitises.“

negatives Urteil: unwürdig, Auswurf (Ausschussware/Schrott/Abschaum/Unrat/Abfall; französisch: rebut), Dummheit, Gemeinheit, Deklassierte, neidische und hasserfüllte Untergeordnete (Subalterne), kleine verschuldete Krämer (Handel Betreibende), herumziehende Gelegenheitsarbeiter, Vagabunden, Saufbolde/Raufbolde/Großmäuler („Helden (...) der Schenken“), gutgläubige Narren mit krankhaften Gehirnen voll moderner Theorie (aus dem französische Original könnte noch hinzugefügt werden: Schlechtigkeit, Laster [Gegenteil von Tugend], Ignoranz/Unwissenheit, Laufburschen, Straßenprostituierte, kurz gesagt das ganze antisoziale männliche und weibliche Gesindel)

Die stark herabsetzende Aussage ist auf die revolutionäre Regierung 1793/1794 bezogen, also nicht auf Robespierre allein. Die Mitglieder der damaligen revolutionären Regierung werden alle als schlechte und minderwertige Menschen dargestellt, sowohl nach Charaktereigenschaften als auch nach Verhalten, Leistungen, Fähigkeiten und gesellschaftlicher Stellung und beruflichen Erfolgs. Ihnen wird Vernunft und Urteilskraft abgesprochen. Ihre Gedanken werden als Krankheitserscheinung abgewertet. Die Bezeichnung als gutgläubige Narren (Robespierre könnte von Gaxotte zu dieser Gruppe gezählt worden sein) kommt einem Vorwurf von Verrücktheit/Wahnsinn nahe.

Pierre Gaxotte stand politisch weit rechts und schrieb die auffallend unsachliche Beurteilung von einem konservativen bis reaktionären Standpunkt aus. Er übernahm eine monarchistische Darstellung, vor der Revolution sie in Frankreich im Grunde alles gut gewesen.

Ernst Schulin, Die Französische Revolution. 5. Auflage. München : Beck, 2013 (Beck's historische Bibliothek), S. 45:

„Wir finden das etwa bei Pierre Gaxotte, ‹La Révolution française› (1928). Gaxotte vertrat den Standpunkt der französischen Rechten, er war nahezu Royalist. […]. Die ganze Revolution erscheint demgegenüber gewissermaßen als ein großes Mißverständnis, als ein Unglück, ein Unfall oder gar als Ergebnis der Böswilligkeit einer kleinen Minorität.“

Friedrich Sieburg (1893 – 1964)

zitierte Auszüge zuerst:

Friedrich Sieburg, Robespierre. Frankfurt am Main : Societäts-Verlag, 1935, S. 151 -152

negatives Urteil: Außerkraftsetzung des allgemeinen sittlichen Maßstabs und Ersetzung durch einen politisch-weltanschaulichen Maßstab einer bestimmten Gruppe (Jakobiner), daher Außerkraftsetzung des Ideals der Humanität, eines Grundgedankens der Französischen Revolution (der Anspruch Frankreichs, das Vaterland der Humanität zu sein, wird für fraglich gehalten, da durch Robespierre dieses Ideals auf eine tiefe und durchdachte Weise außer Kraft gesetzt worden ist [Terror/Schreckensherrschaft])

DER SPIEGEL

Robespierre : Revanche an der Jakobinern. In: Der Spiegel 11 (1957), Nr. 19, 8. Mai 1957, S. 40 – 41

positives Urteil in der Begründung des Resolutionsantrags: bedeutendster Mann der Revolution, Tugenden, kein blutiger Fanatikers

Der Spiegelartikel enthält (im Auszug nicht zitiert) sowohl negative als auch positive Urteile

negatives Urteil: Aufhebung der Immunität von Abgeordneten und des üblichen Prozessverfahrens für Angeklagte, Fanatiker, brutale Vernichtung, Blut Unschuldiger vergossen

positives Urteil: für Gleichheit und republikanische Tugend, demokratische Sittenstrenge und Unbestechlichkeit

Ein Antrag ist eine Bitte bzw. Aufforderung, etwas zu beschließen,. Eine Resolution ist eine schriftliche Erklärung einer Versammlung, in der Gedrungenen aufgestellt und begründet werden. Nach der Begründung des Antrags ist Robespierre kein blutiger Fanatiker gewesen. Eine Darstellung als blutiger Fanatiker ist nur eine Sichtweise, die Gegner Robespierres der Nachwelt lange Zeit aufzuzwingen verstanden haben.

Albert Soboul (1914 – 1982; das Todesjahr 1952 in der Vorlage der Abbildung in der Fragebeschreibung ist ein Fehler)

französisches Original zuerst:

Albert Soboul, Precis d'histoire de la revolution francaise. Paris : Éditions Sociales, 1962, S. 291

Albert Soboul, Die Große Französische Revolution : ein Abriß ihrer Geschichte (1789 – 1799). Herausgegeben und übersetzt von Joachim Heilmann und Dietfried Krause-Vilmar. 4. Auflage der durchgesehenen deutschen Ausgabe. Frankfurt am Main : Europäische Verlagsanstalt, 1983, S. 317 – 318 (über den Wohlfahrtsausschuss):

„Zwar machten sich die Ergebnisse dieser ungeheuren Anstrengung erst im Frühjahr 1794 bemerkbar, doch hatte der Ausschuss in der Zwischenzeit das Dringendste erledigen und die Invasion aufhalten können.

Der in den Armeen ausgeübte Terror hatte einen erheblichen Anteil an diesem Erfolg. Wenn der Wohlfahrtsausschuß in der Lage war, 14 Armeen auszuheben, auszurüsten, zu bewaffnen und zu ernähren und sie zum Sieg zu führen, so verdankte er diesen Erfolg dem Massenaufgebot, den Requisitionen, dem Maximum, der Verstaatlichung der Kriegsproduktion wie auch der Säuberung der Armeeführung und der Zügelung der Generale: alle diese Maßnahmen konnten nur deshalb zum Erfolg geführt werden, weil die Revolutionsregierung über eine Autorität verfügte, die von der Schreckensherrschaft abgesichert war.“

positives Urteil: große und erfolgreiche Leistung, Schreckensherrschaft notwendige Voraussetzung für erfolgreiche Selbstbehauptung der Revolution und Frankreichs (Invasion: Eindringen gegnerischer Truppen in ein fremdes Gebiet; Frankreich befand sich seit 1792 im Krieg, im Sommer 1793 war seine militärische Lage sehr schlecht, gegnerische Truppen stießen über die Grenzen in französische Gebiete vor, so im Nordosten eine britisch angeführte Truppe mit Soldaten aus Braunschweig-Lüneburg [Kurfürstentum Hannover] und den Niederlanden, von den österreichischen Niederlanden (späteres Belgien), am Rhein bis zum Elsass und an der Saar Truppen Österreichs und Preußens, in Savoyen [1792 Erwerbung Frankreichs] Truppen des Königreichs Sardinien-Piemont, an den Pyrenäen Truppen Spaniens)

Albert Soboul war Sozialist. Er schätzte an Robespierre sein Bemühen um eine enge Verbindung mit der Volksmenge.

Albert Soboul, Die Große Französische Revolution : ein Abriß ihrer Geschichte (1789 – 1799). Herausgegeben und übersetzt von Joachim Heilmann und Dietfried Krause-Vilmar. 4. Auflage der durchgesehenen deutschen Ausgabe. Frankfurt am Main : Europäische Verlagsanstalt, 1983, S. 290:

„Infolge seines revolutionären Ansehens setzte Robespierre die Politik des Ausschusses beim Konvent und bei den Jakobinern durch. Als Mann von Schafblick und Mut (dies hatte er in seinem einsamen Kampf gegen die allgemeine Einstellung gezeigt, die zur Kriegserklärung führte), Beredsamkeit und Uneigennützigkeit besaß der Unbestechliche (er ist der einzige in unserer Geschichte, der je diesen Namen verdient hat) das Vertrauen der Sansculotten. Er blieb seinen Grundsätzen treu, konnte sich aber auch den Umständen anpassen und als Staatsmann handeln. Er übertrug die ganze revolutionäre Autorität auf den Konvent, der zum Ausdruck der nationalen Souveränität wurde. Um aber stark und wirksam zu sein, mußte sich die Regierung auf das Volk stützen und in enger Verbindung mit ihm bleiben.“

Daniel Schönpflug (* 1969) und Peter Schöller (* 1950)

Robespierre als Erinnerungsfigur. Nachwort von Daniel Schönpflug und Peter Schöller. In: Max Gallo, Robespierre. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Daniel Schönpflug und Peter Schöttler. Aus dem Franzischen von Pierre Bertaux und Bernd Witte. Verbesserte deutsche Neuausgabe. Stuttgart : Klett-Cotta. 2007, S. 268- 285 (zitierter Ausschnitt S. 273)

S. 273:

„Das Bild vom Tyrannen erwies sich aus verschiedenen Gründen als besonders langlebig : erstens , weil es sich auf einige unzweifelhafte Fakten berufen konnte; zweitens, weil es die Mitverantwortung vieler tausend anderer Aktivisten, ja einer ganzen Gesellschaft in den Hintergrund rückte; drittens, weil das Scheitern der ersten französischen Republik das Modell einer demokratischen und egalitären Verfassung für Jahrzehnte diskreditiert hatte. Zwar existierte diese Republik offiziell noch bis 1804, doch war nun alles, was an den jakobinischen Terror erinnerte, verpönt und blieb es für lange Zeit. Mit der Kaiserkrönung Napoleons kehrte Frankreich zur konstitutionellen Monarchie zurück, die ja bereits das Ziel und das Ergebnis von 1789 gewesen war. Es liegt auf der Hand, daß sowohl das napoleonische Empire als auch - und noch viel mehr – die darauf folgende Restauration ein großes Interesse daran hatten, auf Robespierre und die Terreur als abschreckendes Beispiel hinweisen zu können.“

neutrales Urteil: Es geht um Beschreibung und Erklärung, wie die Erinnerung an Robespierre im Verlauf der Geschichte gewesen ist und wie er dabei gedeutet und beurteilt worden ist. An der zitierten Stelle wird erklärt, warum ein bestimmtes negatives Urteil (Robespierre als Tyrann, Terror/Schreckensherrschaft) lange angedauert hat: 1) unzweifelhafte Tatsachen 2) Konzentration auf Robespierre als Entlastung für andere Revolutionäre, deren Mitverantwortung in den Hintergrund gerät 3) Interesse des Kaiserreichs Napoleons und des wiederherstellten bourbonischen Königtums, eine demokratische und egalitäre (stark auf Gleichheit ausgerichtete) Verfassung zu diskreditieren (in schlechten Ruf zu bringen), in dem Robespierre und die Schreckensherrschaft als abschreckendes Beispiel hingestellt werden.

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Absicht des sozialistischen Abgeordneten Giacomo Matteotti in seiner Rede vor dem Parlament in Rom 1921, ist das Geschehen im Parlament bekanntzumachen und die brutalen Terroraktionen der Faschisten anzuprangern. Die Rede legt nahe, gegen Drohungen, Gewalt und Mord durch die Faschisten einzuschreiten. Wahrscheinlich soll dabei auch die Regierung an ihre Verantwortung ermahnt werden, durch Maßnahmen die Terroraktionen zu stoppen.

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Der Text ist zum Verhältnis zwischen Preußen und Österreich ziemlich knapp.

Der Deutsche Bund bestand seit 1815.

Zu Anfang gab es eine Zusammenarbeit zwischen Preußen und Österreich. Preußen akzeptierte Österreichs Vormachtstellung im Deutschen Bund (Österreich hatte den Vorsitz in der Bundesversammlung, einer auch Bundestag genanten Versammlung bevollmächtigter Gesandter, die Vertreter der Regierungen der Mitgliedsstaaten waren, in Frankfurt am Main, und damit die Geschäftsführung und bei Stimmengleichheit im Engeren Rat der Bundesversammlung eine ausschlaggebende Stimme). In den Beziehungen unter den europäischen Staaten waren Restauration (weitgehende Wiederherstellung der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse wie vor der Französischen Revolution), Legitimität (Rechtmäßigkeit der Herrschaft der Fürsten, die auf althergebrachten Rechten beruht; die Herrschaftsbefugnis wurde auch religiös gerechtfertigt [Gottesgnadentum der monarchischen Dynastien]) und Solidarität (monarchische Solidarität; die Monarchen wollten ihre [wiederhergestellte] Herrschaft durch Zusammenarbeit ihrer Staaten sichern und festigen, beabsichtigt war eine einträchtige gemeinsame [solidarische] Abwehr revolutionärer Erhebungen, Hilfe von außen sollte die Stellung der Monarchen gegen liberale und nationale Bewegungen schützen und diese Gegner bekämpfen) wichtig. Also standen zwischen Preußen und Österreich Zusammenarbeit für gemeinsame Ziele und ein friedliches Verhältnis im Vordergrund.

Nach 1848 kam es zu einer Veränderung im Verhältnis zwischen Preußen und Österreich.

Preußen war mit der Vormachtstellung Österreichs im Deutschen Bund nicht mehr einverstanden. Zusammenarbeit für gemeinsame Zeile bekam weniger Gewicht und trat in den Hintergrund. Die einzelnen Großmächte gaben ihren eigenen Machtinteressen den Vorrang. In Deutschland verschärfte sich ein Dualismus (Zweiheit/Zweiteilung mit einem Gegensatz) zwischen Preußen und Österreich, die Konkurrenten um die Vorherrschaft waren. Dies blockierte eine notwendige Veränderung im Deutschen Bund, die ihn an neue Entwicklungen hätte anpassen könne. Langfristig drohte durch den Dualismus eine Zerstörung/eine Auflösung/ein Zerreißen des Deutschen Bundes.

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Mit der Verabschiedung der Verfassung am 3. September 1791 war zum einen nicht alles mit allgemeiner Zufriedenheit geklärt (die Aussage von Camille Desmoulins kritisiert das Wahlrecht), zum anderen kam es auch auf die Umsetzung in der politischen Praxis an. Außerdem hat es sich verschärfende Gegensätze mit unterschiedlichen Interessen und Überzeugungen.

Faktoren waren:

  • Unzufriedenheit mit einigen Bestimmungen der Verfassung, vor allem dem Wahlrecht
  • Fehlen einer völligen politischen Einmütigkeit zumindest einer sehr großen Mehrheit
  • Schwierigkeiten mit der Umsetzung der Verfassung in der politischen Praxis, unter anderem wegen einer Abneigung des Königs, die neuen Verhältnisse dauerhaft auch innerlich zu bejahen
  • Streitigkeiten im Bereich von Kirche und Religion, die sich verschärften
  • außenpolitische Spannungen

Es gab Anhänger einer Monarchie, die sich eine stärkere Stellung des Königs wünschten. Andererseits ging einigen schon das in der Verfassung enthaltene Vetorecht des Königs mit aufschiebender Wirkung zu weit. Die Verfassung von 1791 war eine Verbesserung gegenüber dem Absolutismus, in dem es keine geschriebene Verfassung gab. Ein Bestandteil der Verfassung von 1791 waren die bereits 1789 erklärten Menschen- und Bürgerrechte. Die Standesunterschiede waren abgeschafft. Adel und Klerus hatten keine Privilegien mehr (z. B. auch nicht bei dem Zahlen von Steuern). Die natürlichen und bürgerlichen Rechte wurden als Grundeinrichtungen festgeschrieben. Die Rechte und Freiheiten bedeuten mehr Rechtssicherheit und freie Entfaltungsmöglichkeiten.

Das Volk hatte aber nicht alles bekommen. Das Wahlrecht war nicht allgemein, sondern an ein Mindestmaß an Steuerzahlung gebunden, also von Besitz/Einkommen abhängig. Am 22. Dezember 1789 hat die Nationalversammlung mit 453 gegen 443 Stimmen ein Gesetz beschlossen, das ein Zensuswahlrecht enthielt. Sogenannte Aktivbürger waren Franzosen (nur Männer, keine Frauen), die seit mindestens 1 Jahr in Frankreich ansässig waren, mindestens 25 Jahre alt waren und direkte Steuern im Wert von mindestens 3 Arbeitstagen zahlten (2 - 3 Livre jährlich); für Wahlmänner betrug die Zahlung direkter Steuern den Wert von mindestens 10 Arbeitstagen (7 – 10 Livre jährlich), für Abgeordnete waren Grundbesitz und eine Zahlung von direkten Steuern von mindestens 50 Livre Voraussetzung. Die sogenannten Aktivbürger konnten Beamte, Richter und die Wahlmänner wählen, die dann die Nationalversammlung wählten. Abgeordneter der Nationalversammlung konnte auch nur werden, wer eine Mindestsumme an Steuern zahlte. Andere galten als sogenannte Passivbürger. Durch dieses Zensuswahlrecht waren von 25 Millionen Gesamtbevölkerung und etwa 7 Millionen Männern 4, 3 Millionen Aktivbürger, nur 50.000 Wahlmänner. Ein nicht geringer Teil des Volkes war damit vom Wahlrecht ausgeschlossen. Diese Regelung entsprach nicht völlig einem Gleichheitsgrundsatz. Es gab Forderungen nach einem allgemeinen gleichen Wahlrecht.

Die am 3. September 1791 verabschiedeten Verfassung enthielt ein Wahlrecht mit sehr ähnlichen Bestimmungen (Titel III, Kapitel 1, Abschnitt 2, Artikel 2 – 7).

https://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sische_Verfassung_(1791)

http://www.verfassungen.eu/f/fverf91-i.htm

Camille Desmoulins kritisiert das Wahlrecht mit dem Hinweis: Der berühmte philosophische Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1788) wäre nach dem Wahlrecht der Verfassung nicht als Wahlmann wählbar gewesen.

Desmoulins widerspricht der Unterscheidung zwischen Aktivbürgern und Passivbürgern nach einem finanziellen Maßstab (Reichtum oder Armut). Als aktive Bürger möchte er die verstehen, die sich politisch mit Reden und Taten einsetzen (z. B. bei der Erstürmung der Bastille am 14. Juli 1789) oder in der Landwirtschaft (Felder urbar machen) für eine wirtschaftliche Grundlage Arbeit leisten (Bauern/Landarbeiter).

Die Wünsche, Interessen, Gedanken und Ziele des ganzen Volkes waren nicht völlig gleich. Nicht alle waren mit den Verhältnissen 1791 völlig zufrieden.

Die politische Neuordnung konnte nur gut funktionieren, wenn zwischen Nationalversammlung und König eine ausreichende Zusammenarbeit stattfand.

Die Einmütigkeit der Revolutionäre war nicht unbegrenzt, es gab verschiedene politische Gruppierungen. In den genauen Zielsetzungen gab es Abweichungen. Es gab Meinungsverschiedenheiten über die Deutung der Revolution und die daraus abzuleitende Taktik. Ein Teil der Jakobiner (z. B. Robespierre) und die Cordeliers waren nicht in jeder Hinsicht zufrieden. Bei den Abgeordneten stellte diese Opposition zwar zunächst nur eine deutliche Minderheit dar, doch konnte sich dies bei auftretenden Problemen verändern.

Die Volksmenge in Paris, in Sektionen der Kommune von Paris organisiert, hat wiederholt mit großen Aktionen einen revolutionären Schub bewirkt. Eine als Sansculotten bezeichnete städtische Massenbewegung des einfachen Volkes hat in einigen Phasen eine wichtige Rolle gespielt. Es gab auch soziale Ziele.

Es gab eine Nationalisierung von Kirchengütern. Der Papst lehnte einen Eid von Priestern auf die neue Verfassung ab. Priester verweigerten den Eid auf die neue Verfassung, was einen religiösen Konfliktherd (viele traditionelle/konservative Katholiken als Gegner) herbeiführte.

Der König Ludwig XVI. wollte gerne die Entwicklung zurückdrehen, zu der alten absolutistischen Stellung. Er übernahm nicht klar und dauerhaft, also über taktisches Nachgeben hinaus, die neue Rolle in einer konstitutionellen Monarchie. 1791 hatte es schon einen Fluchtversuch der Königsfamilie gegeben. Ludwig XVI. setzte sein Veto ein, das er in der Verfassung erhalten hatte, was Ärger auslöste.

Eine Anzahl von Aristokraten lehnte die Revolution ab, es gab Emigranten. Ihr Wirken im Ausland und Stellungnahmen von ausländischen Fürsten führen zu außenpolitischen Spannungen.

In Darstellungen der Französischen Revolution, sind Erklärungen für das Weitergehen der Revolution enthalten, z. B.:

Axel Kuhn, Die Französische Revolution. 6. Auflage. Stuttgart : Reclam, 2013 (Reclams Universal-Bibliothek ; Nr. 18912 : Reclam-Sachbuch). ISBN 978-3-15-018912-2

Susanne Lachenicht, Die Französische Revolution. 2., aktualisierte Auflage. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2016 (Geschichte kompakt : 19./20. Jahrhundert. WBG - Wissen verbindet). ISBN 978-3-534-26807-8

Rolf Reichhardt, Jakobiner. In: Enzyklopädie der Neuzeit: Im Auftrag des Kulturwissenschaftlichen Instituts (Essen) und in Verbindung mit den Fachwissenschaftlern herausgegeben von Friedrich Jaeger. Band 5: Gymnasium - Japanhandel. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2007, Spalte 1178 - 1188

Ernst Schulin, Die Französische Revolution. 5. Auflage. München : Beck, 2013 (Beck's historische Bibliothek). ISBN 978-3-406-65877-8

Hans-Ulrich Thamer, Die Französische Revolution. Originalausgabe. 5., durchgesehene Auflage. München : Beck, 2019 (Beck'sche Reihe : C.-H.-Beck-Wissen ; 2347). ISBN 978-3-406-50847-9

S. 46: „Für die Mehrheit der Abgeordneten war die Verfassung, die schließlich im Herbst 1791 verkündet wurde, Ausdruck eines Kompromisses und der Hoffnung, damit die Revolution beenden zu können. Für den König war die Verfassung innenpolitisches Mittel, um die Revolution zu stoppen und die Ordnung in seinem Sinn wiederherzustellen. Für die demokratische Opposition in der Konstituante war das Ergebnis des Verfassungskompromisses alles andere als befriedigend. Sie kritisierte heftig die Erblichkeit der Monarchie, die Fortexistenz des Hofes und das Wahlrecht. Damit war vorhersehbar, daß die Verfassung kaum ihre Aufgabe der inneren Stabilisierung erfüllen konnte, zumal die inneren Gegensätze im Parlament sich mittlerweile verfestigt, die städtische Volksbewegung sich politisiert und radikalisiert hatte.“

Johannes Willms, Tugend und Terror : Geschichte der Französischen Revolution. München : Beck, 2014. ISBN 978-3-406-66936-1

https://langzeitarchivierung.bib-bvb.de/wayback/20190716085806/https://www.historicum.net/de/themen/franzoesische-revolution/einfuehrung/verlauf/artikel/iii-konsolidie/

https://langzeitarchivierung.bib-bvb.de/wayback/20190716085801/https://www.historicum.net/de/themen/franzoesische-revolution/einfuehrung/verlauf/artikel/iv-revolution/

https://langzeitarchivierung.bib-bvb.de/wayback/20190716085804/https://www.historicum.net/de/themen/franzoesische-revolution/einfuehrung/verlauf/artikel/v-radikalisier/

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Der Gesandte konnte sich als Gesandter des Persischen Großkönig Xerxes wie ein bevollmächtigter Vertreter eines Gottkönigs empfinden, dessen Tötung ein auch religiöses Verbrechen war. Allerdings wäre Xerxes von den eine Unterwerfung ablehnenden Griechen nicht als Gott anerkannt worden.

Ein Gesandter war aber nach dem Völkerrecht bei der Ausübung seiner Tätigkeit geschützt und dieser Schutz war auch religiös/sakral verankert. Ein Gott galt als Schutzherr der Gesandten. Eine Verletzung dieses Rechts war daher auch nach griechischem Verständnis ein religiöses Verbrechen.

Ernst Baltrusch, Außenpolitik, Bünde und Reichsbildung in der Antike. München : Oldenbourg, 2008 (Enzyklopädie der griechisch-römischen Antike ; Band 7), S. 30:

„Noch bedeutender und verbreiteter in der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit war das weite Feld der Gesandtschaften (griechisch: πρεσβείαι/presbeíai, lateinisch: legationes), die sich je nach Aufgabenfeldern und Bevollmächtigungen z.T. stark unterschieden. Gesandte waren durch das Völkerrecht gesichert, mussten sich aber regelrecht ausweisen. Das schützte sie bei An- und Rückreise sowie für die Dauer ihres Auftrages (auch außerhalb Griechenlands bzw. des römischen Einflussbereiches) nach Recht, Religion und Sitte, denn ihr Schutzherr war der höchste Gott. Sie durften in keiner Form angetastet werden, weder bedroht noch festgehalten und schon gar nicht verletzt oder getötet werden. Die Anerkennung dieses sakral verankerten Rechts bedeutete Teilhabe an der „zivilisierten“Völkergemeinschaft, wie umgekehrt die die Verletzung des Gesandtenrechts „barbarisch“ war („barbarisch“ hier in einem pejorativen Sinne, denn natürlich war das Gesandtenrecht auch bei „Barbaren“ heilig). Dadurch konnte immer ein Mindestmaß an formalisierten und stabilen Beziehungen aufrechterhalten werden. Man kann natürlich auch Brüche des Gesandtenrechts aufzählen, so etwa die Misshandlung persischer Gesandter durch Sparta und Athen vor Ausbruch der Perserkriege. Die Gesandten des Großkönigs hatten Wasser und Erde zum Zeichen der Unterwerfung gefordert, und die Poleis hatten die Gesandten getötet. Das war eine eklatante Verletzung des Völkerrechts und wurde auch von den Übeltätern als solche empfunden. Nach den Perserkriegen sühnten deshalb zumindest die Spartaner ihr Vergehen gegenüber den Persern.“

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Zusammensetzung des Deutschen Bundes

Der Deutsche Bund war in Verbindung mit dem Wiener Kongress 1815 als Zusammenschluss souveräner Staaten (37 Fürstentümer und 4 Freie Städte) gegründet worden. Er bestand aus Fürstentümern und Freien Städten, darunter unter anderem das Kaiserreich Österreich, das Königreich Preußen, das Königreich Bayern, das Königreich Württemberg, das Königreich Sachsen, das Königreich Hannover und die Freien Städte Lübeck, Frankfurt am Main, Bremen und Hamburg. Der Deutsche Bund war ein Staatenbund.

Aufgaben des Deutschen Bundes

  • Neuordnung Deutschlands nach der Herrschaft Napoleons
  • Vereinigung der Mitgliedstaaten zu einem beständigen Bund
  • Schutz der Mitte Europas vor Angriffen durch Erhaltung der äußeren und inneren Sicherheit und Unabhängigkeit und Unverletzbarkeit der einzelnen deutschen Staaten
  • Stabilität und Aufrechterhaltung von Ruhe und Frieden, mit Herrschaft von Monarchen in fast allen Stataten
  • Stabilität und Wahrung des Gleichgewicht unter den europäischen Großmächten

Rechte und Pflichten der Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes

Rechte:

  • Entsendung an Weisungen gebundener Gesandten der Regierungen zur Bundesversammlung in Frankfurt am Main
  • Vortragen von Vorschlägen
  • Mitwirken (Beratung und Abstimmung) an Beschlüssen der unter Vorsitz Österreichs tagenden Bundesversammlung, Verträge und Bündnisse abzuschließen, einen Oberbefehlshaber des Bundesheeres zu ernennen, einen Bundeskrieg zu erklären und, wenn nötig, die innere Ordnung in den Bundesstatten zu sichern
  • unabhängige Regelung eigener Angelegenheit

Pflichten:

  • Einhaltung des Bundes-Akte (Verfassungsvertrag des Deutschen Bundes)
  • Stellen militärischer Einheiten für das Bundesheer
  • Schutz aller einzelnen Bundesstaaten vor Angriffen und gegenseitige Garantie der zum Bund gehörenden Besitzungen, Unterlassen eines Krieges gegeneinander unter irgendwelchen Vorwänden, keine Austragung von Streitigkeiten mit Gewalt gegeneinander, sondern Vorbringen bei der Bundesversammlung zur Vermittlung keine gegen die Sicherheit des Bundes oder einzelnen Bundesstaaten gerichteter Bündnisse
  • bei einem erklärten Bundeskrieg keine einseitigen Verhandlungen mit dem Feinden und kein Abschließen eines einseitigen Waffenstillstand oder Friedens
  • Ausführung von Beschlüssen der Bundesversammlung (wichtige Beschlüsse die für den ganzen Bund gelten sollten, mussten mit Zweidrittelmehrheit gefasst werden)
  • Einrichtung einer landständischen Verfassung (Artikel XIII der Bundes-Akte: „In allen Bundesstaaten wird eine landständische Verfassung stattfinden.“)
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Autor, Redner, Rede, Redegattung und Kontext (geschichtlicher Zusammenhang)

Ein Idealbild der athenischen Demokratie enthält die Gefallenenrede (der Epitaphios) des Perikles bei dem Geschichtsschreiber Thukydides (2, 35 – 46). In dem Quellentext ist in einer deutschen Übersetzung Thukydides 2, 37. 1- 2, 41, 1 enthalten (mit einer Auslassung von 2, 40, 3 – 5).

Der Geschichtsschreiber Thukydides (geboren irgendwann im Zeitraum etwa 460 – 455 v. Chr.), war ungefähr eine Generation jünger als Perikles (geboren wohl etwa 494/3 v. Chr.). Beide waren Athener und Thukydides hat als junger Mann Perikles zumindest bei Reden erleben können.

Eine Gefallenenrede (griechisch: ἐπιτάφιος λόγος (epitaphios logos]) war der Redegattung nach eine Lobrede. Insgesamt ist das Thema der Rede die lobenswerte Leistung der Gefallenen und die Vortrefflichkeit Athens, der Athener und der athenischen Demokratie. Die Rede enthält ein positives Selbstverständnis, ein Idealbild der athenischen Demokratie und des Lebens in ihr.

Das Publikum der Rede sind die zur öffentlichen Beisetzung erschienenen Bürger und Bürgerinnen Athens einschließlich der Angehörigen der Toten. Auch Nicht-Athener konnten sich dem Leichenzug (Fahrt der Särge zum Bestattungsplatz) anschließen (Thukydides 2, 34, 4).

Perikles hat im Winter 431/430 v. Chr. eine Rede auf die athenischen Gefallenen (tote athenische Bürger, die als Soldaten gekämpft hatten) des ersten Jahres des Peloponnesischen Krieges (431 – 404 v. Chr.) gehalten. Beim athenischen Geschichtsschreiber Thukydides (2, 35 – 46) gibt es eine Darstellung, wobei die Rede keine wörtliche Aufzeichnung ist, sondern vom Geschichtsschreiber geschaffen unter Berücksichtigung des Gesamtsinns der tatsächlichen Rede und der Situation. Sie ist nicht die wörtliche Wiedergabe der Perikles-Rede, sondern eine Gestaltung des Geschichtsschreibers, die auf das in der Lage Erforderliche ausgerichtet ist und sich so nah wie möglich an die inhaltliche Gesamtrichtung der tatsächlich gehaltenen Rede hält (Thukydides 1, 22 über die Methode). Formulierung und genaue gedankliche Ausgestaltung sind also nicht unbedingt genau wie bei Perikles.

Zwecke der Gefallenenrede, die Perikles im Winter 431/430 v. Chr. auf die athenischen Gefallenen (Kriegstoten) des ersten Jahres des Peloponnesischen Krieges (431 – 404 v. Chr.) gehalten hat, waren:

  • Ehrung der athenischen Kriegstoten und Würdigung ihres Einsatzes in einer öffentlichen Veranstaltung entsprechend einer Tradition
  • Bekräftigung eines positiven Selbstbildes und der leitenden Werte durch lobende Darstellung Athens, seiner demokratischen Verfassung, der Athener und ihrer Verhaltensweise
  • Ermunterung durch Auffassung einer Überlegenheit der Athener über die Spartaner/Lakedaimonier in manchen Bereichen und Gleichwertigkeit in anderen Bereichen
  • Hochhalten/Aufrechterhalten der Motivation, der Einsatzbereitschaft der Athener, auch wenn der Krieg Opfer kostet
  • Vermittlung einer Botschaft, die gefallenen Athener seien nicht umsonst gestorben, sondern für ihr Vaterland, im Dienst für die athenische Demokratie, in Verteidigung einer guten Sache
  • Zuspruch für die hinterbliebenen Angehörigen der Gefallenen mit Hinweis auf ein Aufziehen der Kinder der gefallenen Athener auf öffentliche Kosten

Inhalt: Vorzüge der athenischen Demokratie und ihrer Bürger

Aufgrund des Anlasses der Rede ist ein lobendes Hervorheben von Vorzügen zu erwarten und daher ist in den Grundzügen das anzunehmen, was zum Selbstverständnis des demokratischen Athens gehörte. Perikles war damals ein führender Politiker der athenischen Demokratie.

Die athenische Demokratie ist danach ein Vorbild für andere und gekennzeichnet durch:

  • Mehrheitsprinzip: In der Demokratie herrscht das Volk, die Mehrheit der Bürger entscheidet, nicht einige wenige (eine kleine Gruppe).
  • (politische) Gleichheit (gleiche Rechte): Alle Bürger sind hinsichtlich der Gesetze im öffentlichen Recht gleich.
  • Chancengleichheit: Tüchtigkeit/Vortrefflichkeit (ἀρετή) ist bei Ansehen/Wertschätzung ausschlaggebend. Bevorzugung im öffentlichen Leben geschieht allein aufgrund persönlicher Tüchtigkeit/Vortrefflichkeit, nicht aufgrund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe. Armut ist kein Hindernis, sondern wer etwas Nützliches für die Gemeinschaft beiträgt, wird anerkannt.
  • angenehme Lebensqualität: Es gibt ein reichhaltiges Angebot (Wettspiele, Feste, allen offenstehende schöne Anlagen) an Erholung von Anstrengungen.
  • Freiheit: Das Leben und der Umgang miteinander ist freiheitlich. So herrscht ein freier Geist.
  • Rechtsstaatlichkeit: Die Menschen haben Ehrfurcht vor geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen und erweisen ihnen Achtung/Respekt.

Die Bürger haben nach der Darstellung ausgezeichnete Verhaltensweisen und Eigenschaften:

  • Pflichtbewusstsein und Engagement
  • Großzügigkeit und Toleranz, die Verdächtigungen im Alltagsleben entgegenwirken
  • Weltoffenheit
  • gute politische Urteilsfähigkeit
  • gelungene Verbindung von Sinn für das Schöne und Liebe zu Wissen und Bildung mit Mut, Tatkraft und Einsatzbereitschaft: Athen ist als hohe Schule Griechenlands vorbildlich und die athenischen Bürger zeigen sich auf vielen Gebieten mit Anmut und Sicherheit als gut geformte eigenständige Persönlichkeiten.

Thema in in einzelner Abschnitten:

1) Schwierigkeit der Aufgabe, die Gefallenen in einer Rede zu ehren (2, 35)

2) Leistungen und weitergegebenes Erbe der Vorfahren, der Väter und der Bürger der Gegenwart (2, 36)

3) Vorbildhaftigkeit der demokratischen Verfassung der Athener und Prinzip der Freiheit (2, 37)

4) hohe Lebensqualität in Athen (2, 38)

5) militärische Gewohnheiten und Leistungskraft (2, 39)

6) Verhalten der Athener im öffentlichen Leben (2, 40)

7) Athen als Schule/Bildungsstätte Griechenlands, mit Verbindung von Schönheitssinn und einsatzbereiter Tatkraft (2, 41)

8) Lob der Gefallenen und Tröstung der Angehörigen (2, 42 – 45)

9) abschließender Hinweis auf Ehrung durch Begräbnis und Aufziehen ihrer Kinder auf Staatskosten (2, 46)

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Es gab eine Vielzahl von Berufen einfacher armer Römer(innen).

Eine vollständige Auflistung ist sehr schwierig. Ich beschränke mich auf Bereiche und eine gewisse Anzahl. Ein Teil der armen Römer waren Tagelöhner.

Landwirtschaft

Kleinbauer, Landarbeiter

Fischerei

einfacher Fischer

Bergbau

einfacher Bergbauarbeiter

Handel

Kleinhändler/Krämer

Handwerk und Gewerbe

Bauhandwerker, Zimmermann, Wagenbauer, Schmied, Weber, Färber, Maurer, Bäcker, Fleischer/Metzger/Schlachter, Schankwirt(in)

Dienstleistungen und Unterhaltung

Hausdiener(in), Friseur/Barbier, Koch, Elementarschullehrer, Nomenclator («Namennenner»), Tänzer(in), Schauspieler(in), Musiker(in), Prostituierte auf schlecht bezahltem Niveau

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Nur ein Teil der Antworten ist richtig. Einige Antworten gehen an der Frage vorbei, andere könnten ergänzt werden. Manche Fragen sind anscheinend nicht ganz richtig aufgeschrieben worden.

Nicht klar ist, welche Länge bei den Antworten erwartet wird.

1.) Wie war das Römische Reich aufgebaut?

Die Beantwortung hängt von der Zeit ab, auf die sich die Frage bezieht.

Rom hat sich über längere Zeit immer ausgedehnt, zunächst auf ganz Italien, dann in den ganzen Mittelmeerraum.

In Italien gab es zunächst in einer Abstufung der Rechte Römer, Latiner und Bundesgenossen.

Dann wurden außerhalb von Italien mit der Hauptstadt Rom nach und nach, beginnend mit Sizilien 241 v. Chr., römische Provinzen errichtet. Die Provinzen wurden von Statthaltern verwaltet.

https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6mische_Provinz

2.) Erkläre den Krieg gegen Karthago

Rom führte drei Kriege gegen Karthago, die als Punische Kriege bezeichnet werden. Die Römer haben alle diese Kriege gewonnen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Punische_Kriege

Es fehlt also eine Angabe, um welchen Krieg es genau geht und was daran erklärt werden soll.

Der Erste und der Zweite Punische Krieg haben jeweils viel länger als 3 Jahre gedauert. Karthago hatte auch nicht eindeutig mehr Land als Rom. Karthago war vor allem eine See- und Handelsmacht. Es gab karthagische Einflussgebiete, deren genauer Umfang nicht immer genau bekannt ist und bei dem nicht immer klart ist, ob sie als karthagisches Herrschaftsgebiet eingeordnet werden können.

Rom und Karthago waren damals zwei Großmächte im westlichen Mittelmeer, die in einem machtpolitischen Konflikt gerieten, als die römische Expansion über das Festland von Italien hinausging und die Römer in Messina auf der Insel Sizilien eingriffen. Ein Teil von Sizilien stand schon längere Zeit unter Karthagischer Herrschaft.

Zum Zweiten Punischen Krieg kam es über eine Auseinandersetzung um die Stadt Sagunt auf der iberischen Halbinsel. Rom griff in karthagisches Interessengebiet ein und forderte, die Belagerung Sagunts (das innerhalb eines im Ebrovertrags erlaubten Raumes karthagischen Einflusses lag, mit dem Rom aber vor kurzer Zeit ein Freundschaftsverhältnis begonnen hatte) abzubrechen. Der karthagische Oberbefehlshaber Hannibal lehnte dies in Absprache mit der Ratsversammlung in Karthago ab. Die Römer stellten Karthago ein Ultimatum und erklärten den Krieg, also Karthago sich seinen Forderungen nicht fügte.

Der Erste und der Zweite Punische Krieg waren lange, verlustreiche und schwierige Kriege mit schweren Niederlagen beider Seiten in einzelnen Schlachten.

Beim Dritten Punischen Krieg (149 – 145 v. Chr.) hatte Rom ein gewaltiges Machtübergewicht Roms und Karthago wollte einen Krieg gerne vermeiden. Der Numiderfürst Massinissa (Verbündeter Roms) hatte den Karthago mehrfach Land weggenommen und geplündert, aber Rom hatte parteiisch gegen Karthago entschieden. Zum Krieg führte wahrscheinlich ein Verlangen Roms nach bedingungsloser Unterordnung und völligem Gehorsam. Karthago wurde wegen seiner Eigenmächtigkeit (die formal von Vertragsbestimmungen abwich) eines Kampfes ohne römische Genehmigung gegen Massinissa als unbotmäßiger Störenfried beurteilt und Krieg zur Durchsetzung der unbedingten Autorität Roms auf rücksichtslose Weise geführt. Möglicherweise hat mitgespielt, nichts hinzunehmen, was allgemein ein Zeichen gegen den Anspruch Roms, in seinem Einflussgebiet nach eigenem Belieben eingreifen zu können, setzen konnte. Die römischen Senatoren wollten offenbar jede (selbst noch so bescheidene) zukünftige Wirkungsmächtigkeit einer gegen Rom tätigen Stadt Karthago endgültig beenden. Rom zerstörte Karthago, ein großer Teil der Einwohner wurden getötet oder in die Sklaverei verkauft.

3.) Wie war das römische Heer zusammengesetzt?

Das römische Heer bestand aus Legionen (aus römischen Bürgern; allmähliche Umwandlung von einer Bürgermiliz zu einer Berufsarmee und einem stehenden Heer in der Kaiserzeit) und Hilfstruppen (lateinisch: auxiliarii). Es gab Infanterie (Fußsoldaten), Kavallerie (Reiterei) und eine Marine (militärische Schiffsflotten).

https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6mische_Legion

https://de.wikipedia.org/wiki/Auxiliartruppen

https://de.wikipedia.org/wiki/Auxiliartruppen

4.) Was sind Gladiatorenkämpfe?

Gladiatorenkämpfe waren mit Lebensgefahr verbundene Kämpfe von Menschen mit Waffen in einer Arena als öffentliches Schauspiel. Ursprünglich wurden sie zur Ehrung von Toten veranstaltet, hauptsächlich Bedeutungen bekamen sie aber als Massenunterhaltung. Die Gladiatoren (lateinisch: gladius = Schwert) waren ausgebildete Berufskämpfer und traten gewöhnlich zu einem Zweikampf an. Der Veranstalter der Gladiatorenkämpfe entschied, ob ein sich ergebender unterlegener Gladiator die Arena lebend verlassen durfte oder getötet wurde, wobei das Publikum diese Entscheidung durch Rufe und Zeichen beeinflussen konnte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gladiator

5.) Wer war Gaius Iulius Caesar?

Gaius Iulius Caesar (100 – 44 v. Chr.) war ein römischer Politiker, Feldherr und Schriftsteller, der Gallien eroberte und durch einen Sieg in einem Bürgerkrieg stark zur Umwandlung der römischen Republik in eine Monarchie (Alleinherrschaft) beitrug. Bald nach seiner Ernennung zum Diktator auf Lebenszeit wurde Caesar ermordet.

6.) Wer war Augustus?

Augustus (63 v. Chr – 14 n. Chr.), ein Großneffe Caesars und sein Adoptivsohn durch Testament), war ein römischer Kaiser. Ursprünglich hieß er Gaius Gaius Octavius. Nach der Adoption nannte er sich Gaius Iulius Caesar. Da üblicherweise dabei der Zusatz „Octavianus“ hinzugefügt worden wäre, wird er in dieser Phase auch Octavian genannt. 27. v. Chr. bekam er vom Senat den Ehrennamen „Augustus“, der etwa „der Erhabene“ bedeutet. Er begründete nach einem Sieg in Machtkämpfen mit Bürgerkriegen eine Kaiserherrschaft als Prinzipat.

7.) Was ist das bürgerliche Reich?

Die Frage ist ziemlich unverständlich und vermutlich falsch aufgeschrieben.Vielleicht ist das römische Bürgerrecht gemeint. Es gab die Möglichkeit, am römischen Rechtsleben teilzunehmen, und war die Voraussetzung, wählen und in Ämter gewählt werden zu können. 212 n. Chr. bekamen alle freien Einwohner des Römischen Reiches das römische Bürgerrecht.

https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misches_B%C3%BCrgerrecht

https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misches_Recht

8.) Wie wurde das römische Mietshaus gebaut?

ergänzend: Römische Miethäuser wurden nicht selten in schlechter Qualität gebaut, um wenig Kosten zu haben und schnell fertig zu sein. Vor allem in oberen Stockwerken wurde oft nur Fachwerk aus Holz verwendet, was zu Rissen im Verputz führen konnte und bei einem ausbrechenden Feuer gefährlich war. Die Mietshäuser hatten mehrere Stockwerke, unten gab es oft Läden, Werkstätten oder Lokale.

https://de.wikipedia.org/wiki/Insula

9.) Warum war das Straßennetz wichtig?

Das römische Straßennetz war ein System aus Verkehrswegen und diente der schnellen Bewegung militärischer Truppen, dem Handel (Transport von Gütern), dem Reisen von Personen und der Übermittlung von Nachrichten. In einer planmäßig angelegten Stadt unterteilte ein rechtwinklig angelegtes Straßennetz die Stadt in Wohnblocks, und war die Verbindung zu anderen Orten in der Stadt und zu den Stadttoren.

10.) Was ist der Limes?

Limes (lateinisch limes bedeutete ursprünglich Querweg, -schneise, Grenzweg, Grenzlinie, Grenze) ist die Bezeichnung für sichernde Grenzanlagen an den Grenzen des Römischen Reiches. Es gab Wälle, Palisaden, Mauern, Türme und Kastelle.

Der Limes hatte mehrere Funktionen:

  • Schutz der Grenzen: Ein gewisses Hindernis und eine militärische Befestigung war ein Limes immerhin, außerdem gehörten auch Kastelle (Militärkasernen) und Legionslager zu den Einrichtungen im Grenzgebiet.
  • Frühwarnsystem: Beim Limes gab es eine Sichtschneise und Wachtürme, Nachrichten konnten schnell übermittelt werden.
  • Zoll- und Wirtschaftsgrenze: Kontrolle und Steuerung des Grenzverkehrs (Waren- und Personenverkehr) an Durchlässen/Grenzübergängen in Verbindung mit Einnahmen des römischen Staates durch Steuern und Abgaben/Zölle
  • Vom Limes ist einiges erhalten. Auf der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste ist der Hadrianswall seit 1987, der Obergermanisch-Raetische Limes seit 2006 und der Antoninuswall seit 2008.

https://de.wikipedia.org/wiki/Limes_(Grenzwall)

https://de.wikipedia.org/wiki/Grenzen_des_R%C3%B6mischen_Reiches_(Welterbe)

11.) Wo lebten die Germanen?

Die Germanen lebten in Nordeuropa (vor allem südliches Skandinavien) und in teilen Mitteleuropas.

12.) Wie wurden die Germanen aus römischer Sicht beschrieben?

Die Germanen wurden von römischen Autoren (z. B. Gaius Iulius Caesar, Commentarii De Bello Gallico 4, 21 – 23; Tacitus, Germania 4 – 27) überwiegend als wild und ziemlich primitiv beschrieben, sittlich von Zivilisationserscheinungen ziemlich unverdorben, groß, kräftig, mit rötlichen/rotblonden Haaren, blauen Augen, tapfer, mehr tüchtig im schwungvollem Ansturm als bei dauernder Mühe, Kälte und Hunger gut zu ertragen gewohnt, aber nicht Hitze und Durst, kriegerisch, aber mit Neigung zur Faulheit.

13.) Warum überlebte das Römische Reich nicht bis heute?

In der Zeit der Völkerwanderung wurde der westliche Teil des Römisches Reiches von anderen Völkern erobert. Die Ursache lag wahrscheinlich in einem Zusammenfall innerer Schwäche und äußeren Druckes. Der östliche Teil des Römisches Reiches konnte kurzzeitig viel vom Westteil zurückerobern, aber nicht lange behaupten. Er bestand als Byzantinisches Reich mit der Hauptstadt Konstantinopel noch lange Zeit, bis zur vollständigen Eroberung durch das Osmanische Reich 1453.

Die politische Einheit des Mittelmeerraums in einem Römisches Reichs ist zerbrochen, auch durch die islamische Expansion von Arabien her bis nach Nordafrika und zur iberischen Halbinsel.

Der Vorgang war nicht bloß ein völliger Untergang, sondern zum Teil auch eine Umformung und ein teilweises Fortbestehen.

Ein Gedanke eines universalen Kaisertums wurde fortgesetzt, nicht nur im Byzantinischen Reich/Oströmischen Reich, sondern beispielsweise auch im Fränkischen Reich (Karl der Große) und im Heiligen Römischen Reich.

Eine genaue Erklärung des Geschehens ist schwierig. Der Einfall der Hunnen nach Europa und der dadurch ausgeübte Druck auf germanische Völker hat eine Rolle gespielt.

Es gibt viele Meinungen zu diesem schwierigen Problem. Auch Klimaveränderungen und durch eingeschleppte Krankheitserreger verursachte Epidemien werden als Faktoren überlegt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Untergang_des_R%C3%B6mischen_Reiches

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Zur Feststellung von Gemeinsamkeiten der Verfassung des Deutschen Reichs vom 16. April 1871 (Kaiserreich) und der Verfassung des Deutschen Reiches vom 19. Juli 1919 (Weimarer Republik) kann untersucht werden, was zumindest in Bezug auf allgemeine Grundsätze gleich ist (z. B. Aufbau, staatliche Institutionen, Rechte und Befugnisse, Ernennungen und Wahlen).

wichtige Gemeinsamkeiten

  • große Machtstellung des Staatsoberhauptes:

Das Kaisertum war eine Erbmonarchie des Königs von Preußen (vgl. Artikel 11, erster Satz). Die politische und militärische Führung lag beim Kaiser (zugleich preußischer König). Er konnte nicht abgewählt werden und nicht für seine für seine Amtsführung rechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Der Kaiser hatte das Recht, den Reichstag einzuberufen, zu eröffnen, zu vertagen und zu schließen (Artikel 129). Der Kaiser ernannte den Reichskanzler (Artikel 15) und verfügte die Ernennung und Entlassung von Reichsbeamten (Artikel 18). Der Kaiser war Oberbefehlshaber des Heeres (Artikel 63) und hatte das Recht, das Reich völkerrechtlich zu vertreten, im Namen des Reichs Krieg zu erklären und Frieden zu schließen, Bündnisse und andere Verträge mit fremden Staaten einzugehen, Gesandte zu beglaubigen und zu empfangen (Artikel 11)

Der Reichspräsident war auf Zeit gewählt und konnte mit Zustimmung des Reichstags strafrechtlich verfolgt werden (Artikel 43). Ein direkt gewählter Reichspräsident in der Weimarer Republik hatte aber eine große Machtfülle (vor allem Artikel 25 Auflösung des Reichstags, Artikel 48 Notverordnungen und Artikel 53 Ernennung und Entlassung des Reichskanzlers). Der Reichspräsident vertrat das Reich völkerrechtlich, konnte im Namen des Reichs Bündnisse und andere Verträge mit auswärtigen Mächten abschließen (Artikel 45). Er hatte (Artikel 47) den Oberbefehl über die Wehrmacht des Reiches (Reichswehr). Wenn es im Parlament (Reichstag) keine handlungsfähige politische Mehrheit gab, konnte der Reichspräsident eine entscheidende Rolle spielen. Das praktisch unbegrenzte Recht, den Reichstag aufzulösen, gab ihm dann ein deutliches Übergewicht.

  • Amt des Reichskanzlers als Regierungschef
  • als Volksvertretung ein gewähltes Parlament, der Reichstag: Der Reichstag des Kaiserreiches hatte einige Mitspracherechte (so Gesetzesvorschläge und und Überweisung an ihn gerichteter Petitionen an den Bundesrat und den Reichskanzler) und Mitbestimmungsrechte (Mitwirkung an der Gesetzgebung Artikel 5 und 23; Bewilligungsrecht für den Haushalt Artikel 29). Erst am 28. Oktober 1918 wurde Verantwortlichkeit des Reichskanzlers und die Möglichkeit für den Reichstag, ihn durch Abwahl zum Rücktritt zu zwingen, eingeführt.

Der Reichstag der Weimarer Republik hatte von Anfang an auch das Recht, den Reichskanzler und Reichsminister durch Mehrheit in einer Abstimmung abwählen konnte. Der Reichstag konnte so durch ausdrücklichen Beschluss dem Reichskanzler und den Reichsministern sein Vertrauen entziehen und sie damit zum Rücktritt zwingen (Artikel 54).

  • Bundesstaat/Föderalismus: Es gab Einzelstaaten (Länder), die für bestimmte Bereiche (Ländersache, nicht Reichssache) zuständig waren und eine Ländervertretung

Übereinstimmung der Mehrheitsbeschlüsse von Bundesrat und Reichstag war im Kaiserreich für ein Reichsgesetz erforderlich (Artikel 5).

  • demokratisches Wahlrecht für Männer auf Reichsebene/für den Reichstag: Das Wahlrecht der Weimarer Republik war aber demokratischer, vor allem weil auch Frauen ein Wahlrecht hatten und ein ein allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht auch auf der Ebene der Einzelstaaten (Länder) und der kommunalen Ebene galt.

Es gab für den Reichstag im Kaiserreich ein allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht für Männer ab 25 Jahren (Artikel 20 und das übernommene Wahlgesetz für den Reichstag des Norddeutschen Bundes vom 31. Mai 1869; für die damalige Zeit ein ziemlich demokratisches Wahlrecht). Allerdings gab es ein Mehrheitswahlrecht in einzelnen Wahlkreisen, wobei im Fall eines Fehlens einer absoluten Mehrheit im ersten Wahlgang eine Stichwahl im zweiten Wahlgang stattfand. Dadurch konnte das Ergebnis bei der Abgeordnetenzahl in einigem Ausmaß nicht den Wählerstimmen genau entsprechen. Außerdem konnte auf der Ebene der Einzelstaaten das Wahlrecht anders sein, so blieb in Preußen Dreiklassenwahlrecht.

Das Wahlrecht (aktives Wahlrecht für Männer und Frauen ab 20 Jahren nach Artikel 22 und Reichswahlgesetz von 27. April 1920) war allgemein, gleich, unmittelbare und geheim. Es galt ein Verhältniswahlrecht. Jeder Wähler eine Stimme. Auf je 60000 Stimmen in einem Wahlkreis entfiel ein Abgeordnetensitz. Reststimmen wurden verrechnet, zunächst über Wahlkreisverbände, verbleibende über Reichslisten. Dies war sehr demokratisch darin, der Willen der Wählenden in der Sitzverteilung mit großer Entsprechung abzubilden. Es gab auch keine Sperrklausel (wie es z. B. eine 5-Prozent-Hürde ist).

  • Gewaltenteilung: Es gab in beiden Verfassungen eine Gewaltenteilung mit Exekutive (ausführende/vollziehende Gewalt/Macht), Legislative (gesetzgebende Gewalt/Macht) und Judikative (rechtsprechende Gewalt/Macht).

Im Kaiserreich gab eine Exekutive (ausführende/vollziehende Gewalt/Macht), an der Spitze der Kaiser, der Reichskanzler und die anderen Mitglieder der Reichsregierung, eine Legislative (gesetzgebende Gewalt/Macht) mit dem Reichstag und dem Bundesrat (Vertretung der Regierung der Einzelstaaten des Deutschen Reiches) und eine Judikative (rechtsprechende Gewalt/Macht; die Gerichtshoheit lag bei den einzelnen Bundesstaaten des Deutschen Reiches. Die Rechtsprechung lag bei verschiedenen Gerichten. Eine Reichsgerichtsbarkeit gab es nur für bestimmte Bereiche mit ausschließlicher Zuständigkeit des Reiches [in Artikel 4 angegeben]. Eine eigentliche Verfassungsgerichtsbarkeit des Reiches gab es nicht, für Streitigkeiten war der Bundesrat zuständig [Artikel 76]. Für nähere Bestimmungen über die Zuständigkeit und das Verfahren des Ober-Appellationsgerichts der drei freien und Hansestädte in Lübeck war Reichsgesetzgebung vorgesehen [Artikel 75]. Aufgrund eines Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze 1877 nahm 1879 ein Reichsgericht in Leipzig als oberstes Straf- und Zivilgericht seine Tätigkeit auf.). Nicht ganz zu einer klaren Trennung zwischen Exekutive und Legislative passend war der Vorsitz des Reichskanzlers im Bundesrat, weil damit die Exekutive sehr direkt auf die Legislative Einfluss nehmen konnte.

In der Weimarer Republik gab eine Exekutive (ausführende/vollziehende Gewalt/Macht), an der Spitze der Reichspräsident und die Reichsregierung mit dem Reichskanzler und den Reichsministern. Es gab eine Legislative (gesetzgebende Gewalt/Macht) mit dem Reichstag und dem Reichsrat (Vertretung der Länder). Es gab eine Judikative (rechtsprechende Gewalt/Macht), die Gerichte mit unabhängigen und nur dem Gesetz unterworfenen Richtern (102) Artikel ausübten, an der Spitze das Reichsgericht und der Reichsgerichtshof in Leipzig (vgl. Artikel 19, 103 und 108).

  • Möglichkeit einer vom Staatsoberhaupt durchgeführten Reichsexekution gegen einen Einzelstaat (Land), der verfassungsmäßige Pflichten verletzt: Beide Verfassungen enthielten die Möglichkeit einer Vollstreckung/Durchführung von Anordnungen gegen einen Einzelstaat ( Land) bei Verletzungen von verfassungsmäßigen Pflichten, der auch mit Einsatz militärischer Gewalt verbunden sein konnte (Reichsexekution). Im Kaiserreich hatte der Bundesrat die Befugnis, so etwas zu beschließen, wobei das Präsidium des Bundes dem König von Preußen zu, der auch Deutscher Kaiser war, zustand und Preußen eine große Anzahl von Stimmen im Bundesrat hatte.

Artikel 19 der Verfassung des Deutschen Reichs vom 16. April 1871:

„Wenn Bundesglieder ihre verfassungsmäßigen Bundespflichten nicht erfüllen, können sie dazu im Wege der Exekution angehalten werden. Diese Exekution ist vom Bundesrathe zu beschließen und vom Kaiser zu vollstrecken.“

Artikel 48 Absatz 1 der Verfassung des Deutschen Reiches vom 19. Juli 1919:

„Wenn ein Land die ihm nach der Reichsverfassung oder den Reichsgesetzen obliegenden Pflichten nicht erfüllt, kann der Reichspräsident es dazu mit Hilfe der bewaffneten Macht anhalten.“

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Am Anfang können Überlegungen stehen, was ein Obrigkeitsstaat und was eine Demokratie ist und welche Merkmale sie haben.

Ein Obrigkeitsstaat ist ein autoritärer Staat, in dem Macht vor allem von oben ausgeübt wird und das Volk keine oder nur wenig Macht hat zu bestimmen, wer die im Staat Herrschen sind. Regiert wird von der Obrigkeit (gewöhnlich ein Herrscher und eine ihm zugeordnete Führungsgruppe). Die Möglichkeiten einer Beteiligung der Bürger an staatlichen Entscheidungen sind verhältnismäßig gering. Die Bürger werden in starkem Ausmaß als Untertanen behandelt, die zu gehorchen haben

Eine Demokratie bedeutet nach der Wortherkunft eine Herrschaft es Volkes. Demokratische Grundsätze sind Volkssouveränität, Mehrheitsprinzip, politisch-rechtliches Gleichheitsprinzip, allgemeine, gleiche, unmittelbare und geheime Wahlen, Verantwortlichkeit der Regierung Rechtsstaat mit Gesetzmäßigkeit der Verwaltung, Grundrechte, Gewaltenteilung.

Es sollten am besten die Verfassungstexte (Verfassung des Deutschen Reiches vom 16. April 1871; Verfassung des Deutschen Reiches vom 19. Juli 1919) als Quellen genutzt werden (Angabe von Artikeln der Versfassungen, in denen etwas steht), außerdem, Verfassungsschemata und erklärende Zusammenfassungen.

Insgesamt war die Verfassung des Kaiserreiches mehr obrigkeitsstaatlich (aber kein reiner Obrigkeitsstaat), die Verfassung der Weimarer Republik mehr demokratisch (eine parlamentarische Demokratie mit einigen zusätzlichen Bestandteilen direkter Demokratie). Bei der genauen Einschätzung gibt es Beurteilungsspielraum.

Das Vorgehen kann sein, Punkte aufzulisten, die für und gegen eine obrigkeitsstaatliche Struktur der Verfassung des Kaiserreiches sprechen, und ebenso Punkte, die für und gegen eine demokratische Struktur der Verfassung der Weimarer Republik sprechen.

Abschließend könnte in der Erörterung ein Fazit kommen, das auf den Punkten und ihrer Gewichtung beruht und als Ergebnis zu einer Gesamtbeurteilung kommt.

Hinweise zu möglichen Punkten

Verfassung des Kaiserreiches obrigkeitsstaatlich

  • monarchisches Prinzip und starke Machtstellung des Kaisers: In der Präambel der Verfassung wird das Deutsche Reich als ewiger Bund verstanden, den Monarchen schließen. Das Kaisertum war eine Erbmonarchie des Königs von Preußen (vgl. Artikel 11, erster Satz). Die politische und militärische Führung lag beim Kaiser (zugleich preußischer König). Er konnte nicht abgewählt werden und nicht für seine für seine Amtsführung rechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Der Kaiser hatte das Recht, den Reichstag einzuberufen, zu eröffnen, zu vertagen und zu schließen (Artikel 129). Der Kaiser ernannte den Reichskanzler (Artikel 15) und verfügte die Ernennung und Entlassung von Reichsbeamten (Artikel 18). Der Kaiser war Oberbefehlshaber des Heeres (Artikel 63) und hatte das Recht, das Reich völkerrechtlich zu vertreten, im Namen des Reichs Krieg zu erklären und Frieden zu schließen, Bündnisse und andere Verträge mit fremden Staaten einzugehen, Gesandte zu beglaubigen und zu empfangen (Artikel 11).
  • Fehlen einer voll parlamentarischen Regierung mit Verantwortlichkeit und Abwählbarkeit des Regierungschef durch das Parlament: Es gab keine volle parlamentarische Verantwortlichkeit der Regierung/des Reichskanzlers, weil der Reichstag Regierungsmitgliedern kein Misstrauen aussprechen und sie nicht abwählen konnte. Erst am 28. Oktober 1918 wurde Veranwtortlichkeit des Reichskanzlers und die Möglichkeit für den Reichstag, ihn durch Abwahl zum Rücktritt zu zwingen, eingeführt.
  • keine Grundrechte auf Reichsebene: Die Verfassung enthielt keine Grundrechte. Diese standen in den Verfassungen der Einzelstaaten. Die Grundrechte waren nicht in ihrem Wesensgehalt vor einer Änderung geschützt und konnten bei einem erklärten Notstand (z. B. Ausrufung des Belagerungszustandes) einschränkt werden.
  • Ländervertretung mit verhältnismäßig wenig demokratischer Grundlage: Der Bundesrat war die Ländervertretung. Da aber die bevollmächtigten Vertreter im Bundesrat von der der Einzelstaaten ernannt wurden (Artikel 6) und die Regierungen vieler Einzelstaaten nicht voll parlamentarisch verantwortlich und nicht vom Parlament abwählbar waren, außerdem das Wahlrecht vieler Einzelstaaten weniger demokratisch als das Wahlrecht auf Reichsebene war, ist der Bundesrat ein Stück weit eine weniger demokratische Institution gewesen als der Reichsrat ( Ländervertretung in der Weimarer Republik).

Verfassung des Kaiserreiches nicht so sehr obrigkeitsstaatlich

  • Mitbestimmung des Reichstages: Das Parlament, die gewählte Volksversammlung auf Reichsebene, hatte einige Mitspracherechte (so Gesetzesvorschläge und und Überweisung an ihn gerichteter Petitionen an den Bundesrat und den Reichskanzler) und Mitbestimmungsrechte (Mitwirkung an der Gesetzgebung Artikel 5 und 23; Bewilligungsrecht für den Haushalt Artikel 29). Übereinstimmung der Mehrheitsbeschlüsse von Bundesrat und Reichstag war für ein Reichsgesetz erforderlich (Artikel 5).
  • demokratisches Wahlrecht auf Reichsebene/für den Reichstag: Es gab für den Reichstag ein allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht für Männer ab 25 Jahren (Artikel 20 und das übernommene Wahlgesetz für den Reichstag des Norddeutschen Bundes vom 31. Mai 1869; für die damalige Zeit ein ziemlich demokratisches Wahlrecht). Allerdings gab es ein Mehrheitswahlrecht in einzelnen Wahlkreisen, wobei im Fall eines Fehlens einer absoluten Mehrheit im ersten Wahlgang eine Stichwahl im zweiten Wahlgang stattfand. Dadurch konnte das Ergebnis bei der Abgeordnetenzahl in einigem Ausmaß nicht den Wählerstimmen genau entsprechen. Außerdem konnte auf der Ebene der Einzelstaaten das Wahlrecht anders sein, so blieb in Preußen Dreiklassenwahlrecht.
  • Gewaltenteilung: Es gab eine Exekutive (ausführende/vollziehende Gewalt/Macht), an der Spitze der Kaiser, der Reichskanzler und die anderen Mitglieder der Reichsregierung, eine Legislative (gesetzgebende Gewalt/Macht) mit dem Reichstag und dem Bundesrat (Vertretung der Regierung der Einzelstaaten des Deutschen Reiches) und eine Judikative (rechtsprechende Gewalt/Macht; die Gerichtshoheit lag bei den einzelnen Bundesstaaten des Deutschen Reiches. Die Rechtsprechung lag bei verschiedenen Gerichten. Eine Reichsgerichtsbarkeit gab es nur für bestimmte Bereiche mit ausschließlicher Zuständigkeit des Reiches [in Artikel 4 angegeben]. Eine eigentliche Verfassungsgerichtsbarkeit des Reiches gab es nicht, für Streitigkeiten war der Bundesrat zuständig [Artikel 76]. Für nähere Bestimmungen über die Zuständigkeit und das Verfahren des Ober-Appellationsgerichts der drei freien und Hansestädte in Lübeck war Reichsgesetzgebung vorgesehen [Artikel 75]. Aufgrund eines Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze 1877 nahm 1879 ein Reichsgericht in Leipzig als oberstes Straf- und Zivilgericht seine Tätigkeit auf.). Nicht ganz zu einer klaren Trennung zwischen Exekutive und Legislative passend war der Vorsitz des Reichskanzlers im Bundesrat, weil damit die Exekutive sehr direkt auf die Legislative Einfluss nehmen konnte.

Verfassung der Weimarer Republik mehr demokratisch

  • Volkssouveränität: Artikel 1 der Verfassung

„Das Deutsche Reich ist eine Republik.

Die Staatsgewalt geht vom Volke aus.“

Die Präambel versteht die Verfassung als vom Volk gegeben.

  • demokratisches Wahlrecht: Das Wahlrecht (aktives Wahlrecht für Männer und Frauen ab 20 Jahren nach Artikel 22 und Reichswahlgesetz von 27. April 1920) war allgemein, gleich, unmittelbare und geheim. Es galt ein Verhältniswahlrecht. Jeder Wähler eine Stimme. Auf je 60000 Stimmen in einem Wahlkreis entfiel ein Abgeordnetensitz. Reststimmen wurden verrechnet, zunächst über Wahlkreisverbände, verbleibende über Reichslisten. Dies war sehr demokratisch darin, der Willen der Wählenden in der Sitzverteilung mit großer Entsprechung abzubilden. Es gab auch keine Sperrklausel (wie es z. B. eine 5-Prozent-Hürde ist).
  • Möglichkeiten direkter Demokratie über Volksabstimmungen: Die Verfassung gab die Möglichkeit für eine Gesetzgebung durch Volksbegehren und Volksentscheid. Ein Zwanzigstel der Stimmberechtigten konnte ein Volksbegehren beantragen, ein Zehntel der Stimmberechtigten einen Volksentscheid (Artikel 73; zu erforderlichen Mehrheiten vgl. Artikel 75 und 76). Es hat in der Weimarer Republik Versuche gegeben, durch Volksentscheid ein Gesetz herbeizuführen, aber wie waren alle nicht erfolgreich. Es gab eine Direktwahl des Reichspräsidenten (Artikel 41), für 7 Jahre (Artikel 43). Der Reichstag konnte mit Zweidrittelmehrheit eine Volksabstimmung zur Absetzung des Reichspräsidenten beantragen (Artikel 43 Absatz 2). Dies ist allerdings niemals geschehen. Der Reichspräsident konnte eine Volksabstimmung über ein Gesetz bestimmen (Artikel 73 Absatz 1), was auch nicht geschehen ist.
  • Verantwortlichkeit und Abwählbarkeit der Regierung: Die Regierung war vor allem gegenüber dem Parlament verantwortlich, dem Reichstag, der Reichskanzler und Reichsminister durch Mehrheit in einer Abstimmung abwählen konnte. Der Reichstag konnte so durch ausdrücklichen Beschluss dem Reichskanzler und den Reichsministern sein Vertrauen entziehen und sie damit zum Rücktritt zwingen (Artikel 54).
  • Grundrechte: Die Verfassung enthielt (Zweiter Hauptteil: Grundrechte und Grundpflichten der Deutschen) umfangreiche Grundrechte (Artikel 109 –165). Dazu gehörten unter anderem: Gleichheit vor dem Gesetz und Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten (Artikel 109), Freizügigkeit (Artikel 111), Freiheit der Person (Artikel 114), Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 115), Brief-, Post-, Telegraphen- und Fernsprechgeheimnis (Artikel 117), Recht auf freie Meinungsäußerung (Artikel 118), Versammlungsfreiheit (Artikel 123), Vereinsfreiheit (Artikel 124), Wahlfreiheit und Wahlgeheimnis (Artikel 125), Glaubens- und Gewissensfreiheit sowie Religionsfreiheit (Artikel 135, 136 und 137), Freiheit der Kunst, Wissenschaft und Lehre (Artikel 142), Bildung der Jugend (143), Vertragsfreiheit nach Maßgabe der Gesetze (Artikel 152), Gewährleistung des Eigentums (Artikel 153), Urheberrecht (Artikel 158), Vereinigungsfreiheit zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen (Artikel 159), Sorge für notwendigen Unterhalt (Artikel 163). Allerdings konnten einige Grundrechte durch eine Notverordnung des Reichspräsidenten vorübergehend ganz oder teilweise außer Kraft gesetzt werden (aufgrund von Artikel 48) und die Verfassung konnte in jeder Bestimmung durch Zweidrittelmehrheit geändert werden (Artikel 76). Es gab also keinen unantastbaren Wesensgehalt der Grundrechte.

Gewaltenteilung: Es gab eine Exekutive (ausführende/vollziehende Gewalt/Macht), an der Spitze der Reichspräsident und die Reichsregierung mit dem Reichskanzler und den Reichsministern. Es gab eine Legislative (gesetzgebende Gewalt/Macht) mit dem Reichstag und dem Reichsrat (Vertretung der Länder). Es gab eine Judikative (rechtsprechende Gewalt/Macht), die Gerichte mit unabhängigen und nur dem Gesetz unterworfenen Richtern (102) Artikel ausübten, an der Spitze das Reichsgericht und der Reichsgerichtshof in Leipzig (vgl. Artikel 19, 103 und 108).

Verfassung der Weimarer Republik nicht sehr demokratisch

  • übergroße Machtfülle des Reichspräsidenten einschließlich des Rechts zu Notverordnungen (Artikel 48), mit dem sich unter bestimmten Umständen die Befugnisse des Reichstags aushebeln ließen und die parlamentarische Demokratie untergraben werden konnte:

Der Reichspräsident war auf Zeit gewählt und konnte mit Zustimmung des Reichstags strafrechtlich verfolgt werden (Artikel 43). Ein direkt gewählter Reichspräsident hatte aber eine große Machtfülle (vor allem Artikel 25 Auflösung des Reichstags, Artikel 48 Notverordnungen und Artikel 53 Ernennung und Entlassung des Reichskanzlers). Wenn es im Parlament (Reichstag) keine handlungsfähige politische Mehrheit gab, konnte der Reichspräsident eine entscheidende Rolle spielen. Das praktisch unbegrenzte Recht, den Reichstag aufzulösen, gab ihm dann ein deutliches Übergewicht. Neben einer Neigung von Teilen der Bevölkerung zu einem „Ersatzmonarchen“ ist besonders ein Misstrauen einer Mehrheit in der Nationalversammlung gegen einen „Parlamentsabsolutismus“ hervorzuheben (was einen verbliebenen Rest an politischen Denken, das auf eine konstitutionelle Monarchie bezogen war, zeigt). Ein starker, direkt gewählter Reichspräsident wurde 1919 als Gegengewicht neben den Reichstag gestellt. Seine Stellung bildete später ein Einfallstor für autoritäre Kräfte.

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Glück(seligkeit) ist das höchste und letzte Ziel (Endziel) menschlichen Handelns. Alle streben nach Glück (εὐδαιμονία [eudaimonia]).

Dabei ist an etwas auch Dauerhaftes gedacht.

Entfaltung in einer Tätigkeit der Seele als Grundlage: Aristoteles ist der Auffassung, ein so großes Gut wie das Glück könne nur durch eine Tätigkeit/ein Tätigsein erreicht werden, indem Fähigkeiten und angelegte Möglichkeiten entfaltet werden. Die Entfaltung ist etwas, das Freude bereitet und zu einem guten, erfüllten Leben beiträgt.

Verbindung von Glückseligkeit und Vernunft durch den Gedanken einer den Menschen wesentlich kennzeichnenden Funktion/Aufgabe: Als das einem Menschen eigentümliche Werk (das, wozu er speziell bestimmt ist) versteht Aristoteles die mit Vernunft verbundene Tätigkeit der Seele und ein entsprechendes Handeln. Das menschliche Gut (τὸ ἀνθρώπινον ἀγαθὸν) ist nach ihm der Vortrefflichkeit gemäße Tätigkeit der Seele bzw. (wenn es mehrere Vortrefflichkeiten gibt) der besten und vollkommensten Vortrefflichkeit entsprechende Tätigkeit. Das hier mit Vortrefflichkeit wiedergegebene Wort heißt griechisch ἀρετή, was in der deutschen Sprache oft mit Tugend übersetzt wird, dabei aber in Gefahr gerät, in der Bedeutung zu sehr eingeschränkt verstanden zu werden.

Es gibt Vortrefflichkeiten/Tugenden des Verstandes (z. B. Weisheit, Klugheit) und des Charakters (z. B. Tapferkeit, Besonnenheit, Gerechtigkeit), dianoetische Tugenden und ethische Tugenden genannt. Charaktertugenden (ethische Tugenden) sind feste inneren Haltungen/Einstellungen, aus denen heraus Menschen gut handeln. Sie sind auf die richtige Mitte ausgerichtet, zwischen einem Zuviel (Übermaß) und einem Zuwenig (Mangel), wobei die Mitte dem Wert nach das Beste (ein Optimum) ist und nicht mit Mittelmäßigkeit verwechselt werden darf.

Gründe für die Wahl der Vernunft sind:

  • Vornehmheit: Die Vernunft ist als das Leitende das Vornehmste in uns und die Gegenstände der Vernunft die vornehmsten im Bereich der Erkenntnis.
  • Langfristigkeit: leichter eine anhaltende Tätigkeit möglich
  • Beständigkeit/Dauerhaftigkeit/Stabilität und Reinheit (keine Mischung mit etwas Unangenehmen) des Genusses
  • Autarkie
  • zur Muße, die vom Menschen begehrt wird, passende Tätigkeit

Aristoteles unterscheidet drei Lebensformen, in denen Glück gesucht wird:

1) Leben der sinnlichen Lust und des sinnlichen Vergnügens

2) politisch-praktisches Leben (vor allem Handeln in einer Gemeinschaft)

3) Leben der theoretischen Betrachtung (Forschung und Philosophie)

Die Lebensformen können miteinander verbunden werden, aber die dritte (theoretisches Leben, also selber denken, geistige Tätigkeit) hat in der aristotelischen Ethik den höchsten Rang. Ein bloß auf sinnliche Lust beschränktes Leben hat den geringsten Rang, weil kein Streben nach Vollkommenheit aufritt, Menschen sich knechtisch und ohne Einsicht und Besonnenheit verhalten. Ein bloßes Erwerbsleben mit einem Streben nach Reichtum um seiner selbst willen ist verfehlt ein gutes Leben und ist nicht der richtige Weg zum Glück .

Lust (ἡδονή [hedone]) ist ein Glücksbestandteil. Das Gute und die Lust gehören zu dem, was um seiner selbst willen liebenswert ist. Die Lust ist aber nach Aristoteles nicht das höchste Gut. Nicht jede Form der Lust ist an sich wählenswert. Nicht jede Lust gilt Aristoteles als ein Gut Das Lustvolle ist ein anscheinendes Gut, das ein wirkliches Gut oder nur ein täuschendes Scheingut sein kann.

Außer der von innen ausgehenden Seite gehören zum Glück nach Aristoteles auch äußere Güter, bei denen Menschen von äußeren Umständen abhängig sind. Für Grundbedürfnisse wird etwas benötigt, z. b. Ernährung, Kleidung, Wohnen. Wohlstand bietet mehr Möglichkeiten. Freunde können unterstützen. Der Staat, in dem Menschen leben, kann ein gutes oder schlechtes Herrschafts- und Rechtssystem haben und die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen mehr oder weniger Chancen bieten. Die äußeren Umstanden beeinflussen das Leben.

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Epikur: Lust als Lebensziel?

Hey Leute, kann mir ein Philosoph bei der Bearbeitung dieser Fragen mithilfe des Textes weiterhelfen? Es wäre echt nett😊!

Dafür, dass die Lust das Lebensziel ist, liegt der Be­weis darin, dass die Lebewesen von Geburt an dar­an Gefallen finden, dagegen dem Schmerze natur­gemäß und ohne Überlegung sich widersetzen.

Auf Grund unserer eigenen Erfahrung also fliehen wir den Schmerz, wie denn selbst Herakles, während er von dem Gewande zerfressen wird, „laut schreit vor Schmerz [...]".

Ich weiß nicht, was ich mir als das Gute vorstellen soll, wenn ich die Lust des Geschmackes, die Lust der Liebe, die Lust des Ohres beiseitelasse, ferner die an­genehmen Bewegungen, die durch den Anblick einer Gestalt erzeugt werden, und was sonst noch für Lust­empfindungen im gesamten Menschen durch irgendein Sinnesorgan entstehen.

So kann man auch nicht sagen, dass ausschließlich die Freude des Geistes das Gute ausmache.

Denn die Freude des Geistes erkenne ich in der Hoffnung auf alle jene Dinge, die ich eben genannt habe, und darauf, dass die Natur, wenn sie sie besitzt, von Schmerz frei sein wird. [...]

Für Menschen, die zu überlegen fähig sind, enthält

der wohlgefestigte Zustand des Fleisches und die zu­verlässige Hoffnung im Bezug auf ihn die höchste und sicherste Freude.

Man muss das Edle, die Tugenden und dergleichen Dinge schätzen, wenn sie Lust verschaffen; tun sie

dies nicht, dann soll man sie fahren lassen. 

Fragestellung:

Vielen Dank im Voraus!😊

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Der Text besteht aus mehreren Textstellen, die Aussagen des Philosophen Epikur (griechisch: Ἐπίκουρος [Epikouros]; lateinisch: Epicurus) enthalten: Diogenes Laertios 10, 137 – 138; Athenaios, Deipnosophistai (Δειπνοσοφισταί; Gelehrtengastmahl; lateinischer Titel: Deipnosophistae) 12, 546 E und Marcus Tullius Cicero, Tusculanae disputationes 3, 41; Plutarch, Hoti oude hedeos zen estin kat’ Epikouron (griechisch: Ὅτι οὐδὲ ἡδέως ζῆν ἔστιν κατ’ Ἐπίκουρον; Daß man nach Epikur nicht angenehm leben kann; lateinischer Titel: Non posse suaviter vivi secundum Epicurum) 4 (Ethika [Ἠθικά]/Moralia 1089 d) und Athenaios, Deipnosophistai (Δειπνοσοφισταί; Gelehrtengastmahl; lateinischer Titel: Deipnosophistae) 12, 546 F.

Auch wenn die Aussagen verhältnismäßig eng zusammengehören, ist es nicht völlig einwandfrei, sie als einen fortlaufenden und abgeschlossenen Argumentationsgang zu behandeln.

Ziel allen Handelns ist nach Epikurs Ethik das gute Leben (εὐ ζῆν), das selige Leben (μακαρίως ζῆν) oder anders gesagt das Glück/die Glückseligkeit (griechisch: εὐδαιμονία [eudaimonia]), das heißt ein gutes Leben des Wohlbefindens und Wohlergehens (die Wortbildung geht auf die Vorstellung zurück, einen „guten Daimon“ zu haben, was bedeutet, ein wohlgeratenes, gesegnetes, gedeihliches, wunschgemäßes, preisenswertes Leben zu führen).

Glück/Glückseligkeit ist nach Epikurs Auffassung von Lust bzw. dem Freisein von Unlust/Schmerz/Leid bestimmt. Weil Epikur das Freisein von Unlust/Schmerz/Leid für vorrangig hält, kann seine Ethik als ein negativer Hedonismus (Vermeidung von Unlust/Schmerz/Leid ist am wichtigsten) bezeichnet werden.

Epikur erklärt einen mit Dauer verbundenen Zustand, die Seelenruhe (griechisch: ἀταραξία [ataraxia]; „Unerschütterlichkeit“) und die körperliche Schmerzlosigkeit (griechisch: ἀπονία [aponia]) für die Vollendung des glückseligen Lebens.

Glück/Glückseligkeit ist ein von allen um seiner selbst willen erstrebtes Gut und damit ein Endziel. Nach Epikurs Auffassung besteht Glück in der Empfindung von Lust bzw. dem Freisein von Unlust/Schmerz/Leid. Lust ist allgemein Anfang/Ausgangspunkt und Ende des glückseligen Lebens (Epikur, Brief an Menoikeus, Diogenes Laertios 10, 128). Das Streben, das sich in jedem Wählen und Meiden ausdrückt, beginnt mit der Lust und endet bei der Lust, indem jedes Gut mit der Empfindung als Maßstab beurteilt wird.

Keine Lust ist an sich etwas Schlechtes (Epikur, Kyriai Doxai 8), sondern jede Lust an sich etwas Gutes. Lust als solche ist ein Gut und damit ein erstrebenwertes/wünschenswertes Ziel. Epikur trifft die Feststellung (Brief an Menoikeus, Diogenes Laertios 10, 124): Jedes Gut und Übel ist in der Wahrnehmung. Dieser Standpunkt ist ein Sensualismus (Erfahrung der Sinne ist grundlegend). Epikurs Darlegung zielt offenbar auf folgenden Gedanken: Wenn alles, was für Menschen von Bedeutung ist, in der Wahrnehmung und in der Empfindung gegeben ist, liegt alles, was für Menschen gut ist, in der guten (angenehmen) Art der Empfindung, und dies ist die Lust. Weil es auch unangenehme Begleiterscheinungen und Folgen haben kann, einer Lust nachzugehen, ist nicht jede Lust in einer augenblicklichen Lage wählenswert.

Lust ist etwas Natürliches. Sie wird als ein erstes und angeborenes Gut erkannt. Wie Beobachtung zeigt, streben Menschen und allgemein die Lebewesen von Natur aus nach Lust und meiden den Schmerz. Neugeborenen Lebewesen, bei denen noch keine möglicherweise verfälschenden Einflüsse stattgefunden haben können, gefällt von Natur aus Lust sofort und sie streben danach, während sie gegenüber Schmerz Abneigung haben und versuchen ihn zu vermeiden.

Die Sinnlichkeit mit Empfindungen der Lust und der Unlust/des Schmerzes/des Leidens gibt die unmittelbaren, ursprünglichen Wertungen Die Bewertung der Lust als gut und grundlegender Wert ist damit keine Sache weiterer rationaler Begründung, sondern eine Gegebenheit der Natur.

Was bei einem unverfälschten natürlichen Verhalten erstrebt wird, gilt bei Epikur als erstrebenswert und damit als Ziel.

Textaufgaben

zugrundezuliegendes philosophische Problem: Was ist das übergeordnetes Ziel des Lebens? Worin besteht Glück und wie wird es erreicht?

Bedeutung: Für Menschen wird damit eine grundsätzliche Orientierung gegeben. Im Bereich der Ethik wird ein Maßstab angegeben. Glück(seligkeit) ist ein wünschenswertes Ziel und Menschen können versuchen, es mittels einer Lebenskunst zu erreichen.

zentrale Fragestellung: Ist Lust das übergeordnetes Ziel des Lebens?

Argumentationsgang

1) These: Lust ist das übergeordnetes Ziel des Lebens

2) Argumente:

a) Lust ist ein erstrebtes Gut. Denn Lebewesen haben von Natur aus Gefallen an Lust und streben schon von Geburt an, danach, versuchen dagegen Schmerz (das Gegenteil von Lust) aufgrund eigener Erfahrung zu vermeiden und und haben dagegen spontan, ohne langes Überlegen, eine Abneigung

b) Bei Weglassen der auf Sinneswahrnehmungen beruhenden Lust bleibt nichts übrig, das als Gutes vorstellbar ist.

c) Freunde des Geistes bestehen in der Hoffnung auf Lust, die auf auf Sinneswahrnehmungen beruht, und auf Freisein von Schmerz, kann also auf Lust zurückgeführt werden.

d) Lust ist ein um seiner selbst willen erstrebtes Gut, dagegen sind das Edle, Tugenden und dergleichen nur insoweit schätzenswert, als sie Lust verschaffen, also nicht um ihrer selbst willen

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Es werden in der Karikatur in einem Gegensatz eine nationalistische Lüge (oberes Bild; „Ein Dolchstoß, der eine Legende ist“) und eine Wahrheit (unteres Bild; „Ein Dolchstoß, der keine Legende ist“) einander entgegengestellt.

Das obere Bild zeigt, was für eine Vorstellung in der Dolchstoßlegende ( https://de.wikipedia.org/wiki/Dolchsto%C3%9Flegende ; https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/dolchstosslegende.html ) verbreitet wurde, einer wahrheitswidrigen Darstellung, die falsch (Deutschland befand sich am Ende des Ersten Weltkriegs in einer militärischen verlorenen Lage und dies nicht wegen eines Verhaltens der Zivilbevölkerung; die Novemberrevolution folgte z. B. auf die verlorene militärische Lage und geschah nach einem Waffenstillstandsgesuch im Oktober) behauptete, das deutsche Heer an der Front habe im Ersten Weltkrieg, im Feld unbesiegt, von der Heimat aus von hinten einen Dolchstoß erhalten und dies sei Schuld an der Niederlage Deutschlands und den folgenden Bedingungen des Friedensvertrages gewesen. Beschuldigt wurden Linke, aber nicht selten auch allgemein Demokraten oder auf rassistische Weise Juden. Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff, die 1916 – 1918 an der Spitze der Obersten Heeresleitung (OHL) standen, waren an dieser nationalistischen Lüge beteiligt, die der militärischen Führung half, sich ihrer eigenen Verantwortung zu entziehen.

Im oberen Bild ist dargestellt, wie ein Zivilist einen Soldaten von hinten mit einem Stoß erdolcht. Dies ist die „nationalistische Lüge“ der Überschrift.

Im unteren Bild ist dargestellt, wie ein Rechtsextremist (Hakenkreuz auf der Kleidung; nicht nur Nationalsozialisten verwendeten Hakenkreuze als Symbol, sondern auch andere Rechtsextremisten) einen Zivilisten von hinten mit einem Stoß erdolcht. Dies ist die „Wahrheit“ der Überschrift.

Der Soldat im oberen Bild trägt Uniform, Stahlhelm, Gewehr und Rucksack/Tornister und befindet sich offenbar an einer Front (des Ersten Weltkrieges), wie kreuzförmig aufgestellte Balken und Stacheldraht im Gebiet vor ihm zeigen. Der Zivilist trägt eine für Arbeiter typische Schiebermütze. Ein politisch linksstehender Arbeiter soll gemeint sein.

Der Mann mit Dolch im unteren Bild trägt einen eher vornehmen Hut und ist damit als sozial höhergestellt als ein einfacher Arbeiter dargestellt. Da die Karikatur am 9. September 1921 erschien, verhältnismäßig bald nach dem Mord an dem demokratischen Politiker Matthias Erzberger am 26. August 192, kann in diesem Zusammenhang der Mann mit Dolch im unteren Bild als ehemaliger Offizier und Angehöriger einer geheimen paramilitärischen Organisation gedacht werden.

Die Person, die angegriffen wird, kann allgemein als eine die Weimarer Republik vertretende (sie politisch tragende und als eine für sie stehende) gedeutet werden. Ein allgemeiner Zusammenhang sind von Rechtsextremen begangenen politische Morde und Mordversuche.

Die Zeit der Entstehung und Veröffentlichung der Karikatur ist bei der Deutung ein wesentlicher Umstand.

„Nationalistische Lüge und Wahrheit“, Zeichnung von Oskar Theuer, steht in: Ulk. Wochenschrift des Berliner Tageblatts, Nr. 36, 50. Jahrgang, 9. September 1921

http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/ulk1921/0141 ; https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/ulk1921/0141/scroll

Philipp Scheidemann, der im Aussehen eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Zivilisten im unteren Bild hat, und Walther Rathenau scheiden damit als die Karikatur veranlassende reale Fälle aus, da das Attentat (Mordanschlag) auf Philipp Scheidemann erst am 4. Juni 1922 geschehen ist und die Ermordung von Walther Rathenau am 24. Juni 1922.

Matthias Erzberger (Deutsche Zentrumspartei; kurz: Zentrum) ist am 26. August 1921 ermordet worden. In der Nähe des Kurortes Bad Griesbach im Hochschwarzwald haben ihn, als er mit seinem Parteifreund Carl Diez einen Spaziergang unternahm (wegen eines Wetters mit Nieselregen hatten sie Regenschirme dabei), Heinrich Schulz und Heinrich Tillessen erschossen. Die Attentäter waren ehemalige Marineoffiziere, in der Marine-Brigade Ehrhardt des Korvettenkapitäns Hermann Ehrhardt, nach deren Auflösung in deren geheimer Nachfolgeorganisation »Organisation Consul« (abgekürzt: OC), in deren Auftrag sie bei der Ermordung handelten. Carl Diez, der mit seinem Regenschirm einen Angreifer zurückzuschlagen versuchte, wurde schwer verletzt (vgl. zum Mord Sabine Pappert, Matthias Erzberger : Bad Griesbach, 26. August 1921. In: Michael Sommer (Hrsg.), Politische Morde : vom Altertum bis zur Gegenwart. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2005, S. 192 – 200).

In der Karikatur ist eine Naturlandschaft zu sehen und der Person entfällt ein Regenschirm aus der rechten Hand.

Matthias Erzberger stimmt zwar vom Aussehen nicht gut (er ist rundlicher und ich kenne nur Bilder, die ihn bartlos bzw. mit Oberlippenbart zeigen; Carl Diez scheint dagegen einen etwas längeren Bart getragen zu haben), aber aufgrund der zeitlichen Nähe ist ein Bezug auf die Mordtat an ihm sehr wahrscheinlich.

Matthias Erzberger war eine Symbolfigur der Weimarer Republik. Als Urheber der Friedensresolution des Deutschen Reichstags vom 19. Juli 1917, Unterzeichner des Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918 (auf Wunsch und mit Zustimmung der Obersten Heeresleitung mit Paul von Hindenburg an der Spitze) und wichtiger Politiker beim Übergang von einem monarchischen Obrigkeitsstaat zu einer parlamentarischen Demokratie, Reichsfinanzminister (mit einer wichtigen Reichsfinanzreform, die vereinheitlichte und große Vermögen stärker heranzog) hatte er sich starke Feindschaft von rechtsradikaler Seite zugezogen. Gegen ihn war eine Haß- und Verleumdungskampagne gelaufen.

Die Karikatur nimmt auf den individuellen Fall Bezug, will aber wohl über ihn hinausgehen.

In der Legende ist das Opfer ein Soldat, der für die deutsche Armee steht. In der Realität (keine Legende) ist das Opfer ein Zivilist. An Politiker, die für die Weimarer Republik stehen, kann auf einer allgemeinen Ebene gedacht werden (in diesen Zusammenhang passen auch Walther Rathenau und Philipp Scheidemann). Sie wurden von rechtsaußen als „Novemberverbrecher“ bezeichnet.

William A. Coupe, German political satires from the Reformation to the Second World War. Part 3: 1918 - 1945. Commentary. White Plains, NY : Kraus, 1985, S. 78:

„In the upper picture, above the caption 'A stab in the back that is a legend', a worker stabs a German front-line soldier from behind. In the lower picture, a civilian is being stabbed in similar fashion by a well-dressed ex-officer who wears a swastika badge on his left breast. The caption records that this is 'A stab in the back that is no legend'.”

„Oskar Theuer's cartoon takes up the image popularised by Hindenburg to account for the German defeat in 1918 […].”

„The immediate inspiration for the cartoon probably lies in the murder of Erzberger on August 26, 1921, by two former members of Ehrhardt's Brigade (Free Corps), whose emblem had been the nationalist swastika.”

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Aufgabe 1

Etwas idealtypisch/schematisch können die drei Arten von Herrschaft in Bezug auf Vergleichsaspekte (Gesichtspunkte für einen Vergleich) unterscheiden werden.

Pluralismus (Vielfalt von Interessen und Meinungen, die respektiert werden und miteinander konkurrieren können)

Demokratie (demokratisches Regime): prinzipiell (grundsätzlich) unbegrenzt, einschließlich des Schutzes von Minderheiten

Autoritarismus (autoritäres Regime): begrenzt und stark eingeschränkt, auch wenn politische Opposition und zivilgesellschaftliche Organisationen geduldet werden

Totalitarismus (totalitäres Regime): nicht geduldet, Vorherrschaft eines einheitlichen Prinzips

Legitimation (Rechtfertigung) der politischen Ordnung

Demokratie (demokratisches Regime): Herrschaft durch Verfahren legitimiert; Volkssouveränität (staatliche Macht soll direkt oder indirekt vom Volk ausgehen); Freiheit und grundsätzliche Gleichheit als Werte,

Autoritarismus (autoritäres Regime): Rückgriff auf allgemeine und traditionelle Werte wie Patriotismus, Nationalismus, Schaffung von Wohlstand (durch Modernisierung), Sicherheit und Ordnung

Totalitarismus (totalitäres Regime): alle Lebensbereiche durchdringende Weltanschauung/Ideologie

politische Mobilisierung (Bevölkerung in Bewegung/Aktion bringen)

Demokratie (demokratisches Regime): Ergebnis eines freien Wettbewerbs gesellschaftlicher Interessen und Überzeugungen

Autoritarismus (autoritäres Regime): wenig Mobilisierungsfähigkeit, Regeln zielen auf Demobilisierung (Bevölkerung nicht politisch in Bewegung/Aktion, Stillhalten), Einschränkung der Chancen auf Partizipation (Teilhabe) auf vielfältige Weise

Totalitarismus (totalitäres Regime): von oben inszenierte (in Szene gesetzte) Massenmobilisierung

Pressefreiheit

Demokratie (demokratisches Regime): Pressefreiheit gewährleistet

Autoritarismus (autoritäres Regime): eingeschränkte Pressefreiheit, unabhängige und kritische Medien unterliegen der Gefahr starker Schikanierung

Totalitarismus (totalitäres Regime): keine Pressefreiheit

Schutz von Menschenrechten

Demokratie (demokratisches Regime): Menschenrechte als Grundrechte anerkannt, Möglichkeit von Beschwerden bei unabhängigen Gerichten

Autoritarismus (autoritäres Regime): Schutz von Menschenrechten eingeschränkt, formale Rechte, aber in der Wirklichkeit in politischen Fällen Verletzungen möglich

Totalitarismus (totalitäres Regime): Schutz von Menschenrechten in der Praxis nicht gewährleistet

Rechtsstaatlichkeit

Demokratie (demokratisches Regime): Regierung und Verwaltung an geltende Gesetze gebunden, Grundsatz einer Gleichheit vor dem Gesetz, Grundrechte für alle Bürger(innen)

Autoritarismus (autoritäres Regime): Rechtsstaatlichkeit eingeschränkt, Gerichte in starkem Ausmaß von Regierung abhängig bzw. unter Vorherrschaft einer bestimmten Gruppierung, Möglichkeit diskriminierender und den Spielraum für politische Opposition einengender Gesetze und Vorschriften

Totalitarismus (totalitäres Regime): Abschaffung eines echten Rechtsstaats, auch wenn formal behauptet wird, rechtsstaatlich zu sein

Aufgabe 2

Die Lukaschenko-Regierung kann als Autoritarismus eingeordnet werden.

Begründung: eingeschränkter Pluralismus (Oppositionskandidatin konnte an Präsidentschaftswahl teilnehmen, aber starke Anzeichen für eine große Wahlfälschung, die amtierendem Präsidenten dazu verhilft, von der Wahlkommission in einer Verkehrung des tatsächlichen Ergebnisses zum offiziellen Sieger erklärt zu werden; Versuch der Unterdrückung politischer Opposition), Mangel an Rechtsstaatlichkeit und Schutz von Menschen- und Bürgerrechten (gewaltsames Vorgehen von staatlichen Einsatzkräften gegen Demonstrationen mit Einprügeln auf friedliche Menschen und Festnahmen, Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit werden in erheblichem Ausmaß nicht geduldet), Fehlen einer großangelegten, alle Lebensbereiche durchdringenden fest umrissenen Weltanschauung/Ideologie, keine oder kaum Mobilisierung des Volkes zu aktiver Befürwortung und Unterstützung der Regierung

Aufgabe 3

Zu Aufgabe 3 gibt es auch eine farbige Abbildung.

https://cartoonmovement.com/cartoon/elections-belarus

einige Gedanken:

Die Karikatur bezieht sich auf die Präsidentschaftswahl 2020 in Weißrussland/Belarus, bei der Lukaschenko von der Wahlkommission offiziell zum Sieger erklärt worden ist (Belarus elections = Wahlen in Weißrussland/Belarus, Winner = Gewinner). Präsident Alexander Grigorjewitsch Lukaschenko hält in der Karikatur in seiner linken Hand eine Fernbedienung, mit der er das Geschehen steuert. Dies kann sich auf Manipulationen beziehen, mit denen er die Opposition unterdrückt und Wahlfälschung betreibt. Angeblich ist Lukaschenko Gewinner der Wahl, das gesteuerte Schild „Winmer“ zeigt auf ihn. Neben ihm steht ein Gerät aus Stahl (vielleicht so etwas wie ein eiserner Fausthandschuh), das für gewaltsame Unterdrückung steht, Blut kommt hervor (rote Farbe).

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Das weitaus meiste auf dem Blatt stimmt.

Inhaltlich geht es um Gedanken zur Ethik, die Aristoteles hat:

Glück(seligkeit) (griechisch: εὐδαιμονία [eudaimonia]) bedeutet ein gutes, erfülltes Leben mit Wohlbefinden und Wohlergehen und ist Grundlage der Ethik.

Glück(seligkeit) ist das höchste und letzte Ziel (Endziel) menschlichen Handelns. Alle streben nach Glück.

Glück(seligkeit) zeichnet sich gegenüber anderen Ziel wie Lust, Reichtum (Gelderwerb), Gesundheit oder Ruhm/Ehre durch mehrere Eigenschaften besonders aus:

1) Vollkommenheit: Glück wird immer um seiner selbst willen gewünscht, niemals um etwas anderen willen

2) Selbstgenügsamkeit (Autarkie): Glück allein ist schon ausreichend, ein Leben begehrenswert zu machen. Es bedarf keines Hinzufügens mehr. Das Gut, das vollendet ist, genügt sich notwendig selbst.

Aristoteles ist der Auffassung, ein so großes Gut wie das Glück könne nur durch ein Tätigsein erreicht werden, indem Fähigkeiten und angelegte Möglichkeiten entfaltet werden. Die Entfaltung ist etwas, das Freude bereitet.

Als das einem Menschen eigentümliche Werk/seine spezifische Funktion (das, wozu er speziell bestimmt ist) versteht Aristoteles die mit Vernunft verbundene Tätigkeit der Seele und ein entsprechendes Handeln. Das menschliche Gut ist nach ihm der Tugend/Vortrefflichkeit/Tüchtigkeit (griechisch: ἀϱετή [arete]; bedeutet der Wortherkunft nach - ἄϱιστος [aristos] = „bester“ ist als Superlativ eine Steigerung von ἀγαϑός [agathos] = „gut“ - etwas wie „Bestheit“ bzw. ein hervorragendes Gutsein) gemäße Tätigkeit der Seele, und wenn es mehrere Tugenden/Vortrefflichkeiten/Tüchtigkeiten gibt, dann die der besten und vollkommensten Tugend/Vortrefflichkeit/Tüchtigkeit gemäße Tätigkeit der Seele.

Gründe für die Wahl der Vernunft sind:

  • Vornehmkeit: Die Vernunft ist als das Leitende das Vornehmste in uns und die Gegenstände der Vernunft die vornehmsten im Bereich der Erkenntnis.
  • Langfristigkeit: leichter eine anhaltende Tätigkeit möglich
  • Beständigkeit/Dauerhaftigkeit/Stabilität und Reinheit (keine Mischung mit etwas Unangenehmen) des Genusses
  • Autarkie
  • zur Muße, die vom Menschen begehrt wird, passende Tätigkeit

Aristoteles unterscheidet drei Lebensformen, in denen Glück gesucht wird, unterschieden nach dem besonderen Tätigkeitsbereich, in dem Glück(seligkeit) gesucht wird:

1) Leben der Philosophie (theoretische Lebensform; griechisch: βίος θεωρητικός [bios theoretikos]): Die Tätigkeit besteht in theoretischer Betrachtung/Forschen/Denken.

Das Glück der theoretischen Lebensform ist das vollendete Glück.

Die Tätigkeit der theoretischen Lebensform ist am dauerhaftesten, weil sie am leichtesten anhaltend ausgeübt werden kann.

Die Genüsse der theoretischen Lebensform sind von wunderbarer Reinheit und Beständigkeit.

Bei theoretischem Betrachten/Denken ist die Autarkie (Selbstgenügsamkeit) am größen. Die theoretische Lebensform bedarf am wenigsten äußerer Güter und Umstände.

Das theoretische Betrachten/Denken wird um seiner selbst willen geliebt.

Die Vernunft (griechisch: νοῦς [nous]) ist das, was bei Menschen am meisten etwas Göttliches ist, das Leitende, Vornehmste und Beste. Das theoretische Betrachten/Denken ist die göttliche Lebensform. Menschen sind aus Leib und Seele (mit Fähigkeit der Vernunft) zusammengesetzte Wesen, nicht ganz göttlich, aber sie sollen sich bemühen, möglichst stark dem Göttlichen in ihnen als dem wahren Selbst nachzuleben.

2) Leben des Politikers (politische Lebensform;griechisch: βίος πολιτικός [bios politikos] bzw. praktische Lebensform; griechisch: βίος πρακτικός [bios praktikos]). Die Tätigkeit ist vor allem Handeln in einer Gemeinschaft.

Die Lebensweise wird als gut beurteilt.

Klugheit/praktische Vernunft kann eingesetzt werden.

Die Autarkie (Selbstgenügsamkeit) ist geringer, weil mehr Abhängigkeit von äußeren Umständen besteht (z. B. Mitwirkung von Freunden und Mitbürgern).

3) Leben des Genusses (griechisch: βίος ἀπολαυστικός [apolaustikos]). Die Tätigkeit besteht darin, sinnliche Genüsse anzustreben und sich zu verschaffen. Lust ist das Ziel.

Aristoteles hält die Lust für einen Glücksbestandteil und etwas, was um seiner selbst willen liebenswert ist. Die Lust ist aber nach Aristoteles nicht das höchste Gut. Nicht jede Form der Lust ist an sich wählenswert. Nicht jede Lust gilt Aristoteles als ein Gut. Das Lustvolle kann ein wirkliches Gut oder nur ein täuschendes Scheingut sein.

Ein bloß auf sinnliche Lust beschränktes Leben hat nach Auffassung des Philosophen Aristoteles den geringsten Rang, weil kein Streben nach Vollkommenheit geschieht, Menschen sich knechtisch und ohne Einsicht und Besonnenheit verhalten und nicht über Tiere herausragen

Bei Verstandestugenden (z. B. Klugheit/praktische Vernunft, Weisheit, Verständigkeit, Einsicht/Urteilskraft) gibt es kein Zuviel.

Charaktertugend versteht Aristoteles als (wählende/vorsätzliche) Haltung/Einstellung (griechisch: ἕξις [hexis]), nicht als Emotionen, Begierden und Bedürfnisse. Sie liegt in einer durch vernünftige Überlegung bestimmten Mitte und ist Mitte von zwei Schlechtigkeiten, einer des Übermaßes (Zuviel) und einer des Mangels (Zuwenig).

Die Mitte (griechisch: μεσότης [mesotes]) bei Aristoteles ist eine feste innere Haltung/Einstellung (denkbar ist, sie als eine Verhaltensdisposition zu bezeichnen), die auf ein richtiges Verhältnis zu Affekten (Leidenschaften) und auf das in einer Lage angemessene Verhalten ausgerichtet ist. Sie ist nicht mit Durchschnittlichkeit und Mittelmäßigkeit zu verwechseln, worauf volkstümliche Vorstellungen über einen goldenen Mittelweg (lateinisch: aurea mediocritas) leicht hinauslaufen. Die Mitte bei Aristoteles ist auch nicht etwas, das für alle und immer stets quantitativ genau das Gleiche ist. Die gemeinte Mitte hat nicht einen mathematisch genau gleichen Abstand von Extremen. Sie kann je nach einer bestimmten Situation und der handelnden Person (z. B. sind Körperkraft und finanzielle Verhältnisse individuell unterschiedlich) unterschiedlich liegen und auch mal deutlich zu einer Seite hin.

Die Mitte der Sache hat den gleichen Abstand von den beiden Extremen und ist für alle Menschen ein und dasselbe.

Das Mittlere in Bezug auf die Menschen (auf uns) ist dagegen weder zuviel noch zuwenig, dies aber nicht für alle als ein und dasselbe.

Beispiele für eine bestimmte Charaktertugend:

Tapferkeit ist Mitte zwischen Tollkühnheit und Feigheit . Menschen können sich vom Schrecken übermäßig bestimmen lassen oder tatsächlich bedrohliche Gefahren nicht angemessen beachten. Beides ist falsch und hat nachteilige Folgen. Die Bedrohung fügt einen wirklichen Schaden zu oder Menschen lassen sich unnötig davon abhalten, ihre Lebensziele zu verwirklichen. Wenn Menschen vor gar nichts Angst zu haben, steht dies zu kluger Überlegung in Gegensatz. Zwar ist bei der Tugend der Tapferkeit das Standhalten vor dem, das erschrecken kann, wichtig. Es kommt aber auf richtige Ziele und angemessene Beurteilung der Verhältnisse an. Ein Höchstmaß an Zuversicht in allen Fällen ist nicht gut, weil es auf eine dumme Selbstüberschätzung und eine Unterschätzung von Gefahren hinausläuft. Wenn tatsächliche Gefahren zu Unrecht geringschätzt und vernachlässigt werden, ist diese Tollkühnheit etwas, das Grund für ein Scheitern sein und unangenehme Folgen haben kann. Sie ist ein unvernünftiges Verhalten und ein Charakterfehler.

Freigiebigkeit ist Mitte zwischen Verschwendungssucht und Knauserei/Geiz . Bei Verschwendung wird nicht ausreichend darauf geachtet, woher gegeben wird und was das ist, wofür ausgegeben wird. Es mangelt an kluger Auswahl: Das Nützliche und Angenehme ist im Verhältnis zum Aufwand gering. Beim Geiz ergibt sich kein schönes und gutes Leben. Auch der Nachteil im Bezug auf ein freundschaftliches Verhältnis zu anderen Menschen könnte angegeben werden.

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In der antiken Rhetorik gibt es eine systematische Theorie mit vielen Einteilungen.

Antike Werke darüber sind beispielsweise:

Anaximenes von Lampsakos, Rhetorik

Aristoteles, Rhetorik

Rhetorica ad Herennium

Marcus Tullius Cicero, De inventione

Marcus Tullius Cicero, De oratore

Marcus Fabius Quintilianus, Institutio oratoria

Redegattungen/Arten der Rede (griechisch: γένη τῶν λόγων [gene ton logon]; lateinisch: genera causarum)

1) Beratungsrede (griechisch: γένος συμβουλευτικόν [genos symbouleutikon]; lateinisch: genus deliberativum)

Redegegenstand: Zuraten und Abraten; Publikum/Adressaten: Volk/Volksversammlung, Ratsversammlung (z. B. Senat) oder andere politische/staatliche Institutionen (die Beratungsrede wird daher auch als politische Rede oder Staatsrede bezeichnet); Zeitbezug: Zukunft (Was soll geschehen?); Hauptmaßstab: Nutzen/Vorteil und Schaden/Nachteil, daneben vielleicht auch Gerechtigkeit und Ehre

2) Gerichtsrede (griechisch: γένος δικανικόν [genos dikanikon]; lateinisch: genus iudiciale)

Redegegenstand: Anklage und Verteidigung in einem Prozess vor einem Gericht; Zeitbezug: Vergangenheit (Was ist geschehen?); Hauptmaßstab: Recht und Unrecht

3) Festrede/Gelegenheitsrede/Lobrede (griechisch: γένος ἐπιδεικτικόν [genos epideiktikon]; lateinisch: genus demonstrativum)

Redegegenstand: Lob und Tadel; Zeitbezug: Gegenwart (Was ist? Was liegt vor), insofern eine gegenwärtige Perspektive eingenommen wird, aber im Grunde ohne einen festen Zeitbezug; Hauptmaßstab: lobenswert und tadelnswert, ehrenhaft und unehrenhaft (in der Praxis in einer Festrede positive Beurteilung üblich)

Redeteile (griechisch: μέρη τοῦ λόγου [mere tou logou]; lateinisch: partes orationis)

Eine starke Unterteilung bezieht sich in der Hauptsache auf die Gerichtsrede.

1) Einleitung (griechisch: προοίμιον [prooimion]; lateinisch: exordium/prooemium/principium)

Inhalt und Zweck/Funktion: Vorbereitung des Gerichts auf den Gegenstand der Rede, Bezug auf Personen (eigene Person, Gegner oder Richter), Herbeiführung von Wohlwollen, Aufmerksamkeit und Empfänglichkeit/Aufnahmebereitschaft

2) Erzählung (griechisch: διήγησις [dihegesis]; lateinisch: narratio)

Inhalt und Zweck/Funktion: Darlegung/Darstellung des Sachverhalts/Tathergangs, liefert Grundlage der Beweisführung, günstig sind Deutlichkeit, Kürze und Wahrscheinlichkeit (Plausibilität nach allgemeiner Lebenserfahrung)

3) Ankündigung des Beweisziels (griechisch: πρόθεσις [prothesis, lateinisch: divisio oder (ein Streitpunkt) propositio und (mehrere Streitpunkte) partitio) (nicht fester, sondern nur möglicher Bestandteil einer Gerichtsrede)

Inhalt und Zweck/Funktion: Hinweis, worum es in der Beweisführung geht

4) Beweisführung (griechisch: pίστις [pistis] = Beweis bzw. pίστεις [pisteis] = Beweise; lateinisch: argumentatio/probatio), mit Beweisführung in positivem Sinn (Bekräftigung des eigenen Standpunkts) - griechisch: πίστωσις [pistosis]; lateinisch: confirmatio - und Beweisführung in negativem Sinn (Widerlegung der gegnerischen Standpunkte) - griechisch: λύσις [lyis]/ἔλεγχος [elenchos]; lateinisch: confutatio/refutatio

Inhalt und Zweck/Funktion: Beweisführung mit untechnischen/nicht kunstvollen Beweisen (z. B. Gesetze, Verträge, Gerichtsurteile, Urkunden, Zeugenaussagen,Verhörergebnisse) und technischen/kunstvollen Beweisen (logische Ableitungen, Wahrscheinlichkeitsüberlegungen, Verwendung von Indizien), Überzeugung in der Sache

5) Schluss (griechisch: ἐπίλογος [epilogos]; lateinisch: peroratio/conclusio)

Inhalt und Zweck/Funktion: Zusammenfassung der Beweisführung zur Erinnerung, Steigerung der Bedeutsamkeit der eigenen Beweisversuche und Herabsetzung der Bedeutsamkeit der gegnerischen Beweisversuche, Bemühung um Wohlwollen, Appell an Gefühle bis hin versuchen, starke Leidenschaften (z. B. Mitleid für eigene Person bzw. Angeklagten, Zorn und Entrüstung über Gegner) zu erregen

Möglich ist als Redeteil in einer rede - auch mehrfach - ein Exkurs (griechisch: παρέκβασις [parekbasis]; lateinisch: egressio/digressio).

Stilarten (griechisch: χαρακτῆρες τῆς λέξεως [charkteres tes lexeos]; lateinisch: genera elocutionis)

Bei den Stilarten wird nach Stilebenen/Höhe des Stilniveaus unterschieden.

1) erhabener Stil (griechisch: χαρακτήρ μεγαλοπρεπής [charakter megaloprepes/χαρακτήρ ὑψηλός [charakter hypselos]; lateinisch: genus grande/genus sublime): glanzvoll, prachtvoll, großartig, erlesene Wortwahl, starker Einsatz kunstvollen Redeschmucks (mit Tropen [Wendungen, das heiß uneigentliche, übertragene Ausdrücke] und Figuren ]auf Hinzufügung, Auslassung und Umstellung beruhende Wortfiguren und Sinn-/Gedankenfiguren]), kunstvoller Satzbau mit langen, scharf rhythmisierten Satzperioden, pathetisch zur Erregung von Leidenschaften (bewegen/erschüttern),

2) mittlerer (gemischter) Stil (griechisch: χαρακτήρ μέσος (μικτός) [charakter mesos (miktos)]; lateinisch: genus medium (mixtum)): elegant, lieblich, anmutig, gemäßigter Einsatz von Redeschmuck, leicht rhythmisierte glatte und abgerundete Satzperioden, Hervorrufen sanfter Gefühle zur Erfreuung des Publikums

3) schlichter Stil (griechisch: χαρακτήρ ἰσχνός [charakter ischnos]; lateinisch: genus subtile/genus tenue/genus humile): einfach, aufwandlos, nüchtern, deutlich, nicht oder kaum von normaler Alltagssprache abweichend, dient vorrangig der Vermittlung von Informationen, Beweisen und Argumenten, kein oder kaum Redeschmuck, Vermeidung kunstvoller, breit ausladender Satzperioden, Verzicht auf pathetische Stilmittel

Erkennbar sind also:

Redegattungen an Redegegenstand, Publikum/Adressaten, Zeitbezug, Hauptmaßstab

Redeteile an Stellung innerhalb der Gesamtrede, Inhalt und Zweck/Funktion

Stilarten an Wortwahl, Ausdrucksweise, Satzbau, Grad der Gefühlserregung

Marcus Tullius Cicero, Pro Sexto Roscio Amerino als Beispiel

Redegattung: Gerichtsrede

Sextus Roscius ist Angeklagter (Beschuldigung des Mordes an seinem Vater), Marcus Tullius Cicero Verteidiger, Gaius Erucius Ankläger in einem Prozess vor einem Gericht. Schon im ersten Satz (Marcus Tullius Cicero, Pro Sexto Roscio Amerino 1) kommt die Anrede „Richter“ (lateinisch: iudices) vor.

Redeteile

1) Einleitung (Marcus Tullius Cicero, Pro Sexto Roscio Amerino 1 - 14)

2) Erzählung (Marcus Tullius Cicero, Pro Sexto Roscio Amerino 15 - 29)

3) Ankündigung des Beweisziels mit Gliederung/mehrere Streitpunkte (partitio) (Marcus Tullius Cicero, Pro Sexto Roscio Amerino 29 – 36)

4) Beweisführung (Marcus Tullius Cicero, Pro Sexto Roscio Amerino 37 – 142)

5) Schluss (Marcus Tullius Cicero, Pro Sexto Roscio Amerino 143 – 154)

Dabei kommen eingeschobene Exkurse vor.

Stilarten sind nicht so einfach zu erkennen, vor allem wenn Latein nicht Muttersprache ist. Es wären jeweils Textstellen zu untersuchen. Tendenziell kommt erhabener Stil im Schluss vor, mittlerer Stil in der Einleitung, schlichter Stil in der Erzählung, der Ankündigung des Beweisziels und der Beweisführung. Dies kann aber nicht völlig schematisch durchgeführt werden. Beispielsweise ist Marcus Tullius Cicero, Pro Sexto Roscio Amerino 72 und 103 auch mal pathetisch.

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Status: Zustand, Stand Lage, Situation, Stellung, Rechtsstellung,

In dem Zusammenhang geht es um die politisch-rechtliche Stellung der Kolonien.

Tradition: Überlieferung, Herkommen, Gewohnheit, Brauch, Gepflogenheit

Es geht um Denkweise/Gedanken und Verhaltensweisen, die gepflegt und weitergegeben werden.

Ansicht: Meinung, Anschauung

a) Unterschiede im Status der Kolonien

Mayflower-Vertrag (Q 28): Vereinigung der Siedler zu einem eigenen bürgerlichen politischen Körper, als Gemeinschaft, Selbstverwaltung, verhältnismäßig große Selbständigkeit mit Gesetzen, Verfügungen, Einrichtungen und Ämtern, wie sie den Siedlern für dass Allgemeinwohl der Kolonie zweckmäßig erscheinen, wenn auch Bezeichnung als treue Untertanen des erhabenen Herrschers und Königs von Gottes Gnaden

Maryland (Q 29): unter Oberhoheit des Königs, als Eigentum mit Privilegien (Vorrechten) und Hoheitsrechten dem Baron von Baltimore und seinen Erben übertragen, wie die Verleihung eines feudalen Lehens

b) Ansichten und Traditionen in den Kolonien

Mayflower-Vertrag (Q 28): Übereinkunft wie in einem Gesellschaftsvertrag (Übereinkommen und Vereinigung zur bessern Ordnung untereinander und zu Schutz und Förderung bestimmter Absichten), alle Siedler beteiligt, die 41 Männer grundsätzlich gleichberechtigt, Selbstorganisation, tendenziell demokratische Tradition

Maryland (Q 29): monarchisch-aristokratische Tradition, hierarchisch mit Privilegien (Vorrechten) , eine einzige Person wird zum rechtmäßigen und unumschränkten Herrn ernannt, bei Oberhoheit des Königs

Eine Ansicht in beiden Texten ist ein Ziel der Ausbreitung des christlichen Glaubens/der christlichen Religion, wobei im Mayflower-Vertrag eine puritanische Glaubensrichtung (die Puritaner sind eine bestimmte protestantische Richtung mit starker Stellung der Kirchengemeinde).

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Jean-Paul Sartre möchte (in seinen Werken „L'Être et le néant“ [1943; „Das Sein und das Nichts“] und „L'existentialisme est un humanisme“ [1946; „Der Existenzialismus ist ein Humanismus“]; ),mit diesem Satz („Der Mensch ist verurteilt, frei zu sein“/„Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt“; französisch: „L'homme est condamné à être libre.“) stark betont auf eine für den Menschen bestehende Unausweichlichkeit hinweisen, eine Wahl zu treffen

Bei einer Bestimmung zur Freiheit wäre eher vorstellbar, diesen Bestimmung nicht übernehmen zu müssen, sondern sich ihr auch entziehen zu können.

Sartre nimmt eine eindringliche Formulierung, die paradox anmuten kann.

Die Überlegungen in der Fragebachreibung zur Verantwortung sind eine richtige Deutung.

Verantwortung und ihre Übernahme ist auch drückend.

Der Mensch ist nach Sartres Verständnis verurteilt, weil er sich nicht selbst erschaffen hat, und dennoch frei, weil er, einmal in die Welt geworfen, für all das verantwortlich ist, was er tut.

Dem Menschen wird etwas von außen vorgegeben. Er kann eine Wahl treffen, aber den Umstand selbst, eine Wahl treffen zu müssen, kann er nicht auswählen. Der Freiheit kann sich ein Mensch nicht entziehen. Sogar eine Entscheidung, sich nicht zu entscheiden, wäre eine Entscheidung und ein Umgang mit Freiheit. Der Mensch kann sich also nicht aussuchen, ob er in diesem grundsätzlichen Sinn frei ist oder nicht. Er kann diese Freiheit nicht (z. B. weil er sie als Belastung empfindet) loswerden.

Der Mensch findet sich nach Sartres Auffassung in das Dasein geworfen vor. Dies ist keine von ihm selbst geschaffene, seiner Verfügungsgewalt unterstehende Gegebenheit. Die Notwendigkeit, allgemein in seinem Verhalten in einer Situation eine Wahl treffen zu müssen, ist ihm vorgegeben, insofern besteht ein Verurteiltsein. Zugleich ist der Menschen frei und trägt daher Verantwortung für seine Entscheidungen und Handlungen.

Sartre vertritt den Standpunkt, frei zu sein heiße, kraft des ursprünglichen Entwurfs trage der Mensch die Last der ganzen Welt. Er ist für seine Existenz mit allen Handlungen sowie für die Welt (die Welt hat Sinn nur infolge des Entwurfs) verantwortlich. Verantwortlichkeit bedeutet dabei das Bewußtsein einer unbestreitbaren Urheberschaft eines Gegenstandes oder eines Ereignisses,

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