Ausgeschrieben ist ein kürzerer Titel:

De Romano Pontifice

„Über den römischen Pontifex [Oberpriester/Bischof = Papst]“

Ausgeschrieben ist ein längerer Titel:

De Romani Pontificis Ecclesiastica Hierarchia

„Über die kirchliche Herrschaft/Obergewalt des römischen Pontifex [Oberpriesters/Bischofs = Papstes]“

Robertus Bellarminus [= Roberto Bellarmino], Disputationes de controversiis christianae fidei adversus huius temporis haereticos. Tomus primus. Ingolstadt : David Sartorius, 1588. Tertia controversiae generalis. De summo pontifice [capite militantis Ecclesiae]. Liber primus. De Romani Pontificis Ecclesiastica Hierarchia.

https://daten.digitale-sammlungen.de/0009/bsb00096083/images/index.html?fip=193.174.98.30&id=00096083&seite=345

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eine deutsche Übersetzung:

Robert Bellarmin, Streitschriften über die Kampfpunkte des christlichen Glaubens. Uebersetzt von Viktor Philipp Gumposch. Dritter Band. Augsburg : Verlag der Math. Rieger'schen Buchhandlung, 1843. Dritte Streitschrift. Ueber den Papst. Erstes Buch. Ueber die kirchliche Alleinherrschaft des römischen Papstes.

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Petra dedit Petro, Petrus diadema Rodulfo.

Der Fels [das heißt: Christus] hat die Krone Petrus gegeben, Petrus hat die Krone Rudolf gegeben.

Petra ist Nominativ Singular und im ersten Teil Subjekt, wie im zweiten Teil des Satzes Petrus. Als Prädikat für beide Teile des Satzes ist dedit zu denken, als Objekt für beide Teile des Satzes diadema.

Das lateinische petra stammt vom altgriechischen Wort πέτρα und bedeutet wie dieses „Fels“, „Stein“. πέτρα bzw. petra kann bildlich-metaphorisch auch Christus bezeichnen (Hinweis bei Georges, Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch).

Ein Beispiel (Christus als wahrhaft in die Mitte der Dinge gesetzter Stein: vere petra medio rerum posita) ist Orosius 7, 3, 1:

Igitur anno ab urbe condita DCCLII natus est Christus salutarem mundo adferens fidem, vere petra medio rerum posita, ubi comminueretur qui offenderet, qui crederet saluaretur; vere ignis ardens, quem qui sequitur inluminatur, qui temptat exuritur;

Das Papsttum beruft sich sich auf Petrus als Bischof von Rom und biblische Aussagen, in denen Jesus seinen Jünger mit dem Beinamen, der altgriechisch Πέτρος (Petros) lautet und „Fels“, „Stein“ bedeutet, als Grundlage der Kirche versteht und ihm große Macht zuspricht (z. B. Matthäus 16, 18: κἀγὼ δέ σοι λέγω ὅτι σὺ εἶ Πέτρος, καὶ ἐπὶ ταύτῃ τῇ πέτρᾳ οἰκοδομήσω μου τὴν ἐκκλησίαν καὶ πύλαι ᾅδου οὐ κατισχύσουσιν αὐτῆς. „Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“)

Rudolf von Rheinfelden (aus einer Nebenlinie des burgundischen Königshauses stammend), Herzog von Schwaben, war für das Heilige Römische Reich 1077 – 1080 Gegenkönig zu Heinrich IV. und nach einer Erzählung hat ihm Papst Gregor VII. (vormals der Mönch Hildebrand) eine Krone mit einer Inschrift geschicklt.

Sigebert von Gembloux, Chronica sive chronographia universalis. 1077:

Omnes enim qui prius Hildibrandum abiuraverant, periurio periurium cumulantes, imperatorem abiurant, et Rodulfum ducem Burgundionum super se regem statuunt missa ei corona a papa, cui erat inscriptum, 'Petra dedit Petro, Petrus diadema Rodulfo.'

„Alle nämlich, die vorher Hildebrand abgeschworen hatten, wobei sie Meineid auf Meineid häuften, schwören dem Herrscher ab, und setzen Rudolf, Herzog der Burgunder, als König über sich ein, als ihm vom Papst eine Krone geschickt worden war, auf der die Inschrift stand: 'Der Fels [das heißt: Christus] hat die Krone Petrus gegeben, Petrus hat die Krone Rudolf gegeben.'“

In einem Text zu einem Streit um das Bischofsamt in Lüttich wird zu dem lateinischen Wort ausdrücklich Christus hinzugefügt.

Vita Alberti episcopi Leodiensis 28:

Petra Christus apostolo Petro dedit potestatem ligandi et solvendi.

„Der Fels Christus hat dem Apostel Petrus die Amtsgewalt zum Binden und Lösen gegeben.“

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Acts and Mon.:  Acts and Monuments

Akten und Urkunden

Es handelt sich um ein Werk protestantischer Märtyrergeschichte.

John Foxe, Actes and Monuments of these latter and perillous days, touching matters of the Church

https://en.wikipedia.org/wiki/Foxe%27s_Book_of_Martyrs

Histor. Pap.: Historia Papatus

Geschichte des Papsttums

Anscheinend wird Bezug genommen auf das Werk:

Johannes Henricus Heidegger [= Johannes Heinrich Heidegger], Historia Papatus

https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10029352?page=5

https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Heinrich_Heidegger

 

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Als plausibel erscheint für Ber. Ser. De Monte:

Bernardi Sermo ad fratres de Monte Dei

Sermo (lateinisch) kann „Gespräch“, „Rede“, „Predigt“ bedeuten.

Bernardi ist lateinisch Genitiv für Bernardus.

Bernhard von Clairvaux (Bernard de Clairvaux), Epistola ad fratres de Monte Dei.

Das Werk wird gelegentlich auch Epistola aurea (Goldener Brief) oder De vita solitaria (Vom Einsiedlerleben) genannt.

Der „Brief an die Brüder vom Berg Gottes“ ist zwar Bernhard von Clairvaux (Bernard de Clairvaux) als Werk zugeschrieben, aber er ist wohl nicht der tatsächliche Verfasser.

Als Verfasser wird angenommen: Wilhelm von St. Thierry (Guillaume de Saint-Thierry)

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Platon hat nach antiker Überlieferung Sklaven besessen. Dagegen wird eine Verwendung zu sexuellen Zwecken nicht überliefert.

Ein Besitz von Sklaven war bei reichen antiken Griechen verbreitet.

Über sexuelle Aktivitäten Platons ist nicht bekannt. Er war nicht verheiratet und hatte keine Kinder.

Eine Vermutung ist, Platon habe eher homoerotische Neigungen gehabt.

Eine Behauptung über Sklavinnen, die Platon zur Befriedigung seiner sexuellen Gelüste gehabt hätte, stimmt nicht. So etwas ist nicht durch irgendwelche Quellen bezeugt.

Platon erwähnt in seinem Testament eine Sklavin Artemis, der er die Freiheit gibt (testamentarische Freilassung), und vier Haushaltssklaven. Ingesamt ergibt dies für die Zeit der Testamentsabfassung 5 Personen mit Sklavenstatus.

die zwei Sätze dazu bei Diogenes Laertios 3, 43:

Ἄρτεμιν ἀφίημι ἐλευθέραν. οἰκέτας καταλείπω Τύχωνα Βίκταν Ἀπολλωνιάδην Διονύσιον.

Diogenes Laertius, Leben und Meinungen berühmter Philosophen. In der Übersetzung von Otto Apelt. Unter Mitarbeit von Hans Günter Zekl neu herausgegeben sowie mit Vorwort, Einleitung und Anmerkungen versehen von Klaus Reich. Hamburg : Meiner, 2015 (Philosophische Bibliothek ; Band 674), S. 157:

„Der Artemis schenke ich die Freiheit. Tychon, Biktas, Apolloniades, Dionysios hinterlasse ich als Sklaven.“

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Es gibt mehrere Rechte, die genannt werden können. Allerdings haben Frauen in der Gegenwart diese tatsächlich nicht überall. Ich nehme die Bundesrepublik Deutschland als Vergleich zum antiken Athen.

  • Grundrechte als garantierte Menschen- und Bürgerrechte, darunter Gleichberechtigung (Grundgesetz Artikel 3: Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz [Gleichbehandungsgrundsatz], Gleichberechtigung von Männern und Frauen), auch durch Regelungen zur Gleichstellung
  • politische Rechte: aktives und passives Wahlrecht, Beteiligung an Volksabstimmungen (auf kommunaler Ebene und auf Ebene von Bundesländern, auf Bundesebene nur zur Neugliederung der Bundesländer)

Im antiken Athen waren Frauen von politischen Rechten ausgeschlossen.

  • volle Geschäftsfähigkeit

Im antiken Athen besaß der Vater bzw. der Ehemann oder der männliche Vorstand des Hausverbandes die rechtliche Gewalt/Vollmacht (griechisch: κυριεῖα [kyrieia]) und damit das Bestimmungsrecht über die Haushaltsangehörigen. Frauen blieben rechtlich immer einem Herrn/Gebieter/Vormund (griechisch: κύριος [kyrios]) unterstellt.

  • Recht, sich selbst in einer Rechtssache zu vertreten, und eigene mündliche Aussage vor Gericht

Im antiken Athen wurden Frauen in Rechtssachen von einem Herrn/Gebieter/Vormund vertreten und konnten vor Gericht (mit vielleicht Ausnahme von Fällen von Tötungsdelikten) nur durch diesen oder durch schriftliche Erklärung aussagen

  • freie Entscheidung über Heirat und Wahl des Ehemannes

Im antiken Athen konnte der Herr/Gebieter/Vormund über eine Heirat und die Wahl des Ehemannes bestimmen.

  • Erbberechtigung

Im antiken Athen war eine Frau nur im Fall des Fehlens männlicher Erben erbberechtigt, als Erbtochter, die das zu erbende Gut an ihre Söhne weitergibt.

  • einige soziale Rechte, wie z. B. Elternzeit, Kindergeld, Arbeitslosengeld (Einzelheiten hängen von der Sozialgesetzgebung ab)

Im antiken Athen hat es keine sehr umfangreiche staatliche Sozialpolitik gegeben. Es gab Unterstützung (Gewährung von Unterhalt) für Angehörige von Gefallenen und seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. für arme arbeitsunfähige gebrechliche Personen, außerdem zeitweise (in Zeiten außerordentlich großer Not) Hilfe für größere Kreise der Bevölkerung.

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Bei Epikur (griechisch: Ἐπίκουρος [Epikouros]) ist in der Ethik die Vernunft im Lust-Schmerz-Kalkül einzusetzen. Insofern kann von ihm grundsätzlich die Vernunft nicht als Korrektiv (Mittel zum berichtigenden Ausgleichen von Fehlern) des Lust-Schmerz-Kalküls gedacht sein, wenn im Lust-Schmerz-Kalkül das Verhältns von Lust und Schmerz richtig berechnet worden ist. Die Vernunft soll nach Epikurs Ethik im Lust-Schmerz-Kalkül zum Einsatz kommen. Korrigerend ist die Vernunft dann innerhalb des Lust-Schmerz-Kalküls gegenüber fehlerhaften Vorstellungen. Insbesondere kann die Vernunft ein bloß am Augenblick orientiertes Kalkül zugunsten eines langfristigen Kalküls berichtigen/verbessern.

Beispielsweise kann etwas für den Augenblick lecker schmecken, aber in der Folge zu gesundheitlichen Schäden und Beeinträchtigung des Wohlbefindens führen.

Anstrengungen beim Üben, z. B. beim Sport oder in der Musik, oder die Durchführung einer medizinischen Behandlung können erst einmal nicht so angenehm sein, aber längerfristig zu Freuden bzw. einem im Vergleich zum Unterlassen besseren Wohlbefinden führen.

Nach Auffassung von Epikur besteht Glück in Lust bzw. Freisein von Unlust/Schmerz/Leid. Weil Epikur Freisein von Unlust/Schmerz/Leid für vorrangig hält, kann seine Ethik als ein »negativer Hedonismus« (Vermeidung von Unlust/Schmerz/Leid ist am wichtigsten) bezeichnet werden. Es ist gut und richtig, möglichst wenig unangenehme Empfindungen/Gefühle (Lust, Freude, Vergnügen, Genuß) erleiden zu wollen (Ziel: Minimierung von Unlust/Schmerz/Leid).

Epikur unterscheidet:

a) natürliche und notwendige Bedürfnisse (dazu gehören die Grundbedürfnisse)

b) natürliche und nicht-notwendige Bedürfnisse

c) nicht-natürliche und nicht-notwendige Bedürfnisse

Natürliche und notwendige Bedürfnisse müssen für ein gutes Leben befriedigt werden und haben Vorrang. Natürliche und nicht-notwendige Bedürfnisse sind verzichtbar, ihre Befriedigung kann gewählt werden, sollte aber klug geprüft werden und nicht in Maßlosigkeit ausufern. Nicht-natürliche und nicht-notwendige Bedürfnisse beruhen auf falschen/nichtigen/leeren Meinungen und Einbildungen (sie entspringen einem bloßen Wunsch nach Luxus und verursachen durch maßlose Gier Rastlosigkeit, weil die Menschen das quält, was sie nicht haben). Das Erstrebenswerte ist nach Epikurs Ethik grundsätzlich schon von der Sinnlichkeit vorgegeben. Epikur lehnt es nicht ab, Freuden zu genießen, aber die Klugheit des Verstandes/der Vernunft ist als Mittel wichtig, die richtigen Entscheidungen für ein lustvolles Leben zu treffen, und daher ein sehr großes Gut.

Nach seiner Auffassung erzeugen nicht Trinkgelage, Sex und reichhaltiges Essen ein angenehmes Leben, sondern die nüchterne Überlegung, die Ursachen für alles Wählen und Meiden erforscht und die falschen/nichtigen/leeren/Meinungen austreibt, aus denen die schlimmste Verwirrung der Seele (Verwirrung der Seele ist entgegengesetzt zu Seelenruhe) entsteht. Dafür ist Einsicht (griechisch: φρόνησις [phronesis]; das Wort kann auch mit „Klugheit“ oder „praktische Vernunft“ übersetzt werden) der Anfang/Ausgangspunkt und das höchste Gut.

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König Alexander (griechisch: Ἀλέξανδρος [Alexandros]; lateinisch: Alexander) III. (verbreitet ist der Beiname »der Große«) von Makedonien ist mit einem Heer aufgebrochen, dessen Stärke antike Autoren etwas unterschiedlich angeben, mit 34.000 Mann als niedrigste und 48.500 Mann als höchste Zahl. Dieses Heer war sehr schlagkräftig, gut bewaffnet und geübt. Es hat Verluste gegeben, aber es kamen auch Verstärkungen hinzu.

In der Schlacht bei Issos 333 v. Chr. hat das Heer des persischen Großkönigs Dareios (altpersisch: Dārayava(h)uš; griechisch: Δαρεῖος; lateinisch: Darius) III. eine vernichtende Niederlage erlitten. Seine Mutter, seine Ehefrau, sein Sohn und zwei Töchter gerieten bei der Eroberung des Lagers in Gefangenschaft. Die Makedonen eroberten auch Damaskus und erbeuteten den dort belagerten königlichen Schatz. Dadurch bekamen sie große finanzielle Mittel.

Alexander konnte mit seinen Streitkräften Syrien, Phoinikien, Palästina und die Insel Zypern erobern. In vielen Fällen geschah eine Unterwerfung ohne Widerstandversuche. Tyros und Gaza wurden nach längerer Belagerung erobert.

Dareios hatte den Westteil seines Reiches verloren. Er versuchte, in Verhandlungen eine Rückgabe seiner Familienangehörigen und einen Friedensvertrag zu erreichen, wozu er bereit war, Alexander die Herrschaft über einen Teil seines Reiches vertraglich abzutreten.

Im Verlauf des Jahres 332 v. Chr. besiegte eine griechisch-makedonische Flotte unter den Anführern Hegelochos (griechisch: Ἑγέλοχος: lateinisch: Hegelochus) und Amphoteros (griechisch: Ἀμφοτερός; lateinisch: Amphoterus) persische Streikräfte und ihrer Unterstützer in der Ägäis. Die persische Seemacht im östlichen Mittelmeer war ausgeschaltet und es gab keine Küstengebiete und Inseln mehr, die als Flottenstützpunkte des Perserreiches im Mittelmeer dienen konnten.

Auch als Alexander in Ägypten war, hat es makedonische Truppenabteilungen in anderen Gegenden gegeben.

Dareios hat anscheinend nach den großen Verlusten seines Heeres nicht an eine Chance auf eine schnelle Rückeroberung des Westteils seines Reiches geglaubt.

Antike Autoren nennen, wahrscheinlich wie bei den Gesamtzahlen der Armee übertreibend, als Verluste auf persischer Seite in der Schlacht bei Issos, außerordentlich hohe Zahlen. Arrian(os), Alexandrou Anabasis (griechisch: Ἀλεξάνδρου ἀνάβασις; Alexanderzug; lateinischer Titel: De expeditione Alexandri)  2, 11, 8: ungefähr 100.000, darunter mehr als 10.000 Reiter; Diodor(os), Bibliotheke historike (griechisch: Βιβλιοθήκη ἱστορική; Historische Bibliothek; lateinischer Titel: Bibliotheca historica) 17, 36, 6: mehr als 100.000 Fußsoldaten, nicht weniger als 10.000 Reiter; Iustinus 11, 9, 10: 61.000 Fußsoldaten, 10.000 Reiter, 40.000 Gefangene; Plutarch, Alexander 20: mehr als 110.000; Curtius Rufus 3, 11, 27: 100.000 Fußsoldaten, 10.000 Reiter.

Dareios fehlte ein ausreichend starkes Heer für eine rasche Offensive. Er hat geplant, ein großes Heer zu sammeln und dann Alexander entgegenzutreten. Die Aushebung des Heeres, vor allem aus den östlichen Gebieten des Perserreiches, benötigte längere Zeit. 331 v. Chr. versammelte Dareios ein sehr großes Heer bei Babylon. Die Zahlenangeben antiker Autoren sind unterschiedlich und möglicherweise übertrieben: Arrian(os), Alexandrou Anabasis (griechisch: Ἀλεξάνδρου ἀνάβασις; Alexanderzug; lateinischer Titel: De expeditione Alexandri) 3, 8, 6: 40.000 Reiter, 1.000.000 Fußsoldaten, 200 Sichelwagen, 15 Elefanten; Diodor(os), Bibliotheke historike (griechisch: Βιβλιοθήκη ἱστορική; Historische Bibliothek; lateinischer Titel: Bibliotheca historica) 17, 53, 3: 800.000 Fußsoldaten, 200.000 Reiter; Iustinus 11, 12, 5: 400.000 Fußsoldaten, 100.000 Reiter; Plutarch, Alexander 31 und Plutarch, Basileon apophtegmata kai strategon [griechisch: Βασιλέων ἀποφθέγματα καὶ στρατηγών; Aussprüche der Könige und Feldherren; lateinischer Titel; Regum et imperatorum apophthegmata] 27, 12 (Moralia/Ethika [griechisch: Ἠθικά]/Schriften zur Ethik 180 c): Heer von 1.000.000; Curtius Rufus 4, 12, 13: 45.000 Reiter, 200.000 Fußsoldaten.

Dareios wollte eine Entscheidungsschlacht auf einem ebenen Gelände in Mesopotamien gewinnen, wo sein Heer seine große Anzahl zu Überflügelungsversuchen nutzen konnte und die Bedingungen für einen Einsatz seiner Reiterei günstig waren. Er verlor dann aber 331 v. Chr. die Schlacht bei Gaugamela und Arbela.

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Ein an der Varusschlacht teilnehmender und gefangengenommener Scaevola ist nicht als reale, historische Person bezeugt. In den antiken Quellen gibt es keine Erwähnung eines solchen Mannes.

Dieser Scaevola ist eine dichterische Erfindung. Ein Volontariat eines Juristen im Heer ist seltsam. Die Bezeichnung „Rechtskandidat“ ist kein antiker Titel, sondern ein moderner Begriff im Zusammenhang mit juristischer Ausbildung.

Das Lied enthält Verulkung und Anachronismen. Zu diesen zeitlichen Umstimmigkeiten gehört das Nageln des Scaevola auf „sein corpus iuris“. Das Corpus Iuris Civilis ist eine erst in der Spätantike zusammengestellte Sammlung des römischen Zivilrechts.

Allerdings besteht ein realer geschichtlicher Hintergrund darin, dass es mehrere Römer mit dem Beinamen (lateinisch: cognomen) Scaevola gegeben hat, die bedeutende Juristen/Rechtsgelehrte gewesen sind und zum römischen Zivilrecht Beiträge geleistet haben. Der Name der ausgedachten Person ist also nicht völlig zufällig gewählt.

Quintus Mucius Scaevola, Praetor 215 v. Chr. und sein Sohn Publius Mucius Scaevola, Konsul 175 v. Chr. https://de.wikipedia.org/wiki/Publius_Mucius_Scaevola_(Konsul_175_v._Chr.) , hatten nach Marcus Tullius Cicero, Brutus 98, offenbar Rechtskenntnis.

Publius Mucius Scaevola, Konsul 133 v. Chr. https://de.wikipedia.org/wiki/Publius_Mucius_Scaevola , gilt als einer der Begründer des römischen Zivilrechts (Digesta 1, 2, 2, 39).

Quintus Mucius Scaevola, Konsul 117 v. Chr. https://de.wikipedia.org/wiki/Quintus_Mucius_Scaevola_(Augur) , hat nach Marcus Tullius Cicero, Brutus 102, durch Verstehen des Zivilrechts und jede Art von Klugkeit überragt, in der Darstellung bei Marcus Tullius Cicero, De oratore 1, 39 äußert er, in seiner Familie hätten sie sich schon seit langer Zeit ohne irgendeinen Ruhm der Beredsamkeit mit bürgerlichen Rechten beschäftigt.

Quintus Mucius Scaevola, Konsul 95 v. Chr. https://de.wikipedia.org/wiki/Quintus_Mucius_Scaevola_(Pontifex) , hat ein Werk über Zivilrecht geschrieben.

Quintus Cervidius Scaevola, 2. Jahrhundert n. Chr. https://de.wikipedia.org/wiki/Quintus_Cervidius_Scaevola , hat juristische Werke geschrieben.

 

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Erzählungen über einen Eid, den Hannibal im Alter von 9 Jahren seinem Vater Hamilkar geleistet habe, niemals Freund der Römer zu sein bzw. immer Feind der Römer zu sein, sind in ihrer geschichtlichen Echtheit sehr zweifelhaft.

Offenbar ist dabei ein Ziel, bei Hamilkar und Hannibal betont ihre Handlungen mit Hass zu erklären und ihnen dabei die Verursachung des Krieges anzulasten.

Seltsam ist die Einführung der Erzählung in einer Lage ungefähr 193 v. Chr., als Hannibal sich beim Seleukidenkönig Antiochos III. aufhielt und angeblich nur mit einem Hinweis auf einen Eid in seiner Kindheit einen Verdacht, heimlich zugunsten der Römer gegen Antiochos tätig werden zu wollen, beseitigen konnte. Eine prorömische Einstellung war aufgrund  Hannibals bekanntem Lebensverlauf bei ihm nicht nachvollziehbar und es sehr unwahrscheinlich, dass statt dessen eine Erzählung über ein unbekanntes Kindheitsereignis, für das keine Zeugen greifbar waren, einen Argwohn entkräftet hätte.

zum Eid und Zwiefel an Echtheit:

Jakob Seibert, Hannibal. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1993, S. 26 - 28

Der Eid kommt bei mehreren antiken Autoren vor.

Polybios 3, 11, 5 – 9:

ἔφη γάρ, καθ' ὃν καιρὸν ὁ πατὴρ αὐτοῦ τὴν εἰς Ἰβηρίαν ἔξοδον μέλλοι στρατεύεσθαι μετὰ τῶν δυνάμεων, ἔτη μὲν ἔχειν ἐννέα, θύοντος δ' αὐτοῦ τῷ Διὶ παρεστάναι [6] παρὰ τὸν βωμόν. ἐπεὶ δὲ καλλιερήσας κατασπείσαι τοῖς θεοῖς καὶ ποιήσαι τὰ νομιζόμενα, τοὺς μὲν ἄλλους τοὺς περὶ τὴν θυσίαν ἀποστῆναι κελεῦσαι μικρόν, αὐτὸν δὲ προσκαλεσάμενον ἐρέσθαι φιλοφρόνως εἰ βούλεται συνεξορμᾶν ἐπὶ τὴν στρατείαν. [7] ἀσμένως δὲ κατανεύσαντος αὐτοῦ καί τι καὶ προσαξιώσαντος παιδικῶς, λαβόμενον τῆς δεξιᾶς προσαγαγεῖν αὐτὸν πρὸς τὸν βωμὸν καὶ κελεύειν ἁψάμενον τῶν ἱερῶν ὀμνύναι μηδέποτε Ῥωμαίοις εὐνοήσειν. [8] ταῦτ' οὖν εἰδότα σαφῶς ἠξίου τὸν Ἀντίοχον, ἕως μὲν ἄν τι δυσχερὲς βουλεύηται κατὰ Ῥωμαίων, θαρρεῖν καὶ πιστεύειν, αὐτὸν συνεργὸν [9] ἕξειν νομίζοντ' ἀληθινώτατον. ἐπὰν δὲ διαλύσεις ἢ φιλίαν συντίθηται πρὸς αὐτούς, τότε μὴ προσδεῖσθαι διαβολῆς, ἀλλ' ἀπιστεῖν καὶ φυλάττεσθαι·

Polybios, Geschichte. Gesamtausgabe in 2 Bänden. Eingeleitet und übertragen von Hans Drexler. Band 1. Zürich ; Stuttgart : Artemis-Verlag, 1961 (Die Bibliothek der Alten Welt : Griechische Reihe), S. 199:

„In der Zeit, als sein Vater die Ausfahrt mit seinem Heer nach Iberien habe antreten wollen, so sagte er, habe er, neun Jahre alt, während jener Zeus ein Opfer darbrachte, zu Seiten des Altars gestanden. Als sein Vater dann nach glücklichem Ausfall des Opfers den Göttern die Spende dargebracht und die übrigen Gebräuche verrichtet hatte, habe er die anderen bei der Opferhandlung Anwesenden ein wenig zurücktreten lassen, ihn selbst aber herangerufen und freundlich gefragt, ob er ihn auf seinem Zuge begleiten wolle. Als er freudig ja gesagt und nach Knabenart ihn sogar noch dringend darum gebeten habe, da habe jener seine Rechte ergriffen, ihn an den Altar geführt und ihn unter Berührung der Opfer den Schwur tun heißen, niemals ein Freund der Römer zu werden. Da Antiochos dies nun genau wisse – so bat er den König – möge er, solange er feindliche Absichten gegen die Römer hege, unbesorgt sein und das Vertrauen zu ihm haben, daß er in ihm den treuesten Helfer finden werde. Wenn er dagegen Frieden und Freundschaft mit ihnen schließe, dann möge er nicht auf die Verleumdung durch andere warten, sondern solle ihm mißtrauen und vor ihm auf der Hut sein. Denn er werde alles gegen sie tun, was in seinen Kräften stehe.“

Cornelius Nepos, Hannibal 2, 1 – 3, 1:

[2, 1] Nam ut omittam Philippum, quem absens hostem reddidit Romanis, omnium his temporibus potentissimus rex Antiochus fuit. Hunc tanta cupiditate incendit bellandi, ut usque a rubro mari arma conatus sit inferre Italiae. [2, 2] Ad quem cum legati venissent Romani, qui de eius voluntate explorarent darentque operam consiliis clandestinis ut Hannibalem in suspicionem regi adducerent, tamquam ab ipsis corruptus alia atque antea sentiret, neque id frustra fecissent idque Hannibal comperisset seque ab interioribus consiliis segregari vidisset, tempore dato adiit ad regem, [2, 3] eique cum multa de fide sua et odio in Romanos commemorasset, hoc adiunxit: 'Pater meus' inquit 'Hamilcar puerulo me, utpote non amplius VIIII annos nato, in Hispaniam imperator proficiscens Carthagine, Iovi optimo maximo hostias immolavit. [2, 4] Quae divina res dum conficiebatur, quaesivit a me, vellemne secum in castra proficisci. Id cum libenter accepissem atque ab eo petere coepissem, ne dubitaret ducere, tum ille 'Faciam', inquit 'si mihi fidem, quam postulo, dederis.' Simul me ad aram adduxit, apud quam sacrificare instituerat, eamque ceteris remotis tenentem iurare iussit numquam me in amicitia cum Romanis fore. [2, 5] Id ego ius iurandum patri datum usque ad hanc aetatem ita conservavi, ut nemini dubium esse debeat, quin reliquo tempore eadem mente sim futurus. [2, 6] Quare, si quid amice de Romanis cogitabis, non imprudenter feceris, si me celaris; cum quidem bellum parabis, te ipsum frustraberis, si non me in eo principem posueris.' Hac igitur, qua diximus, aetate cum patre in Hispaniam profectus est.

[3, 1] Cuius post obitum, Hasdrubale imperatore suffecto, equitatui omni praefuit. Hoc quoque interfecto exercitus summam imperii ad eum detulit. Id Carthaginem delatum publice comprobatum est. [3, 2] Sic Hannibal, minor V et XX annis natus imperator factus, proximo triennio omnes gentes Hispaniae bello subegit; Saguntum, foederatam civitatem, vi expugnavit; tres exercitus maximos comparavit.

Cornelius Nepos. Lateinisch-deutsch herausgegeben von Gerhard Wirth. Amsterdam : Hakkert, 1994, S. 257/259:

„2.

Um von Philipp ganz zu schweigen, den er zum Feind der Römer machte, vermochte er sogar Antiochos, den mächtigsten König jener Zeit, zu solcher Kriegslust anzustacheln, daß er es unternahm, mit einer Streitmacht aus Völkern bis zum Persischen Golf hin Italien anzugreifen. Zu ihm kamen einmal römische Gesandte, welche seine Absichten auskundschaften und in heimlichen Zusammentreffen sich bemühen sollten, Hannibal in schiefes Licht zu bringen, als habe dieser, von ihnen bestochen, seine Meinung geändert. Als sie damit bereits erste Erfolge hatten, dies aber auch Hannibal nicht entging, der sich von den Besprechungen im Kreis um den König ausgeschlossen sah, begab er sich, sobald eine Zeit vereinbart werden konnte, zu Antiochos, sprach eindringlich zu ihm von von seiner Zuverlässigkeit und seinem Haß gegen die Römer und fügte dann hinzu: „Als ich noch ein Kind war – ich zählte damals nicht mehr als neun Jahre – hat mein Vater Hamilkar unserem Gott, dem erhabensten und gnädigsten aller Götter, ein Opfer gebracht, als er nach Spanien aufbrach. Während dieser heiligen Handlung fragte er mich, ob ich nicht mit ihm ins Feld ziehen wolle. Ich sagte gerne ja und bat ihn, er möge mich mitnehmen. Da sprach er “Das werde ich tun, aber du mußt mir den Eid schwören, den ich von dir verlange“. Und dabei führte er mich an den Altar, auf welchem er zu opfern begonnen hatte, wobei alle anderen zurücktreten mußten. Er ließ mich diesen mit der Hand berühren und schwören, daß ich niemals ein Freund der Römer sein würde. Diesen Eid nun, den ich meinem Vater gab, habe ich bis zum heutigen Tag gehalten, und zwar so, daß niemand daran zu zweifeln braucht, daß ich in Zukunft meine Haltung ändern werde. Wenn du daher im Sinn hast, mit den Römern Freundschaft zu schließen, dann tust du klug daran, mich aus dem Spiel zu lassen. Hast du aber vor, mit den Römern Krieg zu führen, dann betrügst du dich nur selbst, wenn du mich für diesen nicht zum Befehlshaber deiner Truppen machst.“

3.

Im oben erwähnten Alter nun war er zusammen mit seinem Vater nach Spanien aufgebrochen. Als dieser gefallen und Hasdrubal sein Nachfolger geworden war, übernahm er den Oberbefehl über die gesamte Reiterei. Nach Hasdrubals Ermordung übertrug ihm das Heer den Oberbefehl, eine Handlung, die nach Karthago gemeldet und dort offiziell bestätigt wurde, und so konnte Hannibal, noch nicht 25 Jahre alt, in den folgenden drei Jahren alle spanischen Volksstämme unterwerfen. Er nahm Sagunt, eine mit Rom verbündete Stadt, und stellte drei riesige Heere auf.“

Cornelius Nepos, Kurzbiographien und Fragmente. Lateinisch und deutsch herausgegeben von Hans Färber. München : Heimeran, 1952 (Tusculum-Bücherei), S. 243/245:

„Um zu schweigen von Philipp, den er von Italien aus zum Feind der Römer machte, sogar in Antiochos, dem mächtigsten König jener Zeit, entzündete er derartige Kriegslust, daß er bis vom Roten Meer aus einen Waffengang mit Italien wagte. Römische Gesandte kamen zu ihm seine Absichten auszumachen und nach Möglichkeit Hannibal mit heimlichen Ränken beim König zu verdächtigen: von ihnen bestochen, habe er seine Einstellung geändert. Ihr Vorgehen hatte Erfolg, aber Hannibal erfuhr davon und, als er sich vom Geheimen Staatsrat ausgeschlossen sah, suchte er bei erster Gelegenheit um eine Audienz nach. Nach längeren Ausführungen über seinen zuverlässigen Haß gegen Rom fuhr er fort: ,,Als ich noch ein kleiner Knabe knappe neun Jahre alt war, brachte mein Vater, im Begriffe als Feldherr von Karthago nach Spanien abzugehen, Baal, dem Allmächtigen und und Allgütigen, ein Opfer dar. Mitten unter der heiligen Handlung fragte er mich plötzlich, ob ich Lust hätte ihn ins Feldlager zu begleiten. Freudig stimmte ich zu und bestürmte ihn mich unbedenklich mitzunehmen. 'Das tu ich, ' sagte er, 'wenn Du mir den Eid leistest, den ich nun von Dir verlange'; und er führte mich zum Altar, wo er sein Opfer begonnen hatte - alle anderen mußten zurücktreten und hieß mich mit der Hand auf dem Heiligtum jegliche Freundschaft mit den Römern auf ewig abschwören. Dieses eidliche Versprechen an meinen Vater habe ich bis zum heutigen Tage gehalten, und ich verbitte mir allen Zweifel an der gleichen Einstellung auch in alle Zukunft. Hast Du also irgendwelche freundschaftliche Beziehungen mit Rom vor, so tust Du klug daran, mir gegenüber dies zu verbergen. Denkst Du aber an Krieg, dann betrügst Du Dich selbst, falls Du mich von der Leitung ausschließen solltest.“ - In dem genannten Alter zog er also mit seinem Vater nach Spanien. Nach dessen Tod wurde Hasdrubal als Nachfolger gewählt und Hannibal erhielt das Kommando der Reiterei. Nach Hasdrubals Ermordung übertrug ihm das Heer den Oberbefehl; die Anzeige wurde in Karthago öffentlich bestätigt. Auf diese Weise, noch nicht fünfundzwanzig Jahre alt, zum Oberkommandierenden gemacht, unterwarf Hannibal in den nächsten drei Jahren alle Stämme Spaniens seinen Waffen. Sagunt wurde trotz des Bünndisses mit den Römern im Sturm genommen.“

der Abschnitt auch in einer anderen zweisprachigen Ausgabe auf einer Internetseite:

https://www.gottwein.de/Lat/nepos/hann01.php

Livius, Ab urbe condita 21, 1, 4:

Fama est etiam Hannibalem annorum ferme novem, pueriliter blandientem patri Hamilcari ut duceretur in Hispaniam, cum perfecto Africo bello exercitum eo traiecturus sacrificaret, altaribus admotum tactis sacris iure iurando adactum se cum primum posset hostem fore populo Romano.

T. Livius, Römische Geschichte : lateinisch und deutsch. Buch 21/23. Herausgegeben von Josef Feix. 4. Auflage. Düsseldorf ; Zürich : Artemis & Winkler, 1991 (Sammlung Tusculum), S. 7:

„Man erzählt sich auch, Hannibal habe als neunjähriger Junge seinem Vater Hamilkar - wie Kinder es können - das Versprechen abgeschmeichelt, ihn mit nach Spanien zu nehmen, als er nach Beendigung des afrikanischen Krieges ein Opfer darbrachte, um dann dorthin überzusetzen. Bei dieser Gelegenheit habe er den Knaben zum Altar geführt, ihn das Opfer berühren und schwören lassen, so bald wie möglich als Feind des römischen Volkes aufzutreten.“

Livius, Ab urbe condita 35, 19

[1] Hannibal non adhibitus est in consilium, propter conloquia cum Villio suspectus regi et in nullo postea honore habitus. [2] primo eam contumeliam tacitus tulit; deinde melius esse ratus et percunctari causam repentinae alienationis et purgare se, tempore apto quaesita simpliciter iracundiae causa auditaque [3] 'pater Hamilcar' inquit, 'Antioche, paruum admodum me, cum sacrificaret, altaribus admotum iureiurando adegit nunquam amicum fore populi Romani. [4] sub hoc sacramento sex et triginta annos militavi, hoc me in pace patria mea expulit, hoc patria extorrem in tuam regiam adduxit: hoc duce, si tu spem meam destitueris, ubicumque vires, ubi arma esse sciam veniam, toto orbe terrarum quaerens aliquos Romanis hostes. [5] itaque si quibus tuorum meis criminibus apud te crescere libet, aliam materiam crescendi ex me quaerant. [6] odi odioque sum Romanis. id me verum dicere pater Hamilcar et di testes sunt. proinde cum de bello Romano cogitabis, inter primos amicos Hannibalem habeto: si qua res te ad pacem compellet, in id consilium alium cum quo deliberes quaerito.' [7] non movit modo talis oratio regem sed etiam reconciliavit Hannibali. ex consilio ita discessum est ut bellum gereretur.

T. Livius, Römische Geschichte : lateinisch und deutsch. Buch 35/38. Herausgegeben von Hans Jürgen Hillen. Düsseldorf ; Zürich : Artemis & Winkler, 1982 (Tusculum-Bücherei), S. 41/43:

„Hannibal wurde zu der Versammlung nicht hinzugezogen; denn er war dem König wegen der Gespräche mit Villius verdächtig, und danach wurde ihm keine Ehre mehr zuteil. Zuerst trug er diese Schmach schweigend. Dann glaubte er, es sei besser, die Ursache für die plötzliche Entfremdung zu ergründen und sich zu rechtfertigen, und als er zu geeigneter Zeit geradeheraus nach der Ursache des Zornes gefragt und sie erfahren hatte, sagte er: „Antiochos, mein Vater Hamilcar hat mich als ganz kleinen Jungen, als er ein Opfer darbrachte, an den Altar geführt und von mir den Eid gefordert, daß ich niemals ein Freund des römischen Volkes sein würde. Unter diesem Fahneneid bin ich 36 Jahre Soldat gewesen. Dieser Eid hat mich im Frieden aus meiner Vaterstadt vertrieben. Er hat mich, als ich aus meiner Vaterstadt verbannt war, an deinen Königshof geführt. Unter seiner Führung werde ich, wenn du meine Hoffnung enttäuschst, hinkommen, wo nur immer ich Streitkräfte und Waffen weiß und werde auf dem ganzen Erdkreis nach Menschen suchen, die Feinde der Römer sind. Wenn deshalb einige deiner Leute durch Anschuldigungen gegen mich hochkommen möchten, sollen sie sich etwas anderes aussuchen. Ich hasse die Römer, und die Römer hassen mich. Daß ich damit die Wahrheit sage, dafür sind mein Vater Hamilcar und die Götter Zeuge. Wenn du daher an einen Krieg mit den Römern denkst, sollst du Hannibal zu deinen besten Freunden zählen; wenn aber irgendein Umstand dich zum Frieden drängt, sollst du dir für diesen Plan einen anderen suchen, mit dem du das berätst.“ Diese Rede machte nicht nur Eindruck auf den König, sondern gewann ihn auch wieder für Hannibal.“

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Der Satz „Es heißt ja auch nicht Christophor sondern Christopher.“ ist als Begründung („ja auch“) des vorausgehenden Satzes „Christopherus und Christophorus ist beides korrekte Rechtschreibung.“ gemeint. Offenbar soll die Richtigkeit der Schreibweise „Christopherus“ bestätigt werden. „Christopherus“ und „Christopher“ sind fast gleich, insbesondere mit einem „e“ und nicht einem „o“ in der dritten Silbe, nur fehlt bei „Christopher“ die Endung –us. Die Durchführung der Argumentation ist darin nicht stimmig, die Richtigkeit einer Namensform („Christopher“) betont einer Falschheit („Es heißt .. nicht") einer anderen Namensform („Christophor“) entgegenzustellen. Für eine Aussage „beides korrekte Rechtschreibung“ wäre es aber passend, beide Schreibweisen als richtig darzulegen (also eine Struktur mit „und" oder „sowohl ... als auch"). Anscheinend hat sich das Bemühen in den Vordergrund geschoben, Christopherus entgegen irgendwelchen Zweifeln als eine korrekte Rechtschreibung nachzuweisen.

Ursprung des in verschiedenen Namensformen vorkommenden Namens ist altgriechisch Χριστόφορος (Christophoros), von Χριστός (Christos) und φορός (phoros) = „tragend“, „-träger“ oder „bringend“, „-bringer“, also der Bedeutung nach „Christusträger“. Zur Wortfamilie von φορός gehört das Verb φέρειν (pherein) = „tragen“, „bringen“. Ein Wiederholung ausdrückendes Verb dieser Wortfamilie ist φορέειν (phoreein) = „tragen“, bringen“.

Aus dem altgriechischen Χριστόφορος (Christophoros) ist latinisiert (in lateinische Sprachform gebracht) Christophorus geworden. Die altgriechische Maskulinumendung –ος (-os) ist zur lateinischen Maskulinumendung –us geändert worden. Christopherus ist eine leicht geänderte Latinisierung. Ein „e“ statt ein „o“ ist in diesem Fall eine passende Änderung innerhalb der lateinischen Sprache. Ein „o“ zeigt stärker einen Charakter als Lehnwort, ein „e“ lateinische Eigenart. Zum altgriechischen Verb φέρειν (pherein) = „tragen“, „bringen“ ist die lateinische Entsprechung das Verb ferre. In der lateinischen Sprache ist statt „ph“ auch „f“ denkbar. Lateinisch –fer bedeutet „tragend“, „-träger“ oder „bringend“, „-bringer“. Zum Beispiel bedeutet mellifer „honigtragend“, der Name Lucifer für den »Morgenstern« bedeutet „Lichtbringer“.

Christophorus und Christopherus sind beide als lateinische Schreibweisen möglich.

Grundsätzlich sind in einer Sprache auch Entwicklungen durch Sprachgebrauch möglich.

Bei der Frage nach einer korrekten Rechtschreibung ist auch ein Bezug nötig, welche Sprache gemeint ist.

„Christophor“ ist eine verwendete Namensform, wenn auch seltener als „Christopher“.

Beides sind Kurzformen (Wegfallen der ursprünglichen Endung), wie z. B. auch (mit Wegfall auch von ursprünglichen Wortsilben) „Christoph“ und (vor allem in englischer Sprache) „Chris“.

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Der Text ist Ovid, Ars amatotia 1, 35 – 44.

Dabei sind ein paar Tippfehler enthalten.

In Vers 36 ist bei der Übersetzung nova (das Adjektiv ist Attribut zu arma, Akkusativ Neutrum Plural) weggelassen.

Vers 37 ist frei übersetzt. placitam ist die „gefallende“, das Mädchen, das (dir) gefällt.

In Vers 39 ist haec area nicht berücksichtigt, sondern in der Übersetzung weggefallen.

In Vers ist die Übersetzung teilweise ungenau und terenda (Gerundivum Nominativ Singular Femininum vom Verb terere) mit ter („dreimal“) verwechselt.

In Vers 41 ist solitus Tippfehler statt richtig solutis. Das zugrundeliegende Verb ist also nicht solere, sondern solvere.

In Vers 43 ist tenues auf auras bezogen (Akkusativ Plural Femininum).

In Vers 44 ist oculis tuis Ablativ und für apta „passend“, „geeignet“ eine treffendere Bedeutung als „würdig“.

„Zu Anfang/Beginn bemühe dich darum, was du lieben willst [das Objekt deiner Liebe], aufzufinden, der du jetzt zum ersten Mal als Soldat in neue Waffen kommst/trittst.

Die hierauf nächste Bemühung ist, das Mädchen, das gefällt, mit Bitten zu bewegen, die dritte, dass die Liebe lange Zeit bestehen bleibt/dauert.

Diese Vorgehensweise/Methode, diese Rennbahn wird von unserem Wagen angezeigt/markiert: Diese Zielmarke muss mit hinlaufendem/hinschießendem/eilendem/beschleunigtem Rad gestreift werden/Auf diese Zielmarke muss mit hinlaufendem/hinschießendem/eilendem/beschleunigtem Rad hingefahren werden.

Solange es freisteht und du überall/nach allen Seiten hin mit gelösten/lockeren Zügeln fahren kannst, wähle die aus, der du sagst: »Du allein gefällst mir«.

Diese wird nicht zu dir kommen, indem sie durch dünne Lüfte herunterfällt/herabschwebt: Du musst mit deinen Augen das passende/geeignete Mädchen suchen.“

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Das Geschehen einer Ursache und das Geschehen einer Wirkung sind zwei Ereignisse. Es handelt sich nicht um dasselbe Ereignis, sondern um zwei verschiedene Ereignisse. In dem ersten Ereignis, der Ursache, ist nichts enthalten, aus dem das Denken ohne die Hilfe von Erfahrung das zweite Ereignis ableiten kann. Hume selbst gibt Billardkugeln als ein Beispiel an. Eine Billardkugel prallt durch einen Stoß gegen eine andere Bilardkugel. Die Bewegung der ersten Billardkugel ist ein von der Bewegung der zweiten Billardkugel verschiedenes Ereignis. In der Bewegung der ersten Billardkugel ist auch nichts enthalten, aus dem bloßes Denken ohne Erfahrung erkennen kann, ob die zweite Billardkugel dann ruht oder eine Bewegung stattfindet und in welche Richtung gegebenenfalls eine Bewegung stattfindet. Hume nennt auch das Erheben eines Steins in die Luft und ein Loslassen ohne Stütze. Den Stein in der Luft ohne Stütze zu lassen und eine anschließende Bewegung des Steins sind zwei verschiedene Ereignsse. Ohne Erfahrung ist auch keine sichere Annahme möglich, was für eine eine anschließende Bewegung des Steins geschehen wird, z. B. nach unten oder nach oben nach irgeneiner anderen Richtung.

Es geht um die Auffassung, die David Hume über Kausalität (Verhältnis von Ursache und Wirkung) hat.

David Hume meint: Alle abstrakten Ordnungsbegriffe (wie z. B. Kausalität)

stammen aus der Verknüpfung/Assoziation der Vorstellungen/Ideen, indem Menschen aus dem regelmäßigen Beisammensein von Sinneseindrücken Begriffe bilden. Prinzipien der Verknüpfung/Assoziation seien Ähnlichkeit, zeitliche oder räumliche Nachbarschaft/Berührung und regelmäßige Abfolge (Verhältnis Ursache -Wirkung/Kausalität).

Hume argumentiert, eine notwendige Verknüpfung von Ursache und Wirkung könne nicht aus der Erfahrung gewonnen werden. Die Menschen können Dinge und Ereignisse wahrnehmen, aber nicht unmittelbar die wirkenden Kräfte bzw. die Notwendigkeit der Verknüpfung.

Hume fragt als Empirist (die Erfahrung für grundlegend haltender Denker) nicht, was kausale Verknüpfungen ihrem Wesen nach sind, sondern auf welche Weise Menschen die Begriffe von Ursache und Wirkung erwerben. Aufgrund wiederholter Beobachtung gleichartiger Fälle bilden Menschen eine Gewohnheit aus, beim Auftreten des einen Ereignisses dessen übliche Begleiterscheinung zu erwarten.

Die Menschen seien subjektiv zu einer Erwartung genötigt. Hume nimmt eine

Kausalität als wahrscheinlich an, aber die Zuschreibung von Notwendigkeit könne nicht vor aller Erfahrung (lateinisch: a priori) aus den Begriffen hergeleitet werden und beruhe nicht auf der Wahrnehmung einer verbindenden Kraft zwischen Ursache und Wirkung.

David Hume, Enquiry concerning human understanding (1758; „Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand; zuerst 1748 unter dem Titel „Philosophical essays concerning human understanding“). Section 4: Sceptical doubts concerning the operations of the understanding, Part I. (Vierter Abschnitt: Skeptische Zweifel betreff der Verstandestätigkeiten. Erster Teil.):

„In a word, then, every effect is a distinct event from its cause. It could not, therefore, be discovered in the cause, and the first invention or conception of it, a priori, must be entirely arbitrary. And even after it is suggested, the conjunction of it with the cause must appear equally arbitrary; since there are always many other effects, which, to reason, must seem fully as consistent and natural. In vain, therefore, should we pretend to determine any single event, or infer any cause or effect, without the assistance of observation and experience.“

David Hume, Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand. Übersetzt von Raul Richter. Mit einer Einleitung herausgegeben von Manfred Kühn. 2., korrigierte Auflage. Hamburg : Felix Meiner Verlag, 2022 (Philosophische Bibliothek ; Band 648), S. 40:

„Mit einem Wort, jede Wirkung ist ein von ihrer Ursache verschiedenes Ereignis. Sie kann daher in der Ursache nicht entdeckt werden, und was man sich zuerst a priori von ihr erfindet oder vorstellt, muss gänzlich willkürlich sein. Und selbst nachdem sie uns in den Sinn gekommen, muss ihr Zusammenhang mit der Ursache ebenso willkürlich scheinen; weil es immer eine Menge anderer Wirkungen gibt, die der Vernunft genauso widerspruchslos und natürlich dünken müssen. Vergeblich würden wir uns also anmaßen, den Ablauf eines einzelnen Ereignisses zu bestimmen, oder irgendeine Ursache oder Wirkung herzuleiten ohne den Beistand von Beobachtung und Erfahrung.“

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„DEUTSCH NATIONAL“ bezieht sich auf die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) (https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschnationale_Volkspartei ; https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/dnvp.html).

Das Wahlplakat zur Reichstagswahl am 7. Dezember 1924 ruft dazu auf, die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) zu wählen.

Die DNVP war eine die Demokratie ablehnende konservativ-autoritäre, sehr nationalistische Partei. Sie bevorzugte die Verhältnisse im Deutschen Kaiserreich und drückt dies mit dessen Farben Schwarz-Weiß-Rot aus, die den Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold Deutschlands in der Weimarer Republik entgegengesetzt werden.

Schwarz-Weiß-Rot waren die Farben der Nationalflagge des Deutschen Kaiserreiches (1871 – 1918). In der Verfassung des Deutschen Reiches vom 11. August 1919 (Verfassung der Weimarer Republik) waren Schwarz-Rot-Gold (an die nationalen und liberalen Bewegungen im 19. Jahrhundert und die Revolution 1848/1849 anknüpfend) die Farben der Nationalflagge Deutschlands (Artikel 3).

Beim Symbol der Nationalfarben zeigten sich unterschiedliche politische Einstellungen. Rechtsstehende Parteien hielten an Schwarz-Weiß-Rot fest.

Auf dem Plakat fährt aus einem Himmel mit dunklen Wolken ein großer Blitz in schwarz-weiß-roten Farben herab und ist kurz davor, in eine Menschengruppe auf der Erde einzuschlagen, die für Schwarz-Rot-Gold eintritt.

Die Größe des Blitzes, der aus dunkelgrauem Himmel einschlägt, steht für Mächtigkeit der politischen Wirkung. Gedacht werden kann nach der Propagandabsicht an etwas wie ein reinigendes Gewitter. Der Staat der Weimarer Republik und seine Befürworter werden völlig abgelehnt. Ihre politische Beseitigung/Vernichtung wird angestrebt.

Radikale rechte Gegner der Weimarer Republik, die den Verhältnissen im Deutschen Kaiserreich den Vorzug geben, werden angetrieben, mit großer Energie einen entscheidenden Sieg der rechtsgerichteten Kräfte zu bewirken, dafür die DNVP zu wählen und so die Vertreter von Schwarz-Rot-Gold zu entmachten. Es wird mit einem Feindbild und mit einer Siegesverheißung mobilisiert.

Bei der Reichstagswahl vom 4. Mai 1924 hatte die DNVP mit 19, 45 % der Stimmen deutlich hinzugewonnen. Nun setzt sie auf eine weitere Zunahme (es wird von einem „Sieg“ geschrieben, als sei dies schon sicher und nur das Ausmaß noch nicht klar). Die Botschaft der DNVP ist, eine große Anzahl von Stimmen für sie sei nötig, um endlich die Anhängerschaft von Schwarz-Weiß-Rot an die Regierung zu bringen und ihre Gegner zu entmachten. Ziel ist, die Anhängerschaft von Schwarz-Weiß-Rot möglichst stark zu einer Abstimmung für die DNVP und nicht für andere rechte Parteien zu bringen. Aufschrift unten: „Wie ein Blitz muss der schwarz-weiss-rote Sieg am 7. Dezember wirken, wählt deutschnational“, Das „muss“ ist ein dringlciher Appell.

Der Einschlag des Blitzes zielt auf einen Mann, der in einem großen und erhöhten Sessel mit schwarz-rot-goldener Lehne wie auf einem Thron sitzt. Er ist in einem Größenverhältnis dargestellt, bei dem er zu klein für den Sessel aussieht. Gedacht werden kann so, er halte einem Vergleich mit einem Kaiser nicht stand. Gemeint ist Friedrich Ebert (SPD) im Amt des Reichspräsidenten. Er befindet sich im Zentrum einer Gruppe, die von dem Blitz in zwei Richtungen auseinandergetrieben wird. Manche von ihnen tragen schwarz-rot-goldene Fahnen. Einige sehen aus wie Arbeiter und tragen rote Kopfbedeckungen (in der politischen Symbolik Farbe der Arbeiterbewegung und von sozialdemokratischen, sozialistischen und kommunistischen Parteien). Die Ballonmützen sind ein Symbol für Sozialdemokraten. Einige sehen mit Anzug und Zylinderhut aus wie wohlhabende Bürger. Gedacht werden kann an einerseits Sozialdemokraten, andererseits die Deutsche Demokratische Partei (DDP; liberal ausgerichtet) und die Deutsche Zentrumspartei (kurz: Zentrum; Vertretung des politischen Katholizismus).

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Die Karikatur ,,Der Mann mit den zwei Gesichtern" (französisch: ,,L'home au double visage") ist 1933 in der in Paris erscheinenden französischen Tageszeitung „Le Rempart" veröffentlicht worden. Diese unabhängige Zeitung („Quotidien du matin. Indépendant du pouvoir et de tous les pouvoirs, tel est ce libre journal“) hatte Paul Levy 1933 als Antwort auf Hitlers Machtergreifung gegründet (https://www.autorenlexikon.lu/page/author/134/1346/DEU/index.html ; https://fr.wikipedia.org/wiki/Paul_L%C3%A9vy_(journaliste)).

Autor/Karikaturist: kein Name genannt, Künstlersignatur „e-s“, inhaltlich kann ein Ausdrücken einer Überzeugung des Zeitungsgründers Paul Levy angenommen werden

Adressat: Leser(innen) der Zeitung, darüber hinausgehend die Öffentlichkeit, vor allem die französische Bevölkerung

Ort: Paris

Zeit: 1933, kein genaues Datum angegeben

Bildart: Karikatur

Quellenart: zu einer Untersuchung über die Rezeption nationalsozialistischer Außenpolitik und Propaganda primäres Material

Thema: nationalsozialistischer Außenpolitik und Propaganda

Beschreibung

Die Karikatur ist in den Farben Schwarz und Weiß.

In Seitenansicht sind zwei Männerköpfe und zwei dazugehörige Rumpfhälften mit jeweils einem Bein zu sehen. Die Hälften sind ungefähr in der Bildmitte mit dem Rücken aneinander. Sie gegen zum Teil ineinander über.

An Gesicht, Haar und schmalem Schnurbart auf der Oberlippe unter der Nase ist der Mann in beiden Fällen als Adolf Hitler zu erkennen.

Links (für die Betrachtung) trägt er formelle Zivilkleidung mit einem eleganten schwarzen Anzug. Er wirkt gepflegt und steht ruhig da. Seine Augen sind geöffnet und gerade nach vorn gerichtet. Sein rechter Arm ist halb ausgestreckt. Auf der geöffneten Handfläche sitzt eine Taube.

Rechts sind Gesichtsausdruck, Körperhaltung, Kleidung und getragene Dinge entgegengesetzt. Seine gerade nach vorn gerichteten Augen sind zusammengekniffen, sein Mund weit aufgerissen, als ob er brüllt/schreit, der Gesichtsausdruck wirkt verzert und aggressiv. Hitler trägt militärische Bekleidung. Auf dem Kopf hat er einen Stahlhelm, auf dem Jackenärmel des ausgestreckten Arms ist eine Hakenkreuzbinde angebracht. In der Hand hält er ein Gewehr. Er hat einen totenkopfähnlich aussehenden Gegenstand umgehängt, wohl eine Gasmaske. An einem Riemem baumelt eine Klingenwaffe (Säbel oder Degen) herab. Sein Bein ist wie zum Marschieren weit hochgehoben, in Art eines Stechschrittes von Soldaten, der einen Ursprung bei der preußischen Armee hat. Der Gesamteindruck ist kämpferisch, hart, angrifflustig und kriegslüstern.

Deutung

Die Karikatur will eine Doppelgesichtigkeit Hitlers hervorheben, wie schon der Titel ,,Der Mann mit den zwei Gesichtern" zeigt. Die Absicht ist die einer Entlarvung eines friedlichen Anscheins.

Die eine Seite Hitlers ist ein Aufttreten als zivilierter, seriöser Politiker mit friedlichen Absichten. Die Taube steht als Friedenstaube symbolisch für Frieden. Der ausgestreckte Arm erscheint wie ein Friedensangebot. Es hat eine Rede Adolf Hitlers (sogenannte Friedensrede) im Reichstag am 17. Mai 1933 und das Vorlegen einer „Friedensresolution“, die vom Reichstag Zustimmung bekam, gegeben.

Diesem Auftreten ist in scharfem Gegensatz die andere Seite entgegengestellt. Hitler ist als aggressiver Mann mit militärischer Kleidung und Ausrüstung dargestellt. Die Waffen (wobei die Gasmaske an Einsatz chemischer Kampfstoffe im Ersten Weltkrieg erinnert und eine Vorstellung von Tod und Verderben entstehen kann) und das Marschieren weisen auf gewalttätige Absichten und Pläne hin, eine Bedrohung durch einen Kriegstreiber.

Der Umstand, dass es sich um denselben Mann handelt und die beiden Teile fest miteinander verbunden sind, legt die Schlussfolgerung nahe, dass der Friedensgeste nicht getraut werden darf.

Eine Befürchtung einer aggressiven nationalsozialistischen Außenpolitik kommt zum Ausdruck. Die Karikatur will auf gefährliche Absichten aufmerksam machen, die nicht aufgrund eines Auftretens Hitler mit Bekundung friedlicher Absichten nach außen gegenüber einer allgemeinen Öffentlichkeit übersehen und vergessen werden sollen. Hitler will den Eindruck vermitteln, Frieden zu wollen und ein verlässlicher Partner für Verhandlungen und Verträge zu sein. Die aus Reden und Schriften bekannte nationalsozialistische Weltanschauuung und die tatsächlichen Maßmahmen stimmen aber nicht damit überein. Dies erweckt Zweifel an der Ehrlichkeit einer angeblichen Friedensbereitschaft.

Im Rückblick kann bei der Doppelgesichtigkeit eine Verschleierung aggressiver Ziele aus taktischen Gründen festgestellt werden. In der nationalsozialistischen Außenpolitik hat es von 1933 bis 1938/1939 eine Doppelstrategie darin gegeben, einerseits aggressive Ziele (wie Aufrüstung, Vorbereitung auf Krieg, Ausdehnung, Eroberung, Unterwerfung, »Lebensraum im Osten«, Vorherrschaft in der Welt) zu verfolgen, sich mit Schaffung vollendeter Tatsachen über den Friedensvertrag von Versailles hinwegzusetzen und in internen Kreisen Anweisungen für Aufrüstung und Kriegsvorbereitung zu geben, andererseits mit Reden, Erklärungen an die intenationale Öffentlichkeit und diplomatischen Maßmahmen Friedensliebe und Friedensbereitschaft zu bekunden, um andere Staaten von einem militärischen Einschreiten gegen Machterweiterung, einen Bruch des Friedensvertrages von Versailles und Expansionsschritte abzuhalten.

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Gedacht wird an: Lucius Annaeus Seneca, De matrimonio

Dieses Werk ist nicht als solches erhalten. Der christliche Kirchenvater Hieronymus hat in einer ziemlich ehefeindlichen Streitschrift gegen den Mönch Jovinian (Iovinianus) auf Stellen daraus zurückgegriffen. Bei der Stelle, die dem deutschen Zitat zugrundeliegt, wird nicht ausdrücklich angegeben, einen bestimmten anderen Autor wiederzugeben.

Hieronymus, Adversus Iovianum 1, 47:

https://la.wikisource.org/wiki/Adversus_Iovinianum_(Hieronymus)

Adde, quod nulla est uxoris electio, sed qualiscumque obvenerit, habenda. Si iracunda, si fatua, si deformis, si superba, si fetida, quodcumque vitii est, post nuptias discimus. Equus, asinus, bos, canis, et vilissima mancipia, vestes quoque, et lebetes, sedile ligneum, calix, et urceolus fictilis probantur prius, et sic emuntur: sola uxor non ostenditur, ne ante displiceat, quam ducatur.

„Füge hinzu, dass es keine Auswahl der Ehefrau gibt, sondern man sie haben muss, wie immer auch beschaffen sie zuteil wird. Wenn sie jähzornig, wenn sie blödsinnig, wenn sie missgestaltig, wenn sie hochmütig, wenn sie übelriechend ist, was auch immer es an Fehler gibt, wir lernen es nach der Hochzeit kennen. Pferd, Esel, Rind, Hund und billigste Kaufsklaven, auch Kleidungsstücke und Kessel, Holzsitz, Becher und kleine Tonkrüge werden vorher geprüft und auf solche Weise gekauft: Allein die Ehefrau wird nicht vorgezeigt, damit sie nicht missfällt, bevor sie geheiratet wird.“

Ludwig Friedlaender, Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms in der Zeit von Augustus bis zum Ausgang der Antonine. Erster Teil. Achte, neu bearbeitete und vermehrte Auflage. Leipzig : Hirzel, 1910, S. 470 – 471:

„Jedes Tier und jeder Sklave, sagt Seneca, Kleider und Geschirre werden vor dem Kauf geprüft, nur die Frau wird nicht gezeigt, damit sie dem Bräutigam nicht mißfalle, ehe er sie heimführt. Wenn sie jähzornig, dumm, mißgestaltet, von üblem Atem ist, welches auch ihre Fehler sind, wir lernen sie erst nach der Hochzeit kennen.“

https://archive.org/details/darstellungenau01frie/page/470/mode/2up

 

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Das Wahlplakat der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) ist zu der Reichstagswahl vom 20. Mai 1928 erschienen.

https://www.akg-images.fr/CS.aspx?VP3=SearchResult&ITEMID=2UMDHUFM5EXF&LANGSWI=1&LANG=German

Die Aufschrift ist „Säubert das Reich! wählt Deutsche Demokraten! Liste 6“

Der Entwurf stammt von Theo Matejko (Signatur oben links, mit „28“ für die Jahreszahl).

Die Druckerei war Hugo Sensch im Berliner Postbezirk Südosten 16 (Berlin Mitte), rechts unten hingeschrieben („HUGO SENSCH BERLIN SO 16“).

Hakenkreuz

Das nach links zeigende Hakenkreuz ist in Bezug auf die Ausrichtung nach links nicht gut als gezielte Absicht erklärbar. Daher ist „eher Zufall“ zutreffend.

Das Hakenkreuzsymbol hat es sowohl linksdrehend als auch rechtsdrehend gegeben. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) hat ein rechtsdrehendes Hakenkreuz als Symbol verwendet. Dies hat auch bei manchen anderen deutschen Rechtsextremisten der Fall gewesen.

Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ist seit 1922 (mit dem 4.7.1922 in Baden beginnend) in mindestens 9 Ländern verboten gewesen, in Bayern erst am 9.11.1923 nach dem Hitler-Putsch, am 23.11.1923 reichsweit (auf Grundlage der Notverordnung des Reichspräsidenten vom 26.9.1923) wegen Verächtlichmachung der Republik und Terror der SA. Nach dem Einzug von Nationalsozialisten in den Reichstag am 7.12.1924 in der Listenvereinigung (Liste von »Deutschvölkischen« und Nationalsozialisten) Nationalsozialistische Freiheitspartei bzw. später Nationalsozialistische Freiheitsbewegung kam eine Wiederzulassung und eine Neugründung der NSDAP am 27.2.1925.

Denkbar ist, nur darauf geachtet zu haben, Hakenkreuze in den Entwurf zu setzen und in der genauen Ausführung nachlässig gewesen zu sein oder ein Versehen begangen zu haben, oder ein eine Umdrehung beim Druckverfahren durch die Art des Abdrucks.

Die Symbole stehen für das, wovor das Deutsche Reich nach dem Wahlplakat gesäubert werden soll, und verweisen auf verschiedenen Gruppen, die parlamentarische Demokratie und damit den Staat der Weimarer Republik scharf ablehnten: Das Hakenkreuz auf Nationalsozialisten und andere, deutschvölkische Rechtsextremisten, der Stahlhelm auf militaristische, sehr nationalistische und autoritär-konservative Kräfte wie in der paramilitärischen Organisation „Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten“, der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) nahestehend, und der fünfzackige rote Stern (https://de.wikipedia.org/wiki/Roter_Stern) auf die Kommunisten, vor allem die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD).

Deutschland soll nach der Aussage von Schmutz, von Unrat und Ungeziefer in einem metaphorischen Sinn gereinigt werden. Dazu gehören bildlich an dem Land nagende braune und rote Würmer, die es unterhöhlen.

Preußen

Deutschland wird in den damaligen, nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen Staatsgrenzen gezeigt. Ostpreußen war vom übrigen Gebiet des Deutschen Reiches getrennt. Es gab eine Recht auf ungehinderte Durchfahrt. Dazwischen lagen Danzig (als Freie Stadt Danzig unter Aufsicht des Völkerbundes) und ein Teil von Westpreußen, der zu Polen gehörte (»polnischer Korridor«). Das Plakat zeigt die tatsächlichen Verhältnisse und betont durch die Verbindung mit Seilen die feste Verbundenheit Ostpreußens mit dem übrigen Deutschland.

Mann

Es wird nicht ein bestimmter individueller Mann abgebildet, sondern ein Typ. Der Mann ist ein verfassungstreuer Befürworter und Beschützer der Weimarer Republik und der parlamentarischen Demokratie. Sein großer Schild trägt die Farben Schwarz-Rot-Gold, seit 1919 Nationalfarben Deutschlands in der Zeit der Weimarer Republik (Artikel 3 der Verfassung), mit geschichtlichen Wurzeln in nationalen und liberalen Bewegungen des 19. Jahrhunderts und in der Revolution 1848 zu Farben des zu gründenden Deutschen Reiches erklärt.

Es gab in der Weimarer Republik ein „Republikschutzgesetz“, das 1927 um 2 Jahre bis 1929 verlängert worden ist und von der DDP bejaht wurde (https://de.wikipedia.org/wiki/Republikschutzgesetz).

Der Mann ist groß, kräftig und muskulös. Er ist ein Kämpfer, der in seiner Nacktheit Beziehungen zur Heldenvorstellung »heroischer Nacktheit« (https://de.wikipedia.org/wiki/Ideale_Nacktheit) der antiken Griechen hat (antiker Heros) und in seinem Schild zu Wappenschilden, die auf das mittelalterliche Rittertum zurückgehen.

Hannes Lewalter, „Der Kampf ist hart. Wir sind härter! - Die Darstellung deutscher Soldaten im Spiegel der Bildpropaganda beider Weltkriege und die Konstruktion des „Neuen Helden”, Dissertation Tübingen 2010, S. 76 - 77

https://d-nb.info/1004860145/34

„Diese Art der Heros-Darstellung, wie sie Erlers „Der neunte Pfeil“ propagierte, zeigt sich nochmals stärker als bei der DVP auf einem Plakat der Deutschen Demokratischen Partei.Ihre Wahlwerbung „Säubert das Reich“, 1928 von Theo Matejko gestaltet, präsentiert einen republikanischen Kämpfer, der die Republik von Nationalsozialisten, Kommunisten und anderen, als Würmer und Geschmeiß dargestellten, Objekten befreit. Dabei kniet er auf der politischen Karte des Deutschen Reiches, das in den Nachkriegs-Grenzen dargestellt wird, und drängt mit einem in den Farben der Republik gehaltenen Schild die Feinde und „Schädlinge“ der Demokratie immer weiter zurück. Interessant an dieser Darstellung ist, daß sowohl die aktuellen deutschen Grenzen bei der Darstellung des Deutschen Reiches akzeptiert werden, als auch, daß der Schild als offensiv genutzte Abwehrwaffe dient. Somit unterscheidet sich das DDP-Plakat Matejkos deutlich von den anderen gezeigten Wahlwerbungen, die allesamt sehr aggressiv auftreten. Seine Aggressivität erhält das Plakat durch die Art der Zeichnung der politischen Gegner, die in beinahe faschistischer Feindzuschreibung als Dreck und Würmer dargestellt werden, weil sie in der Vergangenheit versuchten, dargestellt durch die Löcher und Narben des Bodens, das politische System zu unterhöhlen. Im bereits gesäuberten Bereich hinter dem Kämpfer verheilen die Wunden dank der Arbeit des republikanischen Heros aber wieder.

Die Darstellung dieses republikanischen Kämpfers könnte dem des Erlerplakates nicht viel ähnlicher sein. Sowohl die Farbgebung, als auch die Statur entsprechen sich, ja sogar der Haarschopf weist eine gewisse Ähnlichkeit auf. Matejkos Schildträger ist ebenso wie Erlers Bogenschütze dem Betrachter zeitlich entrückt und in eine antik anmutende Szenerie versetzt. Beide Male bildet ein Stein, Symbol der heimatlichen Erde, den Untergrund des nackten Kämpfers, bei Matejko wird die heimatliche Erde sogar direkt über die Grenzen des Deutschen Reiches verdeutlicht. Das DDP-Plakat bildet den Hochpunkt der Adaption von, der Gegenwart entrückten, monumentalisierenden Weltkriegsmotiven in der bildlichen politischen Auseinandersetzung der Weimarer Republik.“

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Die Karikatur ist am 28. Juli 1866 in der in Kopenhagen erscheinenden dänischen Satirezeitschrift „Folkets Nisse“ veröffentlicht worden.

geschichtlicher Zusamnenhang

Preußen hatte mit Verbündeten (darunter auch Italien) 1866 im Deutschen Krieg gegen Österreich und Verbündete gewonnene. Die entscheidende Schlacht war bei Königgrätz am 3. Juli 1866. Die Preußen verwendeten Zündnadelgewehre, die damals eine höhere Schussfrequenz als andere Gewehre ermöglichten. Am 26. Juli 1866 wurde der Präliminarfrieden (Vorfriedensvertrag) von Nikolsburg abgeschlossen (der Friedensvertrag von Prag am 23. August hatte keinen wesentlich anderen Bestimmungen). Österreich behielt sein Gebiet bis auf das vom Kaiser von Österreich beherrschte Venetien mit der Hauptstadt Venedig (Rest des Königreichs Lombardei-Venetien), das an Italien kam. Österreich musste seine Rechte auf die Herzogtümer Schleswig und Holstein (als Elbherzogtümer bezeichnet, wozu mnachmal auch das Herzogtum Lauenburg gezählt wurde) an Preußen abtreten sowie diesem eine Kriegskostenentschädigung von 40 Millionen Talern geben, von denen (durch Abzug noch zustehender Forderungen und Verpflegung der preußischen Armee bis zum Friedensabschluss) 20 Millionen Taler tatsächlich bar zu zahlen waren. Preußen annektierte das Königreich Hannover, das Kurfürstentum Kassel (Hessen-Kassel), das Herzogtum Nassau, die Freie Stadt Frankfurt am Main und kleine Teile des Königreichs Bayern und des Großherzogtum Hessen (Hessen-Darmstadt). Österreich musste der Auflösung des Deutschen Bundes und einer Gründung eines Norddeutschen Bundes zustimmen.

Auf mit Österreich verbündete deutsche Staaten kamen ebenfalls an Preußen zu zahlende Kriegskostenentschädigungen zu: In den späteren Friedensverträgen waren dies für Bayern 30 Millionen, Württemberg acht Millionen, Baden sechs Millionen Hessen-Darmstadt drei Millionen Gulden, für Sachsen 10 Millionen Taler.

Napoleon III. (Charles Louis Napoléon Bonaparte), Kaiser der Franzosen, hatte Frankreich neutral gehalten und Vermittlung zum Frieden ausgeübt. Er hatte sich für die Neutralität Gegenleistungen für Frankreich erhofft, aber erfolglos.

Karikatur

Die Karikatur „Szene aus der europäischen Schule, oder: Schulmeister Wilhelm und Hilfslehrer Bismarck bei der Arbeit“ zeigt in einer Schulklasse links König Wilhelm I. von Preußen als stämmigen Schulmeister Wilhelm der auf einem Podest erhöht auf einem Stuhl sitzt. Er trägt eine militärische Uniform, auf dem Kopf einen Helm mit Spitze (»Pickelhaube«), der in Karikaturen ein typisches Symbol für Preußen ist.

Er zieht mit seiner rechten Hand einen Schuljungen (im Text unten „Franz“ genannt) am Ohr, der schmerzleidend mit weit geöffnetem Mund das Gesicht verzerrt und mit seiner linken Hand in vergeblicher Schutzbemühung zu seinem Ohr fasst. Der Schuljunge ist eine Darstellung des Kaisers Franz Joseph I. von Österreich in militärischer Uniform. Seine Mütze und sein Schwert sind heruntergefallen. Er kann als Besiegter verstanden werden, der Verluste und Machteinbuße für Österreich erleidet.

Vor dem Stuhl steht ein Lehrerpult. Darauf steht ein Tintenfass mit der Aufschrift „Venedig“ und liegt ein Papier mit der Aufschrift „S.Holst.“ (Schleswig-Holstein). Dies weist auf Gebiete hin, auf die Österreich verzichten musste.

In der Mitte steht Otto von Bismarck, preußischen Ministerpräsident und Außenminister seit 1862, als Hilfslehrer in Zivilkleidung. In seiner linken Hand hält er ein Lesebuch mit der Aufschrift „ABC“, in seiner rechten Hand ein Zündnadelgewehr (Aufschrift „Zündnade...“) mit einem Bajonett am einen Ende und einem Reisigbesen oder einer Reisigrute am anderen Ende. Es kann zum verprügelnden Schlagen verwendet werden. Vor ihm steht rechts ein Schuljunge (im Text unten „Louis“ genannt) in Zivilkleidung mit einem großen Hut in seiner rechten Hand und einem aus einer Jackentasche heraushängenden Taschentuch. Seine rechter Arm ist halb erhoben. Er weint. Der Schuljunge ist eine Darstellung des Kaisers Napoleon III. In einer Prüfung zur neuesten Geschichte sagt er etwas, was Napoleon sich gewünscht hätte. Bismarck hält ihm entgegen, was er an Friedensbedingungen nach seinem Geschmack durchsetzt und lässt ihn mit der Note »Fünf« durchfallen. Grob schickt er ihn zur Klasse auf einen hinteren Platz neben dem Schuljungen der für den winzigen Kleinstadt Lippe-Detmold steht, zurück. Dies zeigt eine Demütigung der Großmacht Frankreich und seinen ehrgeizigen Monarchen.

Hinten sitzen an einer Schulbank Personen mit Kronen auf den Köpfen. Sie stehen für europäische Klein- und Mittelstaaten, die unter preußischer Vorherrschaft stehen. Auf Bankhöhe ist etwas Geschriebenes (ziemlich klein, dünn und verschwommen) sichtbar, vielleicht „Krigsomkostninger“ („Kriegskosten“) .

Hinten an der Wand hängen eine Zeichnung, die einen spöttische Karikierung des Kaisers Napoleon III. als Vogel sein könnte, ein Reisigbesen mit der Aufschrift „Königsgrätz“ (Hinweis auf die Schlacht mit entscheidendem preußischen Sieg), eine Landkarte mit der Aufschrift „Preussen, auch genannt Europa“ und eine Landkarte mit der Aufschrift „Karte über das künftige Preussen“, das bis nach „Amerika“ reichen wird.

Die Karikatur zeigt die eingetretene Machtlage. Die Vertreter Preußens sind körperlich größer als die Österreichs und Frankreichs, die kleine Schuljungen gegenüber großen Lehrern sind. Die Vertreter Preußens misshandeln nach der Darstellung gewalttätig Österreich bzw. drohen Frankreich mit Gewalt/Prügelstrafe. Auch europäische Klein- und Mittelstaaten stehen unter ihrer autoritären und schikanierenden Fuchtel. Preußen erscheint als aggressiv, respektlos und auf rücksichtslose Machtpolitik mit einer in der Zukunft weit ausgreifenden Expansion ausgerichtet. Die Karikatur lässt die als Gefahr erscheinen und hat einen ablehnende und warnende Tendenz. Dänemark ist zu Preußen ein kleinerer Nachbarstaat und der dänische König hatte 1864 in einem Krieg Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg an Preußen und Österreich verloren.

Bismarck in der Karikatur des Ausla nds. Auswahl, Einleitung und Kommentar von Heinrich Dormeier. Sammlung und Vorauswahl: Susanne Leiste, Marie - Louise von Plessen, H. Dormeier. Mitarbeit: Maria Berger. Übersetzung der Bildunterschriften: Leila Behrens, München (Ungarisch)/H. Dormeier, Berlin (Englisch, Französich, Italienisch, Niederländisch, Spanisch)/Martin Grass, Stockholm (Schwedisch)/Jürgen Ibs, Flensburg (Dänisch). Berlin : Nicolai, 1990, S. 40:

19 Scene i den europæikle Scole, eller: Skolemester Wilhelm og Hjælpelærer Bismarck i Function

(Szene aus der europäischen Schule, oder: Schulmeister Wilhelm und Hilfslehrer Bismarck bei der Arbeit)

Kopenhagen, Folkets Nisse, 28. Juli 1866

Durch den Blick einer Schulklasse schildert das dänische Witzblatt in Wort und Bild die Machtverhältnisse nach dem Deutschen Krieg und dem Präliminarfrieden von Nikolsburg:

Der preußische König zieht den österreichischen Kaiser Franz Joseph I. am Ohr. Die Donaumonarchie wurde mit dem Besen »Königgrätz«, in der Schlacht vom 3. Juli, endgültig aus dem Deutschen Bund vertrieben. Die Streitfragen »Schleswig - Holstein« und »Venedig« - Vertrag und Tintenfaß auf dem Pult des Schulmeisters - sind im Sinne Preußens bzw. Italiens entschieden.

Der Hilfslehrer Bismarck, mit dem auch als Rute verwendbaren Zündnadelgewehr in der Hand, bringt Napoleon III. das »Abc« bei: Er treibt ihm die Flausen und Träume aus, die er vor dem Krieg hatte, und macht ihn mit barschen Worten auf die neuen Machtverhältnisse aufmerksam. Die Mittel- und Kleinstaaten auf den Schulbänken, die die »Kriegsunkosten« zu tragen hatten, werden einverleibt. Preußen wird sich, folgt man den Wandkarten im Klassenzimmer, über ganz Europa, ja bis nach Amerika ausdehnen

Wilhelm: Hör zu, Franz du Flegel – es scheint, daß du dich noch nicht still verhalten kannst nach der Tracht Prügel, die du bekommen hast ... auf die Bank mit dir. Und wagst du es noch öfter, deinen Fuß in den Deutschen Bund zu setzen, bekommst du es mit mir zu tun. (zu den Schuljungen auf der Bank:) Ruhe, ihr Halunken, jetzt rede ich!

Bismarck: Komm Du nun, Louis - mit Dir habe ich noch ein Hühnchen zu rupfen, ich will dich jetzt in »Weltgeschichte« prüfen, - was weißt Du von der neuesten Geschichte?

Louis: Während des Krieges unter den Deutschen war Napoleon der Dritte derjenige, der den streitenden Parteien imponierte, indem diese sich nicht nur um seine Freundschaft bewarben, er war auch derjenige, der durch seine drohende Haltung, durch das Ansehen seiner Macht und durch sein diplomatisches Geschick die Parteien zu einem Frieden nach seinem eigenen Willen zwang, so daß Österreich seinen Platz im Deutschen Bund behielt …

Bismarck: Wie bitte? ... Was faselst Du da? Das ist nicht nach meinem Geschmack! Der Friede wurde nach folgenden Bedingungen geschlossen: »Österreichs Ausschluß aus dem Deutschen Bund, Preußen annektiert die Erbherzogtümer und das Kurfürstentum Hessen, arrondiert sich ferner in Hannover und nimmt das österreichische Schlesien in Besitz, wenn Österreich nicht die Kriegsschäden in der festgesetzten Zeit erstattet; Preußen bekommt das militärische Oberkommando in Norddeutschland, und alle norddeutschen Staaten lassen sich an ausländischen Höfen durch Preußen vertreten.« Du bekommst jetzt eine »Fünf« - und kommst Du noch einmal mit solch einem Unsinn, werde ich Dir, solange ich mich rühren kann, mit dem Rohrstock oder mit dem Zündnadelgewehr den Buckel einheizen! Kehrt, Marsch! Setz' Dich hinten in die Klasse - neben das kleine Lippe-Detmold!“

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Bei einer Angabe kommt es auf eine genaue Festlegung der Kriterien an. Wenn auch Siedlungen/Städte einbezogen werden, die unter römischer Herrschaft ausgebaut worden sind (was weniger ist, als gegründet zu sein oder als Stadt konsolidiert worden zu sein), ist die Anzahl größer, weil z. B. auch keltische, iberische, illyrische und thrakische Siedlungen in der Römerzeit durch weitere Bauten vergrößert worden sind:

Belgrad (Hauptstadt von Serbien); lateinischer Name: Singidunum

Budapest (Hauptstadt von Ungarn); lateinischer Name: Aquincum

Coimbra (Hauptstadt von Portugal 1139 - 1256); lateinischer Name: Aeminium

Florenz (Hauptstadt von Italien 1865 - 1871); lateinischer Name: Florentia

Lissabon (Hauptstadt von Portugal); lateinischer Name: Olisippo (auch: Olisipo, Olisipona oder Ulisippo)

London (Hauptstadt von Großbritannien); lateinischer Name: Londinium

Ljubljana (Hauptstadt von Slowenien); lateinischer Name: Emona

Paris (Hauptstadt von Frankreich); lateinischer Name: Lutetia

Rom (Hauptstadt von Italien); lateinischer Name: Roma

Skopje (Hauptstadt von Montenegro); lateinischer Name: Scupi

Sofia (Hauptstadt von Bulgarien); lateinischer Name: Serdica

Toledo (Hauptstadt des Königreichs Kastilien seit 1087; dann Hauptstadt von Spanien 1516 - 1561); lateinischer Name: Toletum

Vatikanstadt/Città del Vaticano (Hauptstadt des Vatikanstaates); antiker lateinischer Name: Roma

Wien (Hauptstadt von Österreich); lateinischer Name: Vindobona

Für Bratislava (Hauptstadt der Slowakei) trifft ein römischer Ursprung nicht wirklich zu, allerdings hat es bei dem südlichen Stadtteil Rusovce das römische Kastell Gerulata gegeben.

Wenn auch das Oströmische/Byzantinische Reich (in starkem Ausmaß griechischsprachig) mitgedacht wird, dehnt sich der Zeitumfang aus. Dann kämen auch in Frage:

Nafplio (Ναύπλιο; Hauptstadt von Griechenland 1832 – 1834); antiker griechischer Name: Ναυπλία (Nauplia) bzw. Ναύπλιον (Nauplion)

Nikosia (griechisch: Lefkosía [Λευκωσία]; Hauptstadt von Zypern): antiker griechischer Name: Λευκωσία (Leukosia)

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Die Verfassung der römischen Republik ist eine gewachsene Verfassung gewesen. Sie ist nicht auf einmal innerhalb kurzer Zeit als Gesamtheit von Regeln für die politische Ordnung verabschiedet und in Kraft gesetzt worden, sondern hat sich allmählich im Verlauf einer längeren Zeit entwickelt. Die Verfassung der römischen Republik ist außerdem zu großen Teilen erst einmal eine ungeschriebene Verfassung mit einer Anzahl von Grundsätzen und Regeln gewesen. Es gab Bestimmungen, die schriftlich festgehalten wurden, und im Lauf der Zeit ist dabei allmählich mehr ausdrücklich genau gesetzlich festgelegt worden. Zum Teil bestand die Verfassung aber aus Grundsätzen, die aus anerkannter Gewohnheit hervorgingen, dem Brauch/der Sitte der Vorfahren (mos maiorum).

Bei der Verfassung der römischen Republik hat es Modifikationen (Abwandlungen) und Ergänzungen gegeben. Vor allem hat es in der frühen Zeit der römischen Republik Ständekämpfe zwischen Patriziern und Plebejern gegeben. Im Ergebnis wurden politische Ämter auch für Plebejer zugänglich und Volkstribune und neue Arten von Volksversammlung mit Rechten zu Abstimmungen über Gesetzesanträge und zu Wahlen von Personen in Ämter geschaffen.

In der späten Zeit der römischen Republik hat die Stabilität abgenommen.

Ursachen der Stabilität Verfassung der römischen Republik über eine lange Zeit:

  • Kontrollmöglichkeiten über einzelne Magistrate und Institutionen und ein Mindestmaß an Berücksichtigung aller Bürger
  • Anpassungsfähigkeit in Einzelheiten
  • Verankerung in über lange Zeit in Grundlagen beständiger gesellschaftlicher Ordnung
  • außerordentliche Erfolge des römischen Staates über einen langen Zeitraum, vor allem in der machtpolitischen Expansion

A) Kontrollmöglichkeiten über einzelne Magistrate und Institutionen und ein Mindestmaß an Berücksichtigung aller Bürger

Es gab Grundsätze, die gegen einen Machtmissbrauch durch Magistrate - besonders durch die 2 Konsuln (lateinisch: consules; Singular: consul), die obersten regulären Magistrate - gerichtet waren und so eine Machtfülle bei einem einzelnen Mann wie bei einer Königsherrschaft verhindern sollten.

  • Kollegialität (Ausübung von Ämtern durch mehrere Personen als gleichgestellte Kollegen; in einem regulären Amt gab es mindestens zwei Magistrate und Magistrate hatten gegen Anordnungen von Kollegen und niedrigeren Magistraten ein Einspruchsrecht/Veto [intercessio; Interzessionsrecht; lateinisch intercedere = dazwischentreten] und konnten sie rückgängig machen.)
  • Annuität (Befristung/Begrenzung der Amtszeit der regulären Magistrate auf 1 Jahr [lateinisch annus = Jahr])
  • Vermeidung der Iteration (Wiederholung; es gab einige Ausnahmen), also einer erneuten Ausübung des gleichen Amtes durch denselben Mann
  • Verbot der Anhäufung (Kumulation) von Ämtern, dies verhinderte die gleichzeitige Bekleidung mehrerer Ämter
  • Verbot der Aneinanderreihung (Kontinuation) von Ämtern zeitlich direkt hintereinander (die Regeln für die Ämterlaufbahn [lateinisch: cursus honorum] enthielten Bestimmungen über einem zeitlichen Mindestabstand)
  • Ernennung eines Mannes zum Diktator (lateinisch: dictator) nur bei einem Notstand, durch einen Konsul (oder notfalls Ernennung durch einen Praetor, wenn es keine Konsuln gab oder kein handlungsfähiger Konsul greifbar war, oder ausnahmsweise eine Wahl eines Diktators duch eine Volksversammlung bzw. Ernennung nach einem von einer Volksversammlung beschlossenen Gesetz) auf der Grundlage eines Senatsbeschlusses und in Absprache mit seinem Amtskollegen und mit einer Begrenzung der Amtszeit auf höchstens 6 Monate

Marcus Tullius Cicero, De re publica 1, 69 – 70 hat die römische Republik als Mischverfassung/gemischte Verfassung gedeutet und dargestellt. Die Konsuln bilden nach dieser Theorie ein monarchisches Element, der Senat ein aristokratisches und das Volk ein demokratisches. Der Mischverfassung wird Ausgewogenheit und Stabilität zugesprochen. Aber dies ist zu sehr auf ein theoretisches Schema ausgerichtet und nicht völlig zutreffend, auch wenn teilweise wichtige Gesichtspunkte vorkommen. Das antike Rom war keine Demokratie. Es gab nur ein gewisses demokratisches Element durch die Volksversammlungen (lateinisch: comitia). Diese konnten zwar in der Zeit der Republik die Magistrate (Amtsträger/Amtsinhaber/Beamte) wählen, Beschlüsse fassen (auch mit Befugnis zur Entscheidung über Krieg und Frieden) und Gesetze verabschieden, zumindest zeitweise auch zum Teil in Prozessen urteilen. Volksversammlungen wurden von Magistraten einberufen, sie konnten nur zustimmen oder ablehnen, nicht selbst einen Antrag stellen, nicht debattieren oder Anträge abändern.

Die Aristokratie/Oligarchie spiegelt sich in Folgendem wider:

  • große Bedeutung und Macht, die der Senat hatte
  • Grundsätze zur Kontrolle eines übermäßigen Ausbaus der Machtstellung Einzelner
  • Leitung der auf Zuhören und Abstimmen beschränkten Volksversammlungen durch Magistrate
  • Übergewicht einer politischen Führungsschicht (der Patrizier bzw. dann der Nobilität), die eine starke wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung hatte, in der politischen Praxis

B) Anpassungsfähigkeit in Einzelheiten

Die Verfassung der römischen Republik hat sich in Einzelheiten in der Praxis weiterentwickelt. Es gab eine gewisse Anpassungsfähigkeit.

C) Verankerung in über lange Zeit in Grundlagen beständiger gesellschaftlicher Ordnung

Poltische und gesellschaftliche Ordnung entsprachen sich weitgehend. Es gab Grundlagen in der Familienstruktur, der Stellung einer Oberschicht mit ererbten Landbesitz und dem Klientelwesen (Beziehungsgeflecht zwischen Patronen und Klienten und Bindungen der Verpflichtungen). Die politische Führungsschicht, die Nobilität, war durch Reichtum und Einfluss auch gesellschaftlich vorherrschend. Das einfache Volk war gesellschaftlich an Autorität und Abhängigkeit gewöhnt. Es gab etwas Offenheit für einen Aufstieg für ehrgeizige und fähige Männer, bei dem typischerweise wohlhabende römische Bürger die Einstellung und Verhaltensweisen der Nobilität übernahmen und die Nobilität darüber wachte, wessen Erfolg sie zuließ. Der Senat hatte in der Praxis großes Gewicht als Verkörperung der Autorität der aristokratischen Gesamtgruppe.

D) außerordentliche Erfolge des römischen Staates über einen langen Zeitraum, vor allem in der machtpolitischen Expansion

Der römischen Staates war mit der republikanischen Verfassung über einen langen Zeitraum außerordentlich erfolgreich. Er hat – bei einzelnen Rückschlagen, die aber bald überwunden werden konnten – eine gewaltige Ausdehnung seines Herrschaftsbereiches erreicht. Es gab Beute, Möglichkeiten der Ansiedlung auf Landgütern und zu Gewinnen. Steuern und Abgaben konnten auf Kosten besiegter Völker und von Provinzen niedrig gehalten werden. Die republikanischen Verfassung war mit einer Erfolgsgeschichte verknüpft. Bei den politischen Streitigkeiten ist die Verfassung über lange Zeit als Ganze nicht angezweifelt worden, es hat keine grundsätzliche Gegnerschaft zu ihr gegeben.

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