Wortgetreue, wörtliche Bibel

14 Antworten

Ich besitze u. A. die revidierte Elberfelder. Leider muss ich sagen, dass auch sie sich nicht wirklich von den eingefahrenen Auslegungstraditionen lösen kann. Zwar ist sie nicht ganz so altmodisch wie z. B. die Lutherbibel und setzt überwiegende nützliche Fußnoten, aber bereits dort schleicht sich der eine oder andere Fehler ein. Z. B. verweist sie bei Gen. 2.7 auf Gen. 1.26/27 und suggeriert damit, es handle sich um denselben Vorgang, was einen der gröbsten Auslegungsfehler darstellt. Außerdem springt sie in der Paradiesgeschichte ständig zwischen "Adam" und "Mensch" hin und her, was sehr verwirrend ist. Richtig wäre die konsequente Wiedergabe mit Adam, weil es sich, anders als im 1. Kapitel, um den Eigennamen einer bestimmten, realen Person handelt, so wie Moses oder Jakob. Von denen ja auch nicht alle naselang bestätigt werden muss, dass es sich um Menschen handelt.

Unglücklich ist auch die sorglose Wiedergabe des hebräischen "arets" mit Erde statt mit Land, womit die fromme Tradition der weltweiten Sintflut fortgeführt wird, statt die Tatsache zu verdeutlichen, dass die alten Autoren schon immer eine regional begrenzte, nahöstliche Überflutung meinten.

Es gäbe noch mehr zu bemängeln, was eine sich "texttreu" schimpfende Übersetzung besser machen könnte, aber das sollte genügen. Jetzt folgt ein Hinweis auf vertrauenswürdige Übersetzungen.

http://www.gutefrage.net/frage/welche-bibel-koennt-ihr-mir-empfehlen#answer124623465

Was man wissen sollte: Die Unterschiede zwischen verschiedenen Bibelausgaben liegen nicht alle an der Übersetzung, sondern auch daran, daß verschiedene Ausgaben des hebräischen und griechischen Textes verwendet wurden. Das ist der Grund für viele Unterschiede zwischen älteren und neueren Bibelausgaben, insbesondere beim Neuen Testament.

Zum Beispiel Johannes 6,47. Zunächst in zwei älteren und dann in zwei neueren Bibelausgaben:

  • "Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben. " (Lutherbibel 1912)
  • "Verily, verily, I say unto you, He that believeth on me hath everlasting life." (King James Version)
  • "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben." (Lutherbibel 1984)
  • "Very truly I tell you, the one who believes has eternal life." (New International Version)

Ein weiteres Beispiel ist Lukas 4,18-19, wo Jasaja 61,1-2 zitiert wird.

Der Unterschied zwischen den älteren und den neueren Ausgaben beruht nicht auf der Übersetzung, sondern darauf, daß heute ein anderer griechischer Text übersetzt wird als früher. Der Grund dafür ist der: Von keinem der Bücher der Bibel ist das Original erhalten. Was erhalten ist, das sind Abschriften, die nicht alle hundertprozentig miteinander übereinstimmen. In älteren Bibelausgaben wurde das NT nach griechischen Textausgaben übersetzt, die auf der byzantinischen Handschriftenfamilie beruhen. Neuere Ausgaben wurden nach einer neueren griechischen Textausgabe übersetzt, die sich stark an besonders alten Handschriften insb. ägyptischer Herkunft orientiert.

Welche der griechischen Handschriften den verlorenen Originalmanuskripten am genauesten entsprechen, darüber gibt es tiefgehende und z.T. leidenschaftlich ausgetragene Meinungsverschiedenheiten, besonders unter den englischsprachigen Christen. Unter professionell ausgebildeten Theologen wird überwiegend die neue Textversion bevorzugt. Unter konservativen Gläubigen genießt überwiegend die alte Version mehr Vertrauen. Die verschiedenen Positionen und ihre Argumente will ich hier nicht weiter darstellen. Ich will nur darauf hinweisen, was vielen nicht klar ist: daß die Übersetzungen als solche nicht für alle Unterschiede verantwortlich sind, und daß auch eine als genau geltende Übersetzung eben das übersetzt, was im verwendeten Ausgangstext steht.

Welche der griechischen Handschriften den verlorenen Originalmanuskripten am genauesten entsprechen, darüber gibt es tiefgehende und z.T. leidenschaftlich ausgetragene Meinungsverschiedenheiten, besonders unter den englischsprachigen Christen.

Die gibt es auch in Deutschland.

http://www.soundwords.de/artikel.asp?id=2363

Eine Stellungnahme dazu von den Übersetzern der Elberfelder Bibel (ziemlich lang, in etwa zwei Dutzend Fortsetzungen). Da kannst du übrigens erfahren, dass die Übersetzer der Elberfelder Bibel schon immer (also auch schon 1852) auf den nach wissenschaftlichen Kriterien besten Text setzten und nicht auf den Textus receptus.

Im Grunde geht es um die Frage, ob der Originaltext nach den ältesten und sorgfältigsten Handschriften rekonstruiert werden soll ("neuere" Ausgaben) oder nach der Masse der spätmittelalterlichen Handschriften, bzw. im Extremfall, ob die von Druckhaus Elzevier als Textus Receptus beworbene Ausgabe maßgeblich ist.

Im Übrigen sind die Unterschiede nicht allzu groß. Da ja jede wichtige Aussage mehr als einmal in der Bibel steht, gibt es für jeden Punkt, der nach der Lesart eines Verses strittig sein könnte, andere Verse, wo sich die Frage entscheiden lässt, weil eben der wissenschaftlich rekonstruierte Grundtext, der "Mehrheitstext" der Koine und der Textus Receptus übereinstimmen.

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Neben der Wort-Treue kommt es auch auf die Sinn-Treue an.

Wortwörtliche Übersetzungen können auch den ursprünglichen Sinn verfälschen, weil sich der Inhalt der Begriffe im Laufe der Geschichte geändert hat. Zum Beispiel hatte "Sklave" zur Zeit der Römer die Bedeutung eines "Hausangestellten" mit entsprechenden Rechten. Wenn wir heute das Wort "Sklave" hören, denken wir in erster Linie an Ausbeutung und Unterdrückung von Menschen ohne Rechte und keineswegs an ein Angestelltenverhältnis. Also nicht Interliniear-Übersetzungen sind die genauesten, sondern die, die möglichst die ursprünglichen Bedeutungen bei der Begriffswahl berücksichtigen. Daher macht eine Interliniear-Übersetzung nur wirklich Sinn mit einem entsprechenden Wörterbuch oder Kommentar dazu.

Die Elbersfelder Bibel wird häufig als eine der genauesten Übersetzungen genannt. Das trifft nur teilweise zu. So sind auch ausgerechnet bei der Elbersfelder Bibel deutlich das individuelle Schriftverständnis bzw. Gemeindeverständnis mit freikirchlichem / evangelikalem Hintergrund erkennbar. Damit wird diese Übersetzung zwar nicht gleich "schlecht", aber diesen Hintergrund muss man kennen, um die Übersetzung entsprechend interpretieren und einordnen zu können. Es ist quasi ein Irrtum, wenn man meint "wortwörtlich = am genauesten". Aber trotzdem ist es interessant, wenn man die wortwörtliche Bedeutung mal liest. Aber es heißt nicht, dass diese wortwörtliche Bedeutung heute diesselbe wie damals ist. Da können u.U, ganze Welten dazwischen liegen. Wird das ausgeklammert --- aus welchen Gründen auch immer --- dann kann man ganz gewaltig einem selbst produzierten Irrtum aufsitzen.

Hallo UrsulaCruella,

Für den Fall, dass Du einigermaßen Englisch-Deutsch übersetzen kannst, solltest Du mal den Link aufrufen:

http://biblehub.com/interlinear/genesis/1.htm

Du bekommst eine sehr gute Interlinear-Übersetzung, die bei entsprechenden Wörtern mehrere Möglichkeiten aufzeigt. Mir bringt sie großen Nutzen.

Du müsstest Dich mal durch die vielen weiteren Möglichkeiten klicken, damit Du Dich selbst überzeugen kannst.

Du bekommst eine sehr gute Interlinear-Übersetzung

Ei8n e Interlinearübersetzung ist ein Hilfsmittel für Leute mit begrenzten Griechisch- bzw. Hebräischkenntnissen. Wer die Sprache des Grundtextes überhaupt nicht kann, dem würde ich vor einer Benutzung einer Interlinearübersetzu8ng abraten.

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Elbersfelder Bibel ist dem Original am nähesten

Welchem "Original" denn?

Es gibt nicht die originale Bibel. Es sind unzählige einzelne Schriften die zu einer Bibel zusammengefasst wurden. Diese Schriften stammen aus verschiedenen Jahrtausenden (!) und waren schon damals nur Abschriften von Übersetzungen von Abschriften von kaum erhaltenen Steintafeln.

Es sind unzählige einzelne Schriften die zu einer Bibel zusammengefasst wurden.

Nicht unzählig, sondern 66.

Diese Schriften stammen aus verschiedenen Jahrtausenden (!) und waren schon damals nur Abschriften von Übersetzungen von Abschriften von kaum erhaltenen Steintafeln.

Wer keine Ahnung hat, sollte ...

Die 27 Bücher des NTs sind alle im Original auf Papyrus oder evtl. Pergament geschrieben worden. Auch im AT waren die meisten Bücher von Anfang an auf Pergament geschrieben. Steintafeln sind die Ausnahme, und der einzige Teil der Bibel, der eindeutig ursprünglich auf Steintafeln stand, sind die 10 Gebote (noch nicht einmal ein Kapitel)!

Die Texte sämtlicher Bücher der Bibel sind in Originalsprache bekannt, und moderne Bibelausgaben benutzen natürlich die Version in der Originalsprache und nicht irgendwelche Übersetzungen (früher gab es katholische Ausgaben aus dem Lateinischen, heute ist das nicht üblich). Allerhöchstens könnte noch die aus dem englishcne Übersetzte "neue-Welt-Übersetzung" der ZJ ins Spiel gebracht werden ;)

Im NT sind wir in der gute Lage, anhand der Masse an Handschriften (buchstäblich tausende) des Originaltext wissenschaftlich rekonstruieren zu können. D.h. der Text von textkritischen Ausgaben wie dem "Nestle-Aland" ist den Original näher als jede einzelne Handschrift.

Durch die Funde von Qumran wissen wir, dass der Text das ATs in den letzten 2000+ Jahren praktisch unverändert überliefert wurde. Für die Zeit davor können wir anhand unterschiedlicher Quellen (MT, Pentateuch der Samariter, Qumran, Kairoer Geniza etc.), abschätzen, wie sehr was verändert wurde. Viel ist es jedenfalls nicht.

Original sind also im Zweifelsfall die wissenschaftlichen (textkritisch erstellten) Ausgaben des Grundtextes.

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@helmutwk
Die Texte sämtlicher Bücher der Bibel sind in Originalsprache bekannt

Ich rede nicht von der Sprache ich rede von den Schriften und das sind nunmal bis zu 3000 Jahre alte Steintafeln oder Papyrusfragmente.

dass der Text das ATs in den letzten 2000+ Jahren praktisch unverändert überliefert wurde.

Die meisten der Rollen lagen ungeschützt auf dem Boden, sind stark zerstört und oft in zum Teil nur daumennagelgroßen Fragmenten erhalten. So viel zum Thema. ;-)

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@LSdiethylamid
Ich rede nicht von der Sprache ich rede von den Schriften und das sind nunmal bis zu 3000 Jahre alte Steintafeln oder Papyrusfragmente.

Papyrus ist eine ägyptische Erfindung und war zur Zeit des Alten Testaments in Israel und Juda nicht üblich. Und wie gesagt, Steintafeln sind auch nur in Ausnahmefällen benutzt worden. Wie gesagt: bei "bis zu 3000 Jahren" solltest du Pergament nicht vergessen.

Die meisten der Rollen lagen ungeschützt auf dem Boden, sind stark zerstört und oft in zum Teil nur daumennagelgroßen Fragmenten erhalten

Nö, stimmt nicht. Die Rollen von Qumran waren in Tonkrügen aufbewahrt. Sie haben die Zeit bis zu ihrer Entdeckung eigentlich ganz gut überstanden. Und eine eingemauerte Geniza würde ich auch nicht als "ungeschützt" bezeichnen.

Allerdings haben die Beduinen (die die erste Qumran-Rolle noch für gerade mal 1 Pfund verkauft hatten) schnell gemerkt, wie wertvoll die Dinger sind. Und um den Preis hochzutreiben haben sie alle Rollen, die sie gefunden haben, in Stücke gerissen und die Stücke einzeln verkauft. Weshalb es eine Zeitlang eine Art Wettrennen zwischen Beduinen und Wissenschaftlern gab, wer zuerst noch unbekannte Rollen in bisher nicht durchsuchten Höhlen entdeckt. Denn natürlich wollten die Wissenschaftler lieber ganze Rollen lesen als Puzzle spielen zu müssen (und dafür auch noch 1 Pfund pro Quadratzoll zahlen zu müssen).

Von Jesaja gibt es beispielsweise gleich zwei Rollen, die nicht zerstückelt wurden.

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