"Wilder Westen": Hat man damals auf Pferde geschossen oder galt das als "ehrenlos"(siehe Details)?

11 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Selbstverständlich hätte man damals auch auf das Pferd geschossen. Aber bevor du jetzt aufschreist und "Tierquälerei!" rufst: Im Wilden Westen wurde gar nicht so viel geballert, wie man denkt. Da gab es auch selten irgendwelche Verfolgungsjagden oder sonst irgendeine harte Action, die du aus Hollywoodfilmen kennst. Pferde waren damals sehr teuer, aber das war auch die Munition für Revolver. Streitigkeiten wurden da eher im Faustkampf beigelegt, und bei einem Duell auch wenn nur ein paar Kugeln verschossen, eine einzige meist. Und auch endeten nicht alle solche Revolverduelle tödlich.

Dass die Hollywoodromatik und die Schützenkunst der Revolverhelden, aber auch die Dramatik in Westernfilmen stark überspitzt dargestellt wird, sollte dir klar sein. Und im 19. Jahrhundert gab es ganz bestimmt auch nicht mehr Ehrgefühl als heute, wahrscheinlich sogar eher weniger: Da wurde mit gezinkten Karten gespielt, da wurde betrogen, da stach oder schoss man einander in den Rücken. Und ehrenvolle Tode erwarteten die wenigsten Revolverhelden: Jesse James wurde beim Staubwischen hinterrücks erschossen. Wild Bill Hickok tötete man beim Pokerspielen heimtückisch durch einen Schuss in den Hinterkopf. Und auch Billy the Kid wurde von einem Sheriff aus dem Hinterhalt erschossen.

Die Schützen hätten also mit Sicherheit keine Skrupel gehabt, auch auf die Pferde ihrer Widersacher zu feuern, und ganz bestimmt nicht aus Tierliebhaberei oder anderen ethisch-moralischer Handlungsschranken, die wir heute vielleicht schon eher haben würden.

Und noch ein ganz anderer Punkt: Mit den damaligen Waffen war es schon sehr schwierig, überhaupt ein Ziel zu treffen, ein sich bewegendes und schnell entfernendes wie einen Reiter obendrein. Mit einem Revolver hätte selbst der begabteste Schütze kaum Aussichten gehabt, einen Flüchtenden vom Pferd zu holen, höchstens mit einem Gewehr. Und selbst da war die Chance hoch, dass man statt des Reiters das Pferd traf. Und ich kann mir vorstellen, dass man aus diesem Grund das sehr viel größere Tier wohl eher ins Visier genommen hätte.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Studium der Geschichts- und Religionswissenschaften

Beim Staubwischen? Aber hoffentlich am Anfang und nicht erst als er fertig war :D.

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@Kriegstaube

Er wollte ein Bild abstauben und hat dazu seinen Revolvergürtel abgelegt. Und da schlug der Attentäter zu. Über den Zustand des Bildes hinterher weiß ich nichts. :-)

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@MarkusPK

Toll, da wurde über das Bild gewischt aber der Rest des Bildes ist immer noch staubig. Jetzt fürchte ich mich vor dem Staub wischen, denn dann lege ich auch meinen Gürtel ab. ;)

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Man muss klar sagen, ging es darum, die eigenen oder gewisse Interessen durchzusetzen, dann war quasi jedes Mittel recht.

Mit einem Revolver traf man auf mehr als 10 Meter Entfernung unter normalen Umständen so gut wie nichts mehr, Schusswechsel mit derartigen Waffen fanden also oft unter dieser Distanz statt. Auch mit einem Gewehr war es fast unmöglich, auf eine bestimmte Entfernung ein sich bewegendes Ziel, etwa einen Reiter, zu treffen, wie es in Filmen immer dargestellt wird. So schoss man dann schon kurzerhand mal das Pferd unterm Hintern weg, um die Person zu stoppen.

Der materielle Wert stand wohl meistens im Vordergrund, Pferde waren teuer. Sicher gab es auch die ein oder andere Person, die sein Pferd auch als Begleiter schätzen lernte, jedoch nutzten die Meisten die Pferde vornehmlich zur Fortbewegung.

Im Wilden Westen war ein Pferd mehr Wert.

Das mit dem lustigen umherballern war so einach nicht.
Auf einem Zossen sitzt man denn doch eher unruhig, zielen ist dabei unmöglich.
Da wurden sicher auch Pferde getroffen.

Beim berühmten O.K. Coral ballerten die jungs fleißig aufeinander, nur getroffen haben sie eher zufällig, verglichen mit den verfeuerten Patronen.

Als Samuel Colt seinen ersten Revolver auf den Markt brachte, haben ihn die Texas Ranger gegen die Comanchen benutzt. Die wussten dass eine Pistole nur einmal feuern kann und sind nach dem ersten Schuss mit ihren Pferden vor geprescht um selbst anzugreifen. Doch da kam der zweite Schuss und dann der Dritte, bis die Trommel leer war und dann kam der zweite Revolver dran. Die Ranger haben die Comanchen mit diesen Waffen vollkommen demoralisiert. Aber sie mussten so nah an ihre Gegner heran, dass sie ihnen fast direkt ins Gesicht geschossen haben. Ein Schuss auf größere Entfernung war nicht möglich, weil die Dinger einfach zu ungenau waren. Auf nur 15 Meter war ein gezielter Schuss auf den Mann oder das Pferd nicht mehr möglich. Man hat nur noch in die ungefähre Richtung geballert und entweder den Mann oder das Pferd getroffen. Daran hat sich auch später nichts geändert als die Dinger treffsicherer wurden. Vor allem vom Pferd aus konnte man keinen treffsicheren Schuss abgeben. Man schoss einfach in die Richtung und wenn man Glück hatte, dann traf man irgend etwas. Kunstschützen, die eine Briefmarke treffen konnten, die man auf eine gelochte Münze geklebt und hoch geworfen hat, die hat es nie gegeben. Das ist nur ein Märchen aus Hollywood.

Schon vor Colt gab es Revolver. Was schreibst Du da für ein Zeug?

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Pferde waren im Wilden Westen das Transportmittel schlechthin. Wenn man ein Pferd erschießt, ist das so als würde man heutzutage ein Auto in die Luft jagen. Es wäre dämlich und führt zu großen Verlusten. Manchmal war es unausweichlich, und man musste, um den Bösen zu fangen, das Pferd treffen, generell hat man das aber lieber nicht gemacht.

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