Wie kann man heute noch glauben, dass die Erde eine Scheibe ist?

21 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich weiss, dass mein folgender Kommentar herzlich wenig zur Klärung Deiner Frage beitragen wird, aber beim Lehrer des von Dir zitierten Videos handelt es sich um Richard Dawkins (siehe Wikipedia; auch https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Dawkins_Foundation_for_Reason_and_Science).

Um Dir ein besseres Bild davon zu machen, welche Frechheit sich der Flache-Erde-Befürworter bei der Zusammenschnipselung des genannten Videos erlaubt hat, empfehle ich Dir die Originalversion Dawkin's Lektion, während der er etwas religiöseren Kindern die Evolutionstheorie näher bringen möchte:


https://youtube.com/watch?v=jNhtbmXzIaM

Es gibt auch zig weitere YouTube-Clips, in denen er gekonnt und mit Witz religiöse Fanatiker auseinander nimmt - wirklich äusserst unterhaltsam! :-)

Doch du trägst eine Menge bei! Das das ganze Video getürkt war, war mir ja klar, aber das auch der vermeintliche Lehrer eigentlich ein Gegner der FET ist schlägt dem Fass den Boden aus. Was für neine Dreistigkeit! Ich danke dir, ich hatte ja keine Ahnung! Du hast mir das Vetrauen in die Menschen wieder vorläufig wiedergegeben. :-)

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@MarkusKapunkt

Merci, dass Du meine Antwort ausgezeichnet hast! :-)

Ich habe, bis ich Dein FET-Video gesehen habe, noch nie etwas von Herrn Dawkins gehört; beim Anschauen des Videos fiel mir aber relativ schnell auf, dass der "Lehrer" kein FET-Befürworter sein kann, da er eine enorme Intelligenz ausstrahlt - sowohl im klassischen "IQ-Sinn" als auch auf empathischer Ebene. Als dann auch noch eine Diskrepanz zwischen seinen Worten und den Untertiteln auftauchte, war definitiv klar, dass ihm etwas untergeschoben werden soll. Somit scrollte ich fix etwas in den Kommentaren nach unten, um mir den Namen dieses "Lehrers" zu suchen und mir das Original anzuschauen.

Das Beste am Ganzen ist aber die Blödheit des Uploaders dieser abscheulichen Montage. Dawkins wählt bewusst das Beispiel der flachen Erde, um den anwesenden Kindern klar zu machen, dass man nicht etwas selber zu sehen braucht, um es als objektive Wahrheit anzuerkennen; denn den Schülern im Video ist klar, dass die Erde rund ist, auch wenn sie sie nie vom Weltall aus gesehen haben.

Der Uploader bastelt nun Szenen so in diesen Moment des Films rein, dass man glaubt, Dawkins verfechte die Idee einer flachen Erde; ironischerweise obwohl Dawkins dieses Beispiel gerade wegen seiner Absurdität ausgewählt hat, um die Schüler auf sein folgendes Argument einzustimmen. Als dann die Diskussion fortfährt, und Dawkins erläutert, dass man etwas auch logisch beweisen kann, ohne es gesehen zu haben (wie z.B. einen Mord oder die Evolutionstheorie) und die Augen einen manchmal täuschen (und zwei Minuten zuvor bat uns der Uploader noch, nur unseren Augen zu trauen :-), heisst es in den Untertiteln nur noch, dass die Theorie der runden Erde genauso falsch sei wie die Evolutionstheorie...

Dieser Clip ist wirklich das Abscheulichste, was ich seit langem gesehen habe - wenn ich einen YouTube-Account hätte, würde ich die Löschung des Videos verlangen...


PS Ad Vertrauen in die Menschen: In den Reaktionen auf das Video auf YouTube und hier auf gutefrage.net fällt bloss einer Minderheit auf, dass "der Lehrer" nicht die FET verteidigt oder dass es dem Lehrer überhaupt nicht um die FET, sondern um die Evolutionstheorie geht. Ich weiss jetzt nicht, ob dies von ungenügenden Englischkenntnissen her rührt, auf eine bereits beim Starten des Videos voreingenommene Haltung gegenüber des "Lehrers" zurückzuführen ist oder ganz einfach mangelndem Intellekt zugeschrieben werden kann. Jedenfalls hoffe ich, dass wir alle etwas aus dieser Geschichte gelernt haben - die von weit mehr als der FET handelt. :-)

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Die Leute der Flat-Earh-Bewegung sollten mal die Bibel lesen, die lehrt, dass die Erde eine Kugel ist.

In Hiob 26,7 steht: «Er spannt den Norden aus über der Leere, hängt die Erde auf über dem Nichts.» Die Erde schwimmt also weder auf einem Urozean, wie antike Mythen lehren, noch steht sie auf einer festen Unterlage. Sondern sie schwebt frei in einem sie umgebenden Hochvakuum.

Auch über die Form der Erde äußert sich die Bibel verschiedentlich, auch wenn dieser Inhalt bei den betreffenden Aussagen nicht im Vordergrund steht. Ein Beispiel ist Jesaja 40,22: «Er ist es, der da thront über dem Rund der Erde.» Im Hebräischen steht «chug», was soviel heisst wie «Kreis» oder «Kugel».

Die sphärische Gestalt der Erde kommt in den Texten über die Wiederkunft von Jesus deutlich zum Ausdruck. Im Lukas-Evangelium heisst es: «In jener Nacht werden zwei Menschen in einem Bett schlafen; der eine wird weggenommen, der andere wird zurückbleiben. Zwei Frauen werden in der Mühle zusammen mahlen; die eine wird weggenommen, die andere wird zurückbleiben.» (Lukas 17,34-36)

Jesus erscheint also plötzlich und für alle Menschen gleichzeitig sichtbar. Von denen liegen aber manche im Bett, andere sind bei der Arbeit. Für die einen ist also Tag, für die anderen Nacht. Das setzt eine kugelförmige Erde voraus, denn es werden unterschiedliche Position auf einer rotierenden Weltkugel beschrieben.

Mehr dazu: http://www.livenet.de/themen/wissen/naturwissenschaften/134084-es_steht_geschrieben_die_welt_ist_eine_kugel.html

Aber wer davon überzeugt ist, dass die Erde eine flache Scheibe ist, wird sich vielleicht auch nicht von der Bibel vom Gegenteil überzeugen lassen ;-)

Du hast ja schon 20 Antworten erhalten, darunter auch die hilfreichste. Aber gerade deshalb gebe ich noch eine 21-ste Antwort, denn 19 von den 20 (@Franz1957 nehme ich aus, da ich dem voll zustimme) sind fanatische Bekenner der Glaubensrichtung der „Die-Erde-ist-kugelförmig“-Groß-Sekte.

Dass es sich um einen Glauben handelt, geht schon daraus hervor, dass kein einziger auch nur den Ansatz eines Beweises gebracht hat, dass die Erde kugelförmig ist. Aber es geht noch viel weiter: Nicht einer ist auf das Argument von der Ballonfahrt eingegangen, wo bewiesen wird, dass auch in großer Höhe keine Anzeichen einer Kugelform zu erkennen sind. Ich, als neutraler Beobachter, habe aber als erstes – wie es wohl jeder neutrale Beobachter getan hätte – überlegt, ab welcher Höhe denn man eine eventuelle Kugelgestalt der Erde erkennen kann. Nimmt man die Höhe des Ballons mit 10 km an und geht man von einem Erdradius von 6000 km aus, so erhält man in erster Näherung durch elementargeometrische Betrachtung, indem man die Tangentialebenen vom Ballon an die Kugel legt, dass ein Öffnungswinkel von
180 – 360/pi * arccos(6000/6010) = 173,…°
erforderlich ist, um die Kugelgestalt der Erde erkennen zu können. Das Gesichtsfeld des menschlichen Auges beträgt aber maximal 150° (siehe hierzu zum Beispiel den Wikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Scheinbare_Größe ).
Unter dieser Annahme ergibt sich eine Mindesthöhe von 210 km, damit eine Kugelgestalt der Erde ansatzweise wahrnehmbar ist. Aber selbst die Rekordballone der NASA kommen nur auf 40 km Höhe.

Die Groß-Sekte will uns weiß machen, dass sie in der beginnenden Neuzeit der Kugelform der Erde auf die Spur gekommen ist. Sie können aber keinen – bis auf Lucius Lactantius – nennen, der die Meinung vertreten hat, dass die Erde nicht kugelförmig ist, sondern scheibenförmig oder walzenförmig oder was auch immer ist, obwohl es unzählige Veröffentlichungen zur Form und Größe der Erde gibt. Angefangen von Aristoteles (de Caelo), der gleich eine Reihe von Beweisen für die Kugelgestalt angegeben hat (kreisförmiger Schatten der Erde auf dem Mond, veränderte Sternbilder, wenn man weitere Strecken reist usw), die später von Ptolemäus im Almagest ergänzt wurden. Noch später (ca. 70 n.Chr.) fügte Plinius der Ältere in seinem mehrbändigen Werk Historia Naturalis noch weitere Beweise hinzu, die er durch Aufzeichnungen einer selbst erlebten Sonnenfinsternis gewonnen hat: nämlich die Art, wie der Mondschatten auf der Erdoberfläche wandert, läßt auf eine gleichmäßige Krümmung schließen. „Naturalis historia“ (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Naturalis_historia ) war das Standardwerk in der späten Antike und im Mittelalter und gehörte zum Allgemeinwissen.

Was aber ist mit Lucius Lactantius (250 – 320), der die Kugelgestalt der Erde ablehnte? Lucius Lactantius war ein reiner Rhetoriker, der zeigen wollte, dass man als guter Rhetoriker alles verdrehen kann, was man will. Und so zeigte er, dass man aus dem Pauluswort „Das Evangelium soll bis an die Enden der Welt verbreitet werden“ schließen kann, dass die Erde keine Kugelgestalt haben kann, denn sonst gäbe es ja keine Enden. Aber ebenso kann man sagen, dass die Erde eine Scheibe ist, weil der Papst jährlich den Segen „Urbi et Orbi“ spendet und aus dem „Orbi“ schließt man auf „Scheibe“.

Dass die Propaganda-Abteilung der Groß-Sekte erfolgreiche Arbeit geleistet hat ergibt z.B. aus einer Antwort wie „Viele aus Kolumbus Mannschaft glaubten tatsächlich dass sie evtl. runterfallen könnten von der Erdscheibe“. Wenn man den User aber auffordern würde auch nur einen Brief oder sonst was vorzuweisen, wo ein Mannschaftsmitglied vor den Folgen der „Flachen Erde“ biberte, so kommt bestimmt nur gähnende Leere, weil nämlich nichts dahintersteckt. Zwar muss man zugeben, dass es Uneinigkeit über den Umfang der Erde gab: Während die meisten den Berechnungen Eratostenes trauten (ca. 40000 km), glaubte Columbus den Berechnungen von Ptolemäus, der auf einen geringeren Erdumfang kam (zur Ehrenrettung muss man sagen, dass das wohl vom Problem der Längennormierung kam; ein Stadion war je nach Stadt unterschiedlich lang), und Kolumbus so zu einer groben Fehleinschätzung zur Lage von Indien kam.

Jetzt kann natürlich spekulieren, was hinter der Sekte steckt, die uns weismachen will, als hätten die Menschen im Mittelalter die Erde für eine Scheibe gehalten, als hätte die Mannschaft von Kolumbus Angst gehabt, von der Scheibe herunterzufallen, die die Kugelgestalt der Erde in unsinniger Weise mit dem Kopernikanischen Planetenmodell vermischen, die uns zu arroganten Schnösel erziehen wollen, die uns erfolgreich mit einer Gehirnwäsche überziehen, dass wir es gar nicht mehr für nötig halten, die kugelförmige Gestalt der Erde zu beweisen (siehe 20 Antworten) u.s.w. Auf diese Frage habe ich keine Antwort. Aber da sind mir die Anhänger der Flat-Earth-Society viel sympathischer, weil dadurch wird man wenigstens ermutigt, die alten Bücher von Aristoteles u.s.w. hervorzuholen, sein eigenes Hirn zu benutzen und sich nicht wie die Lemminge zu verhalten.


Mir sind ungebildete Lemminge, die scheinbar gedankenlos eine Meinung vertreten, welche dann auch noch belegbar richtig ist, wesentlich lieber, als Verfechter der FET, die ihre Versuchsanordnungen nicht zu Ende denken und zur Unterstützung ihrer Theorie auch nicht davor zurückschrecken, anderen Leuten Aussagen in den Mund zu legen, die diese nicht getätigt haben...

C'est donc le ton qui fait la musique - was natürlich auch für die hiesigen Lemminge gilt. Und da hast Du mit dem vorschnellen "Beissreflex" mancher Kommentatoren vollkommen Recht: Denn auch wenn man sich mit scheinbar abstrusen und vollkommen hirnrissigen Ideen konfrontiert sieht, sollte man doch noch die Höflichkeit aufbringen, nicht bloss ein trockenes "Humbug" o.ä. hinzuklatschen, sondern sich etwas Mühe zu geben und auch eine nachvollziehbare Begründung für die eigene Meinung zu liefern.

PS: Ich finde es witzig, dass Du auch meinen Beitrag in die Kategorie "fanatischer Bekenner der Erde-ist-kugelförmig-Sekte" steckst, obwohl ich nirgends auf die FET eingegangen bin...

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