Wie kann ich verstehen, wie deutsche den Schweizer Dialekt hören?

6 Antworten

Ches ischr fei wai kre mansch irchgws vcbsten wuchd, wai fesch isch Cha gchanuz autre Sach.

Bei Schweitzerdeutsch muss man sich extrem anstrengen. Ist so ein bisschen so, wie wenn Franzosen versuchen, Englisch zu reden.

Das geschriebene tönt aber mehr nach österreichisch oder bayerisch.

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@saxboy

Ja kann selber kein Schweitzerdeutsch, je nach Kanton gibt's ja auch nochmal ein paar Unterschiede.

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Schweizerisch ist an sich kein Dialekt, sondern neben Österreichisch und Bundesdeutsch eine von drei gleichberechtigten deutschen Standardsprachen. Auch sind Dialekte nicht von den Standardsprachen abgeleitet, sondern andersrum. Dialekte waren vorher da. Neben Niederländisch wären Luxemburgisch und eventuell noch Flämisch Sprachen, an denen du die Verständigungsprobleme zwischen Bundesdeutsch und Schweizerisch nachvollziehen kannst.

Die britische Dialektlandschaft ist übrigens ähnlich ausgeprägt, wie die deutsche. Das Oxford English, das man in der Schule meist lernt, wird in dieser Form so gut wie gar nicht gesprochen. Im UK hat praktisch jede Region ihren ganz spezifischen Klang. Am besten kannst du das am schottischen und walisischen Englisch nachvollziehen.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Ich studiere Germanistik

Ganz ehrlich, Saxboy, als ich zum ersten Mal den Schweizerschen Telefonrundspruch hörte, dachte ich, die meinen das alles nicht ernst. So wie Norddeutsche Schwäbisch oder Bairisch finden, wenn sie es nicht kennen.

Schweizerdeutsch hat mehr Ähnlichkeit mit Mittelhochdeutsch behalten, als Neuhochdeutsch es hat. Neuhochdeutsch ist ebenfalls eine Weiterentwicklung aus dem Mittelhochdeutschen, aber vom Niederdeutschen (Platt, vom platten Land im Gegensatz zum hohen Land/Bergland) beeinflusst.

Bestimmte Diphtonge (besonders steigende) sind da z. B. nicht mehr vorhanden, fallende dagegen entstanden: CH "Müesli" = D "Müsli", aber CH "Müsli" = D "Mäuslein"; und dann auch z. B. D "-gung" = CH "-gig", Beteiligung/Beteiligig etc.

Wenn man sich die Lautverschiebung und diese anderen Dinge mal klar gemacht oder sie intuitiv verstanden hat, ist z. B. Züridütsch nicht mehr schwer. Andere schweizerische Dialekte finde ich schwieriger, aber letztlich ist alles Gewöhnungssache -- und eine Frage des Interesses. Hilfreich finde ich, dass Schweizerdeutsch generell langsam gesprochen wird.

Trotzdem habe ich Hemmungen, es mit Schweizern zu sprechen. Wenn mich also jemand fragt: "Sprachet Sie Dütsch?", antworte ich auf Französisch ;-)

Woher ich das weiß:Berufserfahrung – Sprachdienstleister

Das stimmt. :)

Was man im Berner Oberland spricht (Höchstalemannisch), verstehe ich auch schlechter als Französisch. Züridütsch ist mit etwas Übung verständlich.

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Ja, das ist schon Deutsch. Aber Deutsch umfasst traditionell eine sehr große Anzahl sehr unterschiedlicher Dialekte. Und die alemannischen Dialekte in der Schweiz sind nun mal stark abweichend von den vielen nicht-alemannischen Dialekten in Deutschland.

Es gibt etliche Gemeinsamkeiten mit dem Schwäbischen (was aber auch schon in vielen Teilen Deutschlands als nicht so gut verständlich eingestuft wird). Ich kenne (auch schon beruflich bedingt) etwas Schweizerdeutsch, ich weiß, dass "gsi" die Form für "gewesen" ist, und kann auch mit "Znüni" und "Mostbröckli" etwas anfangen.

Natürlich verstehen Norddeutsche etliche Dialekte in ihrem Umfeld, so wie Süddeutsche etliche Dialekte im Süden verstehen. Aber meist gilt ja:

Chasch nöd s'Föifi und s'Weckli ha.

Den Fünfer und das Weckli kann man nicht zugleich haben. Dass ein Norddeutscher alles im Süden verstehen würde, ist eher selten (umgekehrt aber auch).

Traditionelle Dialekte in Deutschland können sehr abweichend sein. Ich schreibe mal drei Sätze aus dem Moselfränkischen rein (ältere Leute von dort werden das wohl noch verstehen, bei den jüngeren setzt sich allmählich Hochdeutsch durch).

Batt is hieher bie huh? Mir säin meggalesch frou. (direkt an der Mosel)

Luu mo loo, wie der lee loo leit. (südliches Moselfränkisch)

Auch Luxemburgisch gehört dazu (würde man konsequent alle Sprachformen der alten fränkischen Sprache als "Deutsch" anerkennen, müsste man auch Niederländisch und Luxemburgisch dazu rechnen - das macht man aber zumeist nicht, diese Formen gelten in Deutschland zumeist als nicht ohne weiteres verständlich).

Übrigens ist auch Englisch stark unterschiedlich, je nach Region in England - nördliche Varianten des Englischen sind schwer verständlich, wenn man es nicht gelernt hat. Das ist die inoffizielle "Nationalhymne" von Yorkshire:

https://www.youtube.com/watch?v=xUsQ9Qs2DQo

Man beachte z.B. die Aussprache von "ducks" und "up" (u wie im Deutschen, nicht wie im Standardenglischen). Auch werden "tha"(thou) und "thee" benutzt.

Tha's been a-courtin Mary Jane. On Ilkla Moor baht'at ("without hat").

Höre Dir mal Dänisch oder Holländisch an. Ich finde, die "Entfernung" dieser Sprachen zu Deutsch ist ähnlich wie Deutsch <-> Schweitzerdeutsch.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Ich finde aber Holländisch und Dänemark schon noch wenig weiter entfernt vom Deutsch 😂 in der Schweiz ändern wir Wörter nur ab:

Apfel = Öpfel, ist = isch, hast = hesch, lesen = läse, schreiben = schriebe, kochen = choche, Stuhl = Stuehl, und viel mehr.

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@saxboy

Dänisch ist in der Tat weiter entfernt vom Deutschen als Niederländisch.

Die dänische Grammatik ist der schwedischen Grammatik viel ähnlicher.
(z.B. agglutinierte Formen bei den Nomen,  barn = Kind, barnet = das Kind)
Das sind nordgermanische Sprachen. 

Niederländisch benutzt wie wir einen vorangestellten Artikel
(kind, het kind), Niederländisch ist ebenso westgermanisch wie Deutsch oder Englisch (oder Friesisch).

 

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