Was unterscheidet einen Waldorfkindergarten von einem herkömmlichen Kindergarten?

7 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Finde das grundsätzliche Konzept nicht schlecht - allerdings gibt es hier leider auch immer wieder schwarze Schafe.

Waldorfkindergarten: Dieses pädagogische Prinzip steckt dahinter - Utopia.de

Die Vereinigung der Waldorfkindergärten betont selbst, dass es in der Waldorfpädagogik kein festgelegtes Programm gibt: „Jeder Pädagoge ist aufgefordert, aus eigener Verantwortung die Erziehung der Kinder zu gestalten.“

das ist aber in jedem anderen Kindergarten auch so

Dennoch folgen die Betreuer:innen und Kinder in der Regel einem  klar strukturierten Tagesablauf.

ist in den meisten anderen Kindergärten auch so. Gerade kleine Kindern helfen feste Strukturen den Tagesablauf besser zu verstehen - und den Erzieherinnen hilft das auch durch den Tag. Wenn es immer so ist dass man vor dem raus gehen alle Pipi machen gehen - dann gibt es deswegen auch nie Diskussionen.

Auch Phasen des freien Spielens sind inhaltlich zwar offen gestaltet, beginnen und enden aber immer zu einer festen Uhrzeit

das ist in meinem Kindergarten auch so . ein Gongschlag bedeutet dass die kinder aufräumen müssen weil z.b. der Morgenkreis beginnt, das Mittagessen kommet etc. Mein Kindergarten ist aber auch kein Walddorfkindergarten

. Anschließend räumen die Kinder auf und frühstücken zum Beispiel gemeinsam. Oft bilden Mahlzeiten wie Frühstück und Mittagessen die Eckpunkte des Tages.

na klar bildet das Eckpunkte - damit haben die Kinder das Gefühl ob Morgen/Mittag oder nachmittag ist. Meine tochter weiß dass sie an 2 tagen nach dem Mittagessen abgeholt und wird an 3 Tagen nach der Nachmittagsjause. Uhrzeiten kann sie noch nicht lesen, ein wirkliches Zeitgefühlt hat sie auch nicht. Aber die Essenzeiten geben ihr einen Rahmen vor, wann sie abgeholt wird - also sind ei ein wichtiger Eckpunkt am Tag.

Darüber hinaus kann es Programmpunkte wie etwa Spiele an der frischen Luft, Vorlesestunden oder Puppenspiele geben.

kenne keinen Kindergarten wo das nicht so ist

Auch der kreative Umgang mit verschiedenen Arbeitsmaterialien wie Holz, Knetwachs oder Wassermalfarben nimmt eine wichtige Stellung im pädagogischen Konzept ein.

Evt wird mehr mit Naturmaterialien was gemacht - aber es ist auch in jeden Kindergarten üblich im Herbst Blälter/kastanien etc zu sammeln und daraus was zu basteln

Ein weiteres zentrales Element ist die sogenannte  Eurythmie, eine von Rudolf Steiner entwickelte Form der Bewegungskunst. Sie soll die Kinder darin schulen, sich bewusst und rhythmisch zu bewegen. Der Grundgedanke der Eurythmie ist es, inneres Empfinden durch die Bewegung zum Ausdruck zu bringen. 

Auch Bewegung wird in jedem Kindergarten groß geschrieben. Evt ist nur die Art wie man die Kinder dazu motiviert etwas nach Konzept unterschiedlich

Eine Besonderheit von Waldorfkindergärten sind die  Spielmaterialien, die den Kindern während des freien Spielens zur Verfügung stehen. Sie bestehen aus Naturmaterialien und sind meistens sehr schlicht gestaltet, um dem Kind genug Raum für die eigene Phantasie zu geben. Typisches Waldorfspielzeug können zum Beispiel Holzklötze, Tücher, Muscheln, Kastanien, Bohnen, Eicheln, Steine oder Tannenzapfen sein. Auch einfach geschnitzte Tiere und schlichte Stoffpuppen finden sich in Waldorfkindergärten.  

das hier ist sicher der Hautunterschied - einzelnder Solchen Sachen gibt es sicher auch in jedem Kindergarten - aber halt wahrscheinlich weniger Auswahl

Die Waldorfpädagogik wird seit ihren Anfängen kontrovers diskutiert. Besonders häufig steht auch heute noch das spirituell bis esoterisch geprägte Menschenbild Rudolf Steiners in der Kritik, auf dem die Erziehung fußt. Manche Kritiker:innen nehmen darin sogar  sektenähnliche Züge wahr.

das meinte ich eben damit dass hier teilweise Vorsicht geboten wird. Das Grundkonzept finde ich interessant und ist sicherlich nicht schlecht. Wenn man sich aber hier zu sehr rein steigert und nicht mehr offen ist für andere Sachen oder es eben sektenähnliche Züge annimmt, dann ist das natürlich ne komplett andere Sache..

Der Tagesablauf in den Waldorfkindergärten ist ebenfalls ein  Streitpunkt. Manche Eltern befürchten, dass die streng geregelten Abläufe die freie Entwicklung ihrer Kinder eher hemmen statt fördern könnten. Andere kritisieren im Gegenteil, dass das Waldorfkonzept den Kindern zu viel Freiheit lasse – etwa in Form des „freien Spiels“. Sie würden so nicht angemessen auf gesellschaftliche Regeln vorbereitet und wären später in der Schule oder im Berufsleben überfordert. Diese Kritik bezieht sich auf Waldorfkindergärten ebenso wie auf Waldorfschulen. 

Bei dem Konzept besteht eben die Gefahr dass das ganze in eine extreme Richtung geht - also überhaupt keine Regeln und Strukturen damit die Kinder möglichst frei spielen können. Oder eben dass es einen ganz extrem strukturierten Ablauf gibt sodass das freie Spielen auf der Strecke bleibt.

Unser Waldorfkindergarten mit angrenzender Schule ist ein Gebäude, welches aus natürlichen Baumaterialien errichtet wurde. Ich kenne eine Erzieherin, die dort gearbeitet hat, sie berichtete mir, dass sie z.T. beim Bau mitgeholfen hat.

Sie musste helle Kleidung tragen, warum weiß ich nicht, sie nehmen jede Fachkraft, so wie sie ist, egal, welche Hautfarbe, Frisur, Umfang, Größe, Geschlecht.

Mit den Kindern werden sehr ursprüngliche Mahlzeiten gekocht, z.B. Hafermus mit Obst von dem eigenen Garten. Das Spielmaterial besteht hauptsächlich aus Naturmaterial, ich habe aber auch Metallautos gesehen. Aus Naturmaterial werden auch viele Bastelarbeiten hergestellt.

Auf dem Gelände gibt es Bienenstöcke und Tiere, Hühner, Schafe.... die von den Kindern/Schüler versorgt werden. Auch ein Backhaus habe ich gesehen.

Meine Freundin war von dieser Philosophie begeistert, denn jedes Kind wird so angenommen, wie es ist und es wird auf das individuelle Lerntempo der Kinder/Schüler Rücksicht genommen. Noten gibt es auch keine, eher eine Beurteilung. So kann es sein, dass ein Schüler mit 18 Jahren das Abi macht, oder aber erst mit 22. Der Leristungsdruck ist nicht so enorm wie an Regelschulen.

Was mir aufgefallen ist, dass die Eltern auch sehr naturnah sind, man sieht es an ihrer Kleidung und an ihrem äußeren Erscheinungsbild.

Was meine Freundin schließlich zur Kündigung bewegt hat, waren ihre immensen Überstunden, die sie nicht ausgleichen konnte. Sie musste pünktlich zu Hause sein, da sie auch noch ein kleines Kind hatte, und das war leider nicht immer gewährleistet.

Aber ansonsten, für ein FSJ würde ich dir raten, nehme die Gelegenheit war und mache deine persönlichen Erfahrungen mit dieser Philosophie und Arbeitsweise.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Bin ein erfahrener und vielseitiger Sozialpädagoge

Danke fürs melden meiner Antwort!

Die Wahrheit tut eben manchmal weh!

Aber sei es drum. Zum Kindergarten selber kann ich nichts sagen aber zu Teilen der Elternschaft.

Da stehen einige dem völkische nationalen Rand durchaus nahe und auch Schwurbelesoterik ersetzt dort gerne Wissenschaft.

Das ganze lässt sich auch auf die zugrundeliegende Lehre sowie dessen Begründer zurückverfolgen.

Offensichtlich hat das gesamte Waldorfkonzept ein Problem.

https://www.sueddeutsche.de/bildung/100-jahre-waldorfschule-erfahrung-kritik-1.4588339

https://www.stern.de/politik/deutschland/waldorf-paedagogik-auf-tuchfuehlung-mit-dem-rechten-rand-3227746.html

https://taz.de/Rechtsdrehend-an-der-Waldorfschule/!5492905/

https://www.spiegel.de/kultur/waldorfschule-und-impfgegner-in-steiners-sekte-a-8242889d-190f-479f-bf6d-a22ccab54013

https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2021/Die-Waldorfbewegung-und-die-Corona-Krise,waldorfbewegung100.html

Wow.

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@Hacker48

Tja so sind sie halt die Anhänger dieser Lehre.

Kritik ist da nicht so erwünscht und findet sich ein Mod der nichts zu tun hat ist alles wieder gut.

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Grundlage ist die Natur. Die Kinder spielen viel mit Holzarbeiten, Werkbank mit Einspanner für Holzteile an denen man feilen kann. Die Wandfarbe ist eine Naturfarbe leicht rosa die mit Schwämmen aufgetragen wurden. Zartrosa Tücher mit denen man ein Holzgestell behängen zum Verstecken und spielen. Morgenkreis mit singen. Raum kein grelles Licht, leicht gedämpft. Geschichten werden erzählt von Prinzessinnen und Prinzen. Kronen aus goldener Glanzpappe. Man lebt mit den Jahreszeiten. Ein Tisch ist immer zur passenden Jahreszeit geschmückt. Weihnachten mit ganz bestimmten Figuren gestaltet. Plastik wirst du da nicht finden. Eine Küchenzeile auf denen mit eingeweichten Weizen - und Roggenkörnern ein Brei zubereitet wird zum gemeinsamen Frühstück. Die Kinder sind ausgeglichen, keine Klopperei, keine Schreierei. Pausen für draußen spielen. Holzreiterpferdchen wie früher. Keine Klettergerüste. Freies toben, rennen

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung
Die Kinder sind ausgeglichen, keine Klopperei, keine Schreierei.

Weil es nicht gibt, was es nicht geben darf? 😉

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Und am Ende jedes Tages erscheint immer ein Einhorn. Aus Biohaltung natürlich.

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Als Erzieher in so einem Kindergarten hast Du keine starre Linie, wie Du die Kinder erziehst, sondern dies erfolgt in der Regel individuell.

In dem Zusammenhang kannst Du dich mal mit dem Begriff Anthroposophie auseinandersetzen.

Woher ich das weiß:Beruf – Langjährige Tätigkeit als Ausbilder

Eine "starre Linie" hast du auch in anderen Kindergärten nicht. Im Gegenteil, ich würde sogar behaupten, dass Waldorfkindergärten strukturierter sind, weil eben ein Konzept dahintersteht. Ähnlich wie bei Montessori. Das macht es nicht schlechter. Aber eine Einrichtung ohne festes Konzept erlaubt eher freie Entfaltung, als andersherum. 😉

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Und am besten auch damit was Homöopathie ist, wir oft Gläubige an Krebs sterben, weil sie sich mit Handauflegen und Globuli therapieren und wie Leute zur Impfgegnern werden.

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