Herrenknecht spricht Dinge an, die viele frustrieren. Schaut man sich seine Aussagen im Interview aber mal genauer an, bleiben am Ende nur Widersprüche und einseitig interessengeleiteter Populismus.
Das geht für mich bereits damit los das er sich, ala es um die Commerzbank geht, tatsächlich als Mittelständler verkauft. Das klingt eben gefällig und sympathisch. Nur, der weltweite agierende Marktführer für Tunnelbaumaschinen, mit 6000 Agestellten und einem Umsatz von 1,4 Milliarden ist ein Großkonzern und kein mittelständisches Unternehmen. Dieser billige Kniff zielt wohl darauf ab den kleinen Angestellten abzuholen.
Er kritisiert, durchaus zurecht, die Bürokratie und langsamen Abläufe in Deutschland. Aber vollkommen unangebracht ist es, jene mit Indien und China zu vergleichen. Eigentumsrecht, Bauvorgaben Arbeits und Umweltschutz mögen dort nicht immer so eng gesehen werden, bei uns haben sie in der Summe aber berechtigte Gründe.
Was mich direkt zu seinem Vorwurf einer Bananenrepublik bringt. Das ist nicht nur plumpeste Polemik, sondern unzweifelhaft absurder Unsinn. Eine sogenannte Bananenrepublik zeichnet sich dadurch aus, das sie eben nicht den rechtssicheren, bürokratisch - institutionellen Weg vorgibt. Sondern durch das Fehlen solcher Strukturen sowie massiver Korruption. Deutschland ist somit exakt das Gegenteil einer solchen.
Ebenso absurd wird es, wenn er zum stützen seiner These um die schlechten Bedingungen in Deutschland, anführt 90 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Er weiß aber schon noch in welcher Branche er tätig ist? Denn logischerweise ist der Bedarf an Tunneln, in einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland, mit seiner flächendeckenden Infrastruktur nahezu null. Und ebenso logisch wird in einem alpinen Land wie der Schweiz oder explodierenden Megacitys in China öfter ein neuer Tunnel entstehen.
Auch irrwitzig, der Lohnvergleich eines deutschen Ingenieurs mit einem chinesisch oder indischen. Einfach mal Kaufkraft und Lebenshaltungskosten ignorieren funktioniert aber nicht. Ebenso die eigene Premiumqualität im Ausland mit deutscher Ingenieurskunst oder Made in Germany labeln, sich aber zugleich über deutsche Löhne beschweren. Dabei haben ihn diese "überhöhten" Gehälter, zum Milliardär werden lassen.
Sein Arbeitszeitvergleich ist reines Cherrypicking. Zurück zur 40 Stunden Woche? Die gibt es und darüber hinaus. 1,3 Milliarden Überstunden, die Hälfte davon unbezahlt. Der niedrige Gesamtschnitt ist nicht das Ergebnis einer arbeitsunwilligen Bevölkerung, sondern liegt schlicht am riesigen Teilzeitangebot, vor allem im Niedriglohnsektor. Das persönliche Lebensverhältnisse sowie angebotene Stelle dabei häufig gar keine Alternative lassen wird schlicht ignoriert. Ebenso ignoriert er die unbezahlten Karenztage bei Krankheit in der Schweiz. Klar, bei seinem Vermögen spielen die natürlich keine Rolle.
Und selbstverständlich befürwortet er abgabefreie Vergütung von Überstunden. Denn das kommt ja auch seinem Unternehmen zu Gute. Ebenso besteht dann die Möglichkeit die wöchentliche Arbeitszeit auf meinetwegen 30 zu drücken, während die restlichen 10 abgabefrei als Überstunde deklariert werden. Nur das dem Staat dann die Einnahmen fehlen, für Rente, Soziales.... oder auch, um etwa die von ihm zu Recht kritisierte mangelhafte Digitalisierung und Infrastruktur zu beheben. Darüber kein Wort. Ein Schelm wer böses denkt.
Herrenkecht agiert im Interview ganz wie man es erwartet. Ein Wirtschaftslobbyist der sich polemischer Methoden bedient. Vernünftige Vorschläge bringt er nicht, und jene die er nennt dienen vor allem der eigenen Gewinnmaximierung.