Warum kann man die Brände in Australien nicht auslöschen und warum sterben Koalas und Kanguruhus?

11 Antworten

Mit diesem Wasser kann man 100 mal die Brände in Australien löschen.

Hast du dir auch Gedanken darüber gemacht, wie du einige hunderttausend LKW-Ladungen Wasser vom Meer ins Landesinnere und dort gezielt im Brandgebiet ausbringen möchtest?

Übrigens: In jedem Waldbrand-Land der Welt ist klar, dass man Waldbrände nicht mit Wasser löschen kann. Auch in Südfrankreich, wo die Wasserflugzeuge zwischen Auftanken im Mittelmeer und Abwurf überm Feuer keine 5 min Flugzeit haben, werden die Waldbrände nicht mit Wasser gelöscht.

Die Taktik der Wahl ist, das Feuer an einem Hindernis (z.B. einer Brandschneise) aufzuhalten.

In Australien ist es allerdings nun so, dass durchaus auch mal ein brennender Busch von den Aufwinden des Feuers gleich mehrere Kilometer weit getragen wird... das heißt also, du bräuchtest als Brandschneise wirklich kilometerbreite Schneisen, auf denen sich nichts Brennbares befindet.

In 5 minuten takt nimmt jedes flugzeug wasser auf und lässt es über feuerstelle los.

Du hast eine falsche Vorstellung davon, wie weit die meisten Feuer von der Küste entfernt sind.

Und eine falsche Vorstellung davon, was ein Löschflugzeug bei einem Waldbrand ausrichten kann! Die Fläche, auf der das Wasser eines Löschflugzeuges landet, ist ca. einen Hektar groß. Bei einer Brandfläche von 5x5 km bräuchtest du also rechnerisch 2500 Flüge, um auf jeden Quadratmeter Wasser zu bekommen. Wenn du 2-3 Flugzeuge hast, ist das wohl in einem Monat machbar.

Allerdings: Wenn du so ein richtiges Wipfelfeuer hast, wo die Flammen 5m hoch in den Himmel schlagen, ist das abgeworfene Wasser verdunstet, bevor es die Flammen erreicht. Es hat also 0 Effekt aufs Feuer.

Merke: Mit Löschflugzeugen werden keine Waldbrände gelöscht. Löschflugzeuge sind dazu da, einzelne Problemstellen behelfsmäßig abzulöschen... z.B. wenn mal wieder ein brennender Busch 5km über die Feuerwehr hinweg geflogen ist und es jetzt aus dem nächsten Wald raus qualmt. Bis die Bodenkräfte vor Ort sind, ist das ein ausgewachsener Waldbrand... ein Flugzeug kann idealerweise in wenigen Minuten ordentlich Wasser draufschütten.

Und warum sterben eigentlich tiere dabei?

Weil so ein Känguru oder ein Koala schlecht eine Evakuierung per Hubschrauber anfordern kann, wenn sein Fluchtweg von einem anderen Waldbrand abgeschnitten wird...

Warum bleiben diese in der nähe von feuer und lassen sich dann verbrennen?

Wenn von allen Seiten das Feuer auf dich zukommt, hast du nicht großartig ne andere Wahl. Gilt übrigens auch für Einsatzkräfte der Feuerwehr, wenn ihnen das Wasser ausgeht. Und die paar Liter, die man in einem Löschfahrzeug transportieren kann, richten gegen 5 m hohe Flammen genau gar nichts aus.

Warum schicken wir die deutsche bundeswehr nicht hin?

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@oesiBoy447

Weil

  1. Es für den legalen Einsatz von Streitkräften auf fremdem Territorium entweder eine UN-Resolution oder eine Einladung des betreffenden Staates geben muss,
  2. Die Bundeswehr auch ohne weiteren Auslandseinsatz hoffnungslos überfordert ist,
  3. Der durchschnittliche Soldat nicht mehr Ahnung von der Brandbekämpfung hat als du
  4. Die Bundeswehr nur für die Brandbekämpfung auf ihren eigenen Stützpunkten und Übungsplätzen ausgerüstet ist und nicht für weitere Aufgaben.
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@RedPanther
Der durchschnittliche Soldat nicht mehr Ahnung von der Brandbekämpfung hat als du

Ich bin mir sicher, die haben mehr Ahnung als er, auch wenn es nicht viel ist.

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"In jedem Waldbrand-Land der Welt ist klar, dass man Waldbrände nicht mit Wasser löschen kann."

Sorry aber das ist schlicht Unsinn. Natürlich lassen sich Waldbrände mit Wasser löschen. Das machen wir und auch die Kollegen in Polen schon seit Jahrzehnten. Und das in Wäldern welche die gleiche Waldbrandgefährdungsklasse A1 wie Portugal oder Südfrankreich haben. Dazu braucht es aber eine entsprechende Infrastruktur. Je dünner die ist desto eher besteht die Gefahr das die Waldbrände ausufern und ein Löschen nicht mehr möglich ist.

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@Nomex64

Ja, in Deutschland werden Waldbrände mit Löschfahrzeugen ausgeworfen.

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Interessante Ausführung.

Ein Löschfahrzeug kann übrigens zwischen 600 u. 2000 Liter Wasser mitführen. Mit solch einem Koloss muss man erstmal abseits von befestigten Strassen durch den Wald kommen.

Und 2000 Liter sind in ca. 2 Minuten weggepustet. Dann ist Schluss ...

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@OhNobody

Die australischen Wald-TLF auf Isuzu-Allradfahrgestell führen sogar ca. 4000l mit. Und arbeiten primär mit deutlich kleineren Abgabemengen, als man das bei uns gewöhnt ist... Hier fühlt sich der gemeine Feuerwehrler doch eher auf den Arm genommen, wen man ihm einen D-Schlauch in die Hand drückt.

Die Taktik besteht primär mal darin, mit nem Bulldozer einmal ums Feuer rum zu fahren und somit eine Brandschneise zu schaffen. Wasser wird eher zum Selbtschutz und für das Ablöschen von Entstehungsbränden auf der anderen Seite der Schneise verwendet... Welche bei den aktuellen Bedingungen nur leider nicht annähernd breit genug ist.

Auf DMAX gibts ne Doku zu sehen, auch Online verfügbar. Die war da sehr aufschlussreich und führte mir deutlich vor Augen, wie anders die dort mit den Waldbränden umgehen als hier.

Bei uns muss das Waldbrand-TLF, das im Waldbrand-Bundesland in größerer Stückzahl bestellt wird, ja unbedingt ne Staffelkabine haben, als Erstangreifer für Gebäudebrände geeignet sein und Strom + TH-Kram mitführen... Ergebnis: Bei gleicher Wassermenge fast doppelt so schwer, wie in den Waldbrandländern (man blicke nur mal nach Frankreich). Macht auf den sandigen Böden, die man im selben Bundesland oft findet, richtig viel Sinn.

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@RedPanther

Vornweg: Ich bin seit 40 Jahren in einer Feuerwehr in Deutschlands gefährdetsten Wäldern. Ich fahre jedes Jahr reichlich Waldbrände.

"Hier fühlt sich der gemeine Feuerwehrler doch eher auf den Arm genommen, wen man ihm einen D-Schlauch in die Hand drückt."

Was vermutlich daran liegt das wir hier andere Erfahrungen gemacht haben. Nach der Wende kamen ein paar Experten aus dem Westen und wollten uns erklären wie wir ab jetzt Waldbrände zu löschen haben. Haben wir ausprobiert und dann entschieden das die gewachsene Taktik hier die bessere Variante für uns ist. Das Bestätigten mir auch die 2 Dutzend Waldbrandexperten mit denen ich im vorigen Jahr zum Waldbrandseminar war. Selbst @fire und Waldbrandteam sehen das mittlerweile deutlich differenzierter.

"Die Taktik besteht primär mal darin, mit nem Bulldozer einmal ums Feuer rum zu fahren"

und damit unterscheidet sie sich deutlich von der hier und z.B. auch in Polen gefahren Taktik. Hier haben wir eine ganz andere Infrastruktur welche uns ganz andere Möglichkeiten gibt. Bei uns kommt es drauf an die Brände frühestmöglich zu erkennen (Fire Watch) und dann mit ausreichend Kräften und Mitteln das sich entwickelnde Feuer zu bekämpfen. In den ersten 2 Stunden hat man eine reale Chance ein Großfeuer zu verhindern. Das machen wir hier jedes Jahr hundertfach (2018: 489 Waldbrände in Brandenburg)

"Bei uns muss das Waldbrand-TLF, das im Waldbrand-Bundesland in größerer Stückzahl bestellt wird, ja unbedingt ne Staffelkabine haben"

Wobei die Staffelkabine ja nicht schlecht ist. Schauen wir nach Polen, Portugal, Australien oder in die USA sind die allermeisten Fahrzeuge zur Waldbrandbekämpfung 4-Türer. Für mich sinnvoller als die TLF mit Trupp-Besatzung. Im richtigen Waldbrand sind die 3 Leute ziemlich schnell am Ende.

Bei der Beladung gebe ich dir allerdings Recht, da hat es schon deutlich bessere Fahrzeuge gegeben. Da ich dieses Jahr aber ausreichend mit einem der letzten Serien an Waldbrand-TLF unterwegs war kann ich dir sagen das die Kisten mehr können als man ihnen gemeinhin zutraut. Selbst gestandene LKW-Kutscher waren erstaunt. Nicht Alles ist so schlecht wie es äußerlich zunächst scheint.

Mit Frankreich zu vergleichen ist nicht immer sinnvoll, Frankreich hat z.B. längst nicht so ein System von Waldwegen wie wir hier.

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Du gehst von völlig falschen Bedingungen aus. Die Waldbrände sind zwar auch an der Küste, zu einem großen Teil aber auch 200 km oder mehr im Hinterland. Das Meerwasser nutzt dir nichts weil die normale Feuerlöschtechnik nicht für Salzwasser ausgelegt ist. Pumpen und Schläuche würden sehr schnell ihren Geist aufgeben.

Die Flugzeuge die Wasser auf dem Meer aufnehmen können sind in aller Regel die Canadair CL-214 und CL-415. Davon gibt es auf der ganzen Welt verteilt ca. 200 Stück. Mit einer maximalen Reichweite von 2.500 km fliegst du die auch nicht mal so schnell von Europa oder Canada nach Australien.

Was Luftfahrzeuge betrifft ist AUS auch ganz gut aufgestellt. "In total more than 500 aircraft, provided by over 200 operators, are available for firefighting across Australia." Siehe: https://s3-ap-southeast-2.amazonaws.com/nafc-arena-help/2018+National+Fleet+Booklet+v002.pdf?fbclid=IwAR1OOgGGYDXUygoeCjeCbwwwPUK3sRFuHekIlFkz2cQSouMPB3wzrZIeuq0

Flugzeuge allein löschen auch keinen Waldbrand, dazu braucht es immer noch Bodentruppen. Derzeit sind die Brände in AUS aber in Ausmaß, in Intensität und in Anzahl aber so weit das eine sinnvolle Bekämpfung nicht möglich ist. Die Kräfte der Feuerwehr sind eher beschäftigt urbane Strukturen zu schützen.

Tiere reagieren höchst unterschiedlich auf Feuer und das selten sinnvoll. Du wirst sogar Tierarten erleben die ins Feuer flüchten. Das kannst du selbst hier erleben wenn wenn mal eine Bauernhof brennt. Koalas haben seit im Laufe der Evolution den Instinkt ausgebildet bei Gefahr in die Baumkronen zu flüchten. Das kann wenn es nur ein Bodenfeuer ist sogar sinnvoll sein. Wenn der Waldbrand allerdings zum Vollbrand wird ist das nicht so clever. Wenn ein Wald im Vollbrand steht hätte sogar ein Mensch kaum eine Chance weg zu laufen. Die relativ behäbigen Koalas schon gleich gar nicht.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Löschflugzeuge bringen vor Allem gar nicht so viel. Die Hälfte des Wassers ist schon verdampft, bis es am Boden ankommt. Und außerdem kann man gar nicht so viel Wasser abwerfen. Man versucht ja auch nicht den Brand zu löschen, vielmehr in einzudämmen, sodass er sich nicht ausbreitet.

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@superjulian2018

Richtig eingesetzt können Luftfahrzeuge eine ganze Menge bewirken. Selbst schon erlebt und die Aussis wissen auch warum sie davon eine ganze Menge einsetzen.

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Das Problem an einem Waldbrand ist, dass es sich so schnell verbreitet, dass man nicht mehr hinterher kommt es zu löschen, kaum ist ein Teil davon gelöscht, brennt auch schon der nächste. Das nimmt dann sehr viel Zeit in Anspruch um das Feuer zu bekämpfen. Und selbst, wenn sie mehr bodentruppen und lösch flugzeuge hätten der Tank muss stätig gefüllt sein, denn einfach nur drüber fliegen ergäbe keinen Sinn bis dieser wieder gefüllt ist hat das Feuer wieder Zeit gefunden sich weiter zu verbreiten.

" Man braucht einfach viele Wasserflugzeuge einsetzen und die Brände sind ausgelöscht." Ich bin mir sicher du brauchst den Idioten der Feuerwehr in Australien das nur mal sagen. Nach Jahrzenten erfahrung in der Bekämpfung von Waldbränbden ist bestimmt einfach nur nie einer von dennen auf diese geniale Idee gekommen.

"Und warum sterben eigentlich tiere dabei?

die tiere bringen sich doch nie in gefahr. Wenn sie feuer sehen und hitze spüren flüchten sie. Warum bleiben diese in der nähe von feuer und lassen sich dann verbrennen? Verstehe ich nicht!?"

Dir ist bewusst bei entsprechendem Wind sich solche Waldbrände mit über 8ßkm/h ausbreiten können? Mal davon abgesehen geht der Fluchinstinkt von Coalas dahin in einen Baumwipfel zu flüchten. Dort sitzt er dann und das Feuer kommt...

So sehr ich jede Form des Naturschutzes unterstütze, muss man in manchen Fällen auch mal zugeben, dass seine Protagonisten oft aus ersten Impulsen heraus agieren und die Probleme nicht bis zum Ende durchdenken.

Sie haben in Australien gefordert, dass das niedrige Buschwerk und das herabgefallene Gehölz auf den Waldböden nicht entfernt werden sollte, weil es wichtig als Unterschlupf für das Kleintiergewusel auf dem Waldboden sei, Käfer, Mäuse, Würmer usw.

Leider hat diese lockere Biomasse jetzt genau die gleiche verheerende Funktion wie Kleinholz im Kamin oder ein Brandbeschleuniger in der Grillkohle. Auch deshalb kommen die Feuer nicht zur Ruhe.

Für Ideologen gibt es eben keine Vielfalt, weil sie immer nur einen einzigen Gedanken verfechten.

Ach ja, die Brände haben am Ende nicht nur das schützenswerte Kleingetier am Waldboden getötet, sondern viele Millionen anderer größerer und noch gefährdetere Tiere dazu.

Übrigens sind vorallem Eukalyptus-Wälder die reinsten Fackeln, die ätherischen Öle in diesen Bäumen brennen wie benzingetränkte Lappen.

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