Studieren ohne Leidenschaft?
Ist es eigentlich möglich auch erfolgreich im Studium zu sein ohne grosse Leidenschaft, sondern später wegen Geld und Status? Nicht alle Studienfächer sind natürlich Sinnvoll, aber es gibt ein Paar wo man später gut verdient.
Es gibt sowieso kein Studium, kein Beruf für den ich unbedingt brenne, aber ich kann ja auch nicht, nichts machen.
Und in den meisten Studienberufen verdient man nunmal statistisch gesehen mehr als ein Handwerker, oder andere Berufe. Warum wird das ständig verleugnet von Handwerk hat goldenen Boden Typen?
Wieviele leute studieren wirklich etwas aus Leidenschaft?
4 Antworten
Wieviele leute studieren wirklich etwas aus Leidenschaft?
Gar nicht so wenige. Beispielsweise wird's in der Naturwissenschaft kaum jemand bis zum Abschluss bringen, der keinerlei Leidenschaft mitbringt. Und so absehbar eher brotlose, aber nicht einfache Künste wie Geschichte oder Archäologie, und auch natürlich weltanschauliche Dinge wie Theologie, wird man eher aus Leidenschaft denn aus wirtschaftlichem Kalkül studieren.
Es gibt sowieso kein Studium, kein Beruf für den ich unbedingt brenne
Du musst nicht dafür brennen. Komm' mal aus dem Schwarz-Weiß-Denken heraus, es gibt auch noch etwas zwischen "dafür brennen" und "komplett desinteressiert".
Ein Thema, das einen wenigstens halbwegs interessiert, lernt sich immer noch leichter als ein Thema, mit dem man überhaupt nichts zu tun haben will.
Ist es eigentlich möglich auch erfolgreich im Studium zu sein ohne grosse Leidenschaft, sondern später wegen Geld und Status?
Am Ende ist scheißegal, woher du deine Motivation nimmst. Ob du deine Motivation aus einer großen Leidenschaft nimmst, aus dem Prestige das du mit dem Abschluss verbindest oder ob du rein aufs Geld abzielst... Oder eine Mischung daraus...
Entscheidend ist, eine solide Motivation zu haben. Studieren kann bedeuten, sich 5 Jahre lang von einem mentalen Loch zum nächsten zu hangeln. Sich ständig zu fragen "warum tue ich mir das an?".
Und diese Frage musst du dir selbst beantworten können. Du selbst musst was haben, das dich motiviert, zu tun was notwendig ist, auch wenn's in letzter Zeit, jetzt gerade und auch in naher Zukunft mal gar keinen Spaß macht.
Was das andere angeht:
Und in den meisten Studienberufen verdient man nunmal statistisch gesehen mehr als ein Handwerker, oder andere Berufe. Warum wird das ständig verleugnet von Handwerk hat goldenen Boden Typen?
Einmal heißt "in den meisten" Berufen und "statistisch gesehen" eben nicht, dass man mit einem Studium immer mehr Gehalt bekommt. Es gibt genug Ausbildungsberufe (bei Weitem nicht nur Handwerk!), in denen man sehr auskömmlich verdient und genug Studiengänge, in denen man weniger bekommt oder sogar überhaupt keinen Beruf findet. Und gerade letzteres sind die "ich hab' mal irgendwas chilliges drauflos studiert"-Studiengänge. Einfach irgendwas zu studieren, in der Hoffnung dass man dann ein höheres Gehalt hat, funktioniert deshalb nicht. Man muss schon, sorry wegen der Ausdrucksweise, "was Richtiges" studieren.
Zweitens, was das Handwerk angeht: Bedenke, dass es nicht bei "ich habe eine fertige Ausbildung und das mache ich jetzt 45 Jahre lang" stehen bleiben muss. Sondern wenn du dir im Handwerk die gleichen 10 Jahre zum Lernen nimmst, die jemand anderes für Abitur, Bachelorstudium und Masterstudium aufwändet, bist du Meister und hast dich mit deinem eigenen Betrieb selbstständig gemacht. Und doch, dann kannst du definitiv mehr Geld herausholen als ein berufseinsteigender Ingenieur oder Assistenzarzt.
Drittens: Es wäre unglaublich naiv, sein Lebensglück allein daran festzumachen, ob du im Monat 500 € mehr oder weniger in der Tasche hast. Ein dickeres Konto ist auf Dauer ein wirklich lausiger Ausgleich dafür, sich jeden Morgen lustlos aus dem Bett zu quälen, um einen Job zu machen auf den man keinen Bock hat.
Definitiv. Unser überstudiertes System und die Noteninflation sind ein Symptom vom Kapitalismus. Es gibt einen großen Anteil an Personen, die um das Studieren Willen studieren (Sozialprestige), aber auch wegen der hohen Nachfrage von Unternehmen. In vielen Bereichen determiniert der Abschluss die Gehaltsklasse, nicht die eigentliche Fachkompetenz.
Das widerspricht nicht der Akademisierung... dann macht man z.B. eben nicht die Ausbildung zum Fachinformatiker, sondern studiert Informatik.
Ich hätte keine Lust ohne Leidendchaft zu studieren.
Die meisten Jurastudierenden lieben ihr Studienfach nur mäßig. Aber sie wissen, dass man mit diesem Studium gute Chancen in verschiedenen Berufsfeldern hat. Allerdings sollte man wissen, dass dieses Studium recht anspruchsvoll ist.
warum wird dann den leuten erzählt sie sollen ihrer Passion folgen?