Sprachenfragen Schweiz: Ist Schweizer Französisch auch so viel anders wie Schweizer Deutsch?

7 Antworten

  1. Nein, das Französisch und das Italienisch, welches in der Schweiz gesprochen wird, weicht nicht so sehr von der "Schriftsprache" ab, wie es beim Schweizer-Deutsch oft der Fall ist. Es gibt aber einige Worte, an welchen man zum Beispiel auch bei der Französischen Sprache merkt, dass es sich um die Schweizer-Version handelt.
  2. Wenn Französisch oder Italienisch sprechenden Schweizer Deutsch lernen, lernen sie Hochdeutsch... und haben dann ebenfalls Probleme, den gesprochenen Deutschen Schweizer-Dialekt zu verstehen.
  3. Und nein, es werden eigentlich keine Filme extra auf Schweizer-Deutsch synchronisiert. Wenn wir TV gucken, Zeitungen oder Bücher lesen, müssen wir uns mit dem Hochdeutschen begnügen. Es gibt auch keine Rechtschreib-Regeln für den Schweizer-Dialekt.

Das mit dem Deutschen Schweizer-Dialekt verhält sich in etwa so, wie die verschiedenen deutschen Dialekte in Deutschland. Bei diesen Dialekten haben auch Schweizer Mühe, sie zu verstehen. Und wenn ich das recht verstanden habe, verstehen auch nicht alle Deutsche, alle Dialekte, die bei ihnen gesprochen werden.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Da gibt es eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen.

Vielleicht noch ein weiterer gefragter Punkt zu 2. betreffend den Deutschschweizern: Ja, die lernen in der Schule mindestens französisch. Italienisch wird später zum Wahl- aber nicht zum Pflichtfach. Zudem orientieren wir uns sprachlich in der Schule am "Hochfranzösisch", am "Hochdeutsch" und am "Hochitalienisch", wenn man diese Ausdrücke dann überhaupt so verwenden darf. Wir lernen generell keine Dialekte - ausser beim Englischen, wo wir uns in der Regel am British Oxford orientieren (nach Schulstoff zumindest).

Und als kleine Ergänzung zum dritten Punkt: Die meisten Filme, die nicht in der Schweiz auf Dialekt oder in Deutschland auf Hochdeutsch produziert werden, laufen bei uns ab 18:00 Uhr in der Originalsprache mit Untertitel. Heute findest du in der Deutschschweiz nur noch deutsche Untertitel (analog FR und IT für die anderen Regionen), früher waren die Filme jeweils deutsch UND französisch gleichzeitig untersetzt, italienische Untertitel gab es nur im Tessin.

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Hallo :)

1) Nein, auf jeden Fall nicht so extrem wie beim Deutschen. Das schweizerische Französisch und das schweizerische Italienisch unterscheiden sich nur wenig von den «eigentlichen» Sprachen. Kleine Unterschiede gibt es jedoch, beispielsweise sagt man in der Westschweiz zu 80 «huitante», in Frankreich heisst's «quatre-vingt».

2) Es wird in der französischen wie auch italienischen Schweiz (standardmässig) kein Deutsch unterrichtet. Man kann deutsch aber freiwillig zum Stundenplan dazu wählen, soweit ich weiss. In der Deutschschweiz ist praktisch an jeder Schule Französisch standard, auch hier kann man Italienisch noch dazu wählen, wenn man das lernen möchte. Wir lernen dabei das Französisch aus Frankreich und das Italienisch aus Italien.

3) Nein, eigene Synchros haben wir nicht. Bei uns laufen die normalen deutschen Versionen wie es sie auch in Deutschland zu sehen gibt. Das gleiche bei italienisch und französisch, die haben keine eigenen Versionen.

1.) Weißt Du vielleicht auch, warum das dann bei Deutsch so ist? Gibt es dafür einen geschichtlichen Grund?

2.) Ich dachte, jeder müsste erstmal eine der anderen Amtssprachen lernen, bevor es dann an weitere Fremdsprachen (Englisch geht) - dachte, die in Tessin und der Romandie lernen dann erstmal Deutsch.

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@Retrohure

1) Das weiss ich leider nicht, warum sich das Deutsch im Gegensatz zu den beiden anderen Sprachen so stark unterscheidet. Das kam alles nach dem ersten Weltkrieg, da haben sich die Schweizer einfach mit der Zeit selber ein eigenes Deutsch entwickelt. Wir haben auch heute noch im Schweizerdeutschen recht viele Lehnwörter aus dem Französischen, die es im Hochdeutschen nicht gibt (Trottoir = Bordstein/Gehweg, Velo = Fahrrad, Merci = Danke, etc.). In den 60er-Jahren war dann praktisch überall das Schweizerdeutsch anzutreffen.

2) Nein, auf jeden Fall nicht standardmässig. Warum das so ist weiss ich auch nicht, wie gesagt lernen wir in der Deutschschweiz standardmässig kein Italienisch. Das müsstest du die Leute fragen, die den Schulstoff bestimmen ;)

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@Retrohure

P.S.: Da wir im Schweizerdeutschen auch keine Grammatik oder Rechtschreibung haben, ist überall alles in normalem Hochdeutsch geschrieben; Zeitschriften, Artikel, Werbungen, Schilder etc.

Natürlich gibt es Ausnahmen und man kann hin und wieder ein Plakat oder eine Werbung auf Schweizerdeutsch erblicken :)

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@Retrohure

Die schweizerdeutschen Dialekte gehören wie Schwäbisch zu den alemannischen Dialekten. Die Grundaufteilung des Deutschen ist ja Niederdeutsch, Mitteldeutsch und Oberdeutsch (dazu gehören die großen Gruppen Alemannisch und Bairisch-Österreichisch).

Luther stammte aus Sachsen-Anhalt, und "sein" Deutsch der Bibelübersetzung hatte einen großen Anteil an dem, was wir heute "Hochdeutsch" nennen. Diese Variante kam zunächst nach Niedersachsen und nach Mitteldeutschland.

Die dortigen Dialekte wurden zum Teil verdrängt (nicht überall, weit im Westen gibt es mit Luxemburgisch einen moselfränkischen Dialekt, der heute eine Standardsprache in dem kleinen Land ist).

Hochdeutsch kam zwar auch in die südlichen Gebiete, konnte sich aber bis heute dort nicht flächendeckend durchsetzen. Auch in Schwaben und in Bayern sind die Dialekte heute noch stark vertreten (wenngleich bei älteren Leuten mehr als bei jüngeren).

Und in der Schweiz haben die alemannischen Dialekte einen angesehenen Status als Umgangssprache - auch wenn man zumeist hochdeutsche Zeitungen liest.

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Das Französisch der Welschen ist sehr nahe am Französischen. Es gibt einige Germanismen wie z. B. poutzer statt nettoyer. Bei den Zahlwörtern 70, 80 und 90 zählen sie meist anders, nämlich septante, huitante, nonante, nicht soixante-dix, quatre-vingt, quatre-vingt-dix.

Das Schweizer Fernsehen ist vollständig getrennt nach Sprachgruppen.

Ergänzung: Warum weicht das Schweizerdeutsch deutlich vom Hochdeutschen ab und das welsche Französisch viele weniger vom Französischen?

Im deutschen Sprachraum führten alle Dialekte ein viel stärkeres Eigenleben als die französischen Dialekte, die sehr früh vom Hochfranzösischen überlagert wurden. Auch in DE sind die Dialekte immer noch stark und weichen deutlich voneinander ab, so dass ein Hamburger einen bayrisch Sprechenden auch kaum versteht. Hintergrund ist die frühe Zentralisierung Frankreichs und die lange Zersplitterung Deutschland in den Flickenteppich der Klein- und Mittelstaaten. Im Fall der Innerschweiz, der Keimzelle der Schweiz, kommt die abgeschiedene Lage im Hochgebirge hinzu, die zu einer starken politischen Identität und auch zu einer ausgeprägten sprachlichen Sonderentwicklung geführt hat.

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zu 1) Heute spricht man in der Westschweiz überwiegend ein Französisch, das dem Standard sehr nah kommt. Ich habe das auch schon selber gehört, man versteht dies gut (vorausgesetzt, man hat etwas Französisch gelernt).

Das liegt auch daran, dass man ab 1900 in Frankreich (aber wohl auch in der Westschweiz) in der Schule recht konsequent nur noch den Standard unterrichtet und zugelassen hatte. Die Sprachpolitik war damals restriktiv, und die "Bauerndialekte" waren nicht hoch angesehen.

Die Deutschschweizer hatten aber seit jeher eine sehr positive Einstellung zu ihren alemannischen Dialekten, und es gab auch keine zentrale deutsche Sprachpolitik (wie diejenige, die von Paris ausging).

Früher sprach man Francoprovençal, ein paar Beispiele kann man hier lesen:

https://fr.wikipedia.org/wiki/Francoproven%C3%A7al#Littérature

Französisch:

"Ils sont venus le douze de décembre,
 Par une nuit aussi noire que d’encre;
 C’était l’an mil six cent et deux,
 Qu’ils vinrent parler un peu trop tôt."

Francoprovençal:

"Ils sont vegnus lo doze de dècembro
Per una nuet asse nêre que d'ancro,
O étêve l'an mil-siéx-cent-et-doux,
Qu'ils vegniront parlar un pou trop tout."

zu 2) Es werden wohl die Standardvarianten gelehrt.

zu 3) Eine Synchronisation eines ausländischen Films in Schweizerdeutsch habe ich noch nie gehört.

Salue

Die Unterschiede zwischen den lokalen Dialekten und dem offiziellen Französisch oder Italienisch sind erheblich kleiner als beim Dialekt zum Hochdeutsch. Allerdings weichen das Französisch eines Genfers und dasjenige eines Jurassiers auch erheblich ab.

Die grossen Unterschiede zwischen lokalen Dialekten und dem Hochdeutsch war übrigens auch in Deutschland vor noch 200 Jahren üblich. Deutschland hat dann allerdings im Gegensatz zur Schweiz, eine etwas "genormtere" Sprache eingeführt.

In der Schweiz hingegen blieben die Kantone weitgehend autonom, auch bei der Sprache. Wir Deutschschweizer verstehen zum Beispiel einige Ausdrücke aus der Innerschweiz oder aus dem Gebirgskanton Wallis auch nicht alle.

Der Dialekt wird nur gesprochen. Mit der Einführung der SMS wird er allerdings von jungen Leuten gerne auch schriftlich verwendet. Gemischt nach der Aussprache je nach Region.

Bei Filmen verwendet man die Deutsche, Französische oder Italienische Synchronisation. Einzige Ausnahme sind Heimatfilme die in CH gedreht werden (z.B. Heidi).

Tellensohn

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