Schuldfrage: Rechtsabbieger und Überholer kollidieren außerorts?

 - (Recht, Auto, Auto und Motorrad)

20 Antworten

Mich wundert, daß da anscheinend Tempo 100 erlaubt ist... Im Regelfall ist im Bereich von Kreuzungen und Einmündungen Tempo 70 angesagt....

Würde ich aus dem Bauch heraus entscheiden, würde ich eine Schuldverteilung von 70:30 (F3:F2) für gerechtfertigt erachten. F2 wegenÜberholen im Bereich der Einmündung die ja meist vorher schon durch Wegweiser angekündigt werden. Zudem könnte es F1 ja einfallen nach links abbiegen zu wollen.

F3 zu 70 % weil während dem Überholvorgang beiden Fahrzeugen, die am Überholvorgang beteiligt sind vorfahrt zu gewähren ist.

Da bleiben zunächst aber erst mal noch einige offene Fragen?

  • War da tatsächlich Tempo 100 erlaubt?
  • War auf der Vorfahrtstraße ggf eine Abbiegespur die ggf mit durchgezogener Linie und schraffierter Fläche ein Überholverbot angezeigt hätte
  • War da nicht ggf sogar Zeichen 276 aufgestellt?
  • Konnte F3 die Vorfahrtstraße so weit einsehen, daß man den laufenden Überholvorgang hätte sehen können?

Je nachdem, wie sich dann die Sizuation darstellt, würde die Unfallschuld bis 100 % zu Lasten von F3 gehen.

An relativ großen Kreuzung ist natürlich 70 km/h und Überholverbot. Mit dem hier genannten Beispiel wollte ich eher auf einen Feldweg o. Ä. hinaus, wo sich eine Geschwindigkeitsbegrenzung i. d. R. nicht lohnen würde.

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Das ist auch so ein klassischer Fehler bei Rechts-vor-Links. Man beachtet nicht, dass von Rechts Vorfahrt hat und dies auf gesamter Fahrbahnbreite.

F3 ist da jedenfalls Hauptschuldig weil auch überholende Fahrzeuge auf deren Überholspur Vorfahrt haben. Nun kann lediglich eine Teilschuld auf F2 kommen wenn der auf das Fehlverhalten von F3 reagieren hätte können und dies nicht/zu spät tat.

Sowas wird dann gewöhnlich von einem Richter entschieden wie die Schuld genau aufgeteilt wird.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Was hat das mit "rechts vor links" zu tun? Dort stehen Verkehrszeichen, die die Vorfahrt regeln.

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@chevydresden

Weil es da ebenfalls immer wieder zu diesem trügerischen Problem kommt. Da biegen Leute einfach völlig unbedacht nach rechts ab weil sie dann ja eigentlich nicht den Fahrweg des von rechts Kommenden kreuzen. Nur kann Dieser durch gewisse Umstände eben einen Fahrweg haben der trotzdem gekreuzt wird und es kommt zu einem Unfall.

Das wurde von mir der Vollständigkeit halber mit aufgeführt, bei RvL kommt es wohl auch weit häufiger zu so einem Unfall und es ist das selbe Problem.

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Ansichtssache. Wird Richter A so sehen und Richter B so.

Meine persönliche Meinung: F2 hat die volle Schuld.

StVO §5 Abs. 2:

Überholen darf nur, wer übersehen kann, dass während des ganzen Überholvorgangs jede Behinderung des Gegenverkehrs ausgeschlossen ist. Überholen darf ferner nur, wer mit wesentlich höherer Geschwindigkeit als der zu Überholende fährt.

StVO §5 Abs. 3

Das Überholen ist unzulässig:
bei unklarer Verkehrslage oder
wenn es durch ein angeordnetes Verkehrszeichen (Zeichen 276, 277) untersagt ist.

Meine Auffassung:

  • Wenn es eine Kreuzung gibt und auf der steht ein Auto, bei dem ich nicht weiß, wann es losfahren könnte, dann kann ich keine Gefährdung ausschließen. Also war das Überholen an dieser Stelle und zu dieser Situation eindeutig verboten
  • Als Rechtsabbieger achte ich in der Situation primär auf die linke Seite, da von rechts eigentlich nichts kommen darf, wenn sich alle an die Regeln halten

Hätte es gekracht, beim Versuch von F3 nach links abzubiegen, dann hätte mMn. F3 Teilschuld.

Meine persönliche Meinung: F2 hat die volle Schuld.

Das ist in den allerseltensten Fällen der Fall. Ich zitiere aus "Haftungsquoten bei Verkehrsunfällen, Christian Grüneberg, 14. Auflage, C.H. Beck Verlag":

"Vorbeifahrt an einem fahrenden Fahrzeug:

Bei einem normalen Überholvorgang ist in der Regel zulasten des Vorfahrtberechtigten höchstens die normale Betriebsgefahr von 20-25% anzusetzen, da sich sein Vorfahrtsrecht auf die gesamte Fahrbahnbreite bezieht."

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Wer aus einem Feldweg (hast du irgendwo geschrieben) in eine vortrittsberechtigte Hauptstrasse ausserorts einbiegt, hat allen Fahrzeugen auf der Hauptstrasse den Vortritt zu gewähren.

Wenn es knallt, muss betrachtet werden, ob der Einbiegevorgang bereits abgeschlossen und der aus dem Feldweg einbiegende sich vollständig auf der Hauptstrasse (rechte Spur) befand, oder der Einbiegevorgang noch nicht abgeschlossen war. Ist er abgeschlossen, hat der Überholende 100% Schuld. Ist er noch nicht abgeschlossen, trägt der Einbiegende eine Teilschuld (die von einem Richter zu definieren ist).

Hm ...

Üblicherweise sind solche Stellen mit 70er-Beschränkung und Überholverbot ausgeschildert.

Aber so oder so: Ich denke, die Hauptschuld wird F3 bekommen - F2 befindet sich auf der Vorfahrtstraße und hat Vorfahrt, daran ändert sich auch nichts, wenn das Fahrzeug mit überhöhter Geschwindigkeit, auf der falschen Spur oder auf dem Dach rutschend ankommt ...

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