Ist das Überholen außerorts bei Einmündungen erlaubt?

 - (Auto und Motorrad, Führerschein, Straßenverkehr)

Das Ergebnis basiert auf 13 Abstimmungen

Der braune (3) ist schuld 85%
Der rote (2) ist schuld 15%

7 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Der braune (3) ist schuld

Ich habe diese Seite einer Anwaltskanzlei gefunden. Dort steht:

Kommt dem Wartepflichtigen beim Einbiegen in die andere Straße ein Vorfahrtberechtigter entgegen, darf er nur weiterfahren, wenn der Vorfahrtberechtigte sich auf der für ihn rechten Fahrbahnreihe befindet oder noch rechtzeitig (z. B. nach einem Überholen) wieder nach dort hinüberwechseln kann.

Leider hat genau diese Stelle im Gegensatz zu fast allen anderen Absätzen keinen Beleg.

Reicht aber schon, dann scheine ich Recht gehabt zu haben. Vielen Dank!

0

Ich hab noch eine Seite gefunden, allerdings wieder ohne Quellenangabe: https://www.iww.de/ue/archiv/haftungsverteilung-zwischen-schaediger-und-geschaedigtem-die-typischen-quotenfaelle-im-ueberblick-f19115

Der Grundsatz: Das Vorfahrtsrecht gilt auf der gesamten Straßenbreite. Denn es kann gute Gründe geben, diese zu verlassen, zum Beispiel das Vorbeifahren an einem geparkten Auto. Nur wenn der Fahrer auf der Vorfahrtstraße grundlos links fährt, kommt eine Mithaftung in Betracht. Das lässt sich aber selten beweisen. 
2
@Mugua

Das reicht denke ich als Beleg schon einmal, vielen vielen Dank!!

0
@paulfragtgf

Ich hab noch eins gefunden ;)

https://www.kostenlose-urteile.de/OLG-Muenchen_10-U-265518_Haelftige-Haftungsverteilung-wegen-Kollision-zwischen-einbiegendem-Fahrzeug-und-auf-vorfahrtsberechtigter-Strasse-verkehrswidrig-ueberholendem-Fahrzeug.news28612.htm

In dem Fall hat die Abbiegende eine hälftige Teilschuld, obwohl die Überholende verbotenerweise überholt hat (durchgezogene Linie). Das lässt jetzt für mich darauf schließen, dass der Abbiegende allein schuld ist, wenn kein eindeutiges Überholverbot vorliegt.

1
@Mugua

Das stimmt absolut. Sonst hätte der Überholende natürlich erst Recht die komplette Schuld. Du kriegst direkt ein Kompliment, hast mir wirklich sehr geholfen! :)

0
Der braune (3) ist schuld

"Ist das Überholen außerorts bei Einmündungen erlaubt?"

Es kann durch ein Überholverbot-Zeichen verboten sein (z.B. Verkehrsschild, durchgehende Mittellinie), die StVO selber verbietet es nicht. Nach deiner Zeichnung ist Überholen also erlaubt.

§ 8 StVO Vorfahrt

(1) An Kreuzungen und Einmündungen hat die Vorfahrt, wer von rechts kommt.

Auch ein Überholer kommt von rechts, auch ein gegen die Einbahnstraße fahrender Radfahrer kommt von rechts usw. Alles, was von rechts kommt.

Der Braune (Nr. 3) hat er dem Roten (Nr. 2) meiner Meinung nach die Vorfahrt genommen und 100 % Alleinschuld.

§ 8 StVO Vorfahrt
(1) An Kreuzungen und Einmündungen hat die Vorfahrt, wer von rechts kommt.

Das hat meiner Auffassung nach nichts damit zu tun. Das ist ja die rechts-vor-links Regel und die ist sowieso außer Kraft gesetzt, sobald etwas höheres die Vorfahrt regelt. Also Schild, Ampel oder Polizei. In diesem Fall befinden sich das rote und blaue Fahrzeug auf einer Vorfahrtstraße. Deswegen ist grundsätzlich klar, dass sie eigentlich Vorfahrt haben. Die Frage ist halt gewesen, ob man dort generell überholen darf in dem Bereich und der rote eine Berechtigung hatte dort zu überholen. Denn wie gesagt: Nicht explizit in einem Überholverbot zu sein und keine durchgezogene Linie zu haben heißt nicht, dass man dort immer überholen darf.

0
@paulfragtgf

Halt, halt, ich sagte "Nach deiner Zeichnung...". Wo bitte hast du kenntlich gemacht,, daß es sich um eine Vorfahrtstraße handelt? Nach deiner Zeichnung sind es gleichberechtigte Straßen! Das können wir nicht wissen, wenn du falsche Informationen gibst. - "Deswegen ist grundsätzlich klar, dass sie eigentlich Vorfahrt haben." Nein. ist es nicht.

"Nicht explizit in einem Überholverbot zu sein und keine durchgezogene Linie zu haben heißt nicht, dass man dort immer überholen darf." Doch, genau das heißt es nach der StVO. Wo es nicht ausdrücklich verboten ist, ist es erlaubt. Und genau das habe ich dir geschrieben. Wenn auch kein Überholverbot-Zeichen anderer Art vorliegt (siehe mein erster Satz), hat Nr. 3 Vorfahrt.

1
@RobSchmidt
Halt, halt, ich sagte "Nach deiner Zeichnung...". Wo bitte hast du kenntlich gemacht,, daß es sich um eine Vorfahrtstraße handelt? Nach deiner Zeichnung sind es gleichberechtigte Straßen! Das können wir nicht wissen, wenn du falsche Informationen gibst.

Okay, das hab ich vergessen zu erwähnen. Sorry. Aber wie du jetzt weißt: Die Landstraße wo Fahrzeug 2 Fahrzeug 1 überholt, ist eine Vorfahrtstraße.

Doch, genau das heißt es nach der StVO. Wo es nicht ausdrücklich verboten ist, ist es erlaubt.

Nein, heißt es nicht. Mit "ausdrücklich verboten" meine ich wie schon gesagt durchgezogene Linien oder Überholverbotsschilder. An unübersichtlichen Stelle wie Kurven oder wegen den Wetterbedingungen usw. darf man laut StVO trotzdem nicht überholen. Und hier könnte man wieder meinen, dass evtl. unübersichtlich und was für Begriffe noch alle in der StVO stehen (welche ich nun einmal nicht komplett auswendig kann) sagen, dass auch eine kommende Einmündung heißt, dass man nicht überblicken kann, ob da gleich jemand kommt.

0
@paulfragtgf

"Wo es nicht ausdrücklich verboten ist, ist es erlaubt."

Dann lies 'mal § 5 StVO (und den sollte man in seinen Grundzügen tatsächlich kennen).

"Unklar würde ich die Verkehrslage aber absolut nicht nennen. Es war beste Sicht und es ging nur geradeaus."

Nach deiner eigenen Aussage handelt es sich nicht um eine unübersichtliche Situation, sondern um eine gerade Straße. Also, was soll das jetzt? Und auch, wenn es sich um eine Vorfahrtstraße handelt, würde sich gar nichts ändern.

Du schildertst eine 08/15-Situation, wie sie ständig vorkommt: Ein Idiot guckt beim Rechtsabbiegen nur nach links und knallt in den Überholer, der von rechts kommt. Du willst etwas Besonderes hineinkonstruieren, aber da ist nicht Besonderes. Verboten ist für Nr.2 gar nichts. - Ich denke, die Sache ist jetzt auch ausdiskutiert.

0
Der rote (2) ist schuld

§ 5 StVO

(1) Es ist links zu überholen.

(2) 1Überholen darf nur, wer übersehen kann, dass während des ganzen Überholvorgangs jede Behinderung des Gegenverkehrs ausgeschlossen ist. 2Überholen darf ferner nur, wer mit wesentlich höherer Geschwindigkeit als der zu Überholende fährt.

(3) Das Überholen ist unzulässig:

1. bei unklarer Verkehrslage …

Meistens gilt bei Einmündungen sowieso Überholverbot.

Ja, meistens. Aber eben nicht immer, so wie in der Situation.

Unklar würde ich die Verkehrslage aber absolut nicht nennen. Es war beste Sicht und es ging nur geradeaus. Man darf bis zu 45 Sekunden überholen. Wer soll denn da auch über jede Einmündung bescheid wissen?

Und ich erinnere mich an die Fahrschulfragen, wo man immer Bilder aus der Sicht vom braunen hatte und anklicken musste, dass man auch nach rechts schauen muss, weil jemand überholen kann. Jetzt will ich aber nicht automatisch folgern, dass die Frage existierte, weil das wirklich so gesetz ist, dass der braune nach rechts schauen muss und der rote richtig handelt, auch wenn ich das glaube. Kann ja auch sein, dass die Frage ein reiner Sicherheitsaspekt ist, um zu sagen: Verlasst euch nicht drauf bzw. die Situation kann trotzdem vorkommen.

0
Überholen darf nur, wer übersehen kann, dass während des ganzen Überholvorgangs jede Behinderung des Gegenverkehrs ausgeschlossen ist.

Richtig, allerings gehören Einmündende nicht gleich zum Gegenvekehr!

In der Tat bekommt hier also der Braune die volle Schuld.

1
Der braune (3) ist schuld

Wer Vorfahrt gewähren muss, muss warten, bis er eine Lücke hat in die er fahren kann. Die Situation ist deshalb so gefährlich, weil niemand daran denkt, dass von rechts auch jemand auf der Spur fahren könnte.

Was möchtest Du wissen?