Hattet ihr schon einen (schweren) Reitunfall?

20 Antworten

Ich glaube, so ziemlich jeder aktive Reiter ist schon im hohen Bogen vom Pferd geplumst. In meinem Fall - ich reite seit frühester Kindheit, begann meine Reit"Karriere" sogar exakt mit Sturz an Sturz an Sturz. Man hat mich, da war ich 5 Jahre alt, auf ein freches kleines schwarzes Pony gesetzt und ist mit mir ausreiten gegangen. Ich habe dann sozusagen beim Reiten, reiten gelernt. Lenken war Anfangs überhaupt nicht möglich und so raste der freche kleine Teufel mit mir erst mal ins nächste junge Maisfeld - und plums. Und das mehrfach. Ich bin aber immer wieder wie ein Flummi aufgestanden, aufgesessen und habe weitergemacht. Am Ende klappte alles..... Denke ich daran zurück, weiß ich heute, wie unverantwortlich das Ganze war. Meine eigenen Kinder hätte ich so niemals in die Reiterei einsteigen lassen.......

Im Laufe der Jahre bin ich beim Springen immer wieder mal vor dem Sprung und vor dem Pferd gelandet, habe Sprünge ohne Pferd überwunden, bin in den einen oder anderen Fangständer gekracht und hatte so manch blauen Fleck und "hübsche" Prellung, Zerrung und Stauchung.

Bei einem weiteren Ausritt ging meine Stute durch und der "Sicherheits"-steigbügel hielt meinen Fuß schön fest, obwohl ich längst den Sattel verlassen hatte..... Das ergab einen krass verstauchten Knöchel und 2 Wochen an Krücken. Himmel, mein Fuß erreichte ungeahnte Dimensionen und Farben;-)

Den letzten Sturz hatte ich letztes Jahr. Ich landete voll auf meinem Steißbein, mitten in der Halle. Wieder "nur" geprellt und Schulter bisschen gezerrt. Bereits am nächsten Tag saß ich wieder im Sattel, Dank eines ausgezeichneten Schmerzmittels;-) Ich bin ohnehin ein Verfechter von schnellstmöglichem Wiederaufsteigen. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ein Sturz - außer den körperlichen Beschädigungen- keine seelischen Beschädigungen hinterlassen würde. Kein Mensch tut sich gerne weh - außer denen, die einen komischen Fetisch haben. Aber man darf sich von seinen Ängsten auch nicht beherrschen lassen.

Vorsicht und ein Denken an Sicherheit ist immer gut. Deshalb sollte man auch nie ohne Helm ausreiten gehen, denn so ein beschädigtes Hirn ist auch nach einem Fahrradunfall nichts, was man anstreben sollte und nach einem Reitunfall eben auch nicht.

Passieren kann einem immer und überall etwas. (Man wird von einem Auto angefahren, schneidet sich beim Apfelschälen, knickt um beim normalen Laufen, rutscht aus, wird vom Hund gebissen, zerrt sich sich was beim Sport, fällt eine Treppe runter und und und....) Wir können uns nicht in Watte packen und in eine Vitrine setzen - selbst dort könnten wir eine Allergie gegen die Watte entwickeln und einen allergischen Schub bekommen;-)))

Wenn Du Dir das vor Augen führst, dass das ganze Leben voll von Situationen ist, in denen man sich weh tun könnte - just vor 10 Minuten habe ich mir beim Öffnen einer Schublade volle Kanne den Musikantenknochen im Arm gestoßen - aaaaautsch- kannst Du das mit dem reiten vielleicht etwas weniger krampfig sehen.

Natürlich kann man sich weh tun, wenn man fällt. Und es kann auch etwas richtig Fieses, wie ein Bruch passieren, aber meistens sind es ja dann doch nur Prellungen und ein angeknackstes Ego. Eine Freundin von mir ist letztens beim Hundespaziergang zu Fuß im Wald einfach umgeknickt, hingefallen und sich einen superschmerzhaften Bruch des Handgelenkes zugezogen, der sogar operiert werden musste. Dinge passieren. Wir Menschen sind nicht vor allem sicher. Wir tuen uns in den unterschiedlichsten Situationen immer wieder mal heftig weh. So auch beim reiten, wenn man Pech hat.

Es (das Reiten) aber nicht zu tun, weil man unter Umständen ja mal stürzen könnte, ist für jemanden, der für den Reitsport brennt, genau so wenig eine Option, wie für einen begeisterten Skifahrer, das Skifahren zu lassen, weil er ja unter Umständen stürzen könnte.

Wenn man zu den eher vorsichtigen Menschen gehört, kann man sich ja absichern, so weit es geht. Dann setzt man sich halt auf Sauböcke gar nicht erst drauf. Wenn ich weiß, dass das Pferd, das ich reite, in der Regel ein absolutes Verlasspferd ist, nicht zum Durchgehen oder Scheuen neigt und ich mich sonst immer wohl fühle, dann muss ich meinen Verstand einschalten, einen Helm tragen und so entspannt, wie es geht, an die Sache herangehen.

Das mit dem allergischen Schub durch in Watte packen trifft den Nagel auf den Kopf!

Und wie groß die Gefahr beim reiten wirklich ist, kommt immer darauf an, wie risikofreien an die Sache herangeht. Kein Mensch würde Therapeutisches Reiten anbieten oder gar Rentnern das Reiten beibringen, wenn man Grundidee davon ausgehen müßte, dass Stürze „selbstverständlich“ wären.

Es ist schon ein gewaltiger Unterschied, ob man dem Springreiten frönt, oder sich nach angemessenem Unterricht in einem anständigen Reitinstitut von einem braven, ruhigen Pferdchen spazierentragen läßt. Am meisten gefährdet sind aber wohl die Leute, die weder über körperliche Fitness noch über genügend fachliche Unterweisung verfügen und dann leichtsinnig durch die Gegend reiten.

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Stürzen gehört zum Reiten dazu - du sitzt da nun mal auf einem Lebewesen und auch das brävste Pferd der Welt kann man erschrecken, stolpern etc. und du dabei runterplumpsen...

Ich hatte in meinen über 20 Jahren Reit- und Pferderfahrung mehrere Unfälle - sowohl beim Reiten selbst als aber auch beim Umgang mit dem Pferd. Als Stallbetreiber habe ich natürlich auch nochmal mit mehreren verschiedenen Pferden zu tun, da passiert auch etwas öfter mal was als mit den eigenen die man ja mit der Zeit sehr gut einschätzen kann. Hier nur mal eine kleine Auswahl ;-)

  • Sturz von einer WB-Stute die ich probe geritten habe um sie evtl. zu kaufen. Der Verkäufer hatte seinen Reitplatz nur mit Litzen eingezäunt, die leider auch nicht wirklich straff gezogen waren. Das Pferd ist erschrocken, mit mir in den Zaun gesprungen und hat sich dabei in den Litzen verheddert - Ende vom Lied war ein filmreifer Abgang mit dem Kopf voran auf den Reitplatzboden: Gehirnerschütterung, ein paar verrenkte Wirbel und mehrfach gebrochene Hand die mir bis heute Probleme bereitet. 6 Monate mit OPs, Gips/Schienen und jeder Menge Physio damit ich die Hand heute wieder einigermaßen bewegen kann.
  • Sturz mitsamt meinem DRP-Wallach im Gelände da er sich fürchterlich erschrocken hat, dabei vor Schreck gestiegen und sich dabei mit mir umfallen hat lassen (er war damals 4 - Gleichgewicht also noch nicht vorhanden). Gehirnerschütterung, Prellungen und ein angebrochenes Handgelenk, 8 Wochen Reitpause.
  • Sturz mitsamt meinem Quarter-Wallach (damals schon über 20 und eine Lebensversicherung unterm Sattel) da er im Gelände bergab gestolpert ist und das Gleichgewicht verloren hat. Zum Glück ohne größere Verletzungen außer ein paar Prellungen und einem verdrehten Fuß.
  • Sturz ins Hindernis beim Springen, ausgekugelte Schulter, mehrere Prellungen und ein angebrochener Knöchel.
  • Platzwunde am Kopf weil das Pferd erschrocken ist und mir dabei eine schöne Kopfnuss verpasst hat.
  • Mehrere Prellungen, Schürfwunden etc. aufgrund von Stürzen weil die Pferde sich losgerissen haben, etc.

Man arbeitet eben mit 600 kg Lebendgewicht - da kann immer mal was sein. Und dabei hatte ich noch NIE ein Pferd was das absichtlich gemacht hat. Natürlich ist man nach einem Sturz oder einem Unfall erstmal etwas unsicher und muss wieder Vertrauen fassen - ich wusste aber bei jedem Pferd dass es kein böser Wille war, sondern eben einfach das Risiko was eingehe sobald ich in den Sattel steige. Und ich habe aus jedem Zwischenfall etwas gelernt und achte nun z.B. noch ein bisschen mehr auf die Sicherheit usw.

Viele Unfälle passiere aber meiner Meinung nach auch einfach aufgrund von eigener Überschätzung oder schlicht und ergreifend Dummheit. Der schlimmste Unfall den ich jemand erleben musst war am Ende für das Mädel tödlich - und das nur weil sie im Sommer aufgrund der Hitze auf ihren Helm verzichtet hat und als das Pferd erschrocken ist mit dem Kopf auf dem Asphalt gelandet ist. Man kann so viele Unfälle mit dem Pferd vermeiden indem man auf die Sicherheit achtet, ordentliche Schutzkleidung anzieht, sich nur auf Pferde setzt die eine ordentliche Ausbildung haben und denen man sich gewachsen fühlt usw. - natürlich besteht deshalb aber trotzdem noch ein Restrisiko, dessen muss man sich einfach bewusst sein. Das habe ich aber z.B. beim Radfahren auch. Deshalb habe ich noch lange nicht weniger Spaß an meinem Job und auch nicht weniger Spaß am Reiten.

Mach dir also nicht so viele Gedanken darüber was passieren kann sondern genieße die Zeit mit dem Pferd ;-)

Stürzen gehört so zum Reiten dazu, wie Autounfälle zum Straßenverkehr. Natürlich kann immer und überall was passieren, gehört aber nicht zu den Dingen, die ich als selbstverständlich hinnehmen würde.

Für einen Berufs- oder Sportreiter ist das Risiko natürlich wesentlich besser größer als für einen Behinderten beim Therapeutischen Reiten. Die Auswahl des Pferdes und die realistische Einschätzung des eigene Könnens tragen wesentlich zur Sicherheit bei.

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ich würde dir jetzt gerne den teufel an die wand malen... geht nicht. nicht genug passiert.

bei sturz 50 vom pferd habe ich aufgehört zu zählen. passiert im sinne von passiert ist mir nur einmal ein bisschen was und zwar bei einem meiner beiden stürze MIT pferd, genauer gesagt mit unserm welsh b pony.

bevor ich mit dem reiten angefangen habe, habe ich als kind 7 jahre voltigiert. das hat mich im grossen und ganzen nicht nur vor schweren verletzungen beim sturz vom pferd bewahrt, sondern auch bei 3 stürzen mit meinem motorrad

du machst dich mit deiner frage hier nur noch mehr verrückt, indem du dir hier horrorgeschichten von andern wünscht.

wer angst vor dem fallen hat, kann nicht angstfrei reiten. da hilft am besten fallen üben - das lernst du in jedem handballverein oder auch beim volleyball, bzw.beim voltigieren.

wer angstfrei fällt, fällt locker. je lockerer du fällst und je besser du vor dem reiten dich selber aufgewärmt hast, desto weniger wird passieren.

wer sich krampfhaft bis zum letzte moment zu halten versucht, ist dem fallen ausgeliefert. da ist es doch viel besser, die stelle selber zu wählen und sich im passenden moment einfach fallen zu lassen und abzurollen oder sich seitwärts zu drehen, wenn man merkt, man kann sich eh nicht mehr halten.

und nie beim reiten aufs handy schauen oder irgendwas anderes machen.

wer angstfrei reitet, einigermassen fit ist und sich nicht vor dem fallen fürchtet, der reitet nicht nur sicherer, sondern auch besser.

es gibt gute literatur zum angstfreien reiten und auch kurse. du solltest dir literatur besorgen und auch mal bei einem solchen kurs mitmachen.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

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