Guten Morgen, was ist das mutigste, das du je getan hast?

 - (Psychologie, Mut, Gugumo)

30 Antworten

Guten Morgen zusammen!

Wenn ich so über 'mutig sein' nachdenke, fällig mir auf, dass ich selbst meine 'Taten' meist nicht als mutig wahrgenommen habe - diese Rückmeldung kam eher von meinem Umfeld.

Ein gewisses Risiko des Scheitern bin ich ganz gern mal eingegangen. So, als ich mit 20 nach Paris gegangen bin. Aus meiner Sicht konnte es eigentlich nur gutgehen, denn so habe ich es mir gewünscht und erwartet.
Da empfand mich mein Umfeld als mutig; wahrscheinlich hatte es mich zuvor falsch eingeschätzt.

Wer sich also in eine risikobehaftete Situation begibt, die Mut erfordert, kann gewinnen oder scheitern, das hängt von persönlichen Fähigkeiten ab oder auch einfach nur von Glück oder 'Chuzpe'.

In einer Situation (vor ca. 40 Jahren) würde ich mich -hinterher- allerdings selbst als mutig bezeichnen: auf der Heimfahrt von der Arbeit packte mich einmal das Bedürfnis, eine ältere Frau, die an der Bordsteinkante einer ziemlich stark befahrenen Straße gestürzt war und hilflos dort lag, aus dem Gefahrenbereich herauszuziehen: das war bis dahin nicht mutig, sondern -wie ich halt so bin- hilfsbereit, pragmatisch und tatkräftig, ohne groß nachzudenken.

Dazu hielt ich meinen Wagen, aus dem heraus ich sie da liegen gesehen hatte, hinter ihr an, stieg aus und tat, was ich tun musste - niemand sonst hatte gehalten. Ich hatte meine Rescue-Tropfen dabei, gab ihr davon auf die Zunge, und als es ihr besser ging, half ich ihr hoch und sie ging allein weiter (sie wollte es so). Anwohner, die derweil seelenruhig in ihren Fenstern lagen, beobachteten die Szene und müssen wohl auch mein Autokennzeichen notiert haben.
Am folgenden Tag erhielt ich an meiner Arbeitsstelle einen Anruf vom Empfang: die Polizei sei da und fragte nach mir. Ich sah keinen Zusammenhang und war völlig perplex, als ein Verhör begann: Personalien, mein Wagen wurde rundherum in Augenschein genommen, fotografiert, Protokoll - alles ohne weiteren Kommentar. Schließlich wurde das Gespräch beendet - aber nichts weiter geschah.
Ich durfte selbst den Zusammenhang zu dem Vorfall mit der Frau herstellen, es gab keine Entschuldigung, kein Danke; das alles ließ mich empört zurück.

Da hatte ich das Gefühl, dass ich mutig gewesen war, denn es hätte auch schiefgehen können: einmal auf der befahrenen Straße zu helfen, zum anderen, ins Unrecht gesetzt zu werden sowie die ungute Situation meinem Arbeitgeber gegenüber - 'nur', um einer alten Frau in einer Notlage beizustehen. (Heutzutage müsste man noch mit einer Anzeige von der geretteten Person rechnen, je nachdem, was man falsch gemacht hätte!).
Angesichts dieser einmaligen Erfahrung nehme ich meinen 'Mut' lieber etwas zurück. würde aber im entscheidenden Fall sicher auch tatkräftig helfen - nur nicht mehr so unbefangen.

Die Tatkraft lasse ich mir nicht absprechen, hoffe aber immer, wenn etwas Mut erfordert, dass ich das Risiko vorher richtig einschätze.

Allen hier noch einen schönen Montag!

Sehr schön und ehrlich beschrieben, danke! Da finde ich mich auch drin wieder, denn gerade dein vorletzter Satz trifft gut meine Ansicht zu dem Thema wieder.

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@rotesand

Danke dir! Im Nachhinein finde ich es naiv, auch als ehrlicher Mensch gewertet werden zu wollen - das ist die Gesellschaft gar nicht mehr gewöhnt, damit rechnet man nicht. Heute noch weniger als damals (das ist jetzt zynisch!) Trotzdem, alles war eine recht ungeschickte Konstellation. Shit happens!

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Guten Morgen!

Wahrscheinlich war es am mutigsten, dass ich zur Realschule ging und das sechs Jahre aushielt. Es war eine schlimme Zeit und es gab nichts, was nicht passierte in diesen sechs Jahren von 2001 bis 2007: Von Elternaufständen bis zu Klospannerei, Denunzianten, mehrtägigen oder gar mehrwöchigen Unterrichtsausschlüssen, mindestens einem Komplettverweis (der Klospanner flog von der Schule), irrwitzig wirkenden aber traurigerweise reelle Sachverhalte wiedergebenden Klassenbuch-EInträgen und dem üblichen Neid sowie Schikanierung in Sporthalle und Lehrschwimmbad wurde in der Klasse nix ausgelassen.

Einmal rannte unser Biolehrer schreiend aus dem Zimmer, weil ein paar Jungs im Sexualkunde-Unterricht onanierten. Man hat hinterher erzählt, der Mann habe weinend auf der Grundschul-Toilette (war ein großer Komplex) gesessen - ich glaube es bis heute. Übrigens war das alles keine Schule im Sozialen Brennpunkt, sondern ein gutbürgerlicher Schulkomplex in einem eigentlich sehr soliden Ort mit rund 10.000 Einwohnern -----> und die schlimmsten Typen entstammten aus lokalen, bekannten, selbstbewussten Familien. Ich stand immer so mittendrin - der ruhige Ausländer, der wenig redet... ich war größer und stärker, wurde nie gemobbt, wirklich nicht - zu mir waren die alle ganz verträglich, weil sie teilweise auch Angst vor mir hatten bzw. vor meiner Familie/Verwandtschaft, die mit typischen Osteuropäer- und Albanerklischees behaftet wurde (Autoschieberei, Kriminalität usw., hat nie gestimmt, aber die Leute erzählten diesen Kappes halt rum, weil sie wahrscheinlich sonst nix zu tun hatten) und dachten: Wenn sie mir was tun, kommen irgendwelche stämmigen Albaner und Russen^^ trotzdem war das Klima an sich blöd, wenn man das alles miterlebt und sich täglich wie in einer Art Dämmerzustand der Ruhe vor dem Sturm vorgaukelte, fragte was als nächstes passiert. Es war mutig, das alles auszuhalten und das sechs Jahre lang ... ich frag' mich heute, wie ich das hinbekommen habe, aber es ging irgendwie. Heute frage ich mich, wie ich den Mut und die Kraft dafür nur haben konnte.

Dann wäre da noch was: In der Berufsschule, wo das Klima an und für sich gut war, habe ich mal in der Anfangszeit von Facebook ca. 2009 oder 2010 einen hässlichen Cyber-/Facebook-Mobbingfall in der SMV zur Sprache gebracht; es war eine Art "Zickenkrieg" unter Mädchen und es kam zu empfindlichen Strafen. Das hat mir kurzzeitig bei ein paar da involvierten Mädchen das Ansehen genommen und man forderte seitens dieser Ecke, ich solle als stellvertretender STufensprecher zurücktreten und sei ein Denunziant, aber das war nach zwei Wochen Kampf auch wieder im Lot. Meine Lehrer hielten damals große Stücke auf mich und halfen mir mit Zuspruch.

Gemeinhin bin ich aber nicht besonders "mutig" und auch kein Typ, der Zivilcourage lebt - oftmals ist das für mich mit Einmischen gleichzusetzen und man zahlt am Ende drauf, weil man sich unnötiger Gefahr aussetzt. Ich helfe, wo ich kann, aber eher im Hintergrund, indem ich den zuständigen Stellen einen Wink gebe - das hat mit Verpetzen nix zu tun, ich nenne da nie Namen, sondern nur in etwa den "Dunstkreis".

Als Kind war ich eventuell risikofreudiger, da habe ich auf Spielplätzen, wenn meine Freunde dabei waren, auch mal Spielgeräte ausprobiert, die ich allein nicht benutzt hätte wie etwa eine zwei Meter hohe Hängebrücke auf einem Spielplatz, vor der ich zuvor Angst hatte: Und siehe da, es klappte und ich kam auf der Rutsche an, die ich über die Brücke erreicht habe und habe es gepackt.

Ansonsten war es vielleicht mutig, dass ich mir selbst konsequent treu blieb und bleibe, was auch immer andere sagen. Ich mach' einfach so weiter.

Musikalisch gibt es wieder den sympathischen Wolfgang Petry: "Ich will noch mehr" singt er. Viele Grüße, kommt gut durch den Tag!

https://www.youtube.com/watch?v=c6UkAUFGDC4

Woher ich das weiß: eigene Erfahrung

Oh, das hört sich nach einer harten Zeit an ... LG und Respekt fürs Durchhalten!

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@xRumiko

Ja, das schon.. es fielen damals oft genug Sätze wie - ich will mein Großonkel sein, der ist Rentner und muss nicht in die blöde Realschule.

Die Realschule war ein Kapitel für sich. Ich bin da nur widerwillig hin, eigentlich war der Besuch der Hauptschule angedacht, auf die auch meine Freunde gingen. Allerdings war ich ein guter Schüler und bekam 2001 die Gymnasial-Empfehlung ausgesprochen. Wir wurden von Lehrern, die uns teilweise zuhause besuchten oder auf dem Norma-Parkplatz das Gespräch mit meinem Opa suchten, dermaßen bequatscht und bedrängt, bis ich dann auf der Realschule angemeldet wurde - halbherzig und im Zweifel, ob das richtig war. Es war ein Fehler oder viel mehr eine Lebenserfahrung, wie es laufen kann.

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@rotesand

Auch Fehler gehören zum Leben dazu!

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@xRumiko

Stimmt. Ich sehe die Realschule nur bedingt als Fehler an, aber als Lebenserfahrung, die mich auf ihre Weise geprägt hat, vielleicht reifer gemacht. Vielleicht wurde mir deswegen der Start in die Berufswelt erleichtert ------> ich wusste, viel schlimmer als es mit dem ganzen Gedöns in der Realschule die sechs JAhre über war kann es nicht mehr werden. Vielen fiel der Start in den Beruf sehr schwer aus meinem Umfeld, ich hatte nach vier Wochen in der Lehre ein bestes Gefühl und fing wieder zu leben an.

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Guten Morgen xRumiko und alle GuGuMo Freunde!

Das Mutigste, was ich je getan habe war einen Mann zu retten, der am Starnberger See ins Eis eingebrochen ist. Ich war mit meiner Freundin und den Hunden dort spazieren und es war Tauwetter. Wir unterhielten uns und plötzlich hörte ich Schreie, sah eine Person im Eis. Es waren noch andere Menschen unterwegs und wir bildeten eine Kette, um den Mann aus dem Loch zu ziehen, was mit viel Mühe auch klappte. Zuerst brach der Rand des Eisloches immer wieder ab, aber dann schafften wir es, ihn nach oben zu ziehen. Zum Glück war dann auch gleich der Notarzt da und versorgte den Mann - wir wurden auch alle sehr gelobt. Das war wirklich nervenaufreibend und ich hatte damals große Angst auf das Eis zu gehen, aber die Angst um die Person war einfach größer... Was ich im Leben bis jetzt erfahren habe, ist, dass Mut in der Regel immer belohnt wird. Das ist auch eine schöne Form der ausgleichenden Gerechtigkeit. :-)

Euch allen wünsche ich einen guten Wochenstart, liebe Grüße von Evi!

Oh, zum Glück warst du nicht allein! Super Aktion! LG

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Meinen Respekt Evi, danke für diese Antwort! LG

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