Grüß euch. Heute wird es unchristlich. Wie steht ihr zum Satanismus?

49 Antworten

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Guten Morgen,

den LaVey Satanismus (dessen "Regeln" Du hier erwähnst) kann man, denke ich, ausschließlich in seinem historischen Kontext - dem Amerika der 60er Jahre - betrachten und beurteilen. Die 1966 von Anton Szandor LaVey gegründete Church of Satan war ebenso Counterculture/Gegenkultur wie die Hippie-Bewegung Gegenkultur war. Halt mit dem Unterschied, dass sie das ihrer Meinung nach etwas naive Hippie-Credo "All you need is love" genauso ablehnten wie abrahamitische Heilsversprechungen.

Auch wenn die 60er in den USA allgemein natürlich gerne mit der Hippie Bewegung in Verbindung gebracht werden, darf man nicht vergessen, dass der absolute Großteil der amerikanischen Gesellschaft zu dieser Zeit stock-konservativ war und die vorherrschende Prüderie peinliche Züge annahm - was natürlich auch heute teilweise noch so ist. Gegen diese gesellschaftliche Moral trat die Church of Satan damals an. Als Zeichen der kompletten Ablehnung benannte LaVey seine Bewegung nach Satan - dem ursprünglichen Widersacher dieser Gesellschaftsordnung. Freilich vor allem aus Gründen der Provokation.

Wenn Du mich also nach meiner Meinung zum Church of Satan Satanismus fragst: In den 60ern war sie in Amerika ein Auffangbecken für Menschen, die "anders" waren und aus unterschiedlichen Gründen (bsp. sexuelle Vorlieben) nicht so Recht in die Gesellschaft passten. Sie unterstützte diese Menschen, ein positives Selbstbild zu gewinnen und sich selbst zu akzeptieren bzw. zu lieben. Wobei man ihren Einfluss auch nicht überschätzen darf. Sie war halt ein Teil der amerikanischen Gegenkultur der 60er. Aus der Perspektive betrachtet war das schon 'ne gute Sache.

Mit Metal und Teufelsanbetung hat das alles natürlich herzlich wenig zu tun. Heute ist die Church of Satan relativ nutzlos, aber solange Kinder, die ihre Eltern schocken wollen, sich die "satanische Bibel" von LaVey kaufen, wird sie sich finanziell über Wasser halten können.

Abschließend ein Bild von LaVey mit seinem Löwen Togar.

Habt einen schönen Tag!

 - (Freizeit, Religion, Philosophie und Gesellschaft)
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Hi Mike,

danke für deine Antwort.

viele Grüße! =)

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Weiß man, was aus seinem Dekoobjekt geworden ist?

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@Dackodil

Die städtischen Behören intervenierten irgendwann, weil das LaVey Anwesen für einen ausgewachsenen Löwen als zu klein befunden wurde. Ein neues Zuhause fand er dann bei der Schauspielerin Tippi Hedren (Mutter von Melanie Griffith).

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Sehr schwierig bei all den Antworten die HA zu vergeben. Das haben sich eigentlich mehrere Antworten verdient.

Ich geb sie dir, weil du unvoreingenommen den Entstehungskontext recherchiert (oder gewusst) hast, und dir sichtlich Mühe gegeben hast das hier nochmal neutral ergänzend aufzuschreiben.


viele Grüße :)

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Guten Morgen!

Mein Motto ist in diesem Fall definitiv "leben und leben lassen" ------> ich habe damit kein Problem, solange man nicht dick aufträgt und andere Leute verunsichert oder gar missioniert.

Meine Erfahrung ist: Wer es in einer gewissen Sache wirklich ehrlich meint, der hat es nicht nötig, seine Meinung überall zu präsentieren und andere damit zu konfrontieren. Und solange ich in Ruhe gelassen werde bzw. mir niemand weismachen wollen würde, dass seine Ideologie - in dem Fall auch Satanismus - doch viel besser und schöner und toller sei als das, was ich lebe, ist alles in Ordnung.

Ich toleriere und respektiere vieles, gönne jedem seine Ansicht - aber ich möchte auch, dass meine Ansicht geachtet wird. Deswegen habe ich letztes Jahr einer Bekannten, die Zeugin Jehovas wurde und mich missionieren wollte, selbst als ich ihr deutlich sagte, dass ich katholisch bin und bleibe und kein Interesse an den Zeugen Jehovas habe, letztlich eine Art Hausverbot erteilt. Aber das war echt der aller-aller-allerletzte Schritt.

Für euch alle einen schönen Tag!

Woher ich das weiß:
eigene Erfahrung
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So eng dürfen die eigentlich nicht missionieren. Wohnte mal in einem Haus, wo auch eine "Zeugin Jehovas" wohnte. Sie erzählte mir, dass sie nur im Nachbarort Menschen auf ihren Glauben ansprechen darf. Dir auch einen schönen Tag!

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@insalata2

Okay, gut zu wissen! Dann macht das Sinn; die wohnte auch nicht (mehr) hier, sondern 10 Kilometer weiter und lief hier regelmäßig durch die Wohngebiete mit einer anderen Dame. Die Besuche nahmen aber überhand und sie wurde immer bestimmender und teilweise wirklich übel; sie schrieb mir dann einen Brief mit Bekehrungsversuchen und einer Einladung in einen "Königssaal" (heißt der so? Eine Art Versammlungsraum muss das sein), ehe ich ihr beim nächsten Besuch mitteilte, dass ich es für besser halte, wenn sie nie wieder kommt und mich meinen katholischen Glauben pflegen lässt wie ich sie ihre Ansicht haben lasse. Sie kam dann auch nicht mehr.

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@insalata2

So kenne ich das auch. Ich habe einige Zeugen Jehova um Freundes- und Bekanntenkreis. Die erklären mir zwar ihre Sichtweise, wenn ich sie danach frage, aber noch Keiner hat bisher auch nur ansatzweise versucht, mich davon zu überzeugen oder auch nur meine eigene Sicht nicht zu respektieren.

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Hihoo, das nenne ich mal ne tolerante Einstellung. 

Ich seh das ziemlich ähnlich. Jeder soll an das Glauben was er/sie für richtig hält, solange man andere damit nicht einschränkt, gefährdet oder oder in deinem Fall jemand anderem damit auf die Nerven geht.

Die Religiösität fremder Leute, geht mich ja, soweit das der Fall ist und bleibt, nichts an. Genauso wenig muss es mich ja interessieren, was andere für eine Lieblingsfarbe oder Lieblingsessen haben. Insofern Leben und Leben lassen.

viele Grüße

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@Vando

Danke!

Mich interessiert es letztlich ebenfalls wenig, was meine Mitmenschen für eine Konfession oder politische Ideologie haben. Ich bewerte sie auch nicht danach. Wenn jemand irgendeiner Partei nahesteht oder irgendeine Religion gut findet, dann wird er schon seine Gründe haben.

Grüße zurück und einen schönen Tag!

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@Vando

Wie heißt es so schön: Der Glaube ist wie ein Penis. Man kann ihn haben, sich daran erfreuen und ihn in den eigenen vier Wänden heraushängen, so sehr man will - aber man sollte es unterlassen, auf der Straße ungefragt den Leuten mit ihm vor der Nase herumzuwedeln. ;)

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Klasse Einstellung, die Antwort hätte von mir sein können, aber du hast es in weit bessere Worte gefasst, LG.

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Guten Morgen alle zusammen!

Mensch, Vando, du musst satirische Beiträge besser kennzeichnen.

Aber für dich habe ich ein Lied, das dich vielleicht etwas tröstet:

https://m.youtube.com/watch?v=fHAi_-DOy40

Ansonsten gilt, dass es eher ein Vorurteil ist, dass Metalfans Satanisten sind.

Natürlich kann es sein, dass in Songs Religionskritik geübt wird oder dass man um des Provizierens Willen sich eine Religion vorknöpft.

Das haben auch Lady Gaga und Madonna gemacht.

Man muss auch bedenken, dass der Teufel schon immer eine Figur war, die die Kunstschaffenden faszinierte. Selbst Goethe konnte sich dem nicht entziehen.

Eine psychologische Studie bescheinigt Metallern Friedfertigkeit und Offenheit. Etwas, was sie mit Klassikliebhabern gemein haben ( hmmm.... das sollen doch eigentlich totale Spießer sein).

Heavy Metal soll die Gleiche beruhigende Wirkung haben wie Klassik.

https://www.keyboards.de/stories/metal-und-klassik-fans-sind-im-grunde-identisch/

Metal kennt auch viele Subgenres und inzwischen verschwimmen die Genre-Grenzen immer mehr.

Kurz gesagt: Metal kennt viele Gesichter.

https://m.youtube.com/watch?v=zPonioDYnoY

Bei Satanismus gibt es auch mehr. Von provozierenden Teenies bis hin zu den dunklen Ritualen.

Also, ich wünsche euch einen beruhigenden Dienstag!

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Tag catchan,

Das haben auch Lady Gaga und Madonna gemacht.

Madonna und Lady Gaga sind Satanistinnen? o.O ;P

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Großartige Antwort 👍😀.

Viele liebe Grüße an Dich.

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@EyeQatcher

Dankeschön!

Liebe Grüße zurück und dir einen schönen Abend!

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Tach auch,

hatte gedacht, dass das offensichtlich wäre. ^^ Wer würde sich auch selbst ernsthaft mit solchen Vorurteilen belegen? 

Ist aber schon krass, das Satanismus immer noch mit so vielen Vorurteilen zu kämpfen. Ich hätte ja eher gedacht, dass die Toleranz demgegenüber gestiegen sei, so wie auch die Toleranz gegenüber Homosexuellen, Behinderten etc. gestiegen ist.

Grüße =)

PS: Wegen des Links: Brrrrr... Das Rob Halford mitsingt, macht es leider nicht besser. Wobei besser als 85% von dem was man im Mainstream Radio hört, ist es allemal.

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@Vando

Es gibt auch Leute, die haben den Postillon ernsthaft geglaubt, dass Flüchtlinge z.B. blonde, deutsche Kinder essen würden.

Satire immer am besten klar und deutlich kennzeichnen.

Bei Satanismus kenne ich mich ehrlich gesagt zu wenig aus, dass ich mir ein Urteil bilden kann. Die Stellen, die du in deiner Frage angebracht hast, finde ich alle als in Ordnung. Für mich ist auch die Stelle bezüglich der sexuellen Handlungen mehr als ok. Mich persönlich erinnert das an das neue schwedische Sexualstrafrecht - Ja ist Ja.

Sorry, aber es war der einzige Metalsong, der mir spontan eingefallen ist und den man entfernt mit Satanismus in Verbindung bringen könnte...

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