Gibt es christliches und unchristliches Verhalten oder anders formuliert kann sich jemand unchristlich verhalten?

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13 Antworten

Eine weit komplexere Frage, als vielleicht gedacht, wollte man darauf ernsthaft antworten, die zudem zu einem recht unerwarteten Ergebnis führen könnte. Das Christentum gibt eigentlich keine festen Regeln vor, keine strengen Gesetze, hier überwindet es die jüdische Tradition, in der das Christentum eigentlich steht (Jesus war ja ein Verfechter des jüdischen Glaubens, was man nicht vergessen sollte), bricht sie aber nicht, sondern stellt sie nur auf eine andere Basis (Jesus bestätigt ja gerade das Gesetz in seiner Richtigkeit). Am deutlichsten wird dies über die "evangelische Freiheit", wie sie im Römerbrief dargestellt wird.

Der Christ sei mit Jesus gestorben und mit ihm wieder auferstanden und sei damit auch dem Gesetz gestorben. In dieser Betrachtung ist ein Christ jemand, der des Gesetzes nicht mehr bedarf, da er dem Gesetz schon aus sich heraus folgt. Entsprechend ist mir keine christliche Konfession bekannt, die nicht die subjektive Sündenlehre vertritt, d.h. eine Sünde entsteht erst, wenn man sich dessen bewußt wird, daß es falsch, eine Sünde war/ist.

Das einzig wirklich deutliche "Gesetz" wird über das Zitat aus dem Alten Testament mit "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" eingeschrieben. Damit hätten wir die zwei Säulen, auf denen christliches Verhalten zu bewerten wäre

  • Wurde aus Liebe gehandelt ohne sich oder andere zu übervorteilen (Achtung, auch dies ist subjektiv, also aus der Person selber zu bewerten), und
  • wurde ohne den Zweifel an der Richtigkeit des eigenen Handelns agiert?

Damit gäbe es christliches und unchristliches Verhalten, allerdings, und das ist das eigentlich Überraschende daran: es gäbe nahezu keine Christen, denen ein christliches Handeln zuzugestehen wäre. Allerdings ist es auch ein lebenslanger Lernprozeß und jeder Fehler bringt den Menschen weiter, wenn er ihn richtig nutzt.

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Kommentar von Ivan69
02.08.2017, 21:27

schöne Antwort, nur der zweite Satz deines zweiten Absatzes in diesem Posting macht mir ein wenig Sorgen. Nicht, das manche dann meinen, sie stehen über dem Gesetz. Hat es alles schon gegeben.

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Kommentar von TroIIinger
02.08.2017, 23:59

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst"

Wird immer wieder missverstanden. gemeint ist der "reah", aus dem das Wort "Nächster" übersetzt wurde. Gemeint ist ein Mitglied der eigenen Gemeinschaft, nicht jeder Mensch.

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Eigentlich sollte sich christliches Verhalten an den Lehren der Bibel orientieren. Das Vorbild dafür sind die Beröer, die alles anhand der Bibel überprüften: "Sie forschten täglich in der Schrift, ob es sich so verhalte" (Apostelgeschichte 17,11).

Der Grund dafür findet sich in 2. Timotheus 3,16-17: "Die ganze Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet."

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Kommentar von Ivan69
02.08.2017, 22:42

Danke für die Antwort, sehr informativ

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Kommentar von TroIIinger
03.08.2017, 00:03

Eigentlich sollte sich christliches Verhalten an den Lehren der Bibel orientieren.

Damit landet man heute in zivilisierten Ländern im Knast. Sklavenhaltung und die Steinigung Andersgläubiger werden heute nur noch selten als "Ausleben des glaubens " angesehen.

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Kommentar von earnest
03.08.2017, 06:57

Wenn du ALLES anhand der Bibel überprüfst und dein Handeln nur danach ausrichtest, dann kommst du in das Fahrwasser von Handlungsstrategien wie bei den ultra-orthodoxen Juden.

Nur unter Umständen gewalttätiger. Ich dachte da so ein ein paar lockere Steinigungen...

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Aber sicher doch. Man braucht ja nur mal in den Evangelien lesen und kann anhand dessen erkennen, wenn man nicht zu deuten beginnt, sondern die Gleichnisse möglichst ohne zu interpretieren liest, was die christlichen Werte sind, allen voran Nächstenliebe (beginnend, nicht endend mit dem Nächsten), Hilfsbereitschaft, Vergebungsbereitschaft, Geduld und so weiter.

Wenn jemand nicht danach lebt, insbesondere wenn man absichtlich nicht danach lebt, oder gar absichtlich gegenteilig zu diesen Werten lebt bzw. handelt man unchristlich.

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Kommentar von Ivan69
03.08.2017, 13:07

würdest du das als Drohung einordnen, christlich nach diesen Prinzipien zu handeln, andernfalls wird man über die Zuordnung von Unschristlichkeit zum eigenen Verhalten gewissermaßen aus der gleichen Gemeinschaft ausgeschlossen, in der man agiert?

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Jeder Mensch kommt unschuldig aus dem Mutterleib. Ihm wird im Laufe des Lebens der christliche Glaube aufoktroyiert. Warum eigentlich? Man soll ihn aufwachsen lassen ohne jede Bevormundung, inklusuv Glauben. Insofern gibt es kein unchristliches Verhalten. Verhält sich ein anderer Mensch gegensätzlich, etwa sog. christlich, was hat das zu bedeuten? Er glaubt! Der andere glaubt nicht.

Mir könnte evtll. jemand erkären, wie ein sog. unchristliches Verhalten sich darstellt.

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Wenn es um Mitmenschen geht, ist es problematisch, das Verhalten von anderen zu beurteilen, denn was zählt, ist die Motivation, nicht die Tat an und für sich. Zwei können das selbe tun, und es ist doch nicht das selbst. Wir Menschen können nicht in die Herzen und Gedanken anderer sehen und bei Beurteilungen täuschen wir uns in 4 von 5 Fällen.

Wir können uns nur selber prüfen und beurteilen anhand der Vorgaben Gottes in der Bibel. Christen versagen oft und verhalten sich oft unchristlich. Jeder Christ ist in einem Wachstumsprozess und wird von Gott quazi erzogen. Die Bibel spricht von der Bekehrung wie von einer Geburt und wie ein Baby und Kind wächst, so auch der Christ. Das Ziel ist, Jesus in allem immer ähnlicher zu werden, Schritt für Schritt.

Bei allem was wir falsch machen, können wir Jesus um Vergebung bitten und wieder neu anfangen. Gott ist gnädig und geduldig - viel viel mehr als wir Menschen.

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Kommentar von Ivan69
02.08.2017, 21:21

lese ich das richtig? Die Menschen werden nicht alle gleich beäugigt wenn es darum geht ihre Taten einzuordnen? Stattdessen wird eingeräumt, dass die gleiche Tat von Özdemir anders beurteilt werden kann als die von Hasan, wenn man eine andere Motivation unterstellt?

Dir ist schon klar, dass das Haus und Hof öffnet für eine voreingenommene Interpretation von kriminellen Taten? Ein Rechtsstaat hätte da so seine Probleme mit.

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Kommentar von TroIIinger
03.08.2017, 00:01

Christen versagen oft und verhalten sich oft unchristlich.

Ja, Steinigungen sind selten geworden, obwohl es heute von Ungläubigen nur so wimmelt.

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Hey- ja ich glaube schon! Wenn man die 10 Gebote nicht einhält oder andere Religionen kritisiert (Bei uns ist jede Religion gleich viel wert und daher sollen wir keine Religion schlecht reden). Mfg

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Kommentar von Ivan69
07.08.2017, 23:43

Eine gute Einstellung, die du da hast.

Leider ist die Welt nicht so rosig, wenn ich es so platt ausdrücken darf.

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Christen halten sich an die 10 Gebote - auch wenn einige denken, sie seinen veraltet, so stimmen sie inhaltlich dennoch: 

Die Zehn Gebote Gottes

Der Verfasser erschließt in diesem Buch die Zehn Gebote Gottes in ihrer vollen, das ganze Leben des Menschen umfassende Bedeutung – zur Hilfe in den Geschehnissen unseres Erdenlebens und darüber hinaus für unser ganzes Sein, über den irdischen Tod hinaus, als zuverlässige Richtschnur für unser ganzes Leben.

Die Deutung des Vaterunsers hilft den suchenden Menschen diesen »Schlüssel zum Reiche Gottes« in seiner tiefen Bedeutung für die Menschheit und darin die Botschaft Jesu richtig zu erfassen.

Inhaltsübersicht

    ICH BIN DER HERR, DEIN GOTT! DU SOLLST NICHT ANDERE GÖTTER HABEN NEBEN MIR!DU SOLLST DEN NAMEN DES HERRN, DEINES GOTTES, NICHT MISSBRAUCHEN!DU SOLLST DEN FEIERTAG HEILIGEN!DU SOLLST VATER UND MUTTER EHREN!DU SOLLST NICHT TÖTEN!DU SOLLST NICHT EHEBRECHEN!DU SOLLST NICHT STEHLEN!DU SOLLST NICHT FALSCH ZEUGNIS REDEN WIDER DEINEN NÄCHSTEN!LASS DICH NICHT GELÜSTEN DEINES NÄCHSTEN WEIBES!DU SOLLST NICHT BEGEHREN DEINES NÄCHSTEN HAUS, HOF, VIEH UND ALLES, WAS SEIN IST!

DAS VATERUNSER

https://gralsbotschaft.org/die-zehn-gebote-gottes/?pk_campaign=Grants-AdWordsSearch-10-Gebote&pk_kwd=1o%20gebote&gclid=EAIaIQobChMI7pLdrJy51QIVwbftCh0KSwR5EAAYASAAEgJBr_D_BwE

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Kommentar von earnest
02.08.2017, 21:07

Viele Christen halten sich an die 10 Gebote...

P.S.: Warum schreist du?

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Kommentar von Ivan69
02.08.2017, 21:09
  1. ICH BIN DER HERR, DEIN GOTT!
  2. DU SOLLST NICHT ANDERE GÖTTER HABEN NEBEN MIR!
  3. DU SOLLST DEN NAMEN DES HERRN, DEINES GOTTES, NICHT MISSBRAUCHEN!
  4. DU SOLLST DEN FEIERTAG HEILIGEN!
  5. DU SOLLST VATER UND MUTTER EHREN!
  6. DU SOLLST NICHT TÖTEN!
  7. DU SOLLST NICHT EHEBRECHEN!
  8. DU SOLLST NICHT STEHLEN!
  9. DU SOLLST NICHT FALSCH ZEUGNIS REDEN WIDER DEINEN NÄCHSTEN!LASS DICH NICHT GELÜSTEN DEINES NÄCHSTEN WEIBES!
  10. DU SOLLST NICHT BEGEHREN DEINES NÄCHSTEN HAUS, HOF, VIEH UND ALLES, WAS SEIN IST!

Das meintest du doch?

Ich wundere mich gerade, ob es auch eine Möglichkeit gibt sich Nicht an das erste Gebot zu halten. Gewissermaßen ein Ding der Unmöglichkeit.

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Wenn jemand mit Weihwasser gurgelt, ist das eindeutig unchristlich

Weitere Beispiele erforderlich?

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Kommentar von dummerharry
02.08.2017, 21:02

ja bitte

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Kommentar von Ivan69
02.08.2017, 21:12

Das ist ja ein dickes Ding. Wie kommst du auf sowas? Nur weil du Weihwasser in den Mund genommen hast?

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Sicher.

Wir sehen es zum Beispiel hier bei GF jeden Tag. Da gibt sich jemand als guter Christ/Muslim/... - und behandelt andere User wie Dreck.

Nix mit Menschenliebe ...

Als "christliches Verhalten" würde ich dies bezeichnen: Das "Wort Gottes" nicht nur im Munde führen, sondern sich entsprechend der mitmenschlichen Richtschnur der "Worte Jesu" verhalten.

Gruß, earnest

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Kommentar von Ivan69
02.08.2017, 21:13

Namen! Pranger! Namen! Pranger!

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Kommentar von extrapilot351
03.08.2017, 07:00

"Wort Gottes", "Worte Jesu", die beiden reden nicht. Und die Worte beider sind nach über 2000 Jahren menschlicher verbaler Überlieferung im Bereich der Fabeln anzusiedeln.

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Kommentar von Bodesurry
03.08.2017, 09:48

earnest - Du hast völlig recht, manchmal fragt man sich bei gewissen Kommentaren von Christen schon, ob sie das N. T. mehr als nur durchgelesen haben.

 

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"Liebe Gott von ganzem Herzen und ganzem Verstand - und deinen Nächsten wie dich selbst."

Das gibt ne ziemlich gute Richtschnur vor :-)

Einzelne Taten sind vielleicht nicht in der Bibel genannt, aber es gibt ein Richtig und Falsch. Alles, was lieblos ist ist zum Beispiel falsch.

Ganz einfach.

Und unendlich schwer :-)

Gott sei Dank sind wir nicht alleingelassen und müssen alles aus eigener Kraft schaffen...

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Kommentar von Ivan69
03.08.2017, 12:48

schön gesprochen, nur ordnet man damit einen ziemlich großen Teil der Christen and unchristlich ein und genau das ist ja der Konflikt, den ich indirekt mit der Frage ansprechen wollte. Im Endeffekt wäre das wirklich nur eine Richtschnur und nicht akzeptabel jemanden als unchristlich zu bewerten, da kaum jemand frei von dieser negativen Einordnung wäre. Allein die menschlichen Charakterzüge würden zwangsläufig dazu führen immer wieder unchristlich zu agieren, was sicher nicht Sinn solch einer Eindnung wäre

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Ja — das gibt es!

Hier hast Du eine Aufzählung von unchristlichem Verhalten:

"3 Dieses aber erkenne, daß in den letzten Tagen kritische Zeiten dasein werden, mit denen man schwer fertig wird. 

2 Denn die Menschen werden eigenliebig sein, geldliebend, anmaßend, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, nicht loyal, 

3 ohne natürliche Zuneigung, für keine Übereinkunft zugänglich, Verleumder, ohne Selbstbeherrschung, brutal, ohne Liebe zum Guten, 

4 Verräter, unbesonnen, aufgeblasen [vor Stolz], die Vergnügungen mehr lieben als Gott, 

5 die eine Form der Gottergebenheit haben, sich aber hinsichtlich deren Kraft als falsch erweisen; und von diesen wende dich weg" (2. Tim. 3:1-5)

Dem gegenübergestellt christliches Verhalten:

"Schließlich, Brüder, alles, was wahr, alles, was von ernsthaftem Interesse ist, alles, was gerecht, alles, was keusch, alles, was liebenswert ist, alles, worüber gut gesprochen wird, wenn es irgendeine Tugend und irgend etwas Lobenswertes gibt, diese Dinge erwägt weiterhin." (Phil. 4:8)

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Das Christentum wie auch das Judentum kennt die 10 Gebote. Es sind keine Verbote, denn solche kennt das Christentum nicht.

Wer sich nicht an diese Gebote hält, der handelt daher unchristlich oder unjüdisch

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Kommentar von Ivan69
03.08.2017, 13:00

indirekt sind diese Gebote sehr wohl Verbote

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Natürlich kann man sich unchristlich verhalten. Es ist zum Beispiel unchristlich...

...seine Sklaven so sehr zu vermöbeln, dass sie innerhalb eines Tages sterben. Sterben sie nach einem Tag oder später an den Verletzungen, ist es ok.

...die Verwandte, die einen dazu überreden wollen, zu einem anderen Gott zu beten, nicht zu steinigen.

...seine Angetraute nicht zu steinigen, wenn man in der Hochzeitsnacht feststellt, dass sie keine Jungfrau ist.

...seine Kinder nicht zu verprügeln

...Ungläubige und Andersgläubige nicht zu meiden.


Die Liste ist lang, Vieles ist unchristlich.


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Kommentar von Ivan69
02.08.2017, 21:14

wenn das mal kein Winken mit Zaunpfählen war

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