Auge um Auge, Zahn um Zahn. Was heißt das?

21 Antworten

Auge um Auge, Zahn um Zahn? 

Das ist Falsch übersetzt, es mus heißen Auge Für Auge.

Das bedeutet Schadensersatzleistung . Je nach schaden Ersatzleistung an Geld oder Vieh ! Das oft zitierte Auge um Auge, Zahn um Zahn heißt im Orginaltext nicht Nimm Auge um Auge, sondern Gib Auge um Auge. Es war also ein Richtmaß für den Schädiger, nicht für den Geschädigten.

Es ist eine Schmerzensgeldersatzklage. Was will den der geschädigte mit meinem Auge, er bekommt einen Ersatz an Geld oder Vieh für seinen Schaden.

 Der Urtext lautet: Wenn aber Lebensgefahr droht, so gib Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn (Ex.21,23f)

 Also nicht vom Geschädigten ist hier die Rede, der Rache oder Vergeltung nehmen soll, sondern vielmehr vom Schädiger, der vor dem Richter Wiedergutmachung leisten muss.:

 Der Schädiger muss dem Beschädigten etwas geben, das an Stelle des Gliedes oder des Organs tritt, das nicht mehr die voll Funktion erfüllen kann, der Richter setzt die Höhe der Wiedergutmachung fest, die der Täter seinem Opfer zu leisten hat, wobei geringste Beschädigung, bzw. Verletzung des Auges oder auch nur eines Zahnes gewährleistet den „alttestamentarischen Frontarbeiter“ die sofortige Freilassung (Ex 21, 26f).

 Und dieser Sinn sollte sich bei einem freien Israeliten dem Täter die private Vergeltung entzogen wird (Ex 21,1), folglich muss jemand, der seinen Mitmenschen eine Verletzung schlug, nicht selbst eine erhalten, sondern einen Gegenwert, oder eine richterliche Ersatzzahlung leisten.

Hallo mariaabd,
nachdem ich alle Antworten hier gelesen habe: Etwas muss man da aber genauer sagen: Niemand hat danach das Recht zur Rache, sondern es sind Vorschriften für die Beurteilung in einem regulären Prozess:

Dafür hier drei Quellentexte:

Exodus 21,22 -25 „Wenn Männer miteinander raufen und dabei eine schwangere Frau treffen, sodass sie eine Fehlgeburt hat, ohne dass ein weiterer Schaden entsteht, dann soll der Täter eine Buße zahlen, die ihm der Ehemann der Frau auferlegt; er kann die Zahlung nach dem Urteil von Schiedsrichtern leisten. Ist weiterer Schaden entstanden, dann musst du geben: Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brandmal für Brandmal, Wunde für Wunde, Strieme für Strieme.“

Das ist bezogen nur auf den speziellen Fall des weiteren Schadens bei Fehlgeburt. Du wirst feststellen, dass hier nicht gesagt wird, was der Geschädigte darf (der darf gar nichts!), sondern was der Schädiger als Wiedergutmachung zu leisten hat. Umgekehrt bekommt der Geschädigte aber auch nicht mehr, als er verloren hat. (Dieses Niveau ist z.B. in den USA, wo jemand wegen einer verschütteten Kaffeetasse zu -zigtausend Dollar Schadenersatz verurteilt werden kann, noch nicht erreicht!)

Leviticus 24, 17-20 „Wer einen Menschen erschlägt, wird mit dem Tod bestraft. Wer ein Stück Vieh erschlägt, muss es ersetzen: Leben für Leben. Wenn jemand einen Stammesgenossen verletzt, soll man ihm antun, was er getan hat: Bruch um Bruch, Auge um Auge, Zahn um Zahn. Der Schaden, den er einem Menschen zugefügt hat, soll ihm zugefügt werden.“

Einmal ist das bezogen auf den Stammesgenossen, noch nicht einmal auf das ganze Volk Israel oder Nichtisraeliten. Auch hier darf der Geschädigte überhaupt nichts, sondern das sind Regeln für einen regulären Gerichtsprozess.

Härter wird es schon, wenn jemand vor Gericht falsch gegen einen anderen aussagt, wird es allerdings sehr hart. Aber bedenke, dass das Gerichtsvorschriften von vor 2000 bis 3000 Jahren sind!
Deuteronomium Auszug aus 19, 16 – 21: „Wenn jemand vor Gericht geht und als Zeuge einen andern zu Unrecht der Anstiftung zum Aufruhr bezichtigt, wenn die beiden Parteien mit ihrem Rechtsstreit vor den Herrn hintreten, vor die Priester und Richter, die dann amtieren, wenn die Richter eine genaue Ermittlung anstellen und sich zeigt: Der Mann ist ein falscher Zeuge, er hat seinen Bruder fälschlich bezichtigt, dann sollt ihr mit ihm so verfahren, wie er mit seinem Bruder verfahren wollte. Du sollst das Böse aus deiner Mitte wegschaffen. Die Übrigen sollen davon hören, damit sie sich fürchten und nicht noch einmal ein solches Verbrechen in deiner Mitte begehen. Und du sollst in dir kein Mitleid aufsteigen lassen: Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß.“

Vielen vielen Dank 😘

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Eine andere Frage, ich würde jedoch deine Meinung dazu hören. Was bedeutet " Wird ein Dieb beim Einbruch ertrappt und so geschlagen, dass er stirbt, so entsteht keine Blutschud. Doch ist darüber bereits die Sonne aufgegangen, dann entsteht Blutschuld" (Exodus 22,1f)? Dürfte demnach ein Dieb nur bei Nacht, nicht aber bei Tage erschlagen werden? Oder was bedeutet "ist darüber bereits die Sonne aufgegangen" sonst?

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@maxmueller1

Hallo maxmueller1, über diese Stelle speziell habe ich noch
nichts gelesen, kann also nur meine höchst private Einschätzung dazu geben:

In Ex 20,1 bis Ex 23,33 steht die ausführliche Darstellung
der 10 Gebote und vieler anderer Vorschriften. Hier ist deine Stelle
einzuordnen.

Vorüberlegung: Auch nach unserem heutigen Rechtsverständnis
gibt es Dinge, die nicht richtig sind, aber auch nicht bestraft werden
(Ehebruch). Es gibt Dinge, die weder  verboten noch erlaubt sind (Selbsttötung bzw. der Versuch – wer sollte das schon erlauben?) und dann nicht bestraft werden.

Es gibt Dinge die verboten sind (Verletzen oder Töten), aber nicht bestraft werden (Notwehr) oder Stehlen (Mundraub). Der Schluss, dass etwas nicht bestraft wird, heißt noch nicht, dass es erlaubt sei.

Vielleicht fallen dir auch Situationen ein, wo etwas erlaubt ist, deswegen nicht bestraft wird, was aber trotzdem moralisch zu verurteilen ist (viele Manipulationen in der Wirtschaft, Verhalten von Hausbesitzern gegenüber Mietern …)

Ähnlich schätze ich die Bibelstelle ein. Sie stellt zwei
Situationen da: Notwehr bzw. Verteidigung des Eigentums bei Nacht oder bei Tag.

Die Situation in der Nacht ist eine andere: Es ist dunkel,
man kann den Täter nicht einschätzen, keine Hilfe holen, ihn nicht verfolgen, die Wirkung seiner eigenen Schläge nicht kontrollieren.

Bei Tag hat man andere Möglichkeiten. Man sieht den Täter,
kann seine Muskeln einschätzen, könnte Hilfe holen (da viele schon wach sind), könnte mit der Abwehr aufhören, wenn man sieht, dass der Täter kampfunfähig ist, könnte sogar für den verletzten Täter noch Hilfe holen.

So dürfte eine Tötung bei Tag eine andere Qualität bekommen,
während man bei dem Vorfall bei Nacht auf eine Ahndung verzichten will.

Das heißt aber nicht, dass jetzt eine Tötung bei Nacht erlaubt wäre. Sie bleibt nur straffrei.

Allgemein: Ich habe keine Belege für diese Auffassung – es ist
eben meine Überlegung.

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Hallo mariaabd,

der Grundsatz, um den es hier geht, stammt aus dem Gesetz Mose an die Israeliten und lautet: " Und falls ein Mann seinem Genossen ein Gebrechen zufügen sollte, dann sollte ihm ebenso getan werden, wie er getan hat. Bruch um Bruch, Auge um Auge, Zahn um Zahn; ein Gebrechen von derselben Art, das er dem Menschen zufügen mag, das sollte ihm zugefügt werden" (3. Mose 24:19,20). Auf den ersten Blick könnte es so aussehen, als ob dieses Gesetz dem Geschädigten eine Art Selbstjustiz gestatten würde. Viele deuten diesen Text so und denken, die Bibel befürworte den Gedanken der Rache und Vergeltung. Das ist jedoch nicht der Fall! Warum kann man das sagen?

Wenn dieses Gesetz in diesem Sinne zu verstehen gewesen wäre, dann hätte es einem anderen Gesetz, das den Israeliten gegeben wurde, widersprochen, welches lautet: "Du sollst nicht Rache nehmen an den Söhnen deines Volkes noch Groll gegen [sie] hegen; und du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst" (3. Mose 19:18).

Außerdem durften die Israeliten , wenn ihnen jemand einen Schaden zufügte, nicht selbst Vergeltung üben. Rechtsfälle wurden vor die ernannten Richter gebracht und von ihnen behandelt. Sie prüften die Begleitumstände und den Grad der Vorsätzlichkeit. Im Fall von schweren Vergehen wurden entsprechend der Tat auch schwere Strafen verhängt. Das diente zweifellos zur Abschreckung vor Verbrechen und prägte jedem ein, niemanden zu verletzen oder sonst wie Schaden zuzufügen. Das zeigt, dass das göttliche Gesetz, das den Volk Israel gegeben wurde, in jedem Fall gut und gerecht war.

LG Philipp

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