Wozu braucht man in Norddeutschland ein Rad mit 21 Gängen?

13 Antworten

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Hallo ahoi1:)

Deine Frage ist insofern nicht rein pauschal zu beantworten, da viele Faktoren dabei eine Rolle spielen. Die Bedienung einer 21 - Gang Kettenschaltung kann für ungeübte Radfahrer anfangs etwas schwierig sein, ist jedoch bei einigermassen aktueller Technik schnell erlernbar, sofern man nicht ganz ungeschickt ist. Natürlich bieten mehr Gänge gewisse Vorteile, in der Praxis benutzt werden aber selten alle, zumindest nach meiner Erfahrung. Folgende Faktoren spielen auch eine nicht unbedeutende Rolle:

Persönliche Fitness: Muskelkraft in den Beinen ? sowie fahrtechnisches Geschick ?

geplante Art der Nutzung: tägliche Nutzung für kurze Strecken ? Tagestour ? mehrtägige Radwanderung mit Gepäck ?

Ausrüstung: Nutzung eines bereits vorhandenen Fahrrades oder geplanter Neukauf ? davon abhängig sind bei einem Neukauf noch weitere Faktoren zu berücksichtigen = Preisrahmen, Diebstahlsicherung, Langlebigkeit, Wartungsintensität, geplantes Nutzungsverhalten Voll - Aluminium Rahmen etc.

... usw. ... da wären dann etwas genauere Angaben von Deiner Seite recht hilfreich, sofern Du genaueres noch wissen möchtest (?)

Spezifisch auf Deine 2 Fragen eingehend:

Deine 1. Frage: 21 - Gang Schaltungen sind bedingt durch ihre offene Bauart stärker Verschleiss - anfällig als eingekapselte (hoffe es ist das richtige Wort dafür ?) Systeme wie z.B. Nabenschaltungen. Sand, kleine Steinchen, etc. wirken wie Schmirgelpapier. Einmal richtig durch Sand gefahren = Totalreinigung von Schaltung + Kette hinterher meist erforderlich !! Dennoch ist diese Bauart immer noch am weitesten verbreitet => Markenbauteile sind zwar etwas teurer aber langlebiger, insofern unterm Strich dann evtl. sogar billiger mittelfristig gesehen.

Deine 2.Frage: Bei einer 21 - Gang Schaltung wirst Du in der Regel diesen 1. Gang eher selten nutzen, wie schon in einem Kommentar hier richtig gesagt, weil das hoch schalten viel zu umständlich wäre, Jedoch kann er, z.B. bei starkem Gegenwind + Gepäck sowie beginnender Erschöpfung auf einer Radtour hilfreich sein. Von "müssen" würde ich aber keinesfalls sprechen, wenn Du im 2. Gang am besten anfährst dann ist das die richtige Fahrweise für Dich. Ausserdem wie schon kurz erwähnt, braucht es einige Übung mit einer 21 - Gang Schaltung jeden einzelnen Gang hoch zu schalten ... dies wäre eher angebracht wenn Du sozusagen einen Sprint - Start machen möchtest => bei sehr "sportlich ambitionierten Radfahrern"

Ergänzend ;-) etwas vom Thema abweichend :

Fahre seid ca. 25 Jahren fast täglich mit einem, nun Giant Trecking - Bike mit einer 21 - Gang Schaltung, überwiegend Flachland / Kurzstrecke. Darum beherrsche ich auch diesen, ich sag mal "Turbo - anfahr -Sprint" ... was aber eben viel Übung erfordert ...

... mir aber immer wieder auch Spass macht ;-)) weil ich in der Stadt durchaus z.B. wenn die Ampel auf grün schaltet, mit dem anfahrendem Autoverkehr auf gutem Strassenbelag gleich schnell beschleunigen kann, welche dann fast immer extra noch Gas geben, weil Autofahrer das kaum ertragen ;-)) ... wie gesagt meine Beinmuskeln sind halt sehr gut trainiert ... da schalte ich dann evtl. wirklich vom 1. Gang blitzschnell hoch.

Wenn Du jetzt noch Fragen dazu hast, beantworte ich Dir diese via Kommentar gerne, soweit mir möglich. LG ...Vms:)

Lieber Videomovieshine, für deine Antwort gilt derselbe Kommentar wie für Felix - profundes Fachwissen hast auch du. . Etwas leichter verständlich scheint sie für mich als Laiin.

Es geht lediglich um eine Sonntagstour durch die Wildnis - beschaulich, aber nicht sportlich.

Er meinte, für 400 € hätte er ein seinen Wünschen entsprechende Rad gesehen. Nur - was sollte ich ihm daraufhin sagen, ich verstehe davon nichtss. Aber gut, da ich viele kleine Reparaturen selbst erledige, dachte er wohl, ich habe auch Ahnung von Rädern. Er wahr etwas misstrauisch wegen des niedrigen Preises.

**Also, noch einmal: Es werden keine Extremfahrten unternommen,

hauptsächlich Asphalt, auch mal etwas Mullweg, und auch mal ein Waldweg ist unter den Fahrgebieten. Kleine Ansteigungen sind auch dabei - wie sie in Norddeutschland um Hamburg herum vorkommen. Aber es gibt KEINEN SPORTLICHEN ASPEKT!**

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@ahoi1

Danke für Deinen Kommentar. Profundes Fachwissen habe ich im Fahrrad - technischen Bereich keineswegs, vielleicht eher eine gute Allgemeinbildung, sowie Laien - verständlich etwas formulieren zu können. Die Antwort von FelixLingelbach ist momentan mit Abstand die fachlich beste Antwort hier, auch wenn dies vielleicht dem Laien nicht sofort ersichtlich ist.

Bin mir sicher dass er dem jungen Mann, für den Du hier etwas erfragt hast, eine optimale Empfehlung geben kann. Allerdings benötigen Fachleute gewisse Angaben, welche Du als Laie beim mit dem besten willen nicht wissen kannst, sondern nur derjenige für den Du hier die Frage gestellt hast. Sowas nennt man eine Art "Checkliste", welche spezifisch definiert, was ein Experte wissen möchte für einen optimal passenden guten Rat. LG ... Vms:)

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Sternchen für dich, lieber Videomovieshine. Dein Wissen hat dem jungen Kerl geholfen, vieles andere war für ihn "überzüchtet", und er fragte immer wieder

"Aber es steht doch alles oben in der Frage worum es mir geht!"

= Asphalt, etwas Mull, ein paar Steigungen etc., ich wiederhole mich jetzt zum 3. Mal. Hast du für ihn und seinAnsinnen am verständlichsten ausgedrückt, denn es geht hier um keinen SPORT, sondern 1 Fahrt am Sonntag!

= Sonntags- u. Naturfahrer. NEIN, nicht dort, wo man nicht fahrradfahren soll(te)!

**Lest auch mal den Kommi von ELSHOLZ, am 22.7., um 14.12 Uhr.

@Elsholz : der junge Mann, für den ich frage, gehört NICHT zu den Überholern - aber das wirst du wohl auch schon erkannt haben, wenn ich deinen Kommi richtig deute. Danke dir!

Videomovieshine, danke auch für deine Versuche zu versöhnen, mich zu verteidigen und zu erklären! Keep shining!

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Ich fahre täglich etwa 10 Kilometer zur Arbeit und wieder zurück. Auch in der Ebene (Land Brandenburg) gibt es Anstiege, eventuell sandige Wege, die sich mit einer guten Gangschaltung viel leichter bewältigen lassen. Mein Rad hat auch 21 Gänge, die ich auch auf meiner Fahrstrecke vollständig nutze. Bei einem starken Anstieg im Wald, schalte ich sogar auf die kleinste Übersetzung zurück.

Natürlich musst du nicht im ersten Gang anfahren. Nach einiger Zeit wählst du dir automatisch einen Gang, mit dem du relativ leicht anfahren kannst, aber auch nicht gleicht durchtrittst. Ich selber wähle immer bei beiden Zahnkränzen die mittleren Ritzel zum anfahren.

Danke Lupus! Schon mal ein verständlich und praxiserfahrener Bericht!

Heute nacht werde ich dem jungen Mann das alles rübermailen! Und dann muss ich, mit seiner Hilfe, die helfreichste Antwort aussuchen.

Ich persönlich gehe dabei auch stark auf die netiquette ein.

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Eine Gangschaltung benötigt man eigentlich immer nur dort, wo es auch Anhöhen gibt. Im Flachland wäre das eigentlich rausgeschmissenes Geld. Aber in Deiner Gegend gibt es ja zumindest kleine Steigungen. Insofern ist eine Gangschaltung ja ganz nützlich.

Damals gab es noch die sogenannte und für mich unübertroffene "Dreigangnabenschaltung mit Rücktrittbremse". Unübertroffen, weil übersichtlich, leicht reparierbar und vor allem durch die vorhandene Rücktrittbremse auch sicher. Immer wenn ich ein neues "gebrauchtes" Rad benötigte, weil der Nachbesitzer rein zufällig sich bei mir "bediente", habe ich versucht eines mit der bewährten Drei-Gang-Rücktrittnabe käuflich zu erwerben :)

Bei dieser Dreigang-Rücktritt-Nabenschaltung entsprach übrigens der zweite Gang, demjenigen welches das Rad ohne eine Gangschaltung hat.

Um Deine Frage zu beantworten: Ob man jetzt mit dem zweiten oder ersten Gang anfährt hängt davon ab, in welcher Situation Du Dich befindest. Steht Dein Fahrrad an einem ansteigenden Berg an einer Ampel, wäre ein Start mit dem ersten Gang zu empfehlen. Ardernfalls kannst Du mit dem zweiten ruhig anfahren.

Was die Frage mit den 21-Gängen betrifft: Man hat aufgrund der vielen verschiedenen Übersetzungen die Möglichkeit extrem leicht tretbar auf ebener Strecke die rasant schnelle Geschwindigkeit von gefühlten 1 km/h zu erreichen :) Dies amüsiert mich immer sehr, wenn ich Kinder wild tretend mit ihrem Mountain-Bike durch die Fussgängerzone vorwärtsbewegen (?) sehe :D

Ebenfalls ist es natürlich auch möglich mit 21 Gängen bei entsprechender Übersetzungswahl besonders schnell zu fahren - vorausgesetzt man will das oder ist Radsportler. Ich persönlich vertrete die Auffassung, dass Radfahren etwas mit Naturverbundenheit zu tun hat und ein rasantes Fahren kontraproduktiv ist - insofern möchte ich mit einer Kombination von zwei bekannten Zitaten enden:

"Der Weg ist das Ziel, was man ebenfalls erreicht, wenn man langsam fährt" :)

Ja, die 3-Gang-Nabenschaltung ist und bleibt genial. Sie wurde, nachdem SRAM Fichtel&Sachs geschluckt hat, unverändert in Schweinfurt weiter produziert. Heute gibt es sie in vielen Versionen, mit und ohne Rücktritt und sogar mit Bremsscheibe. Produziert wird jetzt in Asien, im alten Werk verbleibt das Entwicklungszentrum. Shimano bietet oder bot auch eine an, allerdings mit geringerer Entfaltung.

Sehr empfehlenswert für nicht so technikaffine Leute sind auch die Dual-Drive genannten Kombinationen aus 3-Gang-Nabe plus Ritzelkassette von SRAM. Bei denen muss man nicht drauf achten, dass die Kette nicht zu schräg läuft und kann auch im Stand schalten. Leider nicht ganz billig.

Der mittlere Gang der 3-Gang ist der mit dem geringsten Kraftverlust. Das interne Planetengetriebe wird nicht benutzt. Wenn man einfache Bedienung, Wartungsarmut, Preis, Langlebigkeit und Gewicht mit einbezieht, bleibt die 3-Gang für sehr viele Fahrer die beste Wahl.

Mit einer Kettenschaltung fährt man bei einer Übersetzung von 1:1 auf dem 28er ungefähr 7 bis 8 km/h, d. h. noch kleinere Gänge erreicht man sehr einfach durch Absteigen. Vormontiert sind heute aber in der Regel echte Untersetzungen. Deine gefühlten 1 km/h sind nicht weit weg von der Wirklichkeit, die so bei 2 bis 3 liegen müsste. Für die Mutter mit einem Kind auf dem Kindersitz und einem im Hänger ist das sogar sinnvoll, auch für den MTB-Sportler, der den steilen Wildwechsel hinauf nicht absteigen will.

@all: Vorsicht mit der "21-Gang-Schaltung"! Gerade diese 3X7er Kombination ist heute überhaupt nicht zu empfehlen. Die war mal top, heute wird mit der aber die konstruktionsbedingt minderwertige Schraubkranztechnik verramscht. Nichts für kräftige oder schwere Menschen. Die Achse kann sich verbiegen und sogar brechen. (Was aber nicht heißt, dass sie im Damen-Citybike keine guten Dienste leistet. Sie schaltet einwandfrei.)

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@FelixLingelbach

Timeoszillator : bist der Sache sehr nahe gekommen, denn so sieht es auch der junge Mann, der vorhin selbst gesagt hat, diese vielen Gänge seien auch ein wenig "Spielerei" ( ich ab's von Anfang an geahnt...).

Damit hast du ihn richtig erkannt:

"Ich persönlich vertrete die Auffassung, dass Radfahren etwas mit Naturverbundenheit zu tun hat und ein rasantes Fahren kontraproduktiv ist ..."

SO fährt er. SO hörte ich es aus seinen Erzählungen heraus. Danke dir!

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Als begeisterter Radfahrer kann ich dir nur sagen ...

Zu Frage 1: egal wo du fährst ... in der Ebene oder auf mehr oder weniger hügeligen Strecken ... je mehr Gänge dein Fahrrad hat, umso lieber wirst du damit fahren (wenn du dich erst mal an das Schalten gewöhnt hast ... ;-) Der junge Mann hat dir entweder bewusst oder unbewusst - letztere kann ich mir nur schwer vorstellen - Unsinn erzählt.

Und nun zu deiner Frage 2.

Du kannst mit dem Gang anfahren, mit dem du dein Rad gestoppt - abgestellt - hast ... ein Fahrrad hat keinen Motor und man braucht keinen "ersten" oder "zweiten" oder niedrigen Gang zum "Anfahren".

Du schaltest beim Fahrradfahren NUR dann, wenn du sich der Widerstand (Luftwiderstand = Wind, Rollwiderstand = Straßenzustand und Steigung) verändert, wenn du merkst, dass du entweder mehr oder weniger Kraft auf die Pedale bringen willst oder musst.

Das Schalten der Fahrradgänge kannst du NICHT mit dem Schalten eines motorisierten Fahrzeuges (Auto) vergleichen.

Und ... wenn du eine Gangschaltung hast, welche 21 Gänge aufzeigt, dann hast du in Wirklichkeit weniger Gänge zu deiner Verfüung ... ;-) Um dich nicht zu verwirren, werde ich jetzt nicht näher darauf eingehen - es wäre eine rein technische Erkärung).

Und ... wenn du Gelegenheit haben solltest, Radfahrer aus den Niederlanden (dort gibt es nur flaches Land) zu beobachten, dann achte doch mal darauf, wieviele Gänge die Räder dieser Leute haben ... ;-)

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Meiner Meinung ist entscheidend welche Übersetzung man braucht (Rennrad ist eben kein MTB). Ob man also nur flach fährt oder in der Gegend auch Steigungen sind. Mein MTB mit 15 (3x5) Gängen fährt in der Praxis genauso gut wie das zweite MTB mit 21 (3x7) Gängen und das dritte mit 27 (3x9) Gängen, weil ich halt ähnliche Übersetzungen in Hamburg fahre. Eben nur mäßig schnell.

Man sollte aber vorsichtig in höheren Gängen anfahren. Habe schon miterlebt, wie einem anderen Radfahrer die Kette beim "Anfahren" auseinander flog.

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