Woher weiß ich, ob mein Schreib-/ Erzählstil im Roman gut genug ist?

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4 Antworten

Meine Leser sagen, (...) Aber ich bin vom grundauf selbstkritisch und nicht immer zu 100% zufrieden mit dem was ich mache (...)

Ja, das ist wirklich eine Krux. Man weiß nicht, ob man mit der Selbstkritik übertreibt oder ob die bisherigen Kritiker einfach zu schnell zufriedengestellt waren. Viel zu oft habe ich schon gesehen, dass Künstler für Werke, die (bereits handwerklich) nicht sonderlich gut waren, von anderen hoch gefeiert wurden. Prinzipiell würde ich mich an deiner Steller daher nur an Kritiken orientieren, die durch Verbesserungsvorschläge und Bewertungen mit nachvollziehbarer Begründung irgendwie weiterhelfen.

Während ich einen Moment der Trauer wirklich zu beschreiben zu versuche und aufzuzeigen, wie verzweifelt mein Protagonist ist, (...)

Es gibt da verschiedene Ansätze. Z.B. gibt es Geschichten, wo der Hauptcharakter bspw. äußerlich fast gar nicht beschrieben wird, um dem Leser einen eigenen Raum für eigene Fantasie zu bieten. Dem Leser etwas vorzusetzen, was bis ins kleinste Detail beschrieben oder durch unzählige Vergleiche verdeutlicht wird, langweilt. Irgendwann könnte er sich gar unterfordert fühlen oder der generelle Eindruck entsteht, der Autor würde ihm nichts zutrauen. Sofern zu bekannten Welten. Beispiele, wo eine genauere Beschreibung hingegen notwendig ist, finden sich in den Büchern von Karl May. Über mehrere Seiten hinweg beschreibt er Geysirebenen, den nahen Orient oder den Grand Canyon. Es sind wie Gemälde, die er in Textform heruntermalt.

Ein weiterer kritischer Punkt wäre der, dass die Art, wie eine Figur denkt, fühlt, und dies in ihrem Innenleben ausdrückt, authentisch und in gewisser Weise sympathisch sein sollte. Wenn die Figur sich in ihrer Gedankenwelt überdramatisiert (nervend) wiedergibt, könnte sie mir als Leser schnell unsympathisch werden.

Auf diesen Umstand hin könntest du deine Geschichten also einmal prüfen. 

Einen Zustand wie:

Dass ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand, musste mein Gegenüber wohl bemerkt haben (...)

muss dem Leser womöglich nicht näher erklärt werden. Jeder kann sich etwas darunter vorstellen. Bereits das Wort Nervenzusammenbruch ist eine Metapher.

Jetzt bin ich unsicher - woher weiß ich, ob ich gut genug bin?

Sammle weiter Kritiken, hole dir evt. Rat von einem Lektor(at) und schicke Skripte an Verlage. Dann erst wirst du es erfahren.

Gibt es einfach genauso viele Schreibstile, wie es zeichenstile gibt?

Es ist verwunderlich, dass du diese Frage stellst, sollte man doch annehmen, dass du bereits mehrere Bücher gelesen hast und dich selbst in einem gewissen Schreibermilieu herumtreibst.

Natürlich gibt es verschiedene Schreibstile. Die Methodik, wie man Situationen und Figuren beschreibt, aus welcher Perspektive man es tut, mit welchem Wortschatz man agiert, usw. - all dies sind Elemente, die einen eigenen Stil definieren, der sich im Übrigen laufend weiterentwickeln kann. Wenn du Werke von Tolkien oder King liest, wirst du außerdem merken, dass die ab und an ihren Stil absichtlich gewechselt haben. Der Geschichte wegen (Der Hobbit) oder weil sie einmal etwas neues ausprobieren wollten (Richard Bachmann).

(...) und da ich schon zwei Bücher (mehr aus Spaß an der Freude, weil es Fanfiktions waren) geschrieben (...)

Versuche am besten, mehr an komplett eigenen Geschichten mit eigenem Setting und eigenen Charakteren zu arbeiten. Ich denke es bringt dir mehr, da du dann öfter ein eigenes, authentisches Grundgerüst aufziehen musst. Zumal, solltest du eigene Bücher irgendwann veröffentlichen wollen, die Welt nicht noch einen weiteren Abklatsch von Tolkien, Dan Brown, o.a. benötigt.

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Wenn du willst, kann ich mal ein paar Texte von dir kritisieren und dir aufzählen wo du tatsächlich noch Verbesserungspotential hast.

Aber sei gewarnt: Ich kritisiere KollegInnen immer vernichtend und mit wenig bis keinem Lob. Es gibt nämlich nichts was besser hilft seinen Schreibstil zu verbessern.

Diese Art kritisiert zu werden, behagt nicht jeder/m ich bin schon beschimpft, verspottet, geblockt und ignoriert worden, aber wer sich auf diese Kritiken einlässt, konnte seinen/ihren Schreibstil dauerhaft verbessern.

Wenn du bereit bist dass deine Werke in der Luft zerfetzt werden, melde dich bei mir.

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Kommentar von TomrisGoekbal
21.03.2017, 01:01

Ich wünschte du könntest mich so hart an meinem Plot Kritisieren * □ * Bis jetzt immer nur Gelaber um den heißen Brei als Antwort bekommen...

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Kommentar von Kiba1601
21.03.2017, 01:25

Ich sag es so: ich kritisiere selbst gern. Konstruktiv, weil ich den Leuten die begangenen Fehler aufzeigen will und ihnen gern dabei zusehe, wie sie sich verbessern. Dabei bin ich immer höflich, sachlich und versuche zumindest einen gewissen Witz mit zu liefern. Wenn es etwas Gutes gibt, dann halte ich es für anständig, das auch zu sagen. 

Etwas derartiges würde ich mir auch von einem 'Testleser' wünschen, der sich mir annimmt. Ehrlich, konstruktiv und höflich. Worauf ich persönlich verzichten kann, ist, wenn man sich schon selbst als "Bullterrier von einem Testleser" beschreibt, der meine Texte in der Luft zerreißen will und mich vernichtend kritisieren will, dann - Pardon moi, nimm das nicht persönlich - aber das wirkt ziemlich abschreckend... Und wenig konstruktiv... 

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Wenn der Schreibstil passt und du dich damit gut fühlst und er denn Lesern auch gefällt, dann ist das super. Du musst deinen Schreibstil nicht an andere Autoren anpassen. Würden alle Autoren gleich schreiben, wäre es ja langweilig...

Ich finde es auch sehr schön, wenn tief in die Charaktere gegangen wird, aber das ist von Leser zu Leser unterschiedlich. Mach einfach weiter und gib nicht auf! Es ist zwar wahrscheinlich nicht einfach, einen Verlag zu bekommen, aber das schaffst du bestimmt..

Viel Erfolg! ;D

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Adalbert stifter und hemingway haben völlig unterschiedlich geschrieben. Ich schreibe selber auch. Ich nehme konstruktive kritik über meine schreiberei gerne an, aber zuletzt gilt mein eigenes urteil, egal was andere darüber meinen. Schreiben ist sehr individuel und muss ganz einfach zu dir passen! 

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Kommentar von Kiba1601
21.03.2017, 01:40

Das sind beruhigende Worte, die du mir da entgegen bringst. Ich hatte halt drei unterschiedliche Werke alle in der Perspektive des Ich-Erzählers und war überrascht, wie unähnlich sie meinem Stil sind, aber wie (in manchen Hinsichten) ähnlich sie zueinander sind...

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