Woher kommen die in Schlesien lebenden Polen?

3 Antworten

Westslawische Sprachen wurden schon länger als Deutsch in den östlichen Gebieten gesprochen, was man auch an den Ortsnamen erkennen kann. Die Namen von Schwerin, Berlin, Dresden, Leipzig (u.a.) sind allesamt slawischen Ursprungs. Auch in Schlesien, so ist z.B. Breslau abgeleitet von "Wratislawa" (vgl. Bratislawa in der Slowakei), der heutige polnische Name ist Wrocław.

Leipzig kommt z.B. von "Lipsk" (Linden-Ort).

Zu den wichtigen westslawischen Sprachen gehörten/gehören neben Altpolnisch auch Polabisch (heute ausgestorben) und Sorbisch, was früher weiter verbreitet war als heute. (und natürlich Tschechisch und Slowakisch)

Die Besiedlung der östlichen Gebiete durch Deutsche erfolgte durch die hochmittelalterliche Ostsiedlung etwa seit dem 12.Jahrhundert. Auf diese Zeit geht auch die Rattenfängersage von Hameln zurück, der Rattenfänger steht hierbei für die Anwerbung junger Menschen für die Ostsiedlung.

https://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalterliche_Ostsiedlung

D.h. schon zur Zeit von Nikolaus Kopernikus lebten polnischsprachige (oder sorbischsprachige) Menschen neben deutschsprachige Menschen in den östlichen Gebieten.

Vor dem Hochmittelalter überwogen dort westslawische Sprachen.

Aus der Zeit stammen wohl auch einige polnische Wörter im Deutschen wie etwa "Gurke", "Grenze", "Säbel" und "Stieglitz" (ein Vogel). Westslawisch sind auch ein paar Schimpfwörter wie "Halunke" oder "Lelek" (eigentlich im Polnischen der Vogel Ziegenmelker).

Nach 1945 wurden die meisten Polen, die in den polnischen Gebieten lebten, die dann zur damaligen Sowjetunion gehörten, in die ehemals deutschen gegenden umgesiedelt. Polen wurde also quasi nach "Westen" verschoben. Daher stammen die meisten im ehemaligen Schlesien lebenden Polen aus der Gegend, die heute zur Westukraine und Belarus gehört. Beispielsweise der Gegend um Lwiw (früher Lemberg).

Woher ich das weiß:Hobby – Andauerndes Interesse

Meine Familie wohnt da also heisst das dass meine Vorfahren aus Gegend Lwiw sein könnten?

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@Nephox

Lwiw habe ich nur erwähnt, weil es die bekannteste Stadt in der Gegend ist. Du musst mal eine Karte mit den polnischen Grenzen von vor 1940 nehmen. Alle Gegenden östlich der heutigen polnischen Grenze kommen da infrage.

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Von Experte OlliBjoern bestätigt

Sie bildeten schon immer den Grundstamm der schlesischen Bevölkerung.

Auszug aus Wikipedia:

"Die seit Ende des 10. Jahrhunderts andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Herzogtum Böhmen und dem Königreich Polen um die Vormachtstellung in Schlesien wurden erst 1137 mit dem Pfingstfrieden von Glatz beendet und ein eindeutiger Grenzverlauf festgelegt. Durch den Tod des polnischen Herzogs Bolesław III. „Schiefmund“ 1138 zerfiel Polen in einzelne Teilgebiete. Das Gebiet von Schlesien fiel an den ältesten Sohn Władysław. Er begründete das Herzogtum Schlesien und war Stammvater der Schlesischen Piasten. 1159 starb er im Exil im thüringischen Altenburg. Erst 1163 durften seine drei Söhne zurückkehren und das ihrem Vater entwundene Schlesien in Besitz nehmen. Im Zuge der Auflösung des für das Königreich Polen geltenden Senioratsprinzips erlangte das Herzogtum Schlesien, neben anderen polnischen Herzogtümern, de facto die politische Selbständigkeit."

Es war also ein polnisches Herzogtum.

"Erst dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Schlesien mit seinem größten Teil an Preußen, während der südliche Teil bei Böhmen verblieb und als Österreichisch-Schlesien bezeichnet wurde. Seit 1815 bildete der preußische Teil die Provinz Schlesien. Sie war von 1919 bis 1938 und von 1941 bis 1945 aufgeteilt in die Teilprovinzen Niederschlesien und Oberschlesien."