Sind die Deutschen Schlesier auch zum Teil Polen?

6 Antworten

Nicht nur Schlesien ist historisch ein Gebiet in dem slawische und germanische Bevölkerungsgruppen sich über die Jahrhunderte mischtsn, sondern der Raum des gesammten heutigen Ostdeutschlands, jenseits der Elbe, und alles, was jenseit der Oder liegt ohnehin.

Mach dir einfach mal den Spaß und nimm dir mal eine detailliertere Landkarte von Brandenburg, Sachsen und Meck-Pomm vor und schau mal nach, wie viele Städtenamen in diesem Gebiet du findest, die auf irgendwas mit "au", "ow" oder "itz" enden, was im westlichen Deutschland keine Entsprechung hat, dafür aber um so mehr im Osten, in Form der Anhängsel "ow" oder "ice".

Vor 2.000 Jahren waren diese Gebiete hauptsächlich von Bevölkerungen geprägt, die sprache und materieller Kultur nach ostgermanischen Gruppen zuzuordnen sind:

https://de.wikipedia.org/wiki/Germanen

im 9. und 10. Jahrhunder n. Chr. sind diese Räume westslawisch dominiert:

https://de.wikipedia.org/wiki/Slawen#/media/File:West_slavs_9th-10th_c..png

Daran wird die Überlagerung und Vermischung schon deutlich. Jetzt kommt aber noch etwas dazu, was gerne falsch verstadnen wird:

Die Begriffe "Kelten", "Germanen", "Slaven" etc. stellen mitnichten irgendwie streng abgrenzbare ethnische Einheiten dar, sondern sie sind in der Geschichtswissenschaft und in der Archäologie vor allem über ihre Sprache, Traditionen und materielle Kultur definiert, soweit das nachweisbar ist.

Will heißen, die Übergänge in den Definitionen sind ohnehin fließend und die völlig gleiche Menschengruppe, kann durch Änderung ihrer Lebensgewohnheiten vollkommen problemlos von einer Kategorie in die andere übergehen.

Deswegen sollte man mit dem Begriff "Vermischung" etwas aufpassen, denn der suggeriert, dass er verabsolutierbare unumstößliche Kategorien gäbe, nach denen zugeordnet werden könnte, wer nun zu welcher Gruppe gehört. Das ist aber nicht der Fall.

https://www.planet-wissen.de/kultur/mitteleuropa/polen_tourismus_und_kultur/pwieschlesien100.html

http://www.expolis.de/schlesien/texte/Michal_Lis__Die_Herkunft_.html

Da das Gebiet im Endeffekt schon immer Schmelztiegel war, kannst du davon ausgehen, dass sich die Leute vermischt haben.

Nach der Reformation war das vielleicht schwieriger, weil es die religiösen Unterschiede gab, aber das galt ja auch nicht für alle.

Die Kultur war (je nachdem welchen Zeitraum du meinst) unter den Preußen deutsch, bzw. preußisch dominiert.

Wir alle sind miteinander verwandt. Siehe hierzu die Sendung von Dirk Steffens "Reise der Menscheit" (ZDF, 01.06. 14:20). Was für einen Sinn haben die ewigen Fragen ob ich Deutscher, Russe oder Engländer in 1/2, 1/8 oder 1/16 bin? Ich bin MENSCH, homo und hoffentlich auch sapiens.

Nach der dritten polnischen Teilung 1795 gab es mehr als 120 Jahre keinen unabhängigen polnischen Staat. In nahezu allen an Preußen gefallenen Gebieten lebten deutsche und polnische Menschen vermischt durcheinander, was dann nach dem Ersten Weltkrieg zu den Problemen beim Grenzverlauf führte.

Nach der industriellen Revolution zogen aber auch hunderttausende Polen ins Ruhrgebiet, wo die rasant wachsende Schwerindustrie viele Arbeitskräfte brauchte. Deren Nachkommen assimilierten sich weitgehend, man merkt es heute nur noch an den dort häufig vorkommenden Familiennamen.

Mischehen wird es wohl auch gegeben haben, vielleicht etwas seltener als heute, da die Menschen damals stärker in ihrer Religion verwurzelt waren. Und die Preußen waren nun mal mehrheitlich protestantisch, die Polen hingegen mehrheitlich katholisch.

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