Wieso gibt es wenig traditionelle Karate-Dojos in Deutschland?

2 Antworten

Von Experte basiswissen bestätigt

Das "moderne Karate" - sowohl in Japan, als auch in Europa - lässt sich grob in zwei Richtungen untergliedern - "Sportkarate" und "Formkarate".

Im Sportkarate geht es um Kontakt-Wettkämpfe - Deutsche Meisterschaft, Europameisterschaft, Weltmeisterschaft, olympische Medaillen.

Im Formkarate kann es auch Wettkämpfe geben - nur geht es hier eben um die Durchführung der Kata, die dann von Schiedsrichtern bewertet wird.

Natürlich wird innerhalb eines Stils durchaus beides gelehrt, aber ein Schwerpunkt ist in der Regel meist zu sehen - spätestens an den ausgestellten Pokalen.

"Altes Karate", bei dem der Selbstverteidigungsaspekt größer ist und zum Teil sogar Gelenkhebel und Würfe Anwendung finden, ist dagegen weniger verbreitet.

Ein Grund dafür ist, das hier häufig keine Wettkämpfe stattfinden, was den Reiz für leistungsorientiere Trainierende, die Bestätigung suchen, eher mindert.

Zu den Trainingsmethoden

Japanische Künste und Handwerkstraditionen unterscheiden sich in ihrem pädagogischen Konzept völlig vom westlichen Verständnis der Wissensvermittlung.

Hier gibt es theoretische Erläuterungen, manchmal sogar historische Erklärungen:

"Wichtig ist, den Arm so zu strecken, dass die kinetische Energie erst..."

"Technik X wirkt heute wenig realistisch, tatsächlich ist sie auf den Gebrauch von Rüstungen zurückzuführen. Man musste also..."

In Japan gibt es diese Erklärungen nur sehr sparsam - hier wird von den Schülern erwartet, dass sie ihrem Lehrer die Techniken "stehlen".

Das bedeutet nichts anderes als "beobachten und nachahmen" - so lange, bis der Lehrer damit zufrieden ist, wie man seine Technik kopiert hat und durchführt.

Das gilt wie gesagt nicht nur für Kampfkunst, sondern z.B. auch für die Herstellung von buddhistischen Statuen durch Holzschnitzer.

Für Westler ist diese Methode häufig eher frustrierend - man meint eine perfekte Kopie der Technik vorgeführt zu haben und der Lehrer ist immer noch nicht zufrieden

Daher ist es meiner Ansicht nach durchaus sinnvoll, die Lehrmethoden den kulturellen Gegebenheiten anzupassen.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung – Seit 40 Jahren Training des Aikido.

Vielen Dank für den Stern. :-)

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In Deutschland wird das eher auf Schüler und Kinder ausgerichtet weil damit am meisten Geld verdient wird. Gibt zu wenig Erwachsene die das machen wollen.