Wie fandet ihr euren Fremdsprachenunterricht an der Schule?

24 Antworten

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Grundsätzlich liebe ich Sprachen und lerne sie gern.  In der Schule hatte ich Englisch, Französisch und Latein. Letzteres braucht man eher weniger, wenn man nicht gerade Fächer wie Geschichte oder Archäologie studiert; auch für Jura wird es wohl noch verlangt.

Ob der Unterricht gut ist, hängt von den Lehrern ab.  Wir hatte echt gute Lehrer, und wir hatten verbeamtete Schlaftabletten da vorn stehen.

Gerade Englisch ist ein Muss, und man kann sich dem nur schwer entziehen. Wenn man studiert, sind Englischkenntnisse unerlässlich, weil die allermeisten Fachbücher und -aufsätze, die auf Englisch oder sonstigen Fremdsprachen geschrieben werden, nur selten auf Deutsch übersetzt werden. (Und ehrlich gesagt fand ich es gerade bei meiner Diplomarbeit zur Südostasienkunde sehr viel angenehmer, englischeTexte zu lesen als das fürchterlich trockene deutsche Akademikergeschwafel.)

Im Bürojob sieht es so aus, dass viele Unternehmen international vernetzt sind.  Anfragen an alle Lieferanten z.B.  zur rechtlichen Konformität von Chemikalien werden nur einmal geschrieben und per Mausklick an alle Lieferatnen in der Outlook-Gruppe versandt.  Oft genug kommt es vor, dass diese Texte nicht zwei-, sondern einsprachig geschrieben werden.  Und das ist dann Englisch, auch wenn der Hersteller oder Handelspartner deutsch ist. 

Mit Englisch werdet ihr also ggf. früher, schneller und unerwarteter konfrontiert als es gerade Sprachmuffeln recht sein kann.

Englisch solltet ihr daher ernsthaft in der Schule betreiben, und auch wenn ihr keinen Englischunterricht mehr habt, solltet ihr eure Kenntnisse auf gutem Stand halten. Das Internet bietet reichlich Gelegenheit, Texte zu euch wirklich interessierenden Themen zu lesen - auf Englisch natürlich, und ein Online-Wörterbuch hat man im Tab im Fenster nebenan geöffnet.

Mit Französisch wird man weniger konfrontiert, wenn man es nicht möchte, ist aber nie auszuschließen.  Außerdem erhöhen weitere Sprachkenntnisse die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Englisch allein ist übrigens nichts Besonderes; mit einer zweiten gesuchten Fremdsprache ist man da schon interessanter.

Ich fand den Unterricht sehr abhängig von der Sprache und vom Lehrer.

Ich war an einem humanistischen Gymnasium, hatte aber der 5. Klasse Latein, ab der 7. Englisch und ab der 9. Altgriechisch.

Die beiden toten Sprachen und ich hatten wenig Freude aneinander. Das hatte verschiedene Gründe. Retrospektiv war das größte Problem sicherlich, dass wir nie Lernstrategien vermittelt bekamen. Vokabeln in den Schädel pressen, Grammatik oben drauf, Text lesen. Wenn man den Anschluss verlor, war man auch verloren. Teil des Problems war sicher auch, dass wir primär ins Deutsche übersetzt haben, ich mir aber viel leichter beim Lernen tue, wenn es Übungen in beide Richtungen gibt.

Englisch dagegen habe ich selten aktiv gelernt, die Sprache war im Vergleich zu den beiden alten Sprachen völlig unaufwendig, auch war man ja ständig von der Sprache umgeben. Musik, aktuelle Bücher, man findet leichter einen Bezug. Allerdings stand ich im Auslandssemster

Als Wahlunterricht hatte ich je ein Jahr Spanisch und Italienisch, allerdings an einer anderen Schule und nur einmal in der Woche. Das war stumpfer Frontalunterricht mit wenig Praxis und den immer gleichen Pseudo-Urlaubssituationen. Auch hier gab es keine vernünftigen Lernstrategien. Irgendwann in der Jahresmitte bin ich da auch nicht mehr hingegangen.

An der Uni habe ich ein Semester lang Neugriechisch gelernt. Der Unterricht war besser aufgebaut mit kleinen Gesprächen und Übungen.

In den letzten Jahren habe ich mir im Selbststudium Walisisch-Grundkenntnisse angeeignet, die allerdings inzwischen größtenteils verschütt gegangen sind. Da habe ich zum ersten Mal versucht, eine Rundumbespaßung zu erzeugen. Einfache Texte, Kinderbücher, Musik. Nachdem es für die Sprache nur wenige Lehrmaterialien gibt, habe ich allerdings irgendwann das Handtuch geworfen.

Vor einem Jahr habe ich mit Italienisch im Selbststudium begonnen, das lief hervorragend. Durch die 7 Jahre Latein hatte ich viele Anknüpfpunkte, ein längerer Aufenthalt in einer sizilianischen Familie Mitte der 90er hat da auch noch nachgewirkt. Ich habe mir gutes Lehrmaterial besorgt, war motiviert, habe mich mit der Sprache umgeben: Bücher, Musik, Filme und Serien, Übungsmaterial usw. So effektiv habe ich vermutlich noch nie eine Sprache gelernt. Nach 7-8 Monaten hatte ich passiv ein stabiles B1-Niveau erreicht (aktiv hinke ich mangels Praxis hinterher), das ich jetzt erstmal festige, bevor ich weitermache.

Mein Fazit: Je intensiver ich mich mit einer Sprache beschäftige, je ganzheitlicher ich die Sache angehe, desto effektiver lerne ich.

Was nun ein paar deiner Ideen betrifft:

Aber wahrscheinlich geht es vor allem um den Lehrplan: weniger Shakespeare, mehr Chat...

Mal ernsthaft: Bevor man eine Sprache massakriert, sollte man sie erstmal beherrschen. Ich finde es durchaus sinnvoll, zumindest in der Schulzeit Klassiker zu lesen und ein bißchen was für die eigene Bildung zu tun. Klar, daran hat nicht jeder Spaß, aber das gilt letztlich für alle Fächer.

Sinnvoller wäre dann in meinen Augen, sich mehr mit Akzenten und Dialekten zu beschäftigen, damit man eine Chance hat, auch die Muttersprachler zu verstehen, die nicht so klingen wie die gemütlich redenden Leute auf den Lern-CDs.

Man könnte sich aber auch Blockunterricht statt einzelnen Stunden überlegen...

Die durchschnittliche Aufnahmefähigkeit eines Menschen sackt schon nach 30 Minuten ab, nach 1,5 Stunden ist bei den meisten Schluss. Es hat also schon seine Gründe, weshalb Schulstunden sich an diesen Rahmen halten. Blockunterricht hat meist nur dann Sinn, wenn das Thema abwechslungsreich ist, ein Zwang besteht oder die Motivation hoch genug

Oder: Fremdsprachen à la carte, jeder lernt das, was er braucht, was
ihn interessiert, der eine über Pferde, der andere über Autos, etc.

Mal ernsthaft, welcher Schüler kann denn bitte einschätzen, was

langfristig für ihn wichtig ist? Manches Grundwissen ist unabdingbar und

man kann nicht immer nur in der Wohlfühlzone leben.

Englisch habe ich in der Schule gelernt - am Anfang hat es mir noch Spaß gemacht, aber die Lehrerin wurde im Laufe der Zeit immer verknöcherter und unausstehlicher. Später haben wir einen echten Engländer bekommen, bei dem hat der Unterricht das erste Mal Spaß gemacht. In der Oberstufe hatte ich einen recht engagierten Lehrer, der vielleicht nicht so besonders fähig war - aber da hatte ich schon die englische Literatur für mich entdeckt und dadurch mehr Englisch gelernt als in der Schule.

Wir mussten uns zwischen Latein und Französisch entscheiden - da man mit einer mathematischen Begabung (trifft bei mir zu) angeblich besser mit Latein zurechtkommt, war meine Wahl klar. Aber gut war ich nie - ich habe nie Lust gehabt, seitenweise Flexionstabellen und Vokabellisten auswendig zu lernen.

Interessehalber habe ich später Französisch dazugewählt (Wahlpflichtfach), aber nur wenig gelernt - der Lehrer hatte keine Autorität, wir sind während des Unterrichts z. T. buchstäblich über die Tische gelaufen. Wenn die Note nicht versetzungsrelevant gewesen wäre, hätte ich den Kurs weiter belegt - das Lernen von Sprachen (als solches) hat mir schon immer Spaß gemacht.

Es wurden auch AGs zu Niederländisch, Russisch usw. angeboten - davon hätte ich das eine und andere wahrgenommen, wenn es nicht noch mehr Termine und noch mehr Zeitaufwand bedeutet hätte ;-(

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Nach der Schule habe ich dann noch weitere Sprachen gelernt, meist an der Uni ("Veranstaltungen für alle Fachrichtungen" o. ä.) - war ähnlich wie in den Schul-AGs, meistens vergleichsweise kleine Gruppen.

Wenn es nicht so schwierig wäre, daran zu denken, würde ich ab und zu eine CD mit Fremdsprachenkursen im Hintergrund laufen lassen. Auch dabei lernt man einiges, besonders, wenn der Kurs auf exakt dieses Szenario ausgelegt ist.

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Der Fremdsprachenunterricht in der Schule nützt auf jeden Fall - das Gehirn wird in seiner flexiblen Phase darauf eingestellt, dass es mehr als eine Möglichkeit gibt, Sachverhalte auszudrücken. Ohne das wäre es im Erwachsenenalter fast unmöglich, eine weitere Sprache zu erlernen.

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Englisch brauche ich in meinem Job (IT-Bereich) fast täglich - hauptsächlich passiv (lesen), aber auch aktiv (schreiben); auch wenn es in meiner aktuellen Arbeitsstelle nicht unbedingt erforderlich ist, Dokumentationen auf Englisch zu verfassen, so will ich mir diese Fähigkeit auf jeden Fall erhalten.

Für die Englische Literatur des 19. Jhd. sind Grundkenntnisse in Französisch fast ein Muss, wenn man nicht bei jeder 2. Seite in den Anmerkungen nachsehen will. (Auch bei Dostojewski - wenn ich den auch auf Deutsch lese, da meine - zudem eingerosteten - Russischkenntnisse bei Weitem nicht ausreichen).

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Wie man den Fremdsprachenunterricht am besten gestaltet? - Nun, hier gibt es viele verschiedene Modelle und viele verschiedene Lerntypen.

Der wichtigste Faktor dürfte aber eine Lehrkraft sein, die sowohl die Sprache als auch ihre Schüler liebt, dann ist die Methode zweitrangig.

Nach meinen persönlichen Erfahrungen sind am Anfang einzelne Wörter wesentlich sinnvoller als komplette Sätze, die man sich dann phonetisch merken muss. Am besten auch möglichst nicht mit Wörtern mit unbekannten Lauten anfangen. (Ich erinnere mich noch - mit Unmut - an die ersten Sätze in Englisch und Französisch, die wir jeweils reihum zu wiederholen hatten, und das in der allerersten Unterrichtsstunde: "The First Steps", "Pardon, Monsieur, où est la Place de l'Opera?")

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Zur Anzahl: Zwei Fremdsprachen an der Schule sollten schon Pflicht sein, von denen sollte im Zweifel aber nur eine versetzungsrelevant sein (OK, ich bin ein Phantast). Es sollte aber von der Zeit und der Kraft her möglich sein, wenigstens vier Sprachen zu lernen.

Welche: Das war in den Besatzungszonen ziemlich klar und auch sinnvoll, später hat es sich aus Tradition fortgesetzt, war aber m. E. nicht ganz daneben, da Englisch, Russisch und Französisch auch weit verbreitet waren/sind.

Da Englisch sich z. Z. als "lingua franca" in Wissenschaft und Technik durchgesetzt hat, kommt sie natürlich in die engste Auswahl. Französisch als Sprache der Diplomatie (falls sie das noch ist) ebenso.

Vielleicht noch Esperinto (pardonu, Esperanto, kompreneble) als am wenigsten unverbreitete, extrem leicht zu erlernende und leicht erweiterbare Kunstsprache als Zusatzangebot.

"The First Steps", "Pardon, Monsieur, où est la Place de l'Opera?"

Au weia... :-)))

Aber - du kannst sie noch :D

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@latricolore

Offensichtlich nicht - hab doch glatt den Akzent in Opéra vergessen.

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