Welches Atom wird bei Molekülen zuerst genannt?

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4 Antworten

Ich hab folgende Frage: und zwar woher weiß ich, wenn ich z.B. die
Lewis-Formel von Wasser habe, dass es Diwasserstoffmonooxid ist und
nicht Monooxiddiwasserstoff?

Der systematische Name für Wasser ist weder einer der von dir genannten noch Dihydroniummonoxid, sondern Oxidan. Und dies weiß man, wenn man http://www.iupac.org/fileadmin/user_upload/databases/Red_Book_2005.pdf durchgeackert hat.

Ich weiß dass das jetzt ein sehr einfaches Beispiel ist aber trotzdem zeigt es, was mein Problem ist.

Sicher? Eher zeigt dies, daß Wissen nicht systematisch vermittelt wird.

Ich hoffe es kann mir jemand in einfachen Sätzen weiterhelfen.

Leider nein.

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Normalerweise basiert der Klarname auf der Summenformel (also in dem Fall auf H2O). Bei der Summenformel benutzt man das Hill-System. Also zuerst Kohlenstoff, dann Wasserstoff und dann alle anderen Stoffe alphabetisch.

Also H2O = Dihydrogenmonoxid. (Google mal nach DHMO, das hat mal eine Verschwörung ausgelöst, ist echt witzig zu lesen)

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Kommentar von Sommerwind99
27.06.2016, 16:11

Asooo ist das jetzt kapier ichs😊 vielen lieben Dank für die schnelle und gut erklärte Antwort👍🏽👍🏽👍🏽👍🏽

Das werd ich gleich mal googeln🙈

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Kommentar von Sommerwind99
27.06.2016, 16:15

Und wie ist es bei Magnesiumchlorid weil da ist ja MgCl2 und Cl kommt alphabetisch vor Mg

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Moin,

also, die Formelschreibweise ist etwas komplizierter, als von daCypher angegeben.

Für anorganische Substanzen gilt zunächst einmal, dass man die Formel stets mit dem elektopositiveren Bindungspartner beginnt (das ist der Bindungspartner, der die kleinere Elektronegativität, EN, hat), zum Beispiel

NaCl (weil EN von Natrium: 0,9, während EN von Chlor: 3,0) oder
Al2O3 (weil EN von Aluminium: 1,6; EN von Sauerstoff: 3,5)...

Eine Ausnahme von dieser Regel bilden manche Wasserstoffverbindungen. Zwar stimmt das oben Gesagte zum Beispiel bei den Metallhydriden oder bei Wasser noch, aber zum Beispiel nicht mehr beim Ammoniak, NH3, oder bei Silan, SiH4. Bei solchen Stoffen gilt die Regel, dass der Wasserstoff stets zuletzt in der Formel auftaucht. ABER: Auch hier gibt es eine Ausnahme von der Regel. Handelt es sich bei dem Stoff nämlich um einen, der Protonen (H^+-Ionen) abgeben kann (im Volksmund spricht man dann auch von "Säure"), so wird der Wasserstoff in der Formel als erstes genannt. Zum Beispiel

HF (Flusssäure; Fluorwasserstoff; Hydrogenfluorid), HCl (Salzsäure; Chlorwasserstoff; Hydrogenchlorid), HNO3 (Salpetersäure; Hydrogennitrat), H2SO4 (Schwefelsäure; Dihydrogensulfat), H3PO4 (Phosphorsäure; Trihydrogenphosphat)...

Bei organischen Substanzen wie Kohlenwasserstoffen sucht man dagegen zunächst den Stammnamen (die längste unverzweigte Kohlenstoffkette) und stellt dann diesem Stammnamen die Verzweigungen alphabetisch geordnet voran (wobei Zahlenpräfixe wie "di-", "tri-", "tetra-"... nicht berücksichtigt werden). Auch Fremdatome als Bindungspartner sollen alphabetisch geordnet werden. Doch kommt hier etwas ins Spiel, wogegen die Wächter über Benennungen und Formeln (die Chemiker der IUPAC) manchmal völlig machtlos sind, nämlich der "Volksmund". So machte sich in der Presse einst das Schlagwort "FCKW" breit. Damit meinte man Kohlenwasserstoffe mit gebundenen Fluor- und Chloratomen, welche die fatale Eigenschaft besitzen, in der Atmosphäre bis zur Stratosphäre hinauf zu wandern und dort mit den Ozon-Molekülen zu reagieren und so die Ozonschicht auszudünnen (Stichwort "Ozonloch"). Wie gesagt, in der "halbgebildeten" populärwissenschaftlichen Presse wurde stets von "FCKW" gesprochen (möglicherweise, weil das ausgesprochen "griffiger" oder "schöner" klingt als "CFKW"), aber nach Benennungsvorschriften wäre "CFKW" korrekter gewesen, weil "C" im Alphabet vor "F" kommt. Das soll dir zeigen, dass es zwar Regeln gibt, aber falsche oder besser gesagt, unklare oder regelignorierende Namen, die sich einmal "eingebürgert" haben, trotzdem die Oberhand gewinnen können. Sie werden dann oft als "Trivialnamen" beibehalten. Übrigens ist auch der Begriff "Wasser" solch ein Trivialname, denn chemisch müsste das korrekt "Dihydrogenoxid" heißen. Aber wenn du zum Beispiel in einem Restaurant zum Ober sagst, du hättest gern etwas "Dihydrogenoxid", dann würde der wahrscheinlich annehmen, dass du Drogen kaufen möchtest und dich ins Bahnhofsviertel schicken... Aber jetzt bin ich irgendwie vom Herleiten einer Formel zur Benennung von Formeln abgeschweift.

Fazit: Eigentlich sollte es so sein, dass aus Benennungen genau eine Formel hervorgeht. Aber es gibt oft Ausnahmen. Relativ gut fährst du wohl mit folgender Herangehensweise:

In Formeln anorganischer Stoffe (Salze, Säuren, Laugen...) wird zuerst das elektropositivere Element geschrieben; es gibt ein paar Ausnahmen bei Wasserstoffverbindungen, wo der Wasserstoff stets zuletzt genannt wird. Ist der Wasserstoff allerdings azide (gehört er also zu einer Säure), wird er stets zuerst angegeben...
Organische Verbindungen setzen sich aus einem Stammnamen zusammen, bei dem Verzweigungen oder Fremdatome in alphabetischer Reihenfolge vorangestellt sind (zum Beispiel 5-Chlor-3-ethyl-5,6-dimethyl-6-propyldecan, weil alphabetisch "C" vor "E" vor "M" vor "P" kommt. Beachte, dass das Zahlenpräfix "di-" aus "dimethyl" bei der Benennungsreihenfolge nicht berücksichtigt wird.

Es gibt sehr viele Regeln und Benennungsvorschriften. Allein für organische Verbindungen ist das ein buchschwerer Katalog. Ich weiß nicht, wofür du das brauchst, aber wenn es um schulische Belange geht, dann ist es fast leichter, solche Formeln wie Vokabeln einer Sprache einfach auswendig zu lernen...

Lieber Gruß von der Waterkant.

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Bei anorganischen molekular gebauten Stoffen kommt das elektronegativste Element meist hinten, also ist OF₂ Sauerstoff­difluorid aber Cl₂O Chlordioxid. Oder SF₆ Schwefelhexafluorid oder KrF₂ Kryptondifluorid oder Mn₂O₇ Dimangan­heptoxid oder Berylliumhydrid BeH₂.

Viele haben aber komische Namen wie PSCl₃ Thiophosphorylchlorid (POCl₃ wäre Phosphorylchlorid, obwohl O elektronegativer als Cl ist) oder NI₃, das praktisch niemand Iodnitrid nennt, sondern das üblicherweise Iodstickstoff oder Stickstofftriiodid genannt wird.

Wenn der Stoff näherungsweise ionisch gebaut ist, dann nimmt man immer die Namen der Ionen. Also ist Al(OH)₃ Aluminiumhydroxid weil OH⁻-Ionen, aber B(OH)₃ ist Borsäure und I(OH)₆ ist Orthoperiodsäure (keine OH⁻-Ionen).

Also wie immer: Regeln, an die sich keiner hält, und der Dumme ist der Student, der sich alles merken muß.

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Kommentar von indiachinacook
27.06.2016, 17:59

Sorry, Cl₂O ist natürlich Dichlormonoxid, und ClO₂ wäre Chlordioxid (die gibt es wirklich beide, die Natur ist eben manchmal komisch).

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Kommentar von cg1967
29.06.2016, 10:19

aber B(OH)₃ ist Borsäure

Schreibt jemand die wirklich so? Als ich dies mal gelesen habe hielt  ich es für einen Witz, da ja H₃BO₃ dem Aufbau deutlich näher kommt.

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