Das kann man nicht so sagen — „Bindungsstärke“ ist eine komplizierte Sache, weil sie nicht nur von der Wechselwirkung zwischen den beiden Atomen, sondern auch von der Stabilität der entstandenen Fragmente abhängt. So ist z.B. die C–C-Bindung im Ethan stärker als im 2,2,3,3-Tetramethylbutan, einfach deshalb, weil das Frag­ment CH₃ viel instabiler ist als C(CH₃)₃.

Und auch die Wechselwirkung hängt auch von viel mehr ab als der Elektro­nega­ti­vitäts­­­differenz, sonst würde Kohlenstoff ja nicht so stabile Ketten bilden. Bor (2.0) und Was­serstoff (2.1) haben sehr ähnliche Elektronegativitäten, und trotzdem gibt es un­zählige Bor­wasser­stoff­verbin­dun­gen, aber mit dem Aluminium (1.61) mag der Was­ser­stoff nicht so recht. Da kommen alle möglichen Effekte zum Tragen, manche so ein­fach wie Atom­größen, andere dagegen quantenmechanisch und kompliziert.

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Wir haben eine 0.003 mol/l HClO₄, also c(H₃O⁺)=0.003 mol/l bzw. pH=2.52.

Als erstes schreiben wir die Reaktionsgleichung für die Gesamtdissoziation des H₂S auf — wir interessieren uns ja nicht für das HS⁻, sondern nur für S²⁻.

H₂S + 2 H₂O ⟶ 2 H₃O⁺ + S²⁻        

Da H₂S eine schwache Säure ist und (besonders in einer von vorneherein sauren Lö­sung) nur wenig dissoziiert, können wir für c(H₂S) den Wert 0.1 mol/l verwenden und brauchen für c(H₃O⁺) nur den Anteil der Perchlorsäure c(H₃O⁺)=0.003 mol/l zu be­rück­sichtigen. Also erhalten wir:

Jetzt rechnen wir uns die Ionenprodukte für unsere beiden Sulfide aus: Die Metall­ionen legen ja beide in der gleichen Konzentration 2⋅10⁻⁴ mol/l vor, also ist das Ionen­produkt für beide c(S²⁻)⋅c(Me²⁺)=1.7⋅10⁻²⁰ mol²/l².

Für das Cu²⁺ (Kₛₚ=8⋅10⁻³⁷ mol²/l²) wird das Löslichkeitsproduk also überschritten (weil IP > LP), und CuS wird ausfallen; für das Mn²⁺ (Kₛₚ=3⋅10⁻¹⁴ mol²/l²) finden wir aber IP < LP, also bleibt Mn²⁺ in Lösung.

(Rechne bitte genau nach, ich bin aktuell sehr fehleranfällig, und daher sind Kata­strophen) vom Typ 2+2=500 leicht möglich)

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Ja, das Oxidationspotential ist das Negative des Reduktionspotentials und umgekehrt.

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DS 9

Ich ziehe DS9 vor, allerdings ist es ein knappes Rennen, weil beide Serien sehr gut sind. DS9 hat die besseren production values, die besseren Schauspieler und die etwas besseren Charaktere, B5 punktet mit der besseren Story und der aus­gezeich­neten Entwicklung, in der die Geschichte vom Pilot bis zum Ende konsistent und ohne zu viele Brüche, Retcons oder dei ex machinae erzählt wird. Das sollte B5 ei­gent­lich zur besseren Serie machen, aber der Vorteil wird teilweise durch Schwie­rig­keiten bei der Produktion neutralisiert.

B5 war chronisch unterfinanziert, und das merkt man. Zweimal wurden wichtige Cha­raktere (Sinclair und Lyta) durch andere ersetzt, wie wie ihre Zwillinge wirken (She­ri­dan und Talia, die dann später doch wieder Lyta weichen mußte), und einige Fäden bleiben unverbunden. Am schlimmsten ist, daß die auf fünf Staffeln an­ge­leg­te Geschichte auf vier gekürzt wurde, weil die fünfte Staffel auszufallen drohte. Da­her ist die vierte Staffel ein bißchen übervoll (und endet mit der Besten Abschluß­folge Aller Zeiten); ironischerweise gab es dann aber doch noch eine fünfte Staffel, und die wirkt dann vergleichsweise leer und antiklimaktisch. Trotzdem gelangen Genie­streiche wie die vermutlich beste „Doppel“folge der SF-Geschichte (Babylon Squared und War Without End), und die dritte Staffel ist durchgehend spektakulär.

Die Hauptschwäche bei DS9 ist der inkohärente Fokus: Zuerst geht es um den Kon­flikt zwischen Bajor und Cardassia, dann kommt das Dominion und der sehr schön lang­sam aufgebaute Krieg mit all seinem Horror (und dem Meisterwerk In the Pale Moon­light) und dem guten, aber offenbar aus Quotengründen hineingefummelten klin­go­ni­schen Material. Am Ende geht es dann aber plötzlich zum guten Teil um Re­li­gion, mit den immer erratischer gezeichneten Propheten und den stets un­be­frie­di­gen­den Pah-Geistern.

Beide sind wirklich sehr sehenswert.

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Du hast Recht: Ein Rassist ist bekanntlich jemand, der Menschen je nach „Rasse“ unter­schiedliche Eigenschaften zuordnet oder unterschiedliche Rechte zugesteht. Erschwerend kommt dazu, daß jeder Rassist ein unterschiedliches Konzept von „Rasse“ verwendet, eine verbindliche Definition gibt es dazu ja nicht.

Wer also sagt: „Nur Schwarze dürfen Νеgеr sagen“, der leidet selbst am Rassismus.

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Machst Du Witze? Zur Formel C₅H₁₀O gibt es unzählige Strukturen, nämlich Alde­hyde, Ketone, ungesättigte Alkohole, cyclische Alkohole, ungesättigte Ether (auch Enolether), heterocyclische Ether, Ether mit Cycloalkylresten und wahr­schein­lich noch irgend­welche anderen Strukturen, an die ich jetzt nicht denke; Carbonsäuren sind nicht möglich, weil die ja zwei O-Atome zur COOH-Gruppe brauchen.

Ohne viel nach­zu­den­ken, komme ich auf üer 50 Strukturisomere, von denen viele auch noch geometrische Isomere haben. Aus Platzgründen schreibe ich sie Dir nur in geraffter Form auf:

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Eine Säure (im Sinne von Brønstedt ist ein Stoff, der in einer chemischen Reaktion H⁺ auf den Reaktionspartner übertragen kann. Eine Säure muß also zumindest ein H-Atom enthalten, dann können wir das allgemein HX schreiben.

Von starken und schwachen Säuren spricht man vor allem in wäßiger Lösung, der Re­aktionspartner ist dann also ein H₂O-Molekül, das ein H⁺ aufnimmt und zu H₃O⁺ wird.

HX + H₂O ⟶ X⁻ + H₃O⁺

Wenn die Reaktion vollständig abläuft, also praktisch keine HX-Moleküle übrig­blei­ben, dann spricht man von starken Säuren, beispiele sind HCl oder CH₃SO₃H oder CF₃COOH. Von schwachen Säuren spricht man, wenn nur wenige HX-Moleküle mit dem Wasser reagieren und daher fast alles als HX übrigbleibt, z.B. CH₃COOH oder H₂S. Dazwischen liegen die mittelstarken Säuren wie H₃PO₄.

Allerdings ist das in der Praxis nicht so einfach, weil bei hoher Verdünnung nach dem Le-Chatelier-Prinzip ein größerer Anteil der HX-Moleküle deprotoniert, also sein Proton aufs Wasser überträgt. So ist z.B. Essigsäure CH₃COOH bei Konzentrationen unterhalb von 10⁻⁵ mol/l stark.

Eine andere Komplikation sind mehrbasige Säuren. So ist die erste Dissoziations­stufe der H₂SO₄ stark, die zweite aber mittelstark — genauer kann man auch sagen, daß das Produkt der ersten Deprotonisierung, das Hydrogensulfat HSO₄⁻, selbst eine mittelstarke Säure ist.

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Stoffe sind leitfähig, wenn es darin geladene und frei bewegliche Teilchen gibt. Da Brom bei Raumtemperatur eine Flüssigkeit ist, wäre die Beweglichkeit kein Problem, aber es gibt keine Ladungsträger.

Als Ladungsträger kommen Elektronen in Metallen und Ionen in Salzlösungen oder geschmolzenen Salzen in Betracht, aber Brom besteht aus neutralen Br₂-Molekülen, daher hast Du Pech gehabt, und flüssiges Brom leitet nicht.

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Ich glaube nicht, daß es ein CH₃Cl₂ geben kann, weil fünfbindiger Kohlenstoff extrem exotisch ist und soviel ich weiß nur bei Kationen wie CH₅⁺ vorkommt. Allenfalls wäre ein van-der-Waals-Komplex aus CH₃ und Cl₂ denkbar, aber für solche Vögel gibt es keine Lewis-Formeln, weil keine echte chemische Bindung vorliegt.

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Es gibt zwei Eisensulfate, FeSO₄ und Fe₂(SO₄)₃, aber glücklicherweise hast Du dazu­geschrieben, welches Du meinst. Trotzdem hat die Frage ihre Tücken.

Die molare Masse M(FeSO₄)=151.91 g/mol, also n=m/M=0.263 mol. Das sieht ein­fach aus, vielleicht erwartet Dein Lehrer auch diese Antwort, aber sie ist trotzdem un­brauch­bar, weil Eisen(II)sulfat mit sieben Mol Kristallwasser kristallisiert („Hepta­hydrat“) und nur in dieser Form handelsüblich ist.
Daher ist M(FeSO₄ ⋅ 7 H₂O)=260.00 g/mol, und n=m/M=0.154 mol.

Man kann auch andere Hydrate herstellen; das Monyhydrat ist sogar einigermaßen beständig, aber das sind eher seltene Exoten.

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Der Energieerhaltungssatz besagt, dass Energie weder vernichtet noch erzeugt, sondern nur verwandelt werden kann

Ja, so lernt man es in der Schule. Aber selbst mittelprächtig exotische Physik wie z.B. ein expandierendes Universum reicht aus, daß der Energiesatz nicht mehr angewendet werden kann. Noch viel weniger galt er beim Urknall selbst (höchstgradig exotische und vollkommen unverstandene Physik).

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Unvollständige Verbrennung läßt sich praktisch nicht steuern. Du hast grundsätzlich drei Reaktionen:

C₄H₈O + 1½ O₂ ⟶ 4 C + 4 H₂O
C₄H₈O + 3½ O₂ ⟶ 4 CO + 4 H₂O
C₄H₈O + 5½ O₂ ⟶ 4 CO₂ + 4 H₂O

und alle drei laufen irgendwie gleichzeitig nebeneinander ab, so daß mehr oder min­der jedes Mischungsverhältnis von C, CO und CO₂ herauskommen kann. Das hängt dann von feinen Details wie der Geometrie des Verbrennungsprozesses, den Tem­pe­ra­tu­ren in je­dem Punkt der Flamme und den Strömungen innerhalb der Flam­me etc. ab, weil sich C, CO und CO₂ je nach Temperatur und relativen Konzentrationen auch nach ih­rer Bil­dung noch ineinander umwandeln oder mit einem verirrten Sauerstoff-Mo­le­kül re­agieren können.

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Sprache ist unstrittig viel älter als 15000 Jahre, also gab es damals sehr wohl Spra­chen, wahrscheinlich sehr viele verschiedene, von denen de meisten ohne heute le­ben­­de Nachfolger ausgestorben sind. Andererseits hatte natürlich jede heute ge­spro­che­ne Sprache einen damals lebenden Vorläufer. Andererseits haben viele Sprachen ge­mein­­sa­me Vorläufer, z.B. Deutsch, Hehitisch, Russisch, Persisch, Französisch und Irisch wa­­ren bereits vor 6000 Jahren, und noch viel mehr vor 15000 Jahren, eine ein­zi­ge Spra­­che. Vor 15000 Jahren gab es n Asien, Europa und Afrika vermutlich nur ei­ne Hand­­voll Sprachen mit heute lebenden Nachfahren.

Andererseits kennen wir eine der damals gesprochenen Sprachen sogar ein bißchen, näm­lich Proto-Afroasiatisch. Das ist die älteste Sprache, die rekonstruiert wurde, und sie paßt ungefähr zu Deiner Zeitangabe. Über ihr Vokabular und ihre Grammatik gibt es zu­min­dest be­grün­dete Vermutungen, die aus dem Studium ihrer Nachfahren (z.B. Ara­bisch, Ak­ka­disch, Hebräisch, Ägyptisch, Hausa, Tuareg-Sprachen etc.) gewonnen wurden.

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Das griechische Wort γνῶσις gnõsis bedeutet ‘Wissen’. Ein Agnostiker ist also je­mand, der nicht weiß, sich dieses Unwissens aber bewußt ist; er akzeptert aber, daß er ent­we­der grundsätzlich oder zumindest gegenwärtig nicht an Wissen kommen kann, und da­her ohne auskommen muß.

Meist verwendet man das Wort in Bezug auf Religion: Wenn jemand nicht glaubt, daß man überhaupt etwas über Gott herausfinden kann, oder zumindest, daß er kei­ne glaub­hafte Information darüber hat, dann ist er ein Agnostiker. Ein Agnostiker kann z.B. sagen „Solange Gott nicht selber an meine Haustür klopft oder ihren Na­men in Rosarot auf den Himmel schreibt, gehe ich davon aus, daß sie nicht ex­is­tiert“.

Manchmal verwendet man das Wort auch situationsbezogen, wenn jemand nicht weiß, welches von mehreren Szenarien zutrifft und sich so verhält, daß er in jedem Szenario keine großen Fehler macht; diese Verwendung ist aber im Englischen häu­figer als im Deutschen.

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2 Ag⁺ + R–CO–H + 3 OH⁻ ⟶ 2 Ag + R–CO₂⁻ + 2 H₂O

Es entsteht also aus dem Aldehyd ein Carboxylat-Ion, dafür wird aus dem Ag⁺ metal­lisches Silber.

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HCl + NaOH ⟶ NaCl + H₂O

Du rechnest über die Stoffmengen (n=c⋅V): Du hast 1 mmol HCl und 0.3 mmol NaOH, die reagieren zu 0.3 mmol NaCl (das spielt für den pH keine Rolle), und es bleiben 0.7 mmol HCl übrig. Das Gesamtvolumen beträgt nun 13 ml, also ist die Konzentration der HCl c=n/V=0.0538 mol/l Da HCl eine starke Säure ist, gilt pH=−lg(c)=1.27.

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I ⟶ I⁺ + e⁻

Das ist die erste Ionisierungsenergie des Iods, wenn ich danach google, finde ich ei­nen Zahlenwert von 10.4513 eV bzw. 1008 kJ/mol. Bei einer solchen Reaktion sollte aus dem Bauch heraus ΔE≈ΔH≈ΔG gelten, also kann man das nach ΔG=−zFE um­rech­nen und erhält E=−10.4 V — da Du die Reaktion als Oxidation und nicht wie üb­lich als Re­­duk­tion angeschrieben hast, kommt das ungewohnte Vorzeichen heraus.

Die Sache hat aber einen großen Haken: Dieses Potential gibt für unsolvatisierte Ionen in der Gasphase und ist ziemlich sicher nicht das, was Du willst (deshalb ist auch der Zahlenwert so außerirdisch). Vermutlich willst Du das I⁺ als Intermediat in ir­gend­einer Sup­pe, oder in der Gasphase als vdW-Kom­plex haben, und da sind die obi­gen Zah­len bestenfalls Ausgangswerte für weitere Rechnungen.

Mein Holleman–Wiberg von 2017 schreibt zunächst über I₂⁺, I₃⁺, I₅⁺, I₁₅³⁺ und I₇⁺ und kommt dann zum Thema I⁺

Es sieht also so aus, als ob Du im Regen stehen bleibst bzw. unter Deinen Bedin­gun­gen die relativen Stabilitäten von I und I⁺ selbst messen oder quantenchemisch be­rech­nen mußt.

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Anionen sind deutlich größer als die Atome, aus denen sie sich bilden — das liegt an der Elektron–Elektron-Abstoßung, die in Anionen wegen des überschüssigen Elektrons natürlich besonders stark ist.

Bei Kationen ist es umgekehrt: Die sind kleiner und kompakt, und natürlich umso klei­ner, je mehr Ladungen das Atom trägt. Der Effekt ist am stärksten, wenn man dabei die äußerste Schale komplett entleert.

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