Meiner Meinung nach hast Du den richtigen Ansatz: Da wir nicht wissen, was die Technik in 200 Jahren kann, gehen wir zwei Jahrhunderte zurück und fragen uns, was die Leute damals mit unserer Technik anfangen könnten, wenn ihnen etwas davon durch eine temporale Anomalie in die Hände fällt. Du hast zwei Beispiele gebraucht, ein Solarpanel und ein Smartphone, und die werde ich beide durchdenken.
Fangen wir mit dem Solarpanel an. Elektrizität aus elektrochemischen Quellen war bereits ein Vierteljahrhundert bekannt, Stromstärke und Spannung konnten gemessen werden, und das Ohm’sche Gesetz lag schon in der Luft (es wurde 1827 publiziert). Sobald die Leute das Panel an die Sonne halten, können sie also messen, daß Strom fließt, und das würde ihnen wie ein Wunder vorkommen. Wahrscheinlich würden sie sich wünschen, mehr von solchen Geräten zu haben, denn Elektrizität war in den 1820ern zwar kein Haushaltsgut, aber in der Wissenschaft war das anders, z.B. war Elektrolyse vor Metallgewinnung eine Standardmethode, und es gab auch schon experimentelle Gleichstrommotoren oder Telegraphen-Vorläufer. Der enorme Nutzen von Solarpanels wäre also allen einsichtig, weil man damit die ressourcenfressenden Batterien umgehen kann.
Beim Handy sieht das anders aus, weil das Gerät ohne Netzwerk- und GPS-Verbindung ja nicht viel kann. Andererseits hat es immer noch ein User-Interface, an dem man sich spielen kann bis der Akku leer ist. Mit einer einfachen Taschenrechner-App könntest Du die Ingenieure dieser Zeit absolut beeindrucken. Niemand könnte sich ganz sicher sein, ob es mit Technik oder Magie funktioniert, denn die Vorstellung, daß eine Maschine bunte Bilder erzeugt und in Echtzeit auf Fingergesten reagiert und Quadratwurzeln und Logarithmen aus dem Nichts herbeihext, müßte geradezu außerirdisch wirken. Leider wäre der Akku bereits leer, noch bevor alle Anwendungen einer solchen Maschine aufgezählt sind.
Allerdings wären beide Geräte mit der Technik der Zeit nicht weiter analysierbar. Die Chemie konnte damals gerade mal so etwas wie qualitative bis semiquantitative Elementaranalysen machen, also feststellen, welche chemischen Elemente sich in einer Probe befinden, und ob es viel oder wenig ist. Mit dieser Technik kannst Du den Unterschied zwischen einem Stück Silicium und einem funktionierenden Halbleiterchip nicht sehen — das chemische Element Silicium war übrigens erst 1824 entdeckt worden, und Aluminium ein Jahr später. Niemand hätte eine Chance, zu verstehen, wie Halbleitermaterialen gebaut sind, wie und warum sie funktionieren, oder was sie alles können. Niemand hätte eine Chance, sie zu reparieren oder gar nachzubauen. Sobald die zeitreisenden Gadgets nicht mehr funktionieren, sind sie Elektroschrott.
Ehrlich gesagt vermute ich, daß es uns mit Technik von zwei Jahrhunderten in unserer Zukunft nicht besser ergehen würde. Natürlich verstehen wir heute viel mehr von Materialwissenschaft als die Menschen damals, aber die in der Zukunft werden uns wahrscheinlich ähnlich weit voraus sein.