Was soll bei der Hiobsgeschichte die Lehre Gottes sein, bzw welchen Sinn hatte die Prüfung?

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9 Antworten

Was in der jenseitigen Welt abläuft, dazu ist schon genug gesagt worden. Innerweltlich geht es darum, dass Leid keinen Sinn (innerhalb dieser Welt) hat.

Hiobs Freunde hatten von ihrer Theologie her recht: Jedes Unglück ist Strafe für einen Frevel Gott gegenüber und wird zurückgenommen, sobald der Mensch sich bessert. Als echte Freunde wollen sie Hiob helfen, möglichst schnell wieder ein glückliches Leben führen zu können.

Elihu geht einen Schritt weiter: Leiden ist nicht immer Strafe, es kann auch zu Lehrzwecken auferlegt werden.

Hiob hat das Insiderwissen, dass er kein Unrecht getan hat und wohl auch, dass er kein Leid braucht, um zu lernen, ein noch besserer Mensch zu sein. Was ich nicht ganz verstehe, ist seine Reaktion auf die direkte Begegnung mit Gott. Vielleicht muss man tatsächlich Gott begegnet sein, um existentiell zu erfahren, wie bedeutungslos alles Irdische verglichen mit Gottes Welt ist.

Der Leser weiß, dass Hiob nicht trotz, sondern wegen seiner Treue zu Gott / seines guten Lebens gelitten hat. Letztlich sagt mir das, dass zumindest einiges Leid völlig sinnlos ist (jedenfalls von hier aus gesehen), und besonders, dass man allein daraus, dass jemand leidet, keinesfalls schließen darf, dass das Leid einen Hintergrund hat (Strafe Gottes, Konsequenz aus einem ungesunden Lebensstil, Lehrmittel). Und dass es (zumindest oft) nicht nur nichts bringt, sondern geradezu schäbig ist, einem Menschen zu sagen, welchen Sinn sein Leid wohl hat.

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Hallo Lenadz,

beachte bitte, dass Gott das Geschehen in Verbindung mit Hiob nicht aktiv gesteuert hat; nicht er war der Initiator der Prüfung, sondern ausschließlich Satan, der Teufel.

Gott ließ die schreckliche Prüfung zwar zu, doch würde Gott niemals irgend jemandem etwas Schlimmes antun, um ihn zu prüfen (obwohl das von vielen so geglaubt wird). In der Bibel heißt es nämlich über ihn: "Keiner sage, wenn er versucht wird: „Ich werde von Gott versucht.“ Denn Gott kann nicht von üblen Dingen versucht werden, noch versucht er selbst irgend jemand" (Jakobus 1:13).

Im Fall Hiob war Gott von seiner Treue und Ergebenheit völlig überzeugt, denn er stellte Hiob ein gutes Zeugnis aus, als er im Gespräch mit Satan über ihn folgendes sagte: "Hast du dein Herz auf meinen Knecht Hiob gerichtet, dass es seinesgleichen keinen gibt auf der Erde, einen Mann, untadelig und rechtschaffen, gottesfürchtig und von Schlechtem weichend?" (Hiob 1:8). Gott brauchte also keinen Beweis für Hiobs Treue, er hatte nicht den leisesten Zweifel daran.

Satan dachte jedoch, er könne Hiob dazu bewegen, sich von Gott abzuwenden, wenn er nur genug Druck auf ihn ausüben würde. So brachte er ein Unglück nach dem anderen über ihn und schlug ihn schließlich mit einer fruchtbaren Krankheit. Hatte Satan damit Erfolg? Hiob sagte trotz alledem: "Bis ich verscheide, werde ich meine unversehrte Lauterkeit nicht von mir weichen lassen" (Hiob 27:5).

Wenn man den Bericht über Hiob genau liest, dann stellt man fest, dass es nicht nur um den Fall Hiob allein ging. Ein winziges Detail in dem Bericht verrät, dass es um weit mehr als nur um einen einzigen Menschen ging.

Nachdem Satan Hiob bereits alles Hab und Gut genommen und alle seine 10 Kinder getötet hatte, er jedoch weiterhin an seiner Lauterkeit festhielt sagte Satan zu Gott: "Haut um Haut, und alles, was ein Mensch hat, wird er für seine Seele geben. Strecke zur Abwechslung doch deine Hand aus, und rühre an sein Gebein und sein Fleisch, [und sieh,] ob er dir nicht direkt ins Angesicht fluchen wird" (Hiob 2:4). Als Satan also sagte "alles was ein Mensch hat..." zog er nicht nur die Treue Hiobs sondern die aller Menschen in Zweifel. Satan behauptete quasi, es gäbe niemanden, der Gott unter Prüfungen Gott treu bleiben würde. Das war im Grunde eine Streitfrage von universeller Bedeutung!

Ohne dass Hiob von alledem wusste, wurde durch seine unerschütterliche Lauterkeit gegenüber Gott ein Exempel statuiert: Echte Diener Gottes sind ihm nicht nur so lange treu, wie es ihnen gut geht und sie unter seinem Schutz stehen (das hatte Satan ja über Hiob behauptet). Es gibt tatsächlich Menschen, die bleiben Gott unter allen Umständen treu, egal was geschieht, da sie nicht von selbstsüchtigen Beweggründen, sondern von Liebe zu Gott angetrieben werden.

Auf diesem Hintergrund betrachtet, hatte die Prüfung Hiobs sehr wohl einen Sinn. Außer dass sie zeigte, dass auch unvollkommene Menschen Gott unter jeglicher Prüfung Gott treu bleiben können, mag sie den einzelnen veranlassen darüber nachzudenken, wie es um sein eigenes Verhältnis zu Gott bestellt ist. Er mag sich fragen, wie er sich wohl verhalten würde, wenn in seinem Leben Schwierigkeiten auftauchten, die seine Treu Gott gegenüber auf die Probe stellten.

Wir sehen also, Hiob hat nicht umsonst gelitten. Er ist für jeden, der glaubt, ein großes Vorbild der Treue und Gottergebenheit. Da er kein Übermensch war, sondern mit den gleichen Fehlern und Schwächen behaftet war wie jeder andere auch, macht sein Beispiel uns Mut, denn so können auch wir heute, sofern wir Gott aus ganzem Herzen ergeben sind, genau das tun, was Hiob tat: Unter allen Umständen an unserer unversehrten Lauterkeit unserem Schöpfer gegenüber festhalten!

LG Philipp

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Kommentar von AlbatrossFLIGHT
15.11.2015, 17:53

danke Philipp für diese schöne, warmherzige Antwort. Damit kann der Fragesteller sicherlich was anfangen! DH

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Ich bin kein geleehrter, aber ich denke Gott wollte Hiobs Treue prüfen und ihn dafür belohnen. Hiob hat bestanden, er wurde reichlich gesegnet und (ich meine sogar das doppelte an Besitz zurückbekommen)... Hiob hatte als Belohnung Gottes Segen er war in einer besonderen Beziehung zu Gott...

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Kommentar von Lenadz
14.11.2015, 15:59

so viel wie ich gelesen habe, denke ich auch dass er seine Treue prüfen wollte aber zum Großen Teil hat es auch glaube ich seinen Grund darin, dass man von Gott keine Gerechtigkeit verlangen/erwarten soll, auch wenn er der Schöpfer ist..soweit ich verstanden habe. Danke für deine Antwort :)

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Diese Geschichte zeigt nur wieder dass Gott die Leben seiner Gläubigen völlig egal ist.

Warum?

Unter Hiobs Verlusten waren auch seine gesamte Familie und seine Dienerschaft. Mehrere Gattinnen, seine Kinder und andere Männer und Frauen die nichts mit seiner Treue zu Gott zu tun hatten.

Vor allem seine Familie wurde, laut Geschichte von Räubern entführt und vergewaltigt, ermordet oder als Sklaven verkauft, was damals so üblich war. Von deren weiteren Verbleib erfährt man jedoch nichts, nur dass Hiob später weitere Frauen und Kinder bekam.

Hiob hatte in seinem Leben nichts davon. Wenn du einen Menschen liebst, trösten dich auch 2 andere Menschen nicht darüber hinweg, dass dieser Mensch schrecklich leiden musste bevor er/sie starb.

Hiob hätte sein restliches Leben zwar in Saus und Braus, aber mit seelischen Löchern welche nicht zu schließen gewesen wären, verbracht.

Aber anstatt dir den Kopf über den Sinn der Hiobsgeschichte zu zerbrechen, die zumindest den Ausruck "Hiobsbotschaft" hervorgebracht hat, solltest du dir überlegen wo in dieser Bibelstelle der Sinn oder die Lehre sein soll:

2. Könige 2, 23-25
"Von Jericho ging Elisa wieder nach Bethel. Als er zur Stadt hinaufwanderte, lief ihm eine Horde kleiner Jungen entgegen. Sie machten sich über ihn lustig und riefen im Chor: 'Glatzkopf, fang uns doch! Glatzkopf, fang uns doch!'
Elisa blieb stehen, sah sie an und verfluchte sie im Namen des Herrn.
Da kamen zwei Bärinnen aus dem Wald heraus, fielen über die Kinder her und zerrissen zweiundvierzig von ihnen.
Elisa wanderte weiter zum Berg Karmel, und von dort kehrte er schließlich nach Samaria zurück."

42 tote Kinder, weil sie einen Mann "Glatzkopf" genannt haben.

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Kommentar von alwaysserious
14.11.2015, 17:38

Zugegebenermaßen wirkt in unserer Kultur derlei Reaktion befremdlich. Wenn jedoch der Kontext und der kulturelle und spirituelle Hintergrund berücksichtigt werden, dann relativiert sich das Ganze erheblich. 

Von Jericho aus steigt Elisa nach dem etwa 900 m über dem Meeresspiegel gelegenen Bethel hinauf, wo er zu einem früheren Zeitpunkt zusammen mit Elia eine Gruppe der Söhne der Propheten besucht hat (2Kö 2:3). Unterwegs taucht eine große Schar jugendlicher Übeltäter auf, die sich ihm sowie seinem Prophetenamt gegenüber äußerst respektlos verhalten. „Geh hinauf, du Kahlkopf! Geh hinauf, du Kahlkopf!“ höhnen sie. Entweder wollen sie damit sagen, daß er weiter nach Bethel hinaufgehen soll, oder aber, daß er die Erde gänzlich verlassen soll, so wie es angeblich sein Vorgänger tat (2Kö 2:11). Um diese Knaben und ihre Eltern Respekt vor dem Propheten Gottes zu lehren, wendet er sich um und ruft im Namen Gottes Übles auf sie herab. Plötzlich kommen zwei Bärinnen aus dem Wald und zerreißen 42 von ihnen in Stücke (2Kö 2:23, 24).

Es ging somit um weitaus mehr als nur um eine Beleidigung, ursächlich waren die Eltern für das Unglück ihrer Kinder verantwortlich, weil sie es fahrlässig versäumten, ihren Kindern angemessenes und respektvolles Benehmen zu vermitteln.

Ein Brückenschlag in unsere Zeit: Selbst in unserer säkularisierten Gesellschaft tut man seinen Kindern keinen Gefallen, wenn man ihnen nicht gewisse Werte wie Respekt, Anstand, Fleiß, Ehrlichkeit und Ordnung vermittelt. Die sich selbst und ihrem defizitären Verhalten überlassenen Kinder stehen in großer Gefahr, eine sozial unverträgliche Belastung für unsere Gesellschaft zu werden, ganz zu schweigen von den inneren Zerwürfnissen der Opfer ihrer Erziehungsberechtigten.

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Was mich am meisten entsetzt, ist das, was Gläubige als 'Liebe' betrachten! Also Gott, der doch in das Innerste des Menschen sieht, muss ihn einer 'Prüfung' aussetzen, um zu wissen, ob er ihn wirklich liebt? Er, der ALLwissende?

Ich unvollkommener Mensch kann nicht Gefühle oder Gedanken lesen und riskiere daher, dass ein Mensch mir etwas vorspielt oder mich betrügt. Trotzdem käme ich nie auf die Idee, einen Menschen, den ich liebe, zu prüfen, indem ich z.B. seine Kinder aus einer vorherigen Beziehung töte, um herauszufinden, ob er mich dann trotzdem noch liebt! Was für eine perverse Idee von Liebe! Wenn ich jemanden liebe, möchte ich, dass er glücklich ist, das ist alles.

Und der vollkommene Gott? Muss Hiob quaelen (lassen), um herauszufinden, was er ohnehin schon weiss. Diese Perversitaet ist das Gegenteil von Liebe!

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Kommentar von AlbatrossFLIGHT
15.11.2015, 21:12

Liebe Zicke 52, erstens schuldet uns Gott rein gar nichts, so eigensinnig wie wir uns ihm gegenüber verhalten. Außerdem merkt man, daß du den Zusammenhang des Ganzen nicht verstanden hast. Alles, was in der B ibel aufgeschrieben ist, hat einen sinnvollen  Anteil daran, aufzuzeigen, wie Gott den Schaden, den Satan verursacht hat, wieder gut machen wird. Aber wie gesagt: der Zusammenhang. Gottes Gedanken sind viel höher als unsere. Es kommt nicht darauf an, daß der Einzelne sein größtmögliches Glück erlebt, sondern daß ALLE ein gerechtes Leben führen dürfen. 

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Hiob hatte ein großes Vorrecht, seine wahre Treue zu seinem Schöpfer JHWH unter Beweis zu stellen. Indirekt hatte Satan behauptet: "du hast ja eine (symbolische) Hecke, einen Schutz um ihn errichtet. Nimm ihm diesen weg, und dann wirst du sehen, daß er dir direkt ins Angesicht fluchen wird."

Damit behauptete Satan, niemand bleibe Gott treu, wenn es ihm ungerechter Weise schlecht gehen wird. Er bezweifelte die Liebe und die Loyalität Hiobs und eigentlich aller Menschen an. (Wer wird dir treu sein, wenn er nichts davon hat....)

Hiob erbrachte in Treue den Gegenbeweis und schon jetzt, unter den unvollkommenen Bedingungen, wurde Hiob sehr gesegnet. Er bekam alles, was er verloren hatte, in doppelter Zahl wieder. In der Auferstehung der Gerechten wird er als ehrenhaft geachtet und wird alle seine Kinder wieder haben.

Er hat in der von Satan aufgeworfenen Streitfrage Stellung bezogen und bewiesen, daß es Menschen gibt, die Gott und seine Wege aufrichtig lieben, selbst wenn sie große Verluste erleiden.

Auch heute noch gibt es einige wenige, die gerne und aufrichtig Gottes Wege gehen, koste es, was es wolle. Sie wissen, daß Gott JHWH sein Versprechen, den Schaden, den der Gott dieser Welt (2. Kor. 4:4 ), Satan der Teufel, in Eden angerichtet hat, wieder gut zu machen und sein Reich in dem Satan nicht mehr existieren wird, aufzurichten, unter allen Umständen durchführen wird.

Hiob wird in alle Ewigkeiten einen ehrenhaften ruhmvollen Namen haben. Mehr als jeder Sportstar etc.

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Kommentar von Philipp59
15.11.2015, 07:16

Du hast das Wesentliche des Beispiels Hiobs sehr gut auf den Punkt gebracht!

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Es gilt zu differenzieren, dass nicht Gott Hiob geprüft hat, sondern der Teufel. Gott ließ es lediglich eine Zeitlang zu, bevor er einschritt.

Es ist immer wieder unglaublich, wie viel Böses Gott in die Schuhe geschoben wird, obwohl er gar nicht der Verursacher ist, sondern der Teufel für alles Schlechte verantwortlich ist. 

Die Lehre daraus ist, dass Menschen auch unter übelsten Umständen treu auf Gott vertrauen können und somit dem Teufel zu zeigen, dass er ein hinterhältiger Lügner und keinerlei Achtung wert ist. Danach werden sie reichlich belohnt, was auch zeigt, dass Gott jeglichen angerichteten Schaden mehr als kompensieren kann.

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Kommentar von PWolff
14.11.2015, 16:41

Das erklärt aber nicht, dass Gott sagt er selbst sei es, der das Unglück verursacht habe: "du aber hast mich bewogen, ihn ohne Grund zu verderben." (Hiob 2, 3; Hervorhebung von mir)

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Das ist ganz einfach zu erklären:
Hiob war für sich selbst der "gerechteste aller Menschen" (Hiob 1,1).

Da unsere ewige Vater jedoch möchte, dass wir "IHN" anbeten und "IHM danken" für Seine Herrlichkeit (1.Kor.15,57), lies er Hiob durch Satan auf den "Weg Gottes" bringen (Hiob 1,9).

Das sollte Hiob noch lernen (Hiob 38) und er hat es gelernt (Hiob 39,34) !

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