Warumm kann es keinen "Sinn machen"?

12 Antworten

Sprache verändert sich. Prinzipiell ist dieser Vorgang nicht aufzuhalten, das war wohl schon immer so. Was enorm zunimmt, ist die Geschwindigkeit und der Verbreitungsgrad, mit der Veränderungen Fuß fassen. Radio, Fernsehen und Druckmedien sei Dank!

In meinem persönlichen Umfeld ist mir die Formulierung "Sinn machen" erst in den letzten Jahrzehnten bewußt geworden. Ich (fast 70 Jahre alt) kann mich nicht daran erinnern, dass irgendetwas während meiner Kindheit oder Jugend "Sinn gemacht" hätte. In öffentlichen Medien schon gar nicht. Gestern noch wurde "Sinn machen" im SWR1 Radio in den Nachrichten so verwendet. .

Dass Sinn machen ein Anglizismus ist, liegt nahe, ich kann es aber nicht beweisen.

Ich kann mich noch an einen Wettermoderator im Deutschen Fernsehen erinnern, der in den 80-er Jahren regelmäßig die Formulierung "ab und an" anstelle von "ab und zu" gebraucht hat. Mich hat erstaunt wie schnell sich dieser Ausdruck innerhalb von Wochen fest in der Umgangssprache etabliert hat. Er war mir und den Personen in meinem Umfeld bis dahin vollkommen unbekannt.

Ein weiteres Beispiel für Sprachveränderung ist das Wort "hart" anstelle von "schwer". Auch hier kann ich nicht beweisen, dass es sich im Grunde um einen Anglizismus handelt, ich vermute aber, dass auch hier wörtlich übersetzt wurde. Schlechte oder ungenaue Filmsynchronisationen sind ein geeignetes Mittel, um solche Veränderungen einzuführen. "Hart arbeiten" oder "wir / ich habe(n) hart gearbeitet" ist ein Beispiel, an dem die Serie Dallas wohl stark beteiligt war. Ich bin damit aufgewachsen, dass man "schwer" arbeitet, auch dann, wenn es sich nicht um körperliche Arbeit handelt. Heute wird nur noch "hart" gearbeitet und anstelle "es war ein schwerer Weg", ist es heute ein "harter Weg". So habe ich schon die Formulierungen gehört "harte Geburt", "es war hart für mich" anstelle von "schwerer Geburt" und "es ist mir schwer gefallen, bzw. es war schwer für mich"! "Schwere Zeiten" sind heute durchweg "harte Zeiten".

Solche und andere Veränderungen nehmen wir Deutsche sehr schnell auf, wenn sie von "oben" kommend durch die Medien verbreitet werden. Hier sollte von den verantwortlichen Machern mehr Sorgfalt und Einfühlungsvermögen erwarten.

Übrigens, deutsche Familiennamen dürfen und sollten wir vielleicht auch unverkrampft deutsch aussprechen, auch dann wenn sie Amerikanern, Canadiern ect. gehören. In unseren Nachbarländern Frankreich, Spanien, Italien und anderen, ist man da sehr viel lockerer.

"dummdeutsch" MUSS auch nirgends "geschrieben stehen". es reicht doch VÖLLIG aus, wenn es als solches erkennbar ist: beispiel: hier (bei gf) tauchen immer wieder fragen zum beruf auf, die SO beginnen: ich möchte EIN soundso (tierarzt, schauspieler usw.) werden. es ist doch völlig klar, dass NIEMAND zwei dasunddas werden kann! es handelt sich dabei EINDEUTIG um schlecht übersetzte synchronisationstexte aus der englischen\amerikanischen sprache. der gleiche blödsinnige übersetzungsmangel liegt dem "sinn machen" zugrunde(to make sense). besser ist nicht nur nach ansicht sebastian sicks (der dativ ist dem genitiv sein tod) die version: "sinnvoll sein",bzw. im negativen fall "sinnlosigkeit". nur weil auch die kanzlerin blödsinn redet, wird schlechtes deutsch nicht besser. beispiel (o-ton merkel): die zeiten WO wir..... (es hätte "in denen" heißen müssen)

Setze für Sinn das Wort "Zweck" ein. Das hat zwar eine andere Bedeutung, aber du würdest auch nie "das macht Zweck" sagen

Das ergibt einen Zweck? Auch keine schöne Formulierung. Oder ist das Zweckvoll?

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Vielleicht übernehmen einigen "Sprachexperten" auch bald "I remember" 1zu1 aus dem Englischen und sagen "Ich erinnere". Im Englischem ist klar, dass derjenige SICH erinnert. Im Deutschen bleibt das bei einer solchen unsinnigen Übernahme offen. ACHTET AUF DIE DEUTSCHE SPRACHE. SIE IST TEIL UNSERER KULTUR.

Sie verwenden bestimmt auch noch "erinnern" mit Genitiv, wie Schiller das noch tat. Nicht? Seltsam.

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Der Ausdruck "Sinn machen ist ein schlechter Anglizismus (unüberlegte Übertragung aus der englischen Sprache). Ohne Nachdenken über Unterschiede von Bedeutungen in verschiedenen Sprachen wird "to make sense" einfach durch eine mögliche wörtliche Übersetzung von 2 Einzelbestandteilen (statt des Gesamtausdrucks) wiedergegeben.

Das Wort "machen" bezeichnet eine Handlung. Diese könnte in diesem Zusammenhang aber höchstens darin bestehen, Sinn zu verleihen/spenden/geben. Dies ist der Sache nach etwas anderes als "sinnvoll sein" oder "Sinn ergeben".

Dies gehört nicht zur Grammatik in einem engen Sinn (Formenlehre und Satzbau), sondern zur Semantik (Bedeutungslehre).

Hoffentlich wird schlechte Umgangssprache nicht in Nachschlagewerken als vollwertig anerkannt, sondern höchstens als fehlerhaft erwähnt.

Ja , die Redewendung ist aus dem Englischen übernommen. So what? Das beschreibt lediglich ihren Ursprung, nicht ob sie "falsch" oder richtig ist. Sie ist Umgangssprache? Selbst wenn - der Weg in die "Hochsprache" führt immer über diese. "Das Wort "machen" bezeichnet eine Handlung." - Tatsächlich? So wie in "Lesen macht Spaß", "Das macht nichts.", "Aufräumen macht viel Arbeit" Tatsache ist: Es gibt keine semantischen Regeln, nur orthografische. Und Sprache ist, was die Menschen sprechen.

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@boghog

In den Beispielen steckt eine Handlung, die z. B. als „bereiten" bzw. „bewirken" umschrieben werden kann.

Die Bedeutung von Wörtern ist nicht völlig beliebig. Es können sogar Definitionen gegeben werden, um genauer festzulegen, was mit einem Wort gemeint ist. Semantische Regeln gibt es daher. Sie sidn nicht völlig unveränderlich, aber diess sind Rechtschreibregeln auch nicht.

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@Albrecht

Natürlich haben Wörter eine Bedeutung (manchmal sogar definierbar). Es gibt aber keine Regeln zur Kombinierbarkeit von Wörtern. Gottseidank, das wäre das Ende aller Kreativität der Sprache. Es gibt Kollokationen, also eingebürgerte Wortkombinationen, denen man immer wieder begegnet. "Sinn haben" ist eine davon. Sagt jemand aber etwas anderes, wie z.B.: "Das bringt keinen Sinn", dann kann mir das als ungebräuchlich auffallen, falsch ist es deswegen noch lange nicht. "Das macht Sinn" ist schon längst ebenfalls eine etablierte Kollokation (Wie lange schon? Siehe dazu den oben verlinkten Bremer Sprachblog.), die sich in der Bedeutung von "Sinn haben", "Sinn ergeben" und "sinnvoll sein" unterscheidet. Zu allen anderen "Anklagepunkten" gegen das Sinn machen ("schlechter Anglizismus", "machen ist eine Handlung" u.a.) verweise ich nur auf Anatol Stefanowitschs Blog. Der widerlegt sie verständlich und systematisch. Da er dafür aber fünf Seiten braucht, macht es keinen Sinn, hier alle Argumente wiederzukäuen. Für alle Interessierten hier nochmals der Link: http://www.iaas.uni-bremen.de/sprachblog/2007/10/01/sinnesfreuden-i/index.html

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