Erklärung der Aussage

Das Grundgesetz, die Verfassung Bundesrepublik Deutschland, darf nicht so geändert werden, dass in den Artikeln 1- 20 enthaltene Grundsätze abgeschafft oder sie angetastet und gegen sie verstoßen wird.

Bestimmte grundlegende Bestimmung der Verfassung werden dadurch rechtlich geschützt.

Artikel 70 Absatz 3: „Eine Änderung dieses Grundgesetzes, durch welche die Gliederung des Bundes in Länder, die grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung oder die in den Artikeln 1 und 20 niedergelegten Grundsätze berührt werden, ist unzulässig.

Geschützt sind die Grundrechte in Artikel 1- 19 (einschließlich der Menschenwürde, enthalten in Artikel 1) und in Artikel 20 enthaltene Strukturprinzipien des Staates (Grundsätze zum Aufbau des Statates).

Absatz 1: Republik, Demokratie, Sozialstaat, Bundesstaat

Absatz 2 Volkssouveränität, Demokratie und Gewaltenteilung („Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.“)

Absatz 3: Rechtsstaatsprinzip mit Bindung an Verfassung und Gesetze („Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.“)

Der Schutz, der Verfassungsgrundsätze absichert, wird auch »Ewigkeitsklausel« genannt, weil eine sie abschaffende Verfassungsänderung für immer nicht erlaubt ist und verfassunsgwidrig wäre, solange das Grundgesetz gilt. Es darf keine Mehrheit, auch wenn sie noch so groß ist, diese Verfassungsgrundsätze antasten. Sie haben eine Bestandsgarantie.

https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/das-junge-politik-lexikon/320258/ewigkeitsklausel

https://de.wikipedia.org/wiki/Ewigkeitsklausel

Vergleich mit Weimarer Republik

Die Verfassung der Weimarer Republik (Verfassung des Deutschen Reichs vom 11. August 1919) hatte keine Schutzbestimmung, die irgendwelche Verfassungsgrundsätze gegen mögliche Verfassungsänderungen absicherte. Dadurch konnten Grundrechte und wesentliche Strukturprinzipien des Staates angetastet werden, ohne dass dies als verfassungswidrig verboten war.

Artikel 76:

„Die Verfassung kann im Wege der Gesetzgebung geändert werden. Jedoch kommen Beschlüsse des Reichstags auf Abänderung der Verfassung nur zustande, wenn zwei Drittel der gesetzlichen Mitgliederzahl anwesend sind und wenigstens zwei Drittel der Anwesenden zustimmen. Auch Beschlüsse des Reichsrats auf Abänderung der Verfassung bedürfen einer Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen. Soll auf Volksbegehren durch Volksentscheid eine Verfassungsänderung beschlossen werden, so ist die Zustimmung der Mehrheit der Stimmberechtigten erforderlich.

Hat der Reichstag entgegen dem Einspruch des Reichsrats eine Verfassungsänderung beschlossen, so darf der Reichspräsident dieses Gesetz nicht verkünden wenn der Reichsrat binnen zwei Wochen den Volksentscheid verlangt.“

Die Verfassung der Weimarer Republik hatte in dieser Hinsicht also Mängel:

  • zu weitgehende Wertneutralität durch Fehlen einer Absicherung einer demokratischen Grundordnung und von Grundrechten in ihrem Wesenskern (Abschaffung und Außerkraftsetzung war nicht ausgeschlossen)
  • Grundrechte kein unmittelbares, die staatlichen Gewalten (Legislative, Exekutive, Jurisdiktion) bindendes Recht, keine mit vollen Handlungsmöglichkeiten die Verfassung hütende Institution (wie es in der Bundesrepublik Deutschland das Bundesverfassungsgericht ist)

Eine nationalsozialistisch geführte Regierung hat dann wesentliche Verfassungsgrundsätze ausgehebelt und beseitigt. Unter inhaltlich unberechtigter Berufung auf die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ (sogenannte Reichstagsbrandverordnung; 28. Februar 1933) wurden von der Reichsregierung des Reichskanzlers Adolf Hitler Grundrechte außer Kraft gesetzt, zum Teil auch durch Maßnahmen ohne einen formalen Schein von Legalität verletzt. Das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 („Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“) führte zu einer Entmachtung des Reichstags. Aus einer parlamentarischen Demokratie wurde eine Diktatur, die schwere Verstöße gegen Menschenrechte beging.

Bewertung der Bedeutung

Beim Grundgesetz wurde aus schrecklicher Erfahrung heraus eine Lehre gezogen. Ein Wesenskern der Verfassung hat Bestandschutz bekommen. Die Verfassung vertritt bestimmte Werte. Keine Mehrheiten, gleichgültig wie große, dürfen mit einer Verfassungsänderung bestimmte Verfassungsgrundsätze antasten oder beseitigen.

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Ein Fachttext sollte so geschrieben sein wie von Fachleuten in einem Sachgebiet.

Ein Fachttext sollte diferenziert (mit fein abstufenden Unterscheidungen), exakt (genau) und nachvollziehbar erläutert und begründet sein.

Der Stil sollte möglichst objektiv sein.

Meinungslos kann eine Beantwortung der genannten Aufgabe nichts ein. Es wird ja zu einer Begründung der Meinung aufgefordert.

Die Fragestellung, ob die Französische Revolution umsonst war, kann nur mit einer Beurteilung beantwortet werden. Die Beurteilung sollte nicht willkürlich sein, sondern aus verständlichen Gedanken hervorgehen und sich auf Sachverhalte beziehen.

Ich versuche Überlegungen:

In den Zusammenhang bedeutet »umsonst«: vergeblich, erfolglos, nicht die erhoffte Wirkung erbringend. Das Gegenteil in dem Zusammenhang ist: erfolgreich, die Mühe/dem Aufwand lohnend, die erhoffte Wirkung erbringend.

Die Französische Revolution (1789 – 1799) hat 10 Jahre gedauert. Dann hat Napoleon in einem Staatstreich die Revolution beendet, die Macht als Erster Konsul übernommen und 1804 ein Kaiserreich geschaffen. Es folgte 1814/1815 (zwischendurch hatte Napoleon kurzzeitig wieder die Macht erobert) ein Königtum der Bourbonen, die Julirevolution 1830 mit einem Wechsel der Dynastielinie, die Februarrevolution 1848 mit der Zweiten Französischen Republim 1848 – 1852, ein Kaiserreich unter Napoleon III. (schon ab Dezember 1848 als Louis Napoléon Bonaparte Staatspräsident), die Dritte Französische Republik 1870 – 1940, das Vichy-Regime (État français [„Französischer Staat“]) 1940 – 1945, die Vierte Französische Republik 1945 – 1958 und ab 1958 die Fünfte Französische Republik.

Die Französische Revolution (1789 – 1799) war weder in vollem Ausmaß erfolgreich und eine Erfüllung der mit ihr verbundenen Hoffnungen noch völlig umsonst.

Wirtschaftliche Verbesserungen für die Armen sind langfristig durch die Französische Revolution höchstens geringfügig erreicht worden. Politisch ist vieles abgeschafft worden, es kam das Kaisertum Napoleons und die Restauration des Königtums der Borbonen. Der Adel gewann wieder an Macht und gesellschaftlicher Stellung.

Mesnchen erlitten in der Französischen Revolution Leid, es gab viele Grausamkeiten, auch wenn dies sowohl Revolutionären als auch Gegenrevolutionären anzuatsen ist.

Andererseits es wäre übertrieben, allgemein wegen einer Beendigung und Rückschritten einen Veränderungsanlauf für ganz sinnlos und nicht lohnenswert zu erklären. Wenn eine Zeitlang etwas erreicht wird, ist dies ein gewisser Erfolg, auch wenn es danach endet. Ewige Dauer für Errungenschaften ist in den menschlichen Verhältnissen sehr schwierig erreichbar. Daher wäre es ein zu hoch gesteckter Maßstab, ein Bestehen für immer zu verlangen und alles Handeln, dessen Ergebnisse später beseitigt werden, als ganz umsonst zu berurteilen. Für die Menschen innerhalb ein begrenzten Zeit ist es in dieser Zeit von Bedeutung, wie sie leben.

Darüber hinaus kann überlegt werden, was von der Französischen Revolution (1789 – 1799) weitergewirkt hat, als Erfahrung, als Vorbild, als anregende und mitreißende Gedanken, als bleibendes Erbe.

Nach der Französischen Revolution waren die Monarchien in Frankreich konstitutionelle Monrachien. Es gab in ihnen Verfassungen und Parlamente. Es gab erneute Revolutionen, die zumindest teilweise an Französische Revolution 1789 – 1799 anknüpften, und Republiken. Die Französische Revolution ist zumindest wesentlich an der Herbeiführung von Dingen mitbeteiligt, die für viele Menschen der Gegenwart Grundlagen sind.

  • Beseitigung einer (1789 in Frankreich noch in erheblichem Ausmaß vorhandenen) Ständeordnung: Die Ständegesellschaft mit Privilegien (Vorrechten) und einer gewachsenen Vielfalt unterschiedlicher lokaler und regionaler Ausprägungen wurde beseitigt, Gewerbefreiheit eingeführt (in Verbindung mit einer Abschaffung von Zünften).
  • Gleichheit vor dem Recht: Ein bürgerliches Prinzip der allgemeinen Rechtsgleichheit und individueller Eigentumsrechte wurde eingeführt (Napoleon hat in Fortführung solcher Grundsätze Grundsätze gehalten durch das bürgerliche Gesetzbuch – Code civil - von 1804 etwas davon in das Recht aufgenommen lassen; außer diesem Gesetzbuch zum Zivilrecht gab es noch den Code pénal [Strafgesetzbuch] von 1810, den Code de procédure civile [Zivilprozessbuch] von 1806 , den Code de commerce [Handelsgesetzbuch] von 1807 und den Code d’instruction criminelle [Strafprozessordnung] von 1808).
  • schriftliche Verfassungen als Grundlage von Staaten und Staatenbünden
  • Grundrechte/Menschen- und Bürgerrechte: Am 26. August 1789 geschah die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (Déclaration des droits de l'homme et du citoyen). Diesen Ansatz führen Verfassungen mit Grundrechten für alle Bürger und Menschenrechtsdeklarationen wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948 (UN-Menschenrechtscharta) oder die Charta der Grundrechte der Europäischen Union fort.
  • Ideale, Werte, Ziele, politische Schlagworte: Liberté, Égalité, Fraternitée (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) wurden zu einer Parole hochgehaltener Ideale, Werte und Ziele (wobei für das letzte Wort der Ausdruck „Solidarität“ moderner ist).
  • politische Demokratie, Institutionen und Organisation, Meinungsbildung: Die Französische Revolution leistete eine Wegbereitung für eine neue politische Kultur (politische Öffentlichkeit, Organisation politischer Interessen, politische Parteiungen [z. B. als Gruppen in Parlamenten und als politische Klubs], Symbolik). Demokratische Prinzipen wurden vertreten und erprobt, politische Diskussionen und Versammlungen fanden öffentlich in großer Anzahl statt, die Presse nahm an Auflage, Vielfalt, Erscheinungshäufigkeit und Aktualität stark zu, es gab Revolutionsfeste.
  • Offenheit für eine gestaltbare Zukunft: Es geschah eine Öffnung der Geschichte in die Zukunft mit dem Eindruck einer Möglichkeit, eine neue Gesellschaft (freier, selbstbestimmter, gerechter) aufzubauen und ihre in die Zukunft führende Entwicklung aktiv zu gestalten. Geschichte wurde als selbst gestaltbar verstanden.

Die Französische Revolution (1789 – 1799) ist daher für die Zukunft nicht völlig umsonst gewesen.

Einiges an Aufwand ist vergeblich gewesen. Als Umbruch in der politischen Kultur mit mehr politischer Teilhabe war die Französiche Revolution notwendigerweise intensiv. Radikaliserungen geschahen aufgrund der Situationen. Manches davon war insgesamt mehr abschreckend als attraktiv. Andererseits mangelte es in der Zeit des Direktoriums (1795 – 1799) an idealistischem Schwung, es gab vermehrt Korruption und eine Vorherrschaft der Wolhlabenden unter Einschränkung der demokratischen Teilhabe. In der Zeit ab 1792 wareinige Jahre lang das einface Volk verstärkt beteiligt. 1793 waren energische Maßnahmen nötig, um die Existenz der Republik und Revolution in einem Krieg und Bürgerkrieg und unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu behauten. Die »Schreckensherrschaft« (1793 – 1794) führte aber auch zu Handlungen, die nicht als gute Erfüllung von Hioffnungen iengeordnet werden könnne, vor alem die vielen Hinrichtungen, die auch üerzeugte Revolutionäre betrafen, die mit der Meinung vom poliutischen Kurs der gegnwärtig führenden Gruppe abwichen.

einige Gedanken aus Büchern:

Immanuel Kant, Der Streit der Fakultäten (1798). Zweiter Abschnitt. Der Streit der philosophischen Fakultät mit der juristischen. Erneuerte Frage: Ob das menschliche Geschlecht im beständigen Fortschreiten zum Besseren sei. 6. Von einer Begebenheit unserer Zeit, welche diese moralische Tendenz des Menschengeschlechts beweiset. AA VII, 85:

„Die Revolution eines geistreichen Volks, die wir in unseren Tagen haben vor sich gehen sehen, mag gelingen oder scheitern; sie mag mit Elend und Greuelthaten dermaßen angefüllt sein, daß ein wohldenkender Mensch sie, wenn er sie zum zweitenmale unternehmend glücklich auszuführen hoffen könnte, doch das Experiment auf solche Kosten zu machen nie beschließen würde - diese Revolution, sage ich, findet doch in den Gemütern aller Zuschauer (die nicht selbst in diesem Spiele mit verwickelt sind) eine T e i l n e h m u n g dem Wunsche nach, die nahe an Enthusiasm grenzt und deren Äußerung selbst mit Gefahr verbunden war, die also keine andere als eine moralische Anlage im Menschengeschlecht zur Ursache haben kann.“

Immanuel Kant, Der Streit der Fakultäten (1798). Zweiter Abschnitt. Der Streit der philosophischen Fakultät mit der juristischen. Erneuerte Frage: Ob das menschliche Geschlecht im beständigen Fortschreiten zum Besseren sei. 7. Wahrsagende Geschichte der Menschheit. AA VII, 88:

„Denn ein solches Phänomen in der Menschengeschichte v e r g i ß t s i c h n i c h t m e h r , weil es einen Anlage und ein Vermögen in der menschlichen Natur zum Besseren aufgedeckt hat, dergleichen kein Politiker aus dem bisherigen Laufe der Dinge herausgeklügelt hätte, und welches allein Natur und Freiheit, nach inneren Rechtsprinzipien im Menschengeschlechte vereinigt, aber, was die Zeit betrifft, nur als unbestimmt und Begebenheit aus Zufall verheißen konnte.

Aber wenn der bei dieser Begebenheit beabsichtigte Zweck auch jetzt nicht erreicht würde, wenn die Revolution oder Reform der Verfassung eines Volks gegen das Ende doch fehlschlüge, oder, nachdem diese einige Zeit gewährt hätte, doch wiederum alles ins vorige Gleis zurückgebracht würde (wie Politiker jetzt wahrsagern), so verliert jene philosophische Vorhersagung doch nichts von ihrer Kraft. - Denn jene Begebenheit ist zu groß, zu sehr mit dem Interesse der Menschheit verwebt, als daß sie nicht den Völkern, bei irgend einer Veranlassung günstiger Umstände, in Erinnerung gebracht und zu Wiederholung neuer Versuche dieser Art erweckt werden sollte; da dann bei einer für das Menschengeschlecht so wichtigen Angelegenheit endlich doch zu irgend einer Zeit die beabsichtigte Verfassung diejenige Festigkeit erreichen muß, welche die Belehrung durch öftere Erfahrung in den Gemüthern Aller zu bewirken nicht ermangeln würde.“

Ernst Schulin, Die Französische Revolution. 5. Auflage. München : Beck, 2013 (Beck's historische Bibliothek), S. 265 - 266:

„Die erste Große Revolution hat den wesentlichen Umbruch geleistet, und soweit er noch nicht dauerhaft war und Rückbildungen auftraten, hat sie dagegen das Revolutionsmachen als innenpolitisches Mittel verfügbar gemacht. Sie hat den funktionsunfähigen, gegen sich selber arbeitenden Staats- und Gesellschaftsapparat des Ancien Régime zerstört. Sie hat das neue Bewußtsein von politischer Demokratie in Frankreich geschaffen, mithilfe der Aufklärung und des englischen und amerikanischen Vorbildes. Crane Brinton drückt das in folgender Weise aus: «Seit 1789 beruht die Regierung Frankreichs auf dem Prinzip der Diskussion; das aber bedeutet : Parlamente, Parteien, Zeitungen, politische Schlagworte, militante Minoritäten, Massenpsychosen – kurz alle jene Erscheinungen, die uns heute so vertraut anmuten, aber den Franzosen von 1788 ganz unbekannt waren.»

Die Französische Revolution hat das, was schon der fortschrittliche Absolutismus wollte, aber nicht erreichte, geschaffen: nämlich den festen, einheitlichen zentralen Regierungsapparat, der alle Umstürze des 19. Jahrhunderts überlebte und der das eigentliche stabile, «konservative» Element des Staates war. Mit diesen beiden, nämlich mit der politischen Demokratie und der Zentralregierung, hängt zusammen der moderne Nationalismus, die allgemeine Schulpflicht, die allgemeine Wehrpflicht und dergleichen. Für die Landwirtschaft - lange, in ziemlich auffallendem Grade auch noch heute das Rückgrat Frankreichs - bedeutete die Französische Revolution das Ende der feudalen Strukturen. Frankreich wurde, was sich in langer Entwicklung angebahnt hatte, ein Land von selbständigen bäuerlichen Kleinbesitzern oder freien Pächtern. Diese Stärkung des bäuerlichen Mittelstandes (denn es kam kaum zu großen Gütern , der Landerwerb durch das Bürgertum führte keineswegs zu kapitalistisch ausgenutztem Großgrundbesitz) ist kaum zu überschätzen in ihrer stabilisierenden, beruhigenden, konservativen Wirkung.

Die politisch bestimmende Gesellschaftsschicht war seither das Bürgertum in seinem schwer abzugrenzenden Umfang. Wenn man sagt, das «reiche Bürgertum» oder das «kapitalistische», ist das schon zu abgegrenzt. Sein bestimmtes Interesse, nämlich die Sicherung des Eigentums, die Freiheit für die wirtschaftliche Unternehmung und für den sozialen Aufstieg, ist aber seit 1789 zu erkennen. Es ist zu erkennen in der Abschaffung der Stände einerseits, in der Begrenzung des Weges zur radikalen Demokratisierung andererseits.“

S. 268: „Sie ist die erste große, auf völlige Neuerung ausgehende Revolution gewesen – Vorbild für alle gescheiterten oder gelungenen, künstlichen oder echten Revolutionen der Folgezeit, aber auch für die Reformen der Folgezeit. Darin liegt ihre lebendige geschichtliche Wirkung bis heute.“

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Dies wird vor allem in den Bestimmungen zur Stellung des Reichskanzlers deutlich. Dieser war Regierunschef des Deutschen Reiches und es war klar, dass Bismarck 1871 dieses Amt übernehemn würde.

  • Der Reichskanzler war Vorsitzender des Bundesrates und leitete seine Geschäfte, er war vom Kaioser zu ernennen (Artikel 15).
  • Artikel 17: „Dem Kaiser steht die Ausfertigung und Verkündigung der Reichsgesetze und die Ueberwachung der Ausführung derselben zu. Die Anordnungen und Verfügungen des Kaisers werden im Namen des Reichs erlassen und bedürfen zu ihrer Gültigkeit der Gegenzeichnung des Reichskanzlers, welcher dadurch die Verantwortlichkeit übernimmt.“
  • Der Reichskanzler konnte auch zugleich preußischer Minsterpräsident und preußischer Außenminister sein.
  • Es gab keine Minister des Deutschen Reiches neben dem Reichskanzler. Die Reichsleitung war nicht kollegial, sondern Reichsämter wurden von Staatssekretären geführt, die Beamte waren und Weisungen des Reichskanzlers unterstanden.
  • Der Reichskanzler war gegenüber dem Kaiser rechenschaftspflichtig, aber nicht gegenüber dem Reichstag, er war also nicht dem Parlament verantworlich und konnte von ihm nicht abgesetzt werden.
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Mit der Konjunktion ut wird ein Nebensatz mit Konjunktiv eingeleitet und zwar ein Finalsatz. prosint (vom Infinitiv prodesse) und tribuant (vom Infintiv tribuere) sind 3. Person Plural Konjunktiv Präsens Aktiv. precibus curaque ist Ablativus instrumentalis (Ablativ des Mittels), zu cura ist medelae Genitivus obiectivus. multis ist Dativ Plural, Dativobjekt zu prosint, animae ist Dativ Singular, Dativobjekt zu tribuant. Ipsiusque ist Genitiv Singular des Demonstrativpronomens ipse mit angehängtem -que. regna ist Akkusativobjekt (Akkusativ Plural zu regnum) und poli dazu Genitivattribut (Genitiv Singular von polum).

Der Text ist Teil einer Grabschrift in lateinischen Versen, die Hrabanus Maurus, damals Abt des Klosters Fulda, auf den 840 gestorbenen und in Seligenstadt begrabenen Einhard verfasst hat (Epitaphium Einhardi). Ein Teil ist in einer vorangegangenen Frage schon behandelt, der weitere Teil ist:

Ingenio hic prudens, probus actu atque ore facundus

Extitit, ac multis arte fuit utilis.

Quem Carolus princeps propria nutrivit in aula,

Per quem et confecit multa satis opera.

Nam horum sanctorum condigno functus honore,

Exquirens Romae corpora ducit et huc:

Ut multis prosint precibus curaque medelae.

Ipsiusque animae regna poli tribuant.

Christe Deus, hominum salvator rector et auctor,

Aeternam huic requiem da super astra pius.

„Dieser war an natürlicher Begabung klug, in seinem Handeln rechtschaffen und zeigte sich deutlich mit seinem Mund/in seiner Sprache redegewandt, und ist durch Kunstfertigkeit vielen nützlich gewesen.

Kaiser Karl zog diesen an seinem eigenen Hof auf, durch den er auch sehr viele Werke zustandebrachte/ausführte. Er erwies diesen Heiligen ganz würdige Ehre, indem er ihre Körper/Leichname in Rom aufspürte und hierher führte/brachte, damit sie vielen durch Fürbitten/Gebete und Sorge um Heilung/Abhilfe nützen und seiner eigenen Seele die Königreiche/Reiche des Himmels [das Himmelreich] zuteilen/verleihen/schenken/verschaffen/gewähren. Christus Gott, Erlöser/Heiland der Menschen, Lenker und Urheber, gib diesem gütig/gnädig ewige Ruhe über den Sternen.“

Mit den Demonstrativpronomen hic, ipsiusque und huic und mit dem Relativpronomen quem ist Einhard gemeint.

Einhard hat Reliquien der Heiligen Marcellinus und Petrus, die in der Überlieferung als frühchristliche Märtyrer gelten, aus den Katakomben in Rom bekommen (sein Sekretär Ratleik und Helfer haben sie heimlich entwendet) und zuerst in eine Basilika gebracht, die er zwischen 815 und 827 in Steinbach errichten ließ, dann 828 nach Seligenstadt (das zuerst Obermühlheim hieß) überführt, wo er den Bau einer Basilika als Zentrum eines Klosters in Auftrag gab. Diese Heiligen (sancti) sind als Subjekt zu denken, das in den Nebensatzprädikaten prosint und tribuant enthalten ist. Nach dem Gedanken der Grabschrift können die Heiligen Marcellinus und Petrus Fürsprache bei Gott einlegen.

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Bei Immanuel Kant ist zu dem Thema einiges zu finden.

Wichtige Schriften dazu sind vor allem:

Der einzig mögliche Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes (1763; Kritik an bestimmten Versuchen von Gottesbeweisen)

Kritik der reinen Vernunft (2. Auflage 1787). I. Transzendentale Elementarlehre. Zweiter Teil. Die transzendentale Logik. Zweite Abteilung. Die transzendentale Dialektik. Zweites Buch. Von den dialektischen Schlüssen der reinen Vernunft. 3. Hauptstück. Das Ideal der reinen Vernunft (enthält Kritik an Beweisen vom Dasein Gottes bzw. eines höchsten Wesen und Kritik an Theologie)

Über das Mißlingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee (1791)

Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft (1793)

Der Streit der Fakultäten (1798). Erster Abschnitt. Der Streit der philosophischen Fakultät mit der theologischen.

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In einer weiten Bedeutung bezeichnet Hedonismus jede Lehre und innere Einstellung, die Lust als höchstes Ziel betrachtet.

Hedonismus ist eine Auffassung, das Streben nach Lust (griechisch ἡδονή = Lust, Freude, Vergnügen, Genuß) sei Ziel des Handelns und Lust (bzw. Freude, Vergnügen, Angenehmes oder Ähnliches; die genaue sprachliche Bezeichnung ist nicht entscheidend) der einzige grundlegende Wert.

In der philosophischen Ethik ist Hedonismus ein Standpunkt, es sei gut und richtig, angenehme Empfindungen/Gefühle (Lust, Freude, Vergnügen, Genuß) anzustreben und unangenehme Empfindungen/Gefühle (Schmerz, Leid, Unlust) zu vermeiden.

Entsprechend einer Bevorzugung eines dieser zwei Gesichtspunkte (Angenehmes erreichen wollen, Unangemehmes vermeiden wollen) kann Hedonismus in zwei Fassungen unterteilt werden:

»positiver Hedonismus«: Es ist gut und richtig, möglichst viele angenehme Empfindungen/Gefühle (Lust, Freude, Vergnügen, Genuß) anzustreben (Ziel: Maximierung von Lust).

»negativer Hedonismus«: Es ist gut und richtig, möglichst wenig unangenehme Empfindungen/Gefühle (Lust, Freude, Vergnügen, Genuß) erleiden zu wollen (Ziel: Minimierung von Schmerz/Leid).

Einen »positiven Hedonismus« hat z. B. Aristipp (griechisch: Ἀρίστιππος [Aristippos] vertreten, einen »negativen Hedonismus« Epikur (griechisch: Ἐπίκουρος [Epikouros]).

Die Unterscheidung wird beispielsweise auf der folgenden Seite verwendet:

http://diepaideia.blogspot.com/2012/01/aristippos-und-der-hedonismus.html

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Bei dem kategorischen Imperativ, den Kant vertritt, werden praktische Maximen (subjektive Grundsätze des Handelns) geprüft, ob sie widerspruchsfrei als Bestandteil einer allgemeinen Gesetzgebung der Vernunft gedacht und gewollt werden kann.

Wenn sich ein Widerspruch ergibt, ist die Maxime moralisch falsch und die Handlung nicht erlaubt.

Denkwiderspruch: Die Maxime kann nicht widerspruchsfrei als Bestandteil einer allgemeinen Gesetzgebung der Vernunft gedacht werden.

Wollenswiderspruch: Die Maxime kann nicht widerspruchsfrei als Bestandteil einer allgemeinen Gesetzgebung der Vernunft gewollt werden.

Beispiele:

a) Selbsterhaltung

Die Maxime, sich aus einem Prinzip der Selbstliebe selbst zu töten, wenn das Leben bei einer längeren Frist mehr Übel droht Annehmlichkeit verspricht, hält Kant für nicht widerspruchsfrei denkbar. Denn das Prinzip der Selbstliebe versteht er als auf Förderung des Lebens ausgerichtet. Dies ist mit der Zerstörung des Lebens unvereinbar.

b) Wohltätigkeit durch Hilfe/Beistand in der Not (kein Unterlassen von Hilfeleistung, weil jemand keine Lust hat, für jemand etwas beizutragen, der mit großen Mühseligkeiten zu kämpfen hat)

Die Maxime, zum Wohlbefinden eines anderen nichts beitragen oder ihm keinen Beistand in der Not zu leisten, wenn jemand keine Lust hat, einem anderen zu helfen, kann widerspruchsfrei gedacht werden. Denn mit dieser Denkungsart als allgemeines Naturgesetz wäre ein Bestehen des Menschengeschlechts nicht denkunmöglich.

Die Maxime kann aber nicht widerspruchsfrei als allgemeines Naturgesetz gewollt werden.

Niemand kann völlig ausschließen, irgendwann Hilfe/Beistand nötig zu haben. Mit einer Maxime, die eine Pflicht zu Hilfe/Beistand ablehnt, als allgemeines Gesetz würde sich jemand der Hoffnung auf Hilfe/Beistand für einen solchen Fall berauben.

Ein Mensch wünscht sich aber vernünftigerweise Hilfe/Beistand für einen solchen Fall.

Pflichten

Bei den strengen/engen (vollkommenen) Pflichten kann die dagegen verstoßende Maxime nicht widerspruchsfrei als Bestandteil einer allgemeinen Gesetzgebung der Vernunft gedacht werden und erst recht nicht gewollt.Bei den weiteren (unvollkommenen) Pflichten kann die dagegen verstoßende Maxime zwar als Bestandteil einer allgemeinen Gesetzgebung der Vernunft gedacht, aber nicht gewollt werden, weil ein solcher Wille sich selbst widersprechen würde.

Pflicht ist bei Immanuel Kant die Notwendigkeit einer Handlung aus Achtung vor dem moralischen Gesetz.

Pflicht tritt als inneres Gebot auf, gut zu handeln.

Zwischen vollkommenen und unvollkommenen Pflichten besteht nach Kants Darlegung ein Unterschied in der Art der Verbindlichkeit: vollkommene Pflichten haben eine enge bzw. strenge Verbindlichkeit, unvollkommene Pflichten eine weite Verbindlichkeit.

Vollkommene Pflichten sind dem Begriffsumfang nach Pflichten, die Rechtspflichten sind. Unvollkommene Pflichten sind dem Begriffsumfang nach Pflichten, die allein Tugendpflichten sind, keine Rechtspflichten.

Rechtspflichten gebieten eine Handlung (eine äußere Gesetzgebung ist möglich). Pflichten, die allein Tugendpflichten sind (sie können keiner äußeren Gesetzgebung unterworfen werden, weil sie auf einen Zweck ausgerichtet wird, aber einen Zweck als Ziel zu verfolgen, durch keine äußerliche Gesetzgebung bewirkt werden kann) gebieten eine Maxime (dem Vernunftinteresse entnommener subjektiver Grundsatz) der Handlung, nicht genau die Handlung selbst.

Der Zweck der Handlung ist in beiden Fällen zugleich Pflicht, aber bei unvollkommenen Pflichten gibt es (anders als bei vollkommenen Pflichten) einen Spielraum in der Anwendung der Maxime. Bei der Beachtung und Befolgung der Maxime ist nicht genau bestimmt, wie (auf welche Weise) und wieviel (in welchem Ausmaß) der Zweck bewirkt wird.

Immanuel Kant nimmt an, eine Pflichtenkollision (Zusammenstoß/Zusammenprall einander widerstreitender Pflichten) könne nicht auftreten. Möglich sei unterhalb der Ebene der Pflicht ein Widerstreit zwischen Gründen der Verbindlichkeit.

Immanuel Kant, Metaphysik der Sitten (1797). Erster Teil. Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre. Einleitung in die Metaphysik der Sitten. IV. Vorbegriffe zur Metaphysik der Sitten (philosophia practica universalis). AA VI, 224:

„Ein Widerstreit der Pflichten (collisio officiorum. s. obligationum) würde das Verhältnis derselben sein, durch welches eine derselben die andere (ganz oder zum Teil) aufhöbe. – Da aber Pflicht und Verbindlichkeit überhaupt Begriffe sind, welche die objektive praktische Notwendigkeit gewisser Handlungen ausdrücken und zwei einander entgegengesetzte Regeln nicht zugleich notwendig sein können, sondern, wenn nach einer derselben zu handeln es Pflicht ist, so ist nach der entgegengesetzten zu handeln nicht allein keine Pflicht, sondern sogar pflichtwidrig: so ist eine Kollision von Pflichten und Verbindlichkeiten gar nicht denkbar (obligationes non colliduntur). Es können aber gar wohl zwei Gründe der Verbindlichkeit (rationes obligandi), deren einer aber, oder der andere, zur Verpflichtung nicht zureichend ist (rationes obligandi non obligantes), in einem Subjekt und der Regel, die es sich vorschreibt, verbunden sein, da dann der eine nicht Pflicht ist. – Wenn zwei solcher Gründe einander widerstreiten, so sagt die praktische Philosophie nicht: daß die stärkere Verbindlichkeit die Oberhand behalte (fortior obligatio vincit), sondern der stärkere Verpflichtungsgrund behält den Platz (fortior obligandi ratio vincit).“

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https://www.dhm.de/lemo/bestand/objekt/wilhelm-ii-mit-arbeitern-mit-zitat-zum-burgfrieden-1914.html

„Postkarte mit Wilhelm II. und Arbeitern mit dem Zitat zum Burgfrieden

Entwurf: Franz Stassen

Verlag Hermann A. Wiechmann

Druck: Graphische Kunstanstalten F. Brückmann A-G.

München, 1914

9 x 14 cm“

Die Abbildung zeigt eine Propaganda-Postkarte von 1914.

Das Bild übt keine Kritik an Wilhelm II. und der Politik der Führung des Deutschen Reiches, sondern verherrlicht sie und versucht, für Zustimmung, innere Geschlossenheit und Einsatzbereitschaft im Krieg zu werben. Hervorgehoben wird, wie der Kaiser und Arbeiter zusammenkommen und übereinstimmen.

Kaiser Wilhelms II. sagte in in seiner Thronrede am 4. August 1914 im Berliner Stadtschloss vor den Abgeordneten des Reichstags: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche.“

In der Reichstagssitzung vom 4. August 1914 stimmten alle Parteien, auch die SPD, für Kriegskredite zur Finanzierung.

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/erster-weltkrieg/innenpolitik/burgfrieden.html

Kritik ist am Bild möglich:

  • Stilisierung nationaler Einigung, aber keine reale Szene
  • keine Bedenken gegen die Politik des Kaisers und der Führung des Deutschen Reiches, obwohl der Erste Weltkrieg nicht unvermeidbar war und deutsche Kriegserklärungen gegen Russland und Frankreich zuerst kamen
  • keine sachlichen Zugeständnisse an Arbeiterschaft bzw. SPD, nur Einbeziehung in nationale Reihen, Sozialdemokraten wegen Zustimmung nicht mehr als „vaterlandslose Gesellen“ angegriffen, Begrenztheit der angeblichen Einigungsbereitschaft und ihre Koppelung an ein Mitmachen beim Kriegskurs
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1) „Ich bitte dich, der du diesen Tempel betrittst, dass du nicht kennenzulernen/zu erfahren verschmähst, ...“

ingrederis ist Präsens, nicht Futur (das wäre ingredieris), noscere ist Infinitiv und auch dementsprechend zu übersetzen.

2) „ ... was dieser Ort in seinem Besitz hat und woran er, es enthaltend, erinnert.“

Dies ist ein zweiteiliger Nebensatz (indirekte Frage, daher Konjunktiv).

3) „Siehe, in diesem Grabhügel/Grabmal liegt ein berühmter/edler Mann bestattet, ...“

4) „ … dem sein Vater den Namen Einhard gegeben hat.“

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Könnt ihr bei 1) was ergänzen, wenn möglich (oder korrigieren, falls ich was falsches geschrieben habe) und mir bei Nummer 2 helfen?

Ihr könnt auch einfach eure Version hinschreiben, wenn ihr es nicht korrigieren wollt

1)

Interpretation

Das schwarz-weiß Gemälde von 1877 veranschaulicht die Kaiserproklamation des Wilhelms II. im Spiegelsaal des Versailles in Frankreich.

Der Spiegelsaal ist gefüllt mit vielen deutschen Fürsten. Vorne stehen Fürsten. Neben ihnen befindet sich Wilhem II. Die Hälfte von ihnen halten ihre Flaggen hoch. Gegenüber befinden sich viel mehr jubelnde Fürsten. Die meisten dieser Fürsten halten ihre Schwerter und Helme hoch. Otto von Bismarck hält in seinen Händen ein (Brett?). Das Gemälde wurde in einer Weitperspektive gemalt.

Die Fürsten, die neben Wilhelm II. stehen, sind wahrscheinlich wichtige Leute, da sie weniger sind als die Fürsten gegenüber. Sie stehen zur Unterstützung von Wilhelm II. In diesem Moment krönt sich Wilhelm II. selbst zum Kaiser und ernennt sich zu ,,Kaiser Wilhelm''.

Das Gemälde von 1885 zeigt die Kaiserproklamation des Wilhelms II im Spiegelsaal des Versailles in Frankreich.

Vorne erkennt man Wilhelm II. Links und rechts neben sich stehen deutsche Fürsten. Ebenso befinden sich hinter ihm deutsche Fürsten. Die meisten dieser halten ihre Flaggen hoch. Die Fürsten tragen blaue Kleidung mit schwarzen Hosen, die lange rote Streifen besitzen. Sie tragen weiße Handschuhe. Ihre Schuhe sind schwarz. Etwas mehr rechts stehen zwei weitere Männer, die weiße Kleidung mit schwarzen Hosen und Schuhe tragen. Einer von ihnen trägt zusätzlich einen Helm und hat einen Schwert mit sich dabei. Gegenüber befinden viel mehr deutsche Fürsten als von vorne. Die meisten von den Fürsten halten ihre Hüte und Schwerte nach oben und jubeln zugleich. Sie tragen genau das gleiche wie die anderen Fürsten. Unter diesen Fürsten befindet sich der Otto von Bismarck. Er trägt ebenso weiße Kleidung mit schwarzen Schuhen. An seinen Händen hält er ein Brett fest.

Vorne befinden sich wichtige Fürsten, da sie neben Wilhelm II. stehen und es nur wenige Fürsten sind, zum Vergleich der anderen Fürsten, die gegenüber sind. Gerade krönt sich Wilhelm II. selbst zum Kaiser und ernennt sich zu ,,Kaiser Wilhelm''.

Vergleichung:

Gemeinsamkeiten:

Die gleiche Handlung werden in beiden Gemälden veranschaulicht, die Kaiserproklamation von Wilhelm II. Gleiche Personen spiegeln sich in beiden Gemälden wieder. Im Gemälde von 1877 halten Fürsten ihre Hüte, Schwerte und Fahnen hoch sowie im Gemälde von 1855.

Unterschiede:

Das Gemälde von 1877 ist mit 4,3 x 7,3 m kleiner als das Gemälde von 1855 mit 1,7 x 2,1 m. Das erste Gemälde ist schwarz-weiß, während das zweite Gemälde farblich ist. Das Gemälde von 1877 ist in der Weitperspektive, und das Gemälde von 1885 wurde in der Nahperspektive gemalt.

2)

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Die Kaiserproklamation vom 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles hat Anton von Werner (1843 – 1915) in mehreren Gemälden dargestellt. Daher gibt es diese Historienmalerei in 4 Fassungen (1877, 1882, 1885 und 1913). Der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm hatte ihn aufgefordert, hinzukommen, und so war der Maler Augenzeuge des Ereignisses.

1) Interpretation

Das Gemälde von 1877 veranschaulicht die Proklamation des preußischen Königs Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser im Spiegelsaal des Schlosses von Schlosses von Versailles in Frankreich. Das Gemälde wurde in einer Weitperspektive gemalt.

Der Spiegelsaal ist gefüllt mit vielen deutschen Fürsten und Soldaten. An einer Querseite stehen auf einem erhöhten Bereich (Estrade), zu dem vier Stufen hinaufführen, Fürsten. In ihrer Reihe befindet sich Wilhelm I. Dahinter sind Fahnen von deutschen Regimentern aufgestellt. Gegenüber befinden sich viele jubelnde Fürsten und Soldaten. Die meisten halten ihre Schwerter und Helme hoch. Dies ist eine Geste, den Kaiser hochleben zu lassen. Otto von Bismarck (in dunkelblauer Uniform wie auch die anderen preußischen Offiziere) steht aus Betrachtersicht auf der linken Seite ein Stück vor den Stufen und hält mit Blick zu Wilhelm I. in seinen Händen die Proklamationsurkunde. Rechts neben ihm steht der preußische Generalstabschef Helmuth von Moltke. Vorne links und auf der rechten Bildhälfte in Längsrichtung zum Kaiser schauend befinden sich viele Offiziere (z. B. aus Preußen und Bayern).

Die Fürsten, die neben Wilhelm I. zur Unterstützung stehen, sind als Vertreter deutscher Einzelstaaten besonders wichtige Leute. In dem Moment, der abgebildet wird, bringt Großherzog Friedrich I. von Baden (aus Betrachtersicht rechts neben Wilhelm I.) das „Hoch auf Kaiser Wilhelm“ aus.

Oben ist ein Stück vom Deckengemälde des Malers Charles Lebrun (1619 – 1690) bemerkbar, das unter anderem den Rheinübergang der Truppen König Ludwigs XIV. im Jahr 1672 zeigt. In einem Kontrast wird in der Gegenwart dort nun sichtbar, wie ein siegreich geführte Krieg gegen Frankreich zur Gründung eines deutschen Reiches führt.

Die Ausrufung zum Kaiser erscheint als eine Sache von Fürsten und Soldaten (verschiedener deutscher Einzelstaaten).

Der Monarch erscheint würdevoll, die Fürsten und Soldaten begeistert.

Einzelne Personen wie Wilhelm I. und Bismarck treten ein wenig hervor, aber hervorgehoben sind weniger einzelne Personen als die Fürsten und die deutschen Heerführer in ihrer Gesamtheit.

Das Gemälde von 1885 zeigt die Kaiserproklamation in Nahperspektive und etwas anders.

Vorne im Saal, in der Mitte der linken Seite des Bildes, erkennt man Wilhelm I., links und rechts daneben stehen deutsche Fürsten. Ebenso befinden sich hinter ihm deutsche Fürsten. Dahinter sind Fahnen von deutschen Regimentern aufgestellt. An der rechten Seite von Wilhelm I. steht der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm, auf der linken Seite Großherzog Friedrich I. von Baden (aus Betrachtersicht rechts neben Wilhelm I.), der mit erhobenen rechten Arm das „Hoch auf Kaiser Wilhelm“ ausbringt. Diese Gruppe steht auf einem erhöhten Bereich (Estrade), zu dem drei Stufen führen.

Viele der Fürsten tragen dunkelblaue Uniformen mit schwarzen Hosen, die lange rote Streifen besitzen. Sie tragen weiße Handschuhe. Ihre Schuhe sind schwarz. Seitlich stehen zwei weitere Männer in weißen Uniformröcken mit schwarzen Hosen und Stiefeln. Einer von ihnen trägt zusätzlich einen Helm und hat ein aufgerichtetes Schwert dabei.

Gegenüber der Estrade befindet sich der größere Teil der Personen.

Die meisten Fürsten und Offiziere halten ihre Hüte und Schwerte nach oben und jubeln zugleich.

Der Monarch erscheint würdevoll, die Fürsten und Soldaten begeistert.

Unter diesen Fürsten befindet sich der Otto von Bismarck. Er ist in weißer Paradeuniform eines Kürassiers, mit langen schwarzen Stielen mit den Orden Pour le Mérite (ihm erst 1884 verliehen) abgebildet. In seinen Händen hält er die Proklamationsurkunde. Links neben ihm steht der preußische Generalstabschef Helmuth von Moltke.

In der Reihe an der Fensterseite wendet sich der bayerische General Jakob von Hartmann zim preußischen General Leonhard von Blumenthal. Davor, seitlich zu ersten Stufe, ist der preußische Kriegsminister Albrecht von Roon (1803 – 1879) mit den Orden Pour le Mérite abgebildet, der tatsächlich bei dem Ereignis wegen Krankheit (Katarrh) abwesend war.

Vergleich:

Gemeinsamkeiten:

Die gleiche Handlung, die Kaiserproklamation von Wilhelm I., wird in beiden Gemälden veranschaulicht. Es kommt eine große Anzahl gleicher Personen vor. Auf beiden Gemälden sind an einer Seite des Saals Fahnen aufgestellt und Fürsten und Soldaten halten Kopfbedeckungen und Waffen hoch.

Unterschiede:

Gößenmaße: Das Gemälde von 1877 ist mit 4,3 x 7,3 m kleiner als das Gemälde von 1855 mit 1,7 x 2,1 m.

Perspektive: Das Gemälde von 1877 ist in der Weitperspektive, das Gemälde von 1885 in der Nahperspektive gemalt. Infolge der größeren Nähe sind einige Einzelheiten mehr sichtbar, so die Orden von einzelnen Personen.

Anzahl der Personen: Aufgrund der Nahperspektive ist die Anzahl der Personen auf dem Gemälde von 1885 geringer.

Realitätstreue: Das Gemälde von 1877 ist der Realität näher als das Gemälde von 1885.

Abweichung von der Realität: Bismarck ist auf dem Gemälde von 1885 in einer weißen Paradeuniform dargestellt, die er damals nicht trug, und mit einem erst später verliehenen Orden. Der tatsächlich abwesende preußische Kriegsminister Albrecht von Roon ist hinzugefügt. Die noch lebenden Personen sind ein wenig dargestellt, in einer Angleichung an die Gegenwart.

Hervorhebungen: Einzelne Personen wie Wilhelm I. und Bismarck treten auf dem Gemälde von 1877 ein wenig hervor, aber hervorgehoben sind mehr die Fürsten und die deutschen Heerführer in ihrer Gesamtheit. Auf dem Gemälde von 1885 sind einzelne Personen mehr dadurch hervorgehoben dass sie im Mittelpunkt erscheinen bzw. aus einer Reihen hervortreten, so Wilhelm I. (vor einer Reihe von Bundesfürsten, als Personen neben Wilhelm I. deshalb auch der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm und Großherzog Friedrich I. von Baden weiter vorne), Bismarck (im Zentrum des Raums stehend) und der preußische Generalstabschef Helmuth von Moltke.

2) Erläuterung

Ein Gemälde kann seine eigene Geschichte haben, die z. B. seine Entstehung, seine Rezeption (verstehende Aufnahme und Deutung), seinen Ausstellungs- und Aufbewahrungsort und seinen Erhaltung betrifft.

Gemälde von 1877

Entstehung: ab 1871 begonnen, Auftragswerk deutscher Fürsten als Geschenk zum 80. Geburtstag von Kaiser Wilhelm am 22. März 1877

Aufbewahrung: Königliches Schloss in Berlin, 1877 – 1892 im „Weißen Saal“, 1892 - 1914 in der Bildergalerie, ab 1914 einlagert

Rezeption: 1877 – 1892 ein Höhepunkt am Ende der geführten Rundgänge durch die Repräsentationsräume des Schlosses, an denen täsglich mehrere hundert zahlende Besucher teilnahmen, büßte in der kleineren Bildergalerie an Wirkung ein, ab 1914 Blicken der Besucher entzogen

Erhaltung: am 2. Februar 1945 während eines Luftangriffes auf Berlin verbrannt, vom dem im Original farbigen Ölgemälde gibt es nur Schwarz-Weiß-Reproduktionen aufgrund alter Fotografien.

Gemälde von 1885

Entstehung: Auftragswerk der preußischen Königsfamilie (Hohenzollern) als Geschenk zum 70. Geburtstag von Otto von Bismarck am 1. April 1885, dabei Wunsch des Kaisers Wilhelm I., Albrecht von Roon wegen seiner engen Beziehungen zu Bismarck in das Gemälde hineinzunehmen, ausgeführt als Überarbeitung des Entwurfs für die Ruhmeshalle der preußischen Armee im Berliner Zeughaus

Aufbewahrung: Friedrichsruh in der Nähe von Hamburg, 1901 – 9121 im Bismarck-Turm des benachbarten Aumühle, April 1933 – 1945 im Friedrichsruher Marstall, ab 4. Dezember 1950 im gegenüberliegenden „Landhaus Friedrichsruh“, in einem Ausstellungsraum des seit 1997 von der Otto-von-Bismarck-Stiftung betreuten Bismarck-Museums Friedrichsruh, zwischen Büsten von Otto von Bismarck und Kaiser Wilhelm I

Rezeption: seit längerer Zeit öffentlich zugänglich

Erhaltung: einziges erhaltenes Original der vier Gemälde-Fassungen, die Anton von Werner von der Kaiserproklamation 1871 gemalt hat

Die beiden Gemälde haben die Kaiserproklamation als Thema. Dieses Ereignis vom 18. Januar 1871 kann so als besonders wichtige Handlung zur Gründung des Deutschen Reiche erscheinen, diese als Tat von oben und kriegerisch, während die verfassungsrechtlichen Abläufe und die Rolle der Parlamente daneben verschwinden. Im Gemälde von 1885 sind gezielt Abweichungen vorgenommen, um einzelne Personen besondere Bedeutung zu geben.

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3) Die Übersetzung ist bis auf ein ausgelassenes iis in Ordnung. Überlegt werden kann, ob es noch schöner ausgedrückt werden könnte.

„Ich habe mich nicht Angstbeklemmungen hingegeben/übergeben/ausgeliefert/preisgegeben, durch die ich aufgerieben/verzehrt/erschöpft/geschwächt/niedergeworfen worden wäre, wenn ich mich ihnen nicht widersetzt hätte.“

4) stetisset ist Konjunktiv Plusquamperfekt. Es handelt sich formal um einen Irrealis (unerfüllbarer Wusch) der Vergangenheit. Allerdings kann der Perfektstamm in der lateinischen Sprache resultative Bedeutung haben, gleichsam als präsentisches Perfekt.

Die passende Bedeutung von stare hängt vom Zusammenhang ab.

einige Möglichkeiten:

„Wenn doch der Staat dagestanden wäre!“

„Wenn doch der Staat standgehalten hätte!“

„Wenn doch der Staat Bestand gehabt hätte!“

5) In dem Satz ist das Prädikat wie ein Indikativ Präsens ponimus übersetzt. Dort steht aber der Konjunktiv Imperfekt poneremus.

„Wir würden mehr Mühe auf das Handeln als auf das Schreiben legen/verwenden.“

6) In dem Satz ist potuisset in potuissent (3.Person Plural Konjunktiv Plusquamperfekt Aktiv) zu verbessern, weil das Prädikat sich auf das Subjekt urbes (Nominativ Plural) bezieht. Ein Sollen in der Übersetzung ist nicht passend.

„Städte hätten ohne Vereinigung/Zusammenkommen von Menschen nicht erbaut werden können.“

Der Konjunktiv als Modus der Vorstellung in der lateinischen Sprache kann, wenn er ein Potentialis (Möglichkeit) ist, auch mal mit „könnte“ übersetzt werden.

Gegenwart: dixerit aliquis. „Es könnte irgendjemand sagen.“

Vergangenheit: diceret aliquis. „Es hätte irgendjemand sagen können.“

Es kommt darauf an, ob der Sinn der Aussage getroffen wird und die deutsche Sprache im Zusammenhang die Möglichkeit bietet.

Beim Konjunktiv im Hauptsatz als Iussiv (Befehl) oder als Deliberativ (zweifelnde Überlegung) kann ein Sollen in der Übersetzung vorkommen.

Brutus Caesarem necet! „Brutus soll Caesar töten!“

Quid faciam? „Was soll ich tun?“

In der deutschen Sprache ist „sollen" Indikativ, „sollten“ Indikativ der Vergangenheit oder Konjunktiv.

Was in Einzelfall richtig oder passend ist, hängt vom lateinischen Satz und den Möglichkeiten der deutschen Sprache ab.

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In den Sätzen zum Übersetzen wird mit ut (bzw. in einer Verneinung mit ne) als Konjunktion ein Nebensatz mit Konjunktiv eingeleitet, als Konjunktivsatz (deutsch: „so … dass“), als Finalsatz (deutsch: „damit“ bzw. in Infinitivkonstruktion „um … zu“) oder als (verneinter) Begehrssatz (deutsch in Infinitivkonstruktion „zu“ bzw verneint „nicht … zu“).

  1. „Ulixes [Odysseus] fasste so klug einen Plan, dass Troia schließlich eingenommen/erobert wurde.“
  2. „Cassius und Brutus beschlossen, Caesar zu töten, um dem Staat die Freiheit zurückzugeben.“
  3. „Alle umzingelten Soldaten kämpfen so tapfer, dass die Feinde sich schließlich zurückzogen.“
  4. „Die Mutter des Achilles [Achilleus] begehrte von ihrem Sohn, dass er nicht mit den anderen Griechen zur Stadt Troia fuhr.“

oder „Die Mutter des Achilles [Achilleus] begehrte von ihrem Sohn, dass er nicht mit den anderen Griechen zur Stadt Troia fahre.“

oder mit Infinitivkonstruktion „Die Mutter des Achilles [Achilleus] begehrte von ihrem Sohn, nicht mit den anderen Griechen zur Stadt Troia zu fahren.“

oder mit anderer Wiedergabe von petere und mit Infinitivkonstruktion „Die Mutter des Achilles [Achilleus] bat ihren Sohn, nicht mit den anderen Griechen zur Stadt Troia zu fahren.“

Bei diesem Satz gibt es besonders viele Möglichkeiten, ihn in die deutsche Sprache zu übersetzen.

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hellenistische Verserzählungen

Hellenistische Verserzählungen sind Verserzählungen aus der Zeit des Hellenismus. Sie kommen aus dem griechischen Kulturkreis.

Als Hellenismus wird ein Zeitraum der griechischen Geschichte bezeichnet, als von makedonischen Eroberungen (Alexander III. [ »der Große«] von Makedonien war 336 – 323 v. Chr. Herrscher und begann 334 v. Chr. einen Krieg gegen das Perserreich) eingeleitet sich die griechische Kultur weit im Orient verbreitete, mit Einheimischen in engen Kontakt kam und ihre Traditionen teils überlagerte, teils Wechselbeziehungen mit gegenseitigem Austausch hatte. In politischer Hinsicht beginnt der Hellenismus mit dem Alexanderreich und endet mit der Einverleibung seiner Nachfolgestaaten in das römische Reich, zuletzt 30 v. Chr. Ägypten.

Verserzählungen sind in Versen abgefasste Erzählungen. Es handelt sich also um Dichtungen, die etwas erzählen. Äußerlich ist Dichtung am Versmaß (mit einem Fachbegriff auch Metrum genannt) bemerkbar. Ovid (Publius Ovidius Naso), Metamorphosen ist in einem „Hexameter“ genannten Versmaß geschrieben und, da Verwandlungen erzählt werden, eine Verserzählung. Erzählend können bei den Arten von Dichtungen Epos/Epik und Lyrik sein, Drama/Dramatik ist nicht als Gesamtwerk erzählend, kann aber erzählende Teile (z. B. Schilderungen des Chors, möglicherweise auch mit kommentierenden Bemerkungen, oder Botenberichte) enthalten.

Einflüsse auf Ovids Metamorphosen

Die literarischen Werke, die auf Ovids Metamorphosen eingewirkt haben, sind nicht vollständig greifbar. Vieles ist nur in Bruchstücken oder gar nicht enthalten. Teilweise ist inhaltlich ein wenig bekannt, wobei Antoninus Liberalis, Metamorphoseon Synagoge (griechisch: Μεταμορφώσεων συναγωγή; Zusammenstellung/Sammlung von Metamorphosen; lateinischer Titel: Metamorphoses) aus dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. wichtig ist.

hellenistische Verserzählungen, die (mögliche) Einflüsse sind:

  • Kallimachos (griechisch: Καλλίμαχος; lateinisch: Callimachus) aus Kyrene, Aitia (griechisch: Αἴτια, Ursprünge/Ursprungsgeschichten; lateinischer Titel: Aetia), 3. Jahrhundert v. Chr.
  • Ornithogonia (griechisch: Ὀρνιθογονία; Vogelentstehung; lateinischer Titel: Ornithogonia/De avium ortu), 3. Jahrhundert v. Chr., einer Dichterin Boio oder einem Dichter Boios zugeschrieben, frei ins Lateinische übertragen von Aemilius Macer im 1. Jahrhundert v. Chr., behandelte Verwandlung von Menschen in Vögel
  • Nikandros (griechisch: Νίκανδρος; lateinisch: Nicander) aus Kolophon, Heteroioumena (griechisch: Ἑτεροιούμενα; Verwandlungen; lateinischer Titel: Metamorphoses), 2. Jahrhundert v. Chr.
  • Parthenios (griechisch: Παρθένιος; lateinisch: Parthenius) aus Nikaia oder Myrlea, Metamorphoseis (griechisch: Μεταμορφώσεις; Metamorphosen; lateinischer Titel: Metamorphoses), 1. Jahrhundert v., Chr., hat behandelt, wie Skylla (griechisch: Σκύλλα: lateinisch: Scylla), Tochter des Königs Nisos (griechisch: Νῖσος; lateinisch: Nisus) in einen Vogel verwandelt worden ist, Einfluss auf die Liebesdichtung mit dem Liebesgeschichten aus dem Mythos behandelnden Werk „Erotika pathematha” (griechisch: Ἐρωτικὰ Παθήματα; Liebesleiden)
  • Phanokles (griechisch: Φανοκλῆς; lateinisch: Phanocles), Erotes e kaloi (griechisch: Ἔρωτες ἢ καλοί; Liebschaften oder Die schönen Knaben/Eroten oder Schöne; lateinischer Titel: Amores seu Pulchres), frühhellenistischer elegischer Dichter, wohl 3. Jahrhundert v. Chr., hat homosexuelle Liebschaften von Göttern und Heroen des Mythos erzählt
  • Theodoros (griechisch: Θεόδωρος; lateinisch: Theodorus), Metamorphoseis (griechisch: Μεταμορφώσεις; Metamorphosen; lateinischer Titel: Metamorphoses), hat behandelt, wie Smyrna/Myrrha in einen Myrrhe-Baum verwandelt worden ist, wahrscheinlich auch, wie Alkyone (griechisch: Ἀλκυόνη; lateinisch: Alcyone) in einen Eisvogel verwandelt worden ist
  • Didymarchos (griechisch: Διδύμαρχος; lateinisch: Didymarchus), Metamorphoseis (griechisch: Μεταμορφώσεις; Metamorphosen; lateinischer Titel: Metamorphoses), hat die Sage über Battos (griechisch: Βάττος; lateinisch: Battus) behandelt

Beim Stoff kommen als Einflüsse auch Sternsagen/Verstirnungssagen/Katasterismen (griechisch: καταστερισμοί) in Frage, so wird Eratosthenes ein Prosa-Werk „Katasterismoi“ (griechisch: Καταστερισμοί) zugeschrieben, Aratos aus Soloi hat in seinem in Versen geschriebenen astronomischen Werk „Phainomena“ (griechisch: Φαινόμενα) auf solche Sagen angespielt.

Michael von Albrecht, Geschichte der römischen Literatur : von Andronicus bis Boethius; mit Berücksichtigung ihrer Bedeutung für die Neuzeit. Band 1. 3., verbesserte und erweiterte Auflage. Berlin ; Boston : De Gruyter, 2012, 2012. S. 673 – 674 zu Stoffquellen [nicht nur hellenistische Verserzählungen]):

„Die Sagenstoffe stammen zum großen Teil aus hellenistischen Quellen: Boios oder Boio (Ὀρνιθογονία), lateinisch nachgedichtet von Ovids älterem Freund Aemilius Macer), Phanokles (Ἔρωτες ἢ καλοί), Eratosthenes (Καταστερισμοί), Nikander (Ἑτεροιούμενα), Parthenios (Μεταμορφώσεις); der Letztgenannte lebt in Rom und steht dem von Ovid hochgeschätzten Cornelius Gallus nahe. Der Silensgesang in Vergils sechster Ekloge ist den Metamorphosen höchst ähnlich: Dieser Entwurf eines kosmologisch-erotischen Gedichtes muß Ovid beeindruckt haben, gleichgültig, ob Vergil hier auf ein Werk des Gallus Bezug nimmt. Die Annahme eines mythographischen Handbuchs als Anregung für die Stoffverteilung in manchen Partien der Metamorphosen – nicht für die Einzelausführung – liegt ebenfalls nahe.“

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Ein klar eingrenzendes antikes Verständnis oder eine genaue allgemein verwendete literaturwissenschaftliche Definition zum literarischen Katalog gibt es nicht.

Die Grundbedeutungen des griechischen Wortes κατάλογος sind: Aufzählung, Verzeichnis, Liste.

Ein literarischer Katalog ist dem Schwerpunkt nach eine Aneinanderreihung und beschreibend.

Ein literarischer Katalog ist eine Aufzählung gleichartiger Bestandteile (Namen, Begriffe, Sachen) in einem einheitlichen Erzählzusammenhang in einem literarischen Werk.

Christiane Reitz, Katalog. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Band 6: Iul - Lee. Stuttgart ; Weimar, Metzler, 1999, Spalte 334:

„Der K. ist eine zumeist formal deutlich abgegrenzte Aufzählung gleichartiger Begriffe in einem einheitlichen Zusammenhang. Jedes seiner Glieder ist ‘Element einer durchgehenden Entwicklung’ […].“

K. = Katalog

Burkhard Scherer, Mythos, Katalog und Prophezeiung : Studien zu den Argonautika des Apollonios Rhodios. Stuttgart : Steiner, 2006 (Palingenesia ; Band 87), S. 70:

„In einem literarischen Katalog wird ein Ganzes durch Auflistung seiner konstituierenden Bestandteile beschrieben.“

Mit dem Versuch einer Angrenzung zu einer Liste und dem Merkmal eines Fehlens einer narrativen Pause ist die Definition S. 72:

Katalog Beschreibung in Form einer (formal) überstrukturierten Liste (poly-syntaktisch)“

Ein frühes Beispiel eines literarischen Katalogs ist der »Schiffskatalog« (mit Anzahl der Schiffe, Namen der Anführer, Herkunftsorte) bei Homer, Ilias Β – 2. Gesang, Vers 494 – 759.

Ein anderes Beispiel ist der Argonauten-Katalog (Teilnehmer an der Fahrt mit dem Schiff Argo) bei Apollonios Rhodios, Argonautika 1, 23 – 233.

Stellen mit Katalogen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Ovid, Metamorphosen 2, 217 - 226: Katalog der Berge, die von Bränden betroffen sind, als Phaëthon (griechisch: Φαέθων [Phaëthon]) die Kontrolle über den Sonnenwagen verliert

Ovid, Metamorphosen 3, 206 - 225: Katalog der eigenen Hunde, die den in einen Hirsch verwandelten Actaeon (griechisch: Ἀκταίων [Aktaion]) jagen

Ovid, Metamorphosen 6, 412 – 423: Katalog von Städten, die den um den Tod des Amphion und seiner Kinder von Niobe Trauernden Trost bringen, und des verhinderten Athen

Ovid, Metamorphosen 7, 461 - 474: Katalog der Inseln, die König Minos bei einem Krieg gegen Athen zur Unterstützung heranzieht

Ovid, Metamorphosen 8, 298 - 323: Katalog der Jäger bei der kalydonischen Eberjagd

Ovid, Metamorphosen 10, 86 - 105: Katalog der Bäume an einem Ort in Thrakien, wo sich Orpheus befindet

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Zuordnungen mit den Entsprechungen von Gleichnisebene und Deutungsebene:

Außenwelt = denkbare Welt

Sonne = Idee des Guten (Singular!; griechisch: ἡ τοῦ ἀγαθοῦ ἰδέα [he tou agathou idea])

Gegenstände der Außenwelt = Ideen

Höhle = sichtbare Welt

Feuer = Sonne

Mühe des Aufstiegs = Bildungsanstrengung

Schatten = Alltagswissen

Gefangene = die Menschen

eine ausführlichere Deutung steht z. B. bei dieser Frage:

https://www.gutefrage.net/frage/was-wollte-platon-mit-seinen-hoehlengleichnis-sagen-wie-kann-man-das-bild-deuten

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Der Quelle kann entnommen werden, was Konrad Adenauer, der am 15. September 1949 gewählte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland (BRD), für eine Auflassung zur Gründung der Deutschen Demokratische Republik (DDR) am 7. Oktober 1949 (eine Verfassung wird in Kraft gesetzt) vertreten hat und wie sein grundsätzlicher Standpunkt zur entstandenen Lage Deutschlands ist.

Die Quelle enthält eine offizielle Aussage, weil sie ein Ausschnitt aus der Regierungserklärung des Bundeskanzlers im Bundestag am 21. Oktober 1949 ist.

Konrad Adenauer lehnt die Gründung der DDR ab. Er hält die Verhältnisse in der sowjetischen Besatzungszone für schlecht und unfrei, nicht vom freien Willen einer Mehrheit der Bevölkerung getragen.

Aussagen in dem Ausschnitt sind.

  • kein freier Wille der deutschen Bevölkerung in der Sowjetzone/sowjetischen Besatzungszone
  • Bundesrepublik Deutschland beruht dagegen auf dem freien Wille eines großen Teils der deutschen Bevölkerung, nämlich rund 23 Millionen stimmberechtigter Deutscher
  • in der Bundesrepublik Deutschland gibt es auch Verantwortungsgefühl für das Schicksal der in der Sowjetzone/sowjetischen Besatzungszone Sowjetzone/sowjetischen Besatzungszone/DDR lebenden deutschen
  • alleinige Befugnis der Bundesrepublik Deutschland, für das deutsche Volk zu sprechen

eine vollständige Wiedergabe des Textes enthält:

https://www.konrad-adenauer.de/quellen/erklaerungen/1949-10-21-regierungserklaerung-ddr-gruendung

Begründung der Aussage zum fehlenden freien Wille der deutschen Bevölkerung in der Sowjetzone:

Diese Volkskongresse sind nicht aus Wahlen, das heißt aus freien Wahlen, an denen sich jeder hätte frei beteiligen können, hervorgegangen. Für den Dritten Volkskongreß durfte nur eine Einheitsliste aufgestellt werden. Die in der vom Volksrat beschlossenen Verfassung vom 19. März 1949 vorgesehenen Wahlen für eine Volkskammer wurden nicht abgehalten. Der Volksrat etablierte sich am 7. Oktober 1949 im Widerspruch mit der von ihm selbst beschlossenen Verfassung als provisorische Volkskammer. Gleichzeitig wurde erklärt, daß Wahlen, die schon mehrfach in Aussicht gestellt waren, bis zum 15. Oktober 1950 verschoben würden. Nach dem völligen Zusammenbruch aller staatlichen Organisation in Deutschland mit der bedingungslosen Kapitulation kann aber eine Organisation in Deutschland nur dann den Anspruch darauf erheben, ein legitimer Staat zu sein, wenn sie auf dem freien Willen der Bevölkerung beruht.

Es wird niemand behaupten können, daß die nunmehr geschaffene Organisation der Sowjetzone auf dem freien Willen der Bevölkerung dieser Zone beruht.“

Adenauer rechnet die Stimmen bei der ersten Bundestagswahl am 14. August 1949 für alle Parteien außer der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) als grundsätzliche Zustimmung zur Schaffung der Bundesrepublik Deutschland zusammen und kommt so auf rund 23 Millionen stimmberechtigter Deutscher, die frei ihren Willen bekundet haben: „Die Wahlen zum ersten Bundestag wurden am 14. August 1949 abgehalten. An ihnen beteiligten sich rund 25 Millionen von 31 Millionen stimmberechtigter Deutscher. Nur die 1,5 Millionen kommunistischen Stimmen, die abgegeben wurden, kann man als gegen die staatliche Neuordnung abgegeben bezeichnen, so daß rund 23 Millionen Wähler bei dieser Wahl bestätigten, daß sie die staatliche Neuordnung der drei Westzonen, die Schaffung der Bundesrepublik Deutschland billigten.“

Weil die Deutschen in der sowjetischen Besatzungszone/DDR zum deutschen Volk gehören, gibt es nach der Regierungserklärung in der Bundesrepublik Deutschland auch Verantwortungsgefühl für ihr Schicksal.

Die Bundesrepublik Deutschland stützt sich dagegen auf die Anerkennung durch den frei bekundeten Willen von rund 23 Millionen stimmberechtigter Deutscher. Die Bundesrepublik Deutschland ist somit bis zur Erreichung der deutschen Einheit insgesamt die alleinige legitimierte staatliche Organisation des deutschen Volkes.

Konrad Adenauer beansprucht eine alleinige Befugnis der Bundesrepublik Deutschland für das deutsche Volk zu sprechen. Er vertritt ein Fortbestehen eines deutschen Volkes und Deutschland als Gesamtheit, wobei die Bundesrepublik Deutschland in einer Rechtsnachfolge des Deutschen Reiches steht. Dabei hat nach seiner Auffassung die Bundesrepublik Deutschland, weil nur in ihr in eine von stimmberechtigten Deutschen frei gewählte Regierung im Amt ist, bis zum Erreichen einer deutschen Einheit das alleinige Recht, deutsche Interessen zu vertreten, für das deutsche Volk zu sprechen und verbindliche innen- und außenpolitische Entscheidung zu treffen. Die Sowjetion und die Führung der DDR sind wegen fehlender Freiheit der Deutschen in ihrem Machtbereich dazu nicht legitimiert (berechtigt).

Die in der Quelle erstmals formulierte alleinige Befugnis, für das deutsche Volk zu sprechen, wird Alleinvertretungsanspruch genannt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Alleinvertretungsanspruch

https://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-gruenderjahre/deutsche-frage/alleinvertretungsanspruch.html

https://www.konrad-adenauer.de/politikfelder/deutschlandpolitik/alleinvertretungsanspruch-der-bundesrepublik-deutschland

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1) Im Jahre 1906 im Berliner Vorort Köpenick ereignete sich ein unvergesslicher Vorfall. Ein Mann namens Wilhelm Voigt gab sich als Gardeoffizier und täuschte damit alle.

Der arbeitslose Schuster und zugleich Gewohnheitsverbrecher Voigt kaufte sich im Berliner Vorort Köpenick eine gebrauchte Hauptmannsuniform. Mit dieser Verkleidung spielte er vor, dass er ein Gardeoffizier sei. Ihm zufällig begegnende Soldaten waren bereit, sich unter das Kommando des ihnen unbekannten Mannes zu stellen. Dies nutzte er aus, um den Soldaten Befehle zu erteilen, die sie blind befolgten. Voigt beauftragte die Soldaten, das Rathaus von Köpenick zu besetzen, und verlangte im Namen des Kaisers, ihm die Stadtkasse zu übergeben. Als die Beamten dies nicht sofort taten, ließ er sie von den Soldaten verhaften und wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt ins Gefängnis einsperren. Lobend verabschiedete er sich von den Soldaten und verschwand mit der Stadtkasse, in der sich 3557, 45 Reichsmark befanden. Schließlich wurde der Betrüger nach zehn Tagen gefasst.

Dieser Vorfall ist einerseits wegen des leicht erreichten Hereinfallens auf einen dreisten Schwindel und den unglaublichen Folgen ein lustiges Gaunerstück. Andererseits zeigt er Fehler in der Gesellschaft. Nur durch unbedingten blinden Gehorsam gegenüber Vorgesetzten (Kadavergehorsam) und kritikloser Unterordnung unter einen hohen militärischen Rang, den eine Uniform nach außen ausdrückt, konnte Wilhelm Voigt seine Aktion gelingen.

2) In der Fotografie einer Alltagsszene aus Berlin in der Zeit des Kaiserreiches zieht ein anscheinend wohlhabender Mann in Zivilkleidung grüßend seinen Hut vor einem Mann in militärischer Uniform, während dieser ihn nicht grüßt und seine Kopfbedeckung, eine »Pickelhaube« (amtlich: „Helm mit Spitze“), aufbehält. Respekt und Anerkennung durch Grüßen geschieht in der Szene also einseitig. Der Militär ist dem Zivilisten übergeordnet. In der sichtbaren Anerkennung und dem großen Respekt kommt ein Merkmal der gesellschaftlichen Verhältnisse zum Vorschein.

Soziale Militarisierung bezeichnet die Vorherrschaft militärischer Denkweisen, Verhaltensweisen Grundsätze und Interessen in der Gesellschaft. Es handelt sich um ein starkes Hineinwirken des Militärischen in die Gesellschaft.

In der Gesellschaft des deutschen Kaiserreiches sind mehrere Erscheinungsformen und Kennzeichen einer sozialen Militarisierung bemerkbar:

Es gab großen Respekt vor allem Militärischem.

Eine Begeisterung für das Militärische war weit verbreitet, vor allem auch im Bürgertum. So hatten Kriegervereine 1913fast 3 Millionen Mitglieder und waren damit die größte Massenorganisation.

Ein militärisches Erscheinungsbild wurde bevorzugt. So zeigten sich Männer bei gesellschaftlichen Anlässen gerne in Uniform, Bahnhofsvorsteher gingen mit einem für praktische Zwecke nicht sinnvollen Säbel Patrouille. Kinder bekamen Kriegsspielzeug und Matrosenanzüge.

Es gab eine dem Militär ähnliche straffe Organisation mit klarer Festlegung von Befehl und Gehorsam in der Polizei und auch in in zivilen Einrichtungen wie Eisenbahn, Post, Behörden und Schulen.

Der militärischen Rang hatte ein Übergewicht beim gesellschaftlichen Ansehen und bestimmte es mehr als Leistung oder Bildung. Sogar in Todesanzeigen von Universitätsprofessoren wurde ihre Stellung als Leutnant der Reserve noch vor der Mitgliedschaft in der Akademien der Wissenschaften angegeben.

Militärische Denk- und Verhaltensmuster wie Befehl und Gehorsam, Disziplin und Ordnung, Kampfbereitschaft und Pflichterfüllung. wurden als Leitvorstellungen auch in den gesellschaftlichen Alltag übernommen.

3) Anscheinend soll eine Zusammenfassung von Ergebnissen vorgelegt werden. Andere Gesichtspunkte als die Militarisierung sind aber nicht bekannt und in der Frage mitgeteilt.

Möglich ist nur ein Versuch, der noch verändert und ergänzt werden kann:

Modernität und Rückständigkeit sind inhaltlich keine besonders klaren und genau abgrenzbaren Begriffe. Modern meint auf der Höhe der Zeit, der Zeit entsprechend, zeitgemäß, zu den neusten Entwicklungen passend, fortschrittlich, aktuell. Rückständig meint zurückgeblieben, überholt, altmodisch, veraltet, gestrig, die Erfordernisse der Zeit nicht mehr erfüllend, aus alter Zeit stammend und den neuesten Entwicklungen nicht mehr entsprechend. Die Begriffe haben einen gewissen zeitlichen Bezug (neu/alt), wobei aber leicht Vorstellungen von einem Geschichtsverlauf nach einem festen Muster hineinkommen.

Es ist nach Bereichen und Bevölkerungsgruppen zu unterscheiden.

Beim deutschen Kaiserreich (1871 – 1918) hat es sowohl Rückständigkeit als auch Modernität gegeben, zum Teil sogar ineinander verflochten.

An der Verfassung und Politik war das starke monarchische Prinzip rückständig. Der Kaiser hatte unter anderem das Recht zu Einberufung, Vertagung und Schließung des Reichstages, zur Ernennung und Entlassung des Reichskanzlers, die Verfügung über einen Notstand/Ausnahmezustand) und praktisch ein Veto in Militärsachen, weil in Militärsachen bei Meinungsverschiedenheiten im Bundesrat die Stimme des Präsidiums, wenn sie die bestehenden Einrichtungen aufrechterhalten wollte, ausschlaggebend war und das Präsidium des Bundes dem König von Preußen zustand. Es fehlte eine volle parlamentarische Verantwortlichkeit der Regierung. Daher war das Kaiserreich keine parlamentarische Demokratie. Modern war das Wahlrecht für den Reichstag allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht für Männer ab 25 Jahren. Auf der Ebene der einzelnen Länder war aber in einigen Fällen das Wahlrecht rückständig, z. B. ein Zensuswahlrecht, so das preußische Dreiklassenwahlrecht (Aufteilung der Wähler nach Steueraufkommen in drei Gruppen mit unterschiedlichen Stimmenanteilen ein), das außerdem indirekt und nicht geheim war.

Das Deutsche Reich hatte in einem starken Ausmaß den Charakter eines Obrigkeitsstaates.

Rückständig war die Übermacht von (vor allem adligen) Grundbesitzern im Nordosten (vor alle östlich der Elbe).

Rückständig die große Macht des Adels.

Rückständig war eine verbreitete Vorherrschaft des Militärischen mit einem Grundsatz bedingungslosen Gehorsams.

Rückständig war eine autoritäre und antidemokratische Denk- und Verhaltensweise in einem ziemlich großem Teil der Bevölkerung.

Verhältnismäßig modern waren Wirtschaft und Technik, auch viele Leistungen in Wissenschaft und Kunst.

Es gab Sozialgesetzgebung mit Es gab Sozialgesetzgebung mit Sozialversicherungen. Andererseits wollten viele Schwerindustrielle gegenüber der Arbeiterschaft Herr im Haus sein.

Es gab verschiedene Weltanschauungen, darunter Nationalismus, Imperialismus und Rassismus, die in ihrem auf Massen bezogenen Auftreten auch neue Züge hatten, ihrem Inhalt nach aber Rückständigkeit bedeuten konnten (z. B. durch primitive Arten einfacher Über- und Unterordnung, Freund-Denkens).

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Die meisten Lösungen sind richtig.

zu verbessern:

scire ist i-Konjugation. Das i gehört dazu.

scio → sciam

sciunt → scient

scit → sciet

capere ist gemischte Konjugation. Im Futur wird ein Bindevokal i verwendet.

capiunt → capient

capit → capiet

capio → capiam

venire ist i-Konjugation. Das i gehört dazu.

venio → veniam

veniunt → venient

cadere ist konsonantische Konjugation. Ein i gehört nicht dazu.

cado → cadam

Konjugationstabellen können helfen z. B.:

https://de.pons.com/verbtabellen/latein/defendere

https://de.pons.com/verbtabellen/latein/scire

https://de.pons.com/verbtabellen/latein/mittere

https://de.pons.com/verbtabellen/latein/vincere

https://de.pons.com/verbtabellen/latein/capere

https://de.pons.com/verbtabellen/latein/venire

https://de.pons.com/verbtabellen/latein/educere

https://de.pons.com/verbtabellen/latein/cadere

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Johann Gottlieb Fichte hat ab Ende 1790 die Existenz von Willensfreiheit bejaht. Er ist ein Vertreter der Autonomie.

In einer vorherigen Phase hat er einen strikten Determinismus vertreten, nach dem alles Handeln durch die Gottheit determiniert war. Es gebe ein ewiges Wesen, dessen Existent und Art, zu existieren notwendig sei, die Welt sei nach und durch den ewigen und notwendigen Gedanken dieses Wesen entstanden, jede Veränderung dieser Welt werde durch eine zureichende Ursache notwendig so bestimmt, wie sie sei, die erste Ursache jeder Veränderung sei der Urgedanke der Gottheit, auch jedes denkende und empfindende Wesen müsse notwendig so existieren, wie es existiere, weder sein Handeln noch ein Leiden könne ohne Widerspruch anders sein, als es sei (Johann Gottlieb Fichte, Aphorismen über Religion und Deismus, 1790).

Das Studium der Philosophie Kants brachte einen Wandel: Fichte hielt nun den menschlichen Willen für frei.

Er befürwortete Freiheit der Meinungsäußerung in Reden und Veröffentlichungen (Johann Gottlieb Fichte, Zurückforderung der Denkfreiheit von den Fürsten Europas, die sie bisher unterdrückten, 1793).

Fichte nahm als Grundlage ein absolutes Ich. Damit meinte er kein einzelnes empirisches Ich, sondern ein nichtsinnliches überindividuelles Ich, eine Ichheit, deren Tätigkeit er „Setzen“ nennt.

Fichte hielt, um den Grund aller Erfahrung anzugeben, nur zwei philosophische Systeme für folgerichtig:

1) Idealismus (Grund liegt in der Intelligenz)

2) Dogmatismus (Grund liegt im Ding an sich)

Eine Aufteilung der Erfahrung auf verschiedene Quellen hielt Fichte wegen einer inneren Einheit der Erfahrung für nicht stimmig durchführbar.

Nach Auffassung von Fichte gab es die Alternative, die Selbstständigkeit des Ich dem unabhängigen Bestehen der Dinge aufopfern (totaler Determinismus) oder umgekehrt das unabhängigen Bestehen der Dinge dem Selbstständigkeit des Ich aufopfern (Freiheit). Dabei führte ein Vernunftinteresse an Freiheit zum Idealismus. Außerdem sei die kausale Einwirkung eines Dinges an sich auf ein Ich nicht zu verstehen und ohne Sinn.

Freiheit enthält nach Auffassung von Fichte tatsächliches Anfangen, ein echtes Übergehen von Unbestimmtheit zu Bestimmtheit durch das Ich, auch wenn das Wollen notwendig eine äußere Realität voraussetzt. Natur versteht er als Naturseite der Freiheit

Fichte erklärt, das freie Handeln müsse Gründe haben. Die Intelligenz verstehe sich als frei und bringe dadurch ihr Sein unter den Begriff. Der Mensch ist fähig, zu denken, also Allgemeinbegriffe zu verwenden. Der Allgemeinbegriff enthält nicht nur das in einer Situation gegebene Besondere, sondern auch das andere Mögliche. So wird ein Möglichkeitsbewusstsein freigesetzt. Die Freiheit ist durch die Existenz anderer denkender Wesen und das Gewissen eingeschränkt. Das Bewusstsein des moralischen Gesetzes/Sittengesetzes (jedes Ding dessen Endzwecken gemäß zu behandeln) ist die notwendige Weise, in der allein Menschen sich als frei denken können. Wer sich frei denkt, ist genötigt, seine Freiheit unter ein Gesetz zu denken, und wer an dieses Gesetz denkt, ist genötigt, sich frei zu denken (Johann Gottlieb Fichte, Das System der Sittenlehre nach den Principien der Wissenschaftslehre, 1798).

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