Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 1, 1, 1 hat Gallien in seiner Beschreibung - abgesehen von der schon vorhandenen römischen Provinz Gallia transalpina (auch kurz Provincia genannt) mit keltischen Einwohnern (z. B. dem auch ein wenig beteiligtem Stamm der Allobroger) - in drei Teile eingeteilt, bewohnt von den Belgern (Nordosten), Aquitaniern (Südwesten) und Kelten/Galliern (Hauptteil Galliens).

Die übersetzte Textstelle (eine Stelle sollte ohne Komma sein: „von der Seite der Sequaner und Helvetier aus“) ist Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 1, 1, 5:

eorum una pars, quam Gallos obtinere dictum est, initium capit a flumine Rhodano, continetur Garunna flumine, Oceano, finibus Belgarum, attingit etiam ab Sequanis et Helvetiis flumen Rhenum, vergit ad septentriones.

Caesar beschreibt darin geographisch das Gebiet des einen Teils, des von Kelten/Galliern bewohnten Hauptteil Galliens (una pars, quam Gallos obtinere dictum est), mit seinen Grenzen. Caesar beschreibt also mit eorum una pars gar kein Volk (z. B. die Hevetier), sondern ein Gebiet und seine Lage mit Grenzverlauf.

Das Demonstativpronomen eorum (Genitiv Plural Maskulinum) bezieht sich auf die Bewohner Galliens ingesamt, die von Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 1, 1, 1 – 4 in Belger (lateinisch: Belgae), Aquitanier (lateinisch: Aquitani) und Kelten/Galliern (lateinisch: Celtae/Galli) unterteilt worden sind, und die von ihnen bewohnten drei Teile (partes tres).

Der Sache nach kann kann eorum una pars als „der eine Teil Galliens“ verstanden werden. Grammatisch ist eorum (Plural) an die erwähnten Einwohner und die von ihnen bewohnten drei Teile angehängt („Der eine Teil von diesen“).

Zur geographischen Lage der damaligen gallischen Stämme kann eine Landkarte Informationen bieten.

Im Internet gibt es z. B.:

https://de.wikipedia.org/wiki/De_bello_Gallico#/media/Datei:Map_Gallia_Tribes_Towns.png

https://de.wikipedia.org/wiki/Gallien#/media/Datei:Peuples_gaulois.jpg

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Gedacht ist vermutlich an Caesars Überschreiten des Flusses Rubikon, das in Verbindung mit dem Beginn des römischen Bürgerkrieges 49 – 45 v. Chr. steht.

Das Überschreiten des Flusses Rubikon (lateinisch: Rubico; griechisch: Ῥουβίκων) war in der Zeit des antiken römischen Reiches nicht an sich verboten. Verboten gewesen ist aber Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. das Überschreiten der Grenze zwischen der Provinz Gallia cisalpina (auch als Gallia citerior oder Gallia transpadana bezeichnet) und Italien mit bewaffneten Truppen für jemand in Ausübung militärischer Kommandogewalt (lateinisch: imperium).

Der Rubikon bildete damals eine Grenze zwischen der Provinz Gallia cisalpina und Italien.

Gaius Iulius Caesar hatte als Prokonsul militärische Kommandogewalt und war Statthalter der Provinzen Gallia Cisalpina, Illyricum und Gallia Transalpina (auch Gallia Narbonensis genannt). In der Nacht vom 10. auf den 11. Januar 49 v. Chr. hat Caesar mit Truppen der 13. Legion den Rubikon Richtung Italien überschritten und damit militärisch einen Bürgerkrieg begonnen.

Quellen mit ausdrücklicher Erwähnung des Flusses Rubikon

  • Velleius Paterculus 2, 49, 4
  • Lucanus, De bello civili/Pharsalia 1, 213 - 232 (epische Dichtung)
  • Plutarch(os), Caesar 32
  • Plutarch(os), Pompeius 60
  • Sueton(ius), Divus Iulius 31 – 33 und 81, 2
  • Appian(os), Emphyla (griechisch: Ἐμφύλια; Bürgerkriege; lateinischer Titel: Bella civilia) 2, 35 [139 - 141] und 3, 88 [365]
  • Orosius 6, 15, 2 – 3

Quellen zu dem Vorrücken Caesars ohne Nennung des Flusses Rubikon

Arminium war ein nahe am Rubikon gelegener Ort.

  • Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Civili 1, 8 (Aufbruch mit der 13. Legion nach Arminium)
  • Florus 2, 13, 18 – 19 (Beginn in Ariminium)
  • Cassius Dio 41, 4, 1 (Caesar kam nach Ariminium, überschritt dann Grenzen seiner Provinz)
  • Eutropius 6, 19 (Soldaten in Ariminium zusammengeschart)
  • Livius, Periocha 109, 4 (Caesar betrat mit Heer Italien)
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In Delphi (griechisch: Δελφοί [Delphoi]), früher Pytho (griechisch: Πυθώ) genannt, hat es einen Stein an einer Stelle gegeben, um einen Nabel (griechisch: ὀμφαλός [omphalos]; lateinisch: umbilicus) der Erde bzw. Mittelpunkt der Welt zu markieren.

Nach einem Mythos hat der Gott Zeus zwei Adler (bzw. andere Vögel) mit gleicher Schnelligkeit von zwei Enden der Welt losfliegen lassen, um den Mittelpunkt der Erde zu ermitteln, und sie trafen in Delphi aufeinander.

Eine Suche hat darüber mehrere altgriechische Texte und eine lateinische Textstelle beim spätantiken Dichter Claudianus ergeben.

Der Dichter Pindar(os) hat in einem Preislied/Preisgedicht auf einen Wettkampfsieger 462 v. Chr. auf eine Stelle Bezug genommen, wo die Pythia (weissagende Priesterin des Orakels von Delphi) tätig war und neben goldenen Adlern des Zeus saß: Pindar(os), Pythische Ode 4, 4 (6 – 7): χρυσέων Διὸς αἰετῶν πάρεδρος („Beisitzerin der goldenen Adler des Zeus“).

https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0161%3Abook%3DP.%3Apoem%3D4

https://archive.org/details/pindarpin00pinduoft/page/208/mode/2up

Die Andeutung wird in Scholia („Schulstückchen“; erläuternde Anmerkungen in einer alten Handschrift) durch Angaben zur gemeinten Erzählung erklärt.

Scholia zu Pindar(os), Pythische Ode 4, 4 (6 – 7):

https://archive.org/details/scholiaveterainp02drac/page/94/mode/2up

https://archive.org/details/scholiaveterainp02drac/page/96/mode/2up

https://scaife.perseus.org/reader/urn:cts:greekLit:tlg5034.tlg001b.perseus-grc1:4.6

https://scaife.perseus.org/reader/urn:cts:greekLit:tlg5034.tlg001b.perseus-grc1:4.7

6 ἔνθα ποτὲ χρυσέων: λόγος τις τοιοῦτος περιηχεῖ, ὅτι ὁ Ζεὺς καταμετρήσασθαι τῆς οἰκουμένης τὸ μεσαίτατον βουληθεὶς ἴσους κατὰ τὸ τάχος ἀετοὺς ἐκ δύσεως καὶ ἀνατολῆς ἀφῆκεν· οἱ δὲ διϊπτάμενοι συνέπεσον ἀλλήλοις κατὰ τὴν Πυθῶνα, ὥστε τὴν σύμπτωσιν ὁρίζειν αὐτόθι τῆς ὅλης οἰκουμένης τὸ μεσαίτατον. ὕστερον δὲ σημεῖον τοῦ γεγονότος καὶ χρυσοῦς ἀετοὺς κατασκευάσας ἀνέθηκε τῷ τοῦ θεοῦ τεμένει.

7 a. Διὸς αἰετῶν πάρεδρος: ὅπου ποτὲ ἡ τῶν χρυσῶν τοῦ Διὸς ἀετῶν πάρεδρος καὶ ἱέρεια τοῦ Ἀπόλλωνος Πυθία οὐκ ἀποδημοῦντος τοῦ θεοῦ ἀλλὰ παρόντος ἐχρησμῴδησε συνοικιστὴν τῆς Λιβύης γενέσθαι τὸν Βάττον, ὅπως ἂν τὴν ἱερὰν νῆσον Θήραν καταλιπὼν ὁ Βάττος κτίσῃ τὴν τῆς Λιβύης γενέσθαι τὸν Βάττον, ὅπως ἂν τὴν ἱερὰν νῆσον Θήραν καταλιπὼν ὁ Βάττος κτίσῃ τὴν εὐάρματον καὶ ἱππικωτάτην πόλιν ἐν τῷ τροφιμωτάτῳ καὶ ἄκρῳ μέρει τῆς Λιβύης, καὶ τὸ τῆς Μηδείας ἔπος ἀνασώσῃ τὸ περὶ τῆς Θήρας, ὅτι δὴ ἑπτακαιδεκάτῃ γενεᾷ ἀποικία ἔσται ἐκ Θήρας εἰς Λιβύην, ὅπερ δὴ ἔπος ἡ τοῦ Αἰήτου παῖς ἡ ὀργίλη Μήδεια ἐκ τοῦ ἀθανάτου ἀπεφθέγξατο στόματος, ἡ τῶν Κόλχων βασιλίς.

b. ἄλλως· Διὸς αἰετῶν: ὅτι ὑπὸ Διὸς ἀφεθέντες ἐκ τῶν περάτων τῆς γῆς συνέπεσον ἐνταῦθα, καὶ οὕτως ἐγνώσθη τὸ μέσον τῆς γῆς. ὧν εἰκόνες οἱ χρυσοῖ ἀνέκειντο παρὰ τὸν ὀμφαλὸν ἀετοί· ἤρθησαν δὲ ἐν τῷ Φωκικῷ πολέμῳ, ὃν συνεστήσατο Φιλόμηλος.

„6 da, wo der goldenen: ein solcher Ausdruck lässt ringsum ertönen, dass Zeus, als er den Mittelpunkt der bewohnten Erde vermessen wollte, in Bezug auf Schnelligkeit gleiche Adler von Westen und Osten entsandte; als sie aber [die bewohnte Erde] durchflogen hatten, trafen sie miteinander in der Gegend um Pytho [= Delphi] zusammen, so dass das Zusammentreffen an Ort und Stelle den Mittelpunkt der ganzen bewohnten Erde bestimmte. Später aber hat man als Zeichen des Geschehenen auch angefertigte goldene Adler im Tempelbezirk des Gottes aufgestellt.

7 a. Beisitzerin der Adler des Zeus: wo einst die Beisitzerin der goldenen Adler des Zeus und Priesterin des Apollon, Pythia, während der Gott nicht in die Fremde verreist, sondern anwesend war, in Orakelgesang weissagte, dass Battos Libyen mit neuen Bewohnern bevölkern werde, damit Battos nach Verlassen der heiligen Insel Thera die wagenreiche und im Reiten höchst geübte Stadt im fruchtbarsten und vortrefflichsten Teil Libyens gründete und das Wort der Medeia über Thera in Erinnerung gebracht wurde, dass es im siebzehnten Geschlecht aus Thera eine Siedlungskolonie nach Libyen geben wird, welches Wort ja die Tochter des Aietes, die zornige Medeia, aus unsterblichem Mund verkündete, die Königin der Kolcher.

b. anders; der Adler des Zeus: Weil sie, als sie von Zeus entsandt worden waren, aus den äußersten Enden der Erde dort zusammentrafen, und auf diese Weise wurde die Mitte der Erde erkannt. Als deren Abbilder wurden die goldenen Adler seitlich neben dem Nabel aufgestellt; sie wurden aber in dem Phokischen Krieg weggenommen, den Philomelos hervorgebracht hatte.“

Scholia zu Sophokles, Oidipous Tryannos (griechisch: Οἰδίπους Τύραννος; König Ödipus; lateinischer Titel: Oedipus Rex), 480

https://archive.org/details/scholiainsophoc00unkngoog/page/184/mode/2up

τὰ μεσόμφαλα γᾶς ἀπονοσφίζων: ἀντὶ φυγών· τὸν τόπον δὲ εἶπεν ἀντὶ τῶν χρησμῶν· οἷον, τοὺς χρησμοὺς διαφεύγει μέχρι νῦν ὁ μηνυθεὶς ὑπὸ τοῦ θεοῦ· ὅτι δὲ ἡ Πυθὼν μεσόμφαλος δηλοῖ καὶ ἡ περὶ τοὺς ἀετοὺς ἱστορία καὶ ὅτι χρύσεοι ἀετοὶ διὰ τοῦτο ἀνάκεινται καὶ ὅτι τούτου χάριν ὁ Ζεὺς ἐκεῖσε τὸ μαντεῖον ἱδρύσατο.

„Das in der Mitte des Nabels der Welt [= das Orakel von Delphi] meidend: statt: »fliehend«. Den Ort aber nennt er statt der Orakelsprüche: Gleichwie er den Orakelsprüchen bis jetzt entflieht, er der vom Gott angegeben worden ist. Dass aber Pytho [= Delphi]  in der Mitte des Nabels liegt, zeigt sowohl die Geschichte über die Adler als auch, dass deshalb goldene Adler aufgestellt sind und dass Zeus deswegen dort das Orakel gründete."

Scholia zu Euripides, Orestes (griechisch: Ὀρέστης; Orestes; lateinischer Titel: Orestes) 331

https://archive.org/details/bub_gb_qIOkKvKoZcQC/page/n147/mode/2up

https://euripidesscholia.org/Edition/OrestesScholia_all.html

ἵνα μεσόμφαλοι λέγονται: ὀμφαλὸς κέκληται ἡ Πυθὼ παρὰ τὰς ὀμφὰς τὰς ὑπὸ τοῦ θεοῦ χρηστηριαζομένας. ἢ παρὰ τὸ εἶναι ἐν μέσῳ τῆς οἰκουμένης τὴν Πυθώ. λέγεται γὰρ τὸν Δία μαθεῖν βουλόμενον τὸ μέσον τῆς γῆς δύο ἀετοὺς ἰσοταχεῖς ἀφεῖναι, τὸν μὲν ἀπὸ δύσεως, τὸν δὲ ἀπὸ ἀνατολῆς, καὶ ἐκεῖσε αὐτοὺς ἀπαντῆσαι, ὅθεν ὀμφαλὸς ἐκλήθη. ἀνακεῖσθαί τε χρυσοῦς ἀετούς φασι τῶν μυθευομένων ἀετῶν ὑπομνήματα.

„da, wo Mitte des Nabels genannt werden: »Nabel« [omphalos] wird Pytho [= Delphi] wegen der durch den Gott Orakelsprüche weissagenden Stimmen [omphai] genannt. Oder weil Pytho [= Delphi] in der Mitte der bewohnten Erde ist. Denn es wird gesagt, dass Zeus, als er die Mitte der Erde erfahren wollte, zwei Adler von gleicher Schnelligkeit entsandte, den einen von Westen, den anderen von Osten, und sie sich bei der dortigen Stelle begegneten, wonach sie Nabel genannt wurde. Und man sagt, dass goldene Adler aufgestellt worden sind als Erinnerungen an die Adler, von denen im Mythos erzählt wird.“

ἵνα μεσόμφαλοι λέγονται: ἡ Δῆλος γὰρ μεσαίτατον ἐστὶ παντὸς τοῦ κόσμου καὶ τῶν Κυκλάδων νήσων. ἢ ὀμφαλὸν τὴν Πυθὼ λέγει. λέγεται γὰρ τὸν Δία μαθεῖν βουλόμενον τὸ μέσον τῆς γῆς δύο ἀετοὺς ἀφεῖναι ἰσοταχεῖς, τὸν μὲν ἀπὸ δύσεως, τὸν δὲ ἀπὸ ἀνατολῆς, καὶ ἐκεῖσε αὐτοὺς ἀπαντῆσαι. ὀμφαλὸς δὲ κέκληται ἡ Πυθὼ παρὰ τὰς ὀμφὰς τὰς ὑπὸ θεοῦ χρηστηριαζομένας. 

„da, wo die innersten Winkel Mitte des Nabels genannt werden: Delos ist nämlich am meisten Mitte der ganzen Welt und der Kykladeninseln. Oder »Nabel« [omphalos] meint Pytho [= Delphi]. Denn es wird gesagt, dass Zeus, als er die Mitte der Erde erfahren wollte, zwei Adler von gleicher Schnelligkeit entsandte, den einen von Westen, den anderen von Osten, und sie sich bei der dortigen Stelle begegneten. »Nabel« [omphalos] aber wird Pytho [= Delphi] wegen der durch den Gott Orakelsprüche weissagenden Stimmen [omphai] genannt.“

ἵνα μεσόμφαλοι: βουλόμενος ὁ Ζεὺς τὸ μέσον τῆς γῆς μαθεῖν δύο ἀετοὺς ἰσοπετεῖς εἰληφὼς ἀφῆκε, τὸν μὲν ἐξ ἀνατολῆς, τὸν δὲ ἐκ δυσμῶν. συνηντήθησαν οὖν εἰς Δελφούς, ἔνθα τὸ τοῦ Ἀπόλλωνος ἐστὶ μαντεῖον. ὅθεν καὶ εἰς τοῦτο κατασκευάσαντες χρυσοῦς ἀετοὺς δύο ἀνέθεσαν ἐκεῖ εἰς ὑπόμνημα τῶν πρόσθεν ἀετῶν.

„da, wo Mitte des Nabels: Als Zeus die Mitte der Erde erfahren wollte, nahm er zwei mit gleicher Schnelligkeit fliegende Adler und entsandte den einen von Osten, den anderen von Westen. Sie trafen in Delphi zusammen, wo das Orakel des Apollon ist. Daher und in Hinsicht darauf stellte man zwei angefertigte Adler an der dortigen Stelle auf als Erinnerungen an die vorhergehenden Adler.“

Strabon, Geographika (griechisch: Γεωγραφικά; Geographisches/Erdbeschreibung; lateinischer Titel: Geographica) 9, 3, 6 (C 419/420)

http://www.poesialatina.it/_ns/greek/testi/Strabo/Geographica09.html

ἡ μὲν οὖν ἐπὶ τὸ πλεῖον τιμὴ τῷ ἱερῷ τούτῳ διὰ τὸ χρηστήριον συνέβη δόξαντι ἀψευδεστάτῳ τῶν πάντων ὑπάρξαι, προσέλαβε δέ τι καὶ ἡ θέσις τοῦ τόπου. τῆς γὰρ Ἑλλάδος ἐν μέσῳ πώς ἐστι τῆς συμπάσης, τῆς τε ἐντὸς Ἰσθμοῦ καὶ τῆς ἐκτός, ἐνομίσθη δὲ καὶ τῆς οἰκουμένης, καὶ ἐκάλεσαν τῆς γῆς ὀμφαλόν, προσπλάσαντες καὶ μῦθον ὅν φησι Πίνδαρος, ὅτι συμπέσοιεν ἐνταῦθα οἱ ἀετοὶ οἱ ἀφεθέντες ὑπὸ τοῦ Διός, ὁ μὲν ἀπὸ τῆς δύσεως ὁ δ' ἀπὸ τῆς ἀνατολῆς· οἱ δὲ κόρακάς φασι. δείκνυται δὲ καὶ ὀμφαλός τις ἐν τῷ ναῷ τεταινιωμένος καὶ ἐπ' αὐτῷ αἱ δύο εἰκόνες τοῦ μύθου.

Strabo's Erdbeschreibung. Übersetzt und durch Anmerkungen erläutert von A. Forbiger [= Albert Forbiger]. Viertes Bändchen: Buch 9 und 10. Zweite Auflage. Berlin : Langenscheidtsche Verlagsbuchhandlung, 1858 (Langenscheidtsche Bibliothek sämtlicher griechischen und römischen Klassiker in neueren deutschen Musterübersetzungen : Band 53), S. 49:

„6. Die meiste Ehre widerfuhr zwar diesem Tempel durch das Orakel, welches das untrüglichste unter allen zu sein schien, doch auch die Lage des Ortes trug etwas dazu bei. Denn er liegt fast in der Mitte von ganz Hellas sowohl innerhalb als außerhalb der Landenge, und wurde auch für den Mittelpunkt der bewohnten Welt gehalten und der Nabel der Erde genannt, indem man noch eine Fabel hinzudichtete, welche Pindarus erzähl, daß nämlich die vom Zeus gesendeten Adler, der eine von Westen, der andere von Osten, hier zusammentrafen. (Andere aber nennen dafür Raben.). Man zeigt auch im Tempel einen mit Bändern verzierten Nabel und auf ihm die beiden Bilder der Fabel.“

Plutarch(os), Peri ton ekleloipoton chresterion (griechisch: περὶ τῶν ἐκλελοιπότων χρηστηρίων; Über die erloschenen Orakel/Vom Verschwinden der Orakel/Über den Verfall der Orakel; lateinischer Titel: De defectu oraculorum) 1 (Ethika [Ἠθικά]/Moralia/Schriften über Ethik 409 e – f)

http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A2008.01.0250%3Asection%3D1

ἀετούς τινας ἢ κύκνους, ὦ Τερέντιε Πρῖσκε, μυθολογοῦσιν ἀπὸ τῶν ἄκρων τῆς γῆς ἐπὶ τὸ μέσον φερομένους εἰς ταὐτὸ συμπεσεῖν Πυθοῖ περὶ τὸν καλούμενον ὀμφαλόν·

„Man erzählt in einem Mythos, oh Terentius Priscus, dass irgendwelche Adler oder Schwäne, als sie von den äußersten Enden der Welt zu ihrer Mitte flogen, in Delphi an einer Stelle zusammentrafen, beim sogenannten Nabel [omphalos].“

Claudianus, Panegyrici dicti Mallio Theodoro consuli praefatio (Vorrede zum Panegyricus für Mallius Theodorus zum Konsulatsantritt; Carmina maiora 16), 11 – 20)

https://la.wikisource.org/wiki/Panegyricus_dictus_Mallio_Theodoro_consuli

Iuppiter, ut perhibent, spatium cum discere vellet

naturae regni neseius ipse sui,

armigeros utrimque duos aequalibus alis

misit ab Eois Occiduisque plagis.

Parnasus geminos fertur iunxisse volatus;

contulit alternas Pythius axis aves.

princeps non aquilis terras cognoscere curat;

certius in vobis aestimat imperium.

hoc ego concilio collectum metior orbem;

hoc video coetu quidquid ubique micat.

Claudius Claudianus, Politische Gedichte : Lateinisch – deutsch. Herausgegeben und übersetzt von Philipp Weiß und Claudia Wiener. 1. Auflage. Berlin : De Gruyter, 2020 (Sammlung Tusculum), S. 335:

„[11] Es heißt: Als Jupiter wissen wollte, wie weit die Natur sich ausdehnt, weil er selbst sein Herrschaftsgebiet nicht kannte, da sandte er von beiden Seiten seine Waffenträger mit gleichstarken Schwingen von Osten und von Westen aus. [15] Der Parnass soll es gewesen sein, wo sich der Flug der beiden Adler traf. Der Himmel über Delphi ließ beide entgegengesetzt fliegenden Vögel zusammentreffen. Unser Kaiser muss keine Maßnahmen ergreifen, sein Territorium mit Adlern zu erkunden: Zuverlässiger schätzt er sein Reich durch eure Persönlichkeiten ein. An diesem Rat kann ich den versammelten Erdkreis ermessen; [20] an dieser Versammlung sehe ich alles, was überall Glanz hat.“

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Verteidigungsreden

Sokrates ist im Prozess gegen ihn (399 v. Chr.) seinen Überzeugungen treu geblieben und hat mutig Haltung bewahrt. Eine Abwendung von seinen Überzeugungen und Versuche, sein Leben durch rührseliges Erflehen von Mitleid zu retten, hat er unterlassen.

Sokrates wollte nicht sein philosphierendes Verhalten, das er für richtig hielt, verleugnen und widerrufen (z. B. durch Eingestehen einer Schuld) und nicht zu Verteidigungsmitteln greifen, die er für unwürdig und ethisch schlecht hielt, auch wenn er dadurch in seinen Verteidigungsreden eine für die Vermeidung eines Todesurteils ungünstige Taktik wählte.

Bei Platon, Apologie des Sokrates 23 a – c weist Sokrates darauf hin, mit seinen philosophischen Gesprächen gemäß dem Gott Apollon zu handeln. Er deutet eine Antwort des Orakels von Delphi auf eine Frage seines Freundes Chairephon, niemand sei weiser als Sokrates, so, darin weise zu sein, sich der Grenzen seines Wissens bewusst zu sein, und richtig vorzugehen, wenn er angebliches Wissen anderer Menschen im Gespräch einer Überprüfung unterzieht.

Sokrates weist auch auf sein hohes Alter (damals ungefähr 70 Jahre) hin (Platon, Apologie des Sokrates 38 c).

Sokrates erklärt, Frechheit und Schamlosigkeit sowie seiner selbst Unwürdiges unterlassen zu wollen und der Meinung zu sein, nicht aufgrund von Gefahr etwas Unedles tun zu dürfen (Platon, Apologie des Sokrates 38 d – e).

Sokrates gibt an, sein Daimonion (griechisch: δαιμόνιον), eine von ihm als göttlich gedeutete innere Stimme, habe ihm während des Prozesses nicht widersprochen, und schließt daraus, gut zu handeln (Platon, Apologie des Sokrates 40 a – c).

Bei Xenophon, Apologie des Sokrates 6, verweist Sokrates auf sein hohes Alter. Der Tod zu diesem Zeitpunkt sei einer, der von den Wissenden alls der leichteste beurteilt werde, bereite den Freunden am wenigsten Beschwerlichkeiten, bewirke am meisten Sehnsucht nach den Verstorbenen und hinterlasse nichts in den Meinungen der Anwesenden, das unanständig und misslich sei (Xenophon, Apologie des Sokrates 7). Sonst werde er unter Schmerzen durch Krankheiten oder durch hohes Amter mit beschweren und ohne Fröhlichkeit sterben (Xenophon, Apologie des Sokrates 8).

Sokrates erklärt, lieber zu sterben als unedel zu betteln, noch eine Weile leben zu dürfen, und statt des Todes ein viel schlechteres Leben zu haben (Xenophon, Apologie des Sokrates 10). Sokrates glaubt nicht, nicht zu sterben sei schön, sondern meinte, das für ihn jetzt der richtige Zeitpunkt sei, zu sterben (Xenophon, Apologie des Sokrates 23).

Die Schriften der Sokrates-Schüler Platon und Xenophon sind keine wortgenauen Wiedergaben der tatsächlichen Verteidigungsreden. Es ist zu überlegen, was inhaltlich echt ist.

Die Auffassung, Sokrates habe die Verhandlung genutzt, um sich töten zu lassen, wirkt nicht einleuchtend. Es ging ihm nicht schlecht.

Wegen des hohen Alters könnte es Sokrates leichtergefallen sein, es auf ein Todesurteil ankommen zu lassen.

Wesentlich ist offenbar gewesen, seine philosophischen Überzeugungen nicht preisgeben zu wollen und ein Verhalten, das er für schändlich hielt, zu vermeiden.

Einstellung zu Suizid

Die Darlegungen in philosophischen Dialogen stammen von den Verfassern. Inwieweit das, was die Dialogfigur Sokrates an Standpunkten vertritt, inhaltlich mit dem übereinstimmt, was  der historische Sokrates vertreten hat, ist nicht von vornherein klar.

Im »Phaidon« beruht die Aussage, der wahrhafte Philosph wolle sterben, auf einer Auffassung, die Seele sei unsterblich und der Tod sei Absonderung und Befreiung der Seele von Lasten des Leibes und Gefangenschaft, wonach es ihr gut ergeht und sie zu Erkenntnis gelangt.

Es gibt eine Auffassung (Platon, Phaidon 61 c – d), sich selbst keine Gewalt antun, denn das, sagt man, ist nicht recht (griechisch: θεμιτόν).

In pythagoreischen Geheimlehren heißt es, die Menschen seien auf einem Wachposten und dürften sich davon nicht losmachen und weglaufen (Platon, Phaidon 62 b).

Die Götter sorgten für die Menschen und diese gehörten zu ihrem Eigentum. Daher sei zu sterben nicht eher erlaubt, als bis der Gott eine Notwendigkeit verfügt hat (Platon, Phaidon 62 c). Es gilt als unvernünftig, unwillig aus der Pflege, der die besten Aufseher, die Gottheiten, vorstehen, fortzugehen. Denn es könnte jemand nicht meinen, frei geworden besser für sich zu sorgen. Nur ein unverständiger Mensch könnte vielleicht glauben, vor dem Herrn fliehen zu müssen, und nicht daran denken, dass man vor dem Guten nicht fliehen soll, sondern soviel als möglich dabeibleiben. Wer Verstand habe, begehre, immer bei dem zu sein, der besser ist als er selbst (Platon, Phaidon 62 d – e).

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Klemens Wenzel Lothar Fürst von Metternich, 1809 – 1848 Außenminister Österreichs, 1821 – 1848 Haus-, Hof- und Staatskanzler, war ein Politiker mit konservativen Grundsätzen, zu denen in den damaligen Verhältnissen die Herbeiführung einer Unabhängigkeit Griechenlands (1821 hat ein Versuch dazu begonnen) in Gegensatz gestanden hätte.

Von Metternich bei den Verhandlungen des Wiener Kongresses vertretene Grundsätze waren:

1) Legitimität (Rechtmäßigkeit der Herrschaft der Fürsten, die auf althergebrachten Rechten beruht; das von Napoleon geschaffene Staatensystem wurde beseitigt und alte Dynastien [mit wenigen Ausnahmen bei ehemaligen Kleinstaaten] wiedereingesetzt) Sachlich kommt die Art von Legitimität, wie sie ein Leitbegriff des Wiener Kongresses war, der Legalität sehr nahe.

2) Restauration (weitgehende Wiederherstellung der Verhältnisse vor der Französischen Revolution 1789, also Rückkehr zu den alten politischen Zuständen)

3) monarchische Autorität (die Monarchen wollten eine starke Stellung nach innen in ihren Staaten, die nicht vom Volk erschüttert werden sollte)

4) monarchische Solidarität (die Monarchen wollten ihre [wiederhergestellte] Herrschaft durch Zusammenarbeit ihrer Staaten sichern und festigen, beabsichtigt war eine einträchtige gemeinsame [solidarische] Abwehr revolutionärer Erhebungen, Hilfe von außen sollte die Stellung der Monarchen gegen liberale und nationale Bewegungen schützen und diese Gegner bekämpfen)

5) Gleichgewicht und Frieden (die Kräfteverhältnisse sollten ausbalanciert sein und in Europa ein Gleichgewichtssystem hergestellt werden, bei dem kein einzelner Staat eine deutliche Übermacht besitzt und Frieden unter den Großmächten gewährleistet ist)

Griechenland war damals aufgrund von Eroberung seit mehreren Jahrhunderten Bestandteil des Osmanischen Reiches.

Metternich hat die Griechen, die einen Aufstand gegen den Sultan des Osmanischen Reiches unternahmen, als Rebellen beurteilt. Von seinem Standpunkt aus waren sie Störenfriede, die in einer Reihe mit Aufständen und revolutionären Erhebungen gegen eine konservative Ordnung standen. Metternich hat den Sultan für einen legitimen Herrscher gehalten.

Das Osmanische Reich galt Metternich als friedlicher und sicherer Nachbar in Südosteuropa. Metternich wollte stabile Verhältnisse. Eine Unabhängigkeit Griechenlands hätte Veränderungen in Südosteuropa bedeutet, die dem Kaisertum Österreich (Habsburgerreich) Probleme bereiten und den russischen Einfluss ausdehnen konnten.

Das Kaisertum Österreich war ein Vielvölkerstaat und eine allgemeine Herstellung  unabhängiger Nationalstaaten hätte sein Bestehen gefährdet.

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Versus et breve vividumque carmen

in te ne faciam, times, Ligurra,

et dignus cupis hoc metu videri.

Sed frustra metuis cupisque frustra.

„Du fürchtest, Ligurra, dass ich Verse und ein kurzes und lebhaftes Gedicht [scharfes Spottgedicht] auf dich mache, und wünschst dieser Furcht würdig/wert zu erscheinen. Aber vergeblich fürchtetst du und vergeblich wünschst du.“

Nach Verben des Fürchtens steht im Nebensatz ne als Konjunktion und Konjunktiv.

Omnia vis belle, Matho, dicere. Dic aliquando

et bene; dic neutrum; dic aliquando male.

„Alles willst du hübsch/nett/angenehm sagen, Matho. Sag's einmal auch gut. Sag's weder so noch so [keines von beiden]; sag's einmal schlecht/schlimm/übel/böse.“

dic ist 2. Person Singular Imperativ Präsens Aktiv.

Ne laudet dignos, laudat Callistratus omnes.

Cui malus est nemo, quis bonus esse potest?

„Um nicht die Würdigen zu loben, lobt Callistratus alle. Für wen niemand schlecht ist, wer kann [für diesen] gut sein?“

Wenn alle gelobt werden, verschwindet ein Unterschied zwischen gut (lobenswert) und schlecht (nicht lobenswert).

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Das Wort »Ethik« stammt von den griechischen Wörtern ἠθική (ethike; auf die Sitten bezogen) und ἦθος (ethos; Sitte, Denk- und Sinnesart, Brauch, Gewohnheit, Charakter).

Ethik ist eine Theorie des Sollens (in einer Formulierung von Immanuel Kant ist ihr Thema: „Was soll ich tun?“) bzw. anders ausgedrückt eine Theorie, welches Verhalten gut und richtig ist.

Ethik versucht auf begründete Weise Aussagen über gutes und richtiges Handeln und dessen personale Voraussetzungen zu geben.

Ethik ist ein Teilbereich der Philosophie. Ethik enthält ein Nachdenken (Reflexion und Diskussion über das gute Leben und das sittlich richtige Handeln). Sie systematisiert, sucht nach Begründungen und entwickelt Kriterien.

Diese allgemeine Bedeutung hat der Begriff »Ethik« auch in der Musik.

In der Frage wird außer dem Bereich der Musik kein Zusammenhang beschrieben, in dem zu klären ist, was Ethik bedeutet. Daher ist es schwierig, eine eingehende Darstellung zu geben. Möglich ist, versuchsweise einige Gedanken zu entwerfen.

Musik ist in der Hauptsache etwas, das Ästhetik betrifft.

Musik beeinflusst die Emotionen.

Musik kann ein Anwendungsgebiet von Ethik sein.

Denkbar sind Überlegungen, wie richtig und gut (im Sinn von etwas, das ethisch wertvoll ist) Musik betrieben wird und inwiefern Musikhören und Musizieren zu einem guten Leben/Glück beitragen kann.

Musik und Musizieren kann nach ethischen Maßstäben beurteilt werden.

Musik und Musizieren kann zur Einübung und Ausbildung eines Aufeinander-Hörens, zu einem Miteinander im Zusammenspiel und gemeinsamen Singen und zu differenzierter Wahrnehmung beitragen.

Musik kann verschiedene Wirkungen hervorrufen, die sich von einem ethischen Standpunkt aus beurteilen lassen. Einerseits kann Musik z. B. anregen, beruhigen, friedensstiftend sein, gemeinschaftsfördernd sein, Empathie (Einfühlungsvermögen) fördern, Solidarität stärken, andererseits auch agressiv stimmen, Hass und Gewalt schüren, rationales und kritisches Denken ausschalten.

In einer Ethoslehre wurden Auswirkungen von Musik auf das Ethos (die Seelenstimmunmg, die Denkweise, den Gefühlszustand, den Charakter) von Menschen dargestellt.

Aus der Antike ist z. B. einiges dargeboten bei

http://www.musikarchaeologie.de/ethik.html .

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In der athenischen Demokratie wurden nicht alle, sondern nur die meisten politischen Ämter ausgelost.

In der athenischen Demokratie wurden von ungefähr 700 Ämtern die meisten Ämter (ungefähr 600) durch ein Losverfahren vergeben. Für einige Ämter (ungefähr100) , die besondere Sachkenntnisse und Fähigkeiten erforderten, gab es Wahlen, z. B. die 10 Strategen, Architekten und Bauaufseher, hohe Finanzbeamte.

Ämterauslosung betraf Ämter, bei denen die Gruppe der Bürger, die in Frage kamen, gewöhnlich ein Mindestmaß an Kenntnissen und Fähigkeiten dafür hatten, weil die Ämter keine großen Sachkenntnisse und Fähigkeiten erforderten und Einzelne keinen weiten Spielraum für eigenständige Entscheidungen hatten.

Die große Rolle des Losverfahrens ist Ausdruck der Wertschätzung von Gleichheit als demokratisches Prinzip. Dem athenischen Volk war politische Teilhabe (Partizipation) sehr wichtig. Die athenische Demokratie war eine direkte Demokratie und wollte Chancen auf ein aktives Teilnehmen an der Politik.

Gründe für ein  Losverfahren waren:

  • politische Teilhabe für viele Bürger
  • Gleichheit unter den Bürgern mit Abwechslung von Herrschen und Beherschtwerden
  • Verhinderung von übergroßer Machtkonzentration und Machtmissbrauch
  • Vermeidung von Korruption

Bücher zum Thema:

Jochen Bleicken, Die athenische Demokratie. 2., völlig überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh, 1994. ISBN 3-506-71901-7

Angela Pabst, Die athenische Demokratie. Originalausgabe. 2., aktualisierte Auflage. München : Beck, 2010 (Beck'sche Reihe : C.-H.-Beck-Wissen ; 2308). ISBN 978-3-406-48008-9

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Rhetorische Stilmittel in diesem Auszug aus Nepos Hannibal-Biographie?

Salvete, liebe Lateinfreunde!

Für eine meiner Nachhilfsschülerinnen, die ich bei uns am Gym betreue, bräuchte ich mal fachkundige Hilfe:

In der Schulaufgabe, die sie nächste Woche schreiben wird, müssen Stilmittel aus einem bekannten Text gefunden, benannt und in ihrer Bedeutung genau erklärt werden. Leider bin ich mit diesen Stilmitteln nur begrifflich firm - ich kann die Namen zwar, aber inhaltlich bin ich da bei den Tiefen, in die sie da absteigen, ziemlich unsicher. In unserem Kurs (bin 12. Klasse) reicht es aus, einfache Stilmittel, also Anapher, Alliteration, Trikolon etc. zu finden und zu sagen, dass sie etwas betonen (unser Lateinlehrer sieht das etwas entspannter, solange unsere Interpretation ansonsten stimmig ist). Leider hat meine Nachhilfeschülerin eine andere Lateinlehrerin, die das etwas strenger sieht und von Neuntklässlern verlangt, Stilmittel wie Chiamus oder Syndekoche zu erkennen und in ihrer genauen Bedeutung im Kontext des Textes und des Stilmittels zu erklären.

Aus sieben Texten, die für den Fragenteil zur Verfügung stehen, habe ich einen deutlichen Favoriten, da er sehr gut Beispiele für vor einigen Wochen besprochenen Grammatikkapitel in sich vereint, ich hänge euch den Text an:

Hac pugna pugnata Romam profectus est nullo resistente. In propinquis urbi montibus moratus est. Cum aliquot ibi dies castra habuisset et Capuam reverteretur, Q. Fabius Maximus, dictator Romanus, in agro Falerno ei se obiecit. 2 Hic clausus locorum angustiis noctu sine ullo detrimento exercitus se expedivit; Fabioque, callidissimo imperatori, dedit verba. Namque obducta nocte sarmenta in cornibus iuvencorum deligata incendit eiusque generis multitudinem magnam dispalatam immisit. Quo repentino obiecto visu tantum terrorem iniecit exercitui Romanorum, ut egredi extra vallum nemo sit ausus. Longum est omnia enumerare proelia. Quare hoc unum satis erit dictum, ex quo intellegi possit, quantus ille fuerit: quamdiu in Italia fuit, nemo ei in acie restitit, nemo adversus eum post Cannensem pugnam in campo castra posuit.

(Quelle LatinLibrary, der Text ist auch im Neuntklassbuch etwas gekürzt)

Wenn also jemand von euch sich die Mühe machen könnte, mir da die Stilmittel zu nennen und gerne etas ,,tiefgründiger" erklären könnte, wäre ich euch recht verbunden - ich mag in Latein 15 Punkte haben, aber hier halte ich mich nicht für fachlich kompetent genug, Stilmittel genau zu erklären.

Vielen Dank und beste Grüße

PS: Bitte nicht denken, ich hätte absolut keine Ahnung von Stilmitteln - pugna pugnata ist eine Alliteration und sonst was, meinetwegen auch ein Polyptoton (auch wenn es nicht dasselbe Wort sein mag), aber ich halte mich hier echt für unzulänglich - vielleicht auch deshalb, weil ein nicht unerheblicher Teil an Schülern, die letztes Jahr Zweien und Dreien hatten, in dieser 9. Klasse nun akut versetzungsgefährdet ist, das kommt an unserer Schule in Latein ziemlich gehäuft vor.

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Figura etymologica (etymologische Figur)

  • pugna pugnata: Verbindung von Wörtern verschiedener Wortarten aus demselben Wortstamm, nämlich des Substantivs pugna und des Partizips Perfekt Passivs pugnata vom Verb pugnare; das Kämpfen wird betont (auch durch p-Alliteration) und Kampf nachdrücklich als Thema eingeprägt.

Alliteration

  • pugna pugnata: siehe Figura etymologica
  • montibus moratus: Die Bedrohung durch den Aufenthalt auf Bergen nahe der Stadt Rom wird hervorgehoben.
  • multitudinem magnam: Die große Menge der Rinder wird betont und das Hervorrufen von Furcht als Wirkung so naheliegend.
  • tantum terrorem: Das große Ausmaß des Schreckens wird betont und damit die große Wirkung von Hannibals Trick.
  • egredi extra: Ein Heraus, das gewissermaßen zweifach ausgedrückt ist, wird verneint. Es wird betont, daß niemand ein Herausgehen aus dem Schutz des Lagerwalls wagt.
  • campo castra: Die entscheidende Aussage in diesem Teil des Satzes wird betont, nämlich das durch Hannibals große Erfolge in Italien bewirkte Unterlassen, ein römisches Lager auf offenem Feld gegenüber von Hannibal zu errichten.

Praeteritio (Übergehung)

  • Longum est omnia enumerare proelia. („Es wäre zu lange dauernd/weitläufig, alle Kämpfe/Gefechte/Schlachten aufzuzählen.“): Es wird ausgedrückt, einen Sachverhalt übergehen zu wollen, wobei sein Vorhandensein aber eben durch diese Mitteilung erwähnt wird und er Bedeutung erhält. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, wird der Eindruck einer sehr langen Reihe von Erfolgen Hannibals erzeugt.

Anapher

  • nemo ei in acie restitit, nemo adversus eum post Cannensem pugnam in campo castra posuit: Wiederholung des Wortes nemo am Anfang beider Teile des Hauptsatzes; Nachdruck bekommt, dass niemand ihm als Feldherr im offenen Kampf gewachsen war. Dies gilt in zweifacher Hinsicht: Keiner hielt stand, keiner traute sich, im offenen Feld ein Lager gegenüber von Hannibal zu errichten. Die Größe der militärischen Leistungen und Erfolge Hannibals und ihre einschüchternde Wirkung werden hervorgehoben.

Exemplum (Beispiel)

  • hoc unum satis erit dictum, ex quo intellegi possit, quantus ille fuerit: Ein Beispiel verdeutlicht anschaulich Hannibals Größe als Feldherr.

Pointe

  • nullo resistente: Durch diesen letzten Teil des Satzes bekommt die Aussage des Satzes einen wirkungsvoll zugespitzten Sinn. Hannibals Anmarsch auf Rom stößt auf keinen Widerstand.

Nicht direkt ein Stilmittel, aber eine Redewendung, die einer Metapher nahekommt, ist dedit verba (verba dare: leere Worte geben/bieten/darreichen = etwas vormachen, überlisten, täuschen). Hannibal übertrifft damit an Schlauheit den äußerst schlauen Feldherrn (Superlativ-Form callidissimo imperatori, als Elativ zu verstehen) Fabius, eine Steigerung nach ganz weit oben in einen Superlativ-Bereich.

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In einer wissenschaftlichen Hausarbeit ist eine Bibliographie üblich.

Die Angabe „ich soll eine Bibliographie schreiben“ in der Checkliste ist ein deutlicher Hinweis, das eine Bibliographie benötigt wird.

Einzelne Verweise in Fußnoten ersetzen nicht eine Auflistung verwendeter Quellen und Literatur.

Wenn schon alles genau in Fußnoten steht, ist nicht mehr viel Umschreibarbeit nötig.

Die Angaben können dann daraus entnommen und in eine aphabetische Reihenfolge gebracht werden.

Formale Einzelheiten richten sich nach Vorgaben der Institutionen bzw. Lehrkräfte, bei denen die Hausarbeit geschrieben wird. In der Bibliographie sollten die vollständigen bibliographischen Angaben stehen.

Grundsätzlich kann eine Kurzbelegmethode überlegt werden. In der Bibliographie steht dabei ein Kurzbeleg (typisch: Verfassernachname und Erscheinungsjahr) und dann folgen dazu die vollständigen bibliographischen Angaben. In die Fußnoten werden Kurzbelege mit der für die Stelle relevanten Seitenzahl (oder Ähnlichem, z. B. die Zahl der Spalte) geschrieben.

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Ovid (Publius Ovidius Naso), Ars amatoria 3, 483 – 486

Sed quoniam, quamvis vittae careatis honore,

est vobis vestros fallere cura viros,

ancillae puerique manu perarate tabellas,

pignora nec iuveni credite vestra novo.

„Aber da ja euch, obwohl ihr der Ehre der Kopfbinde entbehrt, daran liegt, eure Männer zu täuschen, schreibt Briefe durch die Hand einer Dienerin und eines Dieners und vertraut eure Liebesunterpfänder nicht einem jungen Mann an, der neu ist.“

careatis ist 2. Person Plural Konjunktiv Präsens Aktiv vom Verb carere, das mit Ablativ steht. Dieser Ablativ ist honore, vittae ist dazu Genitivattribut. Die Kopfbinde (vitta) war ehrenvolles Kennzeichen freigeborener Frauen (im Gegensatz zu Sklavinnen und freigelassenen Frauen). Die Frauen, an die sich Ovid hier wendet, sind Freigelassene.

cura bedeutet  „Sorge“, „Bemühung“, „Bestrebung“, „Interesse“. est vobis cura („euch ist Sorge/Bemühung/Bestrebung/Interesse) kann mit „euch liegt an“ wiedergegeben werden. perarate ist Imperativ 2. Person Präsens. perarate tabellas: durchpflügt/durchfurcht Schreibtafeln = schreibt Briefe. Es wird geraten, bei Liebesaffären Briefe nicht selbst zu schreiben (eine erkannte Handschrift könnte später die Verfasserin verraten und der Mann, der getäuscht/hintergangen worden ist, ärgerlich werden), sondern sie jemand vom Dienstpersonal schreiben zu lassen. ancilla: Magd, die Dienerin, Sklavin; puer: Knabe, Diener, Sklave. Der junge Mann (iuveni ist durch credite [Imperativ 2. Person Präsens vom Verb credere] bedingter Dativ zu iuvenis) ist hier anscheinend auch jemand vom Dienstpersonal. Mit „neu“ ist „neu im Dienst“ gemeint. Daher ist nicht sicher, ob dieser zuverlässig und verschwiegen ist.

 

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Die Karikatur stammt von dem 1956 geborenen Karikaturisten Gerhard Mester und trägt als Bildunterschrift den Titel „Konsensgesellschaft“. Rechts oben ist ein Schriftzug zu sehen, wahrscheinlich der Nachname („Mester“) des Karikaturisten als Künstlersignatur.

Die Karikatur ist farbig. Der Künstler hat anscheinend einen allgemeinen Zeichenstil für Karikaturen. Die Personen sind z. B. mit sehr großen, oft knollenförmigen Nasen und oft mit großen, abstehenden Ohren abgebildet. Die Beine sind dünn gezeichnet, die Füße lang und schmal. Die Darstellung ist dadurch zum Teil realistisch, zum Teil abweichend.

Zu sehen ist ein Demonstrationszug, der auf einer Einkaufstraße geht. Viele der Beteiligten tragen Schilder mit Aufschriften. Im Vordergrund sind die Demonstrierenden deutlich sichtbar gezeichnet, in Hintergrund blasser, sie verschwimmen mehr zu einer Menge.

Seitlich ist beim Schaufenster eines Geschäfts ein Svhild mit der Aufschrift zu sehen: „Schlussverkauf! Alles muss raus“. Eine Person mit einer Tasche steht dort und wendet den Blick zum entlangziehenden Demonstrationszug.

Einige Demonstrierenden haben den Mund geöffnet, als ob sie laut etwas rufen (Parolen brüllen), wobei der Mund grob als Einschnitt in den Gesichtslinien gezeichnet ist.

Eine Konsensgesellschaft ist eine Gesellschaft ist eine Gesellschaft, in der gesellschaftliche Probleme gewöhnlich friedlich, einvernehmlich und in zuhörenden, respektvollen und Argumente austauschenden Gesprächen gelöst werden. Konsens bedeutet Übereinstimmung der Meinungen und Standpunkte, Einigkeit, Einvernehmen, Zustimmumg. Idealerweise entsteht Konsens auf der Grundlage gmeinsamer Werte und in einem rationalen Diskurs.

Der Titel „Konsensgesellschaft“ ist offenbar ironisch-satirisch gedacht. Denn die Demonstrierenden haben auf ihren Schildern sehr gegensätzliche Forderungen. Real würden diese Menschen nicht in demselben Demonstrationszug laufen. Es besteht unter ihnen kein Konsens in der Zustimmung zu etwas. Gemeinsam ist nur, bestimmte Menschengruppen abzulehnen und ihre Entfernung („weg“, „raus“, „fort“, verpisst euch“, verschwindet“, „abschieben“) aus der Gesellschaft bzw. aus dem Staat zu fordern.

Es gibt ein Demonstrationrecht, das auf Grundrechten beruht, der Freiheit der Meinungsäußerung und der Versammlungsfreiheit im Rahmen der Gesetze. Die Bundesrepublik Deutschland ist eine Demokratie und nach dem Prinzip der Volsksouvernäität geht Staatsgewalt geht vom Volke aus, ausgeübt in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung (Grundgesetz Artikel 20). Partizipation (Teilhabe) der Bevölkerung ist grundsätzlich demokratisch. In einer Gesellschaft mit Pluralismus. gibt es eine Vielfalt der Überzeugungen, Meinungen, Interessen und Lebensweisen. Es besteht Gewaltenteilung und Opposition zur Regierung ist erlaubt.

Die Demonstrierenden in der Karikatur nehmen Freiheit in Anspruch. Zugleich vertreten sie Forderungen, die mehr oder weniger weitgehend anderen Freiheit nehmen wollen, mit dem Wunsch nach Entfernung von ihnen abgelehnter Gruppen Pluralismus einschränken oder beseitigen würden. Viele der Parolen beachten nicht die Würde des Menschen und Grundsätze der Gleichheit und Freiheit. Die Umsetzung der Parolen zur Entfernung wäre mit einem echten Rechtstaat und einer Gewaltenteilung unvereinbar.

Der Mann vorne mit Hut und Mantel trägt ein Schild mit der populistischen Aufschrift „weg mit den Politikern“. Dabei ist gar nicht nachgedacht, dass Politik in Staat und Gesellschaft irgendeiner Weise immer stattfindet und es daher immer welche geben wird, die Politik betreiben.

Es erscheinen als Parole auf den Schildern „Ausländer raus!“, „FLÜCHTLINGE RAUS!“ und „ASYLANTEN RAUS!“.

Bei dem Schild „NAZIS, VERPISST EUCH!“ der Frau vorne mit rotblondem Haar, verkniffenem Mund und blauem Mantel einem Schild weiter hinten „WEG MIT DEN RASSISTEN!“ ist die Ablehnung menschenfeindlicher Ideologien gut nachvollziehbar, auch wenn sie besser als Wunsch nach Verschwinden von Nationalsozialismus und Rassismus geäußert werden könnte.

Der Mann vorne mit dem Schild  „FORT MIT DEN UNGLÄUBIGEN“ und nach oben gestrecktem Arm mit geballter Faust sieht aus, wie man sich einen islamischen „Hassprediger“ vorstellt. Weiter hinten ist ein Schild mit einer gegensätzlichen Aufschrift „MUSLIME RAUS!!“ zu sehen.

Das Schild „Gutmenschen, verschwindet“ verwendet einen polemischen Begriff, der Menschen, die Gutes anstreben, herabsetzt und sachliche Argumentation durch Etikettierung ersetzt.

Das Schild „PEGIDA raus“ bezieht sich auf die Organisation „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“.

Eine paradox zugespitzte Überdrehung enthält das Schild „RAUS-SCMEISSER-RAUS“. Es wird damit ein „Raus“ verlangt und als „Rausschmeißer“ in diesem Sinn würde der Mann mit diesem Schild seine eigene Entfernung verlangen.

Seitlich läuft ein Hund auf seinen Hinterbeinen und trägt ein Schild mit der Aufschrift „VEGETARIER RAUS“. Dies ist insofern ein seltsamer Inhalt, als Vegetarier kaum Nahrungskonkurrenten zu einem Hund sind. den Hund könnte nur stören, wenn ihm selbst eine vegetarische Ernährunsgweise aufgenötigt wird. Das Schild verdeutlicht eine Tendenz zur Vorgehen gegen Menschen wegen einer zu der eigenen andersartigen Lebensweise. Das Schild, bei dem nur „Schwule“ sichtbar ist, könnte auch ein Beispiel dafür sein.

Die Parolen zeigen keinen Konsens, sondern Konflikt und ein ziemlich intolerantes Verhalten.

Das Schaufenster zeigt in einem Kontrast ein „Raus“ in einem anderen Bereich, nicht in der Politik, sondern in der Wirtschaft, und auf andere Weise, in einem Verlauf von Waren. Überlegt werden kann, ob ein Gedanke angeregt werden soll, dass ein Ende einer Konsensgesellschaft eingetreten ist und metaphorisch ein Ausverkauf von Werten, die für eine Demokratie wichtig sind, stattgefunden hat.

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Theseus (griechisch: Θησεύς) hat den Minotauros (griechisch: Μινώταυρος), ein Mischwesen aus Mensch und Stier (Kopf), mit einer Hand am Kopf gepackt, zieht ihn anscheinend aus einer Stelle im Labyrinth auf Kreta hinaus, und hat mit der anderen Hand ein Schwert gezückt, um ihn zu töten.

Die Abbildung befindet sich auf der Mitte einer Trinkschale, griechisch κύλιξ (kylix) genannt. Fundort ist Vulci/Volci (etruskisch: Velch oder Velcal), eine etruskische Stadt in Italien. Die Datierung ist ungefähr 440 - 430 v Chr., zugeschrieben wird die Vasenmalerei dem Kodros-Maler.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Theseus_Minotaur_BM_Vase_E84.jpg

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Theseus_deeds_BM_E_84.JPG

https://www.bmimages.com/preview.asp?image=01479765001

https://de.wikipedia.org/wiki/Theseus

https://de.wikipedia.org/wiki/Minotauros

https://de.wikipedia.org/wiki/Kylix_(Gef%C3%A4%C3%9F)

https://de.wikipedia.org/wiki/Vulci

https://de.wikipedia.org/wiki/Kodros-Maler

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Die Karikatur betrifft das Gebiet von Bismarcks Sozialpolitik. Otto von Bismarck versuchte als Reichskanzler mit sozialpolitischen Maßnahmen eine stärkere Bindung der sozial Schwachen, vor allem der Arbeiterschaft, an den Staat herzustellen. Dabei war die Einführung von Sozialversicherungen ein wesentliches Mittel.

Bismarck wollte außerdem gerne eine Reichseisenbahn, was sich allerdings nicht verwirklichen ließ (die einzelnen Bundestaaten behielten weitgehend die Hoheitsrechte über die Eisenbahn). In Preußen hat es aber zunehmend eine Verstaatlichung der Eisenbahn gegeben.

Die Karikatur nimmt vor allem Bezug auf die bisher nicht verwirklichte Unfallversicherung.

Auf einem Hügel (etwas Gras und ein paar Blumen wachsen auf ihm) ist in einer offenen Landschaft vor dem Hintergrund eines bewölkten Himmels ein Gebäude teilweise aufgebaut, aber noch nicht fertiggestellt. Es hat einen Baustil wie ein antiker Tempel mit Kuppel. Die auf einem Sockel stehenden Säulen haben alle ein ionisches Kapitell (Kopfstück/oberer Abschluss einer Säule; kennzeichnend sind die Voluten [schneckenförmiges eingerollte Verzierungen]). Auf der Kuppel stehen die Aufschriften „Patrimonium der Enterbten“, „Staats-Socialismus“ und „Social-Politik“.

Sichtbare Aufschriften von Säulen sind: „Kranken-Versicherung“, „Unfall-Versicherung“, „Invaliden-Versicherung“, „Verstaatlichung d.[er] Eisenbahn“.

Ein staatliches Tabakmonopol zur Gewinnung von Mitteln zur Finanzierung von Sozialgesetzgebung ist damals als „Patrimonium [väterliches Erbgut] der Enterbten“ bezeichnet worden. Bismarck selbst und einige Zeitgenossen haben einige geplante Maßnahmen zur Sozialpolitik und Stärkung des Staates als „Staatssozialismus“ bezeichnet.

Bismarcks Pläne werden wie das Errichten eines Bauwerks dargestellt, gedacht als schönes hochragendes Monument. Es ist aber nur teilweise durchgeführt, es fehlt noch etwas, an der Kuppel sind Risse bemerkbar, nicht alle Säulen stehen gerade. Die Sache ist noch wackelig und bedarf der Abstützung und Weiterführung.

Zwei Männer bemühen sich, die Säule „Unfall-Versicherung“ an eine passende Stelle zu bringen, haben aber offenbar große Schwierigkeiten mit dem Schleppen, Heben und genau passendem Einfügen des schweren Bauteils. Der vor dem Sockel stehende Mann ist der Aufschrift „Bödiker“ nach Tonio Bödiker, ein hoher Beamter im Reichsamt des Inneren (Innenministerium), der andere könnte ein weiterer Beamter sein. Bismarck stützt in Schräglage mit seiner linken Hand die Säule „Kranken-Versicherung“ ab. Ein Mann mit Kappe und der Aufschrift „Anti-Semiten“ stützt ihn in Schräglage. Mit ausgestrecktem Zeigefinder seiner rechten Hand weist Bismarck in die Richtung in der Nähe stehender Männer, wie eine Aufforderung zur Mitarbeit.

Diese Männer stehen in einem Halbkreis abgewendet, mit dem Rücken zum Bauwerk. Sie sind Vertreter politischer Parteien im Reichstag. Die Männer mit der Aufschrift „Centrum“, „Fortschritt“, „Sozial-Demokrat“, „Volkspartei“ und „Polen“ haben demonstrativ die Arme vor der Brust verschränkt und zeigen so ihre Ablehnung einer Mitarbeit. Der Mann mit der Aufschrift „National-Liberal“ hat seinen linken Arm vor die Brust gelegt und hält seine rechte Hand auf sein Ohr, will also anscheinend nicht unbedingt total untätig und gegen die Regierung sein, hat aber wenig bereitwillig, bei dieser sache auf sie zu hören und ihr zu folgen. Der Mann mit der Aufschrift „Conservativ“ scheint mit dem ausgestreckten Zeigefinger besonders gemeint zu sein. Er hat den Kopf halb umgedreht.

Es sind Vertreter mehrer Partein zu sehen.

„National-Liberal“: Nationalliberale Partei; der Mann könnte Rudolf von Bennigsen oder Johannes Miquel sein (die Leitung der Partei war 1883 von Bennigsen auf Miquel übergegangen; Ludwig Bamberger kann es nicht gut sein, weil er zu der Zeit der Partei „Liberale Vereinigung“ angehörte).

„Centrum“: Deutsche Zentrumspartei; Partei des politischen Katholizismus; der Mann ist Ludwig Windthorst

„Conservativ“: Deutschkonservative Partei; der Mann könnte der Parteivorsitzende Otto von Helldorff sein; auffällig ist die altertümliche Rüstung mit riesigem Schwert, der Helm hat ein wenig Ähnlichkeit mit dem preußischen Helm mit Spitze (»Pickelhaube«), was auf den Schwerpunkt der Partei in Preußen hinweist wie die Rüstung auf Rückwärtsgewandtheit und adlige Gutsbesistzer und Offiziere als wichtige Träger

„Fortschritt“: Deutsche Fortschrittspartei; linksliberal; der Mann ist Eugen Richter

„Sozial-Demokrat“: Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAP), im Oktober 1890 umbenannt in Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD); der Mann ist August Bebel

„Volks-Partei“: Deutsche Volkspartei; linksliberal, Schwerpunkt in Süddeutschland; der Mann ist vielleicht Leopold Sonnemann

„Polen“: Vertreter der polnischen Minderheit im Deutschen Reich; der Mann ist vielleicht Ludwig von Jazdzewski

Die Karikatur gibt eine Darstellung, wie Bismarck mit den Regierungsentwürfen zu einer Unfallversicherung bisher im Reichstag auf weitgehende Ablehnung gestoßen ist. Bismarck arbeitet daran, die 1883 beschlossene Krankenversicherung umzusetzen, und wird allein von den Antisemiten (Hofprediger Adolf Stoecker mit seiner Christlich-sozialen Partei) politisch unterstützt.  

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Im ersten Teil ist das Ergebnis des Übersetzungsprogramms einigermaßen brauchbar, danach kommen zu viele Fehler in der Grammatik (Satzbau und Bezug der Wörter nach ihrer Satzfunktion) und den Vokabeln (z. B. ist das Adverb εἰκότως [„mit Recht“, „billigerweise“] mit dem Substantiv εἰκών [„Bild] verwechselt).

Bei dem Anfangsbuchstaben eines Wortes kommt in der Wiedergabe ein Fehler vor. Das altgriechische Zitat heißt (richtig ist θυρωρὸς):

Ἐν πνεύματι ἁγίῳ νοούμεναι καὶ ἀνοιγόμεναι αἱ γραφαὶ δεικνύουσιν ἡμῖν τὸν Χριστὸν, εἰκότως θυρωρὸς τὸ πνεῦμα τὸ ἅγιον.

„Die im Heiligen Geist/vermittelst des Heiligen Geistes verstandenen und geöffneten/aufgeschlossenen Schriften zeigen uns Christus, der heilige Geist (ist) mit Recht/billigerweise Türhüter/Pförtner.“

Zum Plural γραφαί ist der Singular γραφή. Lateinisch entspricht diesem Singular das Wort scriptura.

Im Kommentar von Theophylaktos (altgriechisch: Θεοφύλακτος; lateinisch: Theophylactus), Erzbischof von Ohrid, zum Johannes-Evanglium, Kapitel 10, ist der Satz noch länger:

ἐπεὶ γὰρ ἐν Πνεύματι ἁγίῳ νοούμεναι καὶ ἀνοιγόμεναι αἱ γραφαὶ δεικνύουσιν ἡμῖν τὸν Χριστὸν, εἰκότως θυρωρὸς τὸ πνεῦμα τὸ ἅγιον, ἐν ᾧ ὡς Πνεύματι σοφίας καὶ γνώσεως αἱ Γραφαι διανοίγονται, δι ̓ ὧν εἰσέρχεται ὁ Κύριος εἰς τὴν ἡμῶν κηδεμονίαν, καὶ δι ̓ ὧν ἀποδείκνυται ποιμήν.

„Weil nämlich die im Heiligen Geist/vermittelst des Heiligen Geistes verstandenen und geöffneten/aufgeschlossenen Schriften uns Christus zeigen, (ist) der heilige Geist mit Recht/billigerweise Türhüter/Pförtner, vermittelst dessen wie dem Geist der Weisheit und Erkenntnis/Einsicht die Schriften sich eröffnen/sich auslegen, durch die der Herr in die Pflege/Fürsorge unser/für uns hineingeht und durch die der Hirte sich aufzeigt/erweist.“

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Ovid (Publius Ovidius Naso), Remedia amoris 323 – 326:

et mala sunt vicina bonis; errore sub illo

pro vitio virtus crimina saepe tulit.

qua potes, in peius dotes deflecte puellae,

iudiciumque brevi limite falle tuum.

Eine sehr wörtliche deutsche Übersetzung ist ohne Erläuterung schwierig.

„Und die guten Eigenschaften sind den schlechten Eigenschaften benachbart; bei jener Ungewissheit [unter dem Einfluss jener umherirrenden, schwankenden Ungewissheit] hat anstatt des Fehlers oft die Vortrefflichkeit die Vorwürfe davongetragen. Wo du kannst, biege die Gaben [natürlichen Vorzüge/natürlichen vortrefflichen Eigenschaften] des Mädchens ins Schlechtere ab und lasse dein Urteil um eine kurze Grenzspanne [um Haaresbreite/knapp] einen Fehltritt tun.“

virtus (Vortrefflichkeit, Tugend) ist Subjekt, tulit Prädikat, crimina (Akkusativ Plural von crimen) Objekt. pro bedeutet hier „anstatt“. Gemeint ist mit pro vitio also keine Schuld am Laster, sondern der Umstand, dass Vorwürfe/Beschuldigungen/Tadel sich oft gegen die Vortrefflichkeit/Tugend richten und nicht gegen den  Fehler/die Schlechtigkeit/das Laster. Der zusammengehörige Rest ist in normalerer Wortreihenfolge sub illo errore. Die gemeinte Ungewissheit ist das nahe Beieinanderliegen Gutem und Schlechten, was die Gefahr eines Irrtums/Fehlgriffs mit Verwechslung von Gutem und Schlechten enthält. In der Ethik kann dies z. B. Tapferkeit und Tollkühnheit oder Sparsamkeit und Geiz sein, in der Ästhetik Schlankheit und Magerkeit.

deflecte und falle sind Imperativ 2. Person Singular Präsens. dotes ist Akkusativ Plural und puellae davon abhängiger Genitiv. brevi limite ist Ablativus discriminis/mensurae (Ablativ des Unterschieds/des Maßes). limes, die Grenze/Grenzlinie, ist hier der kurze/knappe Unterschied bei Gutem und Schlechten, das nahe benachbart ist. Ein geringes Maß an danebenliegender Beurteilung bedeutet dann Überschreiten der Grenze zwischen gut und schlecht. Dabei werden Vorzüge in Mängel/Makel verkehrt.

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Ausgeschrieben ist ein kürzerer Titel:

De Romano Pontifice

„Über den römischen Pontifex [Oberpriester/Bischof = Papst]“

Ausgeschrieben ist ein längerer Titel:

De Romani Pontificis Ecclesiastica Hierarchia

„Über die kirchliche Herrschaft/Obergewalt des römischen Pontifex [Oberpriesters/Bischofs = Papstes]“

Robertus Bellarminus [= Roberto Bellarmino], Disputationes de controversiis christianae fidei adversus huius temporis haereticos. Tomus primus. Ingolstadt : David Sartorius, 1588. Tertia controversiae generalis. De summo pontifice [capite militantis Ecclesiae]. Liber primus. De Romani Pontificis Ecclesiastica Hierarchia.

https://daten.digitale-sammlungen.de/0009/bsb00096083/images/index.html?fip=193.174.98.30&id=00096083&seite=345

https://daten.digitale-sammlungen.de/0009/bsb00096083/images/index.html?fip=193.174.98.30&id=00096083&seite=346

eine deutsche Übersetzung:

Robert Bellarmin, Streitschriften über die Kampfpunkte des christlichen Glaubens. Uebersetzt von Viktor Philipp Gumposch. Dritter Band. Augsburg : Verlag der Math. Rieger'schen Buchhandlung, 1843. Dritte Streitschrift. Ueber den Papst. Erstes Buch. Ueber die kirchliche Alleinherrschaft des römischen Papstes.

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Petra dedit Petro, Petrus diadema Rodulfo.

Der Fels [das heißt: Christus] hat die Krone Petrus gegeben, Petrus hat die Krone Rudolf gegeben.

Petra ist Nominativ Singular und im ersten Teil Subjekt, wie im zweiten Teil des Satzes Petrus. Als Prädikat für beide Teile des Satzes ist dedit zu denken, als Objekt für beide Teile des Satzes diadema.

Das lateinische petra stammt vom altgriechischen Wort πέτρα und bedeutet wie dieses „Fels“, „Stein“. πέτρα bzw. petra kann bildlich-metaphorisch auch Christus bezeichnen (Hinweis bei Georges, Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch).

Ein Beispiel (Christus als wahrhaft in die Mitte der Dinge gesetzter Stein: vere petra medio rerum posita) ist Orosius 7, 3, 1:

Igitur anno ab urbe condita DCCLII natus est Christus salutarem mundo adferens fidem, vere petra medio rerum posita, ubi comminueretur qui offenderet, qui crederet saluaretur; vere ignis ardens, quem qui sequitur inluminatur, qui temptat exuritur;

Das Papsttum beruft sich sich auf Petrus als Bischof von Rom und biblische Aussagen, in denen Jesus seinen Jünger mit dem Beinamen, der altgriechisch Πέτρος (Petros) lautet und „Fels“, „Stein“ bedeutet, als Grundlage der Kirche versteht und ihm große Macht zuspricht (z. B. Matthäus 16, 18: κἀγὼ δέ σοι λέγω ὅτι σὺ εἶ Πέτρος, καὶ ἐπὶ ταύτῃ τῇ πέτρᾳ οἰκοδομήσω μου τὴν ἐκκλησίαν καὶ πύλαι ᾅδου οὐ κατισχύσουσιν αὐτῆς. „Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“)

Rudolf von Rheinfelden (aus einer Nebenlinie des burgundischen Königshauses stammend), Herzog von Schwaben, war für das Heilige Römische Reich 1077 – 1080 Gegenkönig zu Heinrich IV. und nach einer Erzählung hat ihm Papst Gregor VII. (vormals der Mönch Hildebrand) eine Krone mit einer Inschrift geschicklt.

Sigebert von Gembloux, Chronica sive chronographia universalis. 1077:

Omnes enim qui prius Hildibrandum abiuraverant, periurio periurium cumulantes, imperatorem abiurant, et Rodulfum ducem Burgundionum super se regem statuunt missa ei corona a papa, cui erat inscriptum, 'Petra dedit Petro, Petrus diadema Rodulfo.'

„Alle nämlich, die vorher Hildebrand abgeschworen hatten, wobei sie Meineid auf Meineid häuften, schwören dem Herrscher ab, und setzen Rudolf, Herzog der Burgunder, als König über sich ein, als ihm vom Papst eine Krone geschickt worden war, auf der die Inschrift stand: 'Der Fels [das heißt: Christus] hat die Krone Petrus gegeben, Petrus hat die Krone Rudolf gegeben.'“

In einem Text zu einem Streit um das Bischofsamt in Lüttich wird zu dem lateinischen Wort ausdrücklich Christus hinzugefügt.

Vita Alberti episcopi Leodiensis 28:

Petra Christus apostolo Petro dedit potestatem ligandi et solvendi.

„Der Fels Christus hat dem Apostel Petrus die Amtsgewalt zum Binden und Lösen gegeben.“

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Die Karikatur bezieht sich auf Verhandlungen Vorschläge und Verhandlungen, die schließlich zum Deutsch-Sowjetischen Wirtschaftsvertrag (Kreditabkommen zwischen dem deutschen Reich und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken) am 19. August 1939 und zum Deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt (vollständige Bezeichnung: Nichtangriffsvertrag zwischen Deutschland und der Union der Sozialistischen Sowjetrepublik am 23./24. August 1939) führten.

In der Darstellung sitzt Joseph Stalin groß und bärenhaft mit auseinandergespreizten Beinen in der Mitte auf einer Art Sofa, Hermann Göring (links, sich an Stalins rechte Seite anlehnend) und Adolf Hitler (rechts, auf Stalins linkem Oberschenkel und Schoß sitzend, seinen Hals umarmend) haben sich ihm schmusebereit angenähert. Göring und Hitler sind als weibliche Prostituierte dargestellt, die einen Gast/Freier/Kunden umwerben und ihn dazu bewegen wollen, für weitergehende Dienstleistungen zu zahlen. Sie tragen Reizwäsche (Strümpfe, knappes Kleid, Schleifchen im Haar) und Kettchen um ein Handgelenk, Göring Orden auf der Brust und Ringe an den Fingern, Hitler eine Perlenkette und Hakenkreuze auf dem Kleidersaum. Auf einem Beistelltisch stehen drei Trinkgläser und eine Wodkaflasche (französische Aufschrift: Vodka). Es kann die Vorstellung eine Szene in einem Amüsierlokal/Animierschuppen entstehen.

Mit der Frage „- alors, tu nous les donne, tesroubles, dis?" („Gibst Du uns jetzt Deine Rubel, sag [ja oder nein]?“ wird der Wunsch nach Bezahlung vorgetragen. Angedeutet wird, dem angeregten Gast/Freier/Kunden mehr zu bieten, aber nur, wenn er jetzt dafür zahlt. 

Inhaltlich geht es um ein politisches Umwerben der Sowjetunion durch das nationalsozialistische Deutschland. Großbritannien und Frankreich versuchten, mit der Sowjetunion eine Zusammenarbeit auszuhandeln, um ein Gegenwicht zu einer möglichen Expansion des Deutschen Reiches nach Osteuropa zu schaffen, besonders einem Angrff auf Polen. Das nationalsozialistische Deutschland machte der Sowjetunion Vorschläge zu einer Belebung der Handelsbeziehungen (z. B. Rohstofflieferungen der Sowjetunion, deutsche Industrieprodukte und Waffenmaterial) und Kreditgewährung und Angebote im Fall eines Nichtangriffsvertrages. Damit konnten deutsche Kriegspläne für einen Angriff auf Polen angesichert werden.

Hitler war Staats- und Parteichef, Göring hatte sehr wichtige staatliche Ämter und leitende Funktionen in der Wirtschaftspolitik (z. B. Beaufftragter für den Vierjahresplan seit 1936, 1937 – 1938 kurzzeitig auch Reichswirtschaftsminister).

Die Karikatur zeigt, dass bei den Vorschlägen, Angeboten und Verhandlungen nicht Zuneigung zwischen der politischen Führung der Sowjetunion und des nationalsozialistischen Deutschlands das Motiv ist, sondern das Erhalten einer Gegenleistung (in der Karikatur das Geben der Rubel für erotisch-sexuelle Dienste) Ziel ist. Die politischen Anführer erscheinen als wenig ehrenhaft und würdevoll.

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Cicero meint: Das Urteil der Richter im Prozess gegen Verres hat Einfluss auf das Ansehen der Richter und des Gerichtshofes.

An diesem Redeanfang (Marcus Tullius Cicero, In Verrem 1, 1, 1 – 3) erklärt Cicero auch, das Urteil der (senatorischen) Richter werde Auswirkung auf den Senatorenstand und den Staat haben

Nach Ciceros Darlegung hat Verres Schlimmes getan und schweres Unrecht begangen. Ein Freispruch wäre für das Ansehen der Richter und des Gerichtshofes schlecht und hätte schädliche Folgen für den Senat und den römischen Staat.

Wenn die Richter streng und gewissenhaft urteilen (was nach Ciceros Überzeugung nur ein Schuldspruch sein kann), werde das Ansehen, das ihnen zurückbleiben muss, fest an sie angehängt bleiben, wenn aber der gewaltige Reichtum des Verres Gewissenhaftigkeit und Wahrheitsliebe der Gerichte durchbricht, werde Cicero dennoch erreichen, dass eher dem Staat ein Gericht als den Richtern ein Angeklagter oder dem Angeklagten ein Ankläger gefehlt zu haben scheine (Marcus Tullius Cicero, In Verrem 1, 1, 3).

Cicero weist darauf hin, dass es zu dieser Zeit Verärgerung und Anfeindung gegen die mit Senatoren als Geschworenen besetzten Gerichtshöfe und den Senat gibt:

Es sei wünschenswert, die Anfeindung/Verhasstheit des Senatorenstandes und den schlechten Ruf der Gerichte (invidiam vestri ordinis infamiamque iudiciorum Marcus Tullius Cicero, In Verrem 1, 1, 1) beizulegen.

Es habe sich die für den Staat schädliche und für die senatorischen Richter gefährliche Meinung bei den Römern und ausländischen Völkern festgesetzt, von den Gerichten, die jetzt bestehen, könne kein reicher Mann verurteilt werden, wie sehr er auch schuldig sei.

Die Richter können im Fall Verres (durch einen Schuldspruch) das verlorene Ansehen der Gerichte wiederherstellen (reconciliare existimationem iudiciorum amissam) und in ein gutes verhältnis mit dem römischen Volk zurückehren (redire in gratiam cum populo Romano).

Jetzt, im kritischen Entscheidungspunkt für den Senatorenstand und die senatorischen Gerichte (in ipso discrimine ordinis iudiciorumque vestrorum), in einer Zeit, in der Leute bereitstehen, die versuchen, mit Volksversammlungen und Gesetzesanträgen, diese Anfeindung gegen den Senat (hanc invidiam senatus) anzufachen, wird mit Gaius Verres ein Mann vor Gericht gestellt, der wegen seines Lebens und seiner Taten schon von der Meinung aller verurteilt ist, aber aufgrund der großen Menge seines Geldes seiner Erwartung nach und nach seiner öffentlichen Aussage freigesprochen ist.

Gaius Verres war Praetor 74 v. Chr. und als  Propraetor 73-71 v. Chr. römischer Statthalter der Provinz Sizilien. Verres wurde wegen Erpressung angeklagt, die lateinische Bezeichnung ist de repetundis (pecuniis) = wegen der Zurückforderung (erpreßter Gelder)/wegen zurückzufordernder Geldsummen. Der von einem Praetor geleitete zuständige Gerichtshof hieß quaestio repetundarum und bestand damals aus Senatoren als Geschworenen. Das Gerichtsverfahren wird als Repetundenprozeß bezeichnet.

Lucius Cornelius Sulla hatte als Diktator (82 – 79 v. Chr.) bestimmt, dass ausschließlich Senatoren als Geschworene an den Gerichtshöfen tätig waren. Daran gab es Kritik und es wurde auf eine Änderung gedrängt. Im Jahr 70 v. Chr. wurde gesetzlich eine Zusammensetzung aus je einem Drittel Senatoren, Rittern (equites) und Aerartribunen festgelegt.

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