Sind die Antworten auf die Fragen bzw. Aufgaben richtig (Philosophie), da ich mir nicht sicher bin. Ich würde mich freuen?

Aufgabe 1: Untersuchen Sie, inwiefern die Gemeinschaft nach Mill berechtigt ist, die Freiheit des Individuums zu begrenzen.

  • Es geht bei Mill hauptsächlich um selbstverantwortliche Freiheit. Nach Mill’s Meinung, sollte die Freiheit des Einzelnen in der Gesellschaft darin bestehen, dass jeder Mensch das Recht hat zu denken, sagen und zu handeln, wie er möchte, solange er damit keinem anderen Menschen Schaden zufügt. Diese Freiheit ist nicht nur für die Entfaltung des Individuums wichtig, sondern auch für die positive Weiterentwicklung der Gesellschaft als Ganzes. Auch wenn er sich dabei selbst Schaden zufügen sollte, hat niemand das Recht, ihn zu einer anderen Handlungsweise zu zwingen. Man kann mit einer Person, die sich offensichtlich töricht verhält, diskutieren und sie zu überreden versuchen; Zwang ausüben darf man aber nicht.

Aufgabe 2: Erklären Sie Kants Bestimmung des Rechts auf der Grundlage der Antwort von Philo.

  • Nach Kants Auffassung ist das Recht auf das äußere Verhältnis der Personen, also auf ihre Handlungen bezogen. Das Recht hat die Aufgabe, das Zusammenleben der Menschen in äußerer Freiheit zu ermöglichen. Wenn es eine Mehrzahl von Individuen gibt und die Personen nicht jeweils völlig isoliert leben, dann beeinflussen sich die Menschen gegenseitig und damit kann die individuelle Freiheit eingeschränkt und beeinträchtigt werden. Uneingeschränkte Freiheit ist als Prinzip des Zusammenlebens nicht möglich. Sie würde zu Widersprüchen führen und sich von selbst aufheben, denn dann gibt es keinen Schutz vor Willkür und das freie Handeln des einen verletzt die Freiheit des anderen. Uneingeschränkte Freiheit würde die Unterwerfung und Zerstörung der äußeren Freiheit zulassen. Eine Bestimmung ist erforderlich, wo die Freiheit für eine Person endet und für eine andere beginnt. Also ist Recht eine notwendige Voraussetzung für die Regelung des Zusammenlebens. Kurz gesagt, findet die persönliche Freiheit ihre Grenzen dort, wo die Rechte anderer erheblich beeinträchtigt werden. Ein Beispiel aus dem geltenden Recht, um es besser zu veranschaulichen:  Es gibt das Recht auf freie Meinungsäußerung, das im Grundgesetz formuliert ist. Jeder darf seine Meinung sagen, doch diese findet dann seine Grenzen, wenn z.B. Beleidigungen oder wissentlich falsche Tatsachenbehauptungen aufgestellt werden etc.

Danke für jede Hilfe und Antwort!

...zur Frage

Aufgabe 1:

Ab „Auch wenn er sich dabei selbst Schaden zufügen sollte,” ist die Antwort richtig.

Die Antwort trifft am Anfang nicht genau, worum es in dem Text, der Grundlage ist, hauptsächlich geht.

Insgesamt mag es John Stuart Mill vor allem um selbstverantwortliche Freiheit gehen. In dem Textausschnitt behandelt er aber die Frage, nach welchem Grundsatz (Prinzip) das Verhältnis von Gesellschaft und Individuum in Bezug auf Zwang und Bevormundung (sowohl physische Gewalt mit Strafen als auch moralischer Zwang durch öffentliche Meinung) geregelt wird. Dabei geht es um die Abgrenzung, welche Eingriffe in die Freiheit eines Individuums berechtigt sind und welche nicht.

Mill befürwortet eine weitgehende, aber nicht unbegrenzte individuelle Freiheit, bei der die Individuen (Einzelnen), soweit sie selbst von ihrem Verhalten betroffen sind, rechtlich Unabhängigkeit über sich selbst, ihren Körper und ihren Geist haben.

Die Beschränkungen der Freiheit benötigen eine Rechtfertigung.

Der einzige berechtigte Grund für Menschen, einschränkend in die individuelle Freiheit einzugreifen, besteht nach Mills Auffassung darin, sich selbst zu schützen (Selbstschutz).

Der einzige berechtigte Zweck zur Ausübung von Zwang gegen ein Mitglied einer zivilisierten Gemeinschaft besteht nach Mills Auffassung darin, die Schädigung anderer zu verhindern (Verhütung der Schädigung anderer).

Das eigene (physische oder moralische) Wohl des Individuums hält Mill für keine ausreichende Rechtfertigung. Nach seinem Standpunkt darf niemand zu einem Tun oder Unterlassen gezwungen oder durch die Drohung mit Unanehmlichkeiten genötigt werden. Eine Meinung anderer, etwas sei für ein Individuum besser, würde ihn glücklicher machen oder eine kluge bzw. richtige Handlung, ist kein rechtmäßiger Grund für eine Einschränkung der indivdiuellen Freiheit. So etwas sind nur gute Gründe für Vorhaltungen, Überzeugungsversuche und Verhandlungen. Rechtfertigung für Eingriffe in die indivdiuelle Freiheit ist nur ein Verhalten, das beabsichtigt, anderen Schaden zuzufügen. Bei der Berechtigung von Zwang oder Bevormundung (einschließlich Bestrafung durch das Gesetz oder öffentliche Missbilligung) ist die Anwendung von Zwang zum Vollzug von einigen Handlungen, die dem Nutzen anderer dienen, eingeschlossen, z. B. Zeugenaussage vor Gericht und Beitrag zur Landesverteidigung.

Aufgabe 2:

Die Antwort ist richtig.

Sie kann aber noch durch einige Aussagen ergänzt werden:

Jedes Individuum hat nach Kants Auffassung Anspruch äußere Freiheit, das heißt Unabhängigkeit von der nötigenden Willkür anderer.

Die Einschränkung von Freiheit im Zusammenleben von Menschen muss nach einem allgemeinen Gesetz geschehen, also nach einem Gesetz, das für alle Menschen in gleicher Weise gilt.

Recht ist die Einschränkung der Freiheit jedes einzelnen Menschen auf die Bedingung ihrer Zusammenstimmung mit der Freiheit aller anderen Menschen, insofern diese nach einem allgemeinen Gesetz möglich ist.

Der von Kant aufgestellte Rechtsbegriff ist ein normativer Maßstab, mit dem tatsächliche aufgestellte Gesetze auf ihre Berechtigung (Legitimität) hin beurteilt werden können. Vernünftig sind nur Rechtsbestimmungen, welche die Freiheit des einen mit der Freiheit aller anderen nach allgemeinen Gesetzen verträglich sein lassen. Ein solches Recht kann von jeden Vernunftwesen/vernünftigen Wesen/vernunftbegabten Wesen anerkannt werden.

...zur Antwort

Die Rede Caesars ist eindeutig eine Beratungsrede (nach antiker Gattungseinteilung griechisch: γένος συμβουλευτικόν [genos symbouleutikon]; lateinisch: genus deliberativum). Da es in dieser Beratungsrede um eine politische Entscheidung durch eine Staatsinstitution geht, kann sie auch als politische Rede oder Staatsrede bezeichnet werden.

Die Reden Caesars (Sallust, De coniuratione Catilinae 51) und Catos (Sallust, De coniuratione Catilinae 52) sind keine Aufzeichnungen, sondern freie Gestaltung des Geschichtsschreibers. Nur bei den Anträgen kann weitgehende Übereinstimmung mit der Formulierung der tatsächlichen Anträge angenommen werden.

Die Reden beziehen sich zwar in einem erheblichem Ausmaß auf Bestrafung und rechtliche Fragen und enthalten eine Argumentation, dies ist aber kein ausreichender Grund, sie ganz oder teilweise der Gattung der Gerichtsrede (nach antiker Gattungseinteilung griechisch: γένος δικανικόν [genos dikanikon]; lateinisch: genus iudiciale) zuzuordnen.

Es gibt in der Redesituation keine Angeklagten, keinen Prozesss und der Senat war kein Gericht. Es gibt keinen Ankläger, keinen Verteidiger und keine Richter.

Lucius Sergius Catilina war aus Rom fortgegangen. Bei der Beratung im Senat am 5. Dezember 63 v. Chr. (von Sallust, De coniuratione Catilinae 50 – 53 dargestellt) ging es um 5 verhaftete Anhänger Catilinas und ihre eventuelle Hinrichtung (Todestrafe):

  • Publius Cornelius Lentulus Sura, Angehöriger der Nobilität, 71 v. Chr. Konsul, 70 v. Chr. aus dem Senat ausgeschlossen, 63 v. Chr. Praetor und damit wieder Senatsmitglied
  • Gaius Cornelius Cethegus, Angehöriger der Nobilität, Senatsmitglied
  • Publius Gabinius Capito, römischer Ritter (eques)
  • Lucius Statilius, römischer Ritter (eques)
  • Marcus Caeparius

Der Senat war eine Ratsversammlung. Der Konsul Marcus Tullius Cicero hat den Senat einberufen und die Sitzung geleitet. Er fragte die Senatoren nach einer Stellungnahme dazu, was mit den verhafteten Catilinariern geschehen sollte (Sallust, De coniuratione Catilinae 50, 3). Aus einer Abstimmung mit einer Mehrheit für einen Antrag konnte ein Senatsbeschluss (senatus consultum) hervorgehen. Ein Senatsbeschluss war allerdings rein formalrechtlich für einen römischen Magistraten nicht unbedingt auszuführen.

Caesar hat in seinem Antrag für die verhafteten Catilinarier lebenslange Haft in verschiedenen Landstädten (municipia) Italiens, Einziehung des Vermögens (Konfiskation) und ein Verbot der Wiederaufnahme des Verfahrens vor Senat oder Volksversammlung vorgeschlagen (Sallust, De coniuratione Catilinae 51, 43).

Caesar war offenbar (bei Sallust ist die Darlegung in dieser Hinsicht nicht genau) die Beachtung des Provokationsrechts (Recht zur Anrufung des Volkes - provocatio ad populum - bei Bedrohung mit dem Tod) wichtig. Gaius Sempronius Gracchus hatte als Volkstribun 123 v. Chr. zur provocatio ein Gesetz (Lex Sempronia) beantragt, das vom Volk beschlossen worden war. Caesar trat für ein populares Prinzip ein (Optimaten werden die Anhänger einer auf den Senat gestützten Politik mit Vorherrschaft der Nobilität, der Führungsschicht aus vornehmen Familien, genannt, die entgegengesetzte Richtung, die dem Volk etwas mehr Gewicht geben möchte, wird Popularen genannt). Er wollte verhindern, einen Präzedenzfall für ein Außerachtlassen des Provokationsrechts zu schaffen.

Caesar (Sallust, De coniuratione Catilinae 51, 1) und Cato (Sallust, De coniuratione Catilinae 52, 2) wenden sich mit ihren Reden an Senatoren mit der Anrede patres conscripti („Väter/Patrizier und Beigeordnete/Eingetragene”). Die Senatoren werden nicht als Richter (lateinisch: iudices) angeredet. Gerichtsreden in Rom wurden an Richter (lateinisch: iudices) gerichtet, wie z. B. die erhaltenen Gerichtsreden von Marcus Tullius Cicero zeigen.

In den Reden Caesars und Catos kommt auch keinen narratio (Erzählung mit Darstellung des Sachverhalts/Tathergangs) vor, die fester Bestandteil einer Gerichtsrede ist.

Die Reden beziehen sich auf Zweckmäßigkeit (Nutzen und Schaden für die römische Republik/das römische Volk), auch wenn in ihnen Gesichtspunkte von gerecht und ungerecht vorkommen. Es geht in der Hauptsache nicht um eine Tat in der Vergangenheit, sondern um die Zukunft.

...zur Antwort

Zu welcher Sprache soll die gesuchte Bezeichnung mit vier Buchstaben gehören?

In englischer Sprache wäre „Show” denkbar.

In lateinischer Sprache ist ludi denkbar, was „Spiele” bedeutet (ein ausführlicherer Ausdruck ist ludi gladiatorii, was allerdings statt „Gladiatorenspiele/Gladiatorenkämpfe” oft “Gladiatorenschulen” bedeutet). Gladiatorenspiele/Gladiatorenkämpfe werden lateinisch oft munera genannt, einem Plural zu dem Wort munus = Leistung, Aufgabe, Dienst, Gefälligkeit, Gabe, Festspiel.

...zur Antwort

König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen hat bei der Eröffnung des Ersten Vereinigten Landtages (aus den preußischen Provinziallandtagen gebildet; am 26. Juni 1847 aufgelöst) am 11. April 1847 eine Thronrede gehalten. In dieser Rede kommen Begründungen vor. Viele der Begründungsversuche sind sachlich nicht einleuchtend (beispielsweise angeblicher Gegensatz einer Verfassung zu Treue und Wahrheit, angebliche Störung des Verhältnisses zu Gott, als sei eine Verfassung ein Religionsfrevel, angeblicher Volkswille gegen eine Verfassung). Friedrich Wilhelm IV. zeigt Geringschätzung einer Verfassung, wenn er sie „ein beschriebenes Blatt” nennt (in einer Kabinettsorder vom 4. Oktober 1840 und in einem Brief an von Theodor von Schön vom 21./28. Dezember 1842 bezeichnet er eine Verfassung sogar als »papiernen Wisch«).

Argumente gegen eine Verfassung sind:

  • tradionelle Legitimität einer Monarchie mit langer Geschichte ohne geschriebene Verfassung, Friedrich Wilhelm IV. als Erbe von Vorfahren
  • Ablehnung einer rational entworfenen Verfassung als künstlich-willkürlich
  • Zerstörung eines natürlichen Verhälnnisses zwischen Herrscher und Volk (offenbar liegt ein Patriarchalismus mit dem König als Landesvater zugrunde) und Ersetzung durch ein konventionelles Verhältnis (Verwandlung des natürlichen Verhältnisses zwischen Fürst und Volk in ein konventionelles Verhältnis durch Urkunden verbrieft, durch Eide besiegelt”)
  • Notwendigkeit einer Leitung Preußens durch einen einzigen Willen wegen seiner Lage, seiner Grenzen und seiner mächtigen Nachbarstaaten, eine Verfassung für Preußen wegen seiner Gefährdung ungeeignet: „Preußen aber, Meine Herren, kann diese Zustände nicht ertragen. Fragen Sie Mich: Warum? so antworte Ich: Werfen Sie einen Blick auf die Karte von Europa, auf die Lage unseres Landes, auf unsere Zusammensetzung, folgen Sie den Linien unserer Grenzen, wägen Sie die Macht unserer Nachbarn, vor Allem werfen Sie einen geistigen Blick in unsere Geschichte! Es ist Gottes Wohlgefallen gewesen, Preußen durch das Schwert groß zu machen, durch das Schwert des Krieges nach außen, durch das Schwert des Geistes nach innen. Aber wahrlich nicht des verneinenden Geistes der Zeit, sondern des Geistes der Ordnung und der Zucht . Ich sprech' es aus, Meine Herren. Wie im Feldlager ohne die allerdringendste Gefahr und größte Torheit nur Ein Wille gebieten darf, so können dieses Landes Geschicke, soll es nicht augenblicklich von seiner Höhe fallen, nur von Einem Willen geleitet werden, - und beginge der König von Preußen einen Frevel, wenn er von seinen Untertanen die Folgsamkeit des Knechtes forderte, so würde er wahrlich einen noch viel größeren Frevel begehen, wenn er nicht das von ihnen fordern wollte, was die Krone des freien Manns ist, den Gehorsam um Gottes und des Gewissens willen."
  • Störung einer inneren Wahrheit des Verhältnisses zwischen Herrscher und Volk und Störung des Verhältnisses zu Gott durch eine Verfassung, eine Verfassung als sich unangemessen zwischen Gott und Land drängendes Blatt mit Paragraphen: „Edle Herren und getreue Stände! Es drängt Mich zu der feierlichen Erklärung: daß es keiner Macht der Erde je gelingen soll, Mich zu bewegen, das natürliche, gerade bei uns durch seine innere Wahrheit so mächtig machende Verhältnis zwischen Fürst und Volk in ein konventionelles, konstitutionelles zu wandeln, und daß Ich es nun und nimmermehr zugeben werde, daß sich zwischen unseren Herr Gott im Himmel und dieses Land ein beschriebenes Blatt, gleichsam als eine zweite Vorsehung eindränge, um uns mit seinen Paragraphen zu regieren und durch sie die alte, heilige Treue zu ersetzen.“
  • Gegensatz einer Verfassung zu alter, heiliger Treue
  • Vermeidung eines Strebens nach eitler Volksgunst:Zwischen uns sei Wahrheit. Von einer Schwäche weiß Ich Mich gänzlich frei. Ich strebe nicht nach eitler Volksgunst. (Und wer könnte das, der sich durch die Geschichte belehren läßt?) Ich strebe allein danach, Meine Pflicht nach bestem Wissen und nach Meinem Gewissen zu erfüllen und den Dank Meines Volkes zu verdienen, sollte er Mir auch nimmer zu Teil werden.“
  • Überflüssigkeit einer Verfassung wegen Strebens des Königs nach gewissenhafter Pflichterfüllung
  • Volkswille gegen Verfassung, Wunsch des Volkes nach vollen, uneingeschränkten Machtbefugnissen des Königs, durch die die allein die besten Errungenschaften des Volkes geschützt werden können: „Mein Volk kennt Mein Herz, Meine Treue und Liebe zu ihm und hängt in Lieb' und Treue an Mir: Mein Volk will nicht das Mitregieren von Repräsentanten, die Schwächung der Hoheit, die Teilung der Souverainetät, das Brechen der Vollgewalt seiner Könige, die ihm seine Geschichte, seine Freiheit, seinen Wohlstand begründet und seine teuersten Errungenschaften allein schützen können und - sie schützen werden, so Gott gnädig ist, wie bisher.“
  • Gottesgnadentum und uneingeschränkte Machtausübung des Königs als gottgewollte Ordnung: „Das aber ist Ihr Beruf nicht: "Meinungen zu repräsentieren", Zeit- und Schulmeinungen zur Geltung bringen zu sollen. Das ist vollkommen undeutsch und obenein vollkommen unpraktisch für das Wohl des Ganzen, denn es führt notwendig zu unlösbaren Konflikten mit der Krone, welche nach dem Gesetze Gottes und des Landes und nach eigener freier Bestimmung herrschen soll, aber nicht nach dem Willen von Majoritäten regieren kann und darf, wenn "Preußen" nicht bald ein leerer Klang in Europa werden soll!“
...zur Antwort

Bei einer »negativen Freiheit« geht es um eine Verneinung (keine Zwange, Einschränkungen, Abhängigkeiten).

Bei einer »positiven Freiheit« geht es um eine bejahende Setzung (lateinisch ponere = setzen, stellen legen; davon das Partizip positum = gesetzt, gestellt, gelegt), was Selbstverwirklichung und selbstbestimmte Gestaltung bedeutet (Fähigkeit zu einem bestimmten Tun).

Bei der Freiheit gibt es:

a) »negative Freiheit« (»Freiheit von«): Unabhängigkeit, Abwesenheit von Zwängen/Einschränkungen

b) »positive Freiheit« (»Freiheit zu«): Selbstbestimmung, Bereitstellung und Nutzung von Gestaltungsmöglichkeit

Freiheit ist also einerseits (»negative Freiheit«) eine Unabhängigkeit, die Abwesenheit von Zwängen, Einschränkungen und Hindernissen, andererseits (»positive Freiheit«) Selbstbestimmung, die in einer Wahl eine Möglichkeit ergreifen und nutzen kann (Erreichen eigener Ziele).

Im politischen Zusammenhang ist »negative Freiheit« „die Abwesenheit von Beschränkung und Einmischung”. Indivdiuelle Unabhängigkeit ist »negative Freiheit«. Dazu gehört die Sicherung von Schutzrechten (schützen unter anderem die Individuen [einzelnen Personen] vor einem Eingreifen des Staates oder anderer in ihre Privatsphäre bzw. das eigene Tun). Freiheitsrechte dienen dabei der Abwehr möglicher Eingriffe, die Zwang und Einschränkung bringen würden.

Im politischen Zusammenhang ist »positive Freiheit« „Selbstbestimmung”. Sie bedeutet für Individuen die Möglichkeit, selbst gewählte und gesetzte Ziele „tatsächlich zu verfolgen” (ihnen nachzugehen) bzw. „in der Realität umzusetzen” (die Ziele zu verwirklichen). Dazu gehört, an Politik „zu partizipieren” (teilzuhaben), also sich an der öffentlichen Diskussion gemeinsamer Angelegenheiten in einem Staat und an ihrer Regelung beteiligen zu können.

...zur Antwort

Die Aufgabe ist zum Teil sehr schwierig, weil aus dem verbindenden Text nicht immer eine einzige eindeutige Lösung hervorgeht. Bisher ist sehr weitgehend richtig eingsetzt.

Ich weiß nicht in allen Fällen mit Sicherheit die gemeinte Lösung.

Einsetzungen:

1519

Maria von Burgund

Bianca Maria Sforza

Burgund

entweder die Niederlande(Grafschaft Flandern, Grafschaft Hennegau, Grafschaft Holland, Grafschaft Namur, Herzogtum Geldern, Herzogtum Luxemburg) oder das Herzogtum Mailand (kam erst 1535 an die Habsburger (gestützt auf Erbansprüche durch die Heirat mit Bianca Maria Sforza), also nach Maximilians Tod

Burgund

französischen

Ludwig XI.

der letzte Ritter

Fürstenstaat

Innsbruck

Wien

Johanna von Kastilien und Aragón

Spanien

Maria (insgesamt waren es 6 Kindwer, es fehlen Eleonore, Isaballa und Katharina)

Karl V. verheiratet mit Isabellea von Portugal

Ferdinand I. verheiratet mit Anna von Böhmen und Ungarn

Osmanen (vielleicht ist auch auch „Türken” gemeint, obwohl Osmanen genauer ist, weil damals das Osmanische Reich bestand)

Konstantinopel

Russland

Italien

Renaissance

Ludwig II.

Ferdinand I.

Böhmen

Ungarn

Osmanen

200000 (vielleicht auch nur etwa 150000)

Suleiman I./Süleyman I./Soliman I (es gibt verschiedene Schreibweisen)

Wien

Die Rangordnung der adligen kann ja nach Zeit, Land und Einteilungsgesichtspukt unterschiedlich sein.

Eine Möglichkeit in fünf Stufen:

1) König

2) Herzog

3) Graf

4) Freiherr

5) Ritter

Die Kurfürsten könnten besonders hervorgehoben werden, der Rang von Fürsten mehere Stufen des hohen Adels zusmamenfassen, außer Graf gab es auch Landgraf, Pflazgraf und Markgraf.

Zur Vielzahl der Territorialherrschaften im Heiligen Römischen Reich könnten umfangreiche Erklärungsversuche geschrieben werden.

Das Heilige Römische Reich hatte schon von seinem Anfang her eine föderalistische Struktur. Es gab zunächst mehrere Stammesherzogtümer und innerhalb der Herzogtümer hatte der Herzog nicht überall eine direkte Herrschaft. Ein König war auf die Mitwirkung von Großen des Reiches angewiesen, um große Unternehmungen, die viel finanziellen und militärischen Aufwand benötigten erfolgreich durchführen zu können. Ein Herzog hatte es iohne ausreichende Unterstützung wichtigerAdliger in seinem Gebeit schwer.

Das Heilige Römische Reich war eine Wahlmonarchie. Ein König wurde von mächtigen Adligen gewählt und das Königtum ging nicht einfach durch Erbrecht auf einen Sohn weiter. Daher hatte der König in stärkerem Ausmaß die Wünsche mächtiger Adiger zu berücksichtigen.

Im Lehenssystem war eine Wiedervergabe von Lehen eine Norm. Der König konnte Reichslehen nicht einfach ohne Vergabe dauerhaft für das Königtum einziehen.

Das Erbrecht spielte ein Rolle. In manchen Gebieten hat Erbteilung (Verteilung des Erbes auf mehere grunsdsätzlich gleichberechtigte Erben statt Zusammenhalten des Ganzes gebietes bei der Vererbung) zu Zersplitterung geführt. Es sind geistliche Fürstentümer mit eigenem auch weltlichen Herrschaftsgebiet entstanden. Herzogtümer sind aufgeteilt worden (z. B. im Streit zwischen Staufern und Welfen die Herzogtümer Bayern und Sachsen, die Heinrich der Löwe innehatte), um nicht einem anderen zu viel Macht einzuräumen und um mehrere Gefolgsleute belohnen zu können.

Der deutsche König wurde in einem bestimmten Zeitraum von sieben Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches gewählt:

1) Erzbischof von Mainz

2) Erzbischof von Trier

3) Erzbschof von Köln

4) König von Böhmen

5) Pfalzgraf von Rhein

6) Herzog von Sachsen

7) Markgraf von Brandenburg

...zur Antwort

Die Aufforderung zum Zählen könnte sich auf eine Landkarte und einen Informationstext beziehen.

Die Anzahl der Städte, die König Alexander III. (»der Große«) von Makedonien gegründet hat, ist nicht sicher bekannt. Nach Plutarch, Peri tes Alexandrou tyches e aretes (Περὶ τῆς Ἀλεξάνδρου τύχης ἢ ἀρετῆς; Über Alexanders Glück oder Tüchtigkeit; lateinischer Titel: De Alexandri magni fortuna aut virtute) 1, 5 (Ethika [Ἠθικά]/Moralia/Schriften zur Ethik 328 e) hat Alexander über 70 Städte im Gebiet von »Barbarenvölkern« gegründet. Diese Zahl ist nach Einschätzung der modernen Forschung eine Übertreibung. Neben echten griechischen Städten hat es Orte mit Garnisonstruppen und kleine, nur vorübergehend besiedelte Militärsiedlungen gegeben. Außerdem sind in den Auflistungen anscheinend auch Umbenennungen und Umsiedlungen enthalten.

Alexander (griechisch: Ἀλέξανδρος [Alexandros]; lateinisch: Alexander) hat von ihm neu gegründete Städte meistens nach seinem Namen benannt, also vor allem Alexandria (griechisch: Ἀλεξάνδρεια [Alexandreia]; lateinisch: Alexandria). Die berühmteste Gründung ist die des heutigen Alexandria in Ägypten.

Eine genaue Lokalisierung ist nicht immer möglich.

Zum Teil sind aufgelistete Städtegründungen tatsächlich erst von Nachfolgern Alexanders, vor allem den sogenannten Diadochen durchgeführt worden.

Bei antiken und gegenwärtigen Namen ist oft eine Transliteration (buchstabengetreue Wiedergabe von Wörtern einer Schrift in einer anderen Schrift) nötig und deshalb gibt es Abweichungen in der Schreibweise.

Städtegründungen Alexanders (ohne Anspruch auf Vollständigkeit in Bezug auf alle eventuelle Gründungen):

  • 340 v. Chr. Alexandropolis (griechisch: Ἀλεξανδρόπολις) am Mittellauf des Flusses Strymon (in der Gegenwart Struma genannt), Alexander hatte als Regent (sein Vater König Philipp II. war zu einem Kriegszug gegen Byzantion aufgebrochen) den thrakischen Stamm der Maider (Μαῖδοι [Maidoi]) besiegt, ihre Stadt erobert, sie vertrieben und eine gemischte Bevölkerung angesiedelt (Plutarch, Alexander 9, 1); in der Gegenwart südwestliches Bulgarien, vielleicht in der Gegend von Sandanski
  • vielleicht 334 v. Chr. Alexandreia Troas (griechisch: Ἀλεξάνδρεια ἡ Τρωάς), vielleicht auch erst von einem Nachfolger gegründet; in der Gegenwart nahe bei Dalyan, in der Türkei
  • vielleicht 333 v. Chr. Alexandreia am Latmos (griechisch: Ἀλεξάνδρεια πρὸς τῷ Λάτμῳ), wahrscheinlich aber erst von einem Nachfolger gegründet; vielleicht in der Gegenwart Alinda, in der Türkei
  • 333 v. Chr. Alexandreia am Issos (griechisch: Ἀλεξάνδρεια κατ᾽ Ἴσσον); in der Gegenwart İskenderun, in der Türkei
  • 332/331 v. Chr. Alexandreia in Ägypten, am Mittelmeer und dem westlichen Nildelta; in der Gegenwart Alexandria, in Ägypten
  • 330 v. Chr. Alexandreia in Areia (griechisch: Ἀλεξάνδρεια ἡ ἐν Ἀρείοις/Ἀλεξάνδρεια Ἀρείων); in der Gegenwart Herat, in Afghanistan
  • 330/329 v. Chr. Alexandreia in Arachosien (griechisch: Ἀλεξάνδρεια Ἀραχωσίας); in der Gegenwart Kandahar, in Afghanistan
  • 329 v. Chr. Alexandreia am Kaukasos (griechisch: Ἀλεξάνδρεια ἡ πρὸς τῷ Καυκάσῳ); in der Gegenwart im Hindukusch, vielleicht in der Gegend bei Bagram/Begram oder bei Tscharikar, in Afghanistan
  • 329 v. Chr. Alexandreia (griechisch: Ἀλεξάνδρεια ἐσχάτη, »äußerstes Alexandreia«) in der Nähe des Flusses Iaxartes (in der Gegenwart Syrdarja genannt); in der Gegenwart Chudschand, in Tadschikistan
  • 328 v. Chr. Alexandreia am Oxos (griechisch: Ἀλεξάνδρεια ἡ ἐπὶ τοῦ Ώξου); in der Gegenwart vielleicht der Ort Ai Khanoum in der Nähe des in der Gegenwart Amudarja genannten Flusses, in Afghanistan
  • 328/327 v. Chr. Alexandreia in der Margiana (griechisch: Ἀλεξάνδρεια ἡ ἐν τῇ Μαργιανῇ); in der Gegenwart der Ort Merw, in der Nähe der Stadt Mary, in Turkmenistan
  • 326 v. Chr. Nikaia (griechisch: Νίκαια; »Siegreiche«) am östlichen Ufer des Flusses Hydaspes (in der Gegenwart Jhelam genannt); in der Gegenwart in der Großlandschaft Punjab/Pandschab
  • 326 v. Chr. Alexandreia Boukephala (griechisch: Ἀλεξάνδρεια Βουκέφαλα) oder Alexandreia Boukephalos (griechisch: Ἀλεξάνδρεια Βουκέφαλος) bzw. Boukephala (griechisch: Βουκέφαλα) oder (griechisch: Bουκεφαλία) am westlichen Ufer des Flusses Hydaspes (in der Gegenwart Jhelam genannt), so zu Ehren seines angeblich in der Schlacht am Hydaspes gestorbenen Pferdes Boukephalas (Βουκεφάλας)/Boukephalos (Βουκεφάλος) genannt; in der Gegenwart in der Großlandschaft Punjab/Pandschab, vielleicht die Stadt Jhelam, in Pakistan
  • 326 v. Chr. Alexandreia am Hyphasis; in der Gegenwart ist der Name des Flusses vielleicht Beas, in Indien
  • 325 v. Chr. Alexandreia am Indus; in der Gegenwart vielleicht der Ort Uch, in Pakistan
  • 325 v. Chr. Alexandreia bei den Oreiten; in der Gegenwart vielleicht Bela, in Pakistan
  • vielleicht 324 v. Chr. Alexandreia in Karmanien (griechisch: Αλεξάνδρεια ή έν Καρμανίᾳ), vielleicht auch erst von Seleukos gegründet; in der Gegenwart irgendwo im Iran
  • 324 v. Chr. Alexandreia in der Sousiana (griechisch: Ἀλεξάνδρεια ἐν Σουσιανῇ); in der Gegenwart im Iran
...zur Antwort

Jeremy Bentham und John Stuart Mill vertreten einen »klassischen« Utilitarismus und haben dessen Grundsätze gemeinsam.

Bei Mill gibt es eine gewisse Milderung und Aufweichung einiger Grundsätze. Hinzufügungen/Ergänzungen und Erläuterungen, die Mill unternimmt, führen zu Unterschieden:

  • Einführung einer Unterscheidung zwischen qualitativen Arten von Glück/Lust/Freude (qualitativer Utilitarismus) bei Mill: Bei Bentham ist der Utilitarismus rein quantitativ, Mill hat einen qualitativen Utilitarismus hinzugefügt.
  • Einführung von Handlungsregeln als Sekundärprinzipien mit einer einer gewissen eigenständigen Verbindlichkeit für das, was moralisch geboten ist (wie gehandelt werden soll), bei Mill, wobei die Regeln Ausnahmen haben können: Mill betont, die Nützlichkeit einer Handlung erweise sich oft nicht unmittelbar, sondern erst bei Überlegung ihrer Folgen bei regelmäßiger Anwendung. Das Nützlichkeitsprinzip, das Primärprinzip ist, wird in etwas konkretere, lehr- und lernbare Anleitungen umgeformt. Beispielsweise ist Wahrheitsliebe und damit ein Verbot zu lügen insgesamt nützlich, weil eine Abweichung von ihr (Verletzung des Sekundärprinzips) die Vertrauenswürdigkeit menschlicher Äußerungen untergräbt, von der gesellschaftliches Wohlergehen abhängt und die Voraussetzung von Kultur und Sitte ist, wobei die Regel Ausnahmen hat (z. B. Verweigerung einer Auskunft an einen Übeltäter).

qualitativer Utilitarismus

Beim quantitativen Utilitarismus (Bentham) kommt es für die Beurteilung allein auf die Quantität (die Menge/das Ausmaß) der Empfindungen von Lust/Freude (und von Schmerz/Leid) an.

Beim qualitativen Utilitarismus (Mill) kommt es dagegen für die Beurteilung auch auf die Qualität der Empfindungen von Lust/Freude an. Bestimmte Arten von Lust/Freude werden als wünschenswerter und wertvoller als andere Arten beurteilt.

Nach Auffassung von John Stuart Mill können nicht nur quantitative Unterschiede (Menge/Ausmaß des Glücks/der Lust/der Freude) in der Beurteilung einer Handlung eine Rolle spielen, sondern auch qualitative Unterschiede (die Beschaffenheit).

John Stuart Mill beurteilt bei der Lust/Freude diejenige von zweien für wünschenswerter und wertvoller, die - ungeachtet des Gefühls, eine von beiden aus moralischen Gründen vorziehen zu müssen - von allen oder fast allen, die beide erfahren haben und gut urteilsfähig sind, entschieden bevorzugt wird. Wer aufgrund von Erfahrung die besten Vergleichsmöglichkeiten hat, entscheidet, indem er etwas bevorzugt, was wünschenswerter ist.

Neben körperlich-sinnlichen Lüsten/Freuden nennt Mill auch Tätigkeit des Verstandes, des Empfindens, der Vorstellungskraft/Phantasie und des moralischen Gefühls. Höherrangig als z. B. Essen und Sex (die von ihm als angenehm anerkannt bleiben) ist nach Mills Meinung z. B. der Besuch und das Anhören eines schönen Konzerts, das Lesen eines guten Buches und die Anerkennung und innere Freude schöpferischer und sozialer Tätigkeiten.

Seiner Meinung nach ist es, wenn eine von zwei Freuden weit über andere gestellt wird (indem jemand sie auch beim Wissen, größere Unzufriedenheit zu verursachen, nicht gegen noch so viele andere Freuden eintauschen mag), berechtigt, jener Freude eine höhere Qualität zuzuschreiben. Diese übertreffe die der Quantität so weit, daß diese im Vergleich dazu nur gering ins Gewicht falle. Es sei nun aber eine unbestreitbare Tatsache, daß diejenigen, die mit beiden gleichermaßen bekannt sind und für beide gleichermaßen empfänglich sind, der Lebensweise entschieden den Vorzug geben, an der auch die höheren Fähigkeiten (z. B. Vernunftbegabung des Menschen) beteiligt sind.

Bei einem qualitativen Utilitarismus werden losgelöst von der Quantität der Empfindungen von Lust/Freude bestimmte Arten von Lust/Freude höher gewertet (rechnerisch könnte dies als Multiplikation mit einem hohen Faktor gedacht werden).

Bei der Bevorzugung einer Freude mit höherwertiger Qualität ist unter dem Gesichtspunkt von (eigener) Zufriedenheit oder Unzufriedenheit die Unterscheidung der Begriffe »Glück« und »Zufriedenheit« zu berücksichtigen, die Mill vornimmt.

Höher begabte und mit größeren Fähigkeiten ausgestattete Wesen sind anspruchsvoller und verlangen mehr, um sich völlig glücklich zu fühlen. Sie sind zu mehr Glück fähig und können trotzdem insofern unzufrieden sein, als sie nach mehr streben und immer das Gefühl haben, von der Welt nur ein unvollkommenes Glück erwarten zu können. Zufriedenheit und Glück sind verschiedene Begriffe. Ein Wesen mit großen Fähigkeiten zum Genießen ist weniger leicht voll zufriedengestellt. Trotzdem ist dieses Streben nach Ausschöpfung in der Entfaltung der Fähigkeiten für sie nach Mills Urteil die bessere Daseinsweise.

Der Gedanke bei Mill ist: Ein Schwein hat nicht so hohe Begabungen und große Fähigkeiten wie ein Mensch, ist daher auch nicht so anspruchsvoll und leichter zufriedenzustellen als ein Mensch. Ein Mensch ist zu mehr Glück als ein Schwein fähig, er hat die Möglichkeit zu Freuden höherer Qualität. Auch wenn nicht volle Zufriedenheit erreicht wird, ist daher sein Leben vorzuziehen (es ist bessser, ein unzufriedener Mensch zu sein, als ein zufriedengestelltes Schwein). Ein Mensch ist zu einem Leben in der Lage, das in qualitativer Hinsicht reicher an Lust/Freude ist als das Leben eines Schweines.

Bei Mill kommt es, auch infolge eines Versuchs, in einer Werbung für den Utilitarismus ein Stück weit Bestandteile von Tugendethik, Goldener Regel, Christentum und Gefühlsethik in die Darlegung einzubauen (das Prinzip der Nützlichkeit auch für Menschen, die andere Ausgangspunkte in ihren ethischen Überzeugungen haben, annehmbar erscheinen zu lassen), zu einer gewissen Relativierung/Aufweichung von Grundsätzen des »klassischen« Utilitarismus: Eine Handlungsregel als Sekundärprinzip ist eine gewisse Aufweichung des Konsequentialismus (Folgenprinzips; für die ethische Bewertung einer Handlung sind allein die Folgen ausschalggebend), der qualitative Utilitarismus eine gewisse Aufweichung des Hedonismus.

...zur Antwort

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) und die Deutsche Zentrumspartei (Zentrum) waren für die Weimarer Republik, die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) scharf dagegen.

Auf den Wahlplakaten wird von SPD und Zentrum die Weimarer Republik als bedroht dargestellt, von Feinden der Demokratie, der rechtsstaatlichen Ordnung, der Freiheit und der Wahrheit. Auf dem Wahlplakat der KPD wird ein Angriff auf das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche System unternommen, auf dem Wahlplakat der NSDAP wird die Parole eines „Erwachen“, was auf eine starke Veränderung zielt (die inhaltlich eine Abschaffung der parlamentarischen Demokratie enthielt).

Gestaltungsmittel sind Texte, Bilder, Farben, Symbole. Der Text ist oft durch Größe und Farbe hervorgehoben und in Großbuchstaben geschrieben. Rot und Gelb sind als Signalfarben verwendet, um für Wichtiges Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Alle vier Wahlplakate zeigen Feindbilder. Die Plakate der KPD und der NSDAP zeigen einen großen Arbeiter als Identifikationsfigur. Auf dem Zentrumsplakat wird der Turm als Bollwerk zur Identifikation angeboten.)

1) SPD-Plakat von 1930

Das Wahlplakat zur Reichstagswahl am 5. März 1933 zeigt drei bedrohliche Gestalten. Sie sind bewaffnet und zum Teil in Uniform. In der Mitte und im Vordergrund ist ein Nationalsozialist in Uniform (ähnelt einem SA-Mann) mit einem Hakenkreuz auf der Mütze. Seine Hände sind sehr groß und nach vorne gerichtet, zum Angriff. Die eine Hand ist krallenförmig ausgestreckt, in der anderen Hand ist ein Dolch zum Zustechen gezückt. Auf der linken Seite steht ein Kommunist, der Mund wie zum Schreien weit geöffnet, erkennbar an einer Uniformierung in der Art der Roten Armee der Sowjetunion, mit einem fünfzackigen roten Stern (Symbol für Sozialismus bzw. Kommunismus) auf der Mütze. Auf der rechten Seite steht jemand mit einem Totenschädel und einem Stahlhelm. Er soll offenbar Militarismus und damit verbundene Kriegsgefahr verkörpern. Ohne direkt dargestellt zu sein, kann an die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) eine demokratiefeindliche konservativ-autoritäre Partei und den ihr nahestehenden Wehrverband «Stahlhelm – Bund der Frontkämpfer» gedacht werden.

Vor gelbem Hintergrund ist oben in Rot geschrieben: „Das sind die Feinde der Demokratie“

Dies sind die drei Gestalten, die für Nationalsozialismus, Kommunismus und Militarismus stehen.

Unten steht ein Aufruf:

„Hinweg damit!

Deshalb wählt Liste 1

Sozialdemokraten“

Dies ist ein Appell an Anhänger der Demokratie, die SPD (als bei der vorherigen Reichstagswahl stärkste Partei Liste 1) zu wählen. Es wird versucht, Aufmerksamkeit auf eine Gefahr zu lenken. Die SPD wird als Schutz angeboten, als Verteidigerin der Demokratie. Das Plakat ist stark gefühlsgeladen durch die bildlich dargestellte Bedrohung.

2) Zentrumsplakat von 1932

Das Wahlplakat (schon am zur Reichstagswahl am 14. September 1930 verwendet) der Deutschen Zentrumspartei (Zentrum) zu einer Reichstagswahl 1932 (am 31. Juli 1932 oder am 6. November 1932) einen hohen Turm mit Zinnen in den Mittelpunkt, der Wahrheit, Freiheit und Recht und Ordnung gegen gewaltbereit anstürmende Nationalsozialisten und Kommunisten verteidigt.

eine ausführliche Antwort:

https://www.gutefrage.net/frage/wahlplakat-des-zentrums-jahre-1932#answer-179069665

3) KPD-Plakat von 1932

Das Wahlplakat der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) zu einer Reichstagswahl 1932 (am 31. Juli 1932 oder am 6. November 1932) fordert zur Abschaffung des politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen System der Weimarer Republik auf, will die bisherige parlamentarische Demokratie beenden. Ein Feindbild wird gezeigt: An einem Tisch sind Vertreter des Präsidialkabinetts des Reichskanzlers Franz von Papen versammelt, dabei wohl jemand vom «Stahlhelm – Bund der Frontkämpfer» (vielleicht Theodor Düsterberg, einer seiner Bundesführer), ein SA-Mann (eventuell Ernst Röhm) und Adolf Hitler, außerdem Kapitalisten.

eine ausführliche Antwort:

https://www.gutefrage.net/frage/aussage-des-kpd-wahlplakats-schluss-mit-dem-system---liste-3#answer-16678894

4) NSDAP-Plakat von 1932

Das Wahlplakat der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) zur Reichstagswahl 1932 am 31. Juli 1932 bietet als Identifikationsfigur einen auf der rechten Seite stehenden riesengroßen Arbeiter an. Er hat blonde Haare, ist gutaussehend und kraftvoll. Sein Blick ist fest und entschlossen. Er trägt eine blaue Hose und ein sauberes weißes Hemd, dessen Ärmel hochgekrempelt sind (signalisiert Tatkraft, Bereitschaft zum Anpacken). Seine rechte Hand ist zur Faust geballt. Eine zentrale Wahlkampfparole der NSDAP war »Deutschland erwacht!«. Ein „Erwachen“ weist auf einen bewussten Aufbruch, auf eine starke Veränderung (die inhaltlich eine Abschaffung der parlamentarischen Demokratie enthielt). Das Plakat ist eine auf die Zielgruppe Arbeiterschaft gerichtete Version (es gab z. B. auch eine für Bauern).

Vor einem rötlichen Himmel (wie ein Morgenrot als Aufbruchsstimmung) ist als über einer Grauschattierung Silhouette eine Industrieanlage abgebildet, dazu ein monumentaler, dreidimensionaler Hakenkreuzblock.

Der Arbeiter ist in aufrechter Haltung weit überlegen gegenüber vier kleinen, lächerlichen, hässlichen Figuren dargestellt.

Es sind ein Kommunist (dürr, verzerrtes Gesicht Arbeitermütze, Dolch in einer Hand) mit dem Plakat:

„Für Sowjetrussland

China den Chinesen

Schlagt die Faschisten

Bürgerkrieg

Klassenkampf“

Mit großer Nase und Brille hat jemand ein „Journal“ in der Tasche und scheint Einflüsterung zu betreiben. Dies ist judenfeindliche Propaganda, als ob sie die ganze Presse Beherrschern.

Mit roter Ballonmütze ist ein Sozialdemokrat abgebildet, sehr dick. Sein Plakat, das er vorwurfsvoll hochhält:

Hitler-Barone!

Notverordnungen

Hetze und Verleumdungen

Die Bonzen im Speck

Das Volk im Dreck“

Unter den Füßen ist Heinrich Brüning, der an Notverordnungen festhalten will, nach „§ 48“.

Oben ist die Schrift „Wir Arbeiter sind erwacht“ unten, „Wir wählen Nationalsozialisten – Liste 2“.

Es geschieht eine Vereinnahmung.

Einen beabsichtigte Botschaft ist. Der stilisierte nationalsozialistische Arbeiter lehnt andere Parteien als seinen wahren Interessen nicht entsprechend ab.

...zur Antwort

Das SPD-Wahlplakat zur Reichstagswahl am 14. September 1930 zeigt drei bedrohliche Gestalten. Sie sind bewaffnet und zum Teil in Uniform. In der Mitte und im Vordergrund ist ein Nationalsozialist in Uniform (ähnelt einem SA-Mann) mit einem Hakenkreuz auf der Mütze. Seine Hände sind sehr groß und nach vorne gerichtet, zum Angriff. Die eine Hand ist krallenförmig ausgestreckt, in der anderen Hand ist ein Dolch zum Zustechen gezückt. Auf der linken Seite steht ein Kommunist, der Mund wie zum Schreien weit geöffnet, erkennbar an einer Uniformierung in der Art der Roten Armee der Sowjetunion, mit einem fünfzackigen roten Stern (Symbol für Sozialismus bzw. Kommunismus) auf der Mütze. Auf der rechten Seite steht jemand mit einem Totenschädel und einem Stahlhelm. Er soll offenbar Militarismus und damit verbundene Kriegsgefahr verkörpern. Ohne direkt dargestellt zu sein, kann an die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) eine demokratiefeindliche konservativ-autoritäre Partei und den ihr nahestehenden Wehrverband «Stahlhelm – Bund der Frontkämpfer» gedacht werden.

Vor gelbem Hintergrund ist oben in Rot (Signalfarbe) geschrieben: „Das sind die Feinde der Demokratie“

Dies sind die drei Gestalten, die für Nationalsozialismus, Kommunismus und Militarismus stehen.

Unten steht ein Aufruf:

„Hinweg damit!

Deshalb wählt Liste 1

Sozialdemokraten“

Dies ist ein Appell an Anhänger der Demokratie, die SPD (als bei der vorherigen Reichstagswahl stärkste Partei Liste 1) zu wählen. Es wird versucht, Aufmerksamkeit auf eine Gefahr zu lenken. Die SPD wird als Schutz angeboten, als Verteidigerin der Demokratie. Das Plakat ist stark gefühlsgeladen durch die bildlich dargestellte Bedrohung.

...zur Antwort

Die Sirenen (griechisch: Σειρῆνες [Seirenes]; lateinisch: Sirenes oder Sirenae; Singular: Sirene, griechisch: Σειρήν [Seiren]; lateinisch: Siren oder Sirena) befinden sich nach der griechischen Mythologie auf einer Insel und bezaubern auf Schiffen vorbeifahrende Menschen mit ihrem hellen Gesang.

Die Verführung ist nahezu unwiderstehlich (Odysseus hat sich an den Mast fesseln lassen und seinen Gefährten die Ohren mit Wachs verstopft, ihnen außerdem befohlen, weiterzufahren, ihn nicht loszubinden, sondern ihn noch stärker festzubinden, wenn er gelöst zu werden befiehlt. Odysseus möchte mehr vom Gesang der Sirenen hören und fordert mit Gesten, ihn loszulösen, aber die Gefährten rudern noch schneller und binden ihn fester; nach literarischen Darstellungen der Argonautenfahrt übertönt Orpheus mit Musik den Sirenengesang, nur Boutes springt ins Wasser, um zu den Sirenen zu schwimmen, wird dann von der Göttin Aphrodite vor dem Ertrinken gerettet).

Die Menschen vergessen ihre Heimat und ihre Angehörigen und wollen bei den Sirenen blieben. Die Sirenen erscheinen auf einer Blumenwiese, aber dabei sind Knochen vermodernder Männer. Wer ihren Verlockungen erliegt, erleidet also den Tod.

Der helle Gesang der Sirenen bereitet Freude/Vergnügen, er ist schön, süß (Honig als Metapher) und verführerisch (Homer, Odyssee μ - 12. Gesang, Vers 39 – 54 und Vers 184 – 200).

Es ist nicht genau überliefert, wie der Sirenengsang nach der mythologischen Vorstellung musikalisch war. Anscheinend war der Text individuell auf den einzelnen Menschen ausgerichtet. Odysseus haben sie namentlich angesprochen und inhaltlich auf seine Charaktereigenschaften, Fähigkeiten und Wünsche gezielt (so ist der Hinweis auf Wissen auf seinen Wissensdrang und Neugierde ausgerichtet).

Homer, Odyssee μ - 12. Gesang, Vers 184 – 191

Homer, Odyssee : griechisch-deutsch ; mit Urtext, Anhang und Registern. Übertragen von Anton Weiher. Einführung von Alfred Heubeck. 14. Auflage. Berlin : Akademie-Verlag, 2013 (Sammlung Tusculum), S. 331/333:

„Hieher, Odysseus, Ruhm aller Welt, du Stolz der Achaier!

Treibe dein Schiff an Land, denn du mußt unsere Stimmen erst hören!

Keiner noch fuhr hier vorbei auf dunklen Schiffen, bevor er

Stimmen aus unserem Munde vernommen, die süß sind wie Honig.

So einer kehrt dann mit tieferem Wissen beglückt in die Heimat.

Alles wissen wir, was im breiten Troja die Troer,

Was die Argeier dort litten nach göttlicher Fügung. Und allzeit

Wissen wir, was auf der Erde geschieht, die so vieles hervorbringt.“

In der Odyssee sind es zwei Sirenen, über deren Abstammung und Namen nichts gesagt wir. In antiken Texten und auf Darstellungen bildender Kunst aus der Antike kommen zwei oder drei Sirenen vor, die Angaben zu Abstammung und Namen sind etwas unterschiedlich.

Apllodor(os), Epitome 7, 18 – 19 nennt die Namen Peisinoe (Πεισινόη), Aglaope (Ἀγλαόπη) und Thelxiepeia (Θελξιέπεια) und erzählt, die eine habe Kithara gespielt, die andere gesungen und die dritte Aulos gespielt, so die Vorbeifahrenden zum Bleiben verlockt.

Eine Kithara (griechisch: κιθάρ) war ein Saitenintrument, eine Leier (Gitarre und Zither knüfen in ihrer Bezeichnng an die Kitahra an),, Ein Aulos war ein Bglasinstrument, oft mit „Flöte” wiedergeben, aber tatsächlich ein Rohrblattinstrument, eher einer Oboe oder Klarinette verwandt.

Es gibt versuche filmischer Umsetzung der Odyssee-Szene (wobei selbstverständlich nichts völlig authentisch ist) , z. B.:

https://www.youtube.com/watch?v=CEJUWsHLTeI

https://www.youtube.com/watch?v=pjKm4zqnseY

https://www.youtube.com/watch?v=LtiPgvTRrdk

...zur Antwort

Der Wohlfahrtsausschuss (französisch: Comité de salut public) war einer von mehreren Ausschüssen, die das damalige Parlament in Frankreich, der Nationalkonvent (französisch: Convention nationale) einrichtete. Die Mitglieder der Ausschüsse wählte der Nationalkonvent aus seinen eigenen Abgeordneten. Von den übrigen Ausschüssen war der Sicherheitsausschuss (französisch: Comité de sûreté générale) am wichtigsten. Er war für Polizeiaufgaben und Rechtsprechung zuständig.

Der Wohlfahrtsausschuss wurde am 6. April 1793 eingerichtet (als Ersatz für den Allgemeinen Verteidigungsausschuss [französisch: Comité de la défense générale], der sich als wenig wirksam erwies), stand in einem Zeitraum 1793/1794 an der Spitze der Exekutive und wurde zu einer Notstandregierung.

Seine Aufgaben waren Überwachung und Beschleunigung der Tätigkeit des vorläufigen Exekutivrates (französisch: Conseil exécutif provisoire) sowie Ergreifung von Maßmahmen zur allgemeinen Verteidgung in dringenden Fällen. Beschlüsse mit Zweidrittelmehrheit musste der vorläufige Exekutivrat unverzüglich durchführen. Der Wohlfahrtsausschuss lenkte so den Exekutivrat (aus dem Minstern bestehend) bis zu dessen Abschaffung am 1. April 1794 und dann die am 20. April 1794 an dessen Stelle getretenen Exekutivkommissionen (französisch: Commissions exécutives), hatte Befugnisse zur Aufsicht und Kontrolle.

Er erstattete dem Nationakonvent wöchentlich Bericht und dieser konnte jeden Monat über die Besetzung und die Verlängerung der Vollmachten entscheiden.

Mit dem Gesetz über die Verdächtigen vom 17. September 1793 begann eine Zeit der «Schreckensherrschaft» («Terrorregime»).

Die Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses waren alle Abgeordnete des Nationalkonvents. Fast alle kamen aus dem Bürgertum. Marie Jean Hérault de Séchelles hatte eine Abstammung aus dem Adel.

Die personelle Besetzung des Wohlfahrtsausschusses hat etwas gewechselt. Georges Danton war z. B. vom 6. April bis zum 10. Juli 1793 Mitglied. Die Mitglieder können teils eher der Berg-Partei (Montagnards: ganz links oben im Sitzungssaal des Nationalkonvents, auf dem „Berg“ [montagne]) zugeordnet werden, teils der politischen Mitte des Nationalkonvents.

Jakobiner sind genaugenommen Mitglieder eines bestimmten politischen Klubs und nur einige Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses gehörten zu diesem, nicht alle.

https://de.wikipedia.org/wiki/Wohlfahrtsausschuss

https://langzeitarchivierung.bib-bvb.de/wayback/20190716085809/https://www.historicum.net/themen/franzoesische-revolution/einfuehrung/verlauf/artikel/v-radikalisier/

...zur Antwort

Die am 5. Mai 1789 in Versailles einberufenen Generalstände (französisch: États généraux) wurden zur Verfassunggebenden Nationalversammlung (französisch: Assemblée nationale constituante).

Die Abgeordnete des Dritten Standes traten am 12. Juni 1789 für ein gemeinschaftlich vorgenommenes Wahlprüfungsverfahren (Prüfung der Vollmachten der Abgeordneten) ein. Am 13. Juni schlossen sich ihnen 3 Abgeordnete des Klerus an, am 14. Juni zusätzlich 6, am 16. Juni weitere 10.

Die Abgeordneten des Dritten Standes (französisch: Tiers état) erklärten sich 17. Juni 1789 (nach einer Abstimmung mit großer Mehrheit) zur Nationalversammlung. Die Vertreter der anderen Stände (Erster Stand: Klerus [französisch: clergé)]; Zweiter Stand: Adel [französisch: noblesse]), wurden aufgerufen, sich der Nationalversammlung anzuschließen.

Am 19. Juni stimmte eine knappe Mehrheit beim Klerus (149 gegen 137) dafür, sich der Nationalversammlung anzuschließen. Beim Adel war es zunächst nur eine Minderheit (80).

Nach erfolglosen Auflösungsversuchen lenkte der König schließlich ein und forderte die Vertreter von Adel und Klerus nun doch auf, sich dem Dritten Stand anzuschließen.

Am 9. Juli wurden die Generalstände offiziell zur Verfassunggebenden Nationalversammlung. Sie war bis zum 30. September das Parlament in Frankreich. https://de.wikipedia.org/wiki/Konstituante

Was es in Frankreich an Ständegesellschaft mit Priviliegien (Vorrechten) für bestimmte Gruppen und Körperschaften gab, wurde neben der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (französisch: Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen) vom 14. August 1789 und der Verfassung durch die Augustbeschlüsse abgeschafft.

In der Nacht vom 4.auf den 5. April 1789 fand eine stürmisch und gefühlsbetont verlaufende Nachtsitzung der Verfassunggebenden Nationalversammlung (französisch: Assemblée nationale constituante) statt, bei der ein Verzicht auf die Privilegien der beiden oberen Stände, Klerus (französisch: clergé) und Adel (französisch: noblesse), befürwortet wurde.

Die Diskussion wurde in den folgenden Tagen fortgesetzt und am 11. August 1789 von der Nationalversammlung die Abschaffung der Feudalität (französisch: féodalité) in schriftlichen Bestimmungen beschlossen (Artikel 1. „Die Nationalversammlung vernichtet das Feudalwesen völlig.“ [„L'Assemblée nationale détruit entièrement le régime féodal.“]).

https://www.zum.de/psm/frz_rev/frz_abfe.php

Sonderrechte in Bezug auf Jagd, Gehege, Taubenschläge und grundherrliche Rechtsprechung wurden abgeschafft. Die Käuflichkeit der Gerichts- und Magistratsämter wurde ab sofort aufgehoben. Alle Bürger sollten ohne Unterschied ihrer Geburt freien Zugang zu allen kirchlichen, zivilen und militärischen Ämtern und Würden haben. An die römische Kurie sollte kein Geld mehr abgeführt werden.

Die Nationalversammlung ordnete an, zum Gedächtnis dieser dem Wohl Frankreichs dienenden Beschlüsse eine Medaille zu prägen und in allen Kirchen zu Dank ein Tedeum zu singen. König Ludwig (Louis) XVI., der mit alledem nichts zu tun hatte (er verweigerte zunächst sogar seine Zustimmung), aber wohlgesinnt werden sollte, wurde feierlich zum Wiederhersteller der französischen Freiheit erklärt.

In den Ausführungsbestimmungen der nächsten Tage wurden einige Einschränkungen gegenüber einem weitgehenden ersatz- und entschädigungslosem Streichen vorgenommen.

Ludwig XVI. hat am 5. Oktober 1789 die Augustbeschlüsse (4./5. August 1789, Ausführungsbestimmungen 11. August 1789), die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (vDéclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen; von der verfassungsgebenden Nationalversammlung [französisch: Assemblée nationale constituante] am 26. August 1789 beschlossen) und die Verfassungsartikel anerkannt. Unter dem Druck einer Menschenmenge (vor allem Frauen) und Nationalgardisten, die nach Versailles zogen, hat er sein Veto dagegen fallengelassen und die genannten Beschlüsse der Nationalversammlung mit Unterschrift in Kraft gesetzt.

Am 6. Oktober 1789 erklärte sich Ludwig XVI. dazu bereit, von Versailles nach Paris überzusiedeln. Bald zogen die Königsfamilie und die Nationalversammlung nach Paris.

https://langzeitarchivierung.bib-bvb.de/wayback/20190716085807/https://www.historicum.net/themen/franzoesische-revolution/einfuehrung/verlauf/artikel/ii-beginn-der/

Auf die Verfassunggebende Nationalversammlung (französisch: Assemblée nationale constituante) folgte als neues gewähltes Parlament in Frankreich die Gesetzgebende Nationalversammlung (französisch: Assemblée nationale législative), die vom 1. Oktober 1791 bis zum 21. September 1792 tagte.

...zur Antwort

1) „tolles Jahr“

Das Wort „toll“ hat keine einzige eindeutige Bedeutung. Als »toll« wird etwas bezeichnet, das außergewöhnlich ist. Das Adjektiv »toll« kann »ausgelassen«, »wild«, »übermütig« bedeuten (vgl. das Verb »herumtollen«). Es kann Anerkennung und hervorhebendes Lob ausdrücken, etwas sei gut, in den Bedeutungen »großartig«, »vorzüglich«, »»prachtvoll«. Es kann aber eine Beurteilung als schlecht ausdrücken, von Mangel an klarer Besinnung, Verlust des Verstandes oder Irrsinn/Wahnsinn (vgl. das Substantiv »Tollwut«) geprägt, in den Bedeutungen »unvernünftig«, »närrisch«, »verrückt«, »irrsinnig«, »wahnsinnig«, »geistesgestört«.

Es kommt also auch auf den Zusammenhang an, aus dem hervorgehen kann, wie der Begriff gemeint ist.

So wie auf 1848 gewöhnlich Bezug genommen worden ist, steckt hinter dem Ergriff „tolles Jahr“ eher die Meinung von Gegnern der Revolution 1848. Mit einer konservativ-reaktionären Einstellung versuchen sie, die Revolution 1848 als eine Zeit der Vernunftlosigkeit, des politischen Irrsinns darzustellen. Die Bestrebungen zu nationaler Einheit, Freiheit und demokratischen Gedanken werden diffamierend als etwas hingestellt, auf das ein vernünftiger Mensch gar nicht kommen kann, als einer Art Geisteskrankheit entspringend. Der Ausdruck kann die Revolution als vorübergehender Unzurechnungsfähigkeit der sonst braven Untertanen deuten.

2) „Völkerfrühling“

Frühling ist in diesem Ausdruck eine Metapher. Im Frühling sprießt, wächst und blüht die Natur besonders stark. Es wird wärmer und heller. Gewässer sind von Eis befreit. Frühlingsgefühle stehen für eine gehobene Stimmung. Triebe regen sich. Verliebtheit entsteht besonders leicht. Die Jahreszeit Frühling steht sinnbildlich für ein Erwachen, Aufbruch, Neuanfang, Veränderung, neue Ideen und Liebe.

Der Begriff »Völkerfrühling« kann sich auf nationale Einheit, politische Freiheit und internationale Verbundenheit beziehen (»Völker« ist Plural; es gab 1848/1849 Erhebungen/Revolutionen bei mehreren Völkern).

Hinter dem Begriff »Völkerfrühling« für die Revolution 1848 stecken die Anhänger der Revolution. Ihre Meinung ist eine Befürwortung der Revolution in Deutschland und in anderen Staates Europas. Sie verbinden mit ihr Hoffnung auf Verbesserungen. Es sind »Liberale« und »Demokraten«, zu einer nationalen Bewegung gehörende Leute, die auch die Erhebungen/Revolutionen bei anderen Völkern begrüßen.

...zur Antwort

Karl-Otto Apel und Jürgen Habermas haben verhältnismäßig nahestehende philosophische Auffassungen vertreten. Beide befürworten eine Diskursethik, beziehen sich auf einen Konsens (in einem idealen Diskurs) und haben einen rationalen und universalen Ansatz.

Karl-Otto Apel vertritt eine Transzendentalpragmatik, Jürgen Habermas eine Universalpragmatik (dabei wird das Transzendentale nur minimalistisch herangezogen, indem kommunikatives Handeln bzw. Diskurs Bedingungen der Möglichkeit hat, die unhintergehbar sind).

Die grundlegenden Unterschiede zwischen Apel und Habermas in ihren Fassungen einer Diskursethik betreffen folgende Fragen:

1) Begründung des ethischen Prinzips/Moralprinzips

2) Art der Orientierung am ethischen Prinzip/Moralprinzip

Begründung des ethischen Prinzips/Moralprinzips

In einer Ethik gibt es Geltungsansprüche für ethische Prinzipien, Normen und Regeln. Ihre Verbindlichkeit bedarf irgendeiner Begründung.

Karl-Otto Apel ist in der Begründungstheorie ehrgeiziger, während Jürgen Habermas dabei schwächere Ansprüche vertritt. Gemeinsam ist ihnen der Gedanke, die Verbindlichkeit des diskursethischen Moralprinzips könne von denkenden Wesen prinzipiell nicht ohne Selbstwiderspruch bestritten werden.

Habermas betont bei einer Konsenstheorie der Wahrheit eher kommunikationstheoretisch die Gewährleistung eines richtigen Diskurses zur Einlösung von Geltungsansprüchen, also einfach ein Verfahren, Apel dagegen erkenntnistheoretisch die Gewährleistung einer konsensfähigen Auswertung sachlich verfügbarer Wahrheitskriterien. Apel erklärt, die Konsenstheorie bedürfe eine Ergänzung durch eine Theorie der Evidenz der Korrespondenz (einer Entsprechung zwischen Aussagen, die etwas behaupten, und den Phänomenen, auf die sich diese Aussagen beziehen).

Habermas lehnt eine Letztbegründung ab. Er hält Letztbegründung für unmöglich und auch unnötig. Seiner Meinung nach gibt es keine definitiven Begründungen. Alle Standpunkte betrachtet er als vorläufig und fehlbar. Bei allen Theorien, auch überzeugend begründeten und als gültig akzeptierten Theorien, ist nach seiner Auffassung die Möglichkeit einer Falsifikation (Nachweis der Falschheit/Ungültigkeit) nicht ausgeschlossen. Habermas verweist gegen eine Letztbegründung auf einen seiner Meinung nach bestehenden internen Zusammenhang zwischen der Beschreibung und der Bewertung von Gründen.

Apel dagegen vertritt die Auffassung, eine Rationalitätstheorie und eine Diskursethik könnten ohne Letztbegründung nicht zureichend durchgeführt werden. Er hält eine Letztbegründung für möglich, durch reflexive Evidenz, nämlich eine Reflexion auf die subjektiv-intersubjektiven Bedingungen der Möglichkeit intersubjektiv gültiger Argumentation Ein Apriori der Kommunikationsgemeinschaft). Apel lehnt einen uneingeschränkten Fallibilismus (erkenntnistheoretischer Standpunkt, nichts sei mit Sicherheit erkennbar und als endgültig wahr anzuerkennen) ab.

Art der Orientierung am ethischen Prinzip/Moralprinzip

Apel meint, nicht nur das diskursethische Moralprinzip selbst begründen zu können, sondern auch auch gewisse praktische Zielorientierungen als verbindlich erweisen zu können. Solche Ziele sind als grundlegende regulative Prinzipien, a) das Überleben der menschlichen Gattung als der realen Kommunikationsgemeinschaft sicherzustellen und b) in der realen Kommunikationsgemeinschaft immer mehr eine ideale Kommunikationsgemeinschaft zu verwirklichen.

Habermas hält es dagegen für unmöglich, Anwendungsbedingungen der Diskursethik zum Inhalt einer diskursethisch begründeten moralischen Verpflichtung zu machen. Er fügt nur zu einem Universalisierungsprinzip einen Diskursgrundsatz hinzu.

...zur Antwort

Es gibt unterschiedliche Einteilungsmöglichkeiten nach Richtungen und nicht alles Richtungen sind sehr einheitlich und geschlossen gewesen.

In der Sozialdemokratie - in Deutschland die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) - kann in folgende drei Richtungen eingeteilt werden, die es damals gab

  1. Linke/radikale Revolutionäre mit einem orthodoxem Marxismus, z. B. Georg Ledebour, Rosa Luxemburg, Franz Mehring, Clara Zetkin, Karl Liebknecht
  2. Zentrum/»Zentristen« wie August Bebel (1892 – 1913 Parteivorsitzender) und Karl Kautsky, die an der marxistischen Theorie festhalten wollen, aber sie in der Tagespolitik mit einer pragmatisch auf sachorientierter Reformpolitik zu vereinbaren versuchen
  3. Gemäßigte/Reformer/»Revisionisten«: »Revisionismus« wurde in der Theorie bei der SPD führend von Eduard Bernstein vertreten. Die Auffassung war, die Analysen und Prognosen von Marx und Engels seien teilweise überholt und falsch. Mit einer Abschaffung des Kapitalismus durch die Realität/Klassenkampf könne nicht gerechnet werden. Daher sei es richtiger, im Rahmen des Kapitalismus durch Reformpolitik Verbesserungen für die Arbeiter zu erreichen. Als praktische Politiker gehörten dazu Georg Vollmar, Eduard David, Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann.
...zur Antwort

Bei Immanuel Kant ist eine vollkommenen Pflicht eine Pflicht mit enger/strenger Verbindlichkeit und sowohl eine Tugendpflicht als auch eine Rechtspflicht, eine unvollkommene Pflicht eine Pflicht mit weiter Verbindlichkeit (es besteht in der Ausführung ein Spielraum) und allein eine Tugendpflicht.

Pflicht ist bei Immanuel Kant die Notwendigkeit einer Handlung aus Achtung vor dem moralischen Gesetz.

Pflicht tritt als inneres Gebot auf, gut zu handeln.

Mit Pflicht meint Immanuel Kant eine Verbindlichkeit als moralisches Gebot (Sollen), eine innere Pflicht, nicht eine von außen, von anderen geforderte bzw. vorgeschriebene Pflicht.

vollkommene und unvollkommene Pflichten

In einer Anmerkung zu einer vorläufig übernommenen geläufigen Einteilung der Pflichten äußert Kant, unter einer vollkommenen Pflicht eine zu verstehen, die keine Ausnahme zugunsten der Neigung erlaubt. Eine unvollkommene Pflicht wäre dann eine, die eine solche Ausnahme erlaubt. Zu seiner ethischen Theorie ist dies allerdings wenig passend, da ein uneingeschränkt guter Wille nach Kants Auffassung nicht von einer Neigung bestimmt ist.

Zwischen vollkommenen und unvollkommenen Pflichten besteht nach Kants Darlegung ein Unterschied in der Art der Verbindlichkeit: vollkommene Pflichten haben eine enge bzw. strenge Verbindlichkeit, unvollkommene Pflichten eine weite Verbindlichkeit (es besteht in der Ausführung ein Spielraum).

Vollkommene Pflichten sind Pflichten, die Rechtspflichten sind. Unvollkommene Pflichten sind Pflichten, die allein Tugendpflichten sind, keine Rechtspflichten. Rechtspflichten gebieten eine Handlung. Pflichten, die allein Tugendpflichten sind, gebieten eine Maxime (dem Vernunftinteresse entnommener subjektiver Grundsatz) der Handlung, nicht genau die Handlung selbst.

Der Zweck der Handlung ist in beiden Fällen zugleich Pflicht, aber bei unvollkommenen Pflichten gibt es (anders als bei vollkommenen Pflichten) einen Spielraum in der Anwendung der Maxime. Bei der Beachtung und Befolgung der Maxime ist nicht genau bestimmt, wie (auf welche Weise) und wieviel (in welchem Ausmaß) der Zweck bewirkt wird.

Eine weite (unvollkommene) Pflicht bedeutet nicht eine Erlaubnis zu einer Ausnahme von der Maxime der Handlung, die dem kategorischen Imperativ entspricht, sondern nur die Einschränkung einer Pflichtmaxime durch eine andere Pflichtmaxime.

Bei vollkommenen Pflichten ist es unmöglich, eine sie verletzende/übertretende Maxime auch nur widerspruchsfrei als Bestandteil einer allgemeinen Gesetzgebung der Vernunft zu denken. Bei unvollkommenen Pflichten ist es möglich, eine sie verletzende/übertretende Maxime widerspruchsfrei als Bestandteil einer allgemeinen Gesetzgebung der Vernunft zu denken, aber unmöglich zu wollen, diese Maxime solle allgemeines Gesetz sein, weil der Wille dabei in einen Widerspruch zu sich selbst geraten würde.

Beispiele

Die Pflicht zur Wahrhaftigkeit (nicht lügen) und die Pflicht, keine falschen Versprechen zu geben, sind vollkommene Pflichten.

Wahrhaftigkeit ist nach Kant Pflicht. Lügen (Unwahrhaftigkeit) schädigen das Vertrauen. Aussagen könnten keinen Glauben auf ihre Ehrlichkeit finden. Dies untergräbt die Möglichkeit, Verträge einzugehen, bei denen ja die ehrliche Absicht ihrer Einhaltung Voraussetzung ist. Mit der Zulässigkeit von Lügen würden allen auf Erklärungen in Verträgen beruhenden Rechten die Grundlage entzogen, was die menschliche Gesellschaft unrechtmäßig einer Rechtsgrundlage beraubt und damit der Menschheit überhaupt Schaden zufügt.

Bei einem Grundsatz, sich Geld mit dem Versprechen zu leihen, es später zurückzuzahlen, im Wissen, dies werde nicht geschehen, würde das Vertrauen in Versprechen untergraben. Der Wille gerät in einen Widerspruch mit sich selbst, weil der angestrebte Zweck (auf ein Versprechen späterer Rückzahlung ) unmöglich gemacht würde, wenn ein solcher Grundsatz allgemeines Gesetz wäre und allgemein akzeptiert und befolgt würde. An die Erfüllung von Versprechen kann ja dabei vernünftigerweise nicht geglaubt werden.

Die Pflicht zur Entwicklung eigener Fähigkeiten und die Pflicht zur Wohltätigkeit/Nächstenliebe/Hilfe und Beistand für andere, die sich in Not befinden, sind unvollkommene Pflichten.

Menschen haben nach Kants Auffassung eine Pflicht, ihre eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Zwar ist eine Nichtentwicklung der eigenen Fähigkeiten als allgemeine Praxis denkbar. Eine Entwicklung eigener Fähigkeiten ist aber nützlich und dem Erreichen eigener Zwecke dienlich. Daher kann die Nichtentwicklung eigener Fähigkeiten nicht als allgemeines Gesetz gewollt werden, denn das Wollen geriete in einen Widerspruch zu sich selbst.

Es gibt nach Kant eine Tugendpflicht zum Wohltun, wenn jemand einer Hilfeleistung in der Not benötigt und jemand in der Lage ist, sie zu geben. Eine Maxime der Gleichgültigkeit gegenüber fremder Not, ein Grundsatz des Unterlassens der Hilfeleistung aus (vermeintlichem) Eigennutz steht zum kategorischen Imperativ in Gegensatz.

Denkbar ist eine Befolgung einer Maxime der Gleichgültigkeit zwar. Wer aber eine Maxime aufstellt, die ein Unterlassen von Hilfe in Not erlaubt, würde auch für sich selbst Hilfe ausschließen, wenn diese Maxime allgemeines Gesetz wäre.

Jemand kann jedoch einmal selbst irgendeiner Hilfe bedürftig und auf andere angewiesen sein. Die Maxime der Gleichgültigkeit kann nicht als allgemeines Gesetz gewollt werden, es träte ein Widerspruch zu dem Wunsch auf Hilfe von anderen im eigenen Notfall auf.

Die Pflicht der allgemeinen Nächstenliebe kann durch die Pflicht der Elternliebe eingeschränkt werden. Hilfe für irgendwelche anderen muß nicht bedeuten, eigene Familienmitglieder völlig vernachlässigen zu sollen.

Bei der Entwicklung der eigenen Fähigkeiten und der Hilfe für Mitmenschen in Not gibt es Spielraum darin, auf welche Weise und in welchem Ausmaß dies geschieht.

Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785. 2. Auflage 1786). Zweiter Abschnitt. Übergang von der populären sittlichen Weltweisheit zur Metaphysik der Sitten. AA IV 421/BA 54 Anmerkung:

„Übrigens verstehe ich hier unter einer vollkommenen Pflicht diejenige, die keine Ausnahme zum Vorteil der Neigung verstattet, und da habe ich nicht bloß äußere, sondern auch innere vollkommene Pflichten, welches dem in Schulen angenommenen Wortgebrauch zuwider läuft, ich aber hier nicht zu verantworten gemeint bin, weil es zu meiner Absicht einerlei ist, ob man es mir einräumt, oder nicht.“

Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785. 2. Auflage 1786)). Zweiter Abschnitt. Übergang von der populären sittlichen Weltweisheit zur Metaphysik der Sitten. AA IV 424/BA 57:

„Man muß wollen können, daß eine Maxime unserer Handlung ein allgemeines Gesetz werde: dies ist der Kanon der moralischen Beurteilung derselben überhaupt. Einige Handlungen sind so beschaffen, daß ihre Maxime ohne Widerspruch nicht einmal als allgemeines Naturgesetz gedacht werden kann; weit gefehlt, daß man noch wollen könne, es sollte ein solches werden. Bei anderen ist zwar jene Unmöglichkeit nicht anzutreffen, aber es ist doch unmöglich zu wollen, daß ihre Maxime zur Allgemeinheit eines Naturgesetzes erhoben werde, weil ein solcher Wille sich selbst widersprechen würde. Man sieht leicht: daß die erstere der strengen oder engeren (unnachlaßlichen) Pflicht, die zweite nur der weiteren (verdienstlichen) Pflicht widerstreite, und so alle Pflichten, was die Art der Verbindlichkeit (nicht das Objekt ihrer Handlung) betrifft, durch diese Beispiele in ihrer Abhängigkeit von dem einigen Prinzip vollständig aufgestellt worden.“

Immanuel Kant, Die Metaphysik der Sitten (1797). Zweiter Teil. Metaphysische Anfangsgründe der Tugendlehre. Einleitung zur Tugendlehre VII. Die ethischen Pflichten sind von weiter, dagegen die Rechtspflichten von enger Verbindlichkeit. AA VI 390:

„Dieser Satz ist eine Folge aus dem vorigen; denn wenn das Gesetz nur die Maxime der Handlungen, nicht die Handlungen selbst gebieten kann, so ists ein Zeichen, daß es der Befolgung (Observanz) einen Spielraum (latitudo) für die freie Willkür überlasse, d. i. nicht bestimmt angeben könne, wie und wie viel durch die Handlung zu dem Zweck, der zugleich Pflicht ist, gewirkt werden solle. – Es wird aber unter einer weiten Pflicht nicht eine Erlaubnis zu Ausnahmen von der Maxime der Handlungen, sondern nur die der Einschränkung einer Pflichtmaxime durch die andere (z. B. die allgemeine Nächstenliebe durch die Elternliebe) verstanden, wodurch in der That das Feld für die Tugendpraxis erweitert wird. - Je weiter die Pflicht, je unvollkommener also die Verbindlichkeit des Menschen zur Handlung ist, je näher er gleichwohl die Maxime der Observanz derselben (in seiner Gesinnung) der engen Pflicht (des Rechts) bringt, desto vollkommener ist seine Tugendhandlung.

Die unvollkommenen Pflichten sind also allein Tugendpflichten. Die Erfüllung derselben ist Verdienst (meritum) = + a: ihre Übertretung aber ist nicht sofort Verschuldung (demeritum) = - a, sondern bloß moralischer Unwert = 0, außer wenn es dem Subjekt Grundsatz wäre, sich jenen Pflichten nicht zu fügen.“

...zur Antwort

1764 liegt vor einem Zeitraum von der Boston Tea party (1773) bis zum Unabhängigkeitskrieg (1775 – 1783).

Viele Daten stehen z. B. in den folgenden Übersichten:

https://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanische_Revolution#%C3%9Cbersicht_%C3%BCber_die_Ereignisse_von_1774_bis_1776

https://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanische_Revolution#%C3%9Cbersicht_%C3%BCber_die_milit%C3%A4rischen_Ereignisse_1777%E2%80%931783

https://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanische_Revolution#%C3%9Cberblick_%C3%BCber_die_politischen_Ereignisse_1777%E2%80%931789

Daraus könnte einiges ausgewählt werden, das besonders wichtig ist, wobei je nach Zweck mehr oder weniger ergänzt werden kann.

  • 1774 Coercive Acts: Regierung und Parlament in Großbritannien beschließen eine Reihe von Zwangsgesetzen (Coercive Acts), die von den Kolonisten als Intolerable Acts (Unerträgliche Gesetze) verstanden wurden. a) Schließung des Hafens von Boston bis zur Bezahlung des Tees b) Beamte der britischen Krone konnten statt in einer Kolonie in England vor Gericht gestellt werden, wenn die ihnen vorgeworfene Tat bei der Niederschlagung eines Aufstandes oder der Einziehung von Zollgebühren begangen worden war c) Gemeindeversammlungen (town meetings) durften nur noch nach Genehmigung der Tagesordnung durch den Gouvernuer abgehalten werden und die Mitglieder des Gouverneursrats von Massachusetts wurden vom König ernannt statt vom Repräsentantenhaus gewählt d) Soldaten konnten im Bedarfsfall auch in Privathäusern einquartiert werden e) Das Quebec-Gesetz garantierte 1774 den 70000 französischsprachigen Einwohnern der 1759 eroberten Kolonie Quebec die kulturelle Eigenständigkeit und erweiterte das Gebiet Quebecs weit nach Süden, bis an die Ufer von Ohio und Mississippi. Damit wurden aus ihren Gründungsurkunden abgeleitete Landansprüche von Massachusetts, Connecticut, New York, Pennsylvania und Virginia im Ohio-Tal hinfällig.
  • 1774 Tagung des Ersten Kontinentalkongresses in Philadelphia (5. September 1774 bis 26. Oktober 1774)
  • 1775 Beginn des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges durch Kämpfe mit Waffengewalt: Die britische Armee versuchte, Waffenvorräte von nordamerikanischen Rebellen zu beschlagnahmen. In diesem Zusammenhang kam es am 19. April 1775 zu den Gefechten von Lexington und Concord. Es folgte die Belagerung von Boston, wo sich der britische General und Gouverneur von Massachusetts, Thomas Gage, mit britischen Soldaten befand.
  • 1775 – 1781 Zweiter Kontinentalkongress
  • 16. Juni 1775: George Washington zum Oberbefehlshabers der Truppen amerikanischen Kontinentalarmee ernannt
  • 4. Juli 1776: Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten (The Unanimous Declaration of The Thirteen United States of America)
  • 1777: Konföderationsartikel (Articles of Confederation and Perpetual Union) als Übergangsverfassung beschlossen, nach einer dreijährigen Zeit der Ratifizierung 1781 bis 1789 in Kraft
  • September/Oktober 1781: Schlacht bei Yorktown, entscheidender Sieg amerikanischer und französischer Truppen über die britische Armee
...zur Antwort

Die Virginia Bill of Rights (Virginia Declaration of Rights) vom 12. Juni 1776 stand insgesamt darin mit dem politischen Denken der Aufklärung darin in Übereinstimmung, Bestandteil einer bald danach beschlossenen geschriebenen Verfassung zu sein, die Machtbefugnisse der Regierung begrenzte. Als Erklärung von Grundrechten entspricht sie einer Befürwortung von Menschen- und Bürgerrechten

weitere typische Gedanken:

  • alle Menschen von Natur aus gleichermaßen frei und unabhängig und und im Besitz bestimmter angeborener Rechte (Artikel 1); dies entspricht naturrechtlichen Überlegungen (z. B. Gesellschaftsvertrag und Menschen von Natur aus zustehende unveräußerliche Rechte) der Aufklärung, z. B. bei Locke und Rousseau
  • Allgemeinwohl als Zweck der Regierung (Artikel 3)
  • Gewaltenteilung (Artikel 5); etwas unterschiedlich voneinander gibt es dazu Überlegungen bei Locke und Montesquieu
  • Pressefreiheit (Artikel 12)
  • von Vernunft (reason) geleitete Religion, freie freien Religionsausübung, also Toleranz (Artikel 16); eine Religionsauffassung, die auf Vernunftgründen beruht, wird Deismus genannt und wurde von vielen Aufklärern bevorzugt; für Toleranz traten z. B. Locke und Voltaire ein

Die Ableitung der Macht vom Volk (Artikel 2), also ein Gedanke der Volkssouveränität, kommt zwar schon bei Locke vor, ist aber keine allgemeine Auffassung der Aufklärung gewesen.

...zur Antwort

Es ist schon sehr viel richtig gelöst.

fehlende Wörter:

2) Reichstag

10) Wahlkönigtum

14) Alchemie

17) Astronomie

Gründe, warum ein Herrscher den Ständen konfessionelle Zugeständnisse machte (18 und 19), sind schwieriger in ein einziges Wort zu fassen. Es ging um Machtsicherung wegen der Befugnisse und Mitspracherechte der Stände, die Wahl von Herrschern in einer Wahlmonarchie (im Heiligen Römischen Reich die Kurfürsten), Interesse an Einheit und innerer Friedensbewahrung in einer bestimmten Lage, z. B. Bedrohung von außen (wie die Türkengefahr), ein Bedarf an finanzieller Hilfe (Steuerbewilligung) und militärischer Unterstützung (z. B. Reichsexekutionen gegen Landfriedensbrecher und zur Vollstreckung der Reichskammergerichtsurteile nach der Reichsexekutionsordnung).

...zur Antwort