Frage 1 („Was ist Tapferkeit?“) ist eine philosophische Frage, weil die Aufgabe gestellt wird, einen Begriff der Ethik, nämlich eine bestimmte Tugend, allgemeingültig zu bestimmen. Dies erfordert begriffliches Denken.

Ein Versuch, der sie sowohl von Feigheit als auch von Tollkühnheit abgrenzt: Tapferkeit ist eine innere Einstellung, die auf den richtigen Umgang mit Angst und Mut gegenüber dem, das Schrecken bereiten kann, ausgerichtet ist, indem sie in einer Situation im angemessenen Ausmaß Standhaftigkeit aufbringt, ohne Gefahren unvernünftig zu übersehen oder zu unterschätzen.

Frage 2 fällt in den Bereich von angewandter Mathematik, Naturwissenschaften und Technik.

Bei Frage 3 sind mehrere Gesichtspunkte möglich, auf die eingegangen werden, darunter auch philosophische. Zeit ist der einordnende Maßstab eines Nacheinander in der Abfolge von Zuständen und Ereignissen.

Frage 4 ist ein Problem der Ethik, die ein Teilbereich der Philosophie ist. Es geht um das Gute/gutes Handeln (Immanuel Kant nennt als Frage: „Was soll ich tun?). Mit der normativen Frage nach einem Müssen wird hier danach gefragt, ob es ein Gebot/eine Pflicht gibt, die Wahrheit zu sagen. Zum einen gibt keine berechtigte Norm, gegenüber allen neugierigen Fragen von allen möglichen Leuten immer vollständige wahrheitsgemäße Auskunft geben zu müssen. Von einer leichtsinnigen Preisgabe von Daten ist sogar abzuraten. Lügen ist dafür nicht nötig, es reicht aus, keine Auskunft zu geben. Zum anderen ist zwar grundsätzlich Ehrlichkeit ein gutes Verhalten, aber es kann Ausnahmen geben, in denen Ehrlichkeit in Konflikt mit einem anderen hohen Gut steht und in der bestimmten Situation die Wahrung des anderen Guts den Vorzug verdient. Dann ist ein Schweigen oder eine Notlüge aus taktischen Gründen gerechtfertigt (beispielsweise, um einem ungerecht Verfolgten zu helfen, dem sonst Folter oder Ermordung droht).

Frage 5 ist in der Hauptsache eine Frage der Biologie. Ein wenig philosophisches Überlegen kann bei einem begrifflichen Denken auftreten, was Selbstbewußtsein überhaupt ist.

Frage 6 ist philosophisch. Sie betrifft den Bereich der Ontologie (Seinslehre). Es gibt zwar extreme Standpunkte (z. B. den metaphysischen Solipsismus), die allgemein eine objektive Realität der Dinge bestreiten, diese sind aber äußerst unplausibel. Es gibt meines Erachtens auch Dinge, bevor wir sie wahrnehmen oder ohne daß wir sie wahrnehmen. Sonst wäre eine Behauptung nötig, vor dem Beginn eigener Wahrnehmung habe es keine Welt gegeben und alle Dinge, die ich wahrnehme, hätte ich erst in diesem Augenblick erschaffen. Die eigene Existenz hätte keine Ursache und wäre eine unerklärliche Entstehung aus dem Nichts. Der eigene Tod wäre das Ende der Welt und es gäbe keine Dinge mehr, falls nicht eine Wiedergeburt angenommen wird. Die Annahmen über die Existenz und Nicht-Existenz von Dingen wären mit der Wahrnehmung anderer Lebewesen unvereinbar, wenn diese nicht immer alles genau zur gleichen Zeit wie ich wahrnehmen oder nicht wahrnehmen. Die natürlichen Sinne der Menschen können manche Dinge nicht wahrnehmen, höchstens Folgen bemerken (z. B. von Radioaktivität), aber diese Dinge können auf sie einwirken. Nur eine bestimmte Art von Dingen gibt erst aufgrund von Wahrnehmung, nämlich Wahrnehmungsphänomene. Z. B. gibt es einen empfundenen Klang aufgrund des Hörens. Allerdings gibt es den physikalischen Sachverhalt von Schallwellen mit bestimmten Schwingungen unabhängig davon, ob jemand sie gerade hört oder nicht.

Frage 7 (Lichtgeschwindigkeit) ist keine philosophische, sondern eine physikalische Frage.

Frage 8 ist eine Frage der Ethik und Rechtsphilosophie. Es wird nach einem Sollen gefragt.

Meines Erachtens sollte jeder Mensch mit bestimmten Rechten ausgestattet sein. Alle Menschen haben ein Anrecht auf Menschenrechte. Dies ist gerecht, weil bei Menschen eine grundsätzliche Gleichheit darin besteht, Mensch zu sein, und in diesem Menschsein eine Würde liegt, von der Menschenrechte abgeleitet werden können. 

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Nach Auffassung von Thomas Hobbes ist das Streben der Menschen nicht auf Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse begrenzt, sondern sie streben nach mehr.

Hobbes hält die Begierde für etwas, das nicht haltmacht und zur Ruhe kommt, sondern ständig fortschreitet. Bei zunehmenden Machtmitteln wächst seiner Meinung auch das Verlangen.

Thomas Hobbes erklärt das menschliche Handeln insgesamt durch Selbsterhaltung und ein bindungsloses (keiner normativer Einschränkung unterliegendes) Eigeninteresse (es kann soziale Regungen einschließen, muß es aber nicht).

Menschen streben nach Glück. Glückseligkeit besteht nach Auffassung von Hobbes aber nicht in einer zufriedenen Seelenruhe. Es gibt bei ihm kein höchstes Gut bzw. letztes feststehendes Ziel als Ruhe- und Endpunkt. Glückseligkeit versteht Hobbes als ständiges Fortschreiten des Verlangens von einem Gegenstand zu einem anderen (Thomas Hobbes, Leviathan or the matter, forme and power of a commonwealth ecclesiastical and civil [1651]. Part 1: Of man [Teil 1: Vom Menschen]. Chapter XI: Of the difference of manners [Kapitel 11: Von der Verschiedenheit der Sitten]).

Thomas Hobbes, Leviathan, Aus dem Englischen übertragen von Jutta Schlösser. Mit einer Einführung und herausgegeben von Hermann Klenner. Hamburg : Meiner, 1996 (Philosophische Bibliothek ; Band 491), S. 80 – 81:

Glückseligkeit ist ein ständiges Fortschreiten des Verlangens von einem Gegenstand zu einem anderen, wobei jedoch das Erlangen des einen Gegenstandes nur der Weg ist, der zum nächsten Gegenstand führt. Der Grund hierfür liegt darin, daß es Gegenstand des menschlichen Verlangens ist, nicht nur einmal und zu einem bestimmten Zeitpunkt zu genießen, sondern sicherzustellen, daß seinem zukünftigen Verlangen nichts im Wege steht. Und deshalb gehen die willentlichen Handlungen und Neigungen aller Menschen nicht nur darauf aus, sich ein zufriedenes Leben zu verschaffen, sondern auch darauf, es zu sichern. Sie unterscheiden sich nur im Weg: Dies kommt teils von der Verschiedenheit der Leidenschaften bei verschiedenen Menschen, teils von ihren unterschiedlichen Kenntnissen oder Meinungen, die jeder einzelne von den Ursachen hat, die die begehrten Wirkungen hervorbringen. So halte ich an erster Stelle ein fortwährendes und rastloses Verlangen nach immer neuer Macht für einen allgemeinen Trieb der gesamten Menschheit, der nur mit dem Tode endet.“

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Ein regungsloses Verharren in einer Beobachterposition ist nicht gemeint.

Marcus Aurelius schildert im Zusammenhang mit Aussagen, was er von Maximus gelernt hat, wie dieser beim Scherzen/Witze machen sich gut verhält.

Das Verb „beobachten“ ist in der Übersetzung in der Bedeutung „beachten“, „einhalten“, „(be)wahren“, „(aus)üben“ gemeint.

Die Aussage ist: Er hat sich beim Scherzen/Witze immer anständig verhalten.

Anstand ist gutes Benehmen, Schicklichkeit. Inhaltlich geht es darum, beim Scherzen/Witze machen nicht durch ungehörige Angriffe oder Herabsetzungen andere Personen seelisch zu kränken/verletzen, zu beleidigen und herabzuwürdigen, nicht taktlos zu sein und nicht obszön zu werden oder auf andere Weise Anstößiges zu sagen.

Dies ist der letzte Satz bei Marcus Aurelius, Ta eis heauton (Τὰ εἰς ἑαυτόν; Selbstbetrachtungen; lateinischer Titel: Ad se ipsum) 1, 15.

In der griechischen Originalsprache steht: καί τὸ εὐχαριεντίζεσθαι.

Der Bestandteil εὐ bedeutet „auf gute Weise“ (es gibt das Adverb εὖ mit der Bedeutung „gut”. „wohl”, „recht”), das Verb χαριεντίζεσθαι bedeutet „fein/anmutig/mit Witz/scherzhaft/humorvoll reden“, „scherzen“.

Ich füge deutsche Übersetzungen es ganzen Abschnitts hinzu.

Mark Aurel, Selbstbetrachtungen : griechisch – deutsch. Herausgegeben und übersetzt von Rainer Nickel. 2. Auflage. Mannheim : Artemis & Winkler, 2010 (Sammlung Tusculum), S. 15:  

„Bei Maximus (erlebte ich) Selbstbeherrschung und unbedingte Festigkeit, Zuversicht in Krankheiten und anderen Schwierigkeiten, Ausgeglichenheit, Nachgiebigkeit und Würde, die Bereitschaft zu umsichtiger und sorgfältiger Erledigung seiner Aufgaben. (Ich sah), wie alle bei dem, was er sagte, davon überzeugt waren, daß er es auch so meinte, und bei dem, was er tat, es ohne böse Absicht tat. (Ich sah), daß er es schaffte, nie über etwas zu staunen und zu erschrecken und nie in Eile zu sein und nie zu zaudern, nie ohne eine Lösung oder niedergeschlagen zu sein, nie ein freundliches Lächeln vorzutäuschen oder wieder wütend oder mißtrauisch zu sein. Er war wohltätig, immer bereit zu verzeihen und unbedingt zuverlässig und aufrichtig. Er bot eher das Bild eines Mannes, der nicht vom rechten Weg abzubringen war, als eines solchen, der sich auf dem rechten Weg befand. (Es ist sicher), daß niemand geglaubt hätte, er werde von ihm verachtet, oder gewagt hätte, sich ihm überlegen zu fühlen. (Es gehörte zu seinem Wesen), Humor zu haben.“

Marcus Aurelius Antoninus, Wege zu sich selbst. Herausgegeben und übertragen von Willy Theiler. 3., verbesserte Auflage. Zürich & München : Artemis Verlag (Die Bibliothek der Alten Welt), S. 31:  

„Von Maximus: Selbstbeherrschung und in nichts zerfahren zu sein; und Wohlgemutheit sowohl anderen Umständen als auch in Krankheiten. Und gute Mischung des Charakters, Milde und Würde; und die Art, die vorliegenden Aufgaben nicht aufs Geratewohl durchzuführen. Und daß ihm alle bei dem, was er sprach, vertrauten, daß er so dächte, und bei dem, was er tat, daß er es ohne Hintergedanken täte; und sich über nichts zu wundern oder zu erschrecken und nirgends in Hast zu sein oder zu zögern oder sich nicht zu helfen wissen oder niedergeschlagen zu sein oder falsch zu lächeln oder wiederum zornig oder argwöhnisch zu sein. Die Neigung, wohlzutun, zu verzeihen, die Wahrhaftigkeit; und eher den Eindruck eines Unverbiegbaren als eines Zurechtgestreckten darzubieten; und daß weder je einer geglaubt hätte, von ihm verachtet zu werden, noch es gewagt hätte anzunehmen, er selbst verdiene ihm gegenüber den Vorzug; und in gutem Sinne witzig zu sein.“

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Bei Aufgabe 1 ist eine Ergänzung nötig.

Immanuel Kant vertritt einen Standpunkt, nach dem die Folgen für die ethische Beurteilung einer Handlung nicht ausschlaggebend sind. Eine uneingeschränkt gute Handlung kann nach seiner Auffassun nur eine von einem guten Willen getragenen Handlung sein. Das moralisch uneingeschränkt Gute existiert nach seiner Ethik nur als guter Wille. Entscheidend ist die Handlungsabsicht, nicht die tatsächlich eingetretene Handlungsfolge. Ein ausreichender Einsatz der praktischen Vernunft bleibt aber trotzdem geboten. Eine Person darf sich nach Kant beim guten Willen nicht auf einen bloßen Wunsch beschränken, sondern hat auch die ihr zur Verfügung stehenden Mittel anzuwenden, damit sich die Absicht verwirklicht (wie aus einer Bemerkung in Klammern hervorgeht). Einfach nur gut gemeint kann auch nach Kant zu wenig sein. Denn ein Wille, der sich gar nicht darum kümmert, ob die Handlungsabsicht durchgesetzt wird, und dem die Folgen einer Handlung egal/gleichgültig sind, ist kein echter guter Wille, da dafür etwas beim Wollen fehlt. Nach Kant soll ein Bestreben zur Verwirklichung der Absicht vorhanden sein.

Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785/6). Erster Abschnitt. Übergang von der gemeinen sittlichen Vernunfterkenntniß zur philosophischen (AA IV 393/BA 1):  

„Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille.“  

Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785/6). Erster Abschnitt. Übergang von der gemeinen Sittlichen Vernunfterkenntniß zur philosophischen (AA IV 394/BA 4):  

„Der gute Wille ist nicht durch das, was er bewirkt oder ausrichtet, nicht durch seine Tauglichkeit zu Erreichung irgend eines vorgesetzten Zweckes, sondern allein durch das Wollen, d. i. an sich, gut und, für sich selbst betrachtet, ohne Vergleich weit höher zu schätzen als alles, was durch ihn zu Gunsten irgend einer Neigung, ja wenn man will, der Summe aller Neigungen nur immer zu Stande gebracht werden könnte. Wenn gleich durch eine besondere Ungunst des Schicksals, oder durch kärgliche Ausstattung einer stiefmütterlichen Natur es diesem Willen gänzlich an Vermögen fehlte, seine Absicht durchzusetzen; wenn bei seiner größten Bestrebung dennoch nichts von ihm ausgerichtet würde, und nur der gute Wille (freilich nicht etwa als ein bloßer Wunsch, sondern als die Aufbietung aller Mittel, so weit sie in unserer Gewalt sind) übrig bliebe: so würde er wie ein Juwel doch für sich selbst glänzen, als etwas, das seinen vollen Werth in sich selbst hat.“

Aufgabe 2

Etwas Ergänzung ist möglich.

Gemeinsamkeiten:

  • Glück(seligkeit) ist ein hohes Gut
  • das Wohlergehen anderer ist zu berücksichtigen (In Kants Ethik gibt es Pflichten gegen andere)

Unterschiede

  • Kant hält Glück für etwas, das nicht als Grundlage der Ethik geeignet ist https://www.gutefrage.net/frage/warum-ist-nach-kant-glueckseligkeit-fremdbestimmt )
  • Kant stellt feste Prinzipien auf, deren Geltung nicht von einer Abwägung von Umständen abhängt

Das Beispiel ist schlecht, weil Notwehr als allgemeines Prinzip vertreten werden kann. Eine Abänderung ist die Frage, ob ein Flugzeug mit Passagieren, das ein Terrorist in seine Gewalt gebracht hat und für einen Anschlag verwenden will, abgeschossen werden darf. Nach Kants Ethik wird dies verneint, weil die Würde des Menschen (der Passagiere in diesem Fall) verletzt würde, indem sie als bloßes Mittel behandelt werden. Beim Utilitarismus käme ein Abschießen, bei dem die Passagiere ihr Leben verlieren, grundsätzlich in Frage. Es würde eine Abwägung nach den Umständen stattfinden (z. B. ob beim Anschlag mit mehr Toten zu rechnen wäre)

Aufgabe 5

Begehren, Wünsche und Interessen sind nach Kants Ethik nicht als solches schlecht. Sie sollen nur nicht die bestimmenden Beweggründe eines Handelns sein, das den Anspruch hat, moralisch zu sein.

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Der Text erschien zuerst 1946 und enthält den Versuch eine Kompromisses zwischen Rechtspositivismus (Auffassung, allein das positive [durch Gesetzgebung aufgrund von Vereinbarung/Autorität/Befugnis/gesellschaftlicher Anerkennung/Macht gesetzte] Recht sei für die Verbindlichkeit einer Rechtsnorm ausschlaggebend) und Naturrecht (Auffassung, es gebe eine von Natur aus allgemein gültiges Recht, das dem positiven Recht übergeordnet ist)

Gustav Radbruch, Gesetzliches Unrecht und übergesetzliches Recht. In: Süddeutsche Juristenzeitung (1946), S. 105 – 108

Gustav Radbruch gibt drei Werte an, die Bestandteile/Seiten/Prinzipien der Rechtsidee sind, und die das Recht zu verwirklichen hat:

  • Gerechtigkeit
  • Rechtssicherheit
  • Zweckmäßigkeit für das Gemeinwohl

Rechtssicherheit hat nach Auffassung von Radbruch eine Mittelstellung, weil sie einerseits von der Zweckmäßigkeit für das Gemeinwohl, andererseits von der Gerechtigkeit gefordert ist.

Ein Konflikt zwischen Rechtssicherheit und Gerechtigkeit kann auftreten, weil das, was in einem Fall vom bestehenden positiven Recht bestimmt wird, und das, was gerecht ist bzw. für gerecht gehalten wird, voneinander abweichen kann. Wenn nach positivem Recht entschieden wird, also danach, was in bestehenden Gesetzen geschrieben ist, kann dann die Rechtsprechung zu einem Ergebnis führen, das ungerecht ist bzw. für ungerecht gehalten wird. Andererseits kann eine Forderung nach Gerechtigkeit die Rechtssicherheit vermindern. Denn Rechtssicherheit bedeutet sicheres Recht, also ein Recht, bei dem auf das Ergebnis zuverlässig vertraut werden kann. Wenn das Ergebnis wechselhaft und unbeständig ist, also das Ergebnis in einem gleichartigen Fall unterschiedlich ist, je nachdem wer als Richter(in) urteilt und gerade welche Überzeugung über Gerechtigkeit hat, ist die Rechtssicherheit vermindert. Auffassungen über das, was in einem Fall gerecht ist, können weit auseinanderliegen. Es gäbe einen sehr großen Spielraum der Auslegung und Anwendung des Rechts.

Zugleich hält Radbruch Rechtssicherheit („Daß das Recht sicher sei, daß es nicht heute und hier so, morgen und dort anders ausgelegt und angewandt werde,“) für eine Forderung der Gerechtigkeit. Dies kann von einer formal definierten Gerechtigkeit mit einem Gleichheitsprinzip (Gleichheit vor dem Recht), Gleiches gleich zu behandeln, her nachvollzogen werden. Denn eine solche Gleichbehandlung wäre von Urteilen, die von Auffassungen über das Gerechte bestimmt, nicht gewährleistet, sondern es wäre mit Ungleichbehandlung in gleichartigen Fällen zu rechnen.

Es kann also ein Konflikt zwischen Rechtssicherheit und Gerechtigkeit als Widerstreit „zwischen einem inhaltlich anfechtbaren, aber positiven Gesetz“ (scheinbare Gerechtigkeit) und „einem gerechten, aber nicht in Gesetzesform gegossenen Recht“ (wirkliche Gerechtigkeit) entstehen.

Radbruch hat einen Lösungsvorschlag für den Konflikt: Grundsätzlich hat in der Rechtsprechung das positive Recht auch dann Vorrang, wenn es inhaltlich ungerecht und unzweckmäßig ist. Dieser Vorrang gilt aber nicht uneingeschränkt und ausnahmslos. Wenn das positive Gesetz in einem unerträglichen Maß in Widerspruch zur Gerechtigkeit steht, darf das bestehende Gesetz nicht als verbindlich gelten, sondern hat der Gerechtigkeit zu weichen. Eine scharfe Trennlinie zwischen trotz ungerechten Inhalts geltenden Gesetzen des positiven Rechts und gesetzlichem Unrecht, dem als »unrichtiges Recht« die Befolgung und Geltung verweigert werden muß, hält Radbruch für nicht möglich. Die Trennung ist eine Sache des Ausmaßes. Zumindest bei extremer Ungerechtigkeit ist Unerträglichkeit gegeben.

Eine deutlichere Grenzziehung führt Radbruch zu gesetzlichem Unrecht durch, bei dem Gerechtigkeit nicht einmal als Ziel erstrebt wird. Wenn bei der Setzung des positiven Rechts das Gleichheitsprinzip (ein Kern der Gerechtigkeit) bewußt verleugnet wird, also Gerechtigkeit ganz grundlegend verletzt, fehlt einem solchen Gesetz die Rechtsnatur.

Radbruch hält einen erheblichen Teil der nationalsozialistischen Rechtssetzung für einen solchen Verstoß.

Der Gedanke kann auch auf manche Vorgänge in der DDR angewendet werden (vgl. beispielsweise die Mauerschützenprozesse wegen Schießbefehls und tödlicher Schüsse). Menschenrechte sind Bestandteil von Gerechtigkeit und ein inhaltlicher Maßstab des Rechts. 

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Die Karikatur bezieht sich höchstwahrscheinlich auf die Einstellung, die König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen 1848/1849 zu einer deutschen Kaiserkrone hatte.

Es gibt aber dazu mehrere Karikaturen und ein Hinweis wäre nützlich, welche Karikatur im Buch abgebildet ist.

Es gibt beantwortete Fragen zu solchen Karikaturen:

https://www.gutefrage.net/frage/friedrich-wilhelm-iv-von-preussen---karikatur

https://www.gutefrage.net/frage/was-will-der-karikaturist-aussagen--die-ablehnung-der-kaiserkrone

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In der athenischen Demokratie gab es ungefähr 700 Ämter, außerdem 500 Ratsherren (die Mitglieder des Rates der 500).

Die Amtsinhaber, die eine bestimmte Zeit lang (in den meisten Fällen 1 Jahr) ihr Amt ausübten, wurden aus den Bürgern teils durch Auslosung (Losverfahren), teils durch Wahl bestimmt.

Von den 700 Ämtern wurden ungefähr 600 Ämter durch Los besetzt. Die 500 Ratsherren wurden ebenfalls ausgelost. Auch wer in den Gerichtshöfen urteilte, war durch ein Losverfahren geregelt.

Ungefähr 100 Ämter wurden durch Wahl bestimmt. Dazu gehörten z. B. die 10 Strategen, weitere militärische Ämter, die Verwalter der Seebundskasse [Hellenotamiai], Ratsschreiber und Leute für Bauplanung und –aufsicht.

Das Losverfahren hatte einen frühen religiösen Ursprung in der Vergabe sakraler Funktionen (Priestertümer) innerhalb einer bestimmten Gruppe, indem das Los als Offenbarung göttlichens Willens gedeutet werden konnte.

In der Zeit der athenischen Demokratie kommen eher andere Gründe in Frage, auch wenn ein gewisses Fortwirken des Ursprungs nicht ganz ausgeschlossen ist.

Für einen einzelnen athenischen Bürger war wiederholte Ausübung militärischer Ämter erlaubt, die wiederholte Ausübung anderer Ämter nicht, außer zweimal Ratsherr zu sein (Aristoteles, Athenaion politeia 62, 3).

Es gab für Bewerber um Ämter die Dokimasie (griechisch: δοκιμασία [dokimasia]), eine hauptsächlich formale Eignungsprüfung (z. B. Besitz des Bürgerrechtes, Erfüllung vorgeschriebener Bürgerpflichten, geistige und charakterliche Mindestvoraussetzungen), um offenkundig ungeeignete Bewerber zu verhindern, ohne aber eine große Hürde aufzustellen.

Gründe für Losverfahren:

  • Wertschätzung von Gleichheit als demokratisches Prinzip und Wichtigkeit politischer Teilhabe (Partizipation) für das athenische Volks, was durch ein Verfahren, bei dem jeder Bürger an die Reihe (Rotation mit Abwechslung, zu regieren und regiert zu werden) kommen kann, gut bewirkt wird
  • Vermeidung von Manipulation und Korruption (vor allem bei den Gerichten konnte so die Anfälligkeit für Bestechung eingeschränkt werden)
  • soziale Integration durch ein neutrales Verfahren, bei dem jeder Bürger die Chance hat, einmal an die Reihe zu kommen


Gründe für Wahlverfahren:
  • Erforderlichkeit besonderer Fähigkeiten und Sachkenntnisse für bestimmte Ämter (z. B. im militärischen Bereich, im Finanzbereich, im Baubereich).
  • Mitbestimmung des Volkes in einer demokratischen Wahl nach Mehrheitsprinzip bei Ämtern, für die nicht nahezu jeder Bürger gut geeignet ist


In Bibliotheken gibt es Bücher, die auf das Thema eingehen, z. B.:
Jochen Bleicken, Die athenische Demokratie. 2., völlig überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh, 1994. ISBN 3-506-71901-7 (besonders S. 228 – 246 und S. 265 – 273)
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Ruggero Leoncavallo, Pagliacci (1892), gehört zur Stilrichtung des Verismo, die in der italienischen Oper von etwa 1890 bis 1920 hervortrat. „Vesti la giubba“ (Arie des Canio [Tenor]) ist daraus besonders berühmt.

Eine Nennung ähnlicher Opern oder ähnlich schöner einzelner Arien ist ein weites Feld, weil es Grade der Ähnlichkeit und eine große Anzahl von Opernarien gibt, die als schön empfunden werden können.

Vollständigkeit ist bei wenig Abgrenzung in der Vorgabe (bei der nicht einmal klar ist, welche Stimmlagen erwünscht sind) nicht erreichbar, aber einige Vorschläge sind möglich.

  • Pietro Mascagni, Cavalleria rusticana (1890)


Siciliana („O Lola ch'ai di latti la cammisa“), Arie des Turridu (Tenor)
„Mama, quel vino è generoso“, Arie des Turridu (Tenor)
„Voi lo sapete“, Arie der Santuzza (Sopran)
  • Pietro Mascagni, Iris (1898)


„Apri la tua finestra“, Arie des Osaka (Tenor)
  • Umberto Giordano, Andrea Chénier (1896)


„Un dì all'azzurro spazio“, Arie des Andrea Chénier (Tenor)
„Come un bel dì di Maggio“, Arie des Andrea Chénier (Tenor)
„La mamma morta“, Arie der Maddalena di Coigny (Sopran)
„Nemico della patria“, Arie des Carlo Gérard (Bariton)
  • Umberto Giordano, Fedora (1898)


„Amor ti vieta“, Arie des Grafen Loris Ipanoff (Tenor)
  • Francesco Cilea, L’Arlesiana (1897)


„È la solita storia del pastore“ (Lamento), Arie des Federico (Tenor)
  • Francesco Cilea, Adriana Lecouvreur (1902)


„La dolcissima effigie”, Arie des Maurizio, Conte di Sassonia (Tenor)
„L'anima ho stanca“, Arie des Maurizio, Conte di Sassonia (Tenor)
„Ecco: respiro appena ... Io son l’umile ancella“, Arie der Adriana Lecouvreur (Sopran)
„Poveri fiori“, Arie der Adriana Lecouvreur (Sopran)
„Acerba voluttà“, Arie der Principessa di Bouillon (Mezzosopran)
  • Alfredo Catalani, La Wally (1892)


„Ebben? Ne andrò lontana“, Arie der Wally (Sopran)
Die Opern von Giacomo Puccini sind zwar nicht ganz dem Verismo zuzuordnen, zeigen aber Einflüsse. Es gibt für verschiedene Stimmlagen schöne Arien. Ich beschränke mich auf einige Tenorarien.
  • Giacomo Puccini, Manon Lescaut (1893)


„Donna non vidi mai“, Arie des Renato Des Grieux (Tenor)
  • Giacomo Puccini, La Bohème (1896)


„Che gelida manina“, Arie des Rodolfo (Tenor)
  • Giacomo Puccini, Tosca (1900)


„Dammi i colori!... Recondita armonia“, Arie des Mario Cavaradossi (Tenor)
„E lucevan le stelle", Arie des Mario Cavaradossi (Tenor)
  • Giacomo Puccini, Madama Butterfly (1904)


„Addio fiorito asil”, Arie des Benjamin Franklin Pinkerton (Tenor)
  • Giacomo Puccini, La fanciulla del West (1910)


„Ch'ella mi creda", Arie des Dick Johnson alias Ramerrez (Tenor)
  • Giacomo Puccini, Turandot (1924/1926)


„Non piangere, Liú!“, Arie des Kalaf (Tenor)
„Nessun dorma“, Arie des Kalaf (Tenor)
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Die französische Verfassung vom 3. September 1791 übertrug die Legislative (gesetzgebende Gewalt) der gesetzgebenden Nationalversammlung (Assemblée nationale législative) und die Spitzenposition der Exekutive (ausführende/vollziehende Gewalt) dem König.

Die Aufgaben bzw. Befugnisse/Rechte können mit Hilfe der folgenden Internetseiten herausgefunden werden:

https://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sische_Verfassung_(1791)

http://www.verfassungen.eu/f/fverf91-i.htm

Eine Anzahl wesentlicher Dinge gebe ich an.

König:

  • An der Spitze der Exekutive
  • Ernennung und Entlassung der Minister
  • Ernennung und Entlassung von Beamten, militärischen Befehlshabern und Diplomaten
  • Kontrolle der Streitkräfte und alleiniger militärischer Oberbefehlshaber Kriegsfall
  • Vorschlag einer Kriegserklärung und ihre Bestätigung im Fall eines annehmenden Beschlusses durch die Nationalversammlung
  • Recht zu Gesetzesvorschlägen
  • suspensives Vetorecht: Der König kann durch Ablehnung von Gesetzesbeschlüssen der Nationalversammlung ihr Inkrafttreten als Gesetze mit aufschiebender Wirkung verbieten. Erst wenn die gesetzgebende Versammlung in 2 aufeinanderfolgenden Legislaturperioden (jeweils 2 Jahre) das gleiche Gesetz in gleicher Fassung beschließt, ist es angenommen und gültig.
  • Nationalversammlung:Befugnis zu Gesetzesvorschlägen
  • Befugnis zur Gesetzgebung
  • Bewilligung der Staatsausgaben
  • Kontrolle der Minister durch Rechenschaftspflicht der Minister über Ausgaben und ihre Verwendung und für ihre Amtsführung gegenüber der Nationalversammlung und Recht der Nationalversammlung zu einer Anklage (vor einem Gericht) der Minister und Beamten wegen Vergehen
  • im Frieden mit dem König geteilter Oberbefehl über die Streitkräfte
  • Beschließen einer Kriegserklärung
  • Einleiten von Friedensverhandlungen
  • Ratifikation (als gültig in Kraft setzen) von Verträgen
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Bei einer solchen Deutungsschwierigkeit gibt es außer sorgfältigem Nachdenken über den Text und dem Lesen von Kommentaren und anderen Werkdeutungen als Möglichkeiten:

  • Einbeziehung des Textes in der Originalsprache
  • Vergleich mehrerer Übersetzungen
  • Untersuchung im Zusammenhang des Textes

Mit „sinne mehr als Menschliches“ ist eindeutig kein Suizid (Selbsttötung gemeint).

Kreon möchte ja keinen Suizid seines Sohnes Haimon. Als dieser sich später tatsächlich tötet, beklagt Kreon dies. Hätte Kreon sofort nach dem Streit mit seinem Sohn eine Absicht zu einem Suizid erkannt, hätte dies ihm nicht gleichgültig sein können. Ein Versuch, ihn von einem Suizid abzuhalten, wäre zu erwarten (bei Einsicht von Kreon durch Verständnis und Bereitschaft zum Entgegenkommen/Einlenken mit Abrücken von einer Todesstrafe).

Haimon hat in dem Streit über die geplante Todesstrafe für seine Verlobte Antigone zuletzt versteckt mit Suizid gedroht (Kreon werde ihn mit seinen Augen niemals mehr lebend sehen). Der Chor stellt danach sein schnelles Weggehen fest und weist Kreon mit Besorgnis darauf hin, wie schweren Schmerz Haimon empfindet. Kreon kommt dadurch aber nicht zur Einsicht, sondern bleibt in seiner Verblendung.

Altgriechisch steht bei Sophokles, Antigone Vers 768:

φρονείτω μεῖζον ἢ κατ᾽ ἄνδρ᾽

φρονείτω ist eine Form des Verbs, dessen Infinitiv φρονεῖν (Bedeutung: denken, überlegen, erwägen, im Sinn haben, beabsichtigen) heißt.

μεῖζον ist ein Komparativ zu μέγα (Bedeutung: groß). Ziemlich wörtlich genommen ist die Übersetzung von μεῖζον ἢ κατ᾽ ἄνδρ᾽: „Größeres als einem Menschen gemäß ist“.

Übersetzungen, die dies als „Übermenschliches“ ausdrücken, zeigen ein richtiges Verständnis.

Der folgende Vers 769 mit der Aussage, daß Haimon die beiden Mädchen [gemeint sind Antigone und ihre Schwester Ismene] nicht dem Schicksalslos/Tod [μόρος hat beide Bedeutungen] entziehen wird, gibt an, was nach Kreons Auffassung über menschliches Maß/die Macht eines Menschen hinausgeht, nämlich eine Abwendung der Todesstrafe, die Kreon bestimmt hat (wie das Gespräch mit dem Chor dann zeigt, nur für Antigone).

Kreon ist auf den Gesichtspunkt beschränkt, daß Haimon nicht die Macht hat, die Todesstrafe zu verhindern. Er trifft die Feststellung: Soll Haimon doch eine Verhinderung überlegen und beabsichtigen, na und, er wird eine Abwendung der Todesstrafe nicht durchsetzen können. Bei Kreon ist schlimme Verblendung bemerkbar. Das Leid seines Sohnes kümmert ihn in dieser Situation nicht, er erkennt nicht das drohende Unglück, obwohl dies möglich wäre.

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René Descartes, Meditationes de prima philosophia (Meditationen über die erste Philosophie), hat als ein wichtiges Thema die Möglichkeit von Irrtümern. Er will sich nicht auf die Richtigkeit von Meinungen verlassen, sondern mit einer Täuschung rechnen. Auf alles wird ein methodischer Zweifel angewendet.

In der 3. Meditation untersucht Descartes unter anderem, bei welchen Arten/Gattungen von Gedanken/Denkinhalten (lateinisch: cogitationes) es Wahrheit und Falschheit gibt.

Die Gedanken/Denkinhalte unterteilt er dabei in folgende Arten/Gattungen:

  • bloße Ideen/Vorstellungen (lateinisch: ideae)
  • Willensregungen (lateinisch: voluntates) bzw. Leidenschaften (lateinisch: affectus)
  • Urteile (lateinisch: judicia)

Eine Chimäre ist eines der Beispiele für bloße Ideen/Vorstellungen. Diese sind gleichsam Bilder der Dinge. Bloße Ideen/Vorstellungen können, wenn sie für sich genommen und nicht auf etwas anderes bezogen werden, nicht falsch sein. Denn wenn sich ein Mensch eine Chimäre vorstellt, ist es wahr, daß er sie sich vorstellt. Auch bei den Willensregungen bzw. Leidenschaften besteht insofern keine Gefahr der Unwahrheit. Denn auch wenn Schlechtes oder Unmögliches gewünscht werden kann, ist es dennoch wahr, daß ein Memsch dies wünscht. Nur die Urteile sind für eine Täuschung anfällig und können Irrtümer sein.

Die Beispiele sollen verdeutlichen, was (z. B. mit den bloßen Ideen/Vorstellungen) gemeint ist. Eine Chimäre ist ein Fabelwesen, das z. B. in der griechischen Mythologie vorkommt. Bei dem Beispiel ist besonders naheliegend, wie es bei dieser Art/Gattung von Gedanken/Denkinhalten bloß darum geht, Ideen/Vorstellungen zu haben. Eine bejahende Aussage über die tatsächliche Existenz einer Chimäre wäre dagegen ein Urteil und damit etwas, bei dem Irrtümer zu befürchten sind.

Descartes legt dann eine Einteilung der Ideen/Vorstellungen vor:

  • angeborene Ideen/Vorstellungen
  • hinzugekommene Ideen/Vorstellungen
  • selbst geschaffene Ideen/Vorstellungen

Angeborene Ideen/Vorstellungen sind Ideen/Vorstellungen, die Menschen von ihrer eigenen Natur her haben und unwillkürlich glauben. Hinzugekommene Ideen/Vorstellungen sind durch Erfahrung erworbene, von außen empfangene Ideen/Vorstellungen. Selbst geschaffene Ideen/Vorstellungen sind von den Menschen selbst geschaffene, künstlich gebildete Ideen/Vorstellungen.

Hippogryphen sind eines der Beispiele für selbst geschaffene Ideen/Vorstellungen. Sie werden nicht von der menschlichen Natur her unwillkürlich als tatsächlich existierend angenommen, und es gibt keine von außen kommende Erfahrung von ihnen als tatsächlich existierende Dinge, sondern die Idee/Vorstellung eines Hippogryphen hängt vom Willen ab. Hippogryphen eignen sich als Fabelwesen gut dazu, selbst geschaffene, künstlich gebildete Ideen/Vorstellungen als Beispiel zu verdeutlichen.

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zur These

Die Aussage „Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt („L'homme est condamné à être libre.“) weist auf eine für den Menschen bestehende Unausweichlichkeit hin, eine Wahl zu treffen.

Die These, Freiheit gebe nur in der Situation und die Situation nur in der Freiheit, ist nachvollziehbar, wenn überlegt wird, wie sie von Jean-Paul Sartre gemeint ist.

Der Ausdruck „nur in der Situation“ kann den Eindruck erwecken, Freiheit habe nach Auffassung von Sartre wenig Reichweite, was aber eine irrige Folgerung wäre.

Eine Situation ist die Lage/der Platz, in der/an dem sich Menschen befinden, wobei eine Umgebung mit Umständen/Bedingungen gegeben ist, also eine Faktizität Grenze von Freiheit ist. Die Situation bedeutet Auseinandersetzung mit den Umständen/Bedingungen. Die Menschen müssen eine Einstellung zu der Situation einnehmen, wie immer sie sich verhalten (die Situation anerkennen, leugnen, hinnehmen, sich ihr widersetzen, sie überschreiten oder noch anders mit ihr umgehen). Es handelt sich insofern um eine relative Freiheit, als Sartre zwar eine offene Zukunft zugrundelegt, aber eine Einschränkung der Freiheit durch Umstände/Bedingungen annimmt.

Die These bezieht sich auf empirische Freiheit in der Praxis des Lebensvollzugs. In diesem Bezug genommen ist die These richtig.

Die Auffassung, die Situation gebe es nur in der Freiheit, bedeutet die Unmöglichkeit, daß ein Mensch ist und nicht (in einem bestimmten grundsätzlichen Sinn) frei ist. In der Situation steckt, sich Umständen/Bedingungen auseinandersetzen und eine Wahl treffen zu müssen. Auch wenn die Handlungsfreiheit äußerst stark eingeschränkt, hat ein Mensch immer die Wahl, welche Einstellung zur Faktizität er einnimmt, und kann versuchen, sich gegen die gegenwärtigen Gegebenheiten aufzulehnen.

Die These stimmt, wenn es zutrifft, daß Willensfreiheit (eine Person ist in ihrem Wollen/ihrer Willensbildung frei) existiert. Das Thema ist umstritten, aber nach meiner Einschätzung kann die Auffassung der Existenz von Willensfreiheit (wobei diese mit dem Vorhandensein von Einflüssen vereinbar ist) mit guten Begründungen vertreten werden. Zweifelhaft ist, ob die von Sartre vorgelegte Argumentation für die Existenz von Willensfreiheit schon allein ausreichend ist. Sartre bezieht sich vor allem auf das Bewußtsein und die Differenz der Seinsweisen des An-sich und des Für-sich, wobei im Für-sich eine Nichtung steckt, eine verneinende Distanzierung von etwas Gegebenen.

existentialistischer Ansatz von Jean-Paul Sartre

Jean-Paul Sartre vertritt als einen wichtigen Grundsatz seines Existenzialismus die Aussage: Die Existenz geht der Essenz voraus.

Die Existenz ist das Dasein. Dies wird auf das Dasein eines Menschen als Individuum mit seiner Subjektivität bezogen. Bei der üblichen Reihenfolge geht die Essenz der Existenz voraus. Nach Auffassung von Sartre ist die Reihenfolge umgekehrt. Die Existenz (die Tatsache, dazusein) der Menschen geht ihrer Essenz (dem Wesen; als das, was der Mensch ist) voraus. Daher müssen sie sich durch ihr Handeln in einem Entwurf immer wieder erschaffen. Sartre hält den Menschen für undefinierbar. Es gibt kein fest bestehendes Wesen des Menschen (als Gattungswesen), keine allgemeine Natur des Menschen, sondern der Mensch ist, was er aus sich macht. Der Menschen existiert zuerst, begegnet sich in seinem Dasein, tritt in die Welt ein und taucht in ihr auf und definiert sich danach. Der Mensch überschreitet ständig seine gegenwärtige tatsächliche Situation, in der er sich befindet (Ist-Zustand), mit einem Entwurf für die Zukunft, an dem er sein Handeln ausrichtet. Insofern erfindet sich der Mensch immer wieder neu. Der Mensch existiert in dem Ausmaß, in dem er sich verwirklicht und ist nichts anderes als sein Leben, die Gesamtheit aller Handlungen. Er muß seine Existenz in einem freigewählten Entwurf wählen und ist zur Freiheit verurteilt. Der Existenzialismus nimmt - in Entgegensetzung zu bestimmten metaphysischen und religiösen Ansätzen - keinen vorgegebenen Sinn des Lebens und keine festen Wesenheiten an, will aber dennoch zu einer Essenz (die nicht einfach nur subjektiv sein kann) kommen.

Das Leben hat nach Meinung Sartres an sich keinen Sinn und die Menschen sind äußeren Zufällen ausgeliefert. Aber sie tragen eine totale Verantwortung für ihre Existenz. Sie besteht darin, das Gegebene auf sich zu nehmen und gleichzeitig zu überschreiten. Menschen können sich über ihre jeweilige Lage hinaus entwerfen, auch wenn sie dabei scheitern. Freiheit ist die kleine Bewegung in einem selbst ausgedachten Entwurf über die eigenen Bedingtheiten hinaus.

Sartre vertritt eine Selbstwahl. Sie besteht darin, daß der Mensch einen Entwurf von sich selbst in eine offene Zukunft hat. Da nach Sartres Auffassung der Mensch kein festes Wesen hat, gibt es kein vorgegebenes Selbst. Grundbedingung des menschlichen Daseins ist, mit einem Entwurf eine Wahl zu treffen.

Verurteilung des Menschen, frei zu sein

Jean-Paul Sartre, L'existentialisme est un humanisme („Der Existenzialismus ist ein Humanismus“), erklärt: „der Mensch ist dazu verurteilt, frei zu sein. Verurteilt, weil er sich nicht selbst erschaffen hat, und dennoch frei, weil er, einmal in die Welt geworfen, für all das verantwortlich ist, was er tut.“

Der Mensch findet sich in das Dasein geworfen vor. Dies ist keine von ihm selbst geschaffene, seiner Verfügungsgewalt unterstehende Gegebenheit. Die Notwendigkeit, allgemein in seinem Verhalten in einer Situation eine Wahl treffen zu müssen, ist ihm vorgegeben, insofern besteht ein Verurteiltsein. Zugleich ist der Menschen frei und trägt daher Verantwortung für seine Entscheidungen und Handlungen.

Dieser Freiheit kann sich ein Mensch nicht entziehen. Sogar eine Entscheidung, sich nicht zu entscheiden, wäre eine Entscheidung und ein Umgang mit Freiheit. Der Mensch kann sich also nicht aussuchen, ob er in diesem grundsätzlichen Sinn frei ist oder nicht. Er kann diese Freiheit nicht (z. B. weil er sie als Belastung empfindet) loswerden.

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Wahlergebnisse der KPD

An der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919 hat die KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) nicht teilgenommen.

Bei den Reichstagswahlen in der Zeit der Weimarer Republik erreichte die KPD erst größere Stimmanteile, nachdem sich ein großer Teil der USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands) im Dezember 1920 mit der KPD zusammengeschlossen hatte.

Bei der Wiedergabe der Stimmanteile wird oft nur eine Zahl nach dem Komma angegeben, wodurch es etwas mehr Aufrundung und Abrundung gibt (2,1 %; 12,6 %; 8,9 %; 10,6 %; 13,1 %; 14,3 %; 16,9 %; 12,3 %).

Reichstagswahl vom 6. Juni 1920: 589.454 Stimmen; 2, 09 %; 4 Abgeordnete

Reichstagswahl vom 4. Mai 1924: 3.693.280 Stimmen; 12, 61 %; 62 Abgeordnete

Reichstagswahl vom 7. Dezember 1924: 2.709.086 Stimmen; 8, 94 %; 45 Abgeordnete

Reichstagswahl vom 20. Mai 1928: 3.264.793 Stimmen; 10, 62 %; 54 Abgeordnete

Reichstagswahl vom 14. September 1930: 4.590.160 Stimmen; 13, 13 %; 77 Abgeordnete

Reichstagswahl vom 31. Juli 1932: 5.282.636 Stimmen; 14, 56 %; 89 Abgeordnete

Reichstagswahl vom 6. November 1932: 5.980.239 Stimmen; 16, 86 %; 100 Abgeordnete

Reichstagswahl am 5. März 1933: 4.848.058 Stimmen; 12, 32 %; 81 Abgeordnete

http://www.gonschior.de/weimar/Deutschland/Uebersicht\_RTW.html

https://www.bundestag.de/blob/190456/f8d637d1039a06a614cff0264f8b5d10/reichstagswahlergebnisse-data.pdf

http://www.wahlen-in-deutschland.de/wrtw.htm

http://www.wahlen-in-deutschland.de/wReichstagFraktionen.htm

https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische\_Partei\_Deutschlands#Ergebnisse\_bei\_Reichstagswahlen

Am 8. März 1933 sind die Abgeordnetensitze der KPD annulliert (für nichtig/ungültig erklärt) worden.

Regierungsbeteiligungen der KPD

An einer Reichsregierung ist die KPD niemals beteiligt gewesen. Es hat nur kurzzeitig Regierungsbeteiligungen an einer Landesregierung gegeben, in Sachsen und in Thüringen. Die KPD war dabei zusammen mit der SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) in der Regierung.

Sachsen: 10. Oktober 1923 - 29. Oktober 1923, Ministerpräsident war Erich Zeigner (SPD)

Thüringen: 16. Oktober - 12. November 1923, leitender Staatsminister war August Frölich (SPD)

Diese Landesregierungen sind durch Reichsexekution nach Artikel 48 Absatz 1 der Verfassung abgesetzt worden, wobei die Reichswehr einmarschierte und durch Drohung von Gewalt Druck ausübte.

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Es hat keine einheitliche von allen Aufklärern vertretene Staatstheorie gegeben.

Es gibt einige gemeinsame Grundgedanken.

Die Vernunft soll leitend sein.

Das Handeln soll auf das Allgemeinwohl ausgerichtet sein.

Selbsterhaltung und Schutz von Leib und Leben sind als wichtige Ziele anerkannt.

Es gibt einen Rechtsstaat.

Es herrscht Gerechtigkeit.

Verbreitet ist der Gedanke eines Naturrechts und daran orientiert von Grundrechten (Menschen- und Bürgerrechte) bzw. von der Wahrung der Menschenwürde.

Die meisten Aufklärer haben für ihre eigene Zeit eine konstitutionelle Monarchie bevorzugt (z. B. Voltaire), also eine Monarchie, bei die Macht des Herrschers beschränkt ist und eine Bindung an Gesetze und Verfassung besteht.

Möglich ist, die Auffassungen einiger einzelner Aufklärer kurz zu skizzieren.

Thomas Hobbes, Leviathan (1651):

  • Gesellschaftsvertrag, der zugleich ein Unterwerfungsvertrag ist, als Grundlage
  • Sicherung des Friedens im Inneren des Staates (staatliches Gewaltmonopol mit Verhinderung oder Niederwerfung gewaltam ausgetragener Konflikte unter den Bürgern) ausschlaggebendes Ziel, auch wenn Hobbes einer Monarchie zuneigt, hält er grundsätzlich die Staatsformen Monarchie, Aristokratie und Demokratie alle für legitim, Maßstab ist, ob der Souverän (ein Einzelner oder eine Versammlung) seine Aufgabe (friedenssichernde Funktion) erfüllt
  • Herrschaft eines Souveräns mit uneingeschränkter Macht
  • Unteilbarkeit der Staatsgewalt beim Souverän
  • Freiheit und Sicherheit des Eigentums

John Locke, Two treatises of government („Zwei Abhandlungen über die Regierung“; zuerst im Dezember 1689 anonym erschienen und auf dem Titelblatt auf 1690 datiert):

  • Gesellschaftsvertrag als Grundlage
  • Volkssouveränität (ausgeübt durch Mehrheitsentscheidung)
  • durch Verfassung und natürliche Grundrechte eingeschränkte Macht der Staatsgewalt
  • Gewaltenteilung (vor allem zur Verhinderung von Machtmißbrauch), wobei in der Hauptsache die gesetzgebende Gewalt (Legislative) und die vollziehende/ausführende Gewalt (Exekutive) unterschieden werden, die rechtsprechende Gewalt (Judikative) von der Legislative oder einer von ihr ernannten Obrigkeit ausgeübt wird, die Rechtsanwendung der Exekutive zugeordnet ist, es unabhängige und unparteiliche Richter gibt, zusätzlich werden noch die föderative Gewalt (Vertretung des Gemeinwesens nach außen) und die prärogative Gewalt (Macht, ohne Gesetzesvorschriften nach eigener Entscheidung für das öffentliche Wohl zu handeln, wenn schnelle Maßnahmen nötig sind; eine Art Notstandsrecht) als weitere Staatsfunktionen genannt, da diese nach der Darstellung in der Praxis bei der Exekutive angesiedelt sind, wird aber üblicherweise von 2 Gewalten bei Locke gesprochen, nicht von 4 Gewalten
  • als Staatsform ist sowohl eine konstitutionelle Monarchie als auch eine Republik denkbar; alle Staatsgewalt geht vom Volk aus, direkt oder indirekt (über Wahlen und Abstimmungen bzw. ein vorhandenes Vertrauen), sie wird damit legitimiert; die „höchste Gewalt“ (supreme power) ist die gesetzgebende Institution, in ihr vollzieht sich mit bestimmten Zeitabständen die Urteilsbildung aller, sei es unmittelbar, sei es mittelbar durch Repräsentanten (Volksvertreter) aufgrund von Mehrheitsbeschlüssen
  • Freiheit und Sicherheit des Eigentums

Montesquieu, De l’esprit des loix (1748; „Vom Geist der Gesetze“):

  • Gewaltenteilung mit den drei Gewalten Legislative, Exekutive und Judikative; die Staatsgewalten sind nebeneinander geordnet, wichtig ist eine Verteilung zur Verhinderung von Machtanhäufung und Machtmißbrauch, eine Balance schaffende Hemmung der Gewalten sorgt für die Bewahrung eines Gleichgewicht und Schutz der Freiheit
  • getrennte Souveränität der Träger der Gewalten (Monarch, Adel und Volk)
  • gemäßigtes Regierungssystem (konstitutionelle Monarchie oder - aristokratische/oligarchische bwz. demokratische Republik), Herrschaft an Gesetze gebunden und die Macht regierender Personen durch eine Verfassung beschränkt; bei Montesquieu besteht eine Neigung zu einer konstitutionellen Monarchie, die er als im Grunde eine gemischte Verfassung versteht, weil es mit dem Adel Zwischengewalten zwischen Herrscher und Volk gibt, die eine unabhängige Machtgrundlage haben
  • neben der Körperschaft des Adels indirekte politische Mitwirkung des Volkes an der Gesetzgebung durch gewählte Vertreter (Repräsentanten) des Volkes

Jean-Jacques Rousseau, Du contrat social ou Principes du droit politique (1762; „Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts“):

  • Gesellschaftsvertrag als Grundlage
  • ungeteilte Volkssouveränität
  • Republik (wobei auch eine konstitutionelle Monarchie als Republik gelten kann)
  • denkbare Regierungsformen sind Demokratie, die Aristokratie und die Monarchie, wobei Demokratie am besten ist, wahre Demokratie allerdings ein kleines Staatsgebiet, Einfachheit der Sitten und eine weitestgehende Gleichheit der Bürger als Voraussetzungen benötigt
  • Einberufung einer Volksversammlung in regelmäßigen Abständen, mit Entscheidung durch Abstimmung, ob die gegenwärtige Regierungsform beibehalten wird und ob die gegenwärtig Regierenden und die Beamten weiterhin regieren und verwalten oder durch andere Personen ersetzt werden
  • Orientierung am allgemeinen Willen (volonté générale)
  • Bindung des Eigentums an das Allgemeinwohl

Immanuel Kant, Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf (1795):

  • republikanische Verfassung (wobei auch eine konstitutionelle Monarchie als republikanisch gelten kann)
  • Gewaltenteilung (Machtkontrolle durch Trennung von Exekutive und Legislative)
  • repräsentative Beteiligung (für wünschenswert hält Kant vermutlich ein Parlament) der Bürger an Regierung, Gesetzgebung und anderen wichtigen politischen Entscheidungen
  • kein stehendes Heer und keine Staatsverschuldung für außenpolitische Streitigkeiten
  • keine gewaltsame Einmischung in die Verfassung und Regierung eines anderen Staates
  • Freiheit und Sicherheit des Eigentums
  • allgemeine Befolgung der Gesetze
  • Gleichheit vor dem Gesetz
  • Einordnung des Staates in ein Völkerrecht, das auf einen Bund freier Staaten gegründet ist
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Besser als die Bezeichnung „attische Demokratie“ ist die Bezeichnung „athenische Demokratie“, weil die Bürger nicht „die Attiker“ (Attika ist der Name, der Landschaft, deren Bewohner sie waren), sondern „die Athener“ (οἱ Ἀθηναῖοι [hoi Athenaioi]) in den antiken Quellen) hießen.

Entwicklung der athenischen Demokratie

Solon gehört zur Vorgeschichte der athenischen Demokratie. Er hat Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr. in seinen Maßnahmen und seiner Gesetzgebung die Versklavung aufgrund von Schuldknechtschaft abgeschafft. Die Verfassung Solons hat politische Rechte (darunter Zugang zu Ämtern und Wahlrecht für verschiedene Einrichtungen) und Pflichten nach Vermögensklassen abgestuft, also nach Menge des Einkommens/Besitzes festgelegt. Eine solche politische Ordnung wird Timokratie genannt (griechisch:τιμοκρατία [timokratia]).

Kleisthenes hat ungefähr 508/507 v. Chr. eine politische Ordnung geschaffen, die Isonomie (griechisch: ἰσονομία [isonomia]) genannt wird, und als eine Frühform der Demokratie verstanden werden kann.

Themistokles ist nicht durch Änderungen an der athenischen Verfassung wichtig. Er hat in der Außenpolitik, vor allem in den Perserkriegen, die Flotte als bedeutendes Mittel geschaffen und eingesetzt. In der Folge stieg in der politischen Praxis die Bedeutung der armen Bürger, der Theten, die als Ruderer wichtig waren.

Veränderungen hin zu einer Vollendung der athenischen Demokratie sind vor allem mit Ephialtes und Perikles ab 462/461 v. Chr. verbunden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Attische_Demokratie

http://www.bpb.de/175892/grundzuege-der-athenischen-demokratie?p=all

http://www.dosisnet.de/attdem.htm

https://de.wikipedia.org/wiki/Kleisthenische_Reformen

https://www.gutefrage.net/frage/unterschied-solon-kleisthenes

https://www.gutefrage.net/frage/unterschiede-zur-verfassung-solons-kleinsthenes-und-perikles

Stärken und Schwächen athenischen Demokratie

Die athenische Demokratie war eine funktionierende und verhältnismäßig stabile (nur 411/410 und 404/403 v. Chr. hat es aufgrund von Rückschlägen und Niederlagen in enem Krieg oligarchische Umstürze) politische Ordnung. Erst die außenpolitische Übermacht Makedoniens brachte im späten 4. Jahrhundert v. Chr. einen Einschnitt.

Sie bot den Bürgern ein hohes Maß an Mitbestimmung und Teilhabe (Partizipation), weil sie eine direkte Demokratie war und die Bürger in der Volksversammlung und in Gerichten die Entscheidungen treffen konnten, außerdem ein großer Teil der Ämter durch ein Losverfahren verteilt wurden (nur einige Ämter, die viel speziellen Sachverstand erforderten, wie z. B. die der 10 Strategen und einige zu Finanzen und Baumaßnahmen), wurden durch Wahl besetzt).

Nach Einführung von Tagungsgeldern für die Teilnahme an der Tätigkeit in politischen Institutionen und von Schaugeldern für Theateraufführungen hatten auch Ärmere gute Möglichkeiten an Beteiligung.

Die Amtsinhaber wurden gut kontrolliert, was ein Mittel gegen Korruption war.

Die politische Gleichheit unter den Bürgern war hoch. Dagegen war eine Herstellung von mehr wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Gleichheit kaum ein Thema. 

Ausgeschlossen von politischen Rechten waren waren neben Kindern und ansässigen Ausländern (Metöken) auch Frauen und Sklaven.

Es konnte eine Anfälligkeit großer Versammlungen von Stimmungen und Massenpsychologie eintreten.

Die Stärke der Regierung (Amtsinhaber) war verhältnismäßig gering.

Die Demokratie war auf ein Mindestmaß an Kenntnissen und Urteilsfähigkeit der Volksmenge angewiesen.

https://www.gutefrage.net/frage/vor-und-nachteile-der-attischen-demokratie--direkte-demokratie--

https://www.gutefrage.net/frage/urteil-faellen-ueber-die-attische-demokratie-mit-pro-und-contra-fliess-text

  

Vergleich zwischen antiker Demokratie (athenische Demokratie) und moderner Demokratie (Demokratie heutzutage)

Die antike Demokratie (athenische Demokratie) war eine direkte Demokratie. Die moderne Demokratie (Demokratie heutzutage), oft in großen Flächenstaaten mit einer hohen Bevökerungszahl,  ist dagegen gewöhnlich in der Hauptsache eine indirekte, repräsentative Demokratie (wobei Abstimmungen als Volksentscheid/Referendum in einem gewissen Ausmaß hinzukommen können, aber die Bürger(innen) vor allem durch Stimmgabe für Parteien bzw. Kandidaten/Kandidatinnen Entscheidungen treffen können).

Gemeinsamkeiten liegen in dem, was Merkmale der Demoktarie sind und in der athenischen Demokratie vorhanden war.

  • Volkssouveränität: Das Volk (der Demos) war mit seinen Beschlüssen und Urteilen (in der Volksversammlung und in Gerichten, die von Leuten aus dem Volk besetzt wurden) ausschlaggebend. Maßnahmen wurden als Entscheidung des Volkes legitimiert.
  • Abstimmungen: In der Volksversammlung, in Gerichten und im Rat der 500 wurde abgestimmt.
  • Mehrheitsprinzip: Die Mehrheit der Stimmen entschied. gleiches formales Gewicht der Stimmen: ein Mann/Bürger - eine Stimme
  • Wahlen: In der athenischen Demokratie der Antike gab es für einige Ämter, die besondere Fähigkeiten erforderten (z. B. die 10 Strategen, Architekten und Bauaufseher, hohe Finanzbeamte), Wahlen.
  • Freiheit und Gleichheit als zentrale Grundsätze und tragende Ideen: In der athenischen Demokratie waren Freiheit und Gleichheit wichtige Prinzipien und Werte. Sie wurden von Zeitgenossen mit der Demokratie verbunden. Aristoteles, Politik 4, 4, 1291 b: „Wenn nämlich die Freiheit am meisten in der Demokratie vorhanden ist, wie einige annehmen, und die Gleichheit, so dürfte es sie am meisten da geben, wo alle zusammen in gleicher Weise besonders gemeinsam an der Verfassung teilhaben. Weil aber die Mehrzahl das Volk ist, entscheidend aber das ist, was die Mehrheit beschließt, ist diese (Verfassung) notwendig eine Demokratie.“

Die politische Gleichheit (τὸ ἴσον = das Gleiche) war sehr grundlegend, auch die Redefreiheit (so konnte jeder Bürger in der Volksversammlung sprechen) galt als ein Bestandteil von ihr.

Die Teilhabe (Partizipation) der Bürger an der Politik hatte große Bedeutung. Alle in einer Versammlung Wahlberechtigten hatten Antragsrecht. Jeder konnte einen Vorschlag machen und seine Meinung äußern.

  • öffentliche Diskussion politischer Fragen: Politische Fragen konnten öffentlich diskutiert werden.
  • Verantwortlichkeit der Regierenden: Es gab eine Pflicht zur Rechenschaftsablegung nach Ausübung politischer Ämter und die Möglichkeit von Anklagen bei Verstößen.
  • Bindung an Recht: Das politische Vorgehen war an rechtliche Bestimmungen gebunden.

Unterschiede

  • in der athenischen Demokratie ausschließlich direkte Demokratie, dadurch weitgehende Deckung von Regierenden und Regierten
  • Ausschließung von Frauen und Sklaven von politischen Rechten (wobei Abschaffung der Sklaverei demokratischen Werten entspricht, nicht ihre Bebehaltung unter Einräämung von Stimmrechten)
  • Parteien als Organisation mit Programm, Berufspolitiker(innen), Interessenverbände und Massenmedien in moderner Demokratie
  • Rechtsprechung durch Laienrichter in der athenischen Demokratie, hauptsächlich durch Berufsrichter(innen) in moderner Demokratie (wobei ein gewissens Ausmaß an Mitwirkung von Laien, z. B. als Schöffen, vorkommen kann)
  • geringere Bedeutung von Gewaltenteilung und Grundrechten/Menschenrechten in der athenischen Demokratie

Gewaltenteilung ist kein wesensnotwendiger Bestandteil von Demokratie. Außerdem sind die Bedingungen direkter Demokratie zu berücksichtigen, bei der die einzelnen Gewalten stark an das Volk gebunden bleiben. Heutige demokratische Verfassungen sind stark von dem Gedanken einer Gewaltenteilung (Exekutive, Legislative und Judikative) mit wechselseitiger Kontrolle und Gleichgewichten (checks and balances) bestimmt. Allerdings sind sie nicht wirklich völlig getrennt. In der athenischen Demokratie wurden Gewalten/Herrschaftsfunktionen (Tätigkeiten des Beratens, Entscheidens, Richtens und Ausführens/Vollziehens) unterschieden. Es hat eine Verteilung von staatlichen/öffentlichen Aufgaben/Zuständigkeiten an verschiedenen Institutionen (Einrichtungen) gegeben. Gegenseitige Zusammenarbeit und Kontrolle hat stattgefunden. In der athenischen Demokratie spielte ein Gedanke der Gewaltenteilung aber keine große Rolle. Einen feststehenden Ausdruck als Begriff gab es dafür gar nicht.

In der modernen Demokratie hat es eine starke Entwicklung dahin gegeben, Grundrechte als Teil in einer schriftlichen Verfassung systematisch aufzustellen. In der antiken Demokratie gab es keine derart weitgehende systematische Zusammenstellung von Freiheitsrechten in schriftlicher Festsetzung (auch wenn z. B. Redefreiheit ein wichtiges Prinzip war), wohl auch, weil in der damaligen Gesellschaft Freiheit als individuelles Nichtbeherrschtwerden der Bürgern in großem Ausmaß vorhanden war, indem sie Selbstregierung hatten und die Herrschaft des Staates in die persönliche Existenz hinein eher gering war, Freiheit also nicht so stark gegen eine mächtige Institution zu schützen war.

https://www.gutefrage.net/frage/was-ist-die-besonderheit-der-griechischen-demokratie-

https://www.gutefrage.net/frage/attische-demokratie-war-das-die-erste-demokratie--war-das-wirklich-eine-demokratie

Wirtschaft und Gesellschaft im antiken Griechenland

Es ist schwierig, zu dem Thema über viele Jahrhunderte hindurch und zu zahlreichen Staaten etwas Allgemeines anzugeben.

Es gab in der Wirtschaft Arbeitsteilung. Landwirtschaft war der Bereich mit dem größten Umfang. Dabei wurde vielfach für die Selbstversorgung gewirtschaftet. Daneben gab es z. B. Handwerk, Handel, einige Dienstleistungen, Bergbau, Fischerei, Finanzgeschäfte.

Es gab eine meistens kleine Gruppe reicher Leute (oft Großgrundbesitzer), die vielfach Adliger Herkunft waren. Die meisten Menschen hatten ein mittleres oder geringes Einkommen (z. B. Handwerker, Bauern, Lohnarbeiter).

Die Gesellschaft war patriarchalisch. Frauen hatten eine gewisse Eigenständigkeit im Haushaltsbereich, waren aber untergeordnet und durften nur mit einem Vormund Rechtsgeschäfte durchführen.

Es gab Sklaverei.

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Es gibt kein einheitliches Verständnis des Begriffes »Geist« in der Philosophie, auch wenn grob umrissen werden kann, was mit der Bezeichnung gemeint ist (das, womit Menschen denken und Annahmen machen).

Die Auffassung, was »Geist« genau ist, hängt von allgemeinen Auffassungen über die Beschaffenheit der Wirklichkeit und die Beschaffenheit des Menschen (Anthropologie [Lehre über das Wesen des Menschen]), der Erkenntnistheorie und der Psychologie/Seelenlehre ab.

Geist wird oft als Gegensatz zu Materie bzw. Körper gedacht. Dann wird unter Geist etwas, verstanden, was immateriell ist bzw. zumindest über das rein Materielle (Stoffliche) hinausgeht. Andererseits wird von der Weltanschauung eines Materialismus bzw. Physikalismus auch Geist als materiell gedeutet.

Geist wird teils mit Seele gleichgesetzt, teils als ein Teil der Seelenvermögen (die denkende Seele) verstanden, teils von der Seele unterschieden (z. B. Geist als Bereich des rationalen Überlegens und Handeln, Seele als Bereich der Gefühle und der Intuition).

Geist ist überindividuell als in der Welt wirkendes Prinzip und Gesetzmäßigkeit gedacht worden.

Der Begriff »Geist« hat geschichtlich vielfältige Bedeutungen. Was die einzelnen philosophischen Richtungen Philosophen/Philosophinnen darunter verstehen und wie sie das Wort verwenden, ist unterschiedlich.

Möglich ist ein Versuch, hauptsächliche Bedeutungen zusammenzutragen:

  • Lebensprinzip
  • in der Wirklichkeit waltendes schöpferisches Ordnungsprinzip
  • das den Erkenntnisvermögen (wie z. B. Wahrnehmung, Vorstellung, Erinnerung, Denkkraft/Intellekt/Verstand/Vernunft) Zugrundeliegende
  • die Vernunft/der Verstand/der Intellekt, mit einer erfassenden und hervorbringenden Fähigkeit
  • Bewußtsein oder Selbstbewußtsein bzw. das ihnen Zugrundeliegende oder die Fähigkeit dazu
  • Subjekt mentaler Zustände
  • Gesinnung und Denkweise

Nachschlagewerke zu philosophischen Begriffen in Bibliotheken enthalten knappe bis ausführliche Darstellungen.

Schülerduden Philosophie : das Fachlexikon von A – Z. Herausgegeben und bearbeitet von der Redaktion Schule und Lernen. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Mannheim ; Leipzig ; Wien ; Zürich : Dudenverlag, 2009, S. 153- 154:

Geist: einer der am schwersten zu bestimmenden und umstrittensten Begriffe der Philosophie. In die Alltagssprache eingegangene Bedeutungen des Begriffs sind z. B. Geist als göttliches Prinzip (»Heiliger Geist«), als Träger des Lebens (»den Geist aufgeben«), als immaterielles Wesen (»Geisterstunde«), als schöpferische Intelligenz (»geistreich«), als Gerinnung (»Zeitgeist«).

In der metaphysischen Tradition bezeichnet »Geist« das Gegenprinzip zur Materie (bzw. ↑ Natur). Während der gesamten Metaphysikgeschichte wird das Absolute (↑ absolut/relativ) als Geist verstanden, sei es als Ordnungsprinzip des Kosmos (ANAXAGORAS) als »das sich selbst denkende Denken« (ARISTOTELES) oder als christlicher Gott. Eine fundamentale Rolle spielt der Begriff in den Systemen des deutschen Idealismus v. a. bei HEGEL (↑ absoluter/objektiver/subjektiver Geist). Als geistiges Vermögen nennt HEGEL Anschauung (Erfassung eines Gegenstandes in seiner Totalität), Vorstellung, Denken und Wollen; als wesentliche Bestimmungen des Geistes seine Idealität, d. h. seine Fähigkeit zur Aufhebung der Realität in die Innerlichkeit (Abstraktion), seine Subjektivität, d. h. seine Reflexivität bzw. sein Sich-auf-sich-beziehen-Können, sowie seine Freiheit, d. h. sein Sich-selbst-erkennen, -bestimmen und –verwirklichen-können. Was der Mensch kraft seines Geistes als Kultur hervorbringt, wird im Anschluss an HEGEL als »objektivierter Geist« bezeichnet.

Die antimetaphysisch orientierte Philosophie des 20. Jh. vermeidet - wie zuvor schon KANT in seiner Metaphysikkritik – den Begriff Geist, indem sie stattdessen von der menschlichen »Sprach- und Handlungsfähigkeit« spricht.“

z. B. = zum Beispiel

v. a. = vor allem

Jh. = Jahrhundert

Der Brockhaus Philosophie. Ideen, Denker und Begriffe. Herausgegeben von der Lexikonredaktion des Verlages F. A. Brockhaus, Mannheim. 2., erweiterte Auflage. Mannheim ; Leipzig : Brockhaus, 2009, S. 133 – 134

S. 133: „Geist, allgemein das dem Bewusstsein, Fühlen, Wollen und Denken zugrunde liegende über das Sinnliche und Materielle hinausreichende Prinzip und dessen Organisationsformen.“

Orin F. Summerell, Geist. In: Metzler Philosophie Lexikon : Begriffe und Definitionen. Herausgegeben von Peter Prechtl und Franz P. Burkard. 3., erweiterte und aktualisierte Auflage. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2008, S. 200 – 201

S. 200: Geist, gilt allgemein als immaterielles Lebensprinzip und speziell als Denkkraft; beides trifft zu, da die ihm etymologisch zugrundeliegende »Erregung« und damit das »Außersichsein« jegliche Innerlichkeit und jedweden Selbstbezug ermöglicht.“

Siegfried Blasche, Geist. In: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. 2., neubearbeitete und wesentlich ergänzte Auflage. Band 3: G – Inn. Unter ständiger Mitwirkung von Siegfried Blasche, Gottfried Gabriel, Herbert R. Ganslandt, Matthias Gatzemeier, Carl F. Gethmann, Peter Janich, Friedrich Kambartel, Kuno Lorenz, Kaus Mainzer, Peter Schroeder-Heister, Oswald Schwemmer, Christian Thiel, Reiner Wimmer in Verbindung mit Gereon Wolters herausgegeben von Jürgen Mittelstraß. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2005, S. 51 – 53

S. 51: „Geist (griech. πνεῦμα, lat. spiritus, mens, hebr. ruach, engl. mind, franz. esprit), zentraler philosophischer Ausdruck seit dem Deutschen Idealismus, den man insgesamt als eine Philosophie des G.es charakterisieren kann.“

griech. = griechisch

lat. = lateinisch

hebr. = hebräisch

engl. = englisch

franz. = französisch

G. = Geist

 „Historisch hat der G.begriff einen doppelten Ursprung:

(1) Im vorphilosophischen Gebrauch bedeutet G. den Seinsgrund des Lebendigen, er wird dabei schon in mythischer Zeit, jedenfalls in einigen Hochreligionen als ein besonderer Stoff charakterisiert (Luft, Hauch, Atem), dessen Fehlen die Aufhebung des Lebens selbst einschließt. Sowohl das biblische ›ruach‹ als auch das griechische › πνεῦμα‹ weisen in diese Richtung. Die stofflich-materielle Charakterisierung des Lebensprinzips wird auch in der philosophischen Literatur materialistischer Prägung (z. B. in der ↑Stoa), vor allem aber in der Medizin tradiert.

(2) In philosophischer Reflexion bedeutet G. eine als immateriell gedachte (↑Immaterialismus) gedachte Substanz, die in einer weiteren Bedeutung (a), und hierin liegen theologische Implikationen, ursächlich für die Gesamtordnung der Welt ist und in einer engeren Bedeutung (b) die Gesamtheit bzw. den Grund der oberen Erkenntnisleistungen des Menschen umfaßt. Die philosophische Bestimmung des G.begriffs schließt an die Logosspekulationen (↑Logos) der griechischen antiken Philosophie (↑ Nus) an.“

Ludger Oeing-Hanhoff/Gérard Verbeke/Balthasar Schrott/Helmut K. Kohlenberger/Herbert M. Nobis/Redaktion/Odo Marquard/Hans Friedrich Fulda/Klaus Rothe, Geist. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 3: G – H. Basel ; Stuttgart : Schwabe, 1974, Spalte 154 – 204

Francesco Moiso, Geist. In: Enzyklopädie Philosophie : in drei Bänden mit einer CD-ROM. Unter Mitwirkung von Dagmar Borchers, Arnim Regenbogen, Volker Schürmann und Pirmin Stekeler-Weithofer herausgegeben von Hans Jörg Sandkühler. Band 1: A – H. Hamburg : Meiner, 2010, S. 432 - 445

Michael-Thomas Liske, Geist. In: Neues Handbuch philosophischer Grundbegriffe. Begründet von Hermann Krings, Hans Michael Baumgartner und Christoph Wild. Neu herausgegeben von Petra Kolmer und Armin G. Wildfeuer in Verbindung mit Wolfram Hogrebe, Ludger Honnefelder, Christoph Horn, Wolfgang Kluxen und Wilhelm Vossenkuhl. Originalausgabe. Band 2: Gerechtigkeit – Praxis. Freiburg im Breisgau ; München : Alber, 2011, S. 890 - 904

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Das Modell zur Sozialstruktur der römischen Kaiserzeit ist anscheinend an die Darstellung einer Stände-Schichten-Struktur der römischen Gesellschaftsordnung der Prinzipatszeit angelehnt, wie sie zu finden ist bei:

Géza Alföldy, Römische Sozialgeschichte. 4., völlig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Stuttgart : Steiner, 2011, S. 197 – 217

In einer Bibliothek kann in diesem Buch eine genaue Darstellung nachgelesen werden.

Die Gesellschaft wird in einer Sozialpyramide visualisiert. In der Gesellschaft gibt es eine verhältnismäßig starke Differenzierung (Unterscheidung/feine Abstufung) sowohl vertikal (von oben nach unten) als auch horizontal (von links nach rechts/Nebeneinander von Bereichen).

Die Gesellschaft ist durch ein starkes Gefälle der gesellschaftlichen Lage gekennzeichnet. Im Großen gibt es eine Zweiteilung in Oberschichten (lateinisch: honestiores [die Ehrbareren/Angeseheneren]) und Unterschichten (lateinisch: humiliores [die Niedrigeren/Tieferstehenden]). Die Oberschicht kann vor allem durch eine Gliederung in Stände eingeteilt werden, die sehr viel zahlreichere Unterschicht vor allem durch eine Gliederung in Schichten.

Bei der gesellschaftlichen Stellung gibt es Gruppen, die nach einigen, aber nicht allen Gesichtspunkten hoch angesiedelt sind.

Für die Zugehörigkeit zur Oberschicht gibt es verschiedene Gesichtspunkte, nämlich Reichtum, Machtausübung in Ämtern/Funktionen, gesellschaftliches Ansehen und Zugehörigkeit zu einem als Körperschaft/Statusgruppe organisierten Stand (lateinisch: ordo) mit Vorrechten.

Ganz an der Spitze steht der Kaiser (lateinisch imperator als militärischer Oberbefehshaber) und mit ihm das Kaiserhaus (lateinisch: domus imperatoria [Familie und Hof des Kaisers]).

Danach kommt der Senatorenstand (lateinisch: ordo senatorius), von dem die erwachsenen Männer im Senat mitwirken können und Führungsaufgaben im römischen Reich übernehmen. Unter den Senatoren stehen die Konsulare (Männer, die das Amt eines Konsulat ausgeübt haben, im Ansehen/Rang höher als einfache Senatoren.

Darauf kommt der Ritterstand (lateinisch: ordo equester). Zu ihm gehören wohlhabende Leute. Innerhalb des Ritterstandes kann nach Grad des Reichtums unterschieden werden und danach, ob und welche Ämter in Verwaltung und Militär ausgeübt werden. Manche Angehörige des Ritterstandes kommen nach Reichtum und Einfluß Angehörigen des Senatorenstandes gleich.

Unterhalb von Senatorenstand und Ritterstand, die auf der Ebene des Reiches Eliten sind, gibt es als Stand mit Vorrechten noch den Ratsherrenstand (lateinisch: ordo decurionum) als Elite auf lokaler Ebene.

Die Unterschicht kann horizontal in städtische Unterschicht (lateinisch: plebs urbana) und ländliche Unterschicht (lateinisch: plebs rustica) unterteilt werden. Nach der Rechtsstellung kann jeweils zwischen Freien (lateinisch: ingenui), Freigelassenen (lateinisch: liberti) und Sklaven (lateinisch: servi) unterschieden werden. Innerhalb der Unterschicht gibt es Unterschiede in der finanziellen und wirtschaftlichen Lage, dem Grad der Abhängigkeit und dem Ansehen. Freilassung von Sklaven ist eine verbreitete Praxis. Die gesellschaftliche Lage von Sklaven und Freigelassenen ist nicht in jeder Hinsicht einheitlich. Viele der Sklaven befinden sich in einer tiefstehenden gesellschaftlichen Lage und von den Freigelassenen bringt es nur ein Teil zu Wohlstand. Manche unter den kaiserlichen Freigelassenen und Sklaven ragen andererseits in Bezug auf Einfluß und Reichtum in die gesellschaftliche Lage der Oberschicht hinein.

Die gesellschaftliche Lage ist stark durch Herkunft bestimmt, aber es gibt auch etwas soziale Mobilität und damit gewisse Aufstiegschancen. 

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Definition des Begriffes »Revolution«

Definition: Eine Revolution ist eine Umwälzung, bei der verhältnismäßig schnell eine tiefgreifende, grundlegende, weitgehende und umfassende Veränderung der bestehenden Verhältnisse geschieht.

Oft werden mit einer Revolution auch die Merkmale Aufruhr und gewaltsamer Umsturz verbunden. Gewalt ist aber kein unbedingt notwendiger Wesensbestandteil einer Revolution. Es kann auch eine „friedliche Revolution“ geben, z. B. beim Ende der DDR 1989/1990.

Mit Begriffes »Revolution« wird typischerweise verbunden, wenn sich Menschen durch eine eine bestehende Ordnung, die herrschenden Schichten oder ihre Regierung unterdrückt oder ungerecht behandelt fühlen und sehr unzufrieden sind, sich zu einer Volksmasse zusammenschließen und gegen die bestehende Ordnung erheben.

Auch ein verhältnismäßig schneller und tiefgreifender wissenschaftlicher, technischer und wirtschaftlicher Wandel kann als Revolution bezeichnet werden, z. B. die »Industrielle Revolution«.

Französische Revolution 1789 -1799

Es können im Sommer 1789 drei Revolutionen bzw. drei Teile oder Ebenen der Revolution unterschieden werden, bei denen es allerdings untereinander Zusammenhänge und Einwirkungen gab.

1) Verfassungsrevolution/Revolution der Abgeordneten: Es gab eine Revolution mit der Nationalversammlung (französisch: Assemblée nationale; am 17. Juni 1789 erklärten die Abgeordneten des Dritten Standes sich zur Nationalversammlung) als politischer Kraft, die dabei eine politisch-rechtliche/„juristische Revolution“ eines konstitutionellen Staatsstreiches vollführte. Die bisherige Art der politischen Vertretung und Mitbestimmung wurde für nicht ausreichend und ungerecht gehalten und das alte System nicht hingenommen. Die Nationalversammlung hat ein Verfassungswerk begonnen. Diese von einem Parlament betriebene Revolution wurde besonders stark von bürgerlichen Eliten getragen. Eine Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (französisch: Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen) wurde von der Nationalversammlung am 26. August 1789 verkündet. Sie wurde zu einem Teil der am 3. September 1791 beschlossenen Verfassung.

2) städtische Revolution/Revolution der Bürger in den Städten: Es gab eine städtische Volksrevolution/munizipale Revolution der Stadtbürger (der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 gehört dazu). Die Bürger übernahmen die Verwaltung. Die neuen Inhaber der Führungspositionen in den Städten zogen Polizei, Justiz und Lebensmittelversorgung an sich, schufen Nationalgarden, nahmen Waffen aus den königlichen Depots.

3) ländliche Revolution/Revolution der Bauern: Es gab eine Revolution der Bauern/einfachen Landbevölkerung, gegen den Feudalismus mit Abgaben und Dienstleistungen an die Grundherren (als Gruppe mit Vorrechten) gerichtet, wobei im Juli/August 1789 auch das Phänomen einer „Großen Furcht“ (französisch: Grande Peur) auftrat, ein urtümlicher Ausbruch kollektiver Ängste (waren umherziehende Banden [französisch: brigands] und Bettlerzüge, die zur Erntezeit durch die Felder zogen, nicht Agenten der Grundherren, die Zerstörung beabsichtigten?) mit Gewaltreaktionen in ländlichen Gegenden. Die Landbevölkerung wendete sich gegen die Feudalordnung mit ihren Abgabenpflichten, Frondiensten, persönlichen Abhängigkeiten und Vorrechten für Grundherren. Die Bauern wurden durch die Hoffnung auf bessere Zeiten und die Furcht vor einer Rache des Adels angetrieben. Viele Bauern hielten sich wegen billiger großer Brotkäufe in Städten auf und sahen die Bildung von Bürgerwehren. Sie fragten sich, warum es nicht endlich zur Abschaffung der Feudallasten kam, sondern sich die Nationalversammlung vorherrschend mit der Verfassung beschäftigte. Die Bauern deuteten als Grund, der Adel sei dagegen und sinne auf Rache. Es entstand das Gerücht von einem aristokratischen Komplott. Es kam zu Plünderungen, Forderungen und vor allem Zerstörung der Feudalarchive mit dem Ziel der Vernichtung von Urkunden. Die Bauern stürmten im Sommer 1789 (nach dem 14. Juli) Schlösser und Klöster und verbrannten die feudalen Besitztitel (mit Verzeichnissen von Pachtzinsen, Naturalabgaben, Arbeitsdiensten und Ähnlichem), um Unterdrückung und Belastungen loszuwerden.

Die Beweggründe und Zielvorstellungen der Teilrevolutionen deckten sich nicht vollständig, aber sie richteten sich gegen die bestehende Ordnung und standen in einem engen Zusammenhang. Eine Revolution bzw. ein Teil der Revolution konnte eine andere/einen anderen Teil unterstützen (das Volk von Paris ist z. B. bei mehreren Ereignissen stark hervorgetreten, die auch Auswirkungen auf die Stellung der Nationalversammlung hatten) oder neue Probleme stellen. Ihr Ausbruch und ihre Folgen hatten Beziehungen zueinander. Die Ereignisse standen in enger Verbindung und im politischen Raum wurde zur Kenntnis genommen, was sich anderswo abspielte, und darauf reagiert. So hat die Nationalversammlung nach Aufständen von Bauern gegen Adel und Klerus Beschlüsse zur Abschaffung der Feudalordnung getroffen. Daher gibt es gute Gründe, das Gesamtgeschehen als eine große Revolution zu verstehen.

Informationen gibt es zum einen auf Internetseiten, zum anderen in Büchern in Bibliotheken. z. B.:

https://www.historicum.net/themen/franzoesische-revolution/einfuehrung/verlauf/artikel/ii-beginn-der/

http://geschichtsverein-koengen.de/FranzRevolution.htm

Wolfgang Kruse, Die Französische Revolution. Paderborn , München : Wien ; Zürich : Schöningh, 2005 (UTB : Uni-Taschenbücher : Geschichte ; 2639). ISBN 3-8252-2639-5 (UTB). 3-506-71316-7 (Schöningh)

Axel Kuhn, Die Französische Revolution. 6. Auflage. Stuttgart : Reclam, 2013 (Reclams Universal-Bibliothek ; Nr. 18912 : Reclam-Sachbuch). ISBN 978-3-15-018912-2

Susanne Lachenicht, Die Französische Revolution. 2., aktualisierte Auflage. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2016 (Geschichte kompakt : 19./20. Jahrhundert. WBG - Wissen verbindet). ISBN 978-3-534-26807-8

Ernst Schulin, Die Französische Revolution. 5. Auflage. München : Beck, 2013 (Beck's historische Bibliothek). ISBN 978-3-406-65877-8

Hans-Ulrich Thamer, Die Französische Revolution. Originalausgabe. 4., durchgesehene Auflage. München : Beck, 2013 (Beck'sche Reihe : C.-H.-Beck-Wissen ; 2347). ISBN 978-3-406-50847-9

Johannes Willms, Tugend und Terror : Geschichte der Französischen Revolution. München : Beck, 2014. ISBN 978-3-406-66936-1

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Velleius Paterculus und Tacitus bewerten in ihrer Darstellung Arminius nicht ausschließlich positiv, sondern auch negativ. Sie schildern von ihm sowohl gute als auch schlechte Eigenschaften bzw. Handlungen. Manche Eigenschaften der Beschreibung sind auch ambivalent (zweideutig).

Daher sind die positiven Aussagen der römischen Geschichtsschreiber über einen Gegner Roms weniger erstaunlich, als dies für einen Anschein ist, der im Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Aussagen steckt.

Velleius Paterculus

Es gibt keine Anzeichen, Velleius Paterculus habe seine Aussagen über Arminius nicht wirklich ernst gemeint.

Velleius Paterculus betont, der Statthalter Publius Quinctilius Varus habe versagt, indem er ein unfähiger militärischer Anführer gewesen sei, geistig unbeweglich, in falscher Einschätzung der Lage sich in Germanien wie in sicherem Frieden verhaltend, leichtsinnig Arminius vertrauend. 

Velleius Paterculus beschreibt Arminius als einen jungen Mann vornehmer Herkunft, kräftig und tapfer, von schneller Auffassungsgabe, mit einer über das Maß von Barbaren hinausgehenden geistigen Begabung, in Miene und Augen Glut/Eifer/Leidenschaft (lateinisch: ardor) zeigend, im römischen Militärdienst tätig und mit römischem Bürgerrecht und sogar dem Status des römischen Ritterstandes ausgezeichnet, die unachtsame Trägheit des römischen Anführers als Gelegenheit zu einem Verbrechen nutzend und dabei klug vorgehend (2, 118, 2). Nachdem er eine größere Anzahl für seine Pläne gewinnen konnte, legte er die Zeit für einen Hinterhalt fest (2, 118, 3).

Velleius Paterculus berichtet von großen Fähigkeiten, die Arminus hat, verurteilt aber unter rechtlichem und moralischem Gesichtspunkten sein Handeln gegen die Römer, das zur Vernichtung dreier römischer Legionen führt, als Verbrechen (lateinisch: scelus). Arminius erscheint insofern gegenüber den Römern als ein undankbarer Verräter.

Tacitus

Tacitus beurteilt das Vorgehen des Arminius gegen die Römer als Treulosigkeit (lateinisch: perfidia), im Gegensatz zur Treue (lateinisch: fides) des romfreundlichen Cheruskers Segestes (Annales 1, 55, 1). Er nennt ihn einen Aufwiegler (lateinisch: turbator) Germaniens (Annales 1, 55, 2).

Nach Auffassung von Tacitus, Annales 1, 57, 1 hat Arminius Wagemut/Kühnheit (lateinisch: audacia). Er schreibt ihm angeborene Heftigkeit/Leidenschaftlichkeit/ungestüme Wildheit (lateinisch: violentia) zu (Annales 1, 59, 1).

In der Wiedergabe von Mitteilungen überlebender römischer Legionäre wird von Galgen und Martergruben erzählt, die Arminius Gefangenen der Varuslegionen herrichten ließ, und von Übermut (lateinisch: superbia), wie er mit römischen Feldzeichen und Adlern Spott getrieben habe (Annales 1, 61, 4).

Tacitus schildert eine gehässige Äußerung des Markomannenkönigs Marbod während eines Krieges mit Arminius, der wahnsinnige und der Kriegsführung unkundige Arminius maße sich fremden Ruhm an, weil er drei umherschweifende Legionen und den keinen Betrug erkennenden Anführer durch Treulosigkeit (lateinisch: perfidia) getäuscht habe, was großes Unglück für Germanien und eigene Schmach gebracht habe, da seine Ehefrau und sein Sohn noch jetzt Knechtschaft erduldeten (Annales 2, 46, 1).

Tacitus schreibt Arminus nach der Vertreibung Marbods ein Streben nach Königsherrschaft (lateinisch: regnum) zu, wobei er die Freiheitsliebe seiner Landsleute gegen sich gehabt habe, nach wechselhaften Kämpfen sei er durch heimtückische Hinterlist von Verwandten umgekommen. Arminius sei unzweifelhaft Befreier (lateinisch: liberator) Germaniens gewesen und habe das römische Volk zur Zeit seiner größten Macht herausgefordert, in den Kämpfen mit schwankendem Ausgang, im Krieg unbesiegt (Annales 2, 88, 2). Arminius sei 12 Jahre an der Macht gewesen und werde noch bis jetzt bei Barbarenvölkern besungen (Annales 2, 88, 3).

Tacitus würdigt also Arminius stark für eine außerordentlich große Leistung, beurteilt aber sein Verhalten gegenüber den Römern als Treulosigkeit. Tacitus ist zu Respekt vor einem römischen Gegner fähig und kann die Wirkung seiner Kriegführung gegen die Römer als Befreiung einordnen, indem die römische Herrschaft über einen bestimmten Teil Germaniens nicht aufrechterhalten wird. 

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Habe ich die Tugendethik Aristoteles richtig verstanden?

Also, da mein Lehrer und mein Buch mit Begriffen nur um sich wirft und mir kein verständliches System vorstellt, habe ich mir aus diversen weiteren Quellen die Aristoteles Tugendethik zusammengereimt. Ich würde um eine Kontrolle und evtl. eine Ergänzung bitten.

Aristoteles begründet ein teleologisches Weltbild, welches besagt, dass alle Lebewesen(emtelechie?) nach einem Ziel (telos) streben.Beim Menschen ist es die Glückseligkeit (eudaimonia).

Dieses erreicht er durch tugendhaftes Handeln(arete). Tugendhaft wird eine Handlung durch das Einsetzen von dianoethischen und ethischen Tugenden .

Phronesis macht es möglich, dass wir eine tugendhafte Handlung erkennen und sie im Logos abgespeichert wird. Um von Phronesis Gebrauch zu machen ist es von Nützen sich als zoon politicon im öffentlichen Geschehen zu engagieren.

Von diesem Wissen bereichert sich die Vernunftseele, die die Entscheidung steuert.

Handlungen angetrieben von der Vernunftseele nennt man praktische Tugend. Praktische Tugenden werden im Laufe der Zeit zu Gewohnheiten.

Da aus dem Logos Arete herausgeht, wachsen beim Erweitern des Wissens auch sämtliche andere zu Eudaimonia hinführende Aspekte.

Eine Tugend ist die Mitte zweier extremen Neigungen des Menschen (mesotes Lehre) Diese erreicht man durch Eigeninitiative.

So weit so gut.

Jetzt weiß ich aber auch nicht wo ich den Begriff Theoria einordnen soll und wie das Seelenmodell genau mit seiner Tugendethik zusammenspielt.

Wäre nett, wenn mir jemand helfen könnte.

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In der Fragebeschreibung ist viel richtig zusammengetragen. Ich versuche Verbesserungen bzw. genauere Darstellungen und einige Ergänzungen zu geben.

Zum teleologischen Weltbild (Teleologie) bei Aristoteles gehört, allgemein für jedes Ding (nicht nur für Lebewesen) einen ihm innewohnenden Zweck anzunehmen.

Entelechie (griechisch: ἐντελέχεια [entelecheia]) ist die Verwirklichung einer in einem Seiendem angelegten Möglichkeit, wobei diese Entwicklung mit einer Zweckbestimmtheit verbunden ist.

Angestrebtes Ziel (griechisch: τέλος [telos]) und höchstes Gut der Menschen im Bereich der Handlungen ist das Glück/die Glückseligkeit (griechisch: εὐδαιμονία [eudaimonia]), gleichgesetzt mit einem guten Leben und Wohlergehen.

Glück(seligkeit) wird durch Tätigkeit/Verwirklichung erreicht und daran ist die Seele beteiligt.

Als das einem Menschen eigentümliche Werk (das, wozu er speziell bestimmt ist, seine besondere Leistung, die er vollbringen kann) versteht Aristoteles (Nikomachische Ethik 1, 6, 1098 a) die mit Vernunft verbundene Tätigkeit der Seele und ein entsprechendes Handeln. Das menschliche Gut (griechisch: τὸ ἀνθϱώπινον ἀγαθὸν [to anthropinon agathon]) ist nach ihm der Vortrefflichkeit/Tugend/Tüchtigkeit gemäße Tätigkeit der Seele bzw. (wenn es mehrere Vortrefflichkeiten/Tugenden/Tüchtigkeiten gibt) der besten und vollkommensten Vortrefflichkeit/Tugend/Tüchtigkeit entsprechende Tätigkeit.

Vortrefflichkeit/Tugend/Tüchtigkeit: griechisch ἀϱετή (arete); bedeutet der Wortherkunft nach (ἄϱιστος [aristos] = „bester“ ist als Superlativ eine Steigerung von ἀγαϑός [agathos] = „gut“) etwas wie „Bestheit“ bzw. ein hervorragendes Gutsein)

Aristoteles versteht Charaktertugend/Vortrefflichkeit des Charakters allgemein und die einzelnen Tugenden/Vortrefflichkeiten des Charakters (griechisch: ἀϱεταὶ ἠθικαί [aretai ethikai]; daher die Wiedergabe „ethische Tugenden) als (richtige) Mitte, die zwischen einem Zuviel (ὑπεϱβολή [hyperbole]; Übertreibung/Übermaß) und einem Zuwenig (έλλειψις [elleipsis]; Zurückbleiben/Mangel) liegt (Mesotes-Lehre). Sie sind feste innere Haltungen/Einstellungen, aus denen heraus Menschen gut handeln (modern ausgedrückt könnten sie als Verhaltensdispositionen bezeichnet werden). Sie haben einen Bezug zu Leidenschaften, die mit Lust und Schmerz verbunden sind.

Definition und wesentliche Merkmale der Charaktertugend/Vortrefflichkeit des Charakters als Mitte (Aristoteles, Nikomachische Ethik 2, 6, 1106 b 36 – 1107 a 8):

„Die Tugend/Vortrefflichkeit (ἀϱετή [arete) ist also eine wählende/vorsätzliche Haltung/Einstellung (ἕξις [hexis]; lateinisch: habitus), die in der auf uns bezogenen Mitte liegt, die durch vernünftige Überlegung bestimmt ist, und zwar durch die, mittels derer der Kluge die Mitte bestimmen würde. Sie ist aber Mitte von zwei Schlechtigkeiten, einer des Übermaßes und einer des Mangels. Und ferner ist sie insofern Mitte, als die Schlechtigkeiten teils hinter dem, was in den Leidenschaften und Handlungen sein soll, zurückbleiben, teils darüber hinausschießen, die Tugend/Vortrefflichkeit aber das Mittlere sowohl findet als auch wählt. Daher ist die Tugend/Vortrefflichkeit nach ihrem Sein/ihrer Wesenheit/ihrer Substanz (οὐσία [ousia]) und ihrem Begriff, der angibt, was sie ist, Mitte, hinsichtlich des Besten und des Guten aber Äußerstes/Höchstes.“

Die Mitte ist also nicht mit Durchschnittlichkeit und Mittelmäßigkeit zu verwechseln, worauf volkstümliche Vorstellungen über einen goldenen Mittelweg (lateinisch: aurea mediocritas) leicht hinauslaufen.

Die Mitte bei Aristoteles ist auch nicht etwas, das für alle und immer stets quantitativ genau das Gleiche ist. Die gemeinte Mitte hat nicht einen mathematisch genau gleichen Abstand von Extremen. Sie kann je nach einer bestimmten Situation und der handelnden Person (z. B. sind Körperkraft und finanzielle Verhältnisse individuell unterschiedlich) unterschiedlich liegen und auch mal deutlich zu einer Seite hin.

Das entscheidende Wesensmerkmal der Mitte ist, das Angemessene und nach der praktischen Vernunft/Klugheit (griechisch: φϱόνησις [phronesis]), die ein Wissen über allgemeine Prinzipien mit umsichtiger und geschickter Anwendung im Einzelfall verbindet, Richtige zu sein.

Bei Vortrefflichkeiten/Tugenden des Verstandes/dianoetischen Tugenden (griechisch: ἀϱεταὶ διανοηϑικαί [aretai dianoetikai]) wie z. B. Klugheit und Weisheit gibt es dagegen nicht ein Zuviel.

Aristoteles unterscheidet drei Lebensformen/Lebensweisen, in denen Glück gesucht wird. Nach dem Rang sind dies:

1) βίος θεωρητικός [bios theoretikos ]: Denken/Leben der theoretischen Betrachtung (griechisch: θεωρία [theoria]; Forschung und Philosophie)

2) βίος πρακτικός [bios praktikos]: politisch-praktisches Leben (vor allem Handeln in einer Gemeinschaft; nach Aristoteles, Politik 1, 2, 1253 a 2 -3 ist der Mensch ein von Natur aus/seinem Wesen nach politisches/ein auf eine politische Gemeinschaft ausgerichtetes/bezogenes Lebewesen [φύσει πολιτικὸν ζῷον (physei politikon zoon]).

3) βίος ἀπολαυστικός [bios apolaustikos]: Leben der sinnlichen Lust und des Vergnügens

Die Lebensformen können miteinander verbunden werden, aber die theoretische Lebensform (also selber denken, geistige Tätigkeit) hat den höchsten Rang.

Das Glück der theoretischen Lebensform (Leben im Geistigen) ist das vollendete Glück. Die Tätigkeit der theoretischen Lebensform ist am dauerhaftesten, weil sie am leichtesten anhaltend ausgeübt werden kann. Die Genüsse der theoretischen Lebensform sind von wunderbarer Reinheit und Beständigkeit. Bei theoretischem Betrachten/Denken ist die Autarkie am größten. Es bedarf am wenigsten äußerer Güter. Der Weise ist am meisten sich selbst genug, auch wenn die Mitarbeit anderer das Denken noch verbessern kann. Das theoretische Betrachten/Denken wird um seiner selbst willen geliebt. Die Vernunft (griechisch: νοῦς [nous]) ist das, was bei Menschen am meisten etwas Göttliches ist, das Leitende, Vornehmste und Beste. Das theoretische Betrachten/Denken ist die göttliche Lebensform. Menschen sind aus Leib und Seele (mit Vermögen der Vernunft ausgestattet) zusammengesetzte Wesen, nicht ganz göttlich, aber sie sollen sich bemühen, möglichst stark dem Göttlichen in ihnen als dem wahren Selbst nachzuleben.

Die politisch-praktische Lebensform wird als gut beurteilt. Klugheit/praktische Vernunft kann eingesetzt werden. Die Autarkie (Selbstgenügsamkeit) ist geringer, weil mehr Abhängigkeit von äußeren Umständen besteht (z. B. Mitwirkung von Freunden und Mitbürgern).

Ein bloß auf sinnliche Lust beschränktes Leben hat nach Auffassung des Philosophen Aristoteles den geringsten Rang, weil kein Streben nach Vollkommenheit geschieht, Menschen sich knechtisch und ohne Einsicht und Besonnenheit verhalten und nicht über Tiere herausragen.

Aristoteles ist der Auffassung, ein so großes Gut wie das Glück könne nur durch eine Tätigkeit/ein Tätigsein erreicht werden, indem Fähigkeiten und angelegte Möglichkeiten entfaltet werden. Die Entfaltung ist etwas, das Freude bereitet und zu einem guten, erfüllten Leben beiträgt.

Lust (griechisch: ἡδονή [hedone]) ist ein Glücksbestandteil. Die Lust ist aber nach Aristoteles nicht das höchste Gut. Nicht jede Form der Lust ist an sich wählenswert. Das Lustvolle ist ein anscheinendes Gut, das ein wirkliches Gut oder nur ein täuschendes Scheingut sein kann.

zum Konzept der Seele bei Aristoteles

Aristoteles bestimmt in einer allgemeinen Darlegung, was die Seele ist, die Seele als Lebensprinzip und Formursache eines Lebewesens.

Die Seele versteht Aristoteles als die erste Entelechie eines natürlichen, der Möglichkeit nach Leben habenden, mit Organen versehenen Körpers.

Aristoteles nimmt in seiner Seelenlehre (Psychologie) eine Stufung von Seelenkräften an (wobei ein Lebewesen mit höheren auch die niedrigeren hat):

a) nährende/nährfähige (vegetative) Seele (griechisch: θρεπτικὴ ψυχή), zuständig für Ernährung/Stoffwechsel, Wachstum, Fortpflanzung (sie haben alle Lebewesen, einschließlich der Pflanzen)

b) wahrnehmende (sensorische/sensitive) Seele (griechisch. αἰσθητικὴ ψυχή), zuständig für Sinneswahrnehmung, verbunden mit Empfinden (sie haben Tiere)

c) denkende (rationale) Seele (griechisch. νοητικὴ ψυχή), zuständig für das Denken (sie haben Menschen)

Beim Menschen kann das Streben vernunftgelenkt oder nicht vernunftgelenkt sein. Wo die Wahrnehmung entscheidet, lebt der Mensch nach Leidenschaft und strebt nach dem scheinbar Guten, der Begierde unterworfen. Wenn der Mensch der Vernunft folgt, strebt er nach dem schlichten und zugleich wahrhaft Guten. Andere Antriebskräfte werden nicht beseitigt, wohl aber gelenkt.

Im Seelenmodell liegt eine Grundlage für den Rang der Lebensformen und für die Rolle von Vernunft/Klugkeit für die Vortrefflichkeit/Tugend/Tüchtigkeit, die zur Glückseligkeit führt.

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