Waren die Beatles erfolgreich weil sie genial waren oder weil es so wenig Konkurrenz gab (Popmusik wurde neu erfunden)?

9 Antworten

Beides.

Ihre Musik entwickelte sich in einem atemberaubenden Tempo, nahm den Schwung der Rock'n'Roll-Ära mit und schuf mit dem Beat etwas völlig Neues.

Sie blieben aber nicht musikalisch stehen, sondern erfanden sich und ihre Musik ständig neu, inszenierten sich selbst auch als ganzheitliches Produkt der Musikära.

Anders als z.B. die Filmlangweiler mit Elvis hatten auch ihre Musikfilme etwas erfrischend Neues, weil sie sich selber und das gesamte Musikbusiness auf die Schippe nahmen.

Die Beatles hatten auch keine Angst davor, ihre eigenen Erfolgsgeschichten abzuschneiden und eine völlig neue Art von Musik zu wagen, raus aus der Konzerthalle und rein ins Studio, wo sie plötzlich ganz andere Musik entwickelten. Ihr "Sergeant-Pepper"-Album gilt heute noch als Meilenstein der Musikgeschichte und ich kann es immer wieder neu anhören, um wieder etwas neues daran zu entdecken.

Viel ihrer musikailschen Dynamik entwickelte sich aus der permanenten Reibung zwischen dem musikalisch genialen Sonnyboy Paul McCartney und dem intellektuell sehr anspruchsvollen und nie zufriedenzustellenden John Lennon. Dass sie mit George Harrison auch noch einen eigenwilligen und experimentierfreudigen Gitarristen und mit Ringo Starr einen weithin unterschätzten Drummer im Team hatten, würzte diese Mixtur noch weiter an.

Schließlich wurden halt die Zentrifugalkräfte dieser Combo zu groß um einen gemeinsamen Weg weiterzugehen, vor allem als mit dem Tod von Brian Epstein ihre emotionale Klammer wegfiel und der geniale Musiker und Produzent George Martin entnervt das Handtuch warf.

In einem knappen Jahrzehnt haben sie jedenfalls die Musikwelt so bereichert, dass sie auf weitere Jahrzehnte präsent geblieben sind.

Ihre Musik wird man auch in 50 Jahren noch hören.

Ich vergleiche das gern mit den Herren Mozart und Salieri, Zeitgenossen und handwerklich wie auch kreativ sehr begabte Musiker. Letzerer ist, von eingefleischten Klassikfans und -experten abgesehen, weitgehend in Vergessenheit geraten, während der andere - auch aufgrund seiner exaltierten Persönlichkeit - Werke geschaffen hat. die einfach unvergesslich sind.

Konkurrenz hatten die Beatles in großer Zahl:

Rolling Stones, Kinks, Animals, Searchers, Gerry & Pacemakers, Hollies, Troggs und VIELE mehr.

Allein in der Heimatsstadt der Beatles (Liverpool) waren um die 15-20 Bands aus dem Bereich "Merseybeat" einige Zeit sehr erfolgreich.

Aber die Beatles waren besser als die meisten anderen (weil sie ziemlich früh anfingen, eigene Songs, auch für andere Bands) zu schreiben und weil sie mit George Martin einen hochmusikalischen Berater und Arrangeur und auch einen guten Manager hatten.

Eine gewisse Rolle spielte sicher auch das Aussehen des Mädchenschwarms Paul McCartney.

Es war gewiss nicht alles "genial", was die Beatles machten, aber für eine große Anzahl von Songs kann man das - im Bereich der Popmusik - schon behaupten.

Als Instrumentalisten waren die Beatles dagegen nur guter Durchschnitt.


Ich würde es mal so ausdrücken wollen: Sie haben ihre eigene Konkurrenz selber erschaffen. Die Musik, die sie machten, war die Initialzündung von etwas, was es bis dato einfach noch nicht gab. Jeder ihrer Songs wies dermaßen schöne Melodien und durchgefeilte Arrangements auf, dass er so gut wie jeden verzauberte. Der mehrstimmige Gesang tat sein Übriges. Mit John Lennon und Paul McCartney hatten sie 2 der begnadetsten Komponisten aller Zeiten in ihren Reihen.

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