Psychologe tröstet nicht?

16 Antworten

Es gibt unterschiedliche Ansätze wenn ein Gegenüber weint.

Ein Psychologe wird wohl schon an der Art des Weinens, durch Erfahrung, erkennen können welches Verhalten ihrerseits sinnvoller ist und welches nicht.

Zusätzlich muss ein Psychologe ja auch eine gewisse Distanz aus Respekt der persönlichen Grenzen eines Patienten wahren. Nicht jeder Patient will angetatscht werden, getätschelt werden, umarmt werden.

Und der Psychologe will natürlich auch die eigenen Grenzen wahren.

Und nicht jeder Patient kommt auf ein "wird schon alles wieder besser, nana, schhhschhh nicht weinen" klar.

"wird schon alles wieder besser, nana, schhhschhh nicht weinen" klar." Das ist auch kein Trost, sondern eine billige Abfuhr.

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@Dahika

Dem stimme ich zu, es ist ein "aufgesetzter Trost", eher fake als ernst gemeint. Zumindest fühlt man sich dadurch ziemlich vergackeiert.

Ich meine allerdings, es ist doch so das der Psychologe eine gewisse Distanz wahren muss. Für sich selbst und für den Patienten. Manchmal reicht es auch einfach aus wenn man den Gegenüber sich ausweinen lässt, nicht jeder "möchte" getröstet werden - womit wir wieder bei der optimalen Art des Trost spendens wären.... was ist individuell optimal?

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Ein Psychologe ist nicht da um dein Freund zu sein oder dein Gesprächspartner der sich mit dir unterhaltet. Ein Psychologe hat natürlich Empathie aber er muss auch eine Distanz beibehalten die enorm wichtig ist für eine sinnvolle Therapie und ein sinnvolles Therapiegespräch, also ist diese Distanz auch wichtig für dich. Bei sehr vielen psychologischen Krankheitsbildern spielt der Umgang des Psychologen eine entscheidende Rolle und wenn er diese Distanz nicht einhält dann löst das zB. beim Patienten falsche Dinge aus die eine Therapie verhindern.

Die Gedanken die du dir über deinen Psychologen machst hinterlassen bei mir den Eindruck als ob du selber zu wenig Distanz zu ihm nimmst, Ich empfehle dir mit deinem Psychologen darüber direkt zu reden weil das bestimmt auch für die Therapie relevant ist.

Ja schon denke ich. Wenn du jetzt nicht krass geweint hast dann ist es ja normal das man einfach ein bisschen wartet bis du dich wieder gefangen hast. Mach ich bei meinen Freunden auch. Außerdem ist es immer noch deine Psychologin, da ist ja ne gewisse Distanz zwischen euch.

was du von einem Therapeuten in dieser Situation hättest erwarten können, wäre das Reichen eines Taschentuches gewesen und eine Bemerkung wie "das berührt Sie/dich jetzt sehr" oder "das macht Sie/dich jetzt gerade sehr traurig, nicht wahr?"

maximal noch dazu ein mitfühlender Gesichtsausdruck, aber mehr an Trost und Anteilnahme wäre in dieser Situation unangemessen gewesen

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – hab Psychologie studiert

Dass die Psychologin - deiner Schilderung zufolge - nach der Pause einfach weitergemacht hat, ohne sich auf das Weinen zu beziehen, wundert mich schon etwas. Eine Bemerkung wie: "Ja, das scheint dir weh zu tun, wenn du jetzt ..." wäre durchaus vorstellbar gewesen.
"Trösten" wiederum kann einen in Gang gekommenen Prozess allerdings auch (kontraproduktiv) zum Versiegen bringen oder jemandem vermitteln, dass man ihm nicht genug Kraft zutraut, seine Gefühle auszuhalten.
Es kommt also (neben den Eigenarten der beteiligten Personen) sehr auf die Situation drauf an.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

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