Platon Höhlengleichnis?

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Die wahre Erkenntnis ist nach Platons Auffassung die Erkenntnis der Sachen selbst, wie sie ihrem Wesen nach sind. Eine Sache ist ein bestimmtes Etwas und Erkenntnis der Sache bedeutet, alle Bestimmtheiten (bestimmte Eigenschaften, die notwendig zu der Sache gehören und sie ausmachen) der Sache richtig zu erfassen.

Der Austritt aus der Höhle bedeutet Befreiung aus einem Verhaftetsein/einer Fesselung an den Anschein der Sinneswahrnehmung und Umwendung der Seele. Die wahre Erkenntnis ergibt sich aus einem Aufstieg in die Oberwelt, das heißt in den Bereich der durch Denken/Vernunft einsehbaren Dinge, und aus der Hinwendung zum Licht der Sonne, das heißt zu einem geistig erhellenden obersten Prinzip, das Seinsgrund und Erkenntnisgrund ist. Die Oberwelt ist der Bereich der Ideen. Platon nennt ein bestimmtes Etwas, das eine Sache selbst ihrem Wesen nach ist, Idee (griechisch: ἰδέα bzw. εἶδος). Das oberste Prinzip nennt er Idee des Guten.

Falsche Erkenntnis kann es strenggenommen nicht geben, weil etwas, das falsch ist, keine gültige Erkenntnis ist. Es handelt sich demnach gar nicht um Erkenntnis, sondern um Irrtum.

Die Abbilder von Gegenständen in der Höhle sind nicht falsche Abbilder, sondern die Gegenstände sind durch sie mehr oder weniger mangelhaft dargestellt. Es gibt Unvollständigkeiten und Beschränkheiten. Ein Fehler besteht darin, sie für die Gegenstände, wie sie tatsächlich sind, zu halten. In der Höhle (bei Verhaftetsein/Fesselung an den Anschein der Sinneswahrnehmung) herrscht ein Mangel an Erkenntnis.

Einzeldinge sind teils Idee, teils Nicht-Idee (etwas, das nicht dem Wesen nach notwendig zu dem bestimmten Etwas, welches die Idee ist, gehört). Falsch ist, nicht zwischen Idee und Nicht-Idee zu unterscheiden und beispielsweise die Sache Tisch für etwas zu halten, das aus Holz und viereckig ist (weil jemand nur solche Tische gesehen hat), obwohl auch ein anderes Material (z. B. Metall) oder eine andere Form (z. B. rund) möglich ist. Besser wäre, Tisch von der Funktion her zu verstehen, als eine Sache, an die man sich setzen kann und auf die man etwas daraufstellen kann. Falsch ist, als Gerechtigkeit zu verstehen, seine Schuldigkeit zu erfüllen und daher Freunden zu nutzen und Feinden zu schaden. Dies kann zwar eine in der Gesellschaft verbreitete Verhaltensweise sein, aber etwas Gutes kann nicht seinem Wesen nach in einer Schädigung bestehen, sondern gerecht kann nur ein Grundsatz sein, der in Bezug auf alle gut ist.

Entsprechungen im Höhlengleichnis

a) die Höhle: Sie steht für das gewöhnliche Dasein der Menschen. Sie ist der Bereich der Sinneswahrnehmungen und der Beschränkung auf den Anschein bei einer Erfahrung. Das Umschließen symbolisiert die Begrenztheit, die Dunkelheit die mangelnde Klarheit und das fehlende Wissen.

b) die Gefangenen: Sie sind Menschen, die an den Anschein in einer Sinneswahrnehmung gefesselt sind. Ihre Lage ist ähnlich wie die der normalen Menschen („sie gleichen uns“). Sie sind einem einzigen Blickwinkel verhaftet (wegen der Fesselung an Hals und Schenkeln können sie weder Kopf noch Rumpf drehen). Sie meinen aber, etwas zu wissen.

c) die Schatten: Die Schatten von Figuren in der Höhle stehen für Abbilder von sichtbaren Gegenständen (Spiegelungen, Schattenbilder). In Bezug auf Ethik gehören dazu falsche Meinungen, z. B. über die Gerechtigkeit. Die Schatten in der Welt draußen stehen wohl für mathematische Gegenstände und Formen.

d) die Gegenstände in der Höhle: Sie stehen für Ideen, deren Abbilder sie sind (wobei künstlich hergestellte Gegenstände Nachahmungen von Lebewesen oder anderen natürlichen Gegenständen sein können).

e) das Feuer: Es steht für die Sonne, die mit ihrem Licht das Sehen ermöglicht.

e) die Mauer: Sie steht für etwas, das verbirgt und an Erkenntnis hindert. Zwischen dem Feuer in der Höhle und den Gefangene befindet sich entlang eines quer verlaufenden Weges eine kleine Mauer. Diese Mauer ist ähnlich wie vor den Menschen (den Zuschauern/dem Publikum) aufgestellte Brüstungen/Schranken/Sichtblenden der Gaukler/Taschenspieler/Puppenspieler, die darüber Wunderdinge/Kunststücke zeigen. Innerhalb der Szenerie der Höhle werden die Leute, die Geräte und Kunstwerke (künstlich hergestellte Gegenstände/Artefakte) tragen, die über die Mauer hinausragen, benötigt, damit Schattenbilder von diesen Gegenständen entstehen. Die Mauer verhindert ein Hereinkommen des Sonnenlichtes von oben in die Höhle hinein und verbirgt offenbar die Träger von Gegenständen vor den Gefangenen. Sie steht für das, was von klarer Erkenntnis trennt und am Erfassen von Zusammenhängen hindert.

f) die Welt außerhalb der Höhle: Sie ist der Bereich der Ideen, des Denkbaren und mit der Vernunft Einsehbaren. Dort ist Erkenntnis möglich und Menschen können die Wahrheit entdecken.

g) die Sonne: Sie steht für die Idee des Guten.

Angenommen, eine Person empfindet eine Blume als schön.

Wäre diese Empfindung bloß eine Meinung/Glauben oder würde dies tatsächlich der Idee der Schönheit entsprechen? Was ist das Wesen der Schönheit z.B?

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@asnfiebdj

Etwas (z B. eine Blume) als schön zu empfinden, ist die subjektive Seite. Platon kennt sie und bestreitet sie nicht, aber vertritt eine Ästhetik, nach der das Schöne/die Idee des Schönen objektiv ist: Das Schöne gefällt, aber das Wesen des Schönen besteht nicht darin, zu gefallen, sondern ist eine Beschaffenheit der Sache.

Die Empfindung von Wohlgefallen ist ein Gefühl. Eine Meinung, etwas sei schön, enthält eine Beurteilung. Eine Meinung kann falsch oder richtig sein. Eine Erkenntnis enthält eine richtige Meinung und die Begründung dafür. Bei der Blume kann ihre Teilhabe an der Idee der Schönheit eine Erkenntnis sein. Eine platonische Idee (also auch die Idee der Schönheit) ist etwas Allgemeines. Ein Einzelding kann an diesem Allgemeinen teilhaben. Es ist etwas Allgemeines an dem Einzelding, aber es hat auch Besonderheiten, die nicht bei allen anderen diesem Allgemeinen zugehörigen Einzeldingen vorliegen. Insofern ist auf die Idee bezogen das Einzelding eine Mischung von Idee und Nicht-Idee. Eine Erkenntnis der Idee der Schönheit zu haben bedeutet, das Allgemeine, das an allen schönen Dingen ist, geistig zu erfassen.

Platons Auffassung zum Wesen der Schönheit/über die Idee der Schönheit kurz anzugeben ist schwierig, weil in seinen Dialogen Erörterungen zu dem Thema vorkommen, aber keine knappe Definition, die als zutreffend gekennzeichnet wird.

Platons Auffassung enthält eine enge Verbindung des Schönen und des Guten. Das Schöne ist das Gute unter dem Gesichtspunkt, sich zu zeigen und hervorzuscheinen. Schönheit bedeutet eine Geordnetheit in einer Einheit, Übereinstimmung der Teile miteinander und in einem Ganzen, es gibt Angemessenheit und passendes Maß.

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Es ist kein falsches Abbild in der Höhle, sondern nur ein Abbild von der Wirklichkeit. Wir werden niemals die ganze Wirklichkeit erkennen können. Nur Abbilder, Teile, Aspekte von ihr. Ich denke mir, dass die Mathematik vielleicht die einzige Wissenschaft ist, die es schafft, fast aus der Höhle rauszukommen.

Für mich ist daher die Wirklichkeit außerhalb der Höhle so was wie Gott. Nicht der Simsalabim-Gott, den man in den Religionen vorgesetzt bekommt. Auch er ist nur ein Abbild aus der Höhle.

also so wie ich es verstehe ist die Wahrheit ja in der Oberwelt vorhanden und die Sonne ist die Erkenntnisquelle.

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@asnfiebdj

Nun Platon wusste nicht, dass die Sonne nur ein relativ unbedeutender Fixstern ist. Er wusste nicht, dass unsere Art des Denkens, Sehens, Wahrnehmens sich in der Evolution an das, was wir für wahr halten angepasst hat.
In einem Buch las ich einmal, dass ein Alienwissenschaftler allein aus dem Bau unserer Augen erschließen kann, was für eine Art Sonne wir haben.

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@Viktor1

verbesser mich doch wenn du soviel ahnung hast, verstehst es bestimmt nicht mal selbst du idiot

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Das ist idealistischer Unsinn, den da Platon verzapfte. Schon Aristoteles warf ihn vor, dass er nur unnötig eine Verdopplung der Welt konzipiert habe, bei der zudem der Bewegungszusammenhang ungeklärt ist.

Platon geht davon aus, dass die von ihm angenommenen Welten lediglich eine Teilhabe der irdischen an der ideellen Welt bedeuten.

er hat vorausgesehen, dass es schwer ist, Fake News zu erkennen !

... wäre doch eine gute Zusammenfassung :-)

Man kann da schlecht vorgreifen. Du kannst keinen Blinden fragen, wie es für ihn sein würde, zu sehen.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Kulturwissenschaften

auch unser Sehen ist subjektiv. Denk an eine rote Rose. Eine Biene sieht sie aber völlig anders, weil sie andere Augen hat. Wer hat nun recht? Wir oder die Biene. Ein Hund mit seiner Nase nimmt die Welt anders wahr als wir.

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@Dahika

Gut, aber trotz dass das Empfinden subjektiv ist, wäre es in deiner Anmerkung zumindest pro Subjekt vorhanden und man könnte eine Aussage treffen. Die Aussage lässt sich aber nicht treffen, weil wir über etwas reden sollen, was wir gar nicht wahrnehmen können.

Wir können nicht darüber reden, wie es ist, die Rose im ultravioletten Farbspektrum zu sehen, nicht, weil jeder das anders sieht, sondern weil keiner es sehen kann.

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