Zu Platons Höhlengleichnis: Inwiefern sitzen die Menschen heutzutage noch in der Höhle?

4 Antworten

Das Höhlengleichnis ist in unserer Zeit mehr oder weniger obsolet geworden, da wir zum einen nicht an die platonische Ideenwelt glauben und zum anderen heute einen fast unbegrenzten Zugang zu Informationen haben. 

Zudem stecken im Höhlengleichnis so viele methodische und logische Ungereimtheiten, dass man sich als Philosoph fragt, wie eine so krude Geschichte so lange so vielen Menschen Stoff zum Nachdenken bieten konnte. So kenne ich eigentlich auch nur Leute, die Platon nachweisen, dass er sich nicht nur an einer, sondern an vielen Stellen völlig verrannt hat, so dass sein vermeintliches Anliegen nicht vermittelbar werden konnte.

Die banale Einsicht, dass man eine wie auch immer geartete "Wahrheit" nicht erkennen kann, ist so dürftig, dass man dazu eine solch aufwändige Geschichte nicht hätte konstruieren müssen.

Also verabschiede Dich von dem Gedanken, dass die Leute heute immer noch in der Höhle sitzen. Sie sitzen im Gegenteil in einem Informationstempel, der so übervoll mit Einsichten ist, dass der Einzelnen nur in Melancholie versinken kann über die Begrenztheit seiner Lebensspanne, die es ihm lediglich ermöglicht einige sehr kleine Schneisen in diesen Wissenskosmos zu legen.

Hallo newcastlegirl!

Das ganze ist ja ein Gleichnis, das sagt, dass der Zugang zur Erkenntnis dem Menschen nur indirekt möglich ist. Das kann man natürlich für heute immer noch sagen!

Gruß Friedemann

Fast die gesamte Menschheit sitzt auch heute noch im Kino (Hoehle) und schaut sich ihr Leben auf der Leinwand an und sind mit dem Film identifiziert.

Sie koennen das Kino nicht verlassen, weil sie es nicht wissen und von den anderen im Kino gehalten werden und gewarnt das Kino bloss nicht zu verlassen.

Wenn sie von der Identifizierung mit dem Film ablassen und sich selbst als den Projektor erfahren, dann wissen sie, und haben sie, den Kinosaal verlassen und sind befreit, sie wissen nun, wer sie wirklich sind.

Welche Beispiele aus der Realität fallen euch ein, die man auf das Höhlengleichnis von Platon anwenden könnte?

Das Höhlengleichnis In seiner Politeia diskutiert Platon die Möglichkeit einer idealen Staatsordnung. Bei der Frage, ob und wie die Menschen gebildet werden können, verwendet Platon ein Gleichnis, das berühmte Höhlengleichnis. Es geht darum, ob und wie der Mensch die Wahrheit erkennen kann (Platon, S. 301ff.). "Stelle dir Menschen vor in einer unterirdischen Wohnstätte... von Kind auf sind sie in dieser Höhle festgebannt. ... (sie) sehen nur geradeaus vor sich hin... von oben her aber aus der Ferne von rückwärts erscheint ihnen ein Feuerschein; zwischen dem Feuer aber und den Gefesselten läuft oben ein Weg hin, längs dessen eine niedrige Mauer errichtet ist... Längs dieser Mauer... tragen Menschen allerlei Gerätschaften vorbei... Können solche Gefangenen von sich selbst sowohl wie gegenseitig voneinander gesehen haben als die Schatten, die durch die Wirkung des Feuers auf die ihnen gegenüberligende Wand der Höhle geworfen werden? ... Durchweg also würden die Gefangenen nichts anderes für wahr gelten lassen als die Schatten der künstlichen Gegenstände. (Bild ganz links unten) Wenn einer von ihnen entfesselt und genötigt würde, plötzlich aufzustehen, den Hals umzuwenden, ... nach dem Lichte emporzublicken... Und wenn man ihn nun zwänge, sein Licht auf das Licht selbst zu richten, so würden ihn doch seine Augen schmerzen... Wenn man ihn nun aber von da gewaltsam durch den... Aufgang aufwärts schleppte und nicht eher ruhete, als bis man ihn an das Licht der Sonne gebracht hätte, würde er diese Gewaltsamkeit nicht schmerzlich empfinden und sich dagegen sträuben?... Zuletzt dann würde er die Sonne, nicht etwa bloß Abspiegelungen derselben im Wasser ... in voller Wirklichkeit ... schauen und ihre Beschaffenheit zu betrachten imstande sein... (Bild Mitte unten) Wenn ein solcher wieder hinabstiege in die Höhle und dort wieder seinen alten Platz einnähme, würden dann seine Augen nicht förmlich eingetaucht werden in Finsternis. Und wenn er nun wieder... wetteifern müßte in der Deutung jener Schattenbilder, ... würde er sich da nicht lächerlich machen und würde es nicht von ihm heißen, sein Aufstieg nach oben sei schuld daran... und schon der bloße Versuch, nach oben zu gelangen, sei verwerflich?... (Bild rechts unten)" (Quelle: http://www.thur.de/philo/philo5.htm)

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