Pferde von Laubwald zu Geasland und Steppe, in der Entwicklung größer?

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5 Antworten

ich probiers mal.

laubwald: bäume, unterholz, grosse farne, bruchholz sumpfwald, weicher boden.

ein tier, das mehrere zehen hat und nicht grösser als ein fuchs oder ein frischling ist, kann sich in dieser umgebung am besten fortbewegen. es ist geschmeidig, wendig und behende. es gelingt ihm leicht, einem räuber durch flucht zu entkommen, ist vielleicht sogar in der lage, sich unter einem wurzelstock oder in einem tierbau zu verstecken. wir wissen ja gar nicht, ob der eohippus vielleicht baue gegraben hat, oder baue anderer tiere unterirdisch genutzt hat.

der pferdevorfahre aus der steppe hingegen - in der steppe gibt es weites, verhältnismässig offenes land. der boden ist um einiges härter.

ein tier muss enweder SEHR klein sein, um einem räuber gut entkommen zu können (uninteressant oder sich in kleinen erdlöchern oder den vereinzelten bäumen verkriechen) oder es muss SEHR schnell und ausdauernd über den harten boden laufen können. 

dafür sind aber vier zehen eher kontraproduktiv. das bein streckt sich im laufe der generationen, aus den zehennägeln und krallen werden harte hufe, die viele kilometer über trockenen harten boden laufen können, ohne dass die füsse wund werden. im steppengras sind sie in der lage, weil sie mittlerweile grösser sind und auch einen langen wendigen hals haben, über grosse entfernungen oberhalb des grases einen räuber schon auf weite entfernung zu entdecken. ausserdem können sie nun schnell und ausdauernd laufen, sind in der lage, durch schütteres buschwerk einfach hindurchzulaufen. die langen beine sorgen für genügend raumgewinn. zur not können sie sich bereits mit ihren paarigen harten hufen und ihren kräftigen, auf die karge steppennahrung hin entwickelten zähnen auch gegen einen mittelgrossen räuber zur wehr setzen.

du musst dir diese übergangsform vom wald zur steppe in etwa so gross vorstellen, wie eine milchziege.allerdings mit einem kräftigeren körperbau und im grossen und ganzen tatsächlich bereits einem heutigen pferd ein bisschen ähnlich.

übrigens: im laufe der evolution kehrten einige abgespaltene stämme der pferde wieder in den wald zurück, wieder andere blieben in der steppe, und manche lebten im sumpfland, manche im gebirge.

davon gibts heut noch merkmale. "sumpf"pferde sind recht klein, insgesamt leicht im körperbau. die beine sind relativ kurz, der körper ist verhältnismässig breit und kurz. sumpfpferde tragen ihr gewicht von natur aus auf allen vier beinen ("normale" pferde belasten die vorhand stärker als die hinterhand). die hufe sind flach, breit und wenn man von unten her schaut oft nur undeutlich ausgeprägt, flacher strahl, viel sohle, wenig tragrand. beispiel: exmoorpony (übrigens ein echtes urpferd)

waldpferde haben mittellange beine, einen ausgeprägten, stämmigen körperbau. sie sind mittelgross, etwas vorderlastig, um mit ihrem vorderkörper  gut durchs unterholz zu kommen - und sie sind nicht mehr klein und behende, sondern eher etwas plump. allerdings mit ihren hufen und zähnen in der lage so ziemlich jedes raubtier zu überzeugen, dass diese beute zu gefährlich ist. von ihnen stammen viele der kleinen arbeitspferdrassen ab. ich würde sagen, der konik könnte von ihnen abstammen.

steppe ist klar. den meisten fällt sofort das przewalski pferd ein. aber - das ist die asiatische variante - von der vermutlich das mongolenpony abstammt, die "härteste" pferderasse überhaupt. in nordafrika hat das echte steppenpferd mit dem kaspischen pony noch immer ein echtes urpferd im gepäck. sehr langbeinig, zierlich, genügsam, schnell und leichtfuttrig. so weit mir bekannt ist der kaspian der vorfahr des heutigen arabischen pferdes. vergleiche mit den funden der pferdevorfahren - im vergleich dazu ist der kaspian zur perfektion gereift.

dann haben wir die gebirgspferde: sie sind klein, gedrungen, haben die veranlagung zu dichtem fell und dichtem langhaar, kurze stabile beine, kleine, ausgesprochen harte hufe und einen hervorragenden gleichgewichtssinn. auch sie sind extremst leichtfuttrig. spontan sollte einem das echte shetlandpony einfallen - auch ein direkter nachfahre von urpferden.

dann kommen dazu die spezialisten: das islandpferd als mischform von sumpf- und gebirgspferd. das camarguepferd, dessen stoffwechsel in der lage ist (und es auch tatsächlich braucht) enorme mengen an salz im trinkwasser  zu verarbeiten, bretonische fischerpferde, denen der permanente kontakt der haut mit salzwasser überhaupt nicht ausmacht usw.

unsere pferde sind echte wunder.

aber - sie sind keine steppentiere, sondern haben sich ihren jeweiligen lebesnräumen bestens angepasst.

und ich hoffe, nun ist deine frage nach wald, steppe und entwicklungsgeschichte von equus caballus beantwortet.

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Kommentar von MissDeathMetal
20.01.2016, 23:20

sehr interessant Ponyfliege! Diese Ansätze hatte ich bisher nicht bedacht bzw kannte ich nicht. Muss mir mal etwas Lektüre dazu suchen 

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Kommentar von Dahika
21.01.2016, 13:27

"oder es muss SEHR schnell und ausdauernd über den harten boden laufen können. 

dafür sind aber vier zehen eher kontraproduktiv. "

Mmmmhhhh. und was ist mit den Wölfen? Das sind keine Huftiere, aber dennoch ungeheuer ausdauernd und auch schnell.

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Die Urpferde früher waren etwa so groß wie Füchse, also sehr klein. Im Wald konnte es sich so im Unterholz verstecken und durchs Dickicht hindurch flüchten. Größere Tiere haben es da wesentlich schwerer, deshalb sind die Tiere im Wald überwiegend auch eher klein (Wildschweine, Wölfe, Luchse, Wildkatzen, Hasen & Kaninchen, Rehe). So richtig große Tiere über 1,40m findet man selten, das ist ja nicht so vorgesehen. 

In der Steppe kann man sich nicht mehr verstecken und auch nicht davonhuschen. Da muss man rennen können. Große Tiere waren offensichtlich leistungsfähiger und konnten eher überleben, wobei die richtigen Wildpferde auch nicht sehr groß sind (denk mal an Camarguepferde, Koniks, Dülmener, usw.). Alles über 1,55m ist durch den Menschen gezüchtet

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Kommentar von helena129
20.01.2016, 22:26

Vielen, vielen Dank. Weißt du was man in der Steppe an Nahrung findet?

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Weil sie weiter wandern  und flüchten können müssen und Überblick brauchen, um Feinde rechtzeitig zu erkennen.

Im Wald ist es eher hinderlich groß zu sein, weil es auf Kosten der Wendigkeit geht. Zwischen den Bäumen kannst du einen Verfolger leichter abhängen, wie auf weitem, ebenen Grasland.

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Kommentar von helena129
20.01.2016, 22:18

Ach so, ja das macht Sinn, ich hatte in die völlig falsche Richtung gedacht. Vielen Dank!

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Kommentar von helena129
20.01.2016, 22:26

Weißt du was man in der Steppe an Nahrung findet?

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Sie konnten sich nicht mehr verstecken und mussten flüchten, und lange Beine flüchten schneller als kurze.

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weil es da mehr zu futtern gibt. Pferde fressen ja viel Heu was es im Wald nicht so gibt wie am grasland und steppe. hauptgrund dürften aber die feinde sein.  die kleinen pferde hatten viel mehr fressfeinde als große.  wenn also zufällig mal ein pferd größer war als die anderen, so vermehrte es sich mehr als die kleineren artgenossen. Selektionsvorteil. Kleinere können sich zwar besser verstecken und haben deshalb einen Vorteil vorm gefressen werden.  das bringt aber im grasland und steppe wenig, denn da müssten sie schon extrem mini sein, wenn man sie nicht sehen sollte.  im wald war verstecken ein echter vorteil bei klein sein ... im gras nicht so. da kams dann darauf an schneller zu sein und zu groß für die meisten kleinen raubtiere.

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Kommentar von helena129
20.01.2016, 22:20

Super, danke!

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Kommentar von helena129
20.01.2016, 22:26

Weißt du was man in der Steppe an Nahrung findet?

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Kommentar von helena129
20.01.2016, 22:33

Danke, sehr interessant. Nur wieso könnte dann die Kaufläche größ werden, obwohl sie sich von Pflanzen und Kräutern ernähren, oder essen sie eventuell auch andere Tiere?

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