Müsste man nicht zwei unterschiedliche "ch's" haben weil sie einen unterschiedlichen "Ton" je nach Wort haben?

14 Antworten

Beim Wort "ich" tut man irgendwie hecheln, beim Wort "auch" wird es aus dem Hals "ausgesprochen".

Wir versuchen das mal, in klarerer Sprache zu formulieren. Dann merkt man auch gleich besser, wovon man eigentlich redet.

Die Buchstabenkombination ch im geschriebenen Deutsch korrespondiert in gespro­chenem Deutsch zu zwei verschiedenen Lauten, nämlich

  • einerseits haben wir einen palatalen Frikativ [ç] in Wörtern wie ich [ɪç], reich [raɪç], frech [fʁɛç], Bäche ['bεçə], feucht [fɔɪçt]
  • andererseits haben wir einen velaren Frikativ [x] in Wörtern wie Bach [bax], Loch [lɔx], Flucht [flʊxt] oder Rauch [ʁaʊx].

Mit ein bißchen Überlegung siehst Du, daß in der ersten Gruppe immer ein i oder e vor­an­geht, und der zweiten niemals. Bei diesen beiden Vokalen steht die Zunge recht hoch (in Gaumennähe) im Mund, und es braucht weniger Zungenbewegung, danach eine [ç]-Laut zu formen als einen [x]-Laut. Es handelt sich also um ein Assimilations­phä­no­men: Ein Laut paßt sich einem benachbarten an, damit man es leichter aus­spre­chen kann. So etwas ist nicht selten, man sieht es sogar im Wort Assimilation selbst (← lat. ad ‘zu’ + similis ‘ähnlich’).

Daraus folgt, daß es im Deutschen keine zwei Wörter geben kann, die sich nur durch ein [ç] oder [x] unterscheiden, so wie das z.B. bei stimmhaftem und stimmlosen s mög­lich ist (reisen ['raɪzən] gegen reißen ['raɪsən]) oder bei l und r (hell [hεl] vs. Herr [hɛʁ]). Da­her sind [ç] und [x] keine echten Phoneme (sinntragende Laute), sondern nur Allo­pho­ne (Va­ri­an­ten desselben Phonems); sie tauchen in komplementärer Ver­tei­­lung auf, d.h., an einer Stelle im Wort kann immer nur eines von beiden stehen.

Deshalb braucht man auch beim Schreiben keinen Unterschied zwischen den beiden zu machen; man weiß ja automatisch und ohne jede Zweideutigkeit, welcher Laut durch das ch dargestellt werden soll. Schreibsysteme vermeiden es generell, sich mit Allophonen abzugeben, weil das nur eine Komplikation ohne Mehrwert ist (dazu gibt es aber auch viele Ausnahmen).

Die Aussprachen, die ich Dir oben in Lautschrift angegeben habe, sind meine. In an­de­ren Teilen des deutschen Sprachraumes wird das leicht anders gehandhabt; lt. Wiki­pedia gibt es z.B. Sprecher, bei denen nicht nur e und i, sondern auch r eine Pala­ta­li­sie­rung auslösen, die sagen also zur Furche ['fʊʁçə] statt wie ich ['fuʁxə] (wobei ich, wenn das Wort nicht im Satz betont ist, meist nur ['fʊəxə] sage). Es soll auch Sprecher geben, die [x] nochmals in zwei Allophone aufteilen, und andere, die [ç] durch [ʃ] er­setzen. Das sind alles gute Gründe, weshalb diese Aussprache nicht schrift­lich auf­ge­zeich­net wird. Sonst würden wir wieder hundert Jahre lang darüber streiten, wessen Aussprache zur Standardorthographie geadelt würde.

(Ja, es gibt die merkwürdige Unregelmäßigkeit, daß die Verkleinerungssilbe -chen immer mit [ç] gesprochen wird, auch in Wörtern wie Frauchen ['fraʊçεn] gegenüber fauchen [faʊxən]. Ich kann damit aber noch immer kein Minimalpaar bauen).

Woher ich das weiß:Hobby – Angelesenes Wissen über Sprach­geschich­te und Grammatik

Sehr aufschlussreich und interessant.

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Nein, warum? Das ist nicht außergewöhnlich und kommt in anderen Sprachen auch vor, z. B. im Englischen:

foot [fʊt] aber blood [blʌd]

child [tʃld] aber children [tʃɪldrən]

to name but a few.

Im Englischen gibt es sogar Wörter, die komplett gleich geschrieben, aber unterschiedlich ausgesprochen werden.

tear [BE tɪəʳ, Am tɪr] aber tear [BE tʳ, Am ter]

oder komplett unterschiedlich geschrieben, aber gleich ausgesprochen werden:

I, eye, aye, ay 4 x []

AstridDerPu

Deutsch gehört nicht zu den Sprachen, bei deren Verschriftlichung die Regel gilt "ein Laut = ein Buchstabe".

Man hätte das Problem im Zuge der Rechtschreibreform lösen können, nun aber bleiben z. B. Fuchs, Knicks, lax; Känguru und Unruh, mehr und Meer, Mal und Mahl usw. sowie die oft verwirrende Groß- und Kleinschreibung mindestens bis zur nächsten Rechtschreibreform bestehen.

Ein schwacher Trost ist, dass in Sprachen wie Englisch, Französisch und Gälisch die Unterschiede zwischen Schriftbild und Aussprache noch viel gravierender sind als im Deutschen.

Dafür gibt es die Lautschrift. Diese zeigt genau an, welcher Laut wann wie gesprochen wird. Und es gibt ja sogar eine Regel für die Unterscheidung zwischen [ç] und [x].

Aber dann gibt es noch Wörter wie "Fuchs" und Luchs". Da ist es dann ein [k]. Und in Fremdwörtern gar ganz anders, wie zum Beispiel im Champignon.

Versuche mal, im Englischen herauszufinden, wann aught "oht" oder "aft" gesprochen wird...

Ich weiß, was du meinst.

Nach a, o und u wird das ch anders ausgesprochen als nach e und i. (hart bzw. weich)

Ich kann dir sagen, dass es das auch in anderen Sprachen gibt, dass Buchstaben unterschiedlich ausgesprochen werden, je nachdem, welcher Vokal danach kommt. Im Französischen sind das z. B. das c und g.

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