Kann ein Reicher in den Himmel kommen?

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In der MacArthur-Studienbibel findet sich dazu:

"D.h. es ist unmöglich, dass jemand aus eigenem Verdienst errettet wird. Da man Reichtum als Beweis für den Segen Gottes ansah und die Reichen mehr Almosen geben konnten, wurde allgemein angenommen, Reiche seien die wahrscheinlichsten Kandidaten für den Himmel. Jesus machte diese Auffassung zunichte - und damit auch die Ansicht, man könne sich genügend Gunst bei Gott verdienen, um Eingang in den Himmel zu finden. [... ] Errettung ist nur durch die Gnade Gottes möglich. "

Im Walvoord-Bibelkommentar steht:

"Jesus nahm die Begegnung mit dem reichen Jüngling zum Anlass für einen kurzen Exkurs an seine Jünger. Er sagte, wie schwer es für einen Reichen sei, ins Himmelreich zu kommen, und gebrauchte sogar den Vergleich, dass es leichter sei, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe. Da der Jüngling sich mehr auf seine Reichtümer verließ als auf den Herrn, war es nicht einfacher für ihn, ins Himmelreich zu kommen, als für ein Kamel (eines der größten von den Juden benutzten Tiere), durch "ein Nadelöhr" (rhaphidos, eine Nähnadel, nicht, wie manchmal angenommen wird, ein kleines Tor innerhalb eines anderen Tores) zu gehen. Ein Nadelöhr ist eine extrem kleine Öffnung.

Die entsetzten Jünger fragten daher: "Ja, wer kann dann selig werden?" Ihre Frage beweist zugleich, wie groß der Einfluss der Pharisäer noch auf sie war, denn die Pharisäer vertraten allgemein die Auffassung, Gott schenke denen, die er liebt, Reichtum. Wenn also ein Reicher nicht ins Himmelreich kommt, schafft es doch wohl niemand, dachten sie. Doch Jesus machte ihnen deutlich, dass die Erlösung allein ein Werk Gottes ist, der Freude daran hat, gerade das zu tun, was den Menschen unmöglich scheint (vgl. Mt 17,20)."


"Ich bin ein sehr wohlhabender Mensch, haben geerbt und verdiene sehr gut."


Das kann hier in Deutschland fast jeder von sich sagen. Die wirklich Armen sehen wir hier selten.



"Er will sagen: Ein Reicher kommt nicht in den Himmel."


Das ist deine Schlussfolgerung.


Die Sprache Jesu und der Bibel ist oft bildlich und drastisch ausgedrückt. Es wird nicht so mathematisch exakt verstanden, wie wir es heute aus wissenschaftlicher Denkweise her verstehen.


Es will einfach was verdeutlichen, so wie wir es in unserer Alltagssprache auch oft tun: "Ich rede nie wieder mit dir.", und eine halbe Stunde später unterbrechen sich beide schon wieder gegenseitig in lauthalser Unterhaltung.


"Reichtum" hat nicht zuerst was mit der Geld- und Besitzmenge zu tun. Es muss Reiche geben. Denn sie sind es, welche den anderen Arbeitsplätze ermöglichen, zum Beispiel.


Reichtum ist eher eine Einstellung, und auch nicht nur auf Materielles bezogen. Im biblischen Sinn ist derjenige "reich", der selbstgerecht ist. Der wie der reiche Jüngling der Überzeugung ist, er lebe moralisch perfekt und könnte aus eigener Kraft Gott gefallen.


Die Armen sind diejenigen, die sich zwar um das Gute bemühen, aber immer wissen, dass sie fehlerhafte Menschen bleiben. Und dass wir das meiste, was wir haben, lediglich geschenkt bekommen haben: von anderen Menschen und von Gott.





Hallo,

Erstmal, das Kamel ist ein Übersetzungsfehler, eigentlich heißt es: Du kannst eher ein Schiffstau durch ein Nadelöhr fädeln, als daß ein Reicher in den Himmel kommt. Macht es aber bzgl. Deiner Frage auch nicht besser.

Gehen wir mal vom logischen Umkehrschluß aus: Ein Reicher fährt also in die Hölle. Doch warum ist das so, ist der Reichtum selbst die Sünde oder geht es um ein Verhalten, das den Reichen vom Himmel ausschließt?

Jesus selbst plädierte ja für die Gütergemeinschaft, also alles gehört allen. Dadurch wäre in einer solchen Gesellschaft niemand reicher oder ärmer als der Andere, doch jeder lebt im Wohlstand, und das im Reich Gottes weltweit! So könnten alle in den Himmel kommen. Und dieses durch ein Bewußtsein der Liebe getragene Reich würde das Paradies auf Erden errichten und der Geist Gottes würde mitten unter uns weilen. Aber so weit sind wir noch nicht.

Nehmen wir also an, der Reichtum selbst wäre die Sünde. Das wär ja fies. Also angenommen ich lebe ein bescheidenes, gottgefälliges Leben, dann stirbt mein Onkel und ich erbe unvermittelt eine Million. Und kann deshalb jetzt nicht mehr in den Himmel kommen? Es sei denn, ich schenke alles weg oder teile es mit der Gemeinschaft? Das erscheint mir nicht ganz folgerichtig.

Gut, dann könnte es noch eine typische Eigenschaft eines reichen Menschen sein, die Jesus hier kritisiert.

Jesus geht ja davon aus, wenn die Menscheit vereint und aller Reichtum gerecht geteilt würde, wäre für jeden Einzelnen alles da, was er für ein gutes Leben braucht. Dies führt zu der logischen Schlußfolgerung, daß wenn einige mehr für sich beanspruchen, als sie brauchen, es dadurch andere Menschen jetzt geben muß, die weniger haben, als sie brauchen. Das heißt im Klartext: Der Reichtum bringt die Armut erst hervor. Und das ist klar eine Sünde!

Also geht es hier speziell um Hartherzigkeit, Geiz und mangelndes Mitgefühl den Armen gegenüber. 

Hilf denen, die sich nicht selbst helfen können, richte auf die am Boden liegenden, sei mildtätig gegenüber den Ärmsten der Armen, gib Dein Geld denen, von denen Du es nicht zurück bekommst. Ich persönlich engagiere mich im Kibera Slum und leiste dort Aufbauarbeit. Und um sicher zu gehen, kannst Du Dich am klassischen Zehnten orientieren. Die Kirchensteuer zählt da nicht, von der hat Gott nichts.

Begegne allem Leben mit der gleichen Liebe und Respekt. Hilf mit bei der Errichtung des Reiches Gottes. Setze Dich ein für die Heilung der Welt. Tue Deinen Anteil für die weltweite Gerechtigkeit. Und führe ein gottgefälliges Leben. Dann gehst Du nicht fehl.

Folge Deiner Bestimmung, sei ein Licht in der Finsternis, bring Deine Seele zur Entfaltung und verrichte Dein Werk zu Lob und Ehre des Ewigen. Denn an ihren Werken, an den Taten, an den Früchten ihres Seins in der Welt erkennt der Herr die Seinen.

Liebe Grüße, Cagliostro 

Bei Lukas 18,26f. geht es weiter:

Da sprachen, die das hörten: Wer kann dann selig werden?

Er aber sprach: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.

Wenn Jesus dein Herz besitzt, dann findest du das rechte Maß, mit dem Gut umzugehen, was dir anvertraut ist.

Und wenn du Hilfe brauchst, hier noch eine Predigt zu  Apg. 20, 35. Geben ist seliger, denn nehmen.

a) Abraham war ziemlich reich. (Bis dahin, dass er genug Sklaven hatte, dass er gut 300 davon unter Waffen auf einen militärischen Sondereinsatz mitnehmen konnte).

b) schau dir mal die Antwort der Jünger an: die sagen ja nicht "ach, wie gut, dass wir nicht reich sind", sondern hier (ausnahmsweise) anscheinend mal das, was Jesus hören wollte.

c) Wir vertun uns viel zu oft, was unsere eigenen Motive betrifft. Aber wie schon angedeutet, das hängt nur sehr wenig vom (materiellen) Reichtum ab.

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