Ist Leihmutterschaft eurer Ansicht nach Menschenhandel?

Das Ergebnis basiert auf 16 Abstimmungen

Ja 44%
Es geht in die Richtung 25%
Nein 19%
Ich bin mir nicht sicher 6%
Andere Antwort... 6%

6 Antworten

Nein

Eine Leihmutter trägt nicht ihr eigenes Kind aus, es hat genetisch mit ihr nichts zu tun.

Sie bekommt bis zu drei per IVF befruchtete Eizellen eingesetzt und lässt diese bis zur Geburt in sich wachsen. Dafür bekommt sie Geld.

Aber nur weil sie 9 Monate auf das Kind aufgepasst hat ist es nicht ihres, es ist das Kind der Eltern die ihren Anteil zur IVF beigetragen haben.

Was anderes ist es bei Samen oder Eizellspende, da sind Fremde dann genetisch die Eltern. Bei der Leihmutterschaft ist aber die Leihmutter (normalerweise) nicht die Eizellspenderin.

Wobei in Deutschland sowohl Leihmutterschaft als auch Eizellspende verboten ist. Daher gehen viele Frauen mit unerfülltem Kinderwusch dafür ins Ausland.

Eine Leihmutter trägt nicht ihr eigenes Kind aus, es hat genetisch mit ihr nichts zu tun

Die Eigenschaft als Mutter knüpft aber an die Geburt an. Mutter ist grundsätzlich die Frau, die das Kind geboren hat. Unabhängig von der biologischen Verwandtschaft.

Kurz gesagt... durch die Geburt WIRD es ihr Kind.

0
Es geht in die Richtung

Eine Leihmutterschaft ist eine große Belastung für die schwangere Frau. Ich finde es sehr problematisch, den Körper eines anderen Menschen für neun Monate zu "mieten". Denn in dem Moment, in dem jemand sehr viel Geld für eine Schwangerschaft zahlt, wird die Schwangerschaft zur Dienstleistung und das Kind zur Ware. Sobald also Geld fließt, rückt das Kind schon sehr in die Nähe eines Produkts. Und zwar eines, das sich nur REICHE Menschen mit Kinderwunsch leisten können.

Ein Kind sollte keine Ware sein, die man sich kaufen kann wie ein Tier vom Züchter, wenn man das entsprechende Kleingeld hat. So sehr ich den Wunsch nach einem Kind verstehen kann, frage ich mich doch, ob man wirklich alles tun muss, was technisch oder biologisch möglich ist.

Und wir alle wissen, dass man für Geld, das man dringend braucht, Dinge tut, die man freiwillig nicht tun würde.

Daher ist schon auch die Frage, wieviel Selbstbestimmung bei einer Leihmutterschaft noch gegeben ist, wenn der finanzielle Anreiz entsprechend hoch ist.

Man stelle sich vor, jemand würde öffentlich erklären, er habe eine Niere oder einen Teil seiner Leber an einen reichen Westler verkauft, weil er das Geld so dringend brauche. Der Aufschrei wäre zu Recht riesig. Also warum soll es in Ordnung sein, seine Gebärmutter zu verkaufen?

Und was ist, wenn zB vorgeburtlich schon eine Behinderung diagnostiziert wird? In ausländischen Verträgen steht sogar teilweise, dass Frauen dann abtreiben müssen. Und wenn die Behinderung aber erst nach Geburt diagnostiziert wird? Da gab es schon Fälle, wo Eltern nur den gesunden Zwilling mit nach Hause genommen haben und den behinderten bei der Leihmutter in Thailand gelassen haben.

Sowas passiert, wenn man Schwangerschaften als Dienstleistung kauft. Man möchte die Ware bitte einwandfrei geliefert haben als zahlender Kunde.

Dann noch die Risiken für die Leihmutter: Die Frau kann Komplikationen bis hin zur Lebensgefahr (zB Gestose) oder auch lebenslange gesundheitliche Probleme durch Schwangerschaft und Geburt davontragen. 

Von den realen Gefahren bezüglich Menschenhandel und so weiter möchte ich gar nicht erst anfangen. Da gab es schon Fälle, wo Pädophile durch eine Leihmutterschaft ein Kind zum Missbrauch gezeugt haben. Ein Deutscher ist dabei durch Zufall aufgeflogen. Als die Polizei seine Wohnung stürmte, fanden sie den Buben. 16 Videos vom Missbrauch seines Sohnes hatte er gemacht. https://www.bz-berlin.de/archiv-artikel/baby-nur-fuer-missbrauch-gezeugt-war-immer-mein-ziel-einen-jungen-haben-zu-koennen

Ja

Sehe ich auch so bzw. ich sehe massive Parallelen, die die Leihmutterschaft ausschließen. Das Kind wird quasi zur Ware, wenigstens aber zum durch die Leihmutter 'gefertigten Gut' und das ist in meinen Augen nicht tragbar.

Glücklicherweise wird es in unserer Rechtsordnung auch nicht unterstützt.

Man nann aber auch Argumentieren dass man lediglich das austragen bezahlt. Und das Kind wird ja auch nicht zum Eigentum

0
@Reinkanation

Die 'Muttereigenschaft' bzw. die 'Kindeseigenschaft' wird aber quasi 'verkauft'.
Eigentum natürlich nicht... aber die rechtliche Muttereigenschaft wird der Mutter nunmal durch die Geburt des Kindes zugeordnet und nicht durch die biologische Verwandtschaft.

Wer hier von Anfang an einen entsprechenden 'Handel' treibt, indem ein Kind quasi zur gezielten Adoption 'herangezüchtet' wird, handelt m.E. schlicht verwerflich.

'Lediglich das Austragen' halte ich für zu schwach... wir haben hier WENN, dann eine Herstellung von etwas aus Grundstoffen, die geliefert werden. Das ist aber deutlich mehr als eine reine Dienstleistung.

0
@BeviBaby
indem ein Kind quasi zur gezielten Adoption 'herangezüchtet' wird, handelt m.E. schlicht verwerflich.

Was ist daran verwerflich? Es ist eine win-win-Situation für alle Seiten. 1. Es entsteht ein Leben. 2. Ein Kinderwunsch wird erfüllt. 3. Jemand verdient (freiwillig!) Geld damit.

Die Alternative: Ein Leben ensteht nicht, ein kinderloses Paar bleibt unglücklich, eine Frau darf kein Geld damit verdienen.

0
@tevau

Menschenwürde?

Ein Mensch, damit auch ein Kind, sogar ungeboren, darf NIE zur Ware werden.

Das haben wir hier. Wir haben einen Handel, Zentrum ist 'Kind gegen Bargeld'.

Wenn du dich mal mit unserer Rechtsordnung befasst hast, dann ist dir vielleicht der elementare Wert bekannt, den die Menschenwürde in diesem Land (völlig zurecht!) hat.
Da stehen ein kinderloses Paar, das nicht adoptieren will oder die pekuniären Interessen der Leihmutter NIEMALS drüber und das ist auch gut so.

Unabhängig natürlich von dem massiven Missbrauchspotential... Organhandel ist ja nun auch aus gutem Grund verboten.

1
@tevau

Würdest du es denn mit der gleichen Begründung gutheißen, wenn jemand eine Niere verkauft oder Teile seiner Leber?

Ist ja ähnlich:

  1. Ein Leben wird gerettet. 2. Angehörige werden glücklich. 3. Jemand verdient (freiwillig) Geld damit.

Die Alternative: Jemand bleibt krank oder stirbt, Angehörige bleiben unglücklich, ein Mensch darf kein Geld damit verdienen.

2
@BeviBaby

Die Leihmutter wird nicht für das Kind bezahlt, sondern für das Austragen. Genau wie ein Arzt auch nicht für den Körper des Patienten bezahlt wird, sondern für die Dienstleistung an ihm.

die Menschenwürde in diesem Land 

Menschenwürde ist ein Totschlagsargument, wenn sie so benutzt wird wie Du es tust. Damit kannst Du jede persönliche Vorstellung begründen. Wessen Würde soll denn da verletzt werden? Der im Grundgesetz ganz oben garantierte Schutz der Menschenwürde soll jeden Menschen schützen, und dies soll nicht abhängig von gesellschaftlichen Vorstellungen und Normen sein. Sonst wäre sie nämlich veräußerlich.

Unabhängig natürlich von dem massiven Missbrauchspotential...

An welchen Missbrauch denkst Du da, der sich analog nicht auch bei vielen anderen Sachverhalten findet?

0
Andere Antwort...

Hallo Reinkanation,

wo das Thema in einen Business Case führt, kann dies als eine Art Menschenhandel betrachtet werden: die Ware wäre ein Mensch.

Vorstellbar ist aber auch, dass Menschen, die selbst miteinander keine Kinder haben können, eine sehr gute Freundin, die Kinder haben kann, ansprechen, auszuhelfen. Damit wäre in einer Freundschaft kein Business Case gegeben - somit auch kein Menschenhandel darstellbar.

Unbenommen sind Moralismen, die so etwas pauschal verbieten, wie auch eine Familiengesetzgebung, die dem noch nicht Rechnung tragen kann.

Mit vielen lieben Grüßen
EarthCitizen

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung – langjährige Lebenserfahrung und persönliche Anschauung
Nein

Die Frage ist, ob es denn "Ihr" Kind ist. M.E. nein. Sie stellt Ihren Körper zum Austragen eine fremden Kindes zur Verfügung. Da kann man bewerten, wie man will, aber Menschenhandel ist es definitiv nicht.

Man muss dann auch die Frage stellen, wie sich eine pränatale Leihmutterschaft von der Dienstleistung einer Amme unterscheidet. Wo sind die Grenzen des ethisch vertretbaren?