Hilfe - Abtreibung - Ethische Diskussion

6 Antworten

ETHIK

  • Im Kern der ethischen Diskussion stehen doch zwei Werte: Einerseits das Lebensrecht des Embryos und andererseits die Selbstbestimmung der Frau über ihren eigenen Körper.
  • Bezüglich des Lebensrechts des Embryos sind entscheidende Punkte zum Beispiel "Wann beginnt das individuelle Leben?" oder "Wann beginnen Persönlichkeitsrechte?". Spielt es eine Rolle, ab wann ein Embryo Schmerzempfinden, Bewusstsein, Hirnaktivität zeigt? Spielt es eine Rolle, dass sehr viele Schwangerschaften in den ersten Monaten natürlicherweise enden und frühe Embryos oft abgehen? Aus religiöser Sicht spielt es zudem eine Rolle, ab wann ein Embryo eine Seele hat. Man denke daran, wie lange sich aus einem frühen Embryonalstadium noch Zwillinge bilden können und wie oft frühe Embryonen abgehen.
  • Bezüglich der Selbstbestimmung der Frau geht es im wesentlichen darum, dass man über seinen eigenen Körper verfügen darf, z.b. Medikamente schlucken, Operationen ausführen, gynökologische Behandlungen durchführen darf. Ist es ethisch vertretbar, dass die Frau quasi vom Embryo in Geiselhaft genommen wird?
  • Weitere ethische Aspekte sind dann z.B. wie man diese beiden gegensätzlichen Werte Lebensrecht und Selbstbestimmung gegeneinander abwägt und wie man sie priorisiert. Dabei spielen moralische, ideologische und religiöse Einstellungen die Hauptrolle. In diesem Kontext kann dann auch zu berücksichtigen sein, wie es zu der ungewollten Schwangerschaft kam, also inwiefern Verantwortung für Konsequenzen bei schlampiger Verhütung zu tragen sind oder inwieweit z.B. Schwangerschaften nach Vergewaltigung oder Missbrauch eher ethisch vertretbar abgebrochen werden dürfen.

GESELLSCHAFTLICHE KONTROVERSE

  • Meines Erachtens ist ein Kernpunkt der gesellschaftlichen und gesetzlichen Kontroverse zum Schwangerschaftsabbruch die Frage, inwiefern für alle dieselbe Moral zu gelten hat und inwiefern man Bürgern eine bestimmte Moral vorschreiben darf. Als Vertreter der pro-choice-Fraktion setze ich dabei auf Toleranz und Pluralität.
  • Wenn jemand sagt, er könne aus moralischen Gründen nicht abtreiben und er hielte Abbrüche für verwerflich und falsch, so ist das seine freie Wahl und gewiss muss er das Recht haben, nicht an Schwangerschaftsabbrüchen beteiligt zu sein. Ich würde niemals versuchen, ihn vom Gegenteil zu überzeugen, sondern seine Entscheidung und seine Moral tolerieren.
  • Wenn jemand umgekehrt sagt, er könne Schwangerschaftsabbrüche mit seinem Gewissen vereinbaren, so ist auch das seine freie Wahl und gewiss sollte er das Recht haben, Schwangerschaftsabbrüche durchführen zu lassen. Ich würde auch hier niemals versuchen, seine moralische Einschätzung bezüglich Abtreibung zu verurteilen, sondern seine Moral tolerieren.
  • Die Kontroverse hier bei GuteFrage.net, aber auch generell in der Gesellschaft, entsteht vorallem dadurch, dass Abtreibungsgegner partout wollen, dass ihre Ablehnung der Maßstab für alle wird. Umgekehrt fordert aber kein pro-choice-Befürworter, dass jemand abtreibt, der dies nicht will, ja nicht einmal, dass der andere Abtreibung für legitim hält. Die pro-choice-Fraktion möchte nur für sich selbst das Recht haben, nach der eigenen Moral zu entscheiden, andere sollen davon gar nicht betroffen sein.
  • Gerade wenn moralische Ansichten, wie die kategorische Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen, vorrangig auf religiösen Überzeugungen basieren, ist es für mich persönlich nicht akzeptabel, dass Bürger, die eben nicht jene religiöse Überzeugung teilen, ihr Handeln ebenfalls nach den moralischen Maßstäben der religiös motivierten Gegener der Abtreibung richten müssen. Soll doch bitte jeder nach seiner Facon selig werden, aber nicht nach verordneter Moral und Religion.
  • Ich bin fest überzeugt, dass diese Frage des moralischen Maßstabs im Zentrum der Kontroverse liegt. Persönlich bin ich daher der Meinung, dass man bei Fragen nach Schwangerschaftsabbrüchen einerseits stets mit nüchternen Fakten antworten sollte und andererseits betonen sollte, dass die moralische Komponente eine rein persönliche Meinung ist.

"Umgekehrt fordert aber kein pro-choice-Befürworter, dass jemand abtreibt, der dies nicht will" Doch, es gibt Leute, die in bestimmten Fällen die Abtreibung generell fordern. "Soll doch bitte jeder nach seiner Facon selig werden, aber nicht nach verordneter Moral und Religion." Darum geht es nicht wirklich. Wenn ich z.b. fest an die Wiedergeburt glaube, kann ich deshalb ethisch gesehen einen Menschen töten, er wird ja eh wiedergeboren. Ich bezweifle aber, das der Richter das Argument gelten lässt.

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@apiaster
Doch, es gibt Leute, die in bestimmten Fällen die Abtreibung generell fordern

So jemand ist mir noch nie begegnet. Es geht immer nur um die Forderung, dass generell, oder in bestimmten Situationen eine Frau selbst entscheiden können soll. Niemand fordert Zwangsabtreibungen, jedenfalls nicht in unserer heutigen Zeit und in demokratischen Ländern. Wenn jemand denkt oder sagt, in diesem oder jenem Fall "wäre es meines Erachtens besser, die Frau würde die Schwangerschaft abbrechen", heisst das nicht, dass dieser jemand die Abtreibung in diesem Fall "generell fordert".

Wenn ich z.b. fest an die Wiedergeburt glaube, kann ich deshalb ethisch gesehen einen Menschen töten, er wird ja eh wiedergeboren.

Da würdest du vermutlich auch nicht die Zustimmung jener (z.B. Buddhisten) erhalten, die an Wiedergeburt glauben.

Deine Argumentation hinkt auch deshalb, weil die Grundfrage beim Schwangerschaftsabbruch doch diejenige nach dem Status des Embryos ist. Es gibt sehr wenige Menschen, die tatsächlich ernstlich einen Embryo im Frühstadium (wo die meisten Abbrüche stattfinden) auf die gleiche Ebene mit einem Menschen stellen. Es gibt auch kein einziges Gesetz auf der Welt, das Abtreibung ausnahmslos gleich hart bestraft wie die Tötung eines Menschen.

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@annemarie37

Doch, manche Leute fordern in bestimmten Fällen Schwangerschaftsaabrüche, z.b. bei Behinderten Kindern, weil es billiger ist. Leider gibt es so etwas auch heute und auch in demokratischen Ländern.

"Deine Argumentation hinkt auch deshalb, weil die Grundfrage beim Schwangerschaftsabbruch doch diejenige nach dem Status des Embryos ist. "

Das ist ja das Problem. Der Status des Embryos lässt sich bislang nicht sicher definieren.

Das Problem bei Abbrüchen generell ist die Frage, wann sie erlaubt sein sollen. Einige Abtreibungsgegener hätten wohl eine andere Meinung, wenn Abtreibungen nur bei Embryos im Frühstadium erlaubt wären. Es geht aber nicht um die Frage, was häufig ist, sondern um die Frage, was erlaubt ist. Amokläufe sind auch nicht häufig, aber trotzdem gäbe es ziemliche Unruhe, wenn man sie legaliesieren würde, oder?

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@apiaster
fordern in bestimmten Fällen Schwangerschaftsaabrüche, z.b. bei Behinderten Kindern

"Fordern"? ne, vielleicht nahelegen, drängen. Fordern würde heissen, die Frau soll in einem solchen Fall zum Abbruch gezwungen werden, gegen ihren Willen. Das gibts meines Wissens nicht (vielleicht in China). Hingegen wird nicht selten gefordert, dass eine Abtreibung bei missbildetem Fötus verboten werden soll...

Der Status des Embryos lässt sich bislang nicht sicher definieren.

Eben. Und genau deshalb darf - oder dürfte -, wie Kajjo schreibt, der Gesetzgeber in dieser Frage keine allgemein gültige Moral verordnen.

die Frage, wann sie erlaubt sein sollen. Einige Abtreibungsgegener hätten wohl eine andere Meinung, wenn Abtreibungen nur bei Embryos im Frühstadium erlaubt wären

Die meisten Gesetze machen ja auch ganz klar einen Unterschied zwischen frühen (innerhalb der ersten Wochen auf Antrag der Frau) und späteren Abbrüchen, wo es eine medizinische Indikation braucht. Ob das sinnvoll ist, darüber lässt sich streiten. Kanada beweist, dass es auch ganz ohne Gesetz geht und dass sich das in der Praxis nicht anders auswirkt als eine Fristenregelung, weil keine Frau und kein Arzt einen späten Abbruch zu machen wünscht, ausser es liegen ganz schwerwiegende Gründe vor. Gesetze - und philosophische Theorien - müssen einen Bezug zur Realität haben, sonst machen sie keinen Sinn. Daher ist die Frage der Häufigkeit eben doch nicht vernachlässigbar.

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@annemarie37

""Fordern"? ne, vielleicht nahelegen, drängen. Fordern würde heissen, die Frau soll in einem solchen Fall zum Abbruch gezwungen werden, gegen ihren Willen."

Nein, das gibt es in Deutschland nicht. Es gibt aber Leute, die so etwas einführen wollen.

"Die meisten Gesetze machen ja auch ganz klar einen Unterschied zwischen frühen (innerhalb der ersten Wochen auf Antrag der Frau) und späteren Abbrüchen, wo es eine medizinische Indikation braucht. Ob das sinnvoll ist, darüber lässt sich streiten. "

Ja, aber es ist und bleibt ein Unterschied, ob die Frau in der 2. oder der 12. Woche abbricht.

" keine Frau und kein Arzt einen späten Abbruch zu machen wünscht, ausser es liegen ganz schwerwiegende Gründe vor."

Warum gibt es dann in Deutschland Spätabtreibungen wegen Sachen, die zeimlich leicht, nach der Geburt behandelbar sind?

"Gesetze - und philosophische Theorien - müssen einen Bezug zur Realität haben, sonst machen sie keinen Sinn. Daher ist die Frage der Häufigkeit eben doch nicht vernachlässigbar."

In Deutschland gibt es wirklich genug Gesetze, die keinen Sinn machen. Seit Spätabtreibungen aber möglich sind, wenn die körperliche und seelische Gesundheit der Mutter beeinträchtigt werden könnte, ist die Anzahl der Spätabtreibungen in Deutschland stark angestiegen.

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Hast du keine Meinung zu diesem Thema? Deine Argumente sammeln und eventuelle Gegenargumente hinterfragen. Fertig ist die Präsentation.

Pro: Selbstbestimmung der Frau Contra: Die Chance auf neues Leben unterbinden.

Es dreht sich immer um die zwei Argumente, darum musst du deine Diskussion drehen lassen und es werden die Fetzen fliegen!

Meinst du sowas wie...

'Con' - man kann in China bis zum 8. Monat abtreiben - man tötet Menschen - mögliches Trauma bei der Mutter 'Pro' - man kann ungewollten Kindern "aus dem Weg gehen" - Kinder kosten viel Geld -> man kann dem Ruin entgehen

Mehr musst du dir selbst zusammenreimen, findest sicherlich auch was auf Google. Hoffe ich konnte dir helfen.

  • Nic :)

Hi, erstens ist das wohl fürs Abitur? dann solltest du dir da Gedanken machen.

es gibt Bücher und auch im Internet einschlägige seiten!

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