Gibt es etwas in Deinem Leben, was Du einfach nicht vergeben kannst? Sollte man alles vergeben, um Frieden zu finden?

 - (Menschen, Leben, Philosophie und Gesellschaft)

24 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hallo April1995!

Es gibt immer noch Situationen, die mir die Luft nehmen und mich zornig und traurig werden lassen, wenn ich an sie denke.

Ich habe nicht wirklich verziehen, obwohl mir bewusst ist, wie entlastend das Vergeben in der Regel ist.

Ich habe versucht, herauszufinden, warum es mir so schwerfällt.

Das sind meine Erklärungen:

Was oft spürbar ist: Wenn ich um Verzeihung oder Vergebung gebeten werde, gibt es am Anfang ein kategorisches inneres Nein! als Reaktion. Die Wunde ist noch so frisch, dass der seelische Schmerz im Vordergrund steht und nach Linderung, nach Trost schreit. Mein Schmerz will geheilt werden, ich möchte nicht stattdessen den Schmerz der Verantwortlichen meiner Leiden heilen müssen.

Wenn eine gewisse Zeit vergangen ist, die Wunde vernarbt, kann ich gelassener auf die Verantwortlichen meiner Verletzung blicken.

In vielen Fällen verzeihe ich ihnen dann, ohne darum gebeten worden zu sein. Damit habe ich mich davon befreit, weiterhin den Focus auf die seelische Narbe richten zu müssen.

Die immer noch bestehenden Schmerzen hängen damit zusammen, dass die Verletzungen für mich so gravierend waren, dass gar keine Lösung ohne die Bitte um Vergebung möglich scheint.

Indem die Verantwortlichen sich zu ihrer Tat bekennen und um Verzeihung oder Entschuldigung bitten, signalisieren sie mir als verletzte Person, dass eine Änderung des belastenden Status Quo möglich ist.

Das Geschehene kann nicht rückgängig gemacht werden.

Das Ungleichgewicht der Folgen ihrer Tat kann durch die Bitte um Verzeihung nicht ins Lot gebracht werden. So sehr ich es mir auch wünsche! Das soll aber auch nicht das Ziel sein.

Die Bitte um Verzeihung legt aber den Grundstein für die Wandlung aller Beteiligten.

Ich muss und kann dann hoffentlich meine schmerzvolle Ent-täuschung akzeptieren.

Ich habe es nicht für möglich gehalten, derart verletzt zu werden durch vertraute oder auch mir unbekannte Menschen. Ich habe mich diesbezüglich getäuscht. Das werde ich akzeptieren, immer ein Stückchen mehr.

Zum anderen müssen die Tat-Verantwortlichen mit sich selbst ins reine kommen, sie müssen sich selbst ihre verletzende Tat verzeihen können.

(Und im schlimmsten Fall kann die fatale Übernahme der Verantwortung der Tat durch die Verletzten wieder aufgehoben werden.

Immer wieder nehmen die Geschädigten den Tat-Verantwortlichen die Verantwortung ab und bürden sie sich selbst auf, sehen sich selbst als "schuldig" an, um eine schlüssige Erklärung zu haben für das sonst unfassbare Geschehen. Das habe ich zum Glück so nicht erleben müssen.)

Dann kann ich die Verletzung akzeptieren als geschehen und den Blick auf die aktuelle Lebenssituation richten.

Im Kopf ist mir klar, wie es gehen kann. Aber ohne die reale Bitte schaffe ich es nicht, alleine abzuschließen mit meiner Verletztheit.

Danke für deine Frage! Meine Antwort aufzuschreiben, hat mir gutgetan.

Vielleicht ist es auch eine Antwort auf deine Frage.

Ganz liebe Grüße!

gufrastella

Puhhhh....nicht nur Dir hat es gut getan, zu antworten....das Lesen Deiner Antwort hat auch mir gut getan...ich erkenne mich in Deinen Worten...

Danke, dass Du geantwortet hast...das hat mir wirklich sehr geholfen 🤗

DANKE 🌷

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@April1995

Das freut mich so sehr! Ich drücke dich ganz lieb, auf bessere Zeiten!

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@April1995

Guten Morgen, und danke für die Sterne! Was hältst du von Schokokuchen? Vielleicht werde ich heute oder morgen einen backen. Hab einen guten Tag!

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@gufrastella

Was mir noch eingefallen ist: Bei Streitereien geht es im Kern oft gar nicht nur um das Recht haben, sondern um das Beibehalten des Prinzips, dass Wirkungen Ursachen haben und die Verantwortlichen festgestellt werden müssen. Also wer trägt wieviel Verantwortung für welche Wirkung? Deshalb sind Auseinandersetzungen gut, wenn sie zugewandt und ehrlich geführt werden.

Das gilt auch für Streitgespräche mit sich selbst. Man selbst kann sich nur vergeben und einer neuen Sicht zuwenden, wenn man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Zum Beispiel für sein eigenes Leben, das nicht durch das Leiden an der Verletzung, sondern durch das Verwirklichen der eigenen Ziele unter und mit den anderen Menschen sinnvoll wird.

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@gufrastella

Hmmm...ist das eine Einladung zum Kuchen? 🤣

Die Sterne sind von Herzen gerne.... ich liebe Deine tollen Antworten :-)

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@April1995

Mir ist das neulich so deutlich aufgefallen, dass die Vorstellung von einem gerade von jemanden frisch gebackenen Schokokuchen bei mir einen Gute-Laune -Schub verursacht hatte, der mich hat lächeln, ach was, breit hat grinsen lassen. Ja, die Einladung zur Freude über etwas Gutes! Ich hab ja keine Ahnung, wie weit du es hierher hättest, sonst natürlich auch die Einladung zum Kuchenessen!

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Das ist mal eine Antwort. Aber "HALLO"! Erstklassig.

Ehrlich. Aufrichtig. Mit Tiefgang. Gerades Rückgrat gezeigt.

Von mir noch einen ganz dicken * dazu!

Liebe Grüße von Seren

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@SerenSaethu

Ich danke dir für deine anerkennenden Worte!

Meinst du mit "Gerades Rückgrat gezeigt" die offene Benennung meines Widerspruchs (Wollen = Einsicht und Erkenntnis, aber Nicht-Können = emotionale Bewertung)?

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Hallo gutfrastella,

das ist eine ausgezeichnete Antwort, die Du da gegeben hast. Besser, glaube ich, kann man es nicht erfassen und niederschreiben. Die Beherzigung Deiner Ausführungen kann definitiv vor Verbitterung bewahren.

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@itasca

Danke! Ich würde mich sehr freuen, wenn es manchen hilft, eine andere Sicht auf ihre Verletzungen und die Folgen zu gewinnen, anders, weil ein Leben mit weniger Leiden möglich ist.

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Mir ist oft das Herz gebrochen worden. Aber ich finde,wenn man wirklich mit sich im Reinen sein möchte,muss man es zumindest vergessen. Wobei ich habe den Damen inzwischen vergeben. Alles kann man natürlich nicht vergeben,generell.

Ich danke Dir sehr für Deine Antwort :-)

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@April1995

Sehr gerne😉na dadurch,dass ich den Damen vergeben habe,war ich frei auch gedanklich, für neues,bei meiner jetzigen Freundin hab ich diesmal ein richtig gutes Gefühl 😁einen schönen Tag liebe april 😉🙂

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@Niels489

Ja, solche "Altlasten" haben in einer neuen Beziehung ja auch nichts zu suchen :-) Alles Gute, Dir und Deinem Schätzelein :-) Hab Du auch einen schönen Tag lieber Niels 🙂

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Also - das ist eigentlich ganz einfach. Man kann in dem Moment vergeben wo die durch den 'Fehler' entgangene Chance oder was auch immer nicht mehr da ist. Frieden der Seele ist dann vielleicht wichtiger als die Spannungssituation die ein Nicht-vergeben-koennen mit sich bringt.

Solange jedoch das falsche Verhalten zu einer Zwangssituation fuhert die anhaelt und noch korrigiert werden kann muss man auch nicht vergeben.

Ok - klingt kompliziert aber vielleicht kann man mich verstehen. Vor dem VERGEBEN steht immer die Frage der nachtraeglichen Korrektur.

Also - ich habe jemanden boese geaergert und dieser ist sauer auf mich. Solange ich meinen Fehler nicht einsehe brauche ich nicht mit Vergebung zu rechnen.

Umgekehrt kann der andere aber auch die Perspektive wechseln und den Fehler als etwas anderes bewerten.

Danke fuer das schoene Bild zur Frage (wurde allerdings auch fuer eine Horoskopseite verwendet - magst Du ja nicht so...)

Ich finde man sollte versuchen allen Menschen die einem etwas getan haben zu vergeben. Aber es ist oft sehr schwierig. Manchmal braucht man einfach Zeit um darüber nachzudenken bevor man vergeben kann. Aber das ist ja auch nicht schlimm.

Was denkst Du darüber?🖤

Ps. Du stellst sehr gute Fragen

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Hallo noemi :-)

Schöne Antwort...ich danke Dir sehr dafür und danke auch, für Dein liebes Feedback, freut mich sehr, dass Du meine Fragen gern magst :-)

Bei mir ist es leider so, dass ich nicht vergeben kann und es belastet mich auch sehr, aber es geht einfach nicht....ich muß damit klar kommen.

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JA

Mein Vater lernte eine neue Liebe kennen als ich 7 Jahre alt war. Das nehme ich ihm nicht mehr übel, heute verstehe ich es.

Aber er war der Ernährer - meine Mutter "nur" Hausfrau und stand somit nicht so gut da.

Dann Versprach er, dass wir, also große Schwester, Mutter und ich, wenigstens den Wohnwagen auf dem Campingplatz behalten können. Dort sind wir sozusagen aufgewachsen. Vor allem das Herz meiner Schwester und mir hing sehr daran!

Am Ende der Saison kam er einfach heimlich, klemmte sich das Ding hinter und nahm ihn mit, um ihn auf sein Grundstück (vor seinem neuen großen Haus mit seiner neuer tollen Frau) abzustellen.

Er hat ihn dann irgendwie verkauft obwohl er das Geld zu der Zeit wirklich nicht nötig hatte. Davon bekamen wir natürlich nichts ab, Unterhalt zahlte er ja auch nicht, schließlich gehörte ja alles seiner neuen Frau und er hatte nichts.....

DAS werde ich ihm tatsächlich nie verzeihen können. Diese Habgier unabhängig der Gefühle seiner Töchter.... Schon beim Schreiben und Erinnern werde ich wütend und traurig - das ist aber schon bald 30 Jahre her...

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Puh....das ist heftig...kann Dich gut verstehen, sowas wird immer weh tun, egal wieviel Jahre vergangen sind. Danke Dir sehr für Deine Antwort und alles Gute für Dich 🌷

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