Freund verbietet mir zu trauern?

24 Antworten

du sollst nicht traurig sein, Dass leben geht weiter

Mit dem letzten teil des Satzes hat er recht. Mit dem ersten teil nicht. Trauerarbeit ist etwas ganz normales und natürliches. Die Zeit, die sowas braucht solltest du dir auch nehmen, um dich wirklich von deinem Opa verabschieden zu können.

Wenn das jetzt Zustand seit 20 Jahren wäre DANN wäre es nachvollziehbar, dass er was sagt. Bei einem Todesfall in den letzten Tagen ist das einfach nur unsensibel.

Außerdem bin ich doch das wichtigste für dich, wenn du trauerst, mache ich Schluss

Komm ihm zuvor und trenne dich von ihm. Sowas geht gar nicht und jemand, der halbwegs normal ist, sollte auch verstehen, dass er nicht immer und dauerhaft die einzige Person sein kann, um die sich der Partner oder die Partnerin kümmert und sorgt. Es wird immer auch die Familie, den Freundeskreis, die Arbeit usw. usw. geben, die einem Menschen wichtig sind und für die er Zeit, Mühe und Herzblut investiert. Mal ganz abgesehen von eventuellen gemeinsamen Kindern, die vielleicht irgendwann kommen und die im Gegensatz zu ihm hilflos und auf Liebe und Nähe ANGEWIESEN sind.

Dass er hier den toten Opa als Konkurrenz sieht ist schlicht und einfach erbärmlich.

Es kann sein, dass dahinter eine Strategie oder eine Hilflosigkeit steckt. Strategie: Trauer belastet den Trauernden, also "verbiete" ich sie, dann geht's dem Trauernden schneller besser.

Ein Verwandter sagt jedes Mal, wenn jemand im Umfeld gestorben ist "dem geht's jetzt gut, der hat's jetzt besser".

Hilflosigkeit: Er weiß nicht, was er machen soll und die Situation überfordert ihn, daher versucht er, die gesamte Situation abzukürzen.

Sage ihm, er soll daran denken, wie es ihm ginge, wenn seine Mutter oder seine Vater oder du gestorben wären. Ob er das dann einfach beiseite wischen und zur Tagesordnung übergehen könnte?

Sage auch, dass Trauer normal und gesund ist und es kein Vorwurf an ihn ist, wenn du weinst oder traurig bist. Manchmal finden es Unbeteiligte belastend, weil sie nicht wissen, was sie machen sollen, weil es schwer ist, jemanden in seiner Trauer zu begleiten, weil sie dafür "kein Skript" im Kopf haben.

Sage ihm, dass es manchmal hilfreich sein kann, wenn er einfach zuhört.

Sollte das alles nichts fruchten und er macht das in absichtsvoller Gefühlskälte, würde ich ernsthaft über eine Trennung nachdenken.

Aber: Wenn du die Erste bist, die er beim Trauern begleitet, kann es wirklich schlicht Überforderung sein.

Als meine Oma gestorben war, war mein Bruder, der erwachsen war und Downsyndrom hatte, mit meiner Mutter alleine im Haushalt. Er hat immer zu meiner Mutter gesagt, sie dürfte nicht weinen und das in einem ziemlich harschen Ton, nicht mitfühlend. Dahinter stand seine Angst, "ich bin jetzt mit Mama alleine, ich bin auf Mama angewiesen, was mache ich, wenn die jetzt Schwäche zeigt, dann bin ich ganz auf mich gestellt!"

Es ging dann tatsächlich so weit, dass sie nur weinte, wenn er außer Haus war, weil ihr bewusst war, dass ihn diese Situation total überforderte.

Oooder er ist einfach ein A*schloch, siehe Profil. 😉

2
@Hacker48

Ja, wie gesagt - in dem Fall wäre eine Trennung überlegenswert.

0
@Tasha
Dahinter stand seine Angst, "ich bin jetzt mit Mama alleine, ich bin auf Mama angewiesen, was mache ich, wenn die jetzt Schwäche zeigt, dann bin ich ganz auf mich gestellt!"

Darf ich fragen, wie du / ihr zu diesem Schluss gekommen seid? Ich habe jetzt ein bisschen darüber nachgedacht und für mich ist das nicht schlüssig...

0
@Hacker48

Aus seinen Kommentaren heraus. Wie die genau lauteten, weiß ich nicht mehr, aber es war halt die Situation, dass er total von seiner Mutter abhängig war (Essen, Hilfe beim Anziehen, Toilettengang, Auto usw.) und sie nur als "stark" kannte. Dass sie jetzt weinte, verunsicherte ihn sehr. Die Art, wie er das "verbat" zeigte schon ziemlichen Stress, den er hatte.

Hast du mal als Kind deine Eltern weinen sehen? Mir ist das einmal passiert, als ich ca. 8 war, und das war schon eine entsetzliche Situation - plötzlich weinen die Eltern, die sonst nie weinen. Für einen selbst als Kind war es ja normal, dass man öfter mal weinte, wenn man hingefallen war oder so, aber die Eltern hatte man ja nie weinen sehen. Und plötzlich stand man da und war einfach völlig überwältigt, ohne konkrete Gedanken, es passierte einfach etwas, von dem man dachte, dass es gar nicht passieren könnte.

Um das klarzustellen: Mein Bruder war auch mitfühlend, er war wütend auf Gott, weil der seine Oma hatte sterben lassen, obwohl er so gebetet hatte und er stand morgens oft vor einem Tisch, auf dem Sachen und Fotos von ihr aufgebaut waren und flüsterte "die ist jetzt bei Gott". Das harsche Verbot bezog sich also nur auf die Überforderung, dass seine MAMA jetzt "schwach" wurde.

Überlege mal, du bist in allem von jemandem abhängig, der immer weiß, was zu tun ist, du verlässt dich darauf, dass der Essen kauft, morgens für dich da ist, um dir beim Anziehen zu helfen, nachmittags da ist, wenn du nach Hause kommst, dir Sicherheit gibt. Und jetzt vermittelt der plötzlich, dass er selbst schwach ist. Du wärest allein mit dem Leben völlig überfordert. Das kannst du vielleicht in seiner Situation nicht artikulieren, weißt es aber auf einer Ebene.

Nachdem sein Vater sich ein paar Monate vor dem Tod meiner Oma von meiner Mutter getrennt hatte, hatte mein Bruder ständig Angst, dass wir Geschwister (erwachsen, nicht mehr im Haushalt lebend) "im Dunkeln verloren gehen" oder "von Pennern verprügelt" werden könnten. Das waren vermutlich einfach Gefühle der Angst, nun auch jeden anderen in der Familie verlieren zu können, genauso wie den Vater, der plötzlich weiter weg wohnte. Solche Äußerungen waren vorher noch nicht gekommen.

0

Das ist echt das Letzte. Ich würde Schluss machen.

Mach Schluss mit dem. Solche Menschen braucht keiner!

Hallo AstralTravel👋🏻

Niemand auf der ganzen Welt hat das Recht einem seine Gefühle zu verbieten und auch noch einen zu erpressen mit seinen Gefühlen. Niemand.

Also trauere und trenn dich, ehrlich so etwas respektloses und empathieloses hab ich lang nicht mehr gelesen. Dein Großvater war sicher eine tolle Person und er hat es verdient, dass du um ihn trauerst, egal wie lange das dauert und in welchem Umfang. Mit Aussagen wie: "Ich bin doch das wichtigste für dich, wenn du trauerst, mach ich Schluss" wirst du nur so kalt wie er, wer so konsequent ist und so schwach dass er es nicht verkraftet wenn er nicht mal die nummer eins ist, der hat nix verdient im leben außer die Tür hinter sich und das "da hast du was du wolltest" als Abschied.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Gebe Erfahrungen und Denkanstöße gern weiter :)

Was möchtest Du wissen?